{"id":873677,"date":"2019-06-21T14:23:59","date_gmt":"2019-06-21T13:23:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=873677"},"modified":"2020-06-14T13:19:50","modified_gmt":"2020-06-14T12:19:50","slug":"wie-der-kreml-von-der-irankrise-profitiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2019\/06\/wie-der-kreml-von-der-irankrise-profitiert\/","title":{"rendered":"Wie der Kreml von der Irankrise profitiert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der US-Druck auf Teheran n\u00fctzt Russland. Die USA befinden sich in einer Sackgasse, ein Krieg ist sehr unwahrscheinlich.<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Christian Wipperf\u00fcrth f\u00fcr die Online-Zeitung<a class=\"author_link\" href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\"> Infosperber<\/a> <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Russland besitzt als einzige Macht tragf\u00e4hige bis ausgezeichnete Beziehungen mit allen Akteuren des Nahen und Mittleren Ostens. Pr\u00e4sidenten und Minister geben sich in Moskau fast die Klinke in die Hand. Die USA hingegen sind mit ihrer Iran-Politik international isoliert und haben sich in eine schwierige Situation man\u00f6vriert. Falls ein Land in der Lage w\u00e4re zu vermitteln, so w\u00e4re es Russland. Es geniesst Respekt, trotz aller Interessenunterschiede, gilt als berechenbar, grunds\u00e4tzlich kooperationswillig und handlungsf\u00e4hig. Dies ist die Sicht in Israel, Saudi-Arabien oder auch im Iran.<\/p>\n<h4><strong>Das Verh\u00e4ltnis Russlands zum Iran<\/strong><\/h4>\n<p>Russland wird in westlichen Medien mitunter f\u00e4lschlich als \u00abVerb\u00fcndeter\u00bb des Iran bezeichnet. Beide pflegen enge Kontakte, aber es ist fraglich, ob sie auch nur als \u00abbefreundet\u00bb bezeichnet werden k\u00f6nnen. Sie nehmen im Fall von Interessenunterschieden wenig R\u00fccksicht aufeinander und tragen mitunter harte Konflikte aus. Was sie einander nicht \u00fcbelnehmen. So funktioniert Realpolitik.<\/p>\n<p>Inwiefern profitiert der Kreml vom US-Druck auf Teheran?<\/p>\n<p>Eine erste Antwort gibt ein Blick auf die vielf\u00e4ltigen russisch-iranischen Beziehungen. Wenden wir uns zun\u00e4chst den Politikfeldern zu, in denen sich ihre Interessen weitgehend decken:<\/p>\n<p>Beide sehen den Terror im Kaukasus, die Situation in Afghanistan oder etwa den Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien \u00e4hnlich. Dies alles sind f\u00fcr Moskau sehr wichtige Fragen.<\/p>\n<p>Der Iran spielt nach Ansicht Moskaus auch in Zentralasien seit fast 30 Jahren eine konstruktive Rolle. Ein Beispiel: Kurze Zeit nach dem Ende der UdSSR brach im nunmehr unabh\u00e4ngigen Tadschikistan ein B\u00fcrgerkrieg aus. Russland war mit eigenen Sorgen besch\u00e4ftigt, entschloss sich letztlich aber dazu, die Konfliktparteien unter Gewaltandrohung an den Verhandlungstisch und zu einem Kompromiss zu zwingen. \u2013 Dies ist \u00fcbrigens einer der weltweit wenigen F\u00e4lle einer erfolgreichen friedenschaffenden Mission, die im Westen jedoch kaum registriert wird. \u2013 Die Unterst\u00fctzung Teherans war von zentraler und vielleicht unentbehrlicher Bedeutung f\u00fcr die erfolgreiche Vermittlung, was dem Kreml nach wie vor bewusst ist.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgerkrieg kostete nach unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen zwischen zwei und zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung Tadschikistans das Leben. Auf die Schweiz umgerechnet w\u00e4ren dies 170&#8217;000 bis 850&#8217;000 Tote.<\/p>\n<p>Der Kreml und Teheran sind einander wichtige Partner, haben aber sehr unterschiedliche Vorstellungen \u00fcber die Zukunft von Syrien.<\/p>\n<h4><strong>Das Verh\u00e4ltnis Russlands zu Syrien<\/strong><\/h4>\n<p>Die Meinungsdifferenzen m\u00f6gen \u00fcberraschen, denn sowohl Russland als auch der Iran wollten einen \u00abRegime Change\u00bb in Syrien verhindern. Teils, weil sie argw\u00f6hnten selbst Ziel eines solchen Vorhabens werden zu k\u00f6nnen, teils um dem Westen seine Grenzen zu zeigen. Zudem beabsichtigten beide ihren Einfluss auszuweiten, womit wir bei den Differenzen w\u00e4ren:<\/p>\n<p>Die Haltung des Kremls ist seit 2011 unver\u00e4ndert: Er bef\u00fcrwortet eine innersyrische und internationale Verhandlungsl\u00f6sung und einen Kompromiss, selbstverst\u00e4ndlich unter Ber\u00fccksichtigung eigener Anliegen. Diese lauten wie folgt:<\/p>\n<ul class=\"liste\">\n<li class=\"liste\">Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer L\u00e4nder sollten die Grossm\u00e4chte unterlassen. \u2013 Von der eigenen Interessensph\u00e4re vielleicht abgesehen.<\/li>\n<li class=\"liste\">Falls eine Intervention in Einzelf\u00e4llen erforderlich sein sollte, m\u00fcsste der UN-Sicherheitsrat (in dem Russland ein Vetorecht besitzt) hier\u00fcber befinden und nicht etwa ein US-Pr\u00e4sident.<\/li>\n<li class=\"liste\">Moskau bevorzugt eine international m\u00f6glichst einvernehmliche L\u00f6sung, damit andere Staaten ihr Gesicht wahren k\u00f6nnen und nicht ihren Unmut auf Russland richten. Die T\u00fcrkei oder etwa Saudi-Arabien sind f\u00fcr Moskau \u00e4hnlich wichtige Partner wie der Iran.<\/li>\n<li class=\"liste\">Die milit\u00e4rische und Teile der politischen F\u00fchrung lieb\u00e4ugelten damit, bereits vorhandene Anlagen in Tartus an der syrischen Mittelmeerk\u00fcste zu einem vollwertigen St\u00fctzpunkt auszubauen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Moskau h\u00e4lt einerseits seine sch\u00fctzende Hand \u00fcber die F\u00fchrung in Damaskus, damit es zu keinem vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Machtwechsel wie 2011 in Libyen kommt. Der Kreml zeigt aber seit Langem unmissverst\u00e4ndliche Vorbehalte gegen\u00fcber Damaskus. Er macht Pr\u00e4sident Assad mitverantwortlich f\u00fcr den Ausbruch und die Eskalation des Krieges.<\/p>\n<p>Der wendige franz\u00f6sische Diplomat Talleyrand meinte einmal zu einer von Napoleon angeordneten Bluttat: \u00abEs war schlimmer als ein Verbrechen, es war eine Dummheit.\u00bb Der Kreml sieht die Politik Assads \u00e4hnlich und h\u00e4lt ihn f\u00fcr inkompetent. Auch aus diesem Grund war Russland zu Beginn des Blutvergiessens bereit, Assad f\u00fcr eine Kompromiss- und Verhandlungsl\u00f6sung zu einem Amtsverzicht zu dr\u00e4ngen. Der Plan scheiterte an westlichem Desinteresse. Wie sich wohl Talleyrand dazu ge\u00e4ussert h\u00e4tte?<\/p>\n<p>Im Herbst 2015 schien ein Sieg der durch Islamisten dominierten Opposition bevorzustehen. Darum entschloss sich Russland zu einem direkten milit\u00e4rischen Eingreifen. Selbst danach war der russische Pr\u00e4sident fast zwei Jahre lang nicht bereit, mit seinem syrischen Amtskollegen auch nur zu telefonieren, geschweige denn ihn zu empfangen. Moskau beantwortete westliche Vorhaltungen, einen Diktator zu unterst\u00fctzen, mit der zutreffenden Erwiderung, Assad habe \u00fcber lange Jahre insbesondere mit dem Elys\u00e9e-Palast in Paris und nicht mit dem Kreml kommuniziert.<\/p>\n<p>Als der Pr\u00e4sident Putin im Dezember 2017 schliesslich Syrien aufsuchte, wurde Assad durch k\u00f6rperliche Interventionen eines russischen Offiziers davon abgehalten, neben Putin zu gehen. Der syrische Pr\u00e4sident wurde dazu gen\u00f6tigt, hinter seinem Gast zu bleiben. Der russische Pr\u00e4sident wandte sich zun\u00e4chst russischen Soldaten zu und liess seinen Gastgeber stehen. Eine derartige Dem\u00fctigung eines Staatsoberhaupts auf dem Boden seines eigenen Landes d\u00fcrfte Seltenheitswert haben.<\/p>\n<p>Warum entschloss sich Moskau zu einem solch drastischen Bruch der diplomatischen Etikette? Es war ein Ausbruch hilflosen Zorns, nicht des Hochmuts: Die syrische F\u00fchrung befand sich seit Ausbruch des Krieges etwa vier Jahre in der Defensive. Sie bekundete darum wiederholt ihre Bereitschaft zu einer Verhandlungsl\u00f6sung, woran eine Opposition in der Offensive und viele ihrer ausl\u00e4ndischen Unterst\u00fctzer aber kein Interesse besassen. Dar\u00fcber hinaus war das Entgegenkommen Assads vermutlich nicht wirklich ernst gemeint, sondern taktisch bedingt.<\/p>\n<p>Russlands Eingreifen brachte Damaskus ab Ende 2015 in die Offensive, sodass nunmehr Teile der Opposition Bereitschaft zu einem Kompromiss zeigten, von den Extremisten abgesehen. Nun spielte Damaskus auf Zeit und Sieg.<\/p>\n<p>Der russische Pr\u00e4sident k\u00fcndigte daraufhin einen Teilabzug der Truppen an, um Druck auf Assad f\u00fcr eine Verhandlungsl\u00f6sung auszu\u00fcben. Woraufhin Damaskus lediglich taktische, aber keine substanziellen Zugest\u00e4ndnisse machte. Russland verst\u00e4rkte den Druck und reduzierte die Pr\u00e4senz im syrischen Mittelmeerhafen Tartus. Putin wiederholte seine Ank\u00fcndigung. Assad liess die russischen Drohungen ins Leere laufen. Er setzte auf Zeit und Sieg. Ohne iranische R\u00fcckendeckung w\u00e4re dies nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Der Kreml ist nicht imstande seine Truppen abzuziehen, obwohl der Krieg gewonnen, Auslandseins\u00e4tze unbeliebt und die Realeinkommen der russischen Bev\u00f6lkerung rund zehn Prozent niedriger sind als 2014. Russland muss seine Soldaten vor Ort halten, um die Aussichten auf eine Verhandlungsl\u00f6sung zu erhalten. Ansonsten w\u00e4ren die Opfer vergebens gewesen.<\/p>\n<h4><strong>Irans Interessen in Syrien<\/strong><\/h4>\n<p>Nach Vorstellungen Teherans soll in Syrien weiterhin die religi\u00f6se Minderheit der Alawiten die Schaltstellen der Macht innehaben. Die Alawiten geh\u00f6ren der schiitischen Richtung des Islams an, was bei Millionen der \u00fcberwiegend sunnitischen Syrer auf Widerwillen st\u00f6sst. Beides ist aus Teherans Sicht von Vorteil: Syrien unter alawitischer F\u00fchrung w\u00fcrde sich weltanschaulich an Teheran anlehnen und w\u00e4re auch darauf angewiesen, weil es innenpolitisch auf schwachen Beinen st\u00fcnde.<\/p>\n<p>Teheran strebt somit keine Verhandlungs- und Kompromissl\u00f6sung an, denn sie w\u00fcrde die milit\u00e4rische Pr\u00e4senz und somit den iranischen Einfluss voraussichtlich beenden. Der Iran will nicht zuletzt deshalb eine dominante Stellung in Syrien, um das benachbarte Israel unter Druck setzen zu k\u00f6nnen. Teheran will sich in der islamischen Welt als Vork\u00e4mpfer f\u00fcr die Befreiung heiliger St\u00e4tten profilieren und somit Einfluss gewinnen.<\/p>\n<p>Russland hingegen m\u00f6chte Israels Sicherheit keinesfalls in Gefahr sehen. Die zweiseitigen Beziehungen waren nie so eng wie derzeit. Benjamin Netanjahu, Ministerpr\u00e4sident Israels, reist h\u00e4ufiger nach Russland als in die USA. Der j\u00fcdische Staat ist ein \u00e4hnlich wichtiger Partner wie der Iran.<\/p>\n<h4><strong>Zunehmende russisch-iranische Kontroversen<\/strong><\/h4>\n<p>Der Syrienkonflikt hat zahlreiche Facetten: Es handelt sich um einen B\u00fcrgerkrieg, einen Stellvertreterkrieg zwischen dem Westen und Russland sowie auch um einen Kampf zwischen den Regionalm\u00e4chten T\u00fcrkei und Saudi-Arabien um Einfluss. Und etwa seit Herbst 2017 ringen Moskau und Teheran miteinander.<\/p>\n<p>Ende 2017 schlug der Kreml den Entwurf einer neuen Verfassung Syriens vor. Er betonte den s\u00e4kularen Charakter des Landes und garantierte Minderheitenrechte. Teheran besass andere Priorit\u00e4ten, und so konnte Damaskus den russischen Vorschlag zur\u00fcckweisen. F\u00fcr derartige Dem\u00fctigungen hat man in Moskau ein langes Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n<p>Russland verst\u00e4rkte seine Bem\u00fchungen, Gefolgsleute in Syrien heranzuziehen und begann, das \u00abF\u00fcnfte Korps\u00bb der syrischen Armee auszubilden und zu bewaffnen. Der Iran band die \u00abVierte Division\u00bb der syrischen Streitkr\u00e4fte an sich, die von Maher al-Assad gef\u00fchrt wird, dem Bruder des Pr\u00e4sidenten. 2018 gab es wiederholt Anzeichen, dass pro-russische mit pro-iranischen Einheiten in Syrien aneinandergerieten, teils wurden sogar Waffen eingesetzt. Am 19. Januar 2019 eskalierten die Konflikte zu Gefechten, bei denen bis zu 200 Soldaten gefallen sein sollen. Die russische Oppositionszeitung \u00abNowaja Gazeta\u00bb erkl\u00e4rte, dass sogar russische und iranische Truppen an den K\u00e4mpfen beteiligt gewesen sein sollen. Berichte einer anderen Zeitung aus Russland, des \u00abKommersant\u00bb, gehen in eine \u00e4hnliche Richtung.<\/p>\n<p>Der US-Druck erh\u00f6ht die Bedeutung Moskaus f\u00fcr den Iran. Russland ist durch den Sitz im Sicherheitsrat und seinen weltpolitischen Ehrgeiz zur unentbehrlichen Schutzmacht geworden. Dies verbessert die Aussichten, dass sich die russischen Vorstellungen in Syrien durchsetzen. Teheran wird kaum um Zugest\u00e4ndnisse an Moskau herumkommen. Die bedr\u00e4ngte Lage des boykottierten Irans k\u00f6nnte auch vorteilhafte Konditionen f\u00fcr russische Unternehmen bei Gesch\u00e4ften mit dem Iran nach sich ziehen, was der Kreml im Blick hat.<\/p>\n<h4><strong>Die europ\u00e4ischen L\u00e4nder und die Irankrise<\/strong><\/h4>\n<p>Deutschland, Frankreich und Grossbritannien haben das Nuklearabkommen von 2015 mit dem Iran mitverhandelt und unterzeichnet. China, Russland und die USA waren die anderen Partner. Strafmassnahmen wurden aufgehoben, und die Wirtschaft des Iran wuchs 2016 und 2017 um rund 17 Prozent. 2018 stiegen die USA unter der Missbilligung aller anderen Unterzeichner aus dem Abkommen aus. Sie verh\u00e4ngten Sanktionen, die in diesem Mai noch schmerzhafter wurden.<\/p>\n<p>Die Internationale Atomenergiebeh\u00f6rde hat keinerlei Verst\u00f6sse des Iran gegen das Abkommen festgestellt. Washington wirft Teheran aber vor, die Sicherheit in der Region zu unterminieren und weiterhin Kernwaffen anzustreben.<\/p>\n<p>Berlin, London und Paris unternahmen viertelherzige und unwirksame Versuche, die Effekte der v\u00f6lkerrechtswidrigen US-Sanktionen zu begrenzen. Und hierbei wird es bleiben.<\/p>\n<p>2003 bestand die Gefahr, dass US-Streitkr\u00e4fte nach der Irakinvasion auch in den Iran vorr\u00fccken. Daraufhin begaben sich die Aussenminister Deutschlands, Frankreichs und Grossbritanniens gemeinsam \u2013 und gegen den Willen der USA \u2013 nach Teheran, um die Krise zu entsch\u00e4rfen. Ihr Besuch f\u00fchrte \u00fcber anschliessende Verhandlungen zum Nuklearabkommen. Eine \u00e4hnliche Initiative w\u00e4re auch jetzt m\u00f6glich und notwendig, sie ist aber nicht zu erwarten.<\/p>\n<h4><strong>Die Aussichten<\/strong><\/h4>\n<p>Der US-Pr\u00e4sident Trump drohte dem Iran \u00fcber \u00abTwitter\u00bb mit der \u00abVernichtung\u00bb. Am 20. Mai relativierte er sich mit den Worten: \u00abIran w\u00fcrde einen grossen Fehler machen, wenn sie irgendwas t\u00e4ten\u00bb, ohne seine Worte n\u00e4her auszuf\u00fchren. Er wolle nur nicht, dass der Iran die USA mit Atomwaffen bedrohen k\u00f6nne, erkl\u00e4rte er in einem Interview mit \u00abFox News\u00bb.<\/p>\n<p>Washington zielt offensichtlich auf zweierlei:<\/p>\n<p>1. Einen innenpolitischen Kollaps der F\u00fchrung des Iran<\/p>\n<p>Die iranische Wirtschaftsleistung d\u00fcrfte 2018 und 2019 um insgesamt etwa zehn Prozent schrumpfen. Moskau und Peking werden hinreichende Mittel und Wege finden, einen Zusammenbruch des Iran zu verhindern. Sie werden zu verhindern wissen, dass er zu Tode sanktioniert wird. Gespr\u00e4che hierzu sind wohl im Gange. Russland und China f\u00fcrchten nach wie vor, selbst zum Ziel eines westlichen \u00abRegime Change\u00bb werden zu k\u00f6nnen. Sie sind entschlossen und gemeinsam stark genug, einen amerikanischen Erfolg zu verhindern.<\/p>\n<p>Der Druck auf Teheran erh\u00f6ht zudem die Chancen f\u00fcr russische Unternehmen auf gute Deals. Viele m\u00fcssen ohnedies keine Sorgen mehr vor US-Strafmassnahmen haben, weil sie bereits sanktioniert sind.<\/p>\n<p>2. Washington will Teheran zur aussenpolitischen Unterwerfung zwingen<\/p>\n<p>US-Druck auf den Iran kommt Russlands Interessen entgegen. Eine Kapitulation des Iran ist nicht zu erwarten. Iran lehnt Gespr\u00e4che mit den USA sogar rundweg ab und verlangt von diesen eine R\u00fcckkehr zum Nuklearabkommen, also eine Vertragstreue.<\/p>\n<p>Die Irakinvasion kostete die amerikanischen Steuerzahler insgesamt bis zu 3&#8217;000 Milliarden US-Dollar. Washington ist international isoliert und die iranischen Streitkr\u00e4fte sind weit st\u00e4rker als es diejenigen des Irak waren. Selektive Luftangriffe bleiben m\u00f6glich, aber wie erginge es in diesem Fall den Tausenden amerikanischen Soldaten im Irak und in Syrien? Sie w\u00e4ren den dort weit st\u00e4rkeren pro-iranischen Kr\u00e4ften nahezu ausgeliefert.<\/p>\n<p>Die USA haben mit einem schlechten Blatt hoch gepokert. Russland ist f\u00fcr die USA unentbehrlich geworden, um leidlich gesichtswahrend aus der Lage herauszukommen.<\/p>\n<p>Die Aussenminister des Iran beziehungsweise Chinas fanden sich am 8. und 13. Mai in Moskau ein. Kurz darauf begutachtete Pr\u00e4sident Putin neuartige Atomraketen, unmittelbar vor dem Besuch des US-Aussenministers Pompeo am 14. des Monats. Ein Zufall war dies nicht: Als im Mai 2003 der damalige US-Aussenminister Powell nach Moskau reiste, simulierten zeitgleich russische Streitkr\u00e4fte Angriffe auf US-Ziele im Indischen Ozean. Und als vor einigen Jahren der US-Verteidigungsminister Kirgisistan einen Besuch abstattete, zeigten sich russische Kampflugzeuge. Russland neigt dazu, demonstrativ St\u00e4rke zu zeigen, um die eigene Bedeutung und Entschlossenheit herauszustreichen.<\/p>\n<p>Die USA kommen Russland entgegen, ihnen bleibt nichts anderes \u00fcbrig. Seit Dezember 2018 sprechen die stellvertretenden Aussenminister beider L\u00e4nder nach langer Unterbrechung wieder \u00fcber die Terrorbek\u00e4mpfung. Der amerikanische Aussenminister erkl\u00e4rte sich bei seinem Besuch in Russland dazu bereit, weitere Kommunikationskan\u00e4le wieder zu \u00f6ffnen. Es gibt ermutigende Anzeichen f\u00fcr eine amerikanisch-russische Kooperation in Bezug auf Afghanistan. Dieses Mal allerdings, anders als 2001, eher unter der F\u00fchrung Moskaus.<\/p>\n<p>Die USA brauchen den Kreml, um Auswege aus selbstverschuldeten Sackgassen zu finden. Der russische Pr\u00e4sident forderte Teheran am 15. Mai auf, das Atomabkommen nicht zu verlassen. Putin erkl\u00e4rte aber zugleich: \u00abRussland kann nicht alles retten, was nicht allein von uns abh\u00e4ngt.\u00bb<\/p>\n<p>Aber k\u00f6nnte der russische Aussenminister nicht seine Kollegen aus China, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien zu einer gemeinsam Vermittlungsmission nach Teheran einladen? Eine solche Initiative w\u00fcrde voraussichtlich nur die Handlungsunf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen M\u00e4chte nochmals herausstreichen. Es w\u00e4re immerhin interessant zu erfahren, welche Ausfl\u00fcchte sich beispielsweise der deutsche Aussenminister Maas einfallen liesse.<\/p>\n<p>Aber die europ\u00e4ischen L\u00e4nder haben bereits ein ums andere Mal demonstriert, dass sich Bem\u00fchungen kaum lohnen. Darum hat Moskau Pompeo Vorschl\u00e4ge mitgegeben, in welchen Bereichen sich Russland eine Kooperation mit den USA vorstellen kann. Hierf\u00fcr wird Russland einen Preis verlangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-Druck auf Teheran n\u00fctzt Russland. Die USA befinden sich in einer Sackgasse, ein Krieg ist sehr unwahrscheinlich. 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