{"id":870584,"date":"2019-06-13T18:01:14","date_gmt":"2019-06-13T17:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=870584"},"modified":"2019-06-13T18:01:14","modified_gmt":"2019-06-13T17:01:14","slug":"rohstoffreiches-armes-venezuela","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2019\/06\/rohstoffreiches-armes-venezuela\/","title":{"rendered":"Rohstoffreiches, armes Venezuela"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Nachrichtenportal Amerika21 bem\u00fcht sich um Aufkl\u00e4rung des obigen Widerspruchs mit einer Rezension von Holger Buttkereit zum Buch \u201eSozialismus des 21. Jahrhunderts in Venezuela\u201c (Stefan Peters,Verlag Schmetterling, 2019).<\/strong><\/p>\n<p>Amerika 21 titelt die Rezension mit &#8211; <a href=\"https:\/\/www.amerika21.de\/analyse\/226172\/venezuela-rentengesellschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6l, \u00d6l, und nochmals \u00d6l<\/a> -. Die Diktion des Buches verfolgt als Grundaussage, dass die Regierung des rohstoffreichen Landes \u00fcberwiegend selbst schuld (?) am gegenw\u00e4rtigen Zustand sei und die \u00d6lkonzerne des Nordens h\u00e4tten ein nat\u00fcrliches Recht (?) auf Zugriff der Ressourcen in Venezuela. Dem muss widersprochen werden! Auch die st\u00e4ndigen Reichtumsbehauptungen brauchen Pr\u00e4zision!<\/p>\n<p><strong>Rohstoffreichtum bedeutet per se nicht verf\u00fcgbaren Kapitalreichtum.<\/strong> Entwicklung braucht stets neue Kredite. Insgesamt informiert das Buch \u00fcber viele Zusammenh\u00e4nge, die zum beklagenswerten Zustand Venezuelas gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Die Hauptursachen der Misere des Landes werden aber unzureichend behandelt. Korruption ist eine Plage des egoistischen Kapitalismus. Seine Ausrottung eher eine Frage der Moral als der Gesetzgebung, sowie des richterlichen Verhaltens. Der Buchautor Stefan Peters verharrt in seiner Gesamtbetrachtung im Teufelskreis der neoliberalen Gedankenwelt.<\/p>\n<p>Seit der Kolonialisierung Venezuelas wurde das Land in die Rolle des Rohstofflieferanten gedr\u00e4ngt. In feudalen Zeiten entschieden Gesetze aus Madrid \u00fcber 300 Jahre, was in Venezuela aus den Arbeitsleistungen der Bev\u00f6lkerung verbleiben darf. Danach, seit 200 Jahren, bestimmen die US-amerikanische Monroe-Doktrin und die Monopolstellungen der Banken \u00fcber die Kreditvergaben, \u00fcber Zinsh\u00f6hen mittels Ratingagenturen. Weltweit anerkannter Fakt ist, dass ohne Kreditierung eine wirtschaftliche Entwicklung nicht m\u00f6glich wird! <strong>Es sind Finanzpolitiker der kapitalistischen Industriel\u00e4nder, die schlie\u00dflich auf Antrag Kredite gew\u00e4hren, und z.B. welche Finanzmittel im Staatshaushalt f\u00fcr das soziale Netz, f\u00fcr interne Investitionen, f\u00fcr die Grundsatzforschung, f\u00fcr die Kostendeckung der staatlichen Verwaltung bereitgestellt werden darf.<\/strong> Mehrfach wurden nur Kredite bereitgestellt, wenn eine entsprechende Privatisierung des gesellschaftlichen Verm\u00f6gens in Venezuela erfolgt. Das vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds betriebene Prozedere zur Kreditgew\u00e4hrung stand seit Jahren unter heftiger internationaler Kritik, auch der UNO.<\/p>\n<p>Der st\u00e4ndige Kreditmangel f\u00fchrt zum Hauptproblem Venezuelas. Die Wertsch\u00f6pfungsketten zur Verarbeitung der Rohstoffe liegen, beginnend beim Transport der Rohstoffexporte, in den H\u00e4nden ausl\u00e4ndischer Konzerne. Das erd\u00f6lreiche Venezuela hat keine eigene Tankerflotte f\u00fcr den internationalen Markt. Verarbeitete Erd\u00f6lprodukte m\u00fcssen f\u00fcr den Bedarf des Landes bis zur Gegenwart importiert werden, auch Benzin. Zur Realit\u00e4t geh\u00f6rt, dass erst der Prozess der Wertsch\u00f6pfung in jeder neuen Verarbeitungsstufe die Voraussetzungen f\u00fcr Wohlstand und Fortschritt eines Landes bringt. So \u00fcber Steuereinnahmen aus jeder Stufe, \u00fcber Verm\u00f6gensanteile zur Bildung von Renten- und Versicherungsfonds als Quellen neuer Kredite und vor allem Arbeitspl\u00e4tze und Lohngeldeinahmen der Bev\u00f6lkerung zur Gestaltung ihres Lebens. F\u00fcr den Aufbau einzelner Wertsch\u00f6pfungsstufen, die jeweils eigenst\u00e4ndige Investitionsobjekte sind, werden Kredite ben\u00f6tigt und im Falle der Entwicklungsl\u00e4nder die zus\u00e4tzliche Bezahlung f\u00fcr Technologiepatente, Lizenzen, Markennamen etc.<\/p>\n<p>Ch\u00e1vez wollte soziale Verbesserungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung einf\u00fchren, aber auch den \u00fcber Jahre bestehenden Abh\u00e4ngigkeitsprozess vom Ausland \u00e4ndern. Sicher sollte auch das \u201eVersickern\u201c von Teilen der Exporteinnahmen im System der sogenannte \u201eRenten\u00f6konomie\u201c alter Zeiten beendet werden. Er begann ein kostenfreies Schul- und Gesundheitssystem mit kubanischer Hilfe aufzubauen, vertrieb die extreme Armut aus dem Land, finanzierte Wohnungsbauprogramme f\u00fcr die unteren Schichten der Bev\u00f6lkerung und Genossenschaften. Seine Versuche enthielten Elemente einer echten gesellschaftlichen Alternative, die er Sozialismus des 21. Jahrhunderts nannte und kn\u00fcpfte an fr\u00fchere Versuche Mexikos, Guatemalas, Nikaraguas, Kubas, Chiles u.a. an. Seine Vorhaben deckten sich mit Empfehlungen der UNO zu den Millenniumszielen. <strong>Seine historisch zu nennende Absicht besteht darin, dass er die Profitlogik einer alten Ordnung in eine soziale Logik, verbunden mit dem Schutz der Natur, abl\u00f6sen wollte.<\/strong><\/p>\n<p>Eine solche Systementwicklung stufte die US-Administrationen willk\u00fcrlich als Gefahr f\u00fcr ihre Sicherheit ein. Aktionen zum \u201eRegime Change\u201c gemeinsam mit der venezolanischen Opposition versch\u00e4rften die innere Lage. Alle m\u00f6glichen Mittel der Politik, der Wirtschaft und im milit\u00e4rischen Bereich unterhalb einer Truppeninvasion wurden unternommen, um das Chaves-Konzept zu beenden.<\/p>\n<p>Der Chavismus schaffte es in den kurzen 20 Jahren seiner Herrschaft nicht, vor allem mittelst\u00e4ndische industrielle und landwirtschaftliche Strukturen aufzubauen, um die innere Versorgung vom Ausland unabh\u00e4ngiger zu gestalten und \u00fcber ein internes Besteuerungssystem eigene Kreditquellen zu schaffen. Volkswirtschaftliche Zielstellungen zu formulieren und abzustimmen, um zum Beispiel eigene Wertsch\u00f6pfungsketten zu schaffen (Entwicklungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr den Zeitraum 2013-2019 vom 11.6.2012) sind nur ein erster Schritt. Die Umsetzung in die Realit\u00e4t braucht viele Jahre, umso l\u00e4nger, wenn bewusste St\u00f6rungen die Prozesse behindern. Die internationale Zusammenarbeit zum gegenseitigen Wohle der Partner ist Bedingung.<\/p>\n<p><strong>Wie zu oft in der Geschichte Lateinamerikas drohen Niederlagen durch international organisierte Gegenkr\u00e4fte.<\/strong> Ob subjektive Fehler der Vorw\u00e4rtsstrebenden zum Stopp der Entwicklung beitragen, kann von au\u00dfen kaum richtig beurteilt werden. Ausschlag gibt, auch das lehrt die Geschichte, der Wille der Mehrheiten und ihr Wissen \u00fcber die gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge zwischen Wirtschaft, Politik und ein Buen Vivir.<\/p>\n<p>Das Buch von Stefan Perers kann nicht f\u00fcr linke Solidarit\u00e4tsbewegungen empfohlen werden und die Rezension von Holgert Buttkereit h\u00e4tte mehr Sympathie mit dem Fortschrittskr\u00e4ften Venezuelas vertragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Nachrichtenportal Amerika21 bem\u00fcht sich um Aufkl\u00e4rung des obigen Widerspruchs mit einer Rezension von Holger Buttkereit zum Buch \u201eSozialismus des 21. 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