{"id":840695,"date":"2019-04-16T12:45:42","date_gmt":"2019-04-16T11:45:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=840695"},"modified":"2019-04-16T12:45:42","modified_gmt":"2019-04-16T11:45:42","slug":"das-buddhistische-wirtschaftsmodell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2019\/04\/das-buddhistische-wirtschaftsmodell\/","title":{"rendered":"Das buddhistische Wirtschaftsmodell"},"content":{"rendered":"<p><strong>Damit ist weder eine religi\u00f6ses noch eine politisches Wirtschaftsmodell gemeint, sondern es geht schlichtweg um die ganz eigene pers\u00f6nliche Sichtweise auf ein Wirtschaftssystem und wie diese f\u00fcr sich erreicht werden kann.<\/strong><\/p>\n<p>Der Mensch, insbesondere in den reichen L\u00e4ndern, verbraucht ein Vielfaches an Ressourcen von dem was der Globus f\u00fcr ihn zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnte, ohne dass Raubbau in zahlreicher Hinsicht betrieben werden w\u00fcrde. Das ist allgemein anerkannt und wird nur von wenigen gesellschaftlichen Gruppen in Zweifel gezogen. Auf diese werde ich hier auch nicht eingehen.<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr den Homo consumensis, also den Menschen in den reichen L\u00e4ndern, der den Konsum perfektioniert hat, ist diese bittere Wahrheit besonders schwer zu begreifen und hat entsprechend hohe mentale H\u00fcrden aufgebaut, die ihn daran hindert seinen Verbrauch zu reduzieren; gar in Opposition zu jeglichen gesellschaftlichen Versuchen zu gehen, die sich dem Thema widmen.<\/p>\n<p>So wurde den Gr\u00fcnen das Pr\u00e4dikat einer \u201eVerbotspartei\u201c zuteil, weil sie zaghafte Versuche unternahmen, den uns\u00e4glich sch\u00e4dlichen Konsum zu begrenzen und selbst die chinesische Ein-Kind-Politik, die im Grunde \u00e4hnliche Ziele hat, droht zu scheitern. Stattdessen schreiben sich Wirtschaftsliberale erfolglose Selbstverpflichtungen auf die Fahnen und treiben all dem zum Trotz den Konsum weiter an. Von vor\u00fcbergehend auf Eis gelegten Turbolader TTIP ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Sowohl die freien Kr\u00e4fte der Wirtschaft wie auch eine staatliche Regulierung sind nicht in der Lage eine nachhaltiges globales Konsummodell zu etablieren. Die Folgen werden wir vielleicht schon in dieser, sicherlich aber in der n\u00e4chsten Generation zu sp\u00fcren bekommen. Es wird eine Gnade sein, wenn sich der Wandel langsam vollzieht, sodass zumindest eine Gew\u00f6hnung an die neuen Umst\u00e4nde erfolgen kann. Trotzdem werden Kriege und Konflikte um Rohstoffe und Lebensgrundlagen zunehmen. Konflikte, die auch Fl\u00fcchtlinge erzeugen werden.<\/p>\n<p>An diesem Punkt setzt das buddhistische Wirtschaftsmodell an. Es ist auch, aber nicht nur, ein spiritueller Ansatz. Er verbindet die Psychologie des Menschen, die mit Besorgnis und Emotionen besetzt ist, mit den wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten des Menschen. Es ber\u00fccksichtigt, dass der Mensch nicht perfekt ist, dass der Mensch aus vielerlei Gr\u00fcnden geneigt ist, seine Gewohnheiten beizubehalten und es arbeitet mit der Basis der buddhistischen Philosophie der Achtsamkeit und des Bewusstseins. Es anerkennt sowohl die sch\u00e4dlichen wie auch die vorteilhaften Aktivit\u00e4ten in Produktion und Konsum und bezieht die Ethik mit ein. Es versucht einen gangbaren Mittelweg zu finden. Es ist ein Modell, das viele in unserer Gesellschaft bereits leben und anwenden auch ohne dass ihnen diese Bezeichnung ein Begriff ist.<\/p>\n<p>Im Unterschied zum westlichen (jetzt schon fast globalen) Wirtschaftsmodell ist, dass die Eigeninteressen nicht mehr im Vordergrund stehen und stattdessen das Gemeinschaftsempfinden mehr in den Vordergrund ger\u00fcckt wird, das Gemeinschaftsempfinden, dass die Menschheit in einem einzigen Boot, genauer gesagt, auf einem einzigen Planeten zusammengepfercht ist und eine L\u00f6sung f\u00fcr eine lebenswerte Zukunft f\u00fcr alle finden muss.<\/p>\n<p>Kern des buddhistischen Wirtschaftsmodell ist die Achtsamkeit und das Bewusstsein auf die sch\u00e4dlichen und vorteilhaften Auswirkungen einer Handlung. So ist uns allen bekannt, dass das Heizen unseres Hauses, die Fahrt zur Arbeit und auch der Flug in den Urlaub klimasch\u00e4dliche Abgase freisetzt. Genauso wie wir wissen, dass Plastikverpackungen, wie Plastikspielzeug oder K\u00fcchengeschirr entsprechende Sch\u00e4den auf Kosten der Umwelt verursacht, bei Produktion wie bei der Entsorgung, so wissen wir um die umweltsch\u00e4dliche Stromerzeugung, dem Wasserverbrauch und den vielen kleinen Dingen im Alltag. Mit m\u00f6glichst andauernder Achtsamkeit auf und dem Bewusstsein um diese Umst\u00e4nde gelingt es im buddhistischen Wirtschaftsmodell diese St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zu reduzieren.<\/p>\n<p>Das Netz ist voll mit Abertausenden Vorschl\u00e4gen: Vom Carsharing \u00fcber lokale W\u00e4hrungen bis hin zu gemeinschaftlichem Wohnen; vom \u00d6kostrom \u00fcber den Bioladen bis zur ethischen Geldanlage; von Mikrokrediten \u00fcber NGO-Mitgliedschaften bis zur papierlosen Toiletten&#8230; Jeder wendet je nach seiner Lebenslage, seinen finanziellen und gesellschaftlichen M\u00f6glichkeiten die Module an, die er ohne au\u00dfergew\u00f6hnliche Anstrengungen leisten kann. Letzteres ist wichtig, denn eine radikale \u00c4nderung des Lebenswandels f\u00fchrt schnell zur Frustration und zur Beendigung aller Bem\u00fchungen.<\/p>\n<p>Von Bedeutung dagegen ist nicht nur die Achtsamkeit auf die Umst\u00e4nde, sondern auch die Achtsamkeit auf die Motivation. Es geht um das Vermeiden des Egoismus, der Gier nach dem \u201eMein\u201c, dem \u201eIch\u201c mehr hin zu dem \u201eUnser\u201c, dem \u201eWir\u201c. Pr\u00e4ferenzen, die dem Homo economicus verloren gegangen sind. Ebenso liegt ein Focus auf dem Vermeiden von Leid, Leid der Mitmenschen und Leid der Tiere. So ist es zwar modern, sich \u00fcber die Schlachtmethoden anderer Kulturen zu erbosen, solange ich jedoch auch die Schlachtmethoden unserer Gesellschaft nicht kritisch hinterfrage, liegt die Motivation eben nicht in der Verbesserung des Wirtschaftsmodells.<\/p>\n<p>Das derzeitige Wirtschaftsmodell ermutigt zum materiellem \u00dcberwohlstand und dem Verlangen von diesem mehr und mehr, mittels des Werkzeugs der Gier, zu erlangen; dies auch auf Kosten von anderen. Im buddhistischen Wirtschaftsmodell dagegen wird Wert auf die Vereinfachung der W\u00fcnsche gelegt. Von den notwendigen Dingen wie Wohnung, Essen, Kleidung und Medizin abgesehen werden die anderen Bed\u00fcrfnisse minimiert. W\u00e4hrend das derzeitige Modell von einem stetigen Wachstum und maximalen Gewinnen getrieben wird, ist im buddhistischen Modell Triebfeder die Minimierung von Zerst\u00f6rung und Gewalt. So schauen konventionelle Aktion\u00e4re auf den kurzfristigen B\u00f6rsengewinn; die Aktion\u00e4re im buddhistischen Modell denken anders: Sie glauben nicht daran, dass die B\u00f6rse ein unvoreingenommener Markt ist, sondern fordern aktiv Nachhaltigkeit ein. Sie pflegen das Vertrauen ineinander, bauen zusammen Werte auf und bringen Menschen zueinander. Nachhaltige Banken investieren nicht in sch\u00e4dliche Geldanlagen und f\u00f6rdern umweltfreundliche und soziale Projekte und sie sind erfolgreich: Nachhaltige Banken sind von der Bankenkrise kaum betroffen, pflegen ein gemeinschaftliches innerbetriebliches Verh\u00e4ltnis und k\u00f6nnen dies auf ihre Kunden transportieren.<\/p>\n<p>Jeder, der sich mit diesem Wirtschaftsmodell besch\u00e4ftigt wird nach und nach Mittel und Wege finden, seinen ganz eigenen, vielleicht noch so kleinen Anteil am Konsum umweltfreundlicher auszurichten. Er wird sich nicht verurteilen, sich nicht qu\u00e4lenden Gewissensbissen hingeben, wenn er denn mal nicht umhin kommt oder bewusst sch\u00e4dliche Verhaltensweisen aus\u00fcben. Er wird sich im Bewusstsein dessen um Minderung der Auswirkungen, um Kompensation und um Auswege k\u00fcmmern, diese aber nicht mit asketischer Gesinnung durchpeitschen.<\/p>\n<p>Seit aber gewarnt: Es ist ein dauernder Prozess, der nie enden wird. Es wird eine stetige Wanderschaft ohne Spurteinlagen sein. Ausdauer ist gefragt, Ehrlichkeit genauso und vor allem aber <strong>\u2192 WILLE<\/strong>.<\/p>\n<p>In den alten indischen \u00dcberlieferungen wird von einem gl\u00fccklichen und zufriedenen Bauern berichtet, der auf seinem Feld einen Klumpen Gold fand. Er teilte ihn in vier Teile. Einen Teil verwendete er f\u00fcr seine t\u00e4glichen Ausgaben, einen weiteren Teil sparte er, mit dem dritten Teil handelte er und den letzten Teil spendete er f\u00fcr gute Zwecke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damit ist weder eine religi\u00f6ses noch eine politisches Wirtschaftsmodell gemeint, sondern es geht schlichtweg um die ganz eigene pers\u00f6nliche Sichtweise auf ein Wirtschaftssystem und wie diese f\u00fcr sich erreicht werden kann. 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