{"id":774404,"date":"2018-12-11T19:08:07","date_gmt":"2018-12-11T19:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=774404"},"modified":"2019-04-17T11:08:13","modified_gmt":"2019-04-17T10:08:13","slug":"tierprodukte-befeuern-globale-erwaermung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/12\/tierprodukte-befeuern-globale-erwaermung\/","title":{"rendered":"Tierprodukte befeuern globale Erw\u00e4rmung"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/aktuell\/tierprodukte-befeuern-globale-erwaermung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Von Albert Schweitzer Stiftung f\u00fcr unsere Mitwelt<\/em><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Beim Stichwort \u00bbKlimawandel\u00ab denkt nicht jeder Mensch sofort an Landwirtschaft und Massentierhaltung. Dabei wissen ExpertInnen l\u00e4ngst: Schlimme Folgen einer globalen Erw\u00e4rmung f\u00fcr den Planeten und somit auch f\u00fcr uns Menschen k\u00f6nnen wir nur abwenden, wenn wir deutlich weniger Tierprodukte konsumieren.<\/strong><\/p>\n<h3>Klimawandel betrifft alle<\/h3>\n<p>Seit der Industrialisierung, also seit Mitte des 19. Jahrhunderts, ist die weltweite Durchschnittstemperatur um rund 1 \u00b0C angestiegen. Grund daf\u00fcr ist der Treibhauseffekt: Kohlenstoffdioxid (CO2) und andere Treibhausgase halten W\u00e4rme in der Erdatmosph\u00e4re zur\u00fcck. Das Klima ver\u00e4ndert sich dadurch deutlich schneller und st\u00e4rker, als dies bisher in der Erdgeschichte der Fall war. Der Weltklimarat geht davon aus, dass von Menschen verursachte Treibhausgasemissionen f\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ipcc.ch\/pdf\/assessment-report\/ar5\/syr\/SYR_AR5_FINAL_full_wcover.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr als 50 %<\/a>\u00a0der zwischen 1951 und 2010 beobachteten Erw\u00e4rmung verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen des ver\u00e4nderten Klimas sind immer deutlicher zu sp\u00fcren: Extreme Wetterlagen, Waldbr\u00e4nde, Ernteeinbu\u00dfen, steigende Meeresspiegel und schmelzendes Polareis haben Auswirkungen auf das \u00f6kologische Gleichgewicht, die biologische Vielfalt, bedrohen Leben und Lebensr\u00e4ume von Mensch und Tier und erschweren die weltweite Nahrungsmittel- und Wasserversorgung.<\/p>\n<p>Treibhausgase sorgen dabei nicht nur f\u00fcr den Treibhauseffekt, sondern auch f\u00fcr die Versauerung der Meere. Das bedeutet, dass der pH-Wert des Wasser absinkt, da es immer mehr CO2 aufnimmt \u2013 mit fatalen Folgen f\u00fcr das \u00d6kosystem der Meere.<\/p>\n<h3>Ein halbes Grad mehr oder weniger<\/h3>\n<p>Die Lage ist ernster als zun\u00e4chst angenommen: Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 einigten sich die Vereinten Nationen darauf, die globale Durchschnittstemperatur um nicht mehr als zwei Grad ansteigen zu lassen. F\u00fchrende\u00a0<a href=\"http:\/\/ipcc.ch\/report\/sr15\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ExpertInnen des Weltklimarats<\/a>\u00a0warnen mittlerweile jedoch, dass dann bereits das Risiko f\u00fcr langanhaltende und nicht wiedergutzumachende Sch\u00e4den f\u00fcr den Planeten viel zu hoch sei. Sie raten, die Klimaerw\u00e4rmung auf 1,5 \u00b0C zu begrenzen. Daf\u00fcr brauche es \u00bbschnelle, weitreichende und beispiellose Ver\u00e4nderungen in allen Bereichen der Gesellschaft\u00ab.<\/p>\n<h3>Treibhausgase aus der Massentierhaltung<\/h3>\n<p>Einen gro\u00dfen Anteil an dem durch Menschen verursachten Klimawandel hat die industrielle Tierhaltung. Nach Angaben der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ist sie f\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fao.org\/3\/a-i3437e.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">rund 15 %<\/a>\u00a0der von Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Weitere Quellen sind die Energiewirtschaft, Industrie, Forstwirtschaft, der Verkehr, Geb\u00e4ude und Entsorgung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/land-forstwirtschaft\/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Treibhausgase aus der Massentierhaltung<\/a>\u00a0sind \u00fcberwiegend Methan, das Wiederk\u00e4uer wie Rinder in ihren M\u00e4gen produzieren, und Lachgas, das durch stickstoffhaltige D\u00fcnger freigesetzt wird. In Deutschland stammten 2016 rund 59 % der gesamten Methan- und 80 % der Lachgas-Emissionen aus der Land- und dabei weitestgehend aus der Tierwirtschaft. Beides sind extrem klimasch\u00e4dliche Gase: Methan ist rund 25-mal und Lachgas rund 300-mal klimasch\u00e4dlicher als CO2. Das Umweltbundesamt sch\u00e4tzt aktuell, dass die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/warum-fleisch-zu-billig-ist\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bis zu\u00a028 kg<\/a>\u00a0Treibhausgase verursacht, w\u00e4hrend es bei Obst und Gem\u00fcse weniger als ein Kilogramm sind.<\/p>\n<p>Auch wenn W\u00e4lder in gro\u00dfem Stil abgeholzt oder gerodet, Gr\u00fcnland zerst\u00f6rt oder Feuchtgebiete trockengelegt werde, um Weiden zu schaffen und Futterpflanzen anzubauen, wird CO2 freigesetzt. Pflanzen und B\u00f6den sind n\u00e4mlich in der Lage, das Treibhausgas zu speichern und k\u00f6nnen, wenn sie intakt bleiben, dem Klimawandel entgegenwirken.<\/p>\n<p>Wenn wir unsere Lebensmittelversorgung weiter dadurch sicherstellen, dass wir immer mehr Land und W\u00e4lder in \u00c4cker und Weiden umwandeln und immer mehr Tiere halten, wird die Landwirtschaft im Jahr 20150 zu einem Hauptmotor des Klimawandels geworden sein. Die Treibhausgase aus der Landwirtschaft werden dann\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cam.ac.uk\/research\/news\/changing-global-diets-is-vital-to-reducing-climate-change\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Vergleich zu 2009 um 77 %<\/a>\u00a0angestiegen sein: von 11,4 Gt CO2-\u00c4quivalenten im Jahr auf 20,2 Gt.<\/p>\n<h3>So sch\u00e4dlich wie ein \u00d6lkonzern<\/h3>\n<p>Gemeinsam sind die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Fleisch- und Molkereikonzerne bereits heute f\u00fcr mehr Treibhausgas-Emissionen pro Jahr verantwortlich als einer der \u00d6lkonzerne Exxon-Mobil, Shell oder BP. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame\u00a0<a href=\"https:\/\/www.iatp.org\/emissions-impossible\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a>\u00a0des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) und der Umweltorganisation Grain aus diesem Jahr.<\/p>\n<p>Die ForscherInnen untersuchten die Treibhausgas-Emissionen der 35 weltweit gr\u00f6\u00dften Unternehmen aus der Fleisch- und Milchbranche. Sie errechneten, wie viele Emissionen in allen Phasen der Produktion anfallen, also auch zum Beispiel durch die Aufzucht der Tiere, die Rodung von W\u00e4ldern oder durch die von den Tieren produzierten Methan- und G\u00fcllemengen. Diese Emissionsquellen f\u00fchren die Unternehmen in ihren eigenen Bilanzen meist nicht auf.<\/p>\n<p>Der brasilianische Fleischkonzern JBS, der gr\u00f6\u00dfte der Welt, verursacht demnach die meisten Treibhausgase, gefolgt von Tyson Foods, Cargill und Dairy Farmers, drei US-amerikanischen Unternehmen. Die klimasch\u00e4dlichsten Unternehmen aus Deutschland sind das Deutsche Milchkontor, der landesweit gr\u00f6\u00dfte Molkerei-Konzern, auf Platz 21 und der Fleischkonzern T\u00f6nnies auf Platz 24.<\/p>\n<h3>Wachstum vor Nachhaltigkeit?<\/h3>\n<p>Zwar machten immerhin 14 der in der Studie untersuchten Unternehmen Angaben, ihre Treibhausgas-Emissionen k\u00fcnftig verringern zu wollen. Allerdings ber\u00fccksichtigen nur sechs von ihnen dabei die gesamte Bandbreite der Emissionsquellen. Trotzdem hoffen alle untersuchten Unternehmen darauf, weiter zu wachsen und immer mehr Milch- und Fleischprodukte verkaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Regierungen setzen dem kaum etwas entgegen, sondern unterst\u00fctzen h\u00e4ufig die nicht nachhaltigen Produktionssysteme, so eine\u00a0<a href=\"http:\/\/changingmarkets.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Growing-the-Good-report-v3.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Untersuchung<\/a>\u00a0der Changing Markets Foundation. Sie erschweren es teilweise sogar den Herstellern pflanzlicher Alternativen, ihre Produkte zu verkaufen. Indem sie Bezeichnungen wie \u00bbSojamilch\u00ab verbieten, erm\u00f6glichen sie es, juristisch gegen Pflanzenprodukt-HerstellerInnen vorzugehen, obwohl die Begriffe dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprechen.<\/p>\n<h3>Klimafreundlicher: H\u00fclsenfr\u00fcchte statt Tierprodukte<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-018-0594-0.epdf?referrer_access_token=isXbzB1EFxqP32AXHCkLi9RgN0jAjWel9jnR3ZoTv0M2ZckU8PFAjFp2beHrcOXhHVPwiboHFjCLaVoEktOYmui1E_WbtCgUiW0GQ_D1Zsf9ikhdqzS9hAlJ2OYj63T9paYkbkbjbwbiMDtAsaaLIStmp4pVAf5k2WAYS1T_ySVFXQamjSmbZZOqgcbZWrei-uyC6A_FVQNeiIMKlcXtpL1l3TMhhDAAQ6xoEU683VobvCaltof2ZDm9A_x8ewm3Tbvn06rZ8w5vDSAzHornwJUismlXYopYKos8oVObcIfBzNGSO9n_EoqafWL6HtZk&amp;tracking_referrer=www.theguardian.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein internationales Forscherteam<\/a>\u00a0rechnete im Oktober dieses Jahres vor, dass man die Treibhausgasemissionen durch die Tierhaltung um die H\u00e4lfte reduzieren k\u00f6nnte, wenn sich die Menschheit, vor allem in den reichen Nationen, pflanzlicher ern\u00e4hren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jede Person m\u00fcsste demnach im Durchschnitt 75 % weniger Rindfleisch, 90 % weniger Schweinefleisch und nur halb wie viele Eier wie bisher essen. Stattdessen sollten vermehrt H\u00fclsenfr\u00fcchte, N\u00fcsse und Samen auf dem Speiseplan stehen.<\/p>\n<h3>Klima- und Umweltsch\u00e4den mitzahlen<\/h3>\n<p>W\u00fcrde man die \u00bbversteckten Kosten\u00ab, die durch Umweltsch\u00e4den entstehen, auf die Lebensmittelpreise aufschlagen, w\u00fcrden sich die Preise f\u00fcr tierliche Produkte verdreifachen. Das errechnete ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tollwood.de\/presse\/how-much-is-the-dish-was-kosten-uns-lebensmittel-wirklich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Team der Universit\u00e4t Augsburg<\/a>, indem es die Verwendung von Stickstoffd\u00fcnger, die Treibhausgas-Emissionen und den Energieverbrauch finanziell ber\u00fccksichtigte. Konventionelles Fleisch oder Eier w\u00e4ren dann um 43 % teurer als jetzt, Milchprodukte um 32 %. Ein Kilogramm pflanzliche Lebensmittel w\u00fcrde nur 6 % mehr kosten.<\/p>\n<p>Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re es, nachhaltige Ern\u00e4hrungssysteme zu subventionieren oder eine h\u00f6here Mehrwertsteuer f\u00fcr Fleisch einzuf\u00fchren. Letzteres schl\u00e4gt das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/warum-fleisch-zu-billig-ist\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umweltbundesamt<\/a>\u00a0vor und ist auch eine\u00a0<a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/aktuell\/mehrwertsteuer-reform-gefordert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unserer Forderungen<\/a>.<\/p>\n<h3>Jetzt handeln!<\/h3>\n<p>Um schwerwiegende Folgen einer globalen Erw\u00e4rmung zu verhindern, m\u00fcssen Privatpersonen, Wirtschaft und Politik weltweit an einem Strang ziehen. Die westlichen Industrienationen haben dabei Vorbildfunktion: Ihr Lebensstandard, mit viel Fleisch- und Milchprodukten, gro\u00dfen Autos, Energie aus fossilen Brennstoffen usw., ist f\u00fcr viele Menschen Ma\u00dfstab.\u00a0<a href=\"https:\/\/vegan-taste-week.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir alle k\u00f6nnen<\/a>\u00a0unseren Teil zu einem besseren Klimabewusstsein beitragen, indem wir sch\u00e4dliches Verhalten in unserem Alltag vermeiden sowie umwelt- und klimafreundliche Alternativen f\u00f6rdern und fordern.<\/p>\n<p>Vom 3. bis zum 14. Dezember findet im polnischen Katowice die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.cop24.katowice.eu\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">24. UN-Klimakonferenz<\/a>\u00a0statt. Es wird sich zeigen, ob die PolitikerInnen den Ernst der Lage erkannt haben. EU-Klimakommissar Miguel Arias Ca\u00f1ete\u00a0<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/co2-emissionen-mit-diesem-plan-will-bruessel-europa-bis-2050-klimaneutral-machen\/23686134.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sprach sich im Vorfeld<\/a>\u00a0bereits f\u00fcr ein ehrgeiziges Ziel aus: ein klimaneutrales Europa bis 2050. Global gesehen ist das nur der Anfang \u2013 und ohne Ern\u00e4hrungswandel geht es nicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/aktuell\/tierprodukte-befeuern-globale-erwaermung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Der Original-Artikel kann hier auf der Seite der Albert Schweitzer Stiftung f\u00fcr unsere Mitwelt eingesehen werden.<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Weitere Artikel zum Thema:<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/08\/emissions-impossible-wie-die-fleisch-und-milchindustrie-den-planeten-aufheizt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Emissions Impossible: Wie die Fleisch- und Milchindustrie den Planeten aufheizt<\/em><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/09\/angela-merkels-einstellung-zu-empathie-und-tierschutz-und-was-das-fuer-unsere-zukunft-bedeutet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Angela Merkels Einstellung zu Empathie und Tierschutz und was das f\u00fcr unsere Zukunft bedeutet<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Albert Schweitzer Stiftung f\u00fcr unsere Mitwelt Beim Stichwort \u00bbKlimawandel\u00ab denkt nicht jeder Mensch sofort an Landwirtschaft und Massentierhaltung. 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