{"id":774272,"date":"2018-12-11T16:48:34","date_gmt":"2018-12-11T16:48:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=774272"},"modified":"2018-12-11T16:50:42","modified_gmt":"2018-12-11T16:50:42","slug":"euro-statt-dollar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/12\/euro-statt-dollar\/","title":{"rendered":"Euro statt Dollar"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die EU fordert mit neuen Ma\u00dfnahmen den US-Dollar und seine Stellung als Weltleitw\u00e4hrung heraus. Wie die EU-Kommission ank\u00fcndigt, soll in Zukunft vor allem der Handel europ\u00e4ischer Unternehmen mit Energierohstoffen in Euro statt in US-Dollar abgewickelt werden. Ebenso sollten der Airbus-Konzern sowie Autoproduzenten bei ihren K\u00e4ufen und Verk\u00e4ufen nach M\u00f6glichkeit die EU-Einheitsw\u00e4hrung nutzen. Zudem will die Kommission die Schaffung eines europ\u00e4ischen Zahlungssystems unterst\u00fctzen.<\/strong><\/p>\n<p>Man sei bem\u00fcht, die &#8222;Rolle des Euro zu st\u00e4rken&#8220;, weil Washington den Dollar als politisches &#8222;Druckmittel&#8220; instrumentalisiere, erkl\u00e4rt EU-Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker. Die \u00c4u\u00dferung bezieht sich nicht zuletzt auf die Sanktionen gegen Iran, zu deren Einhaltung Washington europ\u00e4ische Firmen zwingen konnte, weil diese in der Praxis auf den US-Dollar nicht verzichten k\u00f6nnen. Beobachter urteilen, um die Dominanz der US-W\u00e4hrung zu brechen, ben\u00f6tige man Euro-Bonds; deren Einf\u00fchrung ist bisher an Berlin gescheitert. Russland unterst\u00fctzt die Abkopplungsversuche der EU.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>&#8222;Wir in Europa&#8220;<\/strong><\/h4>\n<p class=\"western\">Vor dem Hintergrund zunehmender handelspolitischer und geostrategischer Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europ\u00e4ischen Union beginnen Berlin und Br\u00fcssel, die dominante Stellung des US-Dollars als Weltleitw\u00e4hrung offen herauszufordern. Die EU-Kommission hat vergangene Woche verschiedene Ma\u00dfnahmen angek\u00fcndigt, um das Gewicht des Euro im internationalen Zahlungsverkehr und seine Bedeutung als Reservew\u00e4hrung gegen\u00fcber dem US-Dollar zu erh\u00f6hen. Dies k\u00f6nne dazu beitragen, gegen die Instrumentalisierung der US-W\u00e4hrung als politisches &#8222;Druckmittel&#8220; vorzugehen, hei\u00dft es.[1] Weil Pr\u00e4sident Donald Trump den Dollar zunehmend als eine &#8222;politische Waffe&#8220; einsetze, gehe die EU-Kommission daran, die &#8222;Rolle des Euro zu st\u00e4rken&#8220;.[2] Es sei &#8222;l\u00e4cherlich&#8220;, dass europ\u00e4ische Konzerne in der Eurozone gefertigte Flugzeuge nicht in Euro, sondern in US-Dollar einkauften, erkl\u00e4rte EU-Kommissionspr\u00e4sident Jean-Claude Juncker in seiner j\u00fcngsten Rede zur &#8222;Lage der Union&#8220;. Der Euro m\u00fcsse das &#8222;Gesicht und das Werkzeug&#8220; einer neuen &#8222;europ\u00e4ischen Souver\u00e4nit\u00e4t&#8220; werden, damit die EU-W\u00e4hrung auf &#8222;dem internationalen Parkett die Bedeutung erlangen&#8220; k\u00f6nne, die ihr zustehe. Laut Juncker wickelten &#8222;wir in Europa&#8220; rund 80 Prozent der j\u00e4hrlichen Energieimporte im Umfang von rund 300 Milliarden Europa immer noch in US-Dollar ab, obwohl nur zwei Prozent der importierten Energietr\u00e4ger tats\u00e4chlich aus den USA k\u00e4men.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>Kampf gegen den Petrodollar<\/strong><\/h4>\n<p class=\"western\">Im Zentrum der geldpolitischen Souver\u00e4nit\u00e4tsbem\u00fchungen Berlins und Br\u00fcssels steht der Handel mit Energietr\u00e4gern. So will die EU-Kommission europ\u00e4ische Unternehmen dazu veranlassen, vor allem ihre Energieeink\u00e4ufe k\u00fcnftig in Euro abzuwickeln; insbesondere auf diesem Sektor bringe die Abh\u00e4ngigkeit vom US-Dollar &#8222;Unsicherheiten, Kosten und Risiken&#8220; mit sich, erkl\u00e4rt die Kommission. Ziel sei es, &#8222;das Risiko von Versorgungsunterbrechungen&#8220; zu verringern und &#8222;die Autonomie europ\u00e4ischer Firmen st\u00e4rken&#8220;. Weil man den Unternehmen jedoch nicht vorschreiben k\u00f6nne, Erd\u00f6l- und Erdgasgesch\u00e4fte in Euro abzuwickeln, werde man zun\u00e4chst eine Befragung von Managern und Finanzexperten durchf\u00fchren und im Sommer einen Zwischenbericht publizieren, hei\u00dft es.[3] Bei der Ma\u00dfnahme handelt es sich nicht zuletzt um eine Reaktion auf den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit Iran.[4] Von den darauf folgenden US-Sanktionen waren besonders deutsche Exportunternehmen betroffen. Britische Wirtschaftsmedien zitierten in diesem Zusammenhang in dem Kommissionspapier enthaltene Verweise auf &#8222;j\u00fcngste Herausforderungen der internationalen regelbasierten Handelsgesetzgebung&#8220;, die als &#8222;verdeckter Hinweis auf die aggressive Handelspolitik der Trump-Administration&#8220; interpretiert wurden.[5] Br\u00fcssel wolle nun verst\u00e4rkt &#8222;politischen Druck aus\u00fcben&#8220;, um die Abh\u00e4ngigkeit der EU vom Petrodollar zu verringern, da es den Europ\u00e4ern schwerfalle, die US-Sanktionen gegen den Iran zu umgehen, hie\u00df es weiter. Dabei sollen k\u00fcnftig Energiegesch\u00e4fte in einem europ\u00e4ischen &#8222;Rahmenwerk intergouvernementaler Energievereinbarungen&#8220; get\u00e4tigt werden.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>Airbus, Autos &#8211; und ein europ\u00e4isches Zahlungssystem<\/strong><\/h4>\n<p class=\"western\">Neben dem Energiehandel soll auch Airbus als Pionier der geldpolitischen &#8222;Souver\u00e4nit\u00e4t Europas&#8220; auftreten und seine Gesch\u00e4fte k\u00fcnftig auf Eurobasis abwickeln. Dazu sind bereits konkrete Gespr\u00e4che zwischen dem deutsch-franz\u00f6sischen Flugzeugbauer und der EU-Kommission geplant. Ebenfalls zu Konsultationen vorgeladen werden die Autobauer, die sich mit drohenden US-Strafz\u00f6llen konfrontiert sehen. Das Ma\u00dfnahmenpaket der EU-Kommission fordert \u00fcberdies die Entwicklung eines unabh\u00e4ngigen europ\u00e4ischen Zahlungssystems. Hierbei will die EU europ\u00e4ische Konkurrenten zu Zahlungsdienstleistern wie Visacard, Mastercard oder Paypal aufbauen, die bislang auf Dollar-Basis operieren.[6] Laut W\u00e4hrungskommissar Pierre Moscovici geht es Br\u00fcssel bei den Bem\u00fchungen um eine geldpolitische Abkopplung von Washington auch darum, &#8222;die europ\u00e4ischen B\u00fcrger und Unternehmen besser vor externen Schocks zu sch\u00fctzen und die Widerstandsf\u00e4higkeit des internationalen W\u00e4hrungs- und Finanzsystems zu erh\u00f6hen&#8220;. Die Vereinigten Staaten k\u00f6nnten sich beispielsweise problemlos in ihrer eigenen W\u00e4hrung verschulden, ohne &#8222;Risiken durch Wechselkursschwankungen einzugehen&#8220;. \u00c4hnliche Spielr\u00e4ume soll nun offensichtlich auch die fragile Eurozone gewinnen &#8211; gerade im Hinblick auf drohende abermalige Krisensch\u00fcbe. \u00dcberdies will die EU afrikanischen Staaten, die den Euro als internationale W\u00e4hrung benutzen wollen, &#8222;technische Hilfe&#8220; gew\u00e4hren.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>&#8222;Die Dominanz brechen&#8220;<\/strong><\/h4>\n<p class=\"western\">Um den den Euro zu einem ernsthaften Konkurrenten zum US-Dollar aufzubauen, m\u00fcsste freilich &#8211; darauf weisen Beobachter hin &#8211; der Umbau der Eurozone weiter forciert werden. Notwendig seien eine Bankenunion und eine &#8222;Kapitalmarkt-Gemeinschaft&#8220;; davon sei man allerdings noch weit entfernt. Von den rund 40 wichtigsten Integrationsvorschl\u00e4gen der EU-Kommission seien gerade einmal sieben verabschiedet worden.[7] Eklatante L\u00fccken gebe es vor allem auf dem globalen Anleihemarkt, auf dem mit US-Schatzbriefen &#8222;als sicher geltende Dollar-Papiere&#8220; etabliert seien. Hierzu gebe es keine europ\u00e4ische Alternative, da Berlin die Einf\u00fchrung vergleichbarer Euro-Bonds bislang abgelehnt habe &#8211; in Berlin der Bundesrepublik sehe man in ihnen lediglich eine &#8222;Vergemeinschaftung&#8220; von Schulden. US-Medien verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass die EU-Einheitsw\u00e4hrung den Gipfelpunkt ihrer internationalen Bedeutung vor dem Ausbruch der Weltfinanzkrise von 2007\/08 erreichte, danach aber erheblich an Einfluss verloren hat.[8] Der Euro habe &#8222;sich seitdem nicht erholt&#8220;; der Greenback bleibe die global am h\u00e4ufigsten benutzte W\u00e4hrung. In US-Dollar seien &#8222;60 Prozent der Staatsanleihen und der Devisenreserven&#8220; weltweit angelegt worden, w\u00e4hrend der Euro als zweitwichtigste W\u00e4hrung nur einen Anteil von jeweils rund 20 Prozent an beiden M\u00e4rkten halte. Als konkurrenzf\u00e4hig kann einzig der Anteil des Euro am internationalen Zahlungsverkehr bezeichnet werden. Laut der EU-Kommission lag er 2017 bei 36 Prozent, w\u00e4hrend der Dollar auf 40 Prozent kam. In Br\u00fcssel mache man sich folglich &#8222;keine Illusionen&#8220; \u00fcber eine baldige Abl\u00f6sung des US-Dollar als Weltleitw\u00e4hrung, hei\u00dft es.[9] Die EU-Kommission wolle lediglich seine &#8222;Dominanz brechen&#8220;. Neben der EU-Einheitsw\u00e4hrung k\u00f6nnten auch der chinesische Renminbi und der japanische Yen f\u00fcr mehr &#8222;Vielfalt im internationalen W\u00e4hrungssystem sorgen&#8220;.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><strong>Russlands &#8222;Dedollarisierung&#8220;<\/strong><\/h4>\n<p class=\"western\">US-Medien, die die Vorg\u00e4nge genau beobachten, kommen zu dem Schluss, derzeit unterst\u00fctze vor allem Russland die geldpolitische Absetzbewegung der EU vom US-Dollar nach Kr\u00e4ften und werfe &#8222;sein Gewicht hinter den Euro&#8220;.[10] Tats\u00e4chlich begibt Moskau, nachdem es seine in Dollar gehaltenen Devisen-Wertpapierbest\u00e4nde weitgehend abgeworfen hat, nun erstmals seit 2013 Anleihen in Euro &#8211; im Wert von einer Milliarde Euro.[11] Damit erh\u00e4lt die EU de facto einen Verb\u00fcndeten bei ihren Bem\u00fchungen, den Euro auf globaler Ebene zu st\u00e4rken. Die von Moskau forcierte &#8222;Dedollarisierung&#8220; Russlands ist dabei schon weit vorangeschritten. Die russischen US-Bonds-Reserven sind von einem Volumen von 96,1 Milliarden US-Dollar im M\u00e4rz 2018 auf nur noch 14,4 Milliarden im September gesunken. Die neuen russischen Euro-Anleihen gelten nun als ein erster Test, um zu ergr\u00fcnden, ob &#8211; wie es hei\u00dft &#8211; genug Nachfrage nach Euro-Anleihen bestehe, die es Russland erm\u00f6glichen w\u00fcrde, &#8222;seine Verpflichtungen wie seine Aktivposten aus dem Dollar zu nehmen&#8220;.<\/p>\n<p>[1] EU-Kommission will Rolle von Euro auf Weltb\u00fchne st\u00e4rken. handelsblatt.com 05.12.2018.<br \/>\n[2], [3] Alexander M\u00fchlauer: Die Systemfrage. sueddeutsche.de 05.12.2018.<br \/>\n[4] Francesco Guarascio: EU pushes for broader global use of euro to challenge dollar. reuters.com 05.12.2018.<br \/>\n[5] Jim Brunsden, Mehreen Khan: Brussels sets out plans for euro to challenge dollar dominance. ft.com 03.12.2018.<br \/>\n[6], [7] Detlef Drewes: Der Euro soll den Dollar abl\u00f6sen. general-anzeiger-bonn.de 06.12.2018.<br \/>\n[8] Francesco Guarascio: EU pushes for broader global use of euro to challenge dollar. reuters.com 05.12.2018.<br \/>\n[9] Alexander M\u00fchlauer: Die Systemfrage. sueddeutsche.de 05.12.2018.<br \/>\n[10] Leonid Bershidsky: Putin Is Throwing His Weight Behind the Euro. bloomberg.com 28.11.2018.<br \/>\n[11] Finanzministerium platziert Eurobonds f\u00fcr 1 Mrd. EUR zu 3% pa. russland.capital 28.11.2018.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU fordert mit neuen Ma\u00dfnahmen den US-Dollar und seine Stellung als Weltleitw\u00e4hrung heraus. Wie die EU-Kommission ank\u00fcndigt, soll in Zukunft vor allem der Handel europ\u00e4ischer Unternehmen mit Energierohstoffen in Euro statt in US-Dollar abgewickelt werden. 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