{"id":772254,"date":"2018-12-07T14:14:05","date_gmt":"2018-12-07T14:14:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=772254"},"modified":"2018-12-07T14:16:33","modified_gmt":"2018-12-07T14:16:33","slug":"zu-besuch-beim-kubanischen-botschafter-fuer-uns-war-solidaritaet-immer-sehr-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/12\/zu-besuch-beim-kubanischen-botschafter-fuer-uns-war-solidaritaet-immer-sehr-wichtig\/","title":{"rendered":"Zu Besuch beim kubanischen Botschafter \u2013 \u201cF\u00fcr uns war Solidarit\u00e4t immer sehr wichtig\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>In diesem Interview sprechen wir mit dem kubanischen Botschafter in Deutschland \u00fcber Versuche der USA Einfluss auf die Politik des Landes zu nehmen, das kubanische Gesellschaftsmodell, den Prozess der Verfassungs\u00e4nderung sowie die Zukunft des Landes.<\/strong><\/p>\n<p>Kuba ist das Land der Revolution. Seitdem die Widerstandsbewegung des 26. Juli zu Beginn des Jahres 1959 erfolgreich in Havanna einzog und Diktator Batista zur Flucht zwang, hat sich die Insel zu einer best\u00e4ndigen Bastion gegen den Imperialismus US-amerikanischer Pr\u00e4gung entwickelt. W\u00e4hrend man im politischen Westen meist nur \u00fcber Kuba redet \u2013 im November 2018 bezeichnete der Nationale Sicherheitsberater der US-Administration, John Bolton, Kuba zusammen mit Nicaragua und Venezuela als eine \u201cTroika der Tyrannei\u201d, dabei k\u00fcndigte er an, den Druck auf die Regierungen dieser L\u00e4nder \u201cmaximal\u201d zu erh\u00f6hen \u2013 haben wir mit Ram\u00f3n Ignacio Ripoll D\u00edaz, dem kubanischen Botschafter in Berlin, \u00fcber Versuche der USA Einfluss auf die Politik des Landes zu nehmen, die US-Blockade, das kubanische Modell und den Prozess der Verfassungs\u00e4nderung gesprochen.<\/p>\n<p><em><strong>Flo Osrainik: Herr Ripoll, Sie sind Botschafter Kubas, einem jener L\u00e4nder, die sich M\u00e4rkten und Konzernen nicht hingeben und in den westlichen Medien daf\u00fcr entweder selten oder eher schlecht pr\u00e4sentiert werden. Wie nehmen Sie die Darstellung Ihres Landes war?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Ramon Ripoll:<\/strong> Leider vermitteln die Medien in vielen F\u00e4llen keine guten Eindr\u00fccke und Informationen von Kuba. Diese Frage ist aber auch von unserem Verh\u00e4ltnis zu den Vereinigten Staaten, die einen gro\u00dfen Einfluss und eine gro\u00dfe Kontrolle \u00fcber die Medien im Allgemeinen und \u00fcber Informationen in anderen L\u00e4ndern, auch hier in Deutschland, haben, bestimmt.<\/p>\n<p>Mit unseren begrenzten Mitteln versuchen wir, nat\u00fcrlich ein richtiges Bild von Kuba wiederzugeben. F\u00fcr ein kleines Land wie Kuba ist es aber nicht so einfach, dieses schlechte Bild zu korrigieren und die Wahrheit zu vermitteln.<\/p>\n<p><em><strong>Dann erz\u00e4hlen Sie doch bitte etwas vom kubanischen Weg. Ist das Modell des Sozialismus denn nicht schon verbrannt, global ein Auslaufmodell?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nein, das denken wir nicht. Nach einem langen Kampf f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeit und Souver\u00e4nit\u00e4t haben wir mit dem Sieg unserer Revolution am 01. Januar 1959 unser Ziel erreicht. Von diesem Moment an hatten wir zum ersten Mal in der kubanischen Geschichte die M\u00f6glichkeit, die komplette Unabh\u00e4ngigkeit und Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber unser Land zu erlangen. Das Resultat war, dass die Kubaner die Entscheidung getroffen haben, einen sozialistischen Weg zu gehen. Das hatte aber nichts mit der Situation in Europa oder dem Ergebnis des Zweiten Weltkriegs zu tun, es war die Entwicklung Kubas.<\/p>\n<p>Unserer Meinung nach bedeutet der Sozialismus in Kuba heute auch Unabh\u00e4ngigkeit und Souver\u00e4nit\u00e4t. Aber wir leiden, als Konsequenz unserer Entscheidung, leider schon seit 60 Jahren unter den Auswirkungen der Blockade durch die Vereinigten Staaten. Mit dieser Politik werden viele Schwierigkeiten in unserem t\u00e4glichen Leben provoziert. Ein gro\u00dfer Teil unserer Bev\u00f6lkerung hat bisher immer nur unter den Bedingungen der Blockade gelebt.<\/p>\n<p>Der Sozialismus bedeutet in Kuba aber auch freien Zugang zum Bildungswesen, einen freien Zugang zum Gesundheitswesen und au\u00dferdem haben alle Kubaner die M\u00f6glichkeit, sich mit ihren ganzen Kapazit\u00e4ten zu entwickeln. Wir denken, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir versuchen auch, alle Bedingungen zu schaffen, um unsere Ziele weiterhin verfolgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em><strong>Unter US-Pr\u00e4sident Donald Trump haben die Spannungen mit den USA ja wieder zugenommen. \u00dcber soziale Medien und \u00fcber anti-kubanische Nachrichtenkan\u00e4le, das ist gar kein Geheimnis, versucht man Einfluss auf das Geschehen in Kuba zu nehmen. \u00dcbrigens unabh\u00e4ngig davon, wer gerade Pr\u00e4sident in den USA ist. Wie geht Ihre Regierung damit um?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ja. Leider stecken wir in einer schwierigen Situation mit der Regierung der Vereinigten Staaten, die ja lange die Kontrolle \u00fcber Kuba hatte. Die Situation hat sich mit dem Sieg unserer Revolution dann aber ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Wir haben immer die Bereitschaft gehabt, eine normale Beziehung mit den Vereinigten Staaten zu entwickeln, solange man dabei eine respektvolle Haltung gegen\u00fcber Kuba einnimmt. Leider gab es diese Situation, besser gesagt diese Haltung gegen\u00fcber unserem Land aber nicht. John F. Kennedy, eine respektierte Pers\u00f6nlichkeit hier in Deutschland, hat im April 1961 zum Beispiel eine Brigade nach Kuba geschickt, um die Revolution zu beseitigen. Auf Deutsch ist bei dieser Aktion von der Invasion in der Schweinebucht die Rede. Trotz dieser Angriffe gab es von unserer Seite aber immer wieder die Bereitschaft, ein normales Verh\u00e4ltnis mit den USA zu erreichen.<\/p>\n<p>Nur in den letzten zwei Jahren der Obama-Administration war es m\u00f6glich, einen normalen Dialog zu f\u00fchren. Die Ziele sind allerdings immer noch die gleichen. Die Vereinigten Staaten versuchen nur mit anderen Methoden, die Ergebnisse unserer Revolution zu zerst\u00f6ren. Und jetzt gibt es mit Trump eine neue Herausforderung, mit der wir leben m\u00fcssen. Dabei finden die Vereinigten Staaten immer wieder andere Motive. Wenn ein Motiv nicht mehr n\u00fctzlich ist, dann suchen sie einfach ein neues Motiv. Als die Sowjetunion zum Beispiel noch existierte, da hie\u00df es immer, Kuba w\u00e4re ein Satellit der Sowjetunion. Also sind wir heute ein Satellit, der seit fast 30 Jahren ohne einen Planeten lebt. Ein Satellit braucht aber einen Planeten. Es gab eben immer eine neue Rhetorik gegen uns.<\/p>\n<p>Momentan ist die Trump-Administration entscheidend, die in den letzten Wochen und Monaten ja auch wieder eine neue Rhetorik benutzt hat. Vor ein paar Monaten hie\u00df es etwa, dass Kuba die Mutter von allem Schlechten sei und der Sicherheitsberater von Trump sagte sogar, dass Kuba zur Troika der Tyrannei geh\u00f6ren w\u00fcrde. Die Tyrannei der Troika soll aus Kuba, Kuba ist nat\u00fcrlich in allen schwarzen Listen vertreten, Venezuela und Nicaragua bestehen.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden ist es f\u00fcr uns dann auch noch erschwerend eine US-Botschaft in Havanna zu haben, die den Kubanern, die in die Vereinigten Staaten reisen m\u00f6chten, um ihre Familienangeh\u00f6rigen dort zu besuchen, seit zwei Jahren praktisch keine Dienstleistung mehr anbietet. Und das Personal unseres Konsulats in Washington wurde 2017 wegen dubi\u00f6ser Vorw\u00fcrfe zu angeblichen Schallattacken auf US-Personal in Havanna zur\u00fcck nach Kuba geschickt. Daf\u00fcr hat zwar niemand Beweise vorgelegt, aber man nutzt das als Vorwand, um Angst in den Vereinigten Staaten zu sch\u00fcren, damit niemand mehr nach Kuba reisen m\u00f6chte. Das ist eine schlechte Situation f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Es wird zwar immer von Menschenrechten geredet, aber auch sehr stark gegen die Rechte der Kubaner, die einfach nur eine normale Beziehung mit den Menschen und Kubanern in den Vereinigten Staaten wollen, gearbeitet.<\/p>\n<p><em><strong>Nun sendet Kuba ja keine Soldaten mehr in die Welt, um etwa die Apartheid S\u00fcdafrikas zu bek\u00e4mpfen, sondern \u00c4rzte. Davon h\u00f6rt und liest man eher selten. Erz\u00e4hlen Sie doch bitte etwas davon.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr uns war die Solidarit\u00e4t immer sehr wichtig. Wir haben Solidarit\u00e4t bekommen und versuchen unsere Solidarit\u00e4t auch anderen L\u00e4ndern zu geben. Wir sind kein reiches Land, wir haben nicht viel Geld, aber wir haben die Bereitschaft im Rahmen unsere begrenzten M\u00f6glichkeiten mit anderen L\u00e4ndern zu teilen.<\/p>\n<p>Im Jahr 1963, also vier Jahre nach dem Triumph der Revolution, zu einer Zeit, als die H\u00e4lfte der kubanischen \u00c4rzte in die Vereinigten Staaten gegangen sind, haben wir die erste kubanische Gesundheitsbrigade in ein anderes Land gesendet. Seitdem haben wir eine permanente Pr\u00e4senz von Gesundheitsbrigaden in verschiedenen L\u00e4ndern der Welt, die meisten in Lateinamerika und in Afrika. Unsere Spezialisten, unser gesamtes Gesundheitspersonal arbeitet in diesen L\u00e4ndern \u00fcbrigens nicht in den Hauptst\u00e4dten, sondern in Regionen, in die die \u00c4rzte vor Ort normalerweise nicht gehen.<\/p>\n<p>Wir haben in vielen afrikanischen L\u00e4ndern Personal, bilden aber auch \u00c4rzte in Kuba aus. Bei uns gibt es zum Beispiel die \u201cEscuela Latinoamericana de Medicina\u201d, eine Hochschule mit \u00fcber zehntausend Studenten aus meist \u00e4rmeren L\u00e4ndern, die wir dort zu \u00c4rzten ausbilden. Die Studenten haben ein Stipendium von unserer Regierung erhalten und kommen, seit mehreren Jahren schon, aus Lateinamerika, aus Afrika, aus Asien und auch aus den Vereinigten Staaten. Wir geben also auch jungen Leuten aus den Vereinigten Staaten, die aus finanziellen Gr\u00fcnden keine M\u00f6glichkeit haben zu Hause in den USA ein Medizinstudium zu absolvieren, bei uns in Kuba die Gelegenheit dazu. Wir versuchen aber nicht nur im Gesundheitswesen, sondern zum Beispiel auch im Bildungsbereich einen Beitrag zu leisten.<\/p>\n<p>In Deutschland wird ja auch \u00fcber eine bessere Unterst\u00fctzung f\u00fcr afrikanische L\u00e4nder gesprochen. Da k\u00f6nnte man vielleicht Zusammenarbeiten. Wir haben zwar das Gesundheitspersonal, um diesen L\u00e4ndern zu helfen, aber es fehlt uns an finanziellen Ressourcen. Es gibt \u00fcbrigens Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kuba, das war glaube ich im Jahr 2000. Damals haben wir f\u00fcr eine bestimmte Zeit gemeinsam in Honduras und in Niger kooperiert. Wir w\u00e4ren jedenfalls bereit, gemeinsam in diese Richtung zu gehen.<\/p>\n<p><em><strong>In Kuba wurde in den letzten Monaten ja auch eine Verfassungs\u00e4nderung auf den Weg gebracht und in der Bev\u00f6lkerung diskutiert. Wie l\u00e4uft dieser Prozess ab, wie kann man sich das vorstellen und was wird sich in naher Zukunft in Kuba \u00e4ndern?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Unser Ziel ist es, eine neue Verfassung f\u00fcr Kuba zu bekommen. Die jetzige Verfassung wurde durch ein Referendum unserer Bev\u00f6lkerung im Jahr 1976 genehmigt. Seitdem sind \u00fcber 40 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich nat\u00fcrlich viel getan. Um unseren Entwicklungsprozess auch weiterhin zu gehen, ist es daher notwendig, Ver\u00e4nderungen in unserer Verfassung vorzunehmen.<\/p>\n<p>Auf Vorschlag wurden viele wichtige Elemente der alten Verfassung in die neue Verfassung \u00fcbernommen. Unsere Nationalversammlung hat den Vorschlag f\u00fcr die neue Verfassung im Juli dieses Jahres bereits genehmigt und auch die Entscheidung getroffen, dass die neue Verfassung von der ganzen Bev\u00f6lkerung diskutiert werden soll.<\/p>\n<p>In Kuba hatten alle Kubaner die M\u00f6glichkeit, ihre Meinungen zu \u00e4u\u00dfern und Vorschl\u00e4ge zu machen. Auch die Kubaner, die in Deutschland leben und arbeiten, konnten an diesem Prozess teilnehmen. Wir haben dazu zwei Versammlungen, eine in der ehemaligen Hauptstadt Bonn und die andere hier in Berlin abgehalten. Insgesamt wurden von uns so rund 100 Vorschl\u00e4ge eingebracht.<\/p>\n<p>Der Prozess der Verfassungs\u00e4nderung lief in Kuba noch bis zum 15. November, dabei hat sich die Kommission, die das ganze Projekt vorbereitet hat, mit allen Meinungen und Vorschl\u00e4gen auseinandergesetzt, um noch mal eine komplette Revision zu machen. Im Dezember m\u00fcsste die Nationalversammlung den \u00fcberarbeiteten Vorschlag dann auch genehmigen. Am Ende sollte es ein verbessertes Resultat geben, da die Meinungen von \u00fcber sieben Millionen Menschen ber\u00fccksichtigt wurden.<\/p>\n<p>Die Kubaner hatten \u00fcbrigens auch \u00fcber eine spezielle Internetseite die M\u00f6glichkeit, ihre Meinungen einzubringen und Vorschl\u00e4ge zu machen. Wenn die Nationalversammlung im Dezember zustimmt, dann wird voraussichtlich im Februar 2019 ein Referendum organisiert, um den Menschen die M\u00f6glichkeit zu geben, dem bis dahin \u00fcberarbeiteten Vorschlag zuzustimmen oder ihn eben abzulehnen. Wenn der Vorschlag zur neuen Verfassung von der Bev\u00f6lkerung genehmigt wird, so d\u00fcrfte die neue Verfassung voraussichtlich im April 2019 in Kraft treten.<\/p>\n<p><em><strong>Wie wird es mit dem kubanischen Modell denn in Zukunft weitergehen? Kann es sich entwickeln und vielleicht sogar als soziales Vorbild f\u00fcr andere L\u00e4nder in der Welt dienen oder wird es vom Kapitalismus, vom Neoliberalismus und seinen Akteuren doch noch langsam auf Linie gebracht?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen weiterhin versuchen, in die gleiche Richtung zu arbeiten. Wir hatten in Kuba schon einmal ein kapitalistisches System. Dieses System hat die sozialen Probleme des Landes nicht gel\u00f6st. Wir hatten keine Souver\u00e4nit\u00e4t und keine Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber den Vereinigten Staaten. Unter den heutigen Bedingungen bedeutet Sozialismus f\u00fcr uns Gleichheit, Unabh\u00e4ngigkeit und Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wir sind interessiert und haben die Bereitschaft mit den anderen lateinamerikanischen und karibischen Staaten gemeinsam einen Integrationsprozess zu gehen, aber wir befinden uns damit leider in einer Gegenposition zu den L\u00e4ndern Nordamerikas.<\/p>\n<p>Die \u00dcberarbeitung unserer Verfassung ist ein Teil dieser neuen Entwicklung, weil wir unabh\u00e4ngig von den Auswirkungen der Blockade der Vereinigten Staaten, wir wissen ja nicht, wie lange wir unter diesen Umst\u00e4nden noch leben werden, in der Lage sein m\u00fcssen, bessere Lebensbedingungen f\u00fcr unsere Bev\u00f6lkerung anzubieten. Deshalb ist es wichtig, verschiedene Faktoren neu zu kombinieren, aber immer mit dem Ziel, weiterhin unseren Weg zu gehen. Daf\u00fcr ist eben eine neue Verfassung notwendig.<\/p>\n<p>Auf dem letzten Parteitag der Kommunistischen Partei von Kuba wurde etwa ein Modell dar\u00fcber verabschiedet, wie die weitere soziale und wirtschaftliche Entwicklung in der Republik Kuba gestaltet werden k\u00f6nnte. Infolgedessen sollte in naher Zukunft auch ein Entwicklungsprogramm bis 2030 von der Nationalversammlung genehmigt werden. Nicht zuletzt als Teil dieses Prozesses scheint uns eine neue Verfassung, um bestimmte Probleme in wirtschaftlichen Bereichen l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, notwendig zu sein.<\/p>\n<p>In Kuba existieren Genossenschaften jetzt zum Beispiel nur in der Landwirtschaft. Unsere Intention ist es aber, dass es Genossenschaften k\u00fcnftig in den unterschiedlichsten Bereichen geben soll. Es wird in Zukunft wohl auch m\u00f6glich sein, kleine Privatunternehmen gr\u00fcnden zu k\u00f6nnen, was momentan ja noch nicht der Fall ist.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorschlag f\u00fcr die neue Verfassung ist beispielsweise auch die Einf\u00fchrung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Das ist \u00fcbrigens einer jener Punkte, die in Kuba gegenw\u00e4rtig f\u00fcr Diskussionen sorgen. Die neue Verfassung ist aber, unabh\u00e4ngig von den Auswirkungen der Blockade auf unsere Bev\u00f6lkerung, ein wichtiger Teil eines Prozesses, um eine allgemeine Verbesserung der<\/p>\n<p><em><strong>Was ist aus Ihrer Sicht denn das gr\u00f6\u00dfte Problem f\u00fcr die Weiterentwicklung des Gesellschaftsmodells der Republik Kuba?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Blockade der Vereinigten Staaten. Ohne jede Diskussion.<\/p>\n<p><em><strong>Herr Botschafter, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch und Ihre Zeit.<\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Ram\u00f3n Ignacio Ripoll D\u00edaz<\/strong>\u00a0studierte \u00d6konomie an der Universit\u00e4t in Havanna und begann seine politische Laufbahn im Staatskomitee f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit \u2013 dort war er sp\u00e4ter unter anderem f\u00fcr die Subsahara, Nordafrika und den Mittleren Osten zust\u00e4ndig. Er war kubanischer Wirtschaftsattach\u00e9 in der DDR, Wirtschaftsrat in Namibia und der Bundesrepublik Deutschland, Vizeminister f\u00fcr Au\u00dfenhandel und Ausl\u00e4ndische Investitionen und Direktor der \u00d6ffentlichkeitsarbeit der kubanischen Handelskammer, bevor er 2017 als Botschafter nach Berlin kam.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Interview sprechen wir mit dem kubanischen Botschafter in Deutschland \u00fcber Versuche der USA Einfluss auf die Politik des Landes zu nehmen, das kubanische Gesellschaftsmodell, den Prozess der Verfassungs\u00e4nderung sowie die Zukunft des Landes. 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