{"id":748439,"date":"2018-11-02T09:36:45","date_gmt":"2018-11-02T09:36:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=748439"},"modified":"2018-11-01T16:37:19","modified_gmt":"2018-11-01T16:37:19","slug":"wegtreten-nato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/11\/wegtreten-nato\/","title":{"rendered":"Wegtreten, NATO!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Entsorgung des transatlantischen Kriegsb\u00fcndnisses ist \u00fcberf\u00e4llig.<\/strong><\/p>\n<header class=\"header-normal\">\n<div class=\"header-content\">\n<div class=\"article-teaser\">\n<p>Die Heiligste Kuh im Stall der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland ist die Mitgliedschaft im Atlantischen B\u00fcndnis. Dabei war die NATO schon immer ein h\u00f6chst dubioses Unternehmen, das immer mehr seinen wahren Charakter im Dienste von Amerikas Kriegslust zeigte. Woche f\u00fcr Woche genehmigte Friedensnobelpreistr\u00e4ger Obama ohne Pr\u00fcfung durch die Legislative und die Gerichte und unsichtbar f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit Morde. Die Debatte \u00fcber die Schuld oder Unschuld der Kandidaten auf der Todesliste fand hinter verschlossenen T\u00fcren statt. All dies unter dem gebetsm\u00fchlenartig wiederholten Vorwand der weltweiten Terrorismusbek\u00e4mpfung. V\u00f6lkerrechtlich definiert das R\u00f6mische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs eine derartige Handlungsweise als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Fortbestand des B\u00fcndnisses mit den USA im Rahmen der NATO ist demnach weder im deutschen noch im europ\u00e4ischen Interesse noch mit den Werten unseres Grundgesetzes vereinbar.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/header>\n<div class=\"article\">\n<div class=\"article-content\">\n<p><em>\u201eDie Folgen der US-Politik st\u00fcrzen den Mittleren Osten ins Chaos und gef\u00e4hrden die Existenz Europas\u201c<\/em> (1).<\/p>\n<p>Als Heiligste Kuh im Stall der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland gilt nach wie vor die Mitgliedschaft im Atlantischen B\u00fcndnis. Sie besitzt den Status der Unantastbarkeit und genie\u00dft quasi religi\u00f6se Sakralit\u00e4t \u2014 im g\u00fcltigen Koalitionsvertrag der amtierenden Regierungsparteien hei\u00dft es dazu wortw\u00f6rtlich: \u201eWir bekennen uns zur NATO und zu ihrem neuen strategischen Konzept\u201c (2). Indes werden Bekenntnisse gemeinhin in der Kirche abgelegt, was im vorliegenden Fall wohl bedeuten soll: \u201eEs lebe die Heilige Atlantische Allianz!\u201c<\/p>\n<p>Dabei war die NATO schon immer ein h\u00f6chst dubioses Unternehmen, wie schon der von 1952 bis 1957 als ihr erster Generalsekret\u00e4r amtierende Lord Hastings Lionel Ismay wusste, als er mit britischer Unverbl\u00fcmtheit deren eigentlichen Zweck mit den Worten umschrieb: \u201eto keep the Americans in, to keep the Russians out, and to keep the Germans down\u201c (3). Die wahren Motive, aus denen heraus die unumschr\u00e4nkte F\u00fchrungsmacht des Atlantischen B\u00fcndnisses, kaum dass der Zweite Weltkrieg vorbei war, postwendend einen essentiellen Konflikt gegen die Sowjetunion als einen ihrer Hauptverb\u00fcndeten im Krieg gegen die Nazi-Diktatur angezettelt hatte, gab im Jahr 1948 unumwunden \u201eAmerikas f\u00fchrender Stratege in den Anfangsjahren des Kalten Krieges\u201c (4), George F. Kennan, in einer Denkschrift zu Protokoll:<\/p>\n<p><em>\u201eMit 50 Prozent des Reichtums auf der Welt, aber nur 6,3 Prozent ihrer Bev\u00f6lkerung (\u2026) sind wir unweigerlich das Objekt von Neid und Missgunst. Unsere eigentliche Aufgabe (&#8230;) besteht darin, ein Muster f\u00fcr (internationale) Beziehungen zu entwickeln, das es uns erlaubt, diese Position der Ungleichheit aufrechtzuerhalten. (&#8230;) Dazu m\u00fcssen wir uns von allen Sentimentalit\u00e4ten und Tagtr\u00e4umen verabschieden. (&#8230;) Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, \u00fcber vage und (&#8230;) unrealistische Ziele wie Menschenrechte, die Erh\u00f6hung von Lebensstandards und Demokratisierung zu reden. (&#8230;) Wir m\u00fcssen mit offenen Machtkonzepten vorgehen. Je weniger uns idealistische Slogans behindern, desto besser\u201c<\/em> (5).<\/p>\n<p>Richtig brisant wurde die Lage, als die NATO im Jahr 1999 erstmals gemeinsam Krieg im B\u00fcndnis f\u00fchrte, einen flagranten Angriffskrieg zumal, und die Alliierten 78 Tage lang die Bundesrepublik Jugoslawien bombardierten. Der nicht eben als Friedenstaube bekannte Henry Kissinger sah sich daraufhin zu einer dramatischen Warnung veranlasst. Unter dem Titel \u201eDie erschreckende Revolution in der NATO\u201c konstatierte er:<\/p>\n<p><em>\u201eDas B\u00fcndnis hat seine historische Selbstdefinition einer streng defensiven Koalition aufgegeben. Dieser abrupte Abschied vom Konzept der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t, verbunden mit der Beschw\u00f6rung universeller moralistischer Slogans, markierte einen neuen au\u00dfenpolitischen Stil. &#8230; Sollte sich die NATO-Doktrin der ,universellen Intervention\u2018 verbreiten und sollten konkurrierende Wahrheiten erneut in einen offenen Wettstreit treten, droht uns eine Welt, in der die Tugend Amok l\u00e4uft\u201c<\/em> (6).<\/p>\n<p>Wie wahr. Einige Jahre danach thematisierte Egon Bahr, sicherheitspolitischer Vorzeigeexperte der SPD und ehemaliger Direktor des Instituts f\u00fcr Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Hamburg, die hegemoniale Rolle der USA in der Allianz:<\/p>\n<p><em>\u201eZur Sache selbst stellt sich als entscheidende Frage, ob die NATO ein Instrument der Erweiterung und Sicherung der amerikanischen Weltvorherrschaft ist. &#8230; das ist ja gerade ein Grund, weshalb die NATO kein global handlungsf\u00e4higes Instrument werden darf, das weltweit faktisch im Interesse der USA eingesetzt werden kann\u201c<\/em> (7).<\/p>\n<p>In dieselbe Kerbe schlug Lothar R\u00fchl, bekannt als in der Wolle gef\u00e4rbter Atlantiker und ehemals Staatssekret\u00e4r im Bundesministerium der Verteidigung, als er monierte, die NATO sei auf dem Weg, zu einem \u201eimmer weniger integrierten, interalliierten milit\u00e4rischen Dienstleistungsbetrieb bei amerikanischem Bedarf\u201c (8) zu degenerieren. Analog kritisierte Willy Wimmer, ausgewiesener Christkonservativer und ebenfalls vormals Staatssekret\u00e4r im Bundesministerium der Verteidigung, die b\u00fcndnispolitische Asymmetrie:<\/p>\n<p><em>\u201eEs kann nicht sein, f\u00fcr eine verfehlte Politik jetzt das westliche B\u00fcndnis wie eine Art Fremdenlegion in Anspruch zu nehmen. Damit w\u00fcrde jene verh\u00e4ngnisvolle Politik fortgesetzt, wie sie mit dem NATO-Gipfel des Jahres 1998 in Lissabon eingeleitet wurde, als der Nordatlantikpakt als Verteidigungsb\u00fcndnis quasi aufgebrochen und mit einem globalen Interventionsauftrag ausgestattet wurde. Ich hielt das immer f\u00fcr einen Kurs, der weder mit dem NATO-Statut noch mit der UN-Charta vereinbar ist\u201c<\/em> (9).<\/p>\n<p>Als jemand, der anstelle einer parteipolitischen Sollbruchstelle im R\u00fcckgrat noch den Mut besitzt, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, wetzte der damals noch aktive CDU-Bundestagsabgeordnete dar\u00fcber hinaus freilich nichts weniger als das Schlachtermesser f\u00fcr die Heiligste Kuh bundesdeutscher Sicherheitspolitik, als er unmi\u00dfverst\u00e4ndlich forderte:<\/p>\n<p><em>\u201eUnter diesen Umst\u00e4nden bleibt uns letztlich nichts weiter \u00fcbrig, als aus der milit\u00e4rischen Integration der NATO auszusteigen, wenn wir nicht v\u00f6llig die Ma\u00dfst\u00e4be einer rationalen und von den Interessen der Bundesrepublik Deutschland bestimmten Sicherheitspolitik aus dem Auge verlieren wollen\u201c<\/em> (10).<\/p>\n<p>Angesichts dessen hat Deutschlands hochgesch\u00e4tzter Gesellschaftsphilosoph J\u00fcrgen Habermas vor geraumer Zeit schon auf den Punkt gebracht, warum das nur vermeintlich \u201ealte\u201c Europa nun endlich seine \u201eGemeinsame Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik\u201c sowie seine \u201eGemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik\u201c in den Stand der Funktionst\u00fcchtigkeit bringen sollte. Im transatlantischen Frontblatt dieser Republik gab er zu Protokoll:<\/p>\n<p><em>\u201eDer erkl\u00e4rte Unilateralismus der USA hat seit der Verk\u00fcndung der Bush-Doktrin im Herbst 2002 die Glaubw\u00fcrdigkeit der normativen Grundlagen westlicher Politik zerst\u00f6rt. Als Katalysator einer neuen Weltunordnung hat er auf allen Seiten eine sozialdarwinistische Enthemmung von Gewaltpotenzialen und r\u00fccksichtslose Verfolgung nationaler Interessen ausgel\u00f6st\u201c<\/em> (11).<\/p>\n<p>Dass sich an der mit einem unverhohlenen Anspruch auf globale Hegemonie gepaarten Arroganz milit\u00e4rischer Machtentfaltung der USA auch unter dem in Oslo zum Friedensf\u00fcrsten gek\u00fcrten Pr\u00e4sidenten Barack Hussein Obama nicht das geringste ge\u00e4ndert hat, demonstriert schlagend der aus fernab des Kriegsschauplatzes in den USA gelegenen, unangreifbaren Gefechtsst\u00e4nden gesteuerte, feige (12) und verheerende Drohnenkrieg (13), den der US-Pr\u00e4sident vornehmlich durch die \u201eSpecial Activities Division\u201c seines Geheimdiensts CIA sowie das in Tampa, Florida gelegene \u201eUnited States Special Operations Command\u201c, SOCOM (14), mit hoher Intensit\u00e4t fortf\u00fchren l\u00e4sst (15) und dem unbeteiligte Zivilisten zu Hunderten, wenn nicht gar zu Tausenden zum Opfer fallen (16).<\/p>\n<p>Der US-Pr\u00e4sident ma\u00dft sich hierdurch als Ermittler, Ankl\u00e4ger, Geschworener, Richter und Henker in einer Person das Recht an, ohne rechtskonformen Prozess nicht nur Staatsangeh\u00f6rige ausl\u00e4ndischer Nationen, sondern auch US-amerikanische B\u00fcrgerinnen \u2014 sogar minderj\u00e4hrige(!) \u2014 durch Schergen der Geheimdienste oder des Milit\u00e4rs mittels geheimer Kommandoaktionen oder Kampfdrohnen auch schon auf blo\u00dfen Verdacht, sogenannte \u201esignature strikes\u201c, hin zur sogenannten gezielten T\u00f6tung, \u201etargeted killing\u201c, freizugeben, das hei\u00dft ermorden zu lassen.<\/p>\n<p>Der US-amerikanische Professor Michael Boyle, der an der in Pennsylvania gelegenen La Salle University in Philadelphia lehrt und w\u00e4hrend Obamas Wahlkampf ehemals Berater in der Expertengruppe f\u00fcr Terrorabwehr war, bringt den hochgradig kriminellen Charakter von dessen Mordprogramm mit den Worten auf den Punkt:<\/p>\n<p><em>\u201eMit der Aufstellung von Todeslisten und der Ausweitung der Drohnenangriffe \u201abricht Pr\u00e4sident Obama sein Versprechen, die Antiterrorpolitik mit der US-Verfassung in Einklang zu bringen\u2018 (&#8230;). Obama ha(t) \u201avom Oval Office aus die au\u00dfergerichtliche T\u00f6tung zur Routine und zu einem normalen Vorgang gemacht, indem er Amerikas einstweiligen Vorsprung in der Drohnentechnologie dazu nutzt, in Afghanistan, Pakistan, im Jemen und in Somalia Schattenkriege zu f\u00fchren. Ohne eine Pr\u00fcfung durch die Legislative und die Gerichte und unsichtbar f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit genehmigt Obama Woche f\u00fcr Woche Morde, wobei die Debatte \u00fcber die Schuld und Unschuld der Kandidaten f\u00fcr die \u201aTodesliste\u2018 hinter verschlossenen T\u00fcren gef\u00fchrt wird\u2018\u201c<\/em> (17).<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis ist mittlerweile durchaus auch in Deutschland angelangt, wie ein Leitartikel des FAZ-Herausgebers Berthold Kohler in seinem gew\u00f6hnlich jedweder anti-amerikanischer Umtriebe unverd\u00e4chtigen Intelligenzblatt belegt. Am 3. Juli 2014 schrieb er dort:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Friedensnobelpreistr\u00e4ger hat gelernt, die Drohne zu lieben. Er ist vom Vork\u00e4mpfer f\u00fcr weltweite nukleare Abr\u00fcstung zum Feldherrn eines weltumspannenden Drohnenkriegs geworden. Dieser Feldzug ist Obamas Antwort auf die asymmetrische Kriegsf\u00fchrung des islamistischen Terrorismus. Die Drohne ist die Waffe, mit der er die Terroristen terrorisiert. Und ohne Gerichtsverfahren exekutiert. Unschuldige Dritte, die diesen ,chirurgischen\u2018 Schl\u00e4gen zum Opfer fallen, werden als ,Kollateralsch\u00e4den\u2018 bagatellisiert\u201c<\/em> (18).<\/p>\n<p>Indes l\u00f6st keineswegs nur die \u201eErmordung von Zivilisten ohne Gerichtsverfahren im Drohnenkrieg\u201c (19) Zweifel an der Fortexistenz der seitens der transatlantischen Pseudo-Elite hierzulande gebetsm\u00fchlenhaft beschworenen Wertegemeinschaft aus. Weitere Positionen auf der Liste habitueller US-amerikanischer Menschenrechtsverbrechen umfassen:<\/p>\n<ul>\n<li>die Todesstrafe,<\/li>\n<li>die zeitlich unbegrenzte Gefangennahme ohne Anklage in Lagern wie Guant\u00e1namo,<\/li>\n<li>die Aburteilung von Personen vor nicht rechtsstaatlichen Sondergerichten (\u201amilitary commissions\u2018),<\/li>\n<li>die Verschleppung von Personen in Folterstaaten,<\/li>\n<li>die Verh\u00e4ngung von Flugverboten und Finanzsperren oder<\/li>\n<li>die Aufnahme in Verdachtslisten ohne gerichtliche Genehmigung und \u00dcberpr\u00fcfungsm\u00f6glichkeit (20)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um \u00fcberhaupt erfassen zu k\u00f6nnen, auf welche Weise und in welchem Ausma\u00df die USA zu einem wahrhaftigen Imperium der Barbarei degeneriert sind, das jeder Beschreibung spottet, ist die Lekt\u00fcre des im Jahr 2013 erschienenen, von dem US-amerikanischen Journalisten Jeremy Scahill in jahrelanger Arbeit akribisch recherchierten Werkes \u201eSchmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen\u201c, im Original \u201eDirty Wars: The World is a Battlefield\u201c, absolut unabdingbar. Stichwortartig seien nachfolgend nur einige der wesentlichsten Fakten aufgef\u00fchrt:<\/p>\n<ul>\n<li>Am 14. September 2001 hat der US-Kongress ein Erm\u00e4chtigungsgesetz, AUMF \u2013 \u201eAuthorization for Use of Military Force\u201c, verabschiedet, das dem US-Pr\u00e4sidenten unbeschr\u00e4nkte Befugnisse zur weltweiten Kriegf\u00fchrung unter dem Vorwand der Terrorismusbek\u00e4mpfung einr\u00e4umt.<\/li>\n<li>Unter dem Rubrum \u201eGlobal War on Terror\u201c ma\u00dfen sich die USA an, jederzeit, an jedem beliebigen Ort der Welt, in beliebiger Weise, zum Beispiel mittels Killerkommandos des JSOC oder Kampfdrohnen, jeden beliebigen Menschen zu ermorden, zu verst\u00fcmmeln oder in weltweit \u00fcber den Globus verstreute Geheimgef\u00e4ngnisse, Konzentrationslager wie in Guant\u00e1namo oder Schiffe der U.S. Navy zu verschleppen und dort mit ausgekl\u00fcgelten Methoden zu foltern, wenn er oder sie auch nur im Verdacht terroristischer Handlungen steht.<\/li>\n<li>In Gestalt des vom Kongress verabschiedeten USA PATRIOT ACTs werden unter dem Vorwand der Terrorismusbek\u00e4mpfung fundamentale B\u00fcrgerrechte in ihrem Wesensgehalt dauerhaft eingeschr\u00e4nkt respektive au\u00dfer Kraft gesetzt.<\/li>\n<li>Mittels geheimer Pr\u00e4sidialerlasse wurde das JSOC erm\u00e4chtigt, auf US-amerikanischem Boden Terrorbek\u00e4mpfungsoperationen durchzuf\u00fchren, was gegen den \u201ePosse Comitatus Act\u201c verst\u00f6\u00dft, der den Einsatz von US-Streitkr\u00e4ften zur Erf\u00fcllung polizeilicher Aufgaben im Inneren verbietet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den alles \u00fcberragenden, weil f\u00fcr die Frage Rechts- oder Unrechtsstaat schlechthin entscheidenden Topos jedoch markiert die Au\u00dferkraftsetzung des Habeas-Corpus-Prinzips in den USA im Jahre 2006. Die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention stuft dieses Recht auf Schutz vor willk\u00fcrlicher Inhaftierung in Artikel 5 als Menschenrecht ein. In Deutschland werden die Habeas-Corpus-Rechte durch Art. 104 des Grundgesetzes (21) gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Ungeachtet des Umstandes, dass der Supreme Court die Regelung am 12. Juni 2008 f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt hatte, unterzeichnete US-Pr\u00e4sident Obama am 31. Dezember 2011 das Nationale Verteidigungsbevollm\u00e4chtigungsgesetz, das die Festnahme von Personen unter Terrorverdacht durch das Milit\u00e4r und eine Haft unbegrenzter Dauer in Milit\u00e4rgef\u00e4ngnissen ohne Gerichtsverfahren, Rechtsbeistand oder Berufungsm\u00f6glichkeit erlaubt. Eine Verbringung ins Ausland oder die \u00dcbergabe an ausl\u00e4ndische Rechtstr\u00e4ger ist m\u00f6glich. Festnahmen auf dem Boden der USA sowie von US-amerikanischen B\u00fcrgern sollen durch nicht-milit\u00e4rische Kr\u00e4fte erfolgen (22).<\/p>\n<p>In der Konsequenz bedeutet dies, dass sich die US-Regierung das Recht anma\u00dft, jeden beliebigen Menschen unter dem Vorwand des Terrorismus ohne richterliche Verf\u00fcgung auf unbestimmte Zeit an irgendeinem Ort der Welt einzukerkern \u2014 ganz so wie dies weltweit in ordin\u00e4ren faschistoiden respektive faschistischen Schurkenstaaten Usus ist (23). V\u00f6lkerrechtlich definiert das R\u00f6mische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs eine derartige Handlungsweise als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Der bis 2013 amtierende demokratische US-Kongressabgeordnete Dennis Kucinich gab zum Zustand seines Landes folgendes zu Protokoll:<\/p>\n<p><em>\u201eWir rei\u00dfen hier die Pfeiler unserer demokratischen Traditionen ein. Das Recht auf einen fairen Prozess? Gestrichen. Das Recht, denjenigen gegen\u00fcberzutreten, die einen anklagen? Gestrichen. All diese Grundpfeiler werden gerade umgest\u00fcrzt &#8230; Die Aush\u00f6hlung der Glaubw\u00fcrdigkeit, die Aush\u00f6hlung der demokratischen Werte, die Aush\u00f6hlung der wohlwollenden Absicht \u2014 all das l\u00e4sst bef\u00fcrchten, dass in diesem Land die Grundrechte der eigenen B\u00fcrger nicht mehr gelten. Sie sind Freiwild f\u00fcr den Killer\u201c<\/em> (24).<\/p>\n<p>Der texanische(!) Republikaner Ron Paul \u00e4u\u00dfert sich ganz \u00e4hnlich:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn das amerikanische Volk es blindlings und l\u00e4ssig hinnimmt, dass der Pr\u00e4sident ohne weiteres Leute, die er f\u00fcr schlechte Menschen h\u00e4lt, hinrichten lassen darf, dann halte ich das f\u00fcr traurig\u201c<\/em> (25).<\/p>\n<p>Der Verfassungsrechtler und Journalist Glenn Greenwald merkt hierzu an:<\/p>\n<p><em>\u201eZu sagen, der Pr\u00e4sident habe das Recht, B\u00fcrger ohne ordentliches Gerichtsverfahren t\u00f6ten zu lassen, bedeutet nichts anderes, als die Verfassung in m\u00f6glichst kleine St\u00fccke zu rei\u00dfen, sie anzuz\u00fcnden und schlie\u00dflich mit F\u00fc\u00dfen zu treten\u201c<\/em> (26).<\/p>\n<p>Jeremy Scahill schlie\u00dflich fasst den Status quo des regierungskriminellen Mordsystems zusammen:<\/p>\n<p><em>\u201eHeute fallen Entscheidungen \u00fcber Leben und Tod von Menschen im Namen der Nationalen Sicherheit Amerikas im Geheimen, Gesetze werden vom Pr\u00e4sidenten und seinen Beratern hinter verschlossenen T\u00fcren ausgelegt, und kein Ziel ist tabu, nicht einmal der amerikanische Staatsb\u00fcrger\u201c<\/em> (27).<\/p>\n<p>Die Verkommenheit der selbsternannten \u201eindispensable nation\u201c formulierte wohl am pointiertesten der Religions- und Kirchenkritiker Karlheinz Deschner, als er notierte:<\/p>\n<p><em>\u201eDie USA, die, seit es sie gibt, allen anderen Moral predigen, um ihre eigenen Gr\u00e4uel zu kaschieren, entstanden selbst auf dem Boden nackter Gewalt \u2014 durch Ausmordung der Roten und Versklavung der Schwarzen \u2014 die Basis ihrer ganzen Freiheit und Demokratie: blutige ,Realpolitik\u2018 und bigottes Geschw\u00e4tz\u201c<\/em> (28).<\/p>\n<p>Letzteres gilt deckungsgleich f\u00fcr die vermeintliche transatlantische Wertegemeinschaft: leeres Geschw\u00e4tz.<\/p>\n<p>Bleibt noch die Frage nach der ebenso h\u00e4ufig beschworenen transatlantischen Interessengemeinschaft zu kl\u00e4ren, auf die selbstredend das fundamentale Axiom des englischen Au\u00dfen- und Premierministers Lord Palmerston Anwendung zu finden hat, dass Staaten weder ewige Verb\u00fcndete noch permanente Feinde haben, sondern lediglich konstante Interessen (29).<\/p>\n<p>Zu diesem Behufe empfiehlt es sich, bevor europ\u00e4ische \u201e\u00dcberzeugungst\u00e4ter&#8220; wie Helmut Schmidt, Egon Bahr oder J\u00fcrgen Habermas zu Worte kommen, zun\u00e4chst einen Blick auf wichtige US-amerikanische Protagonisten zu werfen \u2014 nicht zuletzt, um dem wohlfeilen Anwurf des Anti-Amerikanismus entgegenzuwirken.<\/p>\n<p>Die mehr als einhundertzwanzigj\u00e4hrige au\u00dfenpolitische Praxis der USA legt der pulitzerpreisgekr\u00f6nte US-Journalist Stephen Kinzer in seinem Buch \u201eOverthrow: America\u2019s Century of Regime Change from Hawaii to Iraq\u201c, auf Deutsch erschienen unter dem Titel \u201ePutsch! Zur Geschichte des amerikanischen Imperialismus\u201c, umfassend dar. Das Paradigma des Regimewechsels beschreibt der Autor so:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Vereinigten Staaten bedienen sich einer ganzen Reihe von Methoden, um sich andere L\u00e4nder gef\u00fcgig zu machen. In vielen F\u00e4llen greifen sie auf altehrw\u00fcrdige diplomatische Taktiken zur\u00fcck, indem sie Regierungen, die Amerika unterst\u00fctzen, Belohnungen in Aussicht stellen, und denen, die das nicht tun, mit Vergeltung drohen.<\/em><\/p>\n<p><em>Manchmal verteidigen sie befreundete Regime gegen den Zorn oder Aufruhr des jeweiligen Volks. In einer Vielzahl von F\u00e4llen haben sie stillschweigend Staatsstreiche oder Revolutionen unterst\u00fctzt, die von anderen angezettelt wurden. Zweimal, im Zusammenhang mit den beiden Weltkriegen, haben sie mitgeholfen Herrschaftssysteme zu st\u00fcrzen und neue an die Macht zu bringen. \u2026 Das erwies sich als musterbildend f\u00fcr k\u00fcnftiges Verhalten.<\/em><\/p>\n<p><em>Durch das ganze zwanzigste Jahrhundert und bis in den Anfang des einundzwanzigsten hinein haben die Vereinigten Staaten immer wieder die Macht ihrer Streitkr\u00e4fte und ihrer Geheimdienste eingesetzt, um Regierungen zu st\u00fcrzen, die den amerikanischen Interessen ihren Schutz verweigerten. Jedesmal bem\u00e4ntelten sie ihre Einmischung mit dem sch\u00f6nf\u00e4rberischen Hinweis auf Sicherheitsbed\u00fcrfnisse der Nation und den Kampf f\u00fcr die Freiheit.<\/em><\/p>\n<p><em>In den meisten F\u00e4llen indes lagen ihren Aktionen haupts\u00e4chlich \u00f6konomische Motive zugrunde \u2014 vor allem der Anspruch, amerikanische Gesch\u00e4ftsinteressen rund um die Welt zu untermauern, zu bef\u00f6rdern und zu verteidigen und jede St\u00f6rung von ihnen fernzuhalten\u201c<\/em> (30).<\/p>\n<p>Als Kronzeuge f\u00fcr die empirische Stichhaltigkeit jenes ungeschminkten Befundes, der pers\u00f6nlich an herausragender Stelle daran beteiligt war, diejenige Politik, die Kinzer analytisch beschreibt, ganz praktisch in die Tat umzusetzen, vermag Smedley Darlington Butler zu dienen, der 1931 als General Major des United States Marine Corps\u2018 seinen Dienst quittierte. Im Laufe seiner Karriere war er zweimal mit der Medal of Honor ausgezeichnet und sp\u00e4ter von General Douglas McArthur als einer der wirklich gro\u00dfen Gener\u00e4le der amerikanischen Geschichte bezeichnet worden (31).<\/p>\n<p>1935, nach seinem Abschied aus dem Milit\u00e4r verfasste er ein Buch mit dem Titel \u201eWar is a Racket\u201c \u2014 \u201eKrieg ist ein schmutziges Gesch\u00e4ft\u201c (32), in dem er seine eigene Rolle und die des Milit\u00e4rs wie folgt beschreibt:<\/p>\n<p><em>\u201eKrieg ist nichts als ein schmutziges Gesch\u00e4ft. Ein schmutziges Gesch\u00e4ft l\u00e4sst sich, glaube ich, als etwas beschreiben, das nicht das ist, wof\u00fcr es die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung h\u00e4lt. Nur eine kleine Gruppe Eingeweihter wei\u00df, worum es sich handelt. Es wird betrieben zum Nutzen ganz Weniger auf Kosten der Massen. \u2026 Der Haken an Amerika besteht darin, dass wenn der Dollar hierzulande nur sechs Prozent verdient, er unruhig wird und nach \u00dcbersee geht, um einhundert Prozent zu kriegen. Anschlie\u00dfend folgt die Flagge dem Dollar und die Soldaten folgen der Flagge.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich w\u00fcrde nie wieder in den Krieg ziehen, um irgendwelche lausigen Investitionen von Bankern zu sch\u00fctzen. \u2026 Es gibt keinen Trick im Arsenal schmutziger Gesch\u00e4ftemacherei, den die milit\u00e4rische Bande nicht auf Lager hat. Sie hat ihre \u201aSpitzel\u2018, die auf die Feinde hinweisen, sie hat ihre \u201aMuskelm\u00e4nner\u2018 zur Vernichtung der Feinde, sie hat ihre \u201aPlaner\u2018, welche die Kriegsvorbereitungen treffen, und einen \u201aBig Boss\u2018, den supernationalistischen Kapitalismus. Es mag merkw\u00fcrdig anmuten, dass ausgerechnet ich als Angeh\u00f6riger des Milit\u00e4rs einen solchen Vergleich wage. Aber die Wahrhaftigkeit zwingt mich dazu. Ich habe dreiunddrei\u00dfig Jahre und vier Monate als Mitglied der beweglichsten Milit\u00e4rmacht dieses Landes, der Marine-Infanterie, im aktiven Dienst verbracht.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe in allen R\u00e4ngen gedient, vom Leutnant bis zum Generalmajor. Und w\u00e4hrenddessen verbrachte ich den Gro\u00dfteil meiner Zeit als erstklassiger Muskelprotz f\u00fcr das Big Business, f\u00fcr die Wall Street und die Banker. Kurzum, ich war ein Gauner, ein Gangster f\u00fcr den Kapitalismus. Damals ahnte ich, dass ich nichts weiter als ein Teil des schmutzigen Gesch\u00e4fts war. Jetzt wei\u00df ich es.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie alle Angeh\u00f6rigen des Milit\u00e4rdienstes machte ich mir niemals eigene Gedanken, bis ich den Dienst quittierte. Meine geistigen F\u00e4higkeiten verblieben im Zustand des Scheintodes, w\u00e4hrend ich die Befehle der Vorgesetzten befolgte. Das ist typisch f\u00fcr jedermann im Milit\u00e4rdienst.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe 1914 mitgeholfen, Mexiko und insbesondere Tampico f\u00fcr die wichtigen amerikanischen \u00d6linteressen abzusichern. Ich habe geholfen, Haiti und Kuba f\u00fcr die Jungs von der National City Bank zu einem angenehmen Ort, um ihre Ertr\u00e4ge abzusch\u00f6pfen, zu machen. Ich half bei der Auspl\u00fcnderung eines halben Dutzends mittelamerikanischer Republiken zum Nutzen der Wall Street. Die Liste schmutziger Gesch\u00e4ftemacherei ist lang. Von 1909 bis 1912 war ich an der S\u00e4uberung Nicaraguas f\u00fcr das internationale Bankhaus Brown Brothers beteiligt (\u2026).<\/em><\/p>\n<p><em>1916 habe ich den amerikanischen Zuckerinteressen in der Dominikanischen Republik den Weg bereitet. (1903 half ich, Honduras f\u00fcr die amerikanischen Obsthandelsfirmen zuzurichten.) In China half ich, daf\u00fcr zu sorgen, dass Standard Oil ungest\u00f6rt seinen Gesch\u00e4ften nachgehen konnte. In all diesen Jahren hatte ich, wie die Jungs in den Hinterzimmern sagen w\u00fcrden, ein dickes Ding am Laufen. R\u00fcckblickend glaube ich, dass ich Al Capone ein paar Tipps h\u00e4tte geben k\u00f6nnen. Er betrieb seine schmutzigen Gesch\u00e4fte bestenfalls in drei Bezirken. Ich operierte auf drei Kontinenten\u201c<\/em> (33).<\/p>\n<p>Mittlerweile unterh\u00e4lt das US-amerikanische Imperium der Barbarei ein Netz aus mehr als 800 Milit\u00e4rbasen, das sich um den gesamten Globus erstreckt und die Hardware f\u00fcr die \u00f6konomische Kolonisierung des Planeten mit milit\u00e4rischen Gewaltmitteln, vulgo Globalisierung, bereitstellt.<\/p>\n<p>Das extrem ausgekl\u00fcgelte und zugleich \u00e4u\u00dferst perfide Funktionsprinzip dieser Kombination von Au\u00dfenwirtschafts- und Milit\u00e4rgewaltpolitik beschreibt einer der Insider, der diesem System jahrelang zu Diensten war, n\u00e4mlich der US-Amerikaner John C. Perkins in seinem Bericht \u201eBekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienste der Wirtschaftsmafia\u201c. Darin charakterisiert er den Wirkungsmechanismus, der dem US-imperialistischen Herrschaftsmodell zugrundeliegt, als ein Drei-Stufen-System aus \u201eWirtschaftskillern\u201c, EHM, \u201eGeheimdienst-Schakalen\u201c und Milit\u00e4r:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Raffinesse, mit der dieses moderne Reich aufgebaut wird, stellt die r\u00f6mischen Zenturionen, die spanischen Konquistadoren und die europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte des 18. und 19. Jahrhunderts bei weitem in den Schatten. Wir EHM sind schlau, wir haben aus der Geschichte gelernt. Wir tragen keine Schwerter mehr. Wir tragen keine R\u00fcstung oder Kleidung, die uns verraten k\u00f6nnte.<\/em><\/p>\n<p><em>In L\u00e4ndern wie Ecuador, Nigeria oder Indonesien kleiden wir uns wie Schullehrer und Ladenbesitzer. In Washington und Paris sehen wir wie Regierungsbeamte oder Banker aus. Wir wirken bescheiden und normal. Wir besuchen Projekte und schlendern durch verarmte D\u00f6rfer. Wir bekunden Altruismus und sprechen mit den Lokalzeitungen \u00fcber die wunderbaren humanit\u00e4ren Leistungen, die wir vollbringen. Wir bedecken die Konferenztische von Regierungsaussch\u00fcssen mit Tabellen und finanziellen Hochrechnungen und halten an der Harvard Business School Vorlesungen \u00fcber die Wunder der Makro\u00f6konomie. Wir sind stets pr\u00e4sent und agieren ganz offen. Oder zumindest stellen wir uns so dar und werden so akzeptiert. So funktioniert das System. Wir greifen selten zu illegalen Mitteln, weil das System auf T\u00e4uschung basiert, und das System ist von der Definition her legal.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber (und das ist ein sehr starkes \u201aAber\u2018) wenn wir scheitern, greift eine ganz besonders finstere Truppe ein, die wir EHM als Schakale bezeichnen, M\u00e4nner, die die direkten Erben dieser fr\u00fchen Weltreiche sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Schakale sind immer da, sie lauern im Schatten. Wenn sie auftauchen, werden Staatschefs gest\u00fcrzt oder sterben bei \u201aUnf\u00e4llen\u2018. Und wenn die Schakale versagen sollten, wie zum Beispiel in Afghanistan oder im Irak, dann muss doch wieder das alte Modell herhalten. Dann werden junge Amerikaner in den Krieg geschickt, um zu t\u00f6ten und zu sterben. \u2026 Economic Hit Man, Schakale und Soldaten werden eingesetzt werden, so lange man nachweisen kann, dass durch ihre Aktivit\u00e4ten wirtschaftliches Wachstum erzeugt oder gef\u00f6rdert wird \u2014 und Wachstum ist fast immer die Folge ihrer Machenschaften\u201c<\/em> (34).<\/p>\n<p>Wobei festzuhalten bleibt, dass die Profiteure des Wachstums in den USA und allenfalls noch in deren alliierten Vasallenstaaten sitzen, w\u00e4hrend die betroffenen \u00d6konomien in den unterworfenen Regionen in der neoliberalen Schuldenfalle landen. Auf diese Weise schafft man sich willige Vasallen in der Schuldknechtschaft, die sich \u2014 Pustekuchen Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und soziale Marktwirtschaft \u2014 nach Belieben auf dem Schachbrett der Geo\u00f6konomie und -strategie hin- und herschieben lassen.<\/p>\n<p>Die horrenden Effekte f\u00fcr die von solcherart skrupelloser Macht-, Auspl\u00fcnderungs- und Gewaltpolitik westlicher Provenienz unter R\u00e4delsf\u00fchrerschaft der USA betroffenen L\u00e4nder rund um den Globus brachte der Literaturnobelpreistr\u00e4ger Harold Pinter in sei-ner \u2014 von den westlichen Konzernmedien symptomatischerweise weitgehend totgeschwiegenen \u2014 Preisrede vom 7. Dezember 2005 glasklar auf den Punkt, als er sagte:<\/p>\n<p><em>\u201eIn diesen L\u00e4ndern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Au\u00dfenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja, es hat sie gegeben, und sie sind der amerikanischen Au\u00dfenpolitik zuzuschreiben. Aber davon wei\u00df man nat\u00fcrlich nichts. Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich dar\u00fcber gesprochen. Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich k\u00fchl operierende Machtmanipulation betrieben, und sich dabei als Streiter f\u00fcr das universelle Gute geb\u00e4rdet. Ein gl\u00e4nzender, sogar geistreicher, \u00e4u\u00dferst erfolgreicher Hypnoseakt. Ich behaupte, die Vereinigten Staaten ziehen die gr\u00f6\u00dfte Show der Welt ab, ganz ohne Zweifel. Brutal, gleichg\u00fcltig, ver\u00e4chtlich und skrupellos, aber auch ausgesprochen clever\u201c<\/em> (35).<\/p>\n<p>Dr\u00e4ngen sich vielleicht bereits an dieser Stelle erste Zweifel an einer vorgeblich den Atlantik \u00fcberspannenden Interessengemeinschaft auf, so verdichten sich diese sicherlich angesichts der Analyse, die der einflussreiche Geostratege und Politikberater Zbigniew Brzezinski, dereinst Nationaler Sicherheitsberater des US-Pr\u00e4sidenten Jimmy Carter und von Barack Obama, lieferte. Die f\u00fcr das Atlantische B\u00fcndnis ma\u00dfgebliche Interessenlage der USA bringt Brzezinski wie folgt auf den Punkt:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Nordatlantische Allianz, die unter dem K\u00fcrzel NATO firmiert, bindet die produktivsten und einflu\u00dfreichsten Staaten Europas an Amerika und verleiht den Vereinigten Staaten selbst in innereurop\u00e4ischen Angelegenheiten eine wichtige Stimme. \u2026 Vor allen Dingen aber ist Europa Amerikas unverzichtbarer geopolitischer Br\u00fcckenkopf auf dem europ\u00e4ischen Kontinent. Die alte Welt ist f\u00fcr die USA von enormem geostrategischen Interesse. \u2026 (D)as Atlantische B\u00fcndnis (verankert) den politischen Einfluss und die milit\u00e4rische Macht Amerikas unmittelbar auf dem eurasischen Festland.<\/em><\/p>\n<p><em>Beim derzeitigen Stand der amerikanisch-europ\u00e4ischen Beziehungen, da die verb\u00fcndeten europ\u00e4ischen Nationen immer noch stark auf den Sicherheitsschild der USA angewiesen sind, erweitert sich mit jeder Ausdehnung des europ\u00e4ischen Geltungsbereichs automatisch auch die direkte Einflusssph\u00e4re der Vereinigten Staaten. Umgekehrt w\u00e4re ohne diese engen transatlantischen Bindungen Amerikas Vormachtstellung in Eurasien schnell dahin.<\/em><\/p>\n<p><em>Seine Kontrolle \u00fcber den Atlantischen Ozean und die F\u00e4higkeit, Einfluss und Macht tiefer in den eurasischen Raum hinein geltend zu machen, w\u00e4ren dann \u00e4u\u00dferst begrenzt. \u2026 Tatsache ist schlicht und einfach, dass Westeuropa und zunehmend auch Mitteleuropa weitgehend ein amerikanisches Protektorat bleiben, dessen alliierte Staaten an Vasallen und Tributpflichtige von einst erinnern. \u2026 Bedient man sich einer Terminologie, die an das brutalere Zeitalter der alten Weltreiche gemahnt, so lauten die drei gro\u00dfen Imperative imperialer Geostrategie: Absprachen zwischen den Vasallen zu verhindern und ihre Abh\u00e4ngigkeit in Fragen der Sicherheit zu bewahren, die tributpflichtigen Staaten f\u00fcgsam zu halten und zu sch\u00fctzen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die \u201aBarbaren\u2018-V\u00f6lker sich nicht zusammenschlie\u00dfen\u201c<\/em> (36).<\/p>\n<p>Ganz als Fleisch vom Fleische Brzezinskis erweist sich der Gr\u00fcnder des US-Think Tanks STRATFOR und \u00e4u\u00dferst einflussreiche sicherheitspolitische Lobbyist George Friedman, der in seiner aufschlussreichen Analyse zur Ukraine-Krise, die unter dem Titel \u201eU.S. Defense Policy in the Wake of the Ukrainian Affair\u201c das Licht der Welt erblickte, schreibt:<\/p>\n<p><em>\u201eDie nationale Strategie der USA muss auf der Seeherrschaft gr\u00fcnden. Die Ozeane sch\u00fctzen die Vereinigten Staaten vor allem, au\u00dfer vor Terrorismus und Atomraketen. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die US-amerikanische Seeherrschaft bilden feindliche Flotten. Die beste Gegenma\u00dfnahme ist die Verhinderung des feindlichen Flottenbaus. Und die bewirkt man am besten durch die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kr\u00e4fte in Eurasien.<\/em><\/p>\n<p><em>Hierf\u00fcr wiederum ist es ideal, f\u00fcr anhaltende Spannungen innerhalb Eurasiens zu sorgen, so dass dort die Ressourcen statt f\u00fcr den Flottenbau zur Verteidigung gegen Bedrohungen zulande eingesetzt werden. In Anbetracht der inh\u00e4renten Spannungen in Eurasien brauchen die Vereinigten Staaten meistens gar nichts zu tun. Manchmal m\u00fcssen sie einer oder beiden Seiten milit\u00e4rische oder wirtschaftliche Hilfe schicken, in anderen F\u00e4llen lediglich Ratschl\u00e4ge erteilen &#8230; Damit diese von den Briten ererbte Strategie aufgeht, ben\u00f6tigen die Vereinigten Staaten eine effektive und zielf\u00fchrende B\u00fcndnisstruktur.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Strategie des Gleichgewichts der Kr\u00e4fte geht davon aus, dass es zentrale B\u00fcndnispartner gibt, die ein Interesse daran haben, sich mit den Vereinigten Staaten in Reih und Glied gegen regionale Gegner zu stellen\u201c<\/em> (37).<\/p>\n<p>Mit dieser hundertprozentig zutreffenden Analyse kn\u00fcpft Friedman unmittelbar an zentrale Axiome US-amerikanischen geostrategischen Denkens, wie Halford Mackinder\u2018s \u201eHeartland Theory\u201c (38) und Alfred Thayer Mahan\u2019s \u201eInfluence of Sea Power Upon History\u201c (39), an. Seine allgemeinen geostrategischen Konklusionen verdichtet Friedman sodann speziell im Hinblick auf das Verh\u00e4ltnis zwischen Deutschland und Russland, wenn er ebenfalls v\u00f6llig akkurat konstatiert:<\/p>\n<p><em>\u201eDas Hauptinteresse der US-Au\u00dfenpolitik w\u00e4hrend des letzten Jahrhunderts, im Ersten und Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland (&#8230;). Seit einem Jahrhundert ist es f\u00fcr die Vereinigten Staaten das Hauptziel, die einzigartige Kombination zwischen deutschem Kapital, deutscher Technologie und russischen Rohstoff-Ressourcen, russischer Arbeitskraft zu verhindern\u201c<\/em> (40).<\/p>\n<p>Angesichts dieser skrupellos vor aller Augen klargelegten geostrategischen Interessenlage des Imperium Americanum muss es nachgerade unfassbar erscheinen, dass es hierzulande und auch bei unseren europ\u00e4ischen Nachbarn immer noch ganze Geschwader (geo)politischer Blindg\u00e4nger gibt, die der \u00dcberzeugung anh\u00e4ngen, bei der jeweils amtierenden US-Administration handele es sich um Freunde der Europ\u00e4er, die ganz und gar uneigenn\u00fctzig, aus altruistischen und philanthropischen Motiven heraus zum Wohle Europas Weltpolitik betrieben.<\/p>\n<p>Wie man daher unter Ber\u00fccksichtigung der vorstehend skizzierten Faktenlage auch nur ansatzweise auf die Schnapsidee kommen kann, sich mit einem derartigen Schurkenstaat, der mittlerweile protofaschistische Z\u00fcge (41) aufweist, mit der hohlen Phrase einer vorgeblichen \u201eInteressen- und Wertegemeinschaft\u201c ins gr\u00fcndlich versiffte Bett eines Milit\u00e4rb\u00fcndnisses legen zu wollen, muss v\u00f6llig schleierhaft erscheinen.<\/p>\n<p>Allerdings scheint es in deutschen Landen jede Menge Zeitgenossen zu geben, denen es vor gar nichts graut. Zugleich ist denen, die nun immer noch nicht begreifen wollen oder k\u00f6nnen, dass ein Fortbestand des B\u00fcndnisses mit den USA im Rahmen der NATO in der momentan gegebenen Form weder im deutschen noch im europ\u00e4ischen Interesse liegt noch mit dem Wertenexus unseres Grundgesetzes vereinbar ist, in der Tat nicht mehr zu helfen!<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcgliche Illusionen hatte sich Deutschlands hochgesch\u00e4tzter und j\u00fcngst verstorbener Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, dem nun wahrhaftig nicht der Ruf vorauseilte, ein fanatischer Anti-Amerikaner zu sein, l\u00e4ngst schon abgeschminkt. Von \u00e4hnlichen Erkenntnissen mag er dazu inspiriert worden sein, im Jahre 2014 auf dem Podium der M\u00fcnchner (Un-)Sicherheitskonferenz Moderator Josef Joffe, den habituellen Statthalter US-amerikanischer Interessen beim Frontblatt eines \u00fcberkommenen Transatlantizismus\u2018, der ZEIT, auf dessen Frage nach der Zukunft der NATO mit der knochentrockenen Bemerkung abzukanzeln:<\/p>\n<p><em>\u201eMir ist das ziemlich gleichg\u00fcltig, ob sie in zehn Jahren noch existiert\u201c<\/em> (42).<\/p>\n<p>Bereits ein Jahrzehnt zuvor hatte er zur US-amerikanischen Geostrategie angemerkt:<\/p>\n<p><em>\u201e(Ich bin) \u00fcberzeugt \u2026, dass wir Europ\u00e4er uns nicht zu Instrumenten amerikanischer hegemonialer Macht machen lassen d\u00fcrfen. Die Europ\u00e4er m\u00fcssen versuchen, im Sinne ihrer Sicht und ihrer Interessen Einfluss zu nehmen. Solange aber die superm\u00e4chtigen USA darauf beharren sollten, unilateral, das hei\u00dft allein zu entscheiden und unilateral milit\u00e4risch zu handeln, so m\u00fcssen wir das in gelassener W\u00fcrde ertragen\u201c<\/em> (43).<\/p>\n<p>Und ein Jahr sp\u00e4ter sah er sich gar veranlasst, wortw\u00f6rtlich \u201edie gegenw\u00e4rtige imperialistische Einstellung der USA\u201c (44) zu monieren.<\/p>\n<p>Nimmt man die Annotationen des \u201eElder Statesman\u2018s\u201c Schmidt sowie die zuvor entwickelte Analyse ernst, so ergibt sich die zwingende Konklusion, dass es im existentiellen Interesse Europas liegt, eine tragf\u00e4hige sicherheitspolitische Alternative gegen die US-amerikanische Form von Amok-Politik zu entwickeln, ganz so wie dies Deutschlands altkonservativer Renommierhistoriker Heinrich August Winkler schon vor vielen Jahren postuliert hatte, als er anmerkte:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Mitglieder der EU werden mehr f\u00fcr ihre gemeinsame \u00e4u\u00dfere Sicherheit tun und diese arbeitsteilig organisieren m\u00fcssen, wenn sie ihre einseitige Abh\u00e4ngigkeit von den USA verringern wollen. Andernfalls werden die Proteste gegen den amerikanischen Unilateralismus nur Ausdruck europ\u00e4ischer Ohnmacht bleiben\u201c<\/em> (45).<\/p>\n<p>Mit der Wahl von Donald Trump zum US-Pr\u00e4sidenten hat diese Frage j\u00fcngst ungeheuer an Brisanz gewonnen, hat dieser doch die NATO unumwunden als \u201eobsolete\u201c erkl\u00e4rt (46). Als haupts\u00e4chliche Gr\u00fcnde f\u00fcr sein Verdikt nannte Trump, dass die Europ\u00e4er sich nicht an das beim NATO-Gipfel 2014 in Wales vereinbarte Ziel hielten, mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in ihre Milit\u00e4rhaushalte zu stecken und dass die NATO nicht hinreichend f\u00fcr den Kampf gegen des internationalen Terrorismus tauge.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlicher wurde der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John C. Kornblum, als am Abend nach der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz in der Talkshow von Anne Will die Frage diskutiert wurde, ob Trumps USA noch ein verl\u00e4sslicher Partner w\u00e4ren (47). In Bezug auf die Rolle und Funktion des Atlantischen B\u00fcndnisses merkte er an, dass die NATO schon seit Jahren nicht mehr als Planungs- und Konsultationsforum diente, weil die Europ\u00e4er im Rahmen der Europ\u00e4ischen Union alles selber machten \u2014 ohne die USA zu fragen.<\/p>\n<p>Ziemlich klar ist angesichts dessen, woher der Wind pfeift: Obwohl die milit\u00e4rische Dimension der EU bis dato lediglich rudiment\u00e4r ausgepr\u00e4gt ist, f\u00fchlt sich die atlantische Hegemonialmacht bereits durch den aktuell erreichten Stand der Integration herausgefordert, wohl nicht zuletzt dadurch, dass ihre europ\u00e4ischen Vasallen im Gegensatz zu den goldenen Zeiten des Kalten Krieges kaum mehr auf dem US-R\u00fcstungsmarkt einkaufen, sondern ihre R\u00fcstungsproduktion vornehmlich auf eigene F\u00fc\u00dfe gestellt haben \u2014 aus US-amerikanischer Sicht handelt es sich bei der NATO also l\u00e4ngst schon um alles andere als ein eintr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen NATO-Alliierten reagierten auf die Vorw\u00fcrfe aus dem Oval Office im ersten Moment konsterniert bis hysterisch. Selbst der Doyen der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, ehemals Staatssekret\u00e4r im Ausw\u00e4rtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland sowie Botschafter in Washington D.C. und in London, also ein ohne jeden Zweifel in der Wolle gef\u00e4rbter Transatlantiker, verlor seine diplomatische Contenance und bezeichnete die NATO als das, was sie ist, n\u00e4mlich \u201ebei Lichte betrachtet \u2026 ein amerikanisches Herrschaftsinstrument \u2026 f\u00fcr einen ganz wesentlichen Teil der Welt, den man m\u00f6glichst nicht anderen \u00fcberlassen sollte und m\u00f6chte\u201c (48).<\/p>\n<p>Ischingers Kommentar markiert ein sich immer st\u00e4rker ver\u00e4nderndes sicherheitspolitisches Selbstverst\u00e4ndnis im, wie US-Kriegsminister Donald Rumsfeld vor dem Irak-Desaster selbstgerecht geh\u00f6hnt hatte, \u201eAlten Europa\u201c, das sich angesichts der Attit\u00fcden der milit\u00e4rischen \u201eHypermacht\u201c USA immer dr\u00e4ngender die Frage stellt, ob es weiterhin unter einer globalen \u201ePax Americana\u201c zu leben gewillt ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Europ\u00e4ische Union, die sich vom Vasallenstatus gegen\u00fcber der atlantischen Hegemonialmacht befreien will, folgt daraus, dass der K\u00f6nigsweg zur Unabh\u00e4ngigkeit mitnichten darin bestehen kann, nun ihrerseits Status und Potenz einer globalen Milit\u00e4rmacht anzustreben, sondern vielmehr im klugen Gebrauch von Diplomatie und wirtschaftlicher St\u00e4rke im Rahmen einer eigenen geo\u00f6konomisch fundierten Globalstrategie. Dar\u00fcber hinaus erscheint speziell aus deutscher Sicht nach Jahrzehnten der uneingeschr\u00e4nkten \u201eLuftherrschaft\u201c der \u201eAtlantiker\u201c \u00fcber den Dom\u00e4nen der strategischen Debatte die Zeit endg\u00fcltig reif f\u00fcr eine \u201eneo-gaullistische\u201c Wende.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag von J\u00fcrgen Rose wurde von <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/wegtreten-nato\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rubikon<\/a> unter <strong>Creative Commons-Lizenz<\/strong> (<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/4.0\/deed.de\" target=\"_blank\" rel=\"license noopener\">Namensnennung &#8211; Nicht kommerziell &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International<\/a>) \u00fcbernommen.<\/em><\/p>\n<div class=\"article-author\">\n<div class=\"article-author-bio\">\n<p><em><strong>J\u00fcrgen Rose<\/strong>, Jahrgang 1958, ist Oberstleutnant a. D. der Bundeswehr und Publizist. 2007 verweigerte er als erster deutscher Soldat aus Gewissensgr\u00fcnden seine Beteiligung an der Unterst\u00fctzung des Tornado-Einsatzes in Afghanistan. In zahlreichen Publikationen legt er seine kritische Sicht der Sicherheits-, Verteidigungs- und Au\u00dfenpolitik dar. Er ist Vorstandsmitglied des der Friedensbewegung nahestehenden <a href=\"http:\/\/www.darmstaedter-signal.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeitskreises Darmst\u00e4dter Signal<\/a>.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"article-license\">\n<div class=\"article-license-info\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>Quellen und Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Lau, J\u00f6rg: M\u00f6ge die Macht mit dir sein! in: Die Zeit, Nr. 2, 7. Januar 2016, S. 8.<br \/>\n(2) CDU Deutschlands\/CSU-Landesleitung\/SPD (Hrsg.): Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, Berlin, 16. Dezember 2013, S. 117; <a href=\"https:\/\/www.cdu.de\/sites\/default\/files\/media\/dokumente\/koalitionsvertrag.pdf\">https:\/\/www.cdu.de\/sites\/default\/files\/media\/dokumente\/koalitionsvertrag.pdf<\/a>.<br \/>\n(3) Zit. n. Sommer, Theo: Aus dem Bollwerk in die Zukunft. Amerikaner drin, Russen drau\u00dfen, die Deutschen kleine \u2013 bleibt dies der Endzweck der Nato?, in: Die Zeit, Nr. 23, 2. Juni 1989, S. 1; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1989\/23\/aus-dem-bollwerk-in-die-zukunft\/komplettansicht\">http:\/\/www.zeit.de\/1989\/23\/aus-dem-bollwerk-in-die-zukunft\/komplettansicht<\/a>.<br \/>\n(4) Stone, Oliver\/Kzunick, Peter: Amerikas ungeschriebene Geschichte. Die Schattenseite der Weltmacht, Berlin 2015, S. 244.<br \/>\n(5) Zit. n. Stone, Oliver\/Kzunick, Peter: a. a. O., S. 244; im Original: \u201cFurthermore, we have about 50% of the world&#8217;s wealth but only 6.3% of its population. This disparity is particularly great as between ourselves and the peoples of Asia. In this situation, we cannot fail to be the object of envy and resentment. Our real task in the coming period is to devise a pattern of relationships which will permit us to maintain this position of disparity without positive detriment to our national security. To do so, we will have to dispense with all sentimentality and daydreaming; and our attention will have to be concentrated everywhere on our immediate national objectives. We need not deceive ourselves that we can afford today the luxury of altruism and world-benefaction\u201d, in: Kennan, George F.: PPS\/23: Review of Current Trends in U.S. Foreign Policy, Washington, 24\/02\/1948, in: Foreign Relations of the United States, 1948, Volume I, pp. 509-529; <a href=\"https:\/\/www.milestonedocuments.com\/documents\/view\/george-f-kennans-pps23-review-of-current-trends-in-us-foreign-policy\/text\">https:\/\/www.milestonedocuments.com\/documents\/view\/george-f-kennans-pps23-review-of-current-trends-in-us-foreign-policy\/text<\/a>.<br \/>\n(6) Kissinger, Henry: Die erschreckende Revolution in der NATO, in: Welt am Sonntag, 15. August 1999.<br \/>\n(7) Brie, Andr\u00e9 (Interviewer): Ein festes und ruhiges Nein. Im Gespr\u00e4ch. Der SPD-Sicherheitsexperte Egon Bahr \u00fcber den NATO-Gipfel in Riga, die Bundeswehr in S\u00fcdafghanistan und den Anfang vom Ende einer \u00fcbersteigerten Unipolarit\u00e4t der USA, in: Der Freitag vom 24. November 2006, S.3; <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/ein-festes-und-ruhiges-nein\">https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/ein-festes-und-ruhiges-nein<\/a>.<br \/>\n(8) R\u00fchl, Lothar: Ein Dienstleistungsbetrieb bei amerikanischem Bedarf, in: Frankfurter Allgemeine Zei-tung vom 20. November 2002, S. 6.<br \/>\n(9) Herden, Lutz (Interviewer): Nicht nur die Amerikaner brauchen eine Exit-Strategie. Im Gespr\u00e4ch. Der Sicherheitspolitiker Willy Wimmer (MdB\/CDU) \u00fcber Frontbegradigungen nach den US-Kongresswahlen und einen deutschen Austritt aus der milit\u00e4rischen Integration der NATO, in: Der Freitag vom 17. Novem-ber 2006, S. 9; <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/nicht-nur-die-amerikaner-brauchen-eine-exit-strategie\">https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/nicht-nur-die-amerikaner-brauchen-eine-exit-strategie<\/a>.<br \/>\n(10) Ibid..<br \/>\n(11) Habermas, J\u00fcrgen: Erste Hilfe f\u00fcr Europa. Die europ\u00e4ischen Regierungen m\u00fcssen \u00fcber ihren Schat-ten springen \u2013 und den eigenen B\u00fcrgern endlich die Chance geben, \u00fcber die Zukunft der Union zu entscheiden, in: Die Zeit, Nr. 49, 29. November 2007, S. 6.<br \/>\n(12) Zur Risikolosigkeit des T\u00f6tens per Joystick liefert der Politikwissenschaftler Herfried M\u00fcnkler, ausgewiesener Transatlantiker und Bellizist, unter dem Rubrum \u201eVerlust des Heroischen\u201c eine bemerkenswerte Charakterisierung: \u201eDas Flugger\u00e4t, das er bedient, ist Hunderte, wenn nicht Tausende von Kilometern vom Steuerungszentrum entfernt, so dass die von ihm Angegriffenen nicht die mindeste Chance haben, den Urheber des Angriffs zu bek\u00e4mpfen. Sie sind ihm wehrlos ausgeliefert. M\u00f6gen sie sonst noch so sehr zum Kampf entschlossen sein, gegen\u00fcber den von der Kampfdrohne abgefeuerten Raketen sind sie blo\u00dfe Opfer. Der Angriff auf sie erfolgt aus heiterem Himmel, und wir k\u00f6nnen uns vorstellen, dass der Feuerleitoffizier der den Angriff von seinem klimatisierten Steuerungsraum aus be-fohlen hat, danach zu seiner Cola greift und sich entspannt. Anschlie\u00dfend wird er zu Protokoll geben, was er nach seinen Beobachtungen erreicht hat.\u201c M\u00fcnkler, Herfried: Vom K\u00e4mpfer zum Spieler? Der Wandel des Soldatentums im Zeitalter der Hightech-Waffen, in: Rotary Magazin, Nr. 6\/2013, S. 40-43.<br \/>\n(13) Vgl. International Human Rights and Conflict Resolution Clinic (Stanford Law School) and Global Justice Clinic (NYU School Of Law) (eds.): Living Under Drones: Death, Injury, and Trauma to Civilians From US Drone Practices in Pakistan, Stanford\/New York, September, 2012, <a href=\"http:\/\/livingunderdrones.org\/\">http:\/\/livingunderdrones.org\/<\/a>, Smith, Clive Stafford: Drones: the west&#8217;s new terror campaign. The CIA&#8217;s Predator drones are bringing to Pakistan the same horror that Hitler&#8217;s doodlebugs inflicted on London, in: The Guardian, 25 September 2012, <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/commentisfree\/2012\/sep\/25\/drones-wests-terror-weapons-doodlebugs-1\">http:\/\/www.guardian.co.uk\/commentisfree\/2012\/sep\/25\/drones-wests-terror-weapons-doodlebugs-1<\/a>, United Nations, General Assembly, Human Rights Council (ed.): Report of the Special Rapporteur on extrajudicial, summary or arbitrary executions, Christof Heyns, A\/HRC\/20\/22\/Add.3, 30 March 2012.<br \/>\n(14) Vgl. Anonymous: United States Special Operations Command, <a href=\"http:\/\/www.socom.mil\/default.aspx\">http:\/\/www.socom.mil\/default.aspx<\/a> sowie <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/United_States_Special_Operations_Command\">http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/United_States_Special_Operations_Command<\/a>.<br \/>\n(15) Siehe Becker, Jo\/Shane, Scott: Secret \u2018Kill List\u2019 Proves a Test of Obama\u2019s Principles and Will, in: The New York Times, 29\/05\/2012, <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2012\/05\/29\/world\/obamas-leadership-in-war-on-al-qaeda.html\">http:\/\/www.nytimes.com\/2012\/05\/29\/world\/obamas-leadership-in-war-on-al-qaeda.html<\/a>, Ege, Konrad: Der Pr\u00e4sident bittet zum \u201eTerror-Dienstag\u201c. USA. In w\u00f6chentlichen Meetings entscheidet Barack Obama, welche Al-Qaida-Mitglieder auf die Todesliste kommen, in: der Freitag vom 6. Juni 2012, Nr. 23, S. 9, <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/der-white-house-terminator\">http:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/der-white-house-terminator<\/a>, R\u00fcb, Matthias: Lizenz zum T\u00f6ten. Amerikas Pr\u00e4sident hat den Kampf mit Drohnen nicht nur von seinem Amtsvorg\u00e4nger \u00fcbernommen. Er hat ihn ausgeweitet. Aus dem Friedensnobelpreistr\u00e4ger ist ein Krieger geworden, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 4. August 2012, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/obamas-drohnenkrieg-lizenz-zum-toeten-11843805.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/obamas-drohnenkrieg-lizenz-zum-toeten-11843805.html<\/a>.<br \/>\n(16) Siehe International Human Rights and Conflict Resolution Clinic (Stanford Law School) and Global Justice Clinic (NYU School Of Law) (eds.): a. a. O..<br \/>\n(17) Scahill, Jeremy: Schmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen, M\u00fcnchen 2013, S. 594. Titel der Original\u00acausgabe: Dirty Wars. The World is a Battlefield, New York 2013.<br \/>\n(18) Kohler, Berthold: Angst und Schrecken, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 151 vom 3. Juli 2014, S. 1.<br \/>\n(19) Breyer, Patrick: War da was? Als h\u00e4tte es den NSA-Skandal nicht gegeben: Die EU will den USA jetzt ganz freiwillig B\u00fcrgerdaten liefern. Ein Gastbeitrag von Patrick Breyer, in: Die Zeit, Nr. 19, 3. Mai 2014; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/19\/datenschutzabkommenueberwachungnsa\/komplettansicht\">http:\/\/www.zeit.de\/2014\/19\/datenschutzabkommenueberwachungnsa\/komplettansicht<\/a>.<br \/>\n(20) Vgl. Breyer, Patrick: a.a.O.<br \/>\n(21) Art 104 GG lautet: (1) Die Freiheit der Person kann nur auf Grund eines f\u00f6rmlichen Gesetzes und nur unter Beachtung der darin vorgeschriebenen Formen beschr\u00e4nkt werden. Festgehaltene Personen d\u00fcrfen weder seelisch noch k\u00f6rperlich mi\u00dfhandelt werden. (2) \u00dcber die Zul\u00e4ssigkeit und Fortdauer einer Freiheitsentziehung hat nur der Richter zu entscheiden. Bei jeder nicht auf richterlicher Anordnung beruhenden Freiheitsentziehung ist unverz\u00fcglich eine richterliche Entscheidung herbeizuf\u00fchren. Die Polizei darf aus eigener Machtvollkommenheit niemanden l\u00e4nger als bis zum Ende des Tages nach dem Ergreifen in eigenem Gewahrsam halten. Das N\u00e4here ist gesetzlich zu regeln. (3) Jeder wegen des Verdachtes einer strafbaren Handlung vorl\u00e4ufig Festgenommene ist sp\u00e4testens am Tage nach der Festnahme dem Richter vorzuf\u00fchren, der ihm die Gr\u00fcnde der Festnahme mitzuteilen, ihn zu vernehmen und ihm Gelegenheit zu Einwendungen zu geben hat. Der Richter hat unverz\u00fcglich entweder einen mit Gr\u00fcnden versehenen schriftlichen Haftbefehl zu erlassen oder die Freilassung anzuordnen. (4) Von jeder richterlichen Entscheidung \u00fcber die Anordnung oder Fortdauer einer Freiheitsentziehung ist unverz\u00fcglich ein Angeh\u00f6riger des Festgehaltenen oder eine Person seines Vertrauens zu benachrichtigen.<br \/>\n(22) Vgl. Anonym: Habeas Corpus, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Habeas_Corpus\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Habeas_Corpus<\/a>.<br \/>\n(23) Zur Entwicklung faschistoider rsp. faschistischer Tendenzen in Staat und Gesellschaft der USA vgl. Stelzenm\u00fcller, Constanze: Justizfarce im Niemandsland. US-Tribunale, nicht ordentliche Gerichte, sollen \u00fcber die Gefangenen des Lagers von Guant\u00e1namo richten, in: Die Zeit, Nr. 32, 31. Juli 2003, S. 5; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2003\/32\/Kriegsgefangene\">http:\/\/www.zeit.de\/2003\/32\/Kriegsgefangene<\/a>; B\u00f6hm, Andrea: Kampf an der Heimatfront. Zwei Jahre nach den Terrorangriffen: George W. Bush und seine Republikaner gef\u00e4hrden im eigenen Land demokratische Grundrechte, die sie im Irak einf\u00fchren wollen, in: Die Zeit, Nr. 38, 11. September 2003; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2003\/38\/heimatfront\">http:\/\/www.zeit.de\/2003\/38\/heimatfront<\/a>; S. 13-18; Klein, Naomi: Nie wieder, nie zuvor. Debatte ohne Ged\u00e4chtnis. Der Einsatz von Folter durch US-Beh\u00f6rden geht nicht erst auf die Regierung von George Bush zur\u00fcck, in: der Freitag vom 6. Januar 2006, Nr. 1, S. 7; <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/nie-wieder-nie-zuvor\">https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/nie-wieder-nie-zuvor<\/a>; Els\u00e4sser, J\u00fcrgen: Die Putschisten. Die sogenannten Neokonservativen betreiben die Faschisierung der US-amerikanischen Gesellschaft, in: Zeit-Fragen, Nr. 2, 15. Januar 2007, S. 7f; Roberts, Bob: NSA: Faschismus im Namen der Nationalen Sicherheit ?, 3. Juli 2013; <a href=\"http:\/\/machtelite.wordpress.com\/2013\/07\/03\/nsa-faschismus-im-namen-der-nationalen-sicherheit\/\">http:\/\/machtelite.wordpress.com\/2013\/07\/03\/nsa-faschismus-im-namen-der-nationalen-sicherheit\/<\/a>; Blum, Daniel: Alarmruf &#8222;Faschismus&#8220;. Naomi Wolf: Wie zerst\u00f6rt man eine Demokratie. Das 10-Punkte-Programm, in: Deutschlandfunk \u2013 Andruck \u2013 Das Magazin f\u00fcr Politische Literatur, 03.11.2008; <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/alarmruf-faschismus.1310.de.html?dram:article_id=193707\">http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/alarmruf-faschismus.1310.de.html?dram:article_id=193707<\/a>. Mit folgen-den Worten schwingt die amerikanische Kulturkritikerin Naomi Wolf in ihrem Buch die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Keule, n\u00e4mlich den Faschismus-Vorwurf: \u201eDer \u00dcbergang zum Faschismus erfolgt in Form zahlreicher gleichzeitiger Angriffe auf die Demokratie, die irgendwann eine kritische Masse erreichen einen Kipppunkt. Sind bestimmte Kontrollen und Gegengewichte erst einmal zerst\u00f6rt und bestimmte Institutionen eingesch\u00fcchtert, entwickeln sich die Ereignisse auf einmal sehr schnell, und es kommt bald ein Punkt, von dem aus eine R\u00fcckkehr zu den bisherigen Ereignissen kaum noch m\u00f6glich ist.\u201c Inhaltlich in dieselbe Richtung zielt auch John Dean, ehemaliger Berater des US-Pr\u00e4sidenten Richard Nixon, heute ein bekannter liberaler Publizist, der diesbez\u00fcglich zu Protokoll gibt: \u201eIch bin besorgt, weil ein proto-faschistisches Verhalten zu erkennen ist, ein Verhalten mit faschistischen Grundmustern \u2013 Sind wir deswegen also auf dem Weg in den Faschismus? \u2013 Nein. Aber wir sind davon nicht weit entfernt. \u2013 Menschen, die etwas davon verstehen, sagen, da\u00df der Faschismus bei uns mit einem l\u00e4chelnden Antlitz auftritt und uns dazu bewegt, dort freiwillig Rechte aufzugeben, wo wir vielleicht einmal sagen wer-den: \u201aH\u00e4tten wir das doch nie getan.\u2018\u201c (Beide Zitate aus Blum, Daniel: a. a. O.).<br \/>\nZur Folterpraxis der USA in j\u00fcngster Zeit siehe: United States Senate\/Senate Select Committee on Intelligence (ed.): Committee Study of the Central Intelligence Agency&#8217;s Detention and Interrogation<br \/>\nProgram, Washington D. C., 03\/12\/2014; <a href=\"http:\/\/www.intelligence.senate.gov\/study2014\/sscistudy1.pdf\">http:\/\/www.intelligence.senate.gov\/study2014\/sscistudy1.pdf<\/a>; Anonymous: Senate Intelligence Committee report on CIA torture; <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Senate_Intelligence_Committee_report_on_CIA_torture\">http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Senate_Intelligence_Committee_report_on_CIA_torture<\/a>; Anonym (ras): So bestialisch qu\u00e4lte die CIA ihre Gefangenen, in: SPIEGEL ONLINE, 10. Dezember 2014; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/cia-folterbericht-die-zehn-schlimmsten-quaelereien-der-cia-a-1007646.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/cia-folterbericht-die-zehn-schlimmsten-quaelereien-der-cia-a-1007646.html<\/a>.<br \/>\n(24) Zit. n. Scahill, Jeremy: a. a. O., S. 452.<br \/>\n(25) Zit. n. Scahill, Jeremy: a. a. O., S. 578.<br \/>\n(26) Zit. n. Scahill, Jeremy: a. a. O., S. 598.<br \/>\n(27) Scahill, Jeremy: a. a. O., S. 579.<br \/>\n(28) Deschner, Karlheinz: Der Moloch. \u201eSprecht sanft und tragt immer einen Kn\u00fcppel bei euch!\u201c Zur Amerikanisierung der Welt, Stuttgart\/Wien 1992, S. 22.<br \/>\n(29) Im Original lautete sein ber\u00fchmtes Diktum: \u201eWe have no eternal allies, and we have no perpetual enemies. Our interests are eternal and perpetual, and those interests it is our duty to follow.\u201c Henry John Temple Palmerston, Remarks in the House of Commons, 01\/03\/1848; <a href=\"http:\/\/www.quotationspage.com\/quote\/41290.html\">http:\/\/www.quotationspage.com\/quote\/41290.html<\/a>.<br \/>\n(30) Kinzer, Stephen: Putsch! Zur Geschichte des amerikanischen Imperialismus, Frankfurt\/Main 2006, S. 9ff.<br \/>\n(31) Vgl. Anonym: Smedley D. Butler; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Smedley_D._Butler\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Smedley_D._Butler<\/a>.<br \/>\n(32) Vgl. Butler; Smedley D.: War is a racket, Round Table Press, New York 1935.<br \/>\n(33) Im Original lautet das Zitat: \u201eWar is just a racket. A racket is best described, I believe, as something that is not what it seems to the majority of people. Only a small inside group knows what it is about. It is conducted for the benefit of the very few at the expense of the masses. I believe in adequate defense at the coastline and nothing else. If a nation comes over here to fight, then we&#8217;ll fight. The trouble with America is that when the dollar only earns 6 percent over here, then it gets restless and goes overseas to get 100 percent. Then the flag follows the dollar and the soldiers follow the flag. I wouldn&#8217;t go to war again as I have done to protect some lousy investment of the bankers. There are only two things we should fight for. One is the defense of our homes and the other is the Bill of Rights. War for any other reason is simply a racket. There isn&#8217;t a trick in the racketeering bag that the military gang is blind to. It has its &#8222;finger men&#8220; to point out enemies, its &#8222;muscle men&#8220; to destroy enemies, its &#8222;brain men&#8220; to plan war preparations, and a &#8222;Big Boss&#8220; Super-Nationalistic-Capitalism. It may seem odd for me, a military man to adopt such a comparison. Truthfulness compels me to. I spent thirty- three years and four months in active military service as a member of this country&#8217;s most agile military force, the Marine Corps. I served in all commissioned ranks from Second Lieutenant to Major-General. And during that period, I spent most of my time being a high class muscle-man for Big Business, for Wall Street and for the Bankers. In short, I was a racketeer, a gangster for capitalism. I suspected I was just part of a racket at the time. Now I am sure of it. Like all the members of the military profession, I never had a thought of my own until I left the service. My mental faculties remained in suspended animation while I obeyed the orders of higher-ups. This is typical with everyone in the military service. I helped make Mexico, especially Tampico, safe for American oil interests in 1914. I helped make Haiti and Cuba a decent place for the National City Bank boys to collect revenues in. I helped in the raping of half a dozen Central American republics for the benefits of Wall Street. The record of racketeering is long. I helped purify Nicaragua for the international banking house of Brown Brothers in 1909-1912 (where have I heard that name before?). I brought light to the Dominican Republic for American sugar interests in 1916. [I helped make Honduras right for the American fruit companies in 1903.] In China I helped to see to it that Standard Oil went its way unmolested. During those years, I had, as the boys in the back room would say, a swell racket. Looking back on it, I feel that I could have given Al Capone a few hints. The best he could do was to operate his racket in three districts. I operated on three continents.\u201d Smedley Butler on Interventionism \u2013 Excerpt from a speech delivered in 1933, by Major General Smedley Butler, USMC; <a href=\"http:\/\/fas.org\/man\/smedley.htm\">http:\/\/fas.org\/man\/smedley.htm<\/a> (\u00dcbersetzung: JR). Vgl. auch Schmidt, Hans: Maverick Marine: General Smedley D. Butler and the Contradictions of American Military History, Lexington 1998, p. 231 sowie Stone, Oliver\/Kzunick, Peter: Amerikas ungeschriebene Geschichte. Die Schattenseite der Weltmacht, Berlin 2015, S. 17f.<br \/>\n(34) Perkins, John C.: Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienste der Wirtschaftsma-fia, M\u00fcnchen 2005, S. 28f und 355.<br \/>\n(35) Pinter, Harold: Kunst, Wahrheit &amp; Politik \u2013 Nobelvorlesung, 7. Dezember 2005, DIE NOBELSTIF-TUNG 2005; <a href=\"http:\/\/www.nobelprize.org\/nobel_prizes\/literature\/laureates\/2005\/pinter-lecture-g.html\">http:\/\/www.nobelprize.org\/nobel_prizes\/literature\/laureates\/2005\/pinter-lecture-g.html<\/a>.<br \/>\n(36) Brzezi\u0144ski, Zbigniew: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Frankfurt am Main 20014, S. 48f, 65f, 91f.<br \/>\n(37) Friedman, George: U.S. Defense Policy in the Wake of the Ukrainian Affair\u201c, Geopolitical Weekly, Tuesday, 08\/04\/2014, <a href=\"http:\/\/www.stratfor.com\/weekly\/us-defense-policy-wake-ukrainian-affair\">http:\/\/www.stratfor.com\/weekly\/us-defense-policy-wake-ukrainian-affair<\/a>.<br \/>\nIm Original lautet das Zitat: \u201eU.S. national strategy must be founded on the control of the sea. The oceans protect the United States from everything but terrorism and nuclear missiles. The greatest challenge to U.S. control of the sea is hostile fleets. The best way to defeat hostile fleets is to prevent them from being built. The best way to do that is to maintain the balance of power in Eurasia. The ideal path for this is to ensure continued tensions within Eurasia so that resources are spent defending against land threats rather than building fleets. Given the inherent tensions in Eurasia, the United States needs to do nothing in most cases. In some cases it must send military or economic aid to one side or both. In other cases, it advises. &#8230; In order for this strategy, which the U.S. inherited from the British, to work, the United States need an effective and relevant alliance structure. The balance-of-power strategy assumes that there are core allies who have an interest in aligning with the United States against regional enemies.\u201d<br \/>\n(38) Vgl. hierzu Mackinder, Halford: Democratic Ideals and Reality, New York 1919 sowie Anonym: Heart-land-Theorie; <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heartland-Theorie\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heartland-Theorie<\/a>.<br \/>\n(39) Vgl. hierzu Mahan, Alfred Thayer: The Influence of Sea Power upon History, 1660-1783. Little, Brown &amp; Co, New York 1890; sowie Anonym: The Influence of Sea Power upon History; <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Einfluss_der_Seemacht_auf_die_Geschichte\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Einfluss_der_Seemacht_auf_die_Geschichte<\/a>.<br \/>\n(40) Friedman, George: Vortrag \u00fcber die strategischen Ziele der USA am 4. Februar 2015 auf Einladung des Chicago Council on Global Affairs, zit. n. M\u00fcller, Karl (Interviewer): \u201eDie Nato bringt uns mit diesem Kurs um, und das mit tatkr\u00e4ftiger Mithilfe der eigenen deutschen Regierung\u201c. Interview mit Willy Wimmer, in: Zeit-Fragen, Nr. 2 vom 19. Januar 2016, S. 3ff; <a href=\"http:\/\/www.zeit-fragen.ch\/index.php?id=2354\">http:\/\/www.zeit-fragen.ch\/index.php?id=2354<\/a>; die vollst\u00e4ndige Rede Friedmans kann man nachh\u00f6ren unter <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QeLu_yyz3tc\">www.youtube.com\/watch?v=QeLu_yyz3tc<\/a>.<br \/>\n(41) Siehe Fu\u00dfnote 23.<br \/>\n(42) Zit. n. Blumencron, Mathias M\u00fcller von: \u201eIst mir doch egal, ob es die Nato in zehn Jahren noch gibt\u201c. Es war wie eine Zeitreise: Schmidt, Kissinger, Bahr und Giscard d\u2019Estaing debattieren gemeinsam auf der B\u00fchne \u00fcber Au\u00dfenpolitik , zwei Newcomer d\u00fcrfen mitmachen. Was haben sie uns zu sagen?, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Februar 2014; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/muenchener-sicherheitskonferenz-ist-mir-doch-egal-ob-es-die-nato-in-zehn-jahren-noch-gibt-12780370.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/muenchener-sicherheitskonferenz-ist-mir-doch-egal-ob-es-die-nato-in-zehn-jahren-noch-gibt-12780370.html<\/a>.<br \/>\n(43) Schmidt, Helmut: \u201eM\u00e4\u00dfigung ist eine Kardinaltugend\u201c, in: Die Zeit, Nr. 16, 10. April 2003, S. 13.<br \/>\n(44) Schmidt, Helmut: \u201eWir ver\u00e4ndern das Land gerade\u201c Helmut Schmidt im Gespr\u00e4ch mit jungen chinesischen Intellektuellen \u2013 \u00fcber Kultur und Markt, Demokratie und Nationalismus, in: Die Zeit, Nr. 11, 4. April 2004, S. 20.<br \/>\n(45) Winkler, Heinrich August: Wenn die Macht Recht spricht, in: Die Zeit, Nr. 26, 18. Juni 2003, S. 8.<br \/>\n(46) Vgl. Biskup, Daniel (Interviewer): Donald Trump: I\u2019ll do a deal with Britain, in: The Times, 15\/01\/2017; <a href=\"http:\/\/www.thetimes.co.uk\/edition\/news\/i-ll-do-a-deal-with-britain-6hl2hl73l\">http:\/\/www.thetimes.co.uk\/edition\/news\/i-ll-do-a-deal-with-britain-6hl2hl73l<\/a> sowie Anonym (afp): Deutschland: Trump nennt Nato &#8222;obsolet&#8220;; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/news\/2017-01\/15\/deutschland-trump-nennt-nato-obsolet-15230606\">http:\/\/www.zeit.de\/news\/2017-01\/15\/deutschland-trump-nennt-nato-obsolet-15230606<\/a>.<br \/>\n(47) Vgl. Das Erste \u2013 Anne Will: Nach der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz \u2013 Sind Trumps USA noch ein verl\u00e4sslicher Partner? \u00dcber die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik Trumps diskutieren Peter Altmaier, Sahra Wagenknecht, Klaus Scharioth, Bernd Ulrich und John Kornblum, ARD-Sendung vom 19.02.2017, 21:45 Uhr; <a href=\"http:\/\/daserste.ndr.de\/annewill\/Nach-der-Muenchner-Sicherheitskonferenz-Sind-Trumps-USA-noch-ein-verlaesslicher-Partner,annewill5080.html\">http:\/\/daserste.ndr.de\/annewill\/Nach-der-Muenchner-Sicherheitskonferenz-Sind-Trumps-USA-noch-ein-verlaesslicher-Partner,annewill5080.html<\/a>.<br \/>\n(48) Vgl. Ischinger, Wolfgang in Esser, Christian\/Koberstein, Hans\/Meier, Birte\/\u00d6zarslan, Asli: Trump und die Folgen f\u00fcr Deutschland \u2013 Twittern, poltern, drohen, in: Frontal21, ZDF-Sendung vom 17. Januar 2017, 21:00Uhr; <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/assets\/manuskript-trump-und-die-folgen-fuer-deutschland-100%7Eoriginal\">https:\/\/www.zdf.de\/assets\/manuskript-trump-und-die-folgen-fuer-deutschland-100~original<\/a>?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entsorgung des transatlantischen Kriegsb\u00fcndnisses ist \u00fcberf\u00e4llig. Die Heiligste Kuh im Stall der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland ist die Mitgliedschaft im Atlantischen B\u00fcndnis. 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