{"id":734707,"date":"2018-10-10T09:35:11","date_gmt":"2018-10-10T08:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=734707"},"modified":"2018-10-10T10:49:37","modified_gmt":"2018-10-10T09:49:37","slug":"abruesten-statt-aufruesten-in-der-bevoelkerung-tut-sich-etwas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/10\/abruesten-statt-aufruesten-in-der-bevoelkerung-tut-sich-etwas\/","title":{"rendered":"Abr\u00fcsten statt aufr\u00fcsten: In der Bev\u00f6lkerung tut sich etwas"},"content":{"rendered":"<p><strong>Reiner Brauns Freude an 100.000 Unterschriften ist nicht zu \u00fcbersehen. Der Pr\u00e4sident vom International Peace Bureau und Mitinitiator des Aufrufes, wei\u00dft aber auch auf die gro\u00dfen Herausforderungen hin, die auf uns zukommen. Im Interview spricht er \u00fcber die aktuelle friedenspolitische Lage, die Aufr\u00fcstungswelle, die neue Rolle Deutschlands und die weiteren Pl\u00e4ne der Friedensbewegung. <\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Reto Thumiger: Wie sch\u00e4tzt du die aktuelle friedenspolitische Lage weltweite ein?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Reiner Braun: Ich will doch mal mit einer sehr positiven Entwicklung beginnen. Ich bin sehr beeindruckt von dem, was zwischen den beiden koreanischen Staaten zurzeit abl\u00e4uft. Was man auf den Weg bringen kann, wenn man sich der Politik der gemeinsamen Sicherheit der Kooperation verschreibt. Das sollte ein Vorbild f\u00fcr Europa sein und ich glaube gerade Herr Maas kann eine Menge lernen von dem, was der Parteivorsitzende und der Staatspr\u00e4sident dort gerade vereinbaren. Es zeigt, dass man auch bei tiefen Differenzen mehr Gemeinsamkeiten findet, als man glaubt und diese im Sinne des Friedens weiterentwickeln kann. Ich hoffe, dass dieser Prozess weiter Fr\u00fcchte tr\u00e4gt und einer der zugespitzten Kriegsherde entsch\u00e4rft wird und wir in der Welt eine zweite gro\u00dfe Region finden, wo sich die Politik der gemeinsamen Sicherheit als staatstragende Politik durchsetzt. Das w\u00e4re doch von gro\u00dfer Ausstrahlungskraft f\u00fcr viele andere Konflikte.<\/p>\n<p>Ansonsten glaube ich, dass wir in einer sehr gef\u00e4hrlichen Zeit zugespitzter Konflikte leben. Gerade nach den <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/der-nahe-osten\/76244-nach-abschuss-russischen-flugzeugs-keine-eskalation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ereignissen um die Flugzeuge in Syrien<\/a>; da habe ich nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen. Aber man kann \u00fcberhaupt nicht untersch\u00e4tzen, wie schnell kleine Konflikte dramatische Konsequenzen haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Du sprichst jetzt Syrien an, die Offensive auf Idlib ist ja vorerst vom Tisch?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Jede L\u00f6sung wo die Menschen nicht sterben, krepieren, verhungern oder verbluten m\u00fcssen, ist positiv und daher stehe ich dieser Vereinbarung ausgesprochen positiv gegen\u00fcber. Wohlwissend, dass alle Vereinbarungen viele Haken und \u00d6sen haben, die man jetzt bew\u00e4ltigen muss, weil keiner wei\u00df, was mit den islamischen Terroristen da wirklich geschehen soll. Dass es eine Friedenspause gibt, ist meiner Ansicht nach positiv und die Dynamik, die das m\u00f6glicherweise f\u00fcr den Astana-Prozess und f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfere friedenspolitische Entwicklung in Syrien und Umgebung ausl\u00f6sen kann, sollte nicht untersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Das spannende daran ist f\u00fcr mich auch, dass ein Friedensprozess in Gang kommen, ohne dass die Haupt-Kriegstreiber, das ist in Syrien eindeutig der Westen gewesen, daran beteiligt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das ist meiner Sicht nach ein positives Zeichen ver\u00e4nderter Kr\u00e4ftekonstellation. Es geht auch ohne NATO. Das h\u00e4tte man sich vor ein paar Jahren ja \u00fcberhaupt noch nie vorstellen k\u00f6nnen. Man kann heute Friedensprozesse entwickeln, ohne dass die st\u00e4rksten Nato-L\u00e4nder aktiv dabei sind. Das ist auch der Grund f\u00fcr diese geradezu hasserf\u00fcllten Reaktionen, die es aus diesen L\u00e4ndern zu Syrien gibt. Sie sind drau\u00dfen aus dem Spiel, das sie entfacht haben. Sie wollen den Regime-Change und sind jetzt an der Nachkriegsordnung, um die geht es ja nur noch, nicht beteiligt. Wie lange sich das auch noch hinzieht, der Krieg ist f\u00fcr den Westen verloren. Das ist neu, wenn man die letzten zwanzig, drei\u00dfig Jahre verfolgt.<\/p>\n<p><strong><em>Es scheint seitens der US-Regierung seit Jahren ein gro\u00dfes Interesse zu geben, Deutschland zunehmend in die interventionistischen milit\u00e4rischen Aktionen einzubeziehen, das schlie\u00dft Forderung zur Aufr\u00fcstung in Richtung einer Angriffsarmee mit ein. Im historischen Bewusstsein muss man sich da ja ein bisschen die Augen reiben und erfreulicherweise wird das von der gro\u00dfen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung abgelehnt und selbst auf der Regierungsebene l\u00f6st es nicht gerade Euphorie aus. Dabei kann es ja nicht nur um die Umverteilung der finanziellen Lasten der US-amerikanischen Eskapaden gehen. Was sind die Gr\u00fcnde?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Grundfrage ist, wie die Neubestimmung des Verh\u00e4ltnisses zwischen Deutschlands und den Vereinigten Staaten von Amerika ausf\u00e4llt. Was wird aus dem historischen Juniorpartner, der zumindest im milit\u00e4rstrategischen und weltpolitischen Fragen \u00fcber Jahrzehnte der USA fast bedingungslos gefolgt ist? Das hie\u00df dann transatlantische Solidarit\u00e4t. Im Kern geht es darum, dass Deutschland seine eigene Weltmachtrolle definiert und diese neben den USA anstrebt. Deutschland m\u00f6chte in so vielen Bereichen wie m\u00f6glich, auf gleicher Augenh\u00f6he operieren. Deswegen der Versuch sich in irgendeiner Weise an fast allen Konflikten dieser Welt zu beteiligen, inklusive Syrien und Irak und auch in der Nachkriegsordnung in Syrien in dieser sogenannten kleinen Staatenkonstellation mit Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Jordanien und Saudi-Arabien eine Rolle zu spielen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-734901\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/A3_100000-720x509.jpg\" alt=\"\" width=\"751\" height=\"531\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/A3_100000-720x509.jpg 720w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/A3_100000-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/A3_100000-768x543.jpg 768w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/A3_100000.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 751px) 100vw, 751px\" \/><\/p>\n<p>Dazu ist die Europ\u00e4ische Union unverzichtbar, weil die geschichtliche Lehre, niemals wieder allein zu stehen, von Deutschland zutiefst gelernt wurde. Da ist Deutschland versucht als Hegemon Europas die Europ\u00e4ische Union in wesentlichen Fragen mitzunehmen und da eine entscheidende Rolle zu spielen und \u00fcber Europa auch seine weltpolitische Rolle neu zu definieren. Daher ist die Aufr\u00fcstungswelle nicht nur und aus meiner Sicht zum geringeren Teil, ein Reflex auf das Geschrei von Putin. Es entspringt den eigenen imperialen oder auch imperialistischen Willen Deutschland eine Rolle in dieser Welt zu spielen und da eine solche Rolle nach Definition der Eliten dieser Welt immer milit\u00e4risch abgesichert werden muss, verlangt es nach einer starken Milit\u00e4rmacht, eine Einsatztruppe und deshalb muss eben auch modern und interventionistisch aufger\u00fcstet werden.<\/p>\n<p>Und das ist jetzt die zweite Seite der Medaille, Konkurrenten klein zu halten und dann sind wir bei der Konfrontationspolitik im Wesentlichen mit Russland aber auch \u00fcber die NATO vorangetrieben, ebenfalls mit China. Von daher ist diese Neudefinition der deutschen Position zu USA nicht abgeschlossen. Deutschland versucht sich zunehmend auf Augenh\u00f6he heranzurobben. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, aber durch die offensichtliche Schw\u00e4chung der USA, wird es zunehmend zu einem Ringen um ein neues Verh\u00e4ltnis kommen. Es wird wohl auf eine st\u00e4rkere imperiale Rolle Deutschlands herauslaufen.<\/p>\n<p><strong><em>Du glaubst also, dass in den n\u00e4chsten Jahren Deutschland oder die Europ\u00e4ische Union zu einer eigenst\u00e4ndigen Au\u00dfenpolitik findet.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, dass das in Kernpunkten geschehen wird und zum Teil findet das heute schon statt. Wenn ich die ganze Militarisierung Europas nehme, die Aufr\u00fcstungspolitik, die aggressive Politik gegen\u00fcber dem S\u00fcden, die hegemoniale Rolle gegen\u00fcber Nordafrika, ist es heute schon der Fall. Die europ\u00e4ische Au\u00dfenpolitik wird immer von vielen inneren Konflikten begleitet werden, so ist die europ\u00e4ische Union nun mal gestrickt. Das hat noch nie daran gehindert in den Kernfragen einheitlich aufzutreten. Schau dir das Verh\u00e4ltnis zu Russland an, das ist einheitlich. Da schert Italien zwei Stunden mal aus, sind dann auch wieder dabei. Die Kommunikationspolitik ist einheitlich und diese militaristische, europ\u00e4ische Unionspolitik ist auch eine der wenigen Punkte, wo sie fast alle europ\u00e4ischen Staaten aus unterschiedlichen Interessen einig sind. Deswegen glaube ich, dass dieser Punkt ausgebaut werden wird und Europa wird trotz all den inneren Konflikten eine st\u00e4rkere Rolle spielen.<\/p>\n<p><strong><em>Wobei dann wieder zu beobachten ist, wie die USA zum Beispiel vermehrt auf Polen setzt, das hei\u00dft auf solche L\u00e4nder, die bereit sind die W\u00fcnsche der USA umzusetzen. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dass die USA sp\u00e4testens seit Bush auf die Spaltung Europas setzt, was damals das alte und das neue Europa hie\u00df, ist doch logisch und von ihrer Interessenslagen v\u00f6llig legitim. Ein einheitliches Europa kann die USA nicht wollen. Ich sehe jedoch nicht besonders viele Erfolge, selbst gegen\u00fcber Polen sehe ich sie nicht. Die Polen kaufen zwar ihre Waffen im Wesentlichen in der USA, aber sie ziehen die gesamte Konfrontationspolitik der Europ\u00e4ischen Union mit durch. Polen ist \u00f6konomisch und politisch, was \u00fcbrigens auch im Personal deutlich wird, sehr stark in die Europ\u00e4ische Union und in die Konfrontationspolitik eingebaut und das wird auch so bleiben. Selbstverst\u00e4ndlich versucht jeder seinen eigenen Spielraum zu erweitern und die Polen glauben den Spielraum erweitern zu k\u00f6nnen, wenn sie mit den Amerikanern turteln, das geh\u00f6rt zu diesem politisch-diplomatischen Gesch\u00e4ft. Ich glaube nicht, dass das meinen strategischen Aussagen widerspricht.<\/p>\n<p><strong><em>100.000 Unterschriften f\u00fcr die Kampagne \u201e<a href=\"https:\/\/abruesten.jetzt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abr\u00fcsten statt aufr\u00fcsten<\/a>\u201c, das ist doch ebenfalls eine positive Nachricht?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr uns ist das wirklich eine Ermutigung. Als wir den Aufruf starteten, hatten wir den Eindruck, dass wir einen Nerv treffen und die Bereitschaft zum Mitmachen relativ gro\u00df ist. Das hat man auch an der Vielfalt und Breite der Erstunterzeichner, der Initierenden gesehen. Vor zwei, drei Jahren w\u00e4re es noch undenkbar gewesen, dass vier Gewerkschaftsvorsitzende neben der Creme der kritischen Wissenschaft, neben f\u00fchrende Leute aus der Umweltbewegung und den entwicklungspolitischen Bewegungen so gemeinsam an einem Strang zieht. Das ist schon ein Seismograph daf\u00fcr, dass was m\u00f6glich ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_734749\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-734749\" class=\"wp-image-734749 size-large\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DSC05402-720x478.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DSC05402-720x478.jpg 720w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DSC05402-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/DSC05402.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><p id=\"caption-attachment-734749\" class=\"wp-caption-text\"><em>(Bild: Reto Thumiger)<\/em><\/p><\/div>\n<p>Dass der Aufruf so aufgegriffen wurde und das Friedensinitiativen und Menschen aus der Friedensbewegung wieder angefangen haben, Unterschriften zu sammeln, auf die Menschen zuzugehen, das Gespr\u00e4ch zu suchen, den Kontakt zu pflegen, das ist wirklich toll.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Von daher ist es wirklich eine Errungenschaft der Basisbewegung, was diese 100.000 widerspiegelt und dass sich an der Basis etwas tut.<\/em><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend dieser Kampagne haben sich bestimmt 10-15 neue Friedensinitiativen in verschiedensten auch in kleinen St\u00e4dten gegr\u00fcndet. Das ist meiner Ansicht nach, das positivste Ergebnis dieser Unterschriftensammlung.<\/p>\n<p>Die 100.000 Unterschriften m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich auch realistisch sehen. Sie ist ein Startpunkt, aber um eine wirkliche soziale Bewegung daraus zu machen, muss noch mehr geschehen. Da muss qualitativ mehr geschehen und es m\u00fcssen auch mehr Aktionen auf der Stra\u00dfe stattfinden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Ohne die klare Wiedereroberung der Stra\u00dfe f\u00fcr den Frieden werden wir in diesem Land nichts ver\u00e4ndern und nicht gestaltend eingreifen k\u00f6nnen. Das ist die Aufgabe, die sich uns stellt und deswegen bereiten wir ja auch die Demonstration f\u00fcr Anfang November vor.<\/em><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong><em>80% der Unterschriften sind analog, also nicht im Internet gesammelt worden, das ich schon bemerkenswert. Die Besorgnis \u00fcber die Friedenssituation in der Welt ist ja sicher schon l\u00e4nger bei der breiten Bev\u00f6lkerung angekommen aber die Besorgnis dr\u00fcckt sich nicht in Aktionen aus.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das ist die gro\u00dfe Herausforderung. Jetzt kann man dar\u00fcber streiten, ob man eine Unterschrift zu leisten schon als eine Aktion bezeichnet will. Ich denke es ist f\u00fcr viele ein Einstieg. Aber mehr Menschen zum eigenst\u00e4ndigen Handeln f\u00fcr den Frieden zu gewinne, das ist die gro\u00dfe strategische Herausforderung angesichts der gigantischen Aufr\u00fcstungspl\u00e4ne.<\/p>\n<p><strong><em>Was verstehst du unter eigenst\u00e4ndiges Handeln f\u00fcr den Frieden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dass die Menschen sich an Aktionen beteiligen und m\u00f6glichst in ihrem Umkreis f\u00fcr den Frieden werben. Ich erinnere wie noch in wie viele Wohnungen und Wohngemeinschaften der <a href=\"https:\/\/www.atomwaffena-z.info\/glossar\/k\/k-texte\/artikel\/7594324cbe\/krefelder-appell.html\">Krefelder-Appell<\/a> rumlag. Unseren Apell habe ich jetzt relativ selten irgendwo so liegen sehen. Auch dass es ein Teil des Lebens der Menschen wird, sich f\u00fcr den Frieden zu engagieren, in welcher kleinen oder gro\u00dfen Form auch immer. Dass man Unterschriftenlisten auch mal ins B\u00fcro mitnimmt oder dass man, wenn auch nur in der Pause, dar\u00fcber mit den Kollegen spricht.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Frieden wieder zu einem gesellschaftlichen Thema und als Folge wieder zu einem Aktionsthema auf der Stra\u00dfe werden zu lassen. Das ist die ganz gro\u00dfe Herausforderung. Wir m\u00fcssen einfach \u00fcber unseren engeren Kern heraus in eine gesellschaftliche Breite kommen.<\/em><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong><em>Wie geht es weiter, was sind die n\u00e4chsten Schritte und Aktionen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Erst mal bleibt auf der Tagesordnung, dass man die Unterschriftensammlung \u00fcberall fortsetzen muss, wo es geht. Das zweite ist f\u00fcr mich, dass wir versuchen <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/10\/keine-erhoehung-der-ruestungsausgaben-abruesten-ist-das-gebot-der-stunde\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die dezentrale Demonstration Anfang November im Zusammenhang mit der zweiten\/dritten Lesung des Bundeshaushalts<\/a> so gro\u00df wie m\u00f6glich und an so vielen Orten wie m\u00f6glich zu machen. Dass wir mal wieder ausstrahlungsf\u00e4hig auf die Stra\u00dfe gehen.<\/p>\n<p>Danach m\u00fcssen wir gemeinsam in Ruhe \u00fcberlegen, was man sich zutraut f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr. Im Zusammenhang mit den Europawahlen sollten wir europaweit koordinierte Aktivit\u00e4ten f\u00fcr den Frieden anstreben. Au\u00dferdem stehen im n\u00e4chsten Herbst stehen die Haushaltsdebatten an. Die Militarisierungswelle oder der Aufr\u00fcstungsschub hat ja gerade erst begonnen und von daher ist das Eingreifen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre notwendig und dem m\u00fcssen wir uns stellen.<\/p>\n<p><strong><em>Jetzt auf dezentrale Demonstrationen zu setzten ist eine \u00c4nderung in der Strategie und entspricht das der neuen Situation, dass die Leute vermehrt bereit sind an ihren Orten was zu machen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Um es hier ganz deutlich zu sagen, wir brauchen auch wieder die bundesweiten Aktionen in Berlin. Weswegen haben wir gesagt dezentral? Der Gedanke dahinter ist, zu versuchen das breite B\u00fcndnis, was wir f\u00fcr den Aufruf \u201e<a href=\"https:\/\/abruesten.jetzt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abr\u00fcsten statt aufr\u00fcsten<\/a>\u201c mit Gewerkschaften, Kirchen, Umweltverb\u00e4nden hinbekommen haben auch auf lokaler Ebene aufzustellen. Dazu muss man ja einen Ansto\u00df f\u00fcr Aktionen geben. Unsere Idee ist es zu sagen, jawohl wir bereiten die dezentralen Aktionen m\u00f6glichst in der politischen, gesellschaftlichen Breite wie auch das bundesweite B\u00fcndnis vor. Wir helfen damit auch dieses B\u00fcndnis zu stabilisieren und das scheint eine ganz gro\u00dfe Herausforderung zu sein. Wir wollen auch mit der Aktionsform so nahe wie irgend m\u00f6glich an den Menschen vor Ort bleiben. Deswegen jetzt dezentral, was aber bundesweite Demonstration in Berlin f\u00fcr die Zukunft in keiner Weise ausschlie\u00dft.<\/p>\n<p><strong><em>Du hast die Europawahlen 2019 angesprochen, was kannst du dir da vorstellen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass man so was wie die Abstimmung f\u00fcr den Frieden vor den Wahllokalen macht. Bei der Europawahl <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedensbewegung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1984 haben wir das als Friedensbewegung sehr erfolgreich gemacht<\/a>. In eigenst\u00e4ndigen Wahllokalen wurde eine symbolische Abstimmung gegen Krieg durchgef\u00fchrt und damals sind so hunderttausende Stimmen zusammengekommen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnten wir versuchen an den Orten, wo der Militarismus europaweit zusammenarbeitet, z.B. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/1._Deutsch-Niederl%C3%A4ndisches_Korps\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutsch-Niederl\u00e4ndische Korps<\/a> oder die ganzen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/EU-Battlegroup\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Battlegroups<\/a>, und an diesen Orten europaweite Aktion mit Beteiligung von verschiedenen L\u00e4ndern zu organisieren. Da w\u00fcrde sich zum Beispiel M\u00fcnster und D\u00fclmen anbieten und dahin aus den verschiedenen umliegenden L\u00e4ndern gemeinsam zu mobilisieren. Auch wir m\u00fcssen uns europ\u00e4isch besser organisieren als bisher.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>F\u00fcr mich ist es au\u00dferdem eine ganz klare Herausforderung, zu verhindern, dass die Rechtsradikalen nicht die st\u00e4rkste Fraktion im Europaparlament werden.<\/em><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dazu ben\u00f6tigen wir noch viel Aufkl\u00e4rungs- und viel an B\u00fcndnisarbeit. Da m\u00fcssen wir noch einiges leisten, sonst bekommen wir ein Europaparlament zum Gruseln. Da sind wir die britischen Konservativen los und dann bekommen wir die Halb-Faschisten aus ganz Europa zusammen.<\/p>\n<p><em><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Weiterer Beitrag von Reiner Braun: <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/07\/die-kriegspartei-afd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Kriegspartei AfD<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reiner Brauns Freude an 100.000 Unterschriften ist nicht zu \u00fcbersehen. Der Pr\u00e4sident vom International Peace Bureau und Mitinitiator des Aufrufes, wei\u00dft aber auch auf die gro\u00dfen Herausforderungen hin, die auf uns zukommen. 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