{"id":729511,"date":"2018-10-02T16:17:31","date_gmt":"2018-10-02T15:17:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=729511"},"modified":"2018-10-02T16:17:31","modified_gmt":"2018-10-02T15:17:31","slug":"global-forum-on-modern-direct-democracy-in-rom-hoehepunkte-erkenntnisse-und-erfahrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/10\/global-forum-on-modern-direct-democracy-in-rom-hoehepunkte-erkenntnisse-und-erfahrungen\/","title":{"rendered":"Global Forum on Modern Direct Democracy in Rom: H\u00f6hepunkte, Erkenntnisse und Erfahrungen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.mehr-demokratie.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Von Mehr Demokratie e.V.<\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>Das \u201eGlobal Forum on Modern Direct Democracy\u201c in Rom war gro\u00dfartig. Weil es so viele Begegnungen erm\u00f6glichte und weil uns allen offenbar wurde, dass auf der Welt Hunderttausende von Menschen an einem Update der Demokratie arbeiten. In unserem (sehr langen) Bericht \u00fcber das Forum wollen wir die H\u00f6hepunkte, die Erkenntnisse und Erfahrungen mit Ihnen teilen. Wir f\u00e4deln dies zu einer Perlenkette auf. Jede Perle steht f\u00fcr sich. Das Highlight kommt zum Schluss.<\/strong><\/p>\n<h4><strong>Perle 1: Was lernen wir aus 3000 Jahren Politik in Rom<\/strong><\/h4>\n<p>Rom hat in den vergangenen dreitausend Jahren fast jedes politische System erlebt, das es auf der Welt gibt: Republik, Kaiserreich, Theokratie, Oligarchie, Konstitutionelle Monarchie, Faschismus, Demokratie. Matthew Kneale\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mehr-demokratie.de\/fileadmin\/pdf\/globfor18-speech_matthew_kneale.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hat in seiner Rede Roms politische Geschichte zusammengefasst<\/a>\u00a0(in Englisch, wer eine schnelle \u00dcbersetzung braucht, einfach hier hinein kopieren:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deepl.com\/translator\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.deepl.com\/translator<\/a>). Eine Anspielung hat uns fasziniert: Die r\u00f6mische Republik wurde durch eine Sklaven-\u00d6konomie und durch Ungleichheit zerst\u00f6rt&#8230; Auch heute haben wir weltweit eine zunehmende Spaltung und ein Wirtschaftssystem, das Menschen ausbeutet. Ist tats\u00e4chlich eine Lehre der Geschichte, dass Ungleichheit die Demokratie zerst\u00f6rt?<\/p>\n<h4><strong>Perle 2: Die Zukunft der Demokratie findet in St\u00e4dten statt<\/strong><\/h4>\n<p>Smart Cities werden mit neuer Technologie ihre Probleme selbst l\u00f6sen, sie werden nicht warten, bis die langsamen nationalen Strukturen hinterherkommen. Dazu eine Kurzgeschichte aus Spanien &#8211; erz\u00e4hlt vom Open-Source-Programmierer Pablo Soto (Madrid): Am 15. Mai 2011 fanden Demonstrationen in 50 spanischen St\u00e4dten statt, von keiner Partei, keiner Gewerkschaft und keiner etablierten NGO organisiert&#8230;<\/p>\n<p>Hunderttausende vor allem junge Menschen gingen auf die Stra\u00dfe. Sie riefen \u201eDemocracia Real Ya!\u201c. Einige Jahre sp\u00e4ter, bei den Kommunalwahlen, traten viele dieser Aktiven in neuen Listen und Parteien an. Ihr Hauptthema war wieder die Demokratie. In Madrid und vielen anderen St\u00e4dten stellen sie heute Gemeinder\u00e4te, B\u00fcrgermeister und Verwaltungsbeamte. Sie setzten ihre Versprechen um. Beteiligungsprojekte starteten.<\/p>\n<p>So wie in Madrid. Hier k\u00f6nnen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger \u00fcber den Einsatz von 100 Millionen Euro pro Jahr selbst entscheiden. Barcelona will Energie zu 100 Prozent aus gr\u00fcner Energie gewinnen und hat eine Whistleblower-Infrastruktur implementiert. Technik-Freaks sagen eine kulturelle Revolution vorher. Die daf\u00fcr entwickelte Consul Software \u2013 siehe auch\u00a0<a href=\"https:\/\/decide.madrid.es\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/decide.madrid.es<\/a>\u00a0\u2013 ist mittlerweile rund um die Welt im Einsatz: In \u00fcber 90 St\u00e4dten und 18 Bundesstaaten. Uruguay startet demn\u00e4chst damit auf nationalem Level.<\/p>\n<h4><strong>Perle 3: Die Kerzenlicht-Revolution in Korea<\/strong><\/h4>\n<p>Millionen von Menschen gingen im Herbst vergangenen Jahres in S\u00fcdkorea auf die Stra\u00dfe. Sie forderten die Amtsenthebung der damaligen Pr\u00e4sidentin Park und beschuldigten sie der willk\u00fcrlichen Aus\u00fcbung ihrer politischen Macht. Die Forderungen wurden vom Verfassungsgericht auf Ersuchen des Parlaments umgesetzt. Der heutige Pr\u00e4sident will die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Abwahlen (recall) und mehr Rechte f\u00fcr die kommunale Ebene in der Verfassung verankern (siehe:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.democracy-international.org\/de\/korea-von-traenengas-zu-kerzenlicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.democracy-international.org\/de\/korea-von-traenengas-zu-kerzenlicht<\/a>). Auch in Asien fordern immer mehr Menschen Demokratie \u2013 ein Gegengewicht zu der immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Macht von China? Die n\u00e4chste Konferenz wird deswegen auch im Jahr 2019 in Taiwan stattfinden:\u00a0<a href=\"http:\/\/2019globalforum.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/2019globalforum.com<\/a><\/p>\n<h4><strong>Perle 4: Rangliste der direkten Demokratie weltweit<\/strong><\/h4>\n<p>Wir wissen, dass die Schweiz die unangefochtene Nummer 1 der direkten Demokratie ist. Zwar gibt es in den USA keine nationalen Referenden. Wenn wir aber nur die kommunale und L\u00e4nder-Ebene betrachten, sind die USA die Nummer 2 dieser Rangliste. Vorreiter ist dabei Kalifornien. Hier wird die direkte Demokratie am meisten in der Welt au\u00dferhalb der Schweiz genutzt. F\u00fcr uns eine kleine \u00dcberraschung: Die Nummer 3 auf diesen beiden Ebenen ist Deutschland &#8211; das wurde uns erst auf der Konferenz so richtig klar. Das kommt nicht von ungef\u00e4hr, ausgehend von der friedlichen Revolution 1989 haben wir von Mehr Demokratie unseren Beitrag dazu geleistet. Darauf k\u00f6nnen wir auch einen kurzen Moment stolz sein;-)<\/p>\n<h4><strong>Perle 5: Software-Plattformen werden\u00a0die Parteienlandschaft umkrempeln<\/strong><\/h4>\n<p>Gianroberto Casaleggio, einer der Gr\u00fcnder der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung (M5S) neben Beppe Grillo, hat die Open-Source-Software Rousseau entwickelt. Sein Sohn Davide f\u00fchrt seine Arbeit fort und pr\u00e4sentierte sie auf dem Global Forum. Rousseau ist das Open-Source-Betriebssystem der M5S und eine der wichtigen organisatorischen St\u00fctzpfeiler f\u00fcr den Erfolg der Bewegung. 150.000 Menschen, Mitglieder der M5S, sind registriert. \u00dcber diese Plattform wurden das Parteiprogramm entwickelt und die Kandidaten f\u00fcr die lokalen, regionalen und nationalen Wahlen gew\u00e4hlt \u2013 auch der heutige Vize-Regierungschef Italiens Luigi Di Maio wurde so nominiert. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Aktionen, Treffen vor Ort, Spendensammlungen u.v.m. organisiert werden. Spannend ist die M\u00f6glichkeit, an Gesetzesvorschl\u00e4gen der Parlamentarier auf allen Ebenen mitzuschreiben &#8211; echte partizipative Gesetzgebung! Diese Software ist den Onlinestrukturen der deutschen Parteien um Lichtjahre voraus. Unter \u201eCos\u00b4\u00e8 Rousseau\u201c sind alle Features aufgelistet:\u00a0<a href=\"https:\/\/rousseau.movimento5stelle.it\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/rousseau.movimento5stelle.it<\/a><\/p>\n<h4><strong>Perle 6: Partizipative und direkte Demokratie\u00a0klug verbinden -&gt; Citizens Initiative Review<\/strong><\/h4>\n<p>Im Bundesstaat Oregon kommen j\u00e4hrlich zahlreiche Volksinitiativen zur Abstimmung. Manche waren kompliziert und Umfragen zeigten, dass zu viele W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler nicht genau verstanden hatten, wor\u00fcber sie abstimmten. Das war die Geburtsstunde des Citizens Initiative Review:\u00a0<a href=\"https:\/\/healthydemocracy.org\/cir\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/healthydemocracy.org\/cir<\/a>\u00a0&#8211; vorgetragen von Manju Lyn Bazzell (Healthy Democracy Oregon). Die Idee: 24 per Los gew\u00e4hlte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger besch\u00e4ftigen sich vier Tage lang mit den Inhalten einer Volksinitiative und formulieren dann mit 750 W\u00f6rtern (eine Din A4-Seite) ihre Position dazu. Diese wird zus\u00e4tzlich in der Abstimmungsbrosch\u00fcre abgedruckt. Der Ablauf der vier Tage wurde in den vergangenen Jahren in Bezug auf Fairness, Kompetenz und Transparenz perfektioniert. Die Empfehlungen k\u00f6nnen sehr ausgewogen sein (siehe:\u00a0<a href=\"https:\/\/healthydemocracy.org\/wp-content\/uploads\/2016OR-M97-Statement-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/healthydemocracy.org\/wp-content\/uploads\/2016OR-M97-Statement-1.pdf<\/a>) oder sehr eindeutig (siehe:\u00a0<a href=\"https:\/\/healthydemocracy.org\/wp-content\/uploads\/2010OR-M73-Statement-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/healthydemocracy.org\/wp-content\/uploads\/2010OR-M73-Statement-1.pdf<\/a>). Diese Verbindung von Losverfahren und direkter Demokratie w\u00e4re auch f\u00fcr Deutschland eine echte Innovation.<\/p>\n<h4><strong>Perle 7: \u201eDirekte Demokratie ist gut f\u00fcr die\u00a0Wirtschaft und macht Menschen gl\u00fccklicher\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Prof. Dr. Bruno S. Frey hat jahrelang mit modernen \u00f6konometrischen Methoden einerseits zu den wirtschaftlichen Effekten, andererseits aber auch zum subjektiv empfundenen Lebensgl\u00fcck geforscht. Seine Ergebnisse \u00fcberzeugen. Im Vergleich zu eher repr\u00e4sentativ organisierten Kantonen oder Bundesstaaten in den USA sind in direkt-demokratische Einheiten<\/p>\n<ul>\n<li>die Staatsausgaben pro Jahr um 7-11 Prozent niedriger,<\/li>\n<li>das Haushaltsdefizit um bis zu 30 Prozent niedriger,<\/li>\n<li>die Kosten um bis zu 20 Prozent effizienter (z.B. f\u00fcr die M\u00fcllabfuhr) und<\/li>\n<li>ist die Produktivit\u00e4t und das Pro-Kopf-Einkommen um 5 Prozent h\u00f6her.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zus\u00e4tzlich sind die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gl\u00fccklicher, weil sie zufriedener sind mit dem politischen Prozess und den Ergebnissen der Politik, aber auch, weil sie sich selbst als wirksamen Teil des gesellschaftlichen Geschehens erleben.<\/p>\n<h4><strong>Perle 8: Online-Voting auf Open-Source-Basis wird sich durchsetzen<\/strong><\/h4>\n<p>Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Wahlen und Abstimmungen digital stattfinden werden. Ein Vertreter von Smartmatic (siehe:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.smartmatic.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.smartmatic.com<\/a>), dem weltgr\u00f6\u00dften Anbieter von E-Voting-Software, berichtete aus Estland. Dort fanden seit 2005 neun nationale bindende Wahlen statt. Bei der ersten Wahl nutzten 2 Prozent der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler die M\u00f6glichkeit des E-Votings, bei der neunten Wahl schon ein Drittel der W\u00e4hlerschaft. Beim E-Voting muss im Gegensatz zu allen anderen Internet-Applikationen eines gew\u00e4hrleistet werden: auf der einen Seite Kontrolle \u00fcber den Benutzer (Identifikation, Authentifizierung etc.) und auf der anderen Seite Anonymit\u00e4t (geheimes, freies Wahlrecht). Kurz gesagt: Beim Online-Banking kann man jederzeit den Geldfluss nachverfolgen, beim E-Voting kann man und darf man das nicht, da die Stimme anonym abgegeben wird. Das heutige Papierwahl-System \u00fcberzeugt und besticht mit seiner Einfachheit. Dennoch gibt es viele Gegenden in der Welt, in der Papierwahl-Systeme nicht perfekt funktionieren. E-Voting-Systeme k\u00f6nnen hier helfen. Wenn dadurch die Wahlbeteiligung erh\u00f6ht wird, ist dies prima. Man darf nicht \u00fcbersehen, dass E-Voting ansonsten keinen wirklichen demokratischen Mehrwert bringt.<\/p>\n<h4><strong>Perle 9: Sezession per Referendum \u2013 ein Mittel,\u00a0um gewaltt\u00e4tige Konflikte zu befrieden<\/strong><\/h4>\n<p>Einen der spannendsten Workshops gab es zum Thema Sezession, auch weil Basken und Spanier anwesend waren. Zu diesem Thema gab es bei Mehr Demokratie in den vergangenen Jahren komplexe Diskussionen anl\u00e4sslich der Abstimmungen in Schottland, Katalonien und dem Brexit. Deshalb jetzt nur einige Splitter und interessante Anmerkungen dazu:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Sezessionsrecht, also das Recht auf Selbstbestimmung, steht dem Recht auf staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t und Integrit\u00e4t entgegen.<\/li>\n<li>Die klassische Methode f\u00fcr die Legitimation von Austritten oder Abtrennungen sind Referenden.<\/li>\n<li>Unilaterale Sezessionen und selbsterkl\u00e4rter Austritt haben Folgeprobleme, es gibt kein absolutes Sezessionsrecht im V\u00f6lkerrecht, es gibt auch kein verbindliches internationales Prozedere daf\u00fcr.<\/li>\n<li>Oft k\u00f6nnen die Konflikte oder die Abspaltung selbst durch weitgehende Autonomierechte verhindert werden.<\/li>\n<li>Manchmal finden Sezessionen aber auch zu sp\u00e4t statt; im Fall von Ost-Timor, dem S\u00fcdsudan oder dem Kosovo etwa h\u00e4tten bei fr\u00fcherer Abspaltung Millionen Menschenleben gerettet werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>In jeder Verfassung weltweit sollten Regelungen f\u00fcr die Abtrennung von Teilstaaten und den Beitritt zu Staatengemeinschaften verankert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zwei Beispiele, die Schule machen k\u00f6nnten:<\/p>\n<p>1.) Die Abtrennung Gr\u00f6nlands von D\u00e4nemark fand mittels zweier Referenden statt. Beim ersten Referendum wurde gefragt, ob der Sezessionsprozess gestartet werden soll. Dann wurde verhandelt. In der zweiten Abstimmung wurde \u00fcber das Verhandlungsergebnis befunden. Der Prozess war von Anfang bis zum Ende durchdacht. Stellen wir uns vor, so w\u00e4re bei dem Wunsch nach dem Brexit verfahren worden.<\/p>\n<p>2.) Beim Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum von Montenegro war eine qualifizierte Mehrheit von 55 Prozent notwendig. So k\u00f6nnen sehr knappe Mehrheiten verhindert werden. Wenn 55 Prozent erreicht werden, ist der Abstand zur Minderheit von 45 Prozent deutlich. H\u00f6here H\u00fcrden sind wiederum kaum zu schaffen, also m\u00f6glicherweise ein sehr kluger Kompromiss.<\/p>\n<h4><strong>Perle 10: \u201eFantastischer neuer Gesetzes-Vorschlag\u00a0f\u00fcr direkte Demokratie in Italien\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Bislang gibt es in Italien auf nationaler Ebene vor allem das Referendum abrogativo, also ein aufhebendes Recht. Damit k\u00f6nnen Gesetze g\u00e4nzlich oder teilweise aufgehoben werden. Es gab bislang ca. 70 Referenden. Ein solches Referendum wird durch die Unterschrift von 500.000 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern eingeleitet und ist nur g\u00fcltig, wenn 50 Prozent ALLER W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler sich beteiligen. Dieses so genannte Beteiligungsquorum f\u00fchrt regelm\u00e4\u00dfig zum Aufruf von Abstimmungsboykotten und der Ung\u00fcltigkeit von sagenhaften 40 Prozent aller Referenden nur an diesem Quorum. Abgestimmt wurde \u00fcber Themen wie das Abtreibungsrecht, L\u00f6hne, Wahlrecht, Finanzierung der Parlamente, Jagdrecht, Atomkraft, Wasser etc.<\/p>\n<div id=\"attachment_729514\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-729514\" class=\"wp-image-729514 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GlobFor18_2.jpg\" alt=\"\" width=\"595\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GlobFor18_2.jpg 595w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GlobFor18_2-300x127.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px\" \/><p id=\"caption-attachment-729514\" class=\"wp-caption-text\">(v. l. n. r.: Riccardo Fraccaro, Roms B\u00fcrgermeisterin Virginia Raggi, Bruno Kaufmann, Joe Mathews | Foto by Edda Dietrich | CC BY-SA 2.0)<\/p><\/div>\n<p>N\u00e4chste Woche wird Minister Riccardo Fraccaro von der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung (M5S), der weltweit erste Minister f\u00fcr direkte Demokratie, einen neuen Vorschlag f\u00fcr ein Initiativrecht in Italien vorstellen. Mit 500.000 Unterschriften soll eine verbindliche Abstimmung \u00fcber ein Thema erzwungen werden k\u00f6nnen. Das Besondere daran ist: Es soll bei der Abstimmung am Ende kein Beteiligungs- oder Zustimmungsquorum mehr geben. Es z\u00e4hlt die Mehrheit der Stimmen, wie bei Wahlen. Da dies in der Verfassung verankert werden soll, gilt das auch f\u00fcr alle anderen Formen von Volksabstimmungen in Italien.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re DIE Innovation f\u00fcr Volksentscheide in Europa.<\/p>\n<p>Die wesentliche Begr\u00fcndung von Minister Fraccaro f\u00fcr diesen Vorsto\u00df lautete:<\/p>\n<p><em>\u201eDie repr\u00e4sentative Demokratie ist in einer globalen Krise, Eliten verlieren in einem unglaublichen Ausma\u00df an Vertrauen. Die Menschen k\u00f6nnen und wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und mitbestimmen. Eine Antwort darauf war in Italien die Gr\u00fcndung der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung. Wir haben im Wahlkampf versprochen, den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern den Schl\u00fcssel zu den Institutionen wieder zur\u00fcckzugeben. Was wir im Wahlkampf versprochen haben, steht jetzt im Regierungsvertrag, diesen werden wir umsetzen.\u201c\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Wir haben noch nie so eine inspirierende Rede in Bezug auf Demokratie von einem Mitglied einer nationalen Regierung geh\u00f6rt. Zum Abschluss der Konferenz spricht Luigi Di Maio, der amtierende Vize-Regierungschef Italiens: Er best\u00e4tigt dies und erkl\u00e4rt, wie die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zuk\u00fcnftig bei der Gesetzgebung auch schon im Vorfeld mitwirken k\u00f6nnen. Wir sind wirklich gespannt, was am Ende in der italienischen Verfassung stehen wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_729523\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-729523\" class=\"wp-image-729523 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GlobFor18_3.jpg\" alt=\"\" width=\"595\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GlobFor18_3.jpg 595w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/GlobFor18_3-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px\" \/><p id=\"caption-attachment-729523\" class=\"wp-caption-text\">(#GlobFor18 | Foto by Edda Dietrich | CC BY-SA 2.0)<\/p><\/div>\n<p>Damit kommen wir am Ende zu einem schwierigen Kapitel, der Rolle der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung in Italien. Wir haben zu unserem letzten Newsletter einige kritische R\u00fcckmeldungen bekommen, dass wir zu positiv \u00fcber die M5S berichten w\u00fcrden. Die F\u00fcnf-Sterne-Bewegung ist aus den letzten Wahlen mit fast 33 Prozent als st\u00e4rkste Partei hervorgegangen und stellt nun zusammen mit der Lega Nord (17 Prozent) die Regierung. In Deutschland wurde dies oft sehr kritisch kommentiert, beide Parteien werden als populistisch oder manchmal gar als extrem bezeichnet. Gerade die krassen und menschenfeindlichen \u00c4u\u00dferungen von Innenminister Salvini trugen dazu bei, verzerren vermutlich aber auch das Gesamtbild.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen und wollen jetzt nicht die hochkomplexe Innenpolitik Italiens politisch kommentieren, laden aber zu einem unvoreingenommeneren Blick auf die 5-Sterne-Bewegung ein. Unsere Kronzeugen hierbei sind unsere italienischen Freunde von Mehr Demokratie in S\u00fcdtirol. Wir kennen uns seit Jahrzehnten und vertrauen einander. In langen Gespr\u00e4chen mit ihnen waren wir oft \u00fcberrascht \u00fcber ihre Einordnung des politischen Geschehens. So wurde aus ihrer Sicht vor allem eine neoliberale Politik abgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Unsere pers\u00f6nlichen Begegnungen mit Menschen aus der 5-Sterne-Bewegung waren in den vergangenen Jahren immer positiv. Sie repr\u00e4sentieren einen neuen Politikstil. Mehr Demokratie wird jedenfalls die demokratischen Reformschritte in Italien genau beobachten.<\/p>\n<p>Wir bedanken uns bei Bruno Kaufmann und Joe Mathews, den beiden Co-Pr\u00e4sidenten des \u201eGlobal Forum on Modern Direct Democracy\u201c, und dem ganzen Team von Democracy International. Da wird eine unglaublich gute und wichtige Arbeit gemacht.<\/p>\n<p>Weitere Fotos von der Konferenz:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/mehr-demokratie\/sets\/72157698457078612\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.flickr.com\/photos\/mehr-demokratie\/sets\/72157698457078612\/<\/a><\/p>\n<p><em>Verfasst von:\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Roman Huber (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Bundesvorstand)<\/em><br \/>\n<em>Claudine Nierth (Bundesvorstandssprecherin)<\/em><br \/>\n<em>Alexander Trennheuser (Bundesvorstandsmitglied)<\/em><br \/>\n<em>Ralf-Uwe Beck (Bundesvorstandssprecher)<\/em><\/p>\n<p><em>Weitere Infos:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mehr-demokratie.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.mehr-demokratie.de<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Mehr Demokratie e.V. Das \u201eGlobal Forum on Modern Direct Democracy\u201c in Rom war gro\u00dfartig. 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