{"id":722702,"date":"2018-09-20T15:51:14","date_gmt":"2018-09-20T14:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=722702"},"modified":"2018-10-03T06:35:56","modified_gmt":"2018-10-03T05:35:56","slug":"zum-hintergrund-des-artikels-ueber-das-coop-anti-kriegs-cafe-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/09\/zum-hintergrund-des-artikels-ueber-das-coop-anti-kriegs-cafe-in-berlin\/","title":{"rendered":"Zum Hintergrund des Artikels \u00fcber das Coop Anti-Kriegs Caf\u00e9 in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Coop Anti-Kriegs Caf\u00e9\u00a0in Berlin ist ein beliebter Treffpunkt, nicht nur f\u00fcr FriedensaktivistInnen. Es bietet vielen Treffen und Veranstaltungen unterschiedlicher Gruppen kostenlos Platz. An diesem sind vielerlei friedenspolitische Initiativen entstanden und Pl\u00e4ne geschmiedet worden. Auch die AktivistInnen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von Pressenza Berlin sch\u00e4tzen das Caf\u00e9 und das ebenfalls von Heiner B\u00fccker betriebene CO-OP News z\u00e4hlt zu Pressenzas Medienpartnern.<\/strong><\/p>\n<p>Am 16.09. ver\u00f6ffentlichte die BZ und die Bild-Zeitung unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.bild.de\/regional\/berlin\/berlin\/in-der-verschwoerungshoehle-56746252.bild.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zu Besuch in Berlins Verschw\u00f6rungs-H\u00f6hle<\/a>\u201c einen Artikel \u00fcber das Anti-Kriegs Caf\u00e9. An dieser Stelle ist es uns ein Anliegen die Stellungnahme von Heiner zu ver\u00f6ffentlichen auch oder gerade weil wir nicht in allen Punkten seine Ansichten teilen. Es ist immer schwierig sich zu wehren, wenn ein Medium mit einer solchen Reichweite einem durch den Kakao ziehen will. Da stellen wir uns solidarisch hinter Heiner B\u00fccker und das \u00a0Coop Anti-Kriegs Caf\u00e9.<\/p>\n<p><em>Der BZ Reporter, namens Til Biermann, Sohn von Wolf Biermann, war im Juli dieses Jahres im Coop Anti-Kriegs Caf\u00e9, hat fotografiert und mit einigen Leuten gesprochen, und einem meiner G\u00e4ste im Laufe des Gespr\u00e4chs seine Visitenkarte gegeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Nachdem ich recherchiert hatte, um wen es sich handelte, und als er nach ein paar Tagen erneut ins Caf\u00e9 kam, habe ich ihn direkt als Til Biermann angesprochen. Er best\u00e4tigte mir, dass er f\u00fcr die BILD und BZ arbeite und fragte mich ob er ein Interview mit mir machen k\u00f6nnte. Nach einigen Tagen erbetener Bedenkzeit habe ich dann zugesagt, weil ich annahm, dass er ohnehin etwas \u00fcber das Caf\u00e9 schreiben w\u00fcrde und habe dann mit ihm abgestimmt, dass Interview vor der Ver\u00f6ffentlichung gegenlesen zu k\u00f6nnen und ggf. die Ver\u00f6ffentlichung abzulehnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie verabredet \u00fcbersandte er mir nach dem Interview, den fertigen Entwurf des\u00a0Artikels und ich erbat mir einige kleine aber wichtige \u00c4nderungen, die er in Folge auch akzeptierte. Dabei war mir bewusst, dass er als Mitarbeiter des Springer-Konzerns eine harte gegens\u00e4tzliche Position gegen\u00fcber dem Anti-Kriegs Caf\u00e9 einnehmen musste.<\/em><\/p>\n<p><em>Die <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/regional\/berlin\/berlin\/in-der-verschwoerungshoehle-56746252.bild.html\">jetzige Ver\u00f6ffentlichung<\/a> gibt im wesentlichen meine Meinung wieder, konterkariert von einer \u00fcberaus harten, aber f\u00fcr den Springer-Verlag durchaus typischen Rhetorik.<\/em><\/p>\n<p><em>In meiner in dem Artikel ge\u00e4u\u00dferten Meinung zu 9\/11, also zu den Ereignissen des 11. September 2001 fordere ich, so wie die in dem Artikel erw\u00e4hnten \u00fcber 3000 Architekten und Bauingenieure, nicht mehr, als dass neue Untersuchungen unbedingt erforderlich sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Bereits 2010 verfassten wir im Coop Anti-Kriegs Caf\u00e9 die Erkl\u00e4rung <a href=\"http:\/\/www.war-is-illegal.org\/german.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eKrieg ist illegal\u201c<\/a> in der gefordert wurde: \u201eInternationale Untersuchung der Terroranschl\u00e4ge des 11. September 2001. Diese bilden die zentrale Rechtfertigung f\u00fcr den \u201eKrieg gegen den Terror\u201c, aber eine ganze Kette von Indizien zeigt, dass die offizielle Darstellung des 11. September nicht stimmen kann. Internationale Pers\u00f6nlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und\u00a0Kultur einschlie\u00dflich hoher Milit\u00e4rs im Ruhestand haben neue Untersuchungen gefordert.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Die Erkl\u00e4rung endet: \u201eGrundlage dieser Forderungen ist das Bekenntnis zu Gewaltlosigkeit und Toleranz gegen\u00fcber Menschen gleich welcher Herkunft und Religion. Zwei verheerende Weltkriege und geschichtliche Katastrophen wie der Naziholocaust als letzte Konsequenz von \u00fcbersteigertem Nationalismus, Rassismus und Kriegstreiberei m\u00fcssen immer im Bewusstsein der Menschen gegenw\u00e4rtig bleiben.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Was die LGBT Bewegung und Putins angebliche Kampagne gegen Homosexuelle in Russland angeht, so habe ich im Anti-Kriegs Caf\u00e9 freundschaftlichen Kontakt mit Menschen aus diesen Communities, auch mit russischen Menschen und ein Teil stimmt mit meiner im Artikel erw\u00e4hnten Meinung \u00fcberein, dass\u00a0die Mehrheit der russischen LGBT Bewegung den Pr\u00e4sidenten positiv sehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Man kann auch weitere Argumente zu diesem Thema anf\u00fchren. So besch\u00e4ftigt der staatlich finanzierte Sender RT (Russia Today beispielsweise schwule Mitarbeiter, wie den\u00a0Journalisten Martyn Andrews. Er arbeitet seit 10 Jahren f\u00fcr RT in Moskau und vor 2 Jahren gab er einem britischen Gay-Magazin ein Interview und sagte: \u201eIch kann ehrlich sagen, dass ich in beinahe neun Jahren keine negative Erfahrung gemacht habe. Ich wurde nicht angegriffen. Ich sp\u00fcre keine Homophobie bei der Arbeit. Ich habe keine Angriffe in Schwulen-Klubs erlebt. Ich denke eigentlich, dass Moskau sicherer ist als London.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Schwul, lesbisch, trans oder bi in Russland \u2013 glaubt man den deutschen Medien, ist dies ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Doch ungeachtet der teils tats\u00e4chlichen ablehnenden Haltung der russischen Gesellschaft gegen Homosexualit\u00e4t und queere Lebensweisen, etabliert sich vor allem in den Gro\u00dfst\u00e4dten eine zunehmend selbstbewusste LGBT-Szene. Jasmin Kosubek, die als Journalistin f\u00fcr RT Deutsch arbeitet reiste nach St. Petersburg und traf Menschen, die mit den traditionellen Geschlechterrollen wenig anfangen k\u00f6nnen. Abseits von Hysterie und Instrumentalisierung hat sich RT Deutsch diesem Thema auf sachliche Art angenommen. <a href=\"https:\/\/bit.ly\/2Ns6ARB\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/bit.ly\/2Ns6ARB<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Der staatlich finanzierte Sender Russia Today zeigt sogar eine ganze Serie von Dokumentarfilmen \u00fcber Transgender in Russland unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/rtd.rt.com\/series\/transreality\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">TransReality\u201c<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Und in einem Beitrag fragte Russia Today: Ist es gef\u00e4hrlich in Russland schwul zu sein? Die Situation bez\u00fcglich der Rechte der Schwulen in Russland hat weltweit f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt und eine gro\u00dfe Debatte unter Aktivisten, Politikern und sogar Athleten ausgel\u00f6st. Ein neues Gesetz, das schwule Propaganda f\u00fcr Minderj\u00e4hrige verbietet, l\u00f6ste Aufrufe zu einem Boykott vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi aus. Um \u00fcber Homosexuellenrechte in Russland zu diskutieren, hatte RT eine G\u00e4stekommission eingeladen. Die G\u00e4ste waren Nikolay Alekseev, ein russischer schwuler Aktivist und ehemaliger Moskauer Pride-Chef, der bereits oben erw\u00e4hnte RT-Kulturexperte Martyn Andrews und Anissa Naoui von RT und aus London Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell: <a href=\"https:\/\/bit.ly\/2DcqOKo\">https:\/\/bit.ly\/2DcqOKo.<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Was den Hauptvorwurf des BILD und BZ Artikels angeht, n\u00e4mlich die Schlagzeile \u00fcber \u201eLinke Putin. und Assad-Fans\u201c so meine ich folgendes: Auch wenn man Assad und Putin durchaus kritisch sehen mag, muss man die D\u00e4monisierung, die gegen diese Politiker betrieben wird, verurteilen<\/em><\/p>\n<p><em>Jegliches Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit muss zugleich auch immer den entschiedenen Widerstand gegen Russophobie und Hetze gegen Russland bedeuten. Nazideutschland hat den Antisemitismus propagandistisch von der ersten Stunde an aufs engste verbunden mit dem Kampf gegen sogenannten \u201ej\u00fcdischen Bolschewismus\u201c, einer der zentralen permanent verwendeten Kampfbegriffe der antikommunistischen und antisemitischen Hetze des deutschen Faschismus.<\/em><\/p>\n<p><em>In Folge wurden w\u00e4hrend des faschistischen Vernichtungskrieges, der von Deutschland begonnen wurde, fast 30 Millionen Sowjetb\u00fcrger get\u00f6tet. Sechs Millionen Juden, unz\u00e4hlige Kommunisten, Zigeuner, Homosexuelle und andere Opfer wurden systematisch in deutschen Konzentrationslagern ermordet.<\/em><\/p>\n<p><em>Und weil man in der heutigen Politik Deutschlands, und in der Politik einer Reihe seiner NATO-Verb\u00fcndeten, erneut eine zunehmende Russlandfeindlichkeit erkennen kann, m\u00fcssen wir uns nicht zuletzt aus dieser historischen Verantwortung heraus, gegen diese neu eskalierende Russophobie zur Wehr setzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu dem syrischen Pr\u00e4sidenten Assad das Folgende: Nachdem Berlin zu Beginn der Proteste in Syrien im Jahr 2011 zun\u00e4chst die Beziehungen zu Damaskus aufrechterhielt, brach man 2012 die diplomatischen Beziehungen zu Syrien ab und geh\u00f6rte ab diesem Zeitpunkt zu der Staatengruppe der sogenannten \u201eFreunde Syriens\u201c, die sich das Ziel eines Sturzes der Regierung in Damaskus gestellt hatte. Gemeinsam beschloss man 2013 auf einer Konferenz in Katar, unter Bruch des V\u00f6lkerrechts, die syrische \u201eOpposition\u201c mit Waffen zu beliefern. Die meisten der f\u00fchrenden Mitglieder dieser Opposition lebten fast alle bereits seit Jahrzehnten im Exil und forderten nun eine ausl\u00e4ndische milit\u00e4rische Intervention.<\/em><\/p>\n<p><em>Die regierungsnahe Stiftung \u201eWissenschaft und Politik\u201c in Berlin erstellte gemeinsam mit syrischen Anti-Assad Gruppen, denen in Berlin sogar ein B\u00fcro zur Verf\u00fcgung gestellt wurde, ein Programm f\u00fcr den Umbau der syrischen Wirtschaft. Zur Durchsetzung des gew\u00fcnschten \u201eRegime-change\u201c dienten umfassende Wirtschafts- und Finanzsanktionen, die seit 2011 auf EU-Ebene eingef\u00fchrt wurden. Syrische Auslandsguthaben wurden \u201eeingefroren\u201c, In- und Exporte verboten und in Folge brach die Wirtschaft zunehmend ein. Die Sanktionen werden seitdem j\u00e4hrlich verl\u00e4ngert und noch versch\u00e4rft und gelten ausdr\u00fccklich nur f\u00fcr die Gebiete, die unter Kontrolle der Regierung stehen. Syrische Kirchenvertreter, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen fordern seit Jahren eindringlich die Aufhebung der Sanktionen.<\/em><\/p>\n<p><em>Bereits seit Jahren ist die deutsche Bundeswehr au\u00dferdem auch milit\u00e4risch in den Konflikt involviert, mit Flugabwehrraketen, Tornado-Kampfjets, mit AWACS-\u00dcberwachungsflugzeugen und Tankflugzeugen f\u00fcr die US-gef\u00fchrte Milit\u00e4rkampagne gegen den IS. In der vergangenen Woche dann sogar die direkte Forderung seitens der USA an Deutschland, sich m\u00f6glicherweise an sogenannten \u201eVergeltungsschl\u00e4gen\u201c gegen das \u201eAssad-Regime\u201c zu beteiligen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die deutschen Leitmedien berichten v\u00f6llig einseitig \u00fcber den Konflikt in Syrien. Die syrische Regierung, Pr\u00e4sident Assad und die syrische Armee werden fast ausschlie\u00dflich als Vertreter eines verbrecherischen Regimes dargestellt. Seit dem Eingreifen Russlands aufgrund eines Hilfsersuchens der syrischen Regierung hat sich die Sicherheitslage im Land zwar wesentlich verbessert, aber die deutsche Berichterstattung kann nun auch noch den russischen Pr\u00e4sidenten als den St\u00fctzpfeiler des \u201eSchreckensregimes\u201c in Damaskus bezeichnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Man sollte den Krieg gegen Syrien deshalb im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt mit Russland und der D\u00e4monisierung Putins sehen. In der Ukraine wurde ein Putsch durch rechtsradikale Kr\u00e4fte unterst\u00fctzt, die einen brutalen Krieg gegen die russischsprachige Minderheit im eigenen Land f\u00fchrten und NATO-Soldaten stehen jetzt direkt an der russischen Grenze. In Syrien werden in einem Stellvertreterkrieg Extremisten unterst\u00fctzt, welche die Regierung in Damaskus st\u00fcrzen sollen. In einem unerbittlichen Informationskrieg werden die T\u00e4ter zu Opfern und die Opfer zu T\u00e4tern. Westliche Medien und Regierungen machen jedoch die T\u00e4ter ausschlie\u00dflich in Damaskus und in Moskau aus.<\/em><\/p>\n<p><em>Abschlie\u00dfend unterstreiche ich nochmal meine \u00c4u\u00dferungen sowohl zu Trump: \u201eTrump sagt viele Sachen, die ich abscheulich finde. Aber zu Russland hat er seine Meinung nicht ge\u00e4ndert, trotz unglaublichen Drucks\u201c, als auch zur AFD: \u201eIch lehne die Politik der AfD rigoros ab. Aber man sollte ihr nicht abstreiten, dass sie zum Thema Russland und Syrien manchmal was Vern\u00fcnftiges sagt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Zusammenfassend kann ich nur feststellen, dass ich in dem Interview meine Meinung zum Ausdruck bringen konnte und gleichzeitig nat\u00fcrlich die propagandistischen Angriffe der Springer-Presse tolerieren musste. Vielleicht bewahrheitet sich das Sprichwort \u201eschlechte Werbung ist gute Werbung\u201c und der ein oder andere Leser wird sein Meinungsbild doch vielleicht kritisch hinterfragen wollen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Coop Anti-Kriegs Caf\u00e9\u00a0in Berlin ist ein beliebter Treffpunkt, nicht nur f\u00fcr FriedensaktivistInnen. Es bietet vielen Treffen und Veranstaltungen unterschiedlicher Gruppen kostenlos Platz. An diesem sind vielerlei friedenspolitische Initiativen entstanden und Pl\u00e4ne geschmiedet worden. 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