{"id":657188,"date":"2018-06-13T15:35:47","date_gmt":"2018-06-13T14:35:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=657188"},"modified":"2018-06-13T15:38:19","modified_gmt":"2018-06-13T14:38:19","slug":"katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/06\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/","title":{"rendered":"Katalonien aus philosophischer Sicht: Begriffsverwirrungen und mangelhafte Argumentationen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Thomas Sturm ist Professor an der Autonomen Universit\u00e4t von Barcelona. Der katalanischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung steht er kritisch gegen\u00fcber. Sturm meint, der Fortschritt, den Katalonien jetzt braucht, muss darin bestehen, einen neuen Grundkonsens in der gespaltenen Bev\u00f6lkerung zu schaffen.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Krystyna Schreiber: Worum geht es Ihrer Meinung nach im Grunde im katalanischen Konflikt?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Prof. Thomas Sturm: Um viele Dinge, denn der Konflikt hat eine komplexe Geschichte. Man kann ihn aus unterschiedlichen Perspektiven erkl\u00e4ren, je nachdem, wann und mit welchem Problem man ansetzt oder wie man die Zusammenh\u00e4nge der historischen Ereignisse sieht. Das erschwert Diskussionen und verst\u00e4rkt den Konflikt inzwischen auch: weil Bef\u00fcrworter wie Gegner der Unabh\u00e4ngigkeit leicht in der Argumentation hin und her springen, weil sie ausweichen, um ihre Lieblingsmeinung vor Kritik abzuschirmen, statt diese auf ihre Richtigkeit zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p><em><strong>Gibt es aus philosophischer Sicht eine eindeutige Haltung zum Konflikt?<\/strong><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_81263\" class=\"wp-caption alignright\" data-shortcode=\"caption\">\n<p class=\"wp-caption-text\">\n<\/div>\n<p>Nein, kein Philosoph besitzt hierzu den Stein der Weisen. Ich habe gesch\u00e4tzte Kolleginnen und Kollegen mit sehr unterschiedlichen Ansichten. Wir reden also zun\u00e4chst einmal wie andere B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit. Der bedeutende US-Moralphilosoph John Rawls <sup><a id=\"fnref-1\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-1\">[1]<\/a><\/sup> sprach in solchen F\u00e4llen von einem <em>reasonable disagreement<\/em>: Weil das Thema so vielschichtig ist, so viele Fakten umstritten sind, und weil auch die Normen, nach denen wir uns richten sollten, bislang nicht genug reflektiert worden sind, k\u00f6nnen vern\u00fcnftige Personen, zumindest in Grenzen, verschiedener Meinung sein.<\/p>\n<p>Jedoch geh\u00f6rt es zur philosophischen Expertise, hartn\u00e4ckigen Streitigkeiten auf den Grund zu gehen, die Wurzeln der Probleme zu lokalisieren und, soweit m\u00f6glich, aufzul\u00f6sen. Manchmal gibt es etwa Argumentationsfehler, die sch\u00e4dliche Folgen haben k\u00f6nnen. Daf\u00fcr gibt es im Konflikt um Katalonien auch Beispiele: das Ausnutzen von Mehrdeutigkeiten von Begriffen zur Manipulation des Denkens, wenn nicht zum Niedermachen von Gegnern, Orwellsches <em>double-thinking<\/em>, falsche Entweder-Oder-Alternativen, oder dubiose Prognosen. Die Debatte, der gesamte \u00f6ffentliche Diskurs, braucht mehr kritische, auch selbstkritische Rationalit\u00e4t.<\/p>\n<p><em><strong>Worin sehen Sie nun die Hauptursachen des Streits?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Klar ist: Eine Seite will Unabh\u00e4ngigkeit, die andere ist dagegen. Das ist aber nicht \u2013 wie teils auch aus ideologischem Interesse oft dargestellt\u2013 nur ein Streit zwischen Katalanen und dem Rest von Spanien. Der Riss geht auch mitten durch die katalanische Gesellschaft. Die richtige Frage ist also: Woher kommt das Unabh\u00e4ngigkeitsstreben von etwa der H\u00e4lfte der Katalanen?<\/p>\n<p>Aktuell sehe ich drei Hauptursachen: Erstens gibt es einen verletzten katalanischen Nationalstolz, das hei\u00dft ein Verlangen nach Anerkennung und W\u00fcrdigung dieser nationalen Identit\u00e4t; dann ein radikaler Republikanismus, der sich noch immer im Kampf mit Franquismus und Monarchie sieht, und der mit der anvisierten katalanischen Republik eine antikapitalistische, solidarische Utopie verbindet; und schlie\u00dflich ein \u00f6konomisches Motiv, also ein gerade nicht solidarisches Streben danach, weniger Steuern an den Gesamtstaat abzugeben.<\/p>\n<p><em><strong>Worin sehen Sie einen philosophischen Beitrag zur Konfliktl\u00f6sung?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Man muss zuerst eine Frage stellen: Nach welchen Prinzipien und Kriterien sollen sich alle richten? Es gibt ja verschiedene Normensysteme: Recht, Moral, und auch rationale Entscheidungs- und Spieltheorie. In den Debatten springen viele Leute hin und her, betrachten diesen oder jenen Punkt als sicherstes oder bestes Argument und ignorieren andere, ebenfalls nicht einfach als irrational abzuwertende \u00dcberlegungen. Zum Beispiel die Einhaltung des nationalen wie internationalen Rechts, auf die sich der spanische Staat beruft. Oder die unter Katalanisten tief verankerte moralische Intuition, das Menschenrecht auf Selbstbestimmung sei zwingend so zu interpretieren, dass alle V\u00f6lker das Recht auf einen eigenen Staat haben.<\/p>\n<p>\u00d6konomen wie der ehemalige katalanische Wirtschaftsminister Andreu Mas-Colell <sup><a id=\"fnref-2\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-2\">[2]<\/a><\/sup> wiederum scheinen es f\u00fcr legitim zu halten, die Drohung mit der Unabh\u00e4ngigkeit als Druckmittel in Verhandlungen \u00fcber mehr finanzielle Autonomie einzusetzen. Ich w\u00fcrde hier vorschlagen, nur solche Handlungen auszuf\u00fchren, die erstens das Recht achten, und die zweitens aus moralischer Perspektive verallgemeinerbar sind \u2013 im Sinne Immanuel Kants. <sup><a id=\"fnref-3\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-3\">[3]<\/a><\/sup> Wenn beides gesichert ist, darf man zus\u00e4tzlich Klugheits\u00fcberlegungen oder Strategien der rationalen Entscheidungs- und Spieltheorie anwenden; aber nicht ohne sie. Wenn alle Seiten diese Punkte akzeptieren w\u00fcrden, w\u00e4re schon viel erreicht: Keine k\u00f6nnte sich grunds\u00e4tzlichen normativen Einw\u00e4nden aussetzen, keine w\u00fcrde bestimmte legitime Gesichtspunkte einfach ignorieren.<\/p>\n<p><em><strong>Was ist das Problem damit, den Streit als rationales Verhandlungsspiel anzusehen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Den Konflikt als ein rationales Verhandlungsspiel anzusehen, bei dem man mit einseitiger Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung drohen und dazu, wie im letzten September und Oktober erlebt, Gesetze verletzen darf, scheint mir unmoralisch. \u00dcbrigens auch gegen\u00fcber den vielen \u00fcberzeugten Anh\u00e4ngern der Unabh\u00e4ngigkeit: Ihr Enthusiasmus wird in so einem Spiel ja nur ausgenutzt; sobald mehr Steuereinnahmen gesichert w\u00e4ren, w\u00fcrden diese Politiker das Ziel der Unabh\u00e4ngigkeit fallen lassen. So verspricht man etwas, das man nicht wirklich halten will, und schafft dadurch dauerhafte Entt\u00e4uschungen.<\/p>\n<p><em><strong>Hat die Regierung in Madrid keine Fehler begangen?<\/strong><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_80688\" class=\"wp-caption alignright\" data-shortcode=\"caption\">\n<p class=\"wp-caption-text\">\n<\/div>\n<p>Doch. Aus der Perspektive der Spieltheorie sollte die st\u00e4rkere Seite immer Angebote machen, positive Zeichen setzen. Die Bef\u00fcrworter der Unabh\u00e4ngigkeit in Katalonien streben nach W\u00fcrde und Anerkennung. Dazu kann eine kluge Regierung manches, und manches sogar mit geringen Kosten tun. Es fehlt noch viel an der \u00f6ffentlichen Aufarbeitung der Verbrechen in der Franco-Zeit. <sup><a id=\"fnref-4\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-4\">[4]<\/a><\/sup> Der K\u00f6nig k\u00f6nnte nach Barcelona kommen und am Denkmal des 1940 vom Franco-Regime ermordeten katalanischen Ministerpr\u00e4sidenten Lluis Companys einen Kranz niederlegen, ja: niederknien, so wie Willy Brandt 1970 vor dem Mahnmal der ermordeten Juden in Warschau niedergekniet ist. <sup><a id=\"fnref-5\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-5\">[5]<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Symbolische Akte sind wichtig, da es den Menschen nicht nur um Geld geht, sondern auch um Anerkennung \u2013 diese Dinge sollten daher baldm\u00f6glichst kommen. Ministerpr\u00e4sident Mariano Rajoy und die Zentralregierung in Madrid h\u00e4tten auch sagen k\u00f6nnen: Okay, wir machen ein Referendum, aber nur, wenn wenigstens 2\/3 aller Katalanen der Unabh\u00e4ngigkeit zustimmen. Und nur wenn eine hinreichend gro\u00dfe Zahl sich \u00fcberhaupt beteiligt, darf es eine Bedeutung haben.<\/p>\n<p><em><strong>Als es auf die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung zuging, haben Sie ein Manifest zur Deeskalation angesto\u00dfen. Was bedeutet Deeskalation genau und wie m\u00fcsste Sie Ihrer Meinung nach im Fall Katalonien-Spanien angewendet werden?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Deeskalation ist eine politische Methode, die im Kalten Krieg existenzielle Bedeutung f\u00fcr die Menschheit erlangt hat. Die atomare Aufr\u00fcstung zum Zwecke der Abschreckung vom Krieg schien vielen Milit\u00e4rstrategen rational kontrollierbar. Aber diese Eskalationsstrategie war in Wahrheit nicht ausreichend kontrollierbar und, bedingt durch die Massenvernichtungswaffen, viel zu riskant wie ein historisches Beispiel zeigt: 1962 f\u00fchrte die Kuba-Krise um ein Haar zum Atomkrieg \u2013 die Sowjetunion wollte Atomwaffen auf Kuba stationieren, die USA haben das als unmittelbare Bedrohung erlebt. Der Krieg wurde wohl nur durch Zufall vermieden. Die Kennedy-Regierung glaubte n\u00e4mlich, es seien noch keine Atomstrengk\u00f6pfe auf den Raketen auf Kuba; das war falsch, wie seit 1992 bekannt ist. <sup><a id=\"fnref-6\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-6\">[6]<\/a><\/sup><\/p>\n<p>H\u00e4tte die US-Regierung dies 1962 gewusst, w\u00e4re ein Krieg wahrscheinlicher gewesen, da Pr\u00e4sident John F. Kennedy seine regierungsinternen Kritiker nur hinhalten konnte, weil sie meinten, die Atomwaffen w\u00fcrden erst noch kommen. Die Falken dr\u00e4ngten immer wieder auf einen Angriff auf Kuba. Unwahrscheinlich, dass dann der Krieg auf die USA versus Kuba beschr\u00e4nkt geblieben w\u00e4re. Auch seit 1992 ist n\u00e4mlich bekannt, dass Fidel Castro die sowjetische F\u00fchrung dr\u00e4ngte, f\u00fcr so einen Fall die Atomwaffen von Kuba aus loszuschicken, sogar um den Preis, dass dann Kuba vernichtet w\u00fcrde. Castro ging es auch darum, die W\u00fcrde der Kubaner gegen die, wie er es sah, US-Imperialisten zu verteidigen. Nach der Kubakrise setzte ein Umdenken ein: Die Entspannungspolitik, die in Deutschland zuerst von Willy Brandt angesto\u00dfen wurde.<\/p>\n<p>Mir scheint in der Geschichte eine wesentliche Einsicht enthalten zu sein, die f\u00fcr jeden politischen Konflikt gilt: Wir neigen dazu, schnell zu eskalieren. Deeskalieren ist schwer, weil man dazu oft Emotionen wie Rachedurst oder verletzte Ehre beiseitelegen muss. Je h\u00e4rter und emotionaler der Konflikt ist, umso mehr ist Deeskalation jedoch ein Gebot der Klugheit wie zugleich der Moral.<\/p>\n<p>Deeskalation bedeutet hier konkret: Abr\u00fcstung in Taten <em>und<\/em> Worten. Kein Gebrauch einer Sprache, die zwar geeignet ist, die eigene Anh\u00e4ngerschaft mobilisiert zu halten \u2013 etwa von \u201epresos politics\u201c (politischen Gefangenen) \u2013 die aber unser Denken verzerrt und nichts zur Konfliktl\u00f6sung beitr\u00e4gt, im Gegenteil. Keinen Schritt machen, der die andere Seite provozieren oder zu einer aggressiven Reaktion bewegen k\u00f6nnte; sondern bei jedem Schritt nachdenken, wie man die andere Seite wirklich dazu bewegen kann, sich auf einen Kompromiss zuzubewegen. Das sollten die gerade ins Amt gekommenen neuen Regierungen in Madrid und Barcelona streng beachten. Daran muss man pr\u00fcfen, wie ernst die Dialogbereitschaft jeder Seite ist.<\/p>\n<p>Die Lage ist vermutlich so verfahren, dass diese verbale Abr\u00fcstung vielleicht nicht gen\u00fcgen wird. Auf einer der Wei\u00dfhemden-Demonstrationen \u2013 also die ohne jegliche nationalistische Orientierung \u2013 wurde skandiert: \u201eTerapia de pareja! Rajoy y Puigdemont!\u201c (Eheberatung f\u00fcr Rajoy und Puigdemont!) Das ist genau richtig!<\/p>\n<p>Ein runder Tisch, eine Kommission sollte installiert werden: nicht nur mit Vertretern der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheiten, also mehr oder minder aller Parteien in den spanischen und katalanischen Parlamenten, sondern mit Experten und Expertinnen aus Friedensforschung, politischer Psychologie, Rechtswissenschaft, Ethik und Demokratietheorie. Ich denke, dass die Kommission zumindest in gro\u00dfen Teilen international besetzt sein sollte. Die soll so lange arbeiten und Vorschl\u00e4ge entwickeln, bis die Hitzk\u00f6pfe und Manipulateure endlich auf beiden Seiten lernen, wie man Politik betreibt, die den Menschen dient.<\/p>\n<p>Ich erkenne \u00fcbrigens an, dass der Ex-Ministerpr\u00e4sident Carles Puigdemont die Idee der Deeskalation in seiner Parlamentsrede Anfang Oktober 2017 aufgenommen hat, in der er die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung vertagte. Er hatte sogar das Wort \u201edesescalar\u201c benutzt, das im offiziellen Katalanisch-Lexikon nicht vorkommt und das wir darum in unserer Deklaration in ihrer katalanischen Fassung nicht benutzen konnten. Rajoy h\u00e4tte positiver reagieren sollen, irgendein Zeichen geben k\u00f6nnen. Meiner Einsch\u00e4tzung nach war Puigdemont jedoch nicht ausreichend glaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p><strong>Warum nicht?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_74609\" class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 1079px;\" data-shortcode=\"caption\">\n<div id=\"attachment_74609\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2017\/10\/17\/untersuchungshaft-fuer-wichtigste-separatistenfuehrer-heizt-katalonien-konflikt-an\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-74609\" class=\"wp-image-74609\" src=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/10\/kataloniens-prc3a4sident-carles-puigdemont-foto-krystyna-schreiber.jpg?w=300&amp;h=200\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" srcset=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/10\/kataloniens-prc3a4sident-carles-puigdemont-foto-krystyna-schreiber.jpg?w=300&amp;h=200 300w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/10\/kataloniens-prc3a4sident-carles-puigdemont-foto-krystyna-schreiber.jpg?w=600&amp;h=400 600w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/10\/kataloniens-prc3a4sident-carles-puigdemont-foto-krystyna-schreiber.jpg?w=150&amp;h=100 150w\" alt=\"Kataloniens Pr\u00e4sident Carles Puigdemont. Foto Krystyna Schreiber\" width=\"1079\" height=\"719\" data-attachment-id=\"74609\" data-permalink=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2017\/10\/22\/die-uhr-steht-auf-fuenf-vor-zwoelf-in-katalonien\/kataloniens-praesident-carles-puigdemont-foto-krystyna-schreiber\/\" data-orig-file=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/10\/kataloniens-prc3a4sident-carles-puigdemont-foto-krystyna-schreiber.jpg\" data-orig-size=\"720,480\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Kataloniens Pr\u00e4sident Carles Puigdemont. 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Puigdemont hat keine Kraft gezeigt, diese Eskalation zur\u00fcckzunehmen. Er h\u00e4tte noch am 26. Oktober Wahlen ausrufen k\u00f6nnen, was ein anderer deeskalierender Schritt gewesen w\u00e4re und wohl die Anwendung von Artikel 155 (<em>von der spanische Zentralregierung angesetzte Zwangsverwaltung)<\/em>\u00a0verhindert h\u00e4tte. <sup><a id=\"fnref-7\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-7\">[7]<\/a><\/sup> Er hat sich aber von radikaleren Kr\u00e4ften, die keine Neuwahlen wollten, in letzter Minute umdrehen lassen.<\/p>\n<p>Komischerweise hat Puigdemont nur einen Tag nach der Anwendung von Artikel 155 gesagt, nun m\u00fcsse sich die katalanistische Bewegung eben Zeit lassen. Offenbar hielt er Geduld pl\u00f6tzlich nicht f\u00fcr schlimm. \u00a0Warum hat er dann aber vorher st\u00e4ndig die Lage dramatisiert und die Eskalation betrieben? Ich habe keine andere Erkl\u00e4rung als die, dass er meinte, der Druck sei n\u00f6tig und auch wirksam, um etwas zu seinen Gunsten zu bewegen. Ein Manipulationsversuch und ein Denkfehler, ein klassischer Fall davon, was Eskalation bewirken kann. Jetzt haben wir den Salat. Viele sitzen im Gef\u00e4ngnis und werden unter anderem der \u201eRebellion\u201c angeklagt \u2013 ein historisch ungl\u00fccklicher, ja unakzeptabler Terminus, den das spanische Recht wohl auch aufgeben sollte. Die Leute haben ihre \u00c4mter missbraucht, vielleicht \u00f6ffentliche Gelder veruntreut und vermutlich das Recht gebrochen. Das ist schlimm. Aber Rebellion? <sup><a id=\"fnref-8\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-8\">[8]<\/a><\/sup><\/p>\n<p><em><strong>Haben die V\u00f6lker ein Recht auf einen eigenen Staat?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Idee des <em>National<\/em>staats ist eine Erfindung aus der Zeit der Franz\u00f6sischen Revolution und der Befreiungskriege des 19. Jahrhunderts. Es lohnt vielleicht, hier auf zwei beliebte, der Meinungsmanipulation dienende Begriffsverwirrungen aufmerksam zu machen. Zum einen meine ich die Differenz zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Recht auf Sezession. Alle Menschen, alle V\u00f6lker haben ersteres. Aber es l\u00e4sst sich unterschiedlich realisieren.<\/p>\n<p>Sezession zur Gr\u00fcndung eines eigenen Nationalstaates ist eine andere Sache. Das wird st\u00e4ndig vermengt. Zum anderen, damit verbunden, muss man einen Unterschied zwischen einem \u201ehorizontalen\u201c und einem \u201evertikalen\u201c Volksbegriff machen. Einerseits spricht man seit der Franz\u00f6sischen Revolution vom \u201eVolk\u201c (oder auch von der \u201eNation\u201c) im Sinne von der den h\u00f6heren Autorit\u00e4ten entgegengesetzten einfachen Bev\u00f6lkerung; andererseits spricht man vom \u201eVolk\u201c im Sinne einer Einheit, die durch Sprache, Kultur oder Geschichte eine Identit\u00e4t besitzt, \u00fcber alle Klassen und Schichten hinweg.<\/p>\n<p>Wenn ein Volk im ersten Sinn unter einer unterdr\u00fcckerischen Autorit\u00e4t leidet, so kann es sich dagegen \u201eerheben\u201c. Das kann moralisch legitim sein. Aber selbst wenn die spanische Demokratie mangelhaft ist, so ist sie doch eine Demokratie: alle haben die gleichen aktiven und passiven Mitbestimmungsrechte, die Grundrechte sind gesichert und anderes mehr. Darin verwirklicht sich das Recht auf Selbstbestimmung aller spanischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger als <em>Staats<\/em>volk, einschlie\u00dflich aller Katalanen. Die Katalanisten \u2013 etwa Ex-Ministerpr\u00e4sident Puigdemont, wenn er davon spricht, es gebe \u201eein einziges katalanisches Volk\u201c, das um seine Identit\u00e4t k\u00e4mpfe \u2013 versuchen, aus der konstruierten sprachlichen und kulturellen Identit\u00e4t Kataloniens mehr zu machen: also aus dem vertikalen Volksbegriff einen horizontalen und ethnischen Volksbegriff heraus zu zaubern, um so den Aufstand gegen die vermeintliche autorit\u00e4re spanische Regierung zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Man benutzt also die Idee der ethnischen Volkseinheit, um das Gef\u00fchl zu erzeugen, alle Katalanen seien von Madrid unterdr\u00fcckt. Damit wird \u00fcbert\u00fcncht, dass \u201edas eine\u201c katalanische Volk in diesem Sinn nicht existiert. Die H\u00e4lfte aller Katalanen sind grunds\u00e4tzlich anderer Meinung. Sie haben ein Recht darauf, dass das respektiert wird. Kurzum: Nat\u00fcrlich haben alle Menschen einen Anspruch darauf, rechtsstaatlich und demokratisch regiert zu werden, aber ein Recht auf einen eigenen <em>National<\/em>staat \u2013 daf\u00fcr kenne ich kein gutes Argument.<\/p>\n<p>Das Streben nach einem national begr\u00fcndeten Staat ist auch etwas, was mich an der katalanistischen Bewegung st\u00f6rt: dieses Pathos von nationaler Identit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit, dieses gezielte F\u00f6rdern von Fahnen oder Hymnen oder Slogans. Man kann oft sehen, wie Eltern ihre Kinder mit zu Demonstrationen schleppten, die dort dann emotional aufgeheizten Erwachsenen das \u201eIn-Inde-Independencia!\u201c nach\u00e4fften. Das ist das Gegenteil von Erziehung zu eigenst\u00e4ndigem Denken, zu echter Autonomie.<\/p>\n<p><em><strong>Man hat das Thema der Abstimmung \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit ja gerade auf der Gegnerseite lange totgeschwiegen, so dass selbst zahlreiche katalanische Gegner sich schlie\u00dflich von der spanischen Regierung allein gelassen gef\u00fchlt haben. Wie steht es denn mit der Diskussionskultur (also dem pragmatischen Er\u00f6rtern von Pro- und Kontraargumenten) in Spanien generell, gerade in der Schulbildung? Wird von der Politik die Idee m\u00fcndiger B\u00fcrger gef\u00f6rdert?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Also, ob die Volkspartei von Rajoy noch einmal die n\u00e4chsten Wahlen gewinnt, nach den deutlichen Gerichtsurteilen \u00fcber Korruptionsf\u00e4lle, und nach dem j\u00fcngsten Regierungswechsel, ist doch wohl eher offen. Aber zu Ihrer Kernfrage: Was ich zuvor gesagt habe, gilt nat\u00fcrlich \u00fcberall in Spanien (und weit dar\u00fcber hinaus). Spanischen Nationalismus findet man oft mit herabw\u00fcrdigenden Aussagen gegen Katalanen \u2013 das ist besch\u00e4mend und genauso hart zu kritisieren wie es die wiederholten fr\u00fcheren \u00c4u\u00dferungen des neuen Regionalpr\u00e4sidenten Quim Torra sind, der reichlich geschmacklose Dinge \u00fcber Spanier und Spanierinnen gesagt hat. Er hat sich daf\u00fcr entschuldigt, aber zu oberfl\u00e4chlich und ohne gen\u00fcgend ehrliche Selbstkritik. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger k\u00f6nnen es besser tun: Sie k\u00f6nnen ihren Kindern helfen, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Sie sollen ihnen ohne Slogans und Fahnen wirkliche Pro- und Contra-Argumente vorf\u00fchren.<\/p>\n<p><em><strong>Ein Argument ist, dass die katalanische Kultur und Sprache ohne eigenen Staat nicht \u00fcberleben kann.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das scheint mir ganz \u00fcbertrieben. Ja, Sprachen k\u00f6nnen untergehen. Meine Mutter wurde im S\u00fcden Ostpreu\u00dfens geboren, wo man viel Masurisch sprach \u2013 auch ihre Eltern. Die Sprache wurde von den deutschen Beh\u00f6rden geduldet, aber nicht gesch\u00fctzt und gef\u00f6rdert. Nach der Vertreibung am Ende des 2. Weltkriegs starb sie schnell aus. Meine Mutter sagt, das war nie ein Problem in ihrer Familie. Warum nicht? Nun, ein Unterschied ist, dass Franco verboten hat, Katalanisch auf der Stra\u00dfe zu sprechen. Das war eine riesengro\u00dfe imperialistische Dummheit. Aber heute lebt die katalanische Sprache intensiver denn je, ja, sie entwickelt sich fort, wof\u00fcr ich sp\u00e4ter ein kleines Beispiel geben kann. Sie ist gesch\u00fctzt, und niemand unterdr\u00fcckt irgendwelche kulturellen Traditionen Kataloniens. Der wunderbare katalanische Philosoph des Mittelalters, Ramon Llull, dem Leibniz seine bahnbrechenden Ideen zur Entwicklung einer Rechenmaschine zuschrieb und der wichtige Ideen zu effektiven demokratischen Wahlverfahren entwickelt hat, wird heute intensiv studiert. <sup><a id=\"fnref-9\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-9\">[9]<\/a><\/sup> Keine spanische Regierung unterdr\u00fcckt das. F\u00fcr die Sicherung von Sprache und Kultur braucht man keine staatliche Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens.<\/p>\n<p><em><strong>Warum h\u00e4ngen einige Separatisten ihr dann so sehr an?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Vielleicht liegt es teils an den leicht zu machenden und leicht auszunutzenden Vermengungen von Selbstbestimmung und Sezession, von Volks- oder Nationenbegriffen. Man sollte das Entstehen und die Wirkweise der These, dass ein Volk ohne eigenen Staat nicht \u00fcberleben kann, einmal genau wissenschaftlich untersuchen: Wie weit hat vergangene Unterdr\u00fcckung zu negativen Emotionen, dann zu verh\u00e4rteten Vorurteilen und schlie\u00dflich zu sozialen Konflikten gef\u00fchrt, durch die kein rationales Argumentieren mehr hindurch kommt? Oder wie weit war es das organisierte Verbreiten von falschen Meinungen, die die These am Leben h\u00e4lt? Keine leichte Forschungsaufgabe, aber gerade in Zeiten der Manipulation von Fakten ist sie wichtig.<\/p>\n<p><em><strong>Sie hatten vorhin schon eine st\u00e4rkere Pr\u00e4senz des spanischen Nationalismus in dieser Debatte erw\u00e4hnt. Scheint es nicht bemerkenswert, dass Rajoy allein 2006 schon mehr als 4 Millionen Unterschriften gegen das katalanische Statut sammeln konnte, unter anderem mit dem Argument, dass in der Pr\u00e4ambel stand, Katalonien sei eine Nation? Gleichzeitig lag der katalanische Nationalismus, der f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit war, bis zu diesem Zeitpunkt bei 10-14 Prozent (damals gab es 14 Abgeordnete von Unabh\u00e4ngigkeits-Parteien, heute sind es 70). Inwieweit war die Reaktion der Katalanisten vielleicht auch eine Gegenreaktion auf den spanischen Nationalismus? \u00dcbrigens haben die Basken bei Haushaltsverhandlungen gerade erreicht, dass das Baskenland sich als \u201eNation\u201c bezeichnen darf.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wie ich schon andeutete: Die Geschichte der nationalistischen Aktionen und Reaktionen ist komplex, und man kann sie fast beliebig umerz\u00e4hlen. Wenn die Reaktion der Katalanisten eine Gegenreaktion war, kenne ich viele, die sagen, dass Katalonien schon l\u00e4nger finanziell st\u00e4rker gef\u00f6rdert worden ist, etwa durch den Einfluss der Pujol-Partei als Z\u00fcnglein an der Waage bei der spanischen Regierungsbildung in den letzten Jahrzehnten. Das ist alles schwierig objektiv festzuzurren; es braucht gr\u00fcndliche Aufarbeitung statt wiederholter Slogans. Wir sollten uns aber zur Abwechslung auch einmal fragen: Worin w\u00fcrde die Politik bestehen, wenn man alle Nationalismen daraus wegstreichen und sich auf wirkliche Lebensfragen f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger konzentrieren m\u00fcsste? Versuchen Sie sich das einmal genau vorzustellen. Das kann gedanklich befreiend sein. Und man w\u00fcrde eine Menge Zeit und Kraft f\u00fcr Wichtigeres gewinnen.<\/p>\n<p><em><strong>Ist Spanien in seiner derzeitigen politischen Konstellation reformierbar?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Der Soziologe Max Weber hat gesagt: Politik ist das beharrliche Bohren dicker Bretter. Sehen Sie sich an, wie sich in ein, zwei Legislaturperioden das Parteiensystem ver\u00e4ndert hat. Und wie nun gerade vor ein paar Tagen die Regierung gewechselt hat. Die Konstellation \u00e4ndert sich. Au\u00dferdem geht es Spanien heute \u00f6konomisch besser als zur Zeit der nach 2007 und 2008 einsetzenden, tiefen Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p>Denken sie auch daran, dass Spanien etwa unter Jos\u00e9 Lu\u00eds Zapatero <sup><a id=\"fnref-10\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-10\">[10]<\/a><\/sup> schneller mit der vollen Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben vorangeschritten ist als Deutschland. Manchmal braucht man Geduld. Es ist aber nicht fair zu fordern, Katalonien m\u00fcsse unabh\u00e4ngig werden, wenn einem gewisse Entwicklungen nicht schnell genug kommen. Das ist keine Position, die sich verallgemeinern l\u00e4sst und entspricht darum keiner legitimen politischen Regel.<\/p>\n<p><em><strong>Haben die Nationalstaaten denn noch Zukunft?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nationalstaatsprojekte haben sich zumeist an Sprachgemeinschaften orientiert (mit Ausnahmen wie die Schweiz, die sich als \u201eWillensnation\u201c definiert hat). Manchmal wurde das Sprachargument erg\u00e4nzt durch vage Appelle an kulturelle Identit\u00e4ten von V\u00f6lkern. Johann Gottfried Herder <sup><a id=\"fnref-11\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-11\">[11]<\/a><\/sup> hat diese Ideen gegen Kant popul\u00e4r gemacht; \u00fcbrigens waren auch die ersten katalanischen Nationalisten von Herderschen Ideen inspiriert \u2013 und noch Jordi Pujol <sup><a id=\"fnref-12\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-12\">[12]<\/a><\/sup> hat sich als Anh\u00e4nger Herders beschrieben. Mir selbst kommt die Idee des Nationalstaats antiquiert vor; der aktuelle Nationalismus in der Welt scheint mir, zumindest in langer Perspektive, ein Schlussgefecht zu sein. Ich teile Kants vielleicht utopisch wirkende Auffassung, dass die Menschheit sich auf eine Art Weltregierung hinzu bewegt, auch wenn heute die UNO noch schwach ist. Aber von unten w\u00e4chst vieles.<\/p>\n<p>Die EU ist ein historisches Experiment, aus der Fixierung auf nationale Identit\u00e4ten herauszufinden. Kant sagte, man muss Geduld haben, vielleicht tausende Jahre; aber vielleicht wird der technische Fortschritt uns auch schneller zusammenzwingen. Alle Staaten brauchen Partner, nicht nur zur Kriegsverhinderung und zum globalen Klimaschutz. Wir wollen so frei wie m\u00f6glich reisen und arbeiten und leben. Wir erleben das Leid anderer, etwa in Syrien, st\u00e4rker als je zuvor; und die Menschen in armen Teilen haben manchmal \u00fcber Smartphones eher Zugang zum Internet als zu sicherer Wasserversorgung. Sie wollen eine gerechtere Wirtschaftsordnung, soziale Mindeststandards, \u00dcberwindung von Armut. All das geht nicht ohne eine tiefe internationale Kooperation. Der Nationalismus sucht nur den eigenen Bewohnern Vorteile zu sichern oder f\u00f6rdert Phrasen dar\u00fcber, dass eine andere Seite am eigenen Ungl\u00fcck schuld sei. Die reine Idee des Nationalstaates scheint mir zudem auch unrealisierbar.<\/p>\n<p><em><strong>Was ist daran problematisch?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Man muss hier wieder moralisch argumentieren: Kann das, was <em>ich<\/em> will, eigentlich von <em>allen<\/em> gewollt werden? Wir haben in ganz Europa 33 Staaten, aber 87 Sprachen, und in der Welt \u00fcber 6500 Sprachgemeinschaften. Sollen die alle einen Staat haben? Hat die Menschheit Zeit, so eine strikt national organisierte Form ihrer Staaten aufzubauen, unter Vermeidung von Konflikten und Gewalt, die dabei drohen? Wie soll etwa die EU in ihrer aktuellen Verfassung, in der sie doch noch erheblich von der Zustimmung aller Mitglieder abh\u00e4ngt, mit 40 oder 50 Mitgliedsstaaten regierbar sein? Die EU ist ein Experiment. Es kann scheitern. W\u00e4re die EU schon in einem stabilen Zustand einer transnationalen Demokratie mit einer eigenst\u00e4ndigen Exekutive und Legislative, so k\u00f6nnte man Neuaufteilungen der Mitgliedsl\u00e4nder wom\u00f6glich entspannter sehen. Aber heute ist es \u201enoch\u201c der Europ\u00e4ische Rat, die Vertretung aller Mitgliedsstaaten, der die st\u00e4rkste Entscheidungsmacht hat. Viele Seiten in der EU wollen das \u00e4ndern; aber das ist nicht einfach.<\/p>\n<p>Ich meine \u00fcbrigens nicht, dass jetzt sofort alle nationalstaatlichen Grenzen aufgehoben werden sollten. Das g\u00e4be nur neuen \u00c4rger, vermutlich auch Kriege. Ich bin hier pragmatisch: Grenzen sind historisch entstanden und darum nicht sakrosankt. Aber man soll sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen \u2013 zumal nicht, wenn man schon in einer repr\u00e4sentativen Demokratie lebt. Dann muss man innerhalb der Demokratie um Reformen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em><strong>Sie sind gegen\u00fcber der katalanischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung sehr kritisch. Gibt es nichts Positives an ihr?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ja, es gibt auch positive Aspekte der Bewegung: Die Katalanisten sind zuallermeist friedlich, sie haben mit enormen Engagement f\u00fcr ihr Ideal einer besseren Gesellschaft gek\u00e4mpft, und sehen sich als konsequente Demokraten und Europ\u00e4er. Das unterscheidet sie sehr von antieurop\u00e4ischen Nationalisten wie die britische UKIP und Marine Le Pen in Frankreich.<\/p>\n<p>Gut w\u00e4re, wenn man mit so viel Einsatz, mit Demonstrationen von Hunderttausenden etwa f\u00fcr eine wirksame Umweltpolitik oder f\u00fcr Frauenrechte k\u00e4mpfen w\u00fcrde \u2013 oder f\u00fcr Verbesserungen der spanischen Verfassung und Gesetze. Aber w\u00e4hrend Akademiker wie ich das gern so h\u00e4tten, ist das nicht leicht. Menschen begeistern sich oft nur f\u00fcr Politik, wenn es dramatische Anl\u00e4sse und geeignete F\u00fchrungsfiguren gibt. Aber es gibt gute Beispiele: wie gerade in den USA die Bewegung junger Leute gegen die zu laxen Waffengesetze. Da war Beeindruckendes zu beobachten, das auch noch Folgen bei kommenden Wahlen zeigen kann. Hierzulande sollten sich politische Leitfiguren, aber auch normale B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger fragen, was ihre Mitmenschen positiv bewegen kann.<\/p>\n<p><em><strong>Die Menschen hier haben lange in die Politik vertraut: erst in die staatliche, dann in die katalanische und jetzt scheint auch das f\u00fcr viele nicht zu funktionieren. Sollten vielleicht die Politiker mehr in die B\u00fcrger vertrauen als umgekehrt?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>So einfach geht es nicht. Es gibt ja ehrliche Politikerinnen und Politiker. Noch einmal, Politik ist ein schweres Gesch\u00e4ft. Das untersch\u00e4tzen viele Menschen. Man sollte alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger viel n\u00e4her mit der t\u00e4glichen Praxis der politischen Arbeit vertraut machen. In den Schulen sollte exemplarisch gelehrt werden, wie bestimmte Kompromisse erreicht wurden \u2013 gro\u00dfe wie kleine, also den schwierigen Verfassungskompromiss nach dem Ende der Franco-Diktatur ebenso wie konkrete Gesetze zur Gesundheitsversicherung oder Ma\u00dfnahmen zum Ausbau der Infrastruktur.<\/p>\n<p><em><strong>Manche denken, dass die Politik eben gerade das ist \u2013 ein Gesch\u00e4ft, und das darin eines der Hauptprobleme liegt \u2026<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Gut, ich verzichte auf die Metapher. Was ich meine, ist, dass wir oft zu wenig informiert sind, um wirklich gut begr\u00fcndete Entscheidungen zu treffen. Fragen Sie einmal einen beliebigen Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrworter oder auch Unabh\u00e4ngigkeitsgegner zwei Dinge: 1. Was ist von der Einschr\u00e4nkung des Autonomiestatuts seitens des Verfassungsgerichts im Jahr 2010 zu halten? 2. Welche der 14 abgelehnten oder eingeschr\u00e4nkten Artikel k\u00f6nnen Sie nennen, und warum hat das Gericht so geurteilt wie geschehen? Ich habe das viele, auch gut gebildete und politisch engagierte Leute gefragt. Bei der ersten Frage haben die meisten eine klare Position, aber bei Frage 2 waren Antworten armselig. Und das, obwohl eine vern\u00fcnftige Abw\u00e4gung doch verlangt, dass man Frage 2 zumindest ansatzweise durchdacht hat, bevor man sich zu Frage 1 verh\u00e4lt! Bekannt ist meist nur der Konflikt um die Frage, ob Katalonien sich eine \u201eNation\u201c nennen darf.<\/p>\n<p>Demokratie braucht viel besser informierte und selbst\u00e4ndig denkende B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Was wir heute bei der Wahl von Trump, beim Brexit oder beim Anwachsen populistischer Bewegungen erleben, hat immer damit zu tun, dass den Menschen einfache Antworten angeboten werden, die in ihre Denkschemata passen. Das funktioniert, weil die meisten Menschen keine Zeit haben, sich mit Politik wirklich zu besch\u00e4ftigen. Aber wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen das \u00e4ndern, wenn unsere Demokratien \u00fcberleben sollen. Wir k\u00f6nnen in den Schulen beginnen. Und wir alle werden in Zukunft durch die wachsende Automatisierung der Arbeitswelt mehr Zeit haben. Zeit, die man mit Katzenvideos oder mit mehr politischer Bildung verbringen kann. Auch die Medien haben hier eine Bringschuld.<\/p>\n<p><em><strong>Die Staaten schauen nach Katalonien. Welche langfristigen Lehren werden sie ziehen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das ist offen, teils, weil der Konflikt ungel\u00f6st ist, teils, weil es ja weniger Staaten als Menschen sind, die Lehren ziehen. Wir sagen heute oft, dass zum Beispiel \u201eDeutschland\u201c gewisse Lehren aus den Verbrechen der Nazizeit gezogen hat: Zum Beispiel, die Verbrechen nicht zu verdr\u00e4ngen. Aber das ist nur eine Kurzformel daf\u00fcr, dass die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit der Deutschen diese Lehre gezogen hat. Das muss \u2013 leider \u2013 nicht auf ewig so bleiben, genau wie die Lehren \u00fcber Deeskalation im Kalten Krieg ja auch wieder vergessen werden.<\/p>\n<p>Ich kann hier nur einen doppelten Wunsch \u00e4u\u00dfern: Dass erstens die Politik mehr beherzigt, wie riskant es ist, populistische Stimmungen zu nutzen, denn diese verselbst\u00e4ndigen sich leicht. Selbst wenn die Menschen friedlich bleiben, hat man dann doch radikalisierte K\u00f6pfe, die einander durch Stereotype hindurch ansehen und nicht mehr zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Und zweitens, dass die Politik ihre knappen Ressourcen ernsthaft auf die wichtigsten Probleme konzentriert, etwa auf die Rettung der Umwelt, auf B\u00fcrgerkriege wie den in Syrien oder den in Libyen. Der heutige Nationalismus in Europa ist eine l\u00e4cherliche Reaktion auf solche Probleme. Er n\u00fctzt gar nichts.<\/p>\n<p><em><strong>Ist die parlamentarische Demokratie eine Zukunftsoption oder m\u00fcssen neue Wege gefunden werden, um die B\u00fcrgerbeteiligung in der Globalisation zu garantieren?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Sowohl als auch. Und die neuen Wege sollten verpflichtend enthalten, dass Regierungen, die in bestimmten Fragen Referenden ausrufen, die W\u00e4hlerschaft vor allem \u00fcber die Voraussetzungen und (zu erwartenden) Folgen der verschiedenen Entscheidungsoptionen unterrichten. So wird es in der Schweiz gemacht; man erh\u00e4lt zu den Referenden ein informierendes \u201eAbstimmungsb\u00fcchlein\u201c. Es war unzul\u00e4ssig, auch mit dem Venedig-Kodex <sup><a id=\"fnref-13\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-13\">[13]<\/a><\/sup> unvereinbar, dass die katalanische Regierung beim Referendum vom 1. Oktober so einseitig Stellung bezogen hat. Das ist nicht so, wie man die Menschen zu eigenst\u00e4ndigen, mit Argumenten gest\u00fctzten Entscheidungen bringt.<\/p>\n<p><em><strong>Welche Zeitungen lesen Sie?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>ElPais, Ara, Elpuntavui, LaVanguardia, La Razon, El Diario, El Nacional, New York Times, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel <\/em>\u2013 diese und ein paar andere mehr. Nat\u00fcrlich nicht alle jeden Tag. Ich mische systematisch und versuche regelm\u00e4\u00dfig, die zu lesen, deren Meinung mir nicht gef\u00e4llt \u2013 etwa in meinem Fall <em>Ara<\/em> oder <em>Elpuntavui<\/em> oder, um ein ganz anderes Beispiel zu w\u00e4hlen, <em>Russia Today<\/em>. Ich w\u00fcrde \u00fcbrigens nicht nur Zeitungen empfehlen. Das Internet bietet viel mehr. Historische Hintergrundberichte in Film und Text, Quellen (wie etwa politische Gesetze, Verfassungen oder internationale Vertr\u00e4ge), \u00f6konomische Statistiken oder soziologische Expertisen. Das bringt oft mehr als eine Zeitung von vorne oben links bis hinten unten rechts zu lesen.<\/p>\n<p><em><strong>Was hat Sie bewogen, Philosophie zu studieren?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ich war seit meiner Jugend an philosophischen Fragen interessiert, zun\u00e4chst vor allem zur Rationalit\u00e4t von moralischen Urteilen. Ich habe in den sp\u00e4ten 1980ern in G\u00f6ttingen zu studieren begonnen, die damals fast die einzige war, an der die Analytische Philosophie gelehrt wurde: eine Richtung, die nicht auf eine Weltanschauung verpflichtet ist, sondern die versucht, jedes Problem mit Interesse an sachlicher Probleml\u00f6sung durch Begriffsanalyse und Klarheit und Strenge der Argumente so weit wie m\u00f6glich zu l\u00f6sen. Der vor kurzem verstorbene Philosoph G\u00fcnther Patzig <sup><a id=\"fnref-14\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/06\/09\/katalonien-aus-philosophischer-sicht-begriffsverwirrungen-und-mangelhafte-argumentationen\/#fn-14\">[14]<\/a><\/sup> war dort damals f\u00fchrend. Er war seit den 1950er Jahren einer der ersten, die die von den Nazis aus Deutschland vertriebene analytische Tradition wieder aufgebaut haben. Er hat mich tief beeindruckt. Vor allem sein Umgang mit uns Studierenden war vorbildlich. Er hat uns im besten Sinne des Wortes: gebildet.<\/p>\n<p><em><strong>Was bedeutet Fortschritt f\u00fcr Sie?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das ist ein gro\u00dfer, viele Erwartungen weckender Begriff. Ich habe keine Definition daf\u00fcr. Aber mir scheint, es gibt gute Beispiele: Der deutsch-franz\u00f6sische Ausgleich nach dem 2. Weltkrieg \u2013 das half, jahrhundertealten Hass zu \u00fcberwinden. So sehr, dass uns heute selbstverst\u00e4ndlich erscheint, was einmal wie ein Wunder aussah. Nelson Mandelas Haltung gegen\u00fcber seinen Unterdr\u00fcckern \u2013 die war schon beinahe \u00fcbermenschlich. Aber sie erm\u00f6glichte einen Wandel, der Millionen Menschen das Wahlrecht und politische Freiheit brachte.<\/p>\n<p>Der Fortschritt, den Katalonien jetzt braucht, muss meines Erachtens darin bestehen, einen neuen Grundkonsens in der gespaltenen Bev\u00f6lkerung zu schaffen. Im kanadischen Quebec, das vor l\u00e4ngerer Zeit an einer \u00e4hnlichen Spaltung litt, hat die Zeit die Wunden geheilt. Junge Leute fragen seitdem immer mehr: Was sollte der ganze Streit? Genau wie in Deutschland und Frankreich erst nach dem 2. Weltkrieg die Einsicht um sich griff, dass die Kriege blutiger Unfug waren. Die Frage f\u00fcr uns ist: Wollen wir in Katalonien weiter Zeit mit einem Patt zwischen den verh\u00e4rteten Fronten vergeuden? Oder wollen wir alle aktiv die <em>convivencia<\/em> wiederherstellen? Ich w\u00fcrde auch hierf\u00fcr die erw\u00e4hnte Kommission einsetzen. Man sollte Fakten kl\u00e4ren, f\u00fcr gegenseitiges Verst\u00e4ndnis werben und gemeinsame Werte aufbauen. Jede Seite sollte sich dabei zuerst an die eigene Nase fassen; nur dann kann man auch andere bewegen. Ich denke, wenn wir selbst den Fortschritt und Wandel erzeugen, statt nur auf die Zeit zu hoffen, k\u00f6nnte der Schaden geringer ausfallen.<\/p>\n<p><em><strong>Wie motivieren Sie Ihre Studenten?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>An meiner B\u00fcrot\u00fcr h\u00e4ngt ein Cartoon: Am \u201ecareer day\u201c werden Kinder in der Schule gefragt, was sie sp\u00e4ter f\u00fcr einen Beruf haben wollen. Ein Junge mit Brille sagt: \u201eIch will Philosoph werden. Wenn ich gro\u00df bin, werden alle anderen Berufe von Computern und Maschinen gemacht.\u201c Was dahinter steckt, ist dies: Philosophieren hilft, sich von Vorurteilen zu befreien und stattdessen auf eine Weise selbst\u00e4ndig zu denken, also kritisch und rational \u00fcberlieferte Meinungen, Werte und Regeln zu pr\u00fcfen, ja neue Werte und Normen zu schaffen, die von allen geteilt werden k\u00f6nnen. Das k\u00f6nnen Maschinen nicht.<\/p>\n<p>In Philosophieseminaren trainiert man das selbst\u00e4ndige Denken an Themen wie der Willensfreiheit, der Rechtfertigung von Erkenntnisanspr\u00fcchen oder noch abstrakteren Problemen. Aber man kann die gewonnene Expertise auf fast alle anderen Probleme anwenden. Junge Menschen haben oft Ideale, und die Politik braucht Ideale und ein wenig Enthusiasmus. Aber das ist nicht genug. Es ist entscheidend, sich die Regeln des eigenen Denkens und Handelns klar zu machen und diese sch\u00e4rfster Kritik auszusetzen. Nichts ist ganz sakrosankt; aber jede Kritik muss am Ende auch konkret und dogmenfrei sein.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/uab.academia.edu\/ThomasSturm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-81263 alignright\" src=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2018\/06\/professor-thomas-sturm-universitc3a4t-barcelona-uab-foto-privat.jpg?w=925\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" srcset=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2018\/06\/professor-thomas-sturm-universitc3a4t-barcelona-uab-foto-privat.jpg 200w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2018\/06\/professor-thomas-sturm-universitc3a4t-barcelona-uab-foto-privat.jpg?w=150 150w\" alt=\"Professor Thomas Sturm Universit\u00e4t Barcelona UAB. 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Hauptver\u00f6ffentlichungen: <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/202571\/Kant_und_die_Wissenschaften_vom_Menschen_Kant_and_the_Human_Sciences_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kant und die Wissenschaften vom Menschen<\/em><\/a> (2009); <em>How Reason Almost Lost Its Mind: The Strange Career of Cold War Rationality<\/em> (Co-Autor mit L. Daston, M. Gordin, P. Erickson, J. Klein und R. Lemov, 2013).<\/p>\n<hr \/>\n<p>[1] John Rawls (1921-2002) war ein US-amerikanischer Philosoph, der als Professor an der Harvard University lehrte. Sein Hauptwerk <em>A Theory of Justice<\/em> gilt als eines der einflussreichsten Werke der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts.<br \/>\n[2] <strong>Andreu Mas-Colell<\/strong>\u00a0ist ein spanisch-katalanischer \u00d6konom, Professor an der Universit\u00e4t Pompeu Fabra und ehemaliger Minister f\u00fcr Wirtschaft und Wissenschaft der Autonomen Gemeinschaft Katalonien.<br \/>\n[3]\u00a0<strong>Immanuel Kant<\/strong> (1724-1804) war ein deutscher Philosoph der Aufkl\u00e4rung. Er z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Vertretern der abendl\u00e4ndischen Philosophie. Sein Werk <em>Kritik der reinen Vernunft<\/em> kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.<br \/>\n[4]\u00a0Jairo Gomez\/Gunther Sosna: <a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2016\/03\/16\/spanien-und-der-schatten-der-diktatur\/\"><em>Spanien und der Schatten der Diktatur.<\/em><\/a> Erschienen auf Neue Debatte am 16.03.2016.<br \/>\n[5]\u00a0Der <strong>Kniefall\u00a0von Willy Brandt<\/strong>\u00a0am 7. Dezember 1970\u00a0am Ehrenmal f\u00fcr die Toten des Warschauer Ghettos war eine Demutsgeste im Rahmen der von Brandt und seiner Regierung betriebenen Ostpolitik und die Bitte um Vergebung f\u00fcr die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.<br \/>\n[6] Die <strong>Kubakrise<\/strong> im Oktober 1962 war eine Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der UdSSR. Sie entwickelte sich aus der Stationierung US-amerikanischer Mittelstreckenraketen vom Typ Jupiter auf einem NATO-St\u00fctzpunkt in der T\u00fcrkei und die daraufhin beschlossene Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba. W\u00e4hrend des Schiffstransports der Raketen nach Kuba drohte die amerikanische Regierung unter Pr\u00e4sident John F. Kennedy, sie werde n\u00f6tigenfalls Atomwaffen einsetzen, um die Stationierung zu verhindern. Die eigentliche Krise dauerte 13 Tage und endete mit einem Deal:\u00a0Die Sowjetunion zieht ihre Raketen aus Kuba ab. Dagegen erkl\u00e4ren die USA, keine weitere milit\u00e4rische Invasion Kubas zu unternehmen und in geheimer Absprache ihrerseits die amerikanischen Jupiter-Raketen aus der T\u00fcrkei abzuziehen. Mit der Kubakrise erreichte der Kalte Krieg eine neue Dimension. Die beiden Superm\u00e4chte USA und UdSSR kamen w\u00e4hrend der Krise einer direkten milit\u00e4rischen Konfrontation am n\u00e4chsten. Die Gefahren eines m\u00f6glichen Atomkrieges wurden einer breiten \u00d6ffentlichkeit bewusst.<br \/>\n[7] <strong>Artikel 155 der spanischen Verfassung:<\/strong>\u00a0(1) <em>Wenn eine Autonome Gemeinschaft die ihr von der Verfassung oder anderen Gesetzen auferlegten Verpflichtungen nicht erf\u00fcllt oder so handelt, da\u00df ihr Verhalten einen schweren Versto\u00df gegen die allgemeinen Interessen Spaniens darstellt, so kann die Regierung nach vorheriger Aufforderung an den Pr\u00e4sidenten der Autonomen Gemeinschaft und, im Falle von deren Nichtbefolgung, mit der Billigung der absoluten Mehrheit des Senats die erforderlichen Ma\u00dfnahmen ergreifen, um die Gemeinschaft zur zwangsweisen Erf\u00fcllung dieser Verpflichtungen anzuhalten oder um das erw\u00e4hnte Interesse der Allgemeinheit zu sch\u00fctzen.<\/em> (2) <em>Zur Durchf\u00fchrung der in Absatz 1 vorgesehenen Ma\u00dfnahmen kann die Regierung allen Beh\u00f6rden der Autonomen Gemeinschaften Weisungen erteilen.<\/em> Auf\u00a0www.verfassungen.eu\/es\/verf78-index.htm [abgerufen am 08.06.2018].<br \/>\n[8] <strong>Blickpunktkatalonien<\/strong> vom 23.03.2018: <em>13 katalanische Spitzenpolitiker der Rebellion angeklagt, 25 Politiker insgesamt auf der Anklagebank.<\/em> Auf\u00a0http:\/\/blickpunktkatalonien.com [abgerufen am 08.06.2018]<br \/>\n[9] <strong>Ramon Llull<\/strong> (um 1232 bis Anfang 1316) war ein mallorquinischer Philosoph, Logiker, Grammatiker und franziskanischer Theologe.\u00a0Aufgrund seiner Christusvisionen war er als Missionar im gesamten Mittelmeerraum t\u00e4tig und lehrte zudem an den Hochschulen von Paris und Montpellier. Llull war beeinflusst durch die christliche, die islamische und die j\u00fcdische Kultur. Einen Gro\u00dfteil seiner Werke verfasste er auf lateinisch und katalanisch. Llull gilt daher als Begr\u00fcnder der Katalanischen Literatur.<br \/>\n[10] <strong>Jos\u00e9 Lu\u00eds Zapatero<\/strong>\u00a0war vom 17. April 2004 bis zum 20. Dezember 2011 Ministerpr\u00e4sident von Spanien sowie von Juli 2000 bis Februar 2012 Vorsitzender der PSOE (Partido Socialista Obrero Espa\u00f1ol; dt.: Spanische Sozialistische Arbeiterpartei).<br \/>\n[11]\u00a0<strong>Johann Gottfried Herder<\/strong> (1744-1803) war ein deutscher Dichter, \u00dcbersetzer, Theologe sowie Geschichts- und Kultur-Philosoph der Weimarer Klassik. Er wurde 1802 geadelt.<br \/>\n[12] <strong>Jordi Pujol<\/strong>\u00a0ist ein spanischer Politiker. Er war von 1980 bis 2003 Regierungschef Kataloniens sowie bis 2003 Vorsitzender der Partei Converg\u00e8ncia i Uni\u00f3.<br \/>\n[13] Die <strong>Venedig-Kommission<\/strong> (Europ\u00e4ische Kommission f\u00fcr Demokratie durch Recht) ist eine Einrichtung des Europarates, die Staaten verfassungsrechtlich ber\u00e4t.\u00a0Zu den T\u00e4tigkeiten der Kommission z\u00e4hlt u.a. die Begutachtung nationaler Verfassungsentw\u00fcrfe.\u00a0Die Venedig-Kommission und der Rat f\u00fcr Demokratische Wahlen haben Wahlgrunds\u00e4tze aufgestellt und einen <em>Verhaltenskodex f\u00fcr Wahlen<\/em> ausgearbeitet. Link zur Homepage: www.venice.coe.int\u00a0[abgerufen am 08.06.2018]<br \/>\n[14]\u00a0<strong>G\u00fcnther Patzig<\/strong> (1926-2018) war ein deutscher Philosoph und Experte f\u00fcr griechische Philosophie, f\u00fcr Logik und Geschichte der Logik, die Wissenschaftstheorie der Geisteswissenschaften sowie Ethik (Schwerpunkte: Bio- und Medizinethik).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Sturm ist Professor an der Autonomen Universit\u00e4t von Barcelona. Der katalanischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung steht er kritisch gegen\u00fcber. Sturm meint, der Fortschritt, den Katalonien jetzt braucht, muss darin bestehen, einen neuen Grundkonsens in der gespaltenen Bev\u00f6lkerung zu schaffen. 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