{"id":622747,"date":"2018-04-08T11:33:57","date_gmt":"2018-04-08T10:33:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=622747"},"modified":"2018-04-08T16:15:55","modified_gmt":"2018-04-08T15:15:55","slug":"stiftung-berliner-mauer-und-east-side-gallery-passen-nicht-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2018\/04\/stiftung-berliner-mauer-und-east-side-gallery-passen-nicht-zusammen\/","title":{"rendered":"\u00bbStiftung Berliner Mauer\u00ab und \u00bbEast Side Gallery\u00ab passen nicht zusammen!"},"content":{"rendered":"<h4 data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"32\"><strong>Warum wir uns den Ort der Erinnerung an 1989 nicht nehmen lassen d\u00fcrfen<\/strong><\/h4>\n<p><strong>\u00bbNur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.\u00ab Dies wusste bereits August Bebel. Und sein Satz ist heute noch genau so aktuell wie er es vor \u00fcber 100 Jahren war. Warnt er uns doch, wachsam im Umgang mit unserer Geschichte zu sein: <\/strong><\/p>\n<p>Am 27. M\u00e4rz 2018 hat der Berliner Senat beschlossen, neben dem Denkmal auch das Eigentum des hinter der \u00bbEast Side Gallery\u00ab gelegenen \u00bbFreiraums\u00ab an die Stiftung Berliner Mauer zu \u00fcbertragen. Gerade letzteres ist ein No-Go. Der gesetzliche Auftrag der Stiftung Berliner Mauer besteht im Kern darin, die Schrecken der Berliner Mauer sowie der Teilung zu dokumentieren und zu vermitteln. Dar\u00fcber hinaus soll ein w\u00fcrdiges Gedenken der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<p>Die \u00bbEast Side Gallery\u00ab und insbesondere der hinter ihr gelegene \u00bbFreiraum\u00ab stehen jedoch f\u00fcr etwas ganz anderes. Durch das Wirken und das Werk der \u00fcber 100 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler im Jahr 1990 wurde der einstige Ort des Schreckens in etwas Positives \u00bbtransformiert\u00ab. Der Geist der \u00bbEast Side Gallery\u00ab ist vom Ruf des Jahres 1989 nach Frieden, Freiheit und Demokratie gepr\u00e4gt. 1989 tr\u00e4umten die Menschen von mehr als von blo\u00dfer \u00bbWiedervereinigung\u00ab, wie es der gesetzliche Auftrag der Stiftung Berliner Mauer glauben machen wird.<\/p>\n<p>Nachdem sie lange unter Diktaturen gelitten hatten, ging es den Menschen unter anderem um einen Traum von Demokratie in ihrer reinsten Form. \u00bbDemokratie\u00ab ist Altgriechisch (\u03b4\u03b7\u03bc\u03bf\u03ba\u03c1\u03b1\u03c4\u03af\u03b1) und es bedeutet \u00bbHerrschaft des Staatsvolkes\u00ab \u2014 von d\u0113mos (\u03b4\u1fc6\u03bc\u03bf\u03c2) \u201eStaatsvolk\u201c und krat\u00f3s (\u03ba\u03c1\u03b1\u03c4\u03cc\u03c2) \u201eGewalt\u201c, \u201eMacht\u201c, \u201eHerrschaft\u201c. Gerade in den Monaten bis zu den ersten freien DDR-Volkskammerwahlen am 18. M\u00e4rz 1990 begannen die Menschen in der ausgeheneden DDR diese Urform der Demokratie zu leben. Die Herrschaft ging nicht blo\u00df vom Volk aus, wie es unsere geltende Rechtsordnung bestimmt, sondern das Volk herrschte in Form von \u00bbRunden Tischen\u00ab selbst.<\/p>\n<p>Und genau hieran m\u00fcssen wir uns erinnern (k\u00f6nnen), wenn wir unsere Zukunft selbstbestimmt und emanzipiert in die eigenen H\u00e4nde nehmen wollen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>&#8222;Nur wer die Vergangenheit kennt,<\/strong><\/em><br \/>\n<em> <strong> kann die Gegenwart verstehen<\/strong><\/em><br \/>\n<em> <strong> und die Zukunft gestalten.&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u2014 August Bebel \u2014<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>1989, nach Jahrzehnten entm\u00fcndigender Diktatur, hatten die Menschen weltweit wieder Tr\u00e4ume und Hoffnung \u2014 Tr\u00e4ume von einer besseren Welt, Tr\u00e4ume von Freiheit, Frieden und Demokratie. Doch diese wurden entt\u00e4uscht. W\u00e4hrend die chinesische Tian\u2019anmen-Protestbewegung bereits im Verlauf ihres Erbl\u00fchens blutig niedergewalzt wurde, folgten anderen Orts Ausverkauf, oligarche Strukturen, ein entfesseltes Finanzsystem und Globalisierung. Um so wichtiger ist es, dass wir uns der Gr\u00fcnde dieser Entt\u00e4uschung bewusst werden und uns der Tr\u00e4ume und Hoffnungen wieder erinnern, damit wir lernen, diese im Hier und Jetzt von den M\u00e4chtigen einzufordern. Gerade in Zeiten wachsender Emp\u00f6rung und gesch\u00fcrter Angst bedarf es positiver Orientierung. Insbesondere in diesem Zusammenhang k\u00f6nnte die East Side Gallery als <a href=\"https:\/\/monument-to-joy.org\/denkanstoss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbLebendiges Denkmal an die Freude\u00ab<\/a>, das selbstbestimmt f\u00fcr die Menschen verwaltet wird, einen wertvollen Beitrag leisten.<\/p>\n<h4><strong>1989 ging es um mehr als blo\u00dfe \u00bbWiedervereinigung\u00ab<\/strong><\/h4>\n<p>Auch in Deutschland geraten die urspr\u00fcnglichen Ziele der \u00bbFriedlichen Revolution\u00ab zunehmend in Vergessenheit. Keineswegs stand die deutsche \u00bbWiedervereinigung\u00ab im Fokus der fr\u00fchen oppositionellen Aktivit\u00e4t. Vielfach besch\u00e4ftigten sich bereits seit Jahren Gespr\u00e4chskreise unter dem Dach der Evangelischen Kirche mit Themen wie Auss\u00f6hnung, Frieden, Umwelt und der Situation von Minderheiten wie den Homosexuellen in der DDR. Oft war ihr Blick nach Polen gerichtet, wo sich bereits Keimzellen der sp\u00e4teren Gewerkschaftsbewegung \u00bbSolidarno\u015b\u0107\u00ab unter dem Dach der Katholischen Kirche herausgebildet hatten. Die staatlich verwehrte Reisefreiheit, eine sich dramatisch zuspitzende Versorgungslage, die von oppositionellen Gruppen nachgewiesene F\u00e4lschung der letzten DDR-Kommunalwahl vom 7. Mai 1989 sowie eine anhaltende und von massiven Repressalien begleitete politische Bevormundung der Bev\u00f6lkerung waren wohl die Hauptursachen f\u00fcr den sich anbahnenden \u201crevolution\u00e4ren\u201d Wandel.<\/p>\n<div id=\"attachment_1973\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1973\" class=\"wp-image-1973 \" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Alexanderplatz_demonstration_pamphlet.jpg?resize=400%2C285&amp;ssl=1\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" srcset=\"https:\/\/i2.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Alexanderplatz_demonstration_pamphlet.jpg?resize=200%2C143&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i2.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Alexanderplatz_demonstration_pamphlet.jpg?resize=300%2C214&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i2.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Alexanderplatz_demonstration_pamphlet.jpg?resize=400%2C285&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i2.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Alexanderplatz_demonstration_pamphlet.jpg?fit=435%2C310&amp;ssl=1 435w\" alt=\"Aufruf zur Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989\" width=\"785\" height=\"559\" \/><p id=\"caption-attachment-1973\" class=\"wp-caption-text\"><em>Aufruf zur Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989<\/em><\/p><\/div>\n<p>Als sich das DDR-Regime zudem gegen die Reformpolitik in Polen sowie die Politik von \u00bbGlasnost und Perestroika\u00ab von Michail Gorbatschow, dem Generalsekret\u00e4r des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), wandte und das Tian\u2019anmen-Massaker in Peking rechtfertigte, brach sich ein bis dahin unbekannter \u00f6ffentlicher Protest in Form von Massendemonstrationen Bahn, der die DDR-Oberen zunehmend vor sich her trieb. Die sich zunehmend \u00fcberschlagenden Ereignisse gipfelten in der Nacht des 9. auf den 10. November 1989 \u00fcberraschendim Fall der Berliner Mauer. G\u00fcnter Schabowski, Mitglied des Politb\u00fcros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), hatte auf einer legend\u00e4r gewordenen Pressekonfernz irrt\u00fcmlich eine neue und \u201eunverz\u00fcglich\u201d geltende DDR-Reiseregelung verk\u00fcndet.<\/p>\n<h4 data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"32\"><strong>Interim \u2014 6 Monate, in denen Demokratie gelebt wurde \u2026<\/strong><\/h4>\n<div id=\"attachment_2094\" class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 1130px;\">\n<div id=\"attachment_2094\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2094\" class=\"wp-image-2094\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0130-024_Berlin_2_Runder_Tisch_im_ADN.jpg?resize=600%2C392&amp;ssl=1\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" srcset=\"https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0130-024_Berlin_2_Runder_Tisch_im_ADN.jpg?resize=200%2C131&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0130-024_Berlin_2_Runder_Tisch_im_ADN.jpg?resize=300%2C196&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0130-024_Berlin_2_Runder_Tisch_im_ADN.jpg?resize=400%2C262&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0130-024_Berlin_2_Runder_Tisch_im_ADN.jpg?resize=600%2C392&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bundesarchiv_Bild_183-1990-0130-024_Berlin_2_Runder_Tisch_im_ADN.jpg?fit=800%2C523&amp;ssl=1 800w\" alt=\"Berlin, 30.1.1990: 2. Runder Tisch im ADN\" width=\"1130\" height=\"738\" \/><p id=\"caption-attachment-2094\" class=\"wp-caption-text\"><em> Berlin, 30.1.1990: 2. Runder Tisch im ADN. Die Leiter von zentralen Medien und die Medienbeauftragten der neuen Parteien und Organisationen treffen im Haus des Allgemeinen Nachrichtendienstes zum 2. Runden Tisch zusammen. ADN-Generaldirektor G\u00fcnter P\u00f6tschke (2.v.r.), Mathias W\u00fcrzberger (1.v.r.), G\u00fcnter Hundro (3.v.r.); Foto: Zimmermann, Peter | Lizenz: CC-BY-SA 3.0<\/em><\/p><\/div>\n<p>Obwohl nach wie vor im Amt, war das DDR-Regime \u00fcber Nacht Geschichte geworden. B\u00fcrgerrechtlerinnen und B\u00fcrgerrechtler, Kirchenleute, neue Parteien wie das \u00bbNeue Forum\u00ab, \u00bbDemokratie Jetzt\u00ab (DJ) und der \u00bbDemokratische Aufbruch\u00ab (DA), aber auch Vertreter alter DDR-Blockparteien wie die der \u00bbDDR\u2013CDU\u00ab wurden zu Wortf\u00fchrern. Zusehends mutiger forderten die Menschen ihre frisch erstrittene Freiheit von den M\u00e4chtigen ein. Spontan nahmen sie ihr Schicksal in die eigene Hand. Zum Beispiel besetzten sie Dienststellen des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit der DDR (Stasi), um geheime Akten vor der Vernichtung zu bewahren und auch Journalisten unternahmen erste Gehversuche auf unbekanntem Terrain \u2014 der frisch gewonnenen Pressefreiheit. Die Menschen begannen, Demokratie in ihrem ureigenen Sinn zu leben. Aller Orten bildeten sich \u00bbRunde Tische\u00ab nach polnischem Vorbild. Einvernehmlich beauftragte der Zentrale Runde Tisch der DDR eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Und nicht selten sahen sich extrem verunsicherte Funktion\u00e4re zunehmend selbstbewusster auftretenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern gegen\u00fcber, die ihnen Rede und Antwort abverlangten. Den Geist des Jahres 1989, mit seinen Hoffnungen und Tr\u00e4umen, aber auch die \u00c4ngste jener Tage haben die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler der \u00bbEAST SIDE GALLERY\u00ab 1990 auf Beton gebannt, der die Welt bis zum 9.\u00a0November 1989 martialisch in Ost und West teilte.<\/p>\n<h4 data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"32\"><strong>Auch die \u00bbFriedliche Revolution\u00ab entledigte sich ihrer Kinder \u2026<\/strong><\/h4>\n<p>Viel zu fr\u00fch, n\u00e4mlich bevor sich in der DDR eine eigene demokratische Identit\u00e4t sowie eigene demokratische Strukturen herausbilden konnten, entledigte sich die \u00bbFriedliche Revolution\u00ab bereits wieder ihrer Kinder. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr waren vielf\u00e4ltig. Entscheidend d\u00fcrfte jedoch gewesen sein, dass die oppositionellen Gruppen selbst von den sich \u00fcberschlagenden Ereignissen eingeholt und von J\u00e4gern zu Getriebenen wurden. Vormals intime Gespr\u00e4chskreise hatten sich quasi \u00fcber Nacht zu Parteien mit explodierenden Mitgliederzahlen gewandelt. Dieser Umstand beg\u00fcnstigte Hasardeure und erm\u00f6glichte es besser organisierten Interessengruppen wie den Parteien der alten Bundesrepublik und alten DDR-Kadern, eigene Kandidaten bestm\u00f6glich zu positionieren und auf den weiteren Verlauf der \u00bbFriedlichen Revolution\u00ab Einfluss zu nehmen. W\u00e4hrend sich westliche Finanzeliten in Goldgr\u00e4berstimmung befanden oder eine Chance sahen, durch die Nachkiegsregelung verloren geglaubtes Eigentum zur\u00fcckzuerlangen, setzte die immer noch einflussreiche Ostnomenklatura alles daran, ihren Einfluss in den Westen zu \u201cretten\u201d beziehungsweise sich dort bestm\u00f6glich einzurichten. Welche Gr\u00fcnde letztendlich den Ausschlag gaben, kann dahinstehen. Im Ergebnis \u00fcbert\u00f6nte jedenfalls der Ruf nach einem schnellen Beitritt zur alten Bundesrepublik die Rufe nach Reformen, Freiheit und Demokratie. Zwar brachte die einstige DDR-Opposition noch den Entwurf einer neuen DDR-Verfassung auf den Weg, doch war dieser Versuch, eine eigene politische Identit\u00e4t zu finden oder zumindest die anstehenden Beitrittsverhandlungen auf Augenh\u00f6he f\u00fchren zu k\u00f6nnen, bereits nach den ersten freien Wahlen zur DDR-Volkskammer am 18.\u00a0M\u00e4rz 1990 Geschichte. Er wurde zu den Akten gelegt. Die einstige DDR-Opposition hatte sich bei den ersten \u201cfreien\u201d Wahlen nicht im erforderlichen Ma\u00df durchsetzen k\u00f6nnen. Ihre politische Unerfahrenheit, fehlende Weitsicht, die rasche Einf\u00fchrung der D-Mark sowie die Angst, die historische Chance der \u00bbWiedervereinigung\u00ab zu verpassen, hatten ihre Wirkung getan. Den Rest besorgten die mehr als blo\u00df farblos wirkenden Vertreterinnen und Vertreter der neuen DDR-Regierung, die den Einigungsvertrag mit den Politprofis der alten Bundesrepublik aushandelten.<\/p>\n<h4 data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"32\"><strong>Der Traum vom schnellen Konsum hatte seinen Preis \u2026<\/strong><\/h4>\n<p>Rechtlich kn\u00fcpfte der schnelle Weg zur \u00bbWiedervereinigung\u00ab, der schlichte Beitritt der DDR zur alten Bundesrepublik, unmittelbar an den status quo der Rechts-, Besitz- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse an, wie sie zum Ende des 2. Weltkriegs \u2014 vor Gr\u00fcndung der DDR \u2014 bestanden hatten. Konsequent in diesem Denken wurden 40 Jahre DDR ohne R\u00fccksicht auf die Menschen einfach r\u00fcckabgewickelt. Alteigent\u00fcmer erhielten ihren durch die DDR-Bodenreformen verlorenen Grund und Boden zur\u00fcck, obwohl sie in der Regel bereits nach dem verlorenen Krieg finanziell entsch\u00e4digt worden waren. Hingegen erhielt ein durch 40-j\u00e4hrige Arbeit legitimiertes \u201cVolkseigentum\u201d kein juristisches Bestandsrecht. In direkter Folge der R\u00fcckabwicklung herrschten im Osten ab 1990 Unsicherheit und Angst. Angst, die Arbeit zu verlieren. Angst, keinerlei Rechte an der eigenen Wohnung zu besitzen. Allgemeine Zukunftsangst. Frust, Resignation und Ohnmacht ergriffen den Osten. Selbst der ertr\u00e4umte Konsum brachte nur denen Linderung, die es verstanden, die M\u00f6glichkeiten der \u201cfreien\u201d Marktwirtschaft zu nutzen. Im Ergebnis hatte der Westen den Osten konsumiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_1971\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1971\" class=\"wp-image-1971 size-400\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Zonen-gaby.jpg?resize=400%2C553&amp;ssl=1\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" srcset=\"https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Zonen-gaby.jpg?resize=200%2C277&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Zonen-gaby.jpg?resize=217%2C300&amp;ssl=1 217w, https:\/\/i1.wp.com\/monument-to-joy.org\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Zonen-gaby.jpg?fit=400%2C553&amp;ssl=1 400w\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"553\" \/><p id=\"caption-attachment-1971\" class=\"wp-caption-text\"><em>\u201cZonen-Gaby\u201d Titanic-Cover (Satire-Magazin), November 1989<\/em><\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum wir uns den Ort der Erinnerung an 1989 nicht nehmen lassen d\u00fcrfen \u00bbNur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.\u00ab Dies wusste bereits August Bebel. 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