{"id":454923,"date":"2017-04-18T16:04:18","date_gmt":"2017-04-18T15:04:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=454923\/"},"modified":"2017-04-18T16:08:58","modified_gmt":"2017-04-18T15:08:58","slug":"kunst-und-empathie-als-basis-fkunst-und-empathie-als-basis-fuer-interreligioeses-verstehenuer-interreligioesen-verstehens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2017\/04\/kunst-und-empathie-als-basis-fkunst-und-empathie-als-basis-fuer-interreligioeses-verstehenuer-interreligioesen-verstehens\/","title":{"rendered":"Kunst und Empathie als Basis f\u00fcr interreligi\u00f6ses Verstehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>In K\u00fcrze erscheint die zweite Ausgabe des Poesieprojektes <a href=\"http:\/\/www.promosaik.com\/cara-das-neue-poesie-und-kunstprojekt-von-promosaik-e-v-und-labgc\/\">CARA<\/a> in Zusammenarbeit mit der K\u00fcnstlerin <a href=\"http:\/\/promosaik.blogspot.com.tr\/2015\/10\/feminismus-und-kunst-im-plural.html\">LaBGC<\/a> auch in t\u00fcrkischer und arabischer \u00dcbersetzung. Pfr. Dr. Stephan Johanus hat das Vorwort zu CARA ausgehend von der Perspektive der interkulturellen Theologie verfasst. Vor der Buchpr\u00e4sentation, die im Mai in Z\u00fcrich stattfinden wird, fand Dr. Johanus Zeit einige Fragen zu beantworten.<em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Warum ist die interkulturelle Theologie von so gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr uns heute?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nun, ich sehe hier drei Gr\u00fcnde. Zwei davon sind f\u00fcr mich sachlicher Art, der dritte betrifft meine pers\u00f6nliche Erfahrung. Zum einen leben wir in einem neuen Zeitalter der Geschichte des Christentums. Was ich meine ist, dass sich heute die Mehrzahl der Christen in den nicht-westlichen L\u00e4ndern, den ehemaligen Entwicklungsl\u00e4ndern oder Schwellenl\u00e4ndern, aufhalten. Die Christen aus dem Abendland und den westlichen Kulturen sind inzwischen in der Minderheit weltweit.<\/p>\n<p>Die Interkulturelle Theologie besch\u00e4ftigt sich mit den Theologien aus Asien, Afrika, Lateinamerika, also aus Nicht-westlichen L\u00e4ndern, um sie zu verstehen. Lange Zeit haben die Christen aus diesen Kulturen die Europ\u00e4ische Theologie studiert. Jetzt ist es Zeit, dass wir nachziehen und auch die Theologien diesen jungen Kirchen wahrnehmen.<\/p>\n<p>Religi\u00f6se Erfahrungen, auch christlich-religi\u00f6se Identit\u00e4ten, machen sich immer mehr in einem interkulturellen Zwischenraum fest. Viele Menschen sind durch die Globalisierung Tr\u00e4ger von mehreren Kulturen geworden. Die interkulturelle Theologie ist eine Disziplin innerhalb des F\u00e4cherkanons der Theologie, die f\u00fcr das kulturelle Umfeld von Glaube und Religion sensibel macht. Wir brauchen heute diese Sensibilit\u00e4t und auch das Verstehen anderer Kulturen, verschiedener Spiritualit\u00e4ten und religi\u00f6ser Ausdruckformen. Obwohl die interkulturelle Theologie an verschiedenen Theologischen Fakult\u00e4ten ein neues Fach geworden ist, repr\u00e4sentiert dieses Fach meiner Meinung nach eher eine neue<\/p>\n<p>Perspektive, die in fast alle theologischen Disziplinen eine wichtige Rolle spielen sollte.<\/p>\n<p>Zum anderen ist mir das Christentum selbst erst durch eine Begegnung sehr fr\u00fch in meiner Biografie mit einer Kirche in Afrika plausibel geworden. Damals war ich eher gelangweilt von der Kirche in Deutschland und lutherische Christen in Tansania haben sozusagen meinen Glauben wieder gerettet durch ihre Vitalit\u00e4t, ihre Freude an Christus, ihre Begeisterung und ihre Gastfreundschaft, auch ihre Musik, afrikanische Musik nat\u00fcrlich! Das war von Anfang an f\u00fcr mich eine sehr positive Erfahrung.<\/p>\n<p><strong><em>Wie k\u00f6nnen wir heute die interkulturelle Theologie in den interreligi\u00f6sen Dialog einbringen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass wir unsere Erfahrungen des &#8222;Fremden&#8220; aus der interkulturellen Theologie mit in die Begegnung in den interreligi\u00f6sen Dialog sozusagen mitnehmen k\u00f6nnen. Erst einmal geht es da auch um ein Verstehen, auch wenn wir meinen, dass uns dieses Andere schon immer irgendwie bekannt sein m\u00fcsste. Aber das ist es nicht immer. Trotzdem m\u00fcssen Fremdheitserfahrungen nicht unbedingt negative Erfahrungen sein. Es kann auch einfach bedeuten, dass ich meinen Horizont erweitere und lerne Dinge anders zu sehen. Das k\u00f6nnen wir schon vorab \u00fcben. Obwohl mir manchmal auch bestimmte Formen der christlichen Religion z.B. inzwischen fremder sind, als die Ansicht von Buddhismus.<\/p>\n<p>Vielleicht kann man sagen, dass sich die interkulturelle Theologie und der interreligi\u00f6se Dialog gegenseitig erg\u00e4nzen. Sicherlich spielt der interreligi\u00f6se Dialog in den interkulturellen Theologien eine gr\u00f6\u00dfere Rolle bislang als bei uns, weil die nicht-westlichen Theologien meist aus einer Minderheitenkirche stammen, also von Christen die ganz nat\u00fcrlich in einer Situation eines ganz allt\u00e4glichen interreligi\u00f6sen Dialogs, oder besser noch einer interreligi\u00f6sen Konvivenz leben.<\/p>\n<p><strong><em>Wie k\u00f6nnen Kunstformen wie die Poesie den interkulturellen Dialog f\u00f6rdern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es gibt das seltsame Ph\u00e4nomen, dass mich Kunstformen aus anderen Kulturen eher ansprechen, mich direkter betreffen, als Kunstformen aus meinem eigenen Kulturkreis. Ich wei\u00df nicht, ob Ihnen das auch schon einmal so gegangen ist. Das bedeutet f\u00fcr mich einfach, dass es da Menschen gibt in einem anderen Land, die genau \u00fcber die gleichen Erfahrungen, W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume sprechen, die ich auch bei mir verborgen wiederfinde. Durch die gr\u00f6\u00dfere Distanz kommt mir etwas n\u00e4her. Das ist eine widerspr\u00fcchliche, aber reale Erfahrung, die ich nicht einfach erkl\u00e4ren kann. Manchmal sind es die kleinen Freiheiten, die es in anderen Kulturen gibt, die mich faszinieren und die ein gewisses Charisma freilegen, das es so bei uns nicht gibt.<\/p>\n<p>Ich habe z.B. einmal einen Afrikaner trommeln geh\u00f6rt in einer charismatischen Kirche. Es war ein ziemlich extatisches Trommelfeuer, irgendwie verr\u00fcckt. Und seine einzige Botschaft war: &#8222;God loves you!&#8220; Aber weil es irgendwie so exzessiv und extatisch daherkam, hab ich das wirklich verstanden. Der Mann hatte sich total verausgabt auf seiner Trommel. Das war Kunst f\u00fcr mich! Es war genial.<\/p>\n<p><strong><em>Warum haben Sie entschieden, sich dem CARA-Projekt anzuschlie\u00dfen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, entschuldigen Sie den religi\u00f6sen Ausdruck, ich wurde &#8222;berufen&#8220; dazu. Also, es war ein Anruf und ich wusste erst einmal nicht so richtig worum es geht. Dann haben mich die Gedicht doch angesprochen. Sie hatten etwas von den Haikus, die ich aus Japan kenne. Wenig Worte. Tiefe Bedeutung. Stille dazwischen. Das mag ich. Und die Bilder von LaBGC erinnerten mich an Illustrationen zu den Gedichtb\u00e4nden des M\u00f6nchen Ryokan. Die liebe ich. Sie sind ganz verspielt und naiv. Sie zeigen oft das Verliebtsein von Ryokan in die Natur.<\/p>\n<p><strong><em>Wie viel schwieriger oder wie viel einfacher ist der innermonotheistische Dialog, wenn man vorher die fern\u00f6stlichen Religionen studiert hat wie Sie?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine gute Frage. Der Dialog mit jemand, der ganz anders ist als wir, ist manchmal einfacher, als mit jemandem, von dem man meint, er sei eigentlich recht \u00e4hnlich, oder m\u00fcsste doch eigentlich doch die gleichen Ansichten haben wie man selbst. Dort wo die Unterschiede manchmal nicht so gro\u00df sind, ist das Bed\u00fcrfnis sich abzusetzen, umso gr\u00f6sser. Ich habe das geh\u00f6rt, dass es so z.B. zwischen der Christkatholischen Kirche in der Schweiz und den Lutheranern gehen soll, wenn die sich um die Liturgie streiten. Sie sind sich sehr \u00e4hnlich, aber im Detail haben sie dann doch andere Vorstellungen. Und an diesen kleinen Unterschieden h\u00e4ngen dann auch die Identit\u00e4ten. Das ist manchmal sehr schwierig. Das ist es einfacher festzustellen, naja, du bist halt ganz anders. Mhm. Interessant, wie du das siehst.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen komme ich mit Menschen aus buddhistisch gepr\u00e4gten Kulturen, wie z.B. Japanern, oftmals fast besser klar als mit Christen. Sie sind sehr offen und flexibel im Denken. Vielleicht ist das auch ein positives Vorurteil oder einfach eine Erfahrung, die ich bisher noch nicht anders gemacht habe. Aber das &#8222;undogmatische&#8220; Denken in den asiatischen Religionen ist mir sehr angenehm. Es kommt meiner methodistischen Interpretation des christlichen Glaubens sehr nahe, in der es auch weniger um Dogmen als mehr um Erfahrungen geht.<\/p>\n<p><strong><em>Welche sind Ihrer Meinung nach die gr\u00f6\u00dften Hindernisse und Herausforderungen f\u00fcr eine interkulturelle Gestaltung von Religionsgemeinschaften, im Besonderen in den kulturell so vielf\u00e4ltigen Religionen wie Christentum und Islam?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sie sprechen von kulturell verschieden gepr\u00e4gten Formen des Christentums? Oder des Islam? Nun, mit dem Islam habe ich mich bisher noch nicht sehr intensiv besch\u00e4ftigt. Grunds\u00e4tzlich denke ich da aber ein wenig wie Paulus, der den Ausspruch gepr\u00e4gt hat, zu suchen, was dem anderen dient. Es gibt in der interkulturellen Begegnung zwei Dimensionen. Die eine ist, dass ich auf mein Eigenes einmal verzichte und einfach einmal in die Form einsteige, in der andere kommunizieren k\u00f6nnen. Das betrifft nicht nur verschiedene Religionen und Kulturen, sondern auch innerhalb einer Gesellschaft verschiedene Milieus.<\/p>\n<p>Und dann gibt es auch Momente, wo ich einfach einmal von mir erz\u00e4hle, Formen gebrauche, die mir wichtig sind und die ich benutze, um mich auszudr\u00fccken. Auch wenn diese Formen f\u00fcr andere fremd sind, werden sie sie annehmen, oder zumindest &#8222;aushalten&#8220;, wenn sie die Erfahrung gemacht haben, das ich auch versuche mich in ihre Welt zu begeben. So spreche ich z.B. auch in der Schweiz ganz bewusst manchmal etwas Berliner Dialekt. Die Leute verstehen das ja und dann merken sie, er spricht jetzt die Sprache seiner Heimat, seines Herzens. Es klingt halt etwas schr\u00e4g in ihren Ohren, aber das bin ja ICH! Ein nicht-Schweizer, und das ist dann auch o.k.<\/p>\n<p>Das ist dann sogar etwas kostbares. Und dann schalte ich auch wieder etwas auf Schwietzerd\u00fctsch um. Interkulturelle Begegnungen und interreligi\u00f6ser Dialog bedeuten f\u00fcr mich nicht, dass ich nicht auch von meinen W\u00fcnschen, Hoffnungen und Glaubenswegen erz\u00e4hle. Nur dass dies alles in einem Raum der Freiheit geschieht, in dem auch der andere so sein kann, &#8222;wie ihm der Schnabel gewachsen ist&#8220; und wie er sich &#8222;von Herzen&#8220; ausdr\u00fccken kann. Nur so funktioniert die Br\u00fccke zwischen den Kulturen, wenn wir uns als Menschen begegnen und auch &#8222;von Herz zu Herz&#8220; kommunizieren. Dann verlieren die Kulturen ihren un\u00fcberwindbaren Graben.<\/p>\n<p>Nur haben wir Europ\u00e4er oftmals Schwierigkeiten &#8222;religi\u00f6s&#8220; zu sein. Das haben wir nicht ge\u00fcbt. Wo auch? In der staatlich verordneten Kirche, wo immer nur der Pfarrer sagt, wie alles richtig geht? Ich bin jetzt etwas polemisch, zugegeben. Aber da k\u00f6nnen wir sehr viel von Hindus, Muslimen, Buddhistischen und Schintoisten lernen.<\/p>\n<p><strong><em>Das Video von Aygun Uzunlar zur Ausgabe 1 von CARA<\/em><\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/h0WFZJeX5K0\" width=\"700\" height=\"400\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir Europ\u00e4er oftmals Schwierigkeiten &#8222;religi\u00f6s&#8220; zu sein. Das haben wir nicht ge\u00fcbt. Wo auch? In der staatlich verordneten Kirche, wo immer nur der Pfarrer sagt, wie alles richtig geht? 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Insegnante di lingue e traduttrice, da anni si occupa di storia e religione islamica, di questioni politiche ed umanitarie, di femminismo e diritti umani e di storia medio-orientale ed africana. Tra le varie pubblicazioni, soprattutto in lingua tedesca, figurano i testi italiani sui Corsari del Mediterraneo e sul filosofo Ren\u00e9 Gu\u00e9non. E' promotrice dell'Associazione per il dialogo interculturale e interreligioso Promosaik www.promosaik.com\",\"url\":\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/author\/milena-rampoldi\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Kunst und Empathie als Basis f\u00fcr interreligi\u00f6ses Verstehen","description":"Wir Europ\u00e4er oftmals Schwierigkeiten \"religi\u00f6s\" zu sein. Das haben wir nicht ge\u00fcbt. Wo auch? In der staatlich verordneten Kirche, wo immer nur der Pfarrer sagt, wie alles richtig geht? Ich bin jetzt etwas polemisch, zugegeben. 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