{"id":438215,"date":"2017-03-03T18:09:37","date_gmt":"2017-03-03T18:09:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=438215\/"},"modified":"2017-03-03T18:09:37","modified_gmt":"2017-03-03T18:09:37","slug":"umatter-wenn-die-leser-entscheiden-schlagzeile-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2017\/03\/umatter-wenn-die-leser-entscheiden-schlagzeile-macht\/","title":{"rendered":"umatter: Wenn die Leser entscheiden, was Schlagzeile macht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Journalismus kann nur frei sein, wenn er keiner Einflussnahme durch Wirtschaft und Politik unterliegt und ausschlie\u00dflich durch die Leserschaft finanziert wird. Das Start-up umatter geht noch einen Schritt weiter: Der Chefredakteur hat ausgedient, die Leser entscheiden \u00fcber Schlagzeile und Relevanz.<span id=\"more-37012\"><\/span><\/strong><\/p>\n<p>Allein die Leser sollen bei <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a> entscheiden, was wichtig ist und Schlagzeile macht. Ich sprach in Hamburg mit umatter-Gr\u00fcnder Cedric Stein \u00fcber seine Vorstellungen von Journalismus, den Kampf um die Meinungshoheit in den Medien und wie der Tod in Rio de Janeiro sein Weltbild ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>\u201eLeserfinanziert, recherchestark und interaktiv.\u201c So beschreibt Cedric Stein seine Start-up-Unternehmung umatter. Stein verfolgt die Idee, den Journalismus wieder unabh\u00e4ngiger von Werbeeinnahmen und politischen Einfl\u00fcssen zu machen und gleichzeitig die Leserschaft viel st\u00e4rker in die inhaltliche Ausrichtung einzubinden, als es in den meisten Medien geschieht. Selbst ein Chefredakteur wird nicht mehr gebraucht. \u201eBei umatter wird die Leserschaft entscheiden, was wirklich wichtig ist und Schlagzeile macht.\u201c<\/p>\n<p>Stein ist \u201eetwas nerv\u00f6s\u201c, sagt er, weil er nicht so oft Interviews gibt und auch, \u201eweil gerade die Finanzierungsfrage f\u00fcr die Startphase von umatter gekl\u00e4rt wird\u201c. Verhandelt wird aber nicht einer Bank oder einem Investor. \u201eAltruistische Investoren sind selten. Wer heute investiert, der will Rendite sehen und meistens auch inhaltlich mitreden. Dann w\u00e4re der Grundgedanke eines wirklich unabh\u00e4ngigen Journalismus, der sich am Leser orientiert sofort hinf\u00e4llig.\u201c<\/p>\n<p>Deshalb wird die Crowd mit dem Geldbeutel dar\u00fcber abstimmen, ob ihr freier Journalismus etwas wert ist oder nicht. \u201eUnsere Finanzierungskampagne ist gerade auf der <a href=\"http:\/\/www.startnext.de\/freejournalism\" target=\"_blank\">Crowdfunding-Plattform Startnext<\/a> angelaufen.\u201c<\/p>\n<h4><strong>\u201eWir brauchen Luft \u2026\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Um die ersten Monate zu finanzieren, sollen 165.000 Euro gesammelt werden. Bei dem ben\u00f6tigten Personalaufwand sind das Peanuts. \u201eWir haben ein f\u00fcnfk\u00f6pfiges Team f\u00fcr Programmierung und Organisation und dazu bisher zehn Journalisten, Tendenz steigend, die f\u00fcr uns schreiben\u201c, sagt Stein, der die ersten Schritte von umatter aus eigener Tasche bezahlt hat. \u201eIch hatte sechs Jahre lang eine Filmproduktion. Meine Anteile habe ich verkauft, um ein neues Mediensystem aufzubauen, weil ich mit dem heutigen Medienangebot unzufrieden bin und meine, dass man es besser machen kann.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_38420\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-38420\" class=\"wp-image-38420 \" src=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=474\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" srcset=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=474 474w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=948 948w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=150 150w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=300 300w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=768 768w\" alt=\"Bei umatter entscheiden die Leser was Schlagzeile macht und Relevanz hat.\" width=\"724\" height=\"379\" data-attachment-id=\"38420\" data-permalink=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2017\/02\/23\/umatter-wenn-die-leser-entscheiden-was-schlagzeile-macht\/facebook-titelbild\/\" data-orig-file=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=474\" data-orig-size=\"1200,628\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"facebook-titelbild\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Bei umatter sollen die Leser entscheiden was Schlagzeile macht und Relevanz hat.&lt;\/p&gt;\" data-medium-file=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=474?w=300\" data-large-file=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/facebook-titelbild.jpg?w=474?w=474\" \/><p id=\"caption-attachment-38420\" class=\"wp-caption-text\"><em>Bei umatter sollen die Leser entscheiden was Schlagzeile macht und Relevanz hat.<\/em><\/p><\/div>\n<p>Start a Revolution? \u201eNein\u201c, sagt er. \u201eIch habe die Weisheit ja nicht mit L\u00f6ffeln gegessen. Ich will weder den Journalismus noch die politische Berichterstattung neu erfinden, sondern eine Plattform schaffen, auf der die User sagen, was wichtig ist oder eben nicht.\u201c Ob das klappt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn das Crowdfunding erfolgreich ist.<\/p>\n<p>\u201eWir brauchen jetzt Luft f\u00fcr mindestens ein halbes Jahr\u201c, erkl\u00e4rt Stein, \u201edann wissen wir, ob die Zahl der Abonnenten ausreichen wird, um die finanzielle Basis und die Qualit\u00e4t dauerhaft zu sichern\u201c.<\/p>\n<p>Der Journalismus hat also seinen Preis. \u201eAuch kostenloser Journalismus ist nie umsonst. Du zahlst mit deinen Daten, mit dem Konsum von Werbung oder dadurch, dass dir eine bestimmte Meinung erz\u00e4hlt wird und manchmal alles zusammen.\u201c Davon kann und will man sich befreien. \u201eWenn die journalistische Leistung direkt von den Lesern finanziert wird, k\u00f6nnen sie eine hohe inhaltliche Qualit\u00e4t, Recherchezeit und eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen erwarten\u201c, meint Stein. Das w\u00e4re in einem werbefinanzierten Umfeld nicht gegeben.<\/p>\n<h4><strong>Gegen den Overflow an seichter Unterhaltung<\/strong><\/h4>\n<p>Kaum eine Publikation kommt ohne Werbeeinnahmen aus. Entsprechend gewichtet seien die Inhalte und die Art der Pr\u00e4sentation. Ver\u00f6ffentlich wird, was kurzfristig die Aufmerksamkeit der Leser auf sich zieht und die Werbung in den Fokus r\u00fcckt. \u201eDu klickst auf einen Beitrag und liest eine Werbeanzeige, oft, ohne das du es merkst\u201c, sagt Stein.<br \/>\nDie Verlage seien wirtschaftlich getrieben und Geschwindigkeit gehe deshalb vor Analyse und Genauigkeit. \u201eIch nenne das High-Speed-Journalismus. Wer zuerst \u00fcber eine Katastrophe berichtet und beispielsweise 10.000 tote Menschen meldet, der bleibt im Kopf und derjenige, der exakt analysiert und ein paar Tage sp\u00e4ter genau beschreibt, was passiert ist, wird nicht mehr geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Entertainment und seichteste Unterhaltung w\u00fcrden tiefgr\u00fcndige Beitr\u00e4ge und kritische Analysen \u00fcberfl\u00fcgeln. Der Journalismus w\u00fcrde dadurch immer st\u00e4rker zu einer Verkaufshilfe f\u00fcr Produkte und Dienstleistungen abgewertet. Dass sich die Werbung oft nicht mehr genug von redaktionellen Inhalten unterscheidet \u2013 sogenanntes Native Advertising, Advertorials oder Branded Content -, sei ein weiteres, aber nicht das entscheidende Problem.<\/p>\n<p>\u201eEntertainment braucht seinen Platz, aber dieser Overflow an Unterhaltung lenkt zu sehr ab\u201c, kritisiert Stein. Wer sich mit wichtigen Themen aus Politik und Gesellschaft auseinandersetzen will, der braucht \u201eZeit und gr\u00fcndlich recherchierte Hintergrundinformationen mit Quellen, die er pr\u00fcfen kann\u201c. Diese Angaben w\u00fcrden in vielen Medien oft fehlen oder zu intransparent dargestellt, sagt Stein.<\/p>\n<p>Dazu k\u00e4me der Kampf um die Meinungshoheit. \u201eDie meisten Medien haben eine feste politische Ausrichtung.\u201c Das w\u00fcrde einer inhaltlichen und kritischen Auseinandersetzung im Weg stehen, die alle Seiten gleicherma\u00dfen beleuchten soll. Das k\u00f6nne manchmal zu einseitiger Berichterstattung f\u00fchren. \u201eGerade Leitmedien, die eine gro\u00dfe Verantwortung \u00fcber die politische Bildung der Menschen haben, m\u00fcssen sehr genau hinschauen, einseitige Berichterstattung zu vermeiden.\u201c Dabei macht Stein den Journalisten keinen Vorwurf vors\u00e4tzlich zu handeln, sondern bem\u00e4ngelt die zugrundeliegenden Strukturen.<\/p>\n<h4><strong>Kein Cat Content, keine schnellen Klicks<\/strong><\/h4>\n<p>Bei <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a> soll das anders sein. Keine versteckten Algorithmen, die die Beitr\u00e4ge vorfiltern, keine Beeinflussung durch Werbepartner und auch keine inhaltliche Bevormundung durch eine Chefredaktion. \u201eWir wollen keinen neuen Filterdienst bauen.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcbersicht und Orientierung im Meer der Nachrichten versprechen schon andere Anbieter wie zum Beispiel piqd, Blendle oder updatemi. Wo ist der Unterschied? \u201epiqd geht einen \u00e4hnlichen Weg. Aber bei <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a> lassen wir den Inhalt nicht durch eine kleine Gruppe von Kuratoren aussuchen, die den Lesern mitteilen, warum etwas wichtig ist, sondern die Auswahl und Wichtigkeit wird durch das unmittelbare Feedback der Leser selbst bestimmt.\u201c<\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Kriterium sei, dass alle Inhalte ohne Einfluss von Dritten entstehen. \u201eAlso nur von <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a>-Autoren erstellt sind, die keinerlei Verpflichtung gegen\u00fcber Dritten haben. Ein ma\u00dfgeblicher Unterschied zu Inhalten von Kurationsplattformen.\u201c<\/p>\n<p>Wichtig klicken h\u00f6rt sich nach Facebook-Likes und Twitter-Herzchen an. \u201eNe, so l\u00e4uft das nicht\u201c, sagt Stein. Ein transparentes Bewertungssystem soll es richten, das eine Besonderheit aufweist, die es sonst nicht gibt. \u201eBevor du als Nutzer \u00fcberhaupt die Option hast, einen Beitrag zu bewerten, musst du den ganzen Artikel gelesen haben.\u201c Damit wird dem schnellen und vor allem bequemen Klick auf einen Like-Button ein Riegel vorgeschoben. \u201eErst wenn du dich mit dem Beitrag auseinandergesetzt hast und ihn wirklich kennst, sollst du eine bewusste Entscheidung f\u00fcr die Bewertung von Inhalt und Qualit\u00e4t treffen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_38428\" class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 746px;\" data-shortcode=\"caption\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-38428\" src=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=474\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" srcset=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=474 474w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=948 948w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=150 150w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=300 300w, https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=768 768w\" alt=\"Bei umatter sollen sich die Leser mit den journalistischen Inhalten auseinandersetzen bevor sie die Beitr\u00e4ge bewerten.\" width=\"736\" height=\"441\" data-attachment-id=\"38428\" data-permalink=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2017\/02\/23\/umatter-wenn-die-leser-entscheiden-was-schlagzeile-macht\/desktop_startseite_feb-2017\/\" data-orig-file=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=474\" data-orig-size=\"1280,766\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"desktop_startseite_feb-2017\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Bei umatter sollen sich die Leser mit den journalistischen Inhalten auseinandersetzen bevor sie die Beitr\u00e4ge bewerten.&lt;\/p&gt; \" data-medium-file=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=474?w=300\" data-large-file=\"https:\/\/neuedebatte.files.wordpress.com\/2017\/02\/desktop_startseite_feb-2017.jpeg?w=474?w=474\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\"><em>Bei umatter sollen sich die Leser mit den journalistischen Inhalten auseinandersetzen bevor sie die Beitr\u00e4ge bewerten.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf der Plattform soll grunds\u00e4tzlich jeder Journalist ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnen. \u201eDennoch haben wir eine Charta verfasst, die unsere Werte und Standards beschreiben. Will ein neuer Autor aufgenommen werden, entscheiden unsere Autoren gemeinschaftlich auf Grund seiner vorhergehenden Arbeiten, ob dieser mit den Werten unserer Charta kompatibel und die handwerkliche Qualit\u00e4t stimmig ist\u201c erkl\u00e4rt Stein. PR- und Werbetexte und Cat Content, will man der Leserschaft sowieso vom Hals halten. \u201eDas ist ein No-Go.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dferdem soll verhindert werden, dass <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a> zu einer Verteilungsdrehscheibe f\u00fcr Organisationen und Medien wird, die den Lesern mit ihren Artikel f\u00f6rmlich hinterherlaufen. \u201eDadurch entsteht ein Platz, auf dem der einzelne Leser seinen Autor und dessen Arbeit unterst\u00fctzen kann\u201c, sagt Stein, dem es noch um etwas anderes geht.<\/p>\n<p>\u201eIch sehe gro\u00dfe Probleme im Umgang mit Informationen und bei der Vermittlung von Wissen. Beides muss nach meiner Meinung Hand in Hand gehen. Deshalb soll ein Austauschen zwischen den Autoren und den Lesern entstehen.\u201c Der Autor erh\u00e4lt Feedback zu seinen Artikeln und der Leser wird kl\u00fcger? \u201eSo kann man sich das ungef\u00e4hr vorstellen.\u201c<\/p>\n<h4><strong>Sch\u00fcsse in Rio de Janeiro<\/strong><\/h4>\n<p>Wir wollten nicht nur \u00fcber ein Start-up und Entwicklungen in der Medienlandschaft sprechen, sondern auch \u00fcber den Tod in Rio de Janeiro. Denn der spielt eine wichtige Rolle, bei der Frage, warum neue Formen der Medien notwendig sind.<\/p>\n<p>\u201eIch habe Kommunikationsdesign studiert und war 2010 f\u00fcr ein Auslandssemester in Brasilien\u201c, erinnert sich Stein. \u201eDas hat mein Weltbild ver\u00e4ndert.\u201c Er spricht von der Armut, die nicht verdeckt werden kann, von kleinen Kindern, die um Mitternacht noch alle auf den Stra\u00dfen spielen und dem Krieg zwischen den Bewohnern der Favelas und der Staatsgewalt.<\/p>\n<p>\u201eIrgendwo konntest du des \u00d6fteren Sch\u00fcsse h\u00f6ren\u201c, sagt er und erinnert sich an einen besonders blutigen Tag, an dem ein Hubschrauber mit einer Rakete abgeschossen und viele Menschen get\u00f6tet wurden. \u201eMich hat erschrocken, wie selbstverst\u00e4ndlich es zur Kenntnis genommen wurde. Die Menschen waren zwar angespannt, aber eben auch an die Gewalt gew\u00f6hnt.\u201c Abgestumpft? \u201eJa. Irgendwie ist das verst\u00e4ndlich. Wenn du st\u00e4ndig Angst hast, leidet die Lebensqualit\u00e4t.\u201c Und warum sind die Verh\u00e4ltnisse, wie sie sind? \u201eDas wusste ich damals nicht wirklich. Es kam in den Medien auch kaum vor, au\u00dfer als Meldung, wenn wieder einer erschossen wurde.\u201c<\/p>\n<p>Kann man das mit Deutschland vergleichen? \u201eNein, \u00fcberhaupt nicht. Eine Stadt wie Hamburg ist im Vergleich zu Rio de Janeiro total safe.\u201c Und die Armut? \u201eDie nimmt auch hier zu, ist aber nicht so \u00f6ffentlich sichtbar. Armut im Alter zum Beispiel. Generell nehmen arme Menschen einfach weniger Teil an der Gesellschaft, sie sind unsichtbar geworden, ausgegrenzt. Das kann nicht richtig sein.\u201c<\/p>\n<p>Hat er das immer so kritisch gesehen. \u201eNicht wirklich. Aber w\u00e4hrend der Zeit in Brasilien habe ich angefangen, mir viele Fragen zu stellen, weil ich dazu Zeit hatte. Ein rares Gut, das heute viel zu wenig vorhanden ist. Sich Gedanken zu machen und sich selbst zu finden. Zu hinterfragen. Warum ist etwas so wie es ist? Wem n\u00fctzt was? Welche Gestaltungsm\u00f6glichkeiten hat die Politik wirklich? Welchen Einfluss \u00fcbt die Wirtschaft aus? Wie funktioniert das Finanzsystem? Wie funktioniert unsere Demokratie?\u201c Und weil die Medien keine ausreichenden Antworten geliefert haben \u2026 \u201ewar das meine Motivation, <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a> zu starten.\u201c<\/p>\n<p>Dort sollen alle Fragen gestellt werden d\u00fcrfen und vielf\u00e4ltige Antworten kommen k\u00f6nnen. \u201eWir werden alle Anfragen, die \u00fcber die Sozialen Netzwerke, unseren Live-Chat oder als E-Mail eintrudeln beantworten und <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a> bei verschiedenen Veranstaltungen vorstellen\u201c, sagt Stein. \u201eDamit die Menschen uns kennenlernen\u201c. Dazu geh\u00f6rt auch die Teilnahme an einem Start-up-Slam. \u201eDa gibt es dann <a href=\"http:\/\/www.umatter.news\/\" target=\"_blank\">umatter<\/a> in sechs Minuten \u2026\u201c (lacht).<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/k9RRXWzgTHc\" width=\"700\" height=\"400\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalismus kann nur frei sein, wenn er keiner Einflussnahme durch Wirtschaft und Politik unterliegt und ausschlie\u00dflich durch die Leserschaft finanziert wird. 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