{"id":409826,"date":"2016-12-29T15:18:18","date_gmt":"2016-12-29T15:18:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=409826"},"modified":"2017-01-12T14:31:06","modified_gmt":"2017-01-12T14:31:06","slug":"east-side-gallery-soll-ein-lebendiges-denkmal-der-freude-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/12\/east-side-gallery-soll-ein-lebendiges-denkmal-der-freude-werden\/","title":{"rendered":"East Side Gallery soll ein lebendiges Denkmal der Freude werden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dem Denkmalschutz zum Trotz wird die <\/strong><a href=\"http:\/\/www.eastsidegallery-berlin.de\/\"><strong>East Side Gallery<\/strong><\/a><strong> immer l\u00f6chriger und immer mehr verbaut. Hauptgrund daf\u00fcr ist, dass Privatinteresse \u00fcber Gemeingut und Gesetz gestellt wird. F\u00fcr die <\/strong><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=s0OuGP-L_GI\"><strong>Erhaltung des l\u00e4ngsten Mauerst\u00fccks<\/strong><\/a><strong>, das 1990 von 118 K\u00fcnstlern aus 21 L\u00e4ndern bemalt wurde, setzen sich Menschen im In- und Ausland ein. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Mclean, Mitbegr\u00fcnderin der East Side Gallery, zusammen mit Jordi P\u00e9rez und Thomas Rojahn haben mehr als <a href=\"https:\/\/eastsidegalleryretten.wordpress.com\/\">die Rettung<\/a> im Sinn. Die East Side Gallery soll ein <a href=\"https:\/\/monument-to-joy.org\/\">lebendiges Denkmal der Freude<\/a> werden. Im Weltrestaurant in Kreuzberg erkl\u00e4ren mir die drei ihr Vorhaben und ihre Beweggr\u00fcnde. <\/strong><\/p>\n<p>Jordi P\u00e9rez: Als Initiative <a href=\"https:\/\/eastsidegalleryretten.wordpress.com\/\">B\u00fcndnis East Side Gallery retten!<\/a> sind wir gegen die Bebauung und wollen das Gel\u00e4nde so erhalten. Einige Monate lang hatten wir einen Infocaravan dort stehen. Wir haben oft dar\u00fcber geredet, was uns dahinzieht und was die Mauer f\u00fcr uns bedeutet. Dabei kam das Gespr\u00e4ch oft auf den Roman \u201eGeteilter Himmel\u201c von Christa Wolf, dessen Titel f\u00fcr mich eher eine Plattit\u00fcde war. Bis ich einmal an eine Stelle kam, die in mir den Eindruck erweckte, dass die alte Berliner Mauer noch geschlossen sei. An dieser besonderen Stelle konnte man weder den Anfang noch das Ende der Galerie sehen. Dann habe ich hochgesehen und es hat klick gemacht. Pl\u00f6tzlich konnte ich ihn sehen, den geteilten Himmel. Ich sah das Blau und diese krasse Mauer. Darum ist uns die freie Sicht so wichtig. Genau dort, wo ich diese Erfahrung hatte, steht jetzt ein Hochhaus. Diese Erfahrung ist einfach nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Christine Mclean: Als 2013 ein Teil der Mauer eingerissen wurde, da war das internationale Echo enorm gro\u00df. Bevor die deutsche Presse \u00fcberhaupt reagierte, war Voice of America vor Ort. In den Monaten darauf, als um die Mauer gerungen wurde, kamen Fernsehteams aus Korea, China, Finnland, und nat\u00fcrlich auch aus der USA und dem UK. Als Ausl\u00e4nderin ist es f\u00fcr mich unverst\u00e4ndlich, wie aus einem unter denkmalschutzstehenden Objekt einfach ein St\u00fcck rausgebrochen werden kann. Der Berliner Senat versteht die Bedeutung dieses Monuments einfach nicht. Au\u00dferhalb von Deutschland scheint man es viel eher zu begreifen. Au\u00dferdem wird hier geltendes Recht gebrochen. Da darf nicht gebaut werden und der Senat tut so, als ob es einen Ermessenspielraum geben w\u00fcrde.<\/p>\n<div id=\"attachment_413908\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-413908\" class=\"wp-image-413908 size-full\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_2178.jpg\" alt=\"img_2178\" width=\"1200\" height=\"800\" \/><p id=\"caption-attachment-413908\" class=\"wp-caption-text\"><em>Thomas Rojahn, Christine Mclean und Jordi P\u00e9rez<\/em><\/p><\/div>\n<p>Jordi: Die Bemalung der Ostseite der Berliner Mauer zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbr\u00fccke im Jahr 1990 wurde vom Ministerrat der DDR offiziell genehmigt. Ironischerweise ist es dem Ostmagistrat zu verdanken, dass die East Side Gallery heute noch steht. Die Bebauung auf dem ehemaligen Todesstreifen verst\u00f6\u00dft gegen Berliner Denkmalschutzrecht (\u00a710 DSchG Bln). Da die East Side Gallery ja eine Grenze ist, muss sie auch als solches wahrnehmbar bleiben. Ein Neubau ist verboten, wenn in den Wirkungsbereich des Denkmals eingegriffen wird.<\/p>\n<p><strong><em>Wie unterscheidet sich die East Side Gallery von den anderen Erinnerungsst\u00fccken in Berlin und von dem Mauermuseum? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Jordi: Die East Side Gallery ist kein Bestandteil einer negativen Gedenkkultur, wie sie in Berlin so oft zu finden ist. Es geht nicht um die Dokumentation des Schreckens, sondern sie ist ein Symbol der Hoffnung und der Freude.<\/p>\n<p>Christine: Es waren nicht unbedingt ber\u00fchmte K\u00fcnstler, die 1990 die Mauer bemalten, und viele von ihnen kamen aus dem Osten. Vorher durfte man ja nicht mal auf die Mauer spucken, geschweige denn malen. Die Bilder handeln vorwiegend von Frieden, Toleranz und Liebe.<\/p>\n<p>Jordi: Da sind die Tr\u00e4ume, Hoffnungen und auch die \u00c4ngste, die 1989 in der Zeit des Mauerfalls in Ost und West vorgeherrscht haben. Vor allem aber eine Aufbruchsstimmung, dass der Kalte Krieg vorbei ist, dass die Welt eine neue Chance bekommen hat. Diese Stimmung hat sich durch die K\u00fcnstler in den Bildern manifestiert und ist auch heute noch zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>In der Zeit danach ist auch viel passiert, was vergessen gegangen ist. Ausgehend von der Friedens- und Umweltbewegung ist in der DDR Demokratie entstanden. Noch w\u00e4hrend der Diktatur haben sich runde Tische gebildet und angefangen quasi auf Augenh\u00f6he mit den M\u00e4chtigen zu reden. Es war ein sehr progressiver Moment, die Leute wurden kreativ und K\u00fcnstler konnten sich endlich wieder zu Wort melden. Es wurde auch \u00fcber verschiedene Regierungsformen nachgedacht und der Entwurf f\u00fcr eine Verfassung ausgearbeitet, der kurz vor der Widervereinigung zu den Akten gelegt wurde.<\/p>\n<p>Diese Aufbruchsstimmung und dieses Gef\u00fchl der Freiheit war gerade der spannende Moment. Wenn wir heute zur\u00fcckschauen, denken die Menschen doch in erster Linie an die Wiedervereinigung. Durch die Wiedervereinigung wurde diese Aufbruchsstimmung einfach konsumiert. Sp\u00e4testens mit dem Begr\u00fc\u00dfungsgeld war der Moment dann weg oder es hat die Bev\u00f6lkerung nicht mehr interessiert.<\/p>\n<p>Das Ende des Kalten Krieges, das eines der gr\u00f6\u00dften Katastrophen der Weltgeschichte h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, wurde friedlich \u00fcber Nacht einfach Realit\u00e4t. Die Freude dar\u00fcber und die Kraft, die damals freigeworden ist, das sp\u00fcrt man heute noch in Berlin. Das ist genau dieses Berlin-Gef\u00fchl, diese Freiheit, die man hier in Berlin hat. Das sind noch die Sp\u00e4twehen aus dieser Zeit, als sich die Kreativit\u00e4t pl\u00f6tzlich potenzieren konnte. F\u00fcr diese stimmungsvolle Zeit ist die East Side Gallery ein Zeugnis. Man sollte sich an die Kr\u00e4fte und die Gedanken von damals erinnern und nicht den Fokus alleine auf die Widervereinigung von 1990 lenken. Erkennen, was im Wendejahr hier genau passiert ist und ob sich da etwas finden l\u00e4sst, woran man ankn\u00fcpfen kann, um eine bessere Welt zu schaffen. Das ist der Ansatzpunkt des Denkmals an die Freude. Die Idee, das Projekt <a href=\"https:\/\/monument-to-joy.org\/\">Monument to Joy<\/a> zu nennen, kam von Thomas.<\/p>\n<p>Thomas Rojahn: Ich assoziiere die Freude, die damals herrschte, und dass sich wildfremde Menschen auf der Stra\u00dfe umarmten, mit der Ode an die Freude, Beethovens 9. Symphonie. Man muss sich einfach die Bilder der Nacht, in der die Berliner Mauer fiel, in Erinnerung rufen. So oder \u00e4hnlich stelle ich mir den Moment vor, den Schiller und Beethoven zum Ausdruck bringen wollten. Einen utopischen Moment, in dem die Menschen wahrlich zu Schwestern und Br\u00fcder werden.<\/p>\n<div class=\"post-gallery\">\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/940x528-720x405.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/mauerfall_trabi.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/mauerfall3-DW-Berlin-Berlin-Sektorengrenze-jpg-720x344.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/19891001_DDRUebersiedler_Prag_Ausreise.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/mauerfall104_v-contentgross.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/traenen-DW-Berlin-Berlin-jpg-720x344.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure><\/div>\n<p>Mit <a href=\"https:\/\/monument-to-joy.org\/\">Monument to Joy<\/a> versuchen wir an diese Zeit anzukn\u00fcpfen. Die East Side Gallery soll an diese Freude erinnern, und dass einem die Freiheit nicht geschenkt wird. F\u00fcr diese muss man streiten, sich Gedanken machen und sich engagieren.<\/p>\n<p>Jordi: Etwas pathetisch ausgedr\u00fcckt: zum Zeitpunkt des Mauerfalls hat der Fl\u00fcgel der Tochter von Elysium die Erde ber\u00fchrt. An dem Tag herrschte wirklich Freude, da kam es nicht wirklich darauf an, welchem Stande man angeh\u00f6rte oder welcher Mode man folgte. Es herrschte die pure Freude.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte man die East Side Gallery als manifest gewordene Ode an die Freude verstehen. Die Freude wird zum verbindenden Element der Menschen und \u00fcberwindet alle augenscheinlichen Unterschiede, die uns trennen.<\/p>\n<p>Diese von Schiller und Beethoven gedachte Utopie wurde in dieser Sekunde, es war ja nur ein Fl\u00fcgelschlag, Wirklichkeit. Darauf folgte der Konsum und die Freiheit wurde vereinnahmt. Deshalb braucht es die Gallery als Symbol und als Finger in der Wunde, dass es nicht auf den Tag der Wiedervereinigung ankommt, sondern auf den Mauerfall und die Zeit davor, auf das demokratisch-freiheitliche Denken, dass sich da vor allem im Osten seine Bahn gebrochen hat. Wir wollen die Menschen einladen genau dort erneut anzusetzen, mutig zu werden und sich zu engagieren.<\/p>\n<p><strong><em>Braucht es erneut eine Wende?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Jordi: Vor allem braucht es eine Richtung! Die Leute sind zu tiefst verunsichert, es herrscht viel negative Energie vor. Es ist einfach wichtig ein Symbol zu setzten, um eine positive Orientierung in Bezug auf Menschenrechte, Freiheit und Solidarit\u00e4t zu geben.<\/p>\n<p>Was wir zurzeit in Europa und insbesondere in der Fl\u00fcchtlingsproblematik erleben ist erschreckend. Insbesondere ist es ein Greul zu sehen, dass an der t\u00fcrkisch-syrischen Grenze eine neue Mauer errichtet wird, indirekt finanziert durch die deutschen Beitr\u00e4ge. Wir igeln uns ein, im Mittelmeer ertrinken die Menschen zu Tausenden und wir sind nicht in der Lage zu erkennen, dass die Ursachen bei uns liegen. Wir wollen den Reichtum sch\u00fctzen, den wir der Welt mit unmenschlichen Wirtschaftsgebaren, mit Bank- und Finanzmacht abpressen. Wir wollen keine Szenarien des Schreckens sch\u00fcren, wie das die extreme Rechte so gerne tut, sondern ein eindeutiges Symbol f\u00fcr Freiheit und Freude schaffen. Darum ist die East Side Gallery so wichtig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-413952\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC_0438_2000x666-1.png\" alt=\"dsc_0438_2000x666\" width=\"2000\" height=\"666\" \/><\/p>\n<p>Es gibt keine genauen Zahlen, aber j\u00e4hrlich pilgern um die 5 Millionen Menschen zur East Side Gallery. Das muss ja einen Grund haben. Zum Teil kommen die Leute wegen der Kunst, andererseits bin ich \u00fcberzeugt, dass es dieses Freiheitsgef\u00fchl ist, das die Leute anzieht, auch wenn ihnen das vielleicht gar nicht so bewusst ist.<\/p>\n<p><strong><em>Ist das eine Neuausrichtung der urspr\u00fcnglichen Idee, Christine?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Christine: Es ist eine konsequente Weiterf\u00fchrung. Die Mauer ging ja nicht einfach auf, sondern die Grenze wurde schrittweise gelockert. An der Oberbaumbr\u00fccke standen die Menschen Schlange, um zu Fu\u00df hin\u00fcberzugehen, weil es bei dem herrschenden Verkehrschaos damals oft schneller war, als mit dem Auto. Wir, die K\u00fcnstler, die damals an der Mauer gearbeitet haben, haben die Gespr\u00e4che der Menschen geh\u00f6rt, wir konnten die Energie und die Gef\u00fchle wahrnehmen und viele K\u00fcnstler wurden dadurch in ihrer Arbeit beeinflusst. Als Heilpraktikerin sehe ich das so, dass die Mauer durch die Arbeit und die Energie, die von jedem reingesteckt wurde, gewandelt und geheilt wurde. Viele Menschen sind wegen dieser Mauer gestorben, wir haben die Mauer transformiert.<\/p>\n<p><strong><em>Wie sieht das Konzept f\u00fcr das Denkmal an die Freude aus?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Thomas: Auf der Webseite unserer Initiative \u201a<a href=\"https:\/\/monument-to-joy.org\/home\/east-side-gallery-ein-denkmal-die-freude\/\">East Side Gallery &#8211; ein Denkmal an die Freude<\/a>\u2018 findet man den <a href=\"https:\/\/monument-to-joy.org\/home\/east-side-gallery-ein-denkmal-die-freude\/denkanstoss-fuer-ein-lebendiges-denkmal-east-side-gallery\/\" target=\"_blank\">Denkansto\u00df<\/a>. Es hat auch einen Grund, dass es Denkansto\u00df und nicht Konzept hei\u00dft. Wir w\u00fcnschen uns eine Initiative von unten und alle sollen mitreden k\u00f6nnen. Es soll nicht von oben etwas Schickes vorgegeben werden. Die Menschen sollen sich \u00fcberlegen, was sie an diesem bedeutungsvollen Ort sehen wollen. Der Denkansto\u00df soll einfach Inspirationspunkte liefern, in welche Richtung das gehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Jordi: Besonders gef\u00e4llt uns die Idee, eine \u201eSpeakers\u02be Corner\u201c einzurichten. Als Symbol der Freiheit sollte der Berliner Senat \u00e4hnlich wie London ein Gesetz verabschieden, damit jeder dort frei reden darf.<\/p>\n<p>Deutschland br\u00fcstet sich ja gerne mit seiner Meinungsfreiheit und dem Demonstrationsrecht. Tats\u00e4chlich sieht man schnell, dass die Realit\u00e4t anders aussieht. Ich bin mal vom Staatsschutz abgeholt worden, weil ich den ganzen Tag an der East Side Gallery Flyer verteilt habe. Auch darf man in Deutschland nicht spontan ein Transparent hochhalten, das wird in einem solchen Fall von der Polizei beschlagnahmt. Darum braucht es eine Speakers\u02be Corner, um zu zeigen, dass nicht alles so schick ist.<\/p>\n<p>Thomas: Wir w\u00fcrden auch gerne K\u00fcnstler zu Happenings einladen. Hinter der East Side Gallery gibt es noch viel Platz, den man gut f\u00fcr tempor\u00e4re Kunst n\u00fctzen k\u00f6nnte. Graffiti und Street Art geh\u00f6ren zur Mauer dazu und durch das Aufstellen von W\u00e4nden k\u00f6nnte man auch f\u00fcr diese Art von Kunst einen legalen Freiraum schaffen. Nur um ein Beispiel zu nennen. W\u00fcrden wir au\u00dferdem die in der n\u00e4heren Umgebung vorhandenen Infrastruktur (z.B. Radialsystem) f\u00fcr Kongresse, Symposien, Konzerte zum Leitthema nutzen, k\u00f6nnte die East Side Gallery eine viel gr\u00f6\u00dfere Strahlkraft bekommen.<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass es kein musealisches St\u00fcck bleibt, sondern ein lebendiges Denkmal an die Freude daraus wird, woran die Leute best\u00e4ndig arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jordi: Die Gefahr, dass es anders l\u00e4uft, ist allerdings gro\u00df. Wir haben jetzt bereits drei Museen im Umkreis, die sich auch East Side Museum oder \u00e4hnlich nennen. Wir m\u00fcssen einfach aufpassen, dass die Strahlkraft der East Side Gallery nicht einfach kommerziell konsumiert und ausgeschlachtet wird. Dass ist die gr\u00f6\u00dfte Angst, die ich habe.<\/p>\n<p><strong><em>Was braucht es, um diese Idee zu verwirklichen? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Christine: Wir wollen vor allem die Leute von au\u00dferhalb mobilisieren, beispielsweise mit einer <a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/nationales-denkmal-east-side-gallery-retten-keine-luxuswohnbebauung-auf-dem-ehemaligen-todesstreifen\">internationalen Kampagne<\/a>.<\/p>\n<p><strong><em>Vielen Dank f\u00fcr das spannende Gespr\u00e4ch!<\/em><\/strong><\/p>\n<div class=\"post-gallery\">\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/info_caravan2.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/roger_waters.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/living_levels2.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/info_caravan3.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/25jahre_mauerfall.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Denkmalschutz zum Trotz wird die East Side Gallery immer l\u00f6chriger und immer mehr verbaut. 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