{"id":385411,"date":"2016-10-19T12:25:03","date_gmt":"2016-10-19T11:25:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/?p=385411"},"modified":"2016-10-19T12:25:03","modified_gmt":"2016-10-19T11:25:03","slug":"fuer-einen-positiven-gewaltfreien-journalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/10\/fuer-einen-positiven-gewaltfreien-journalismus\/","title":{"rendered":"F\u00fcr einen positiven, gewaltfreien Journalismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sabine Kroesen aus Wien: f\u00fcr einen positiven, gewaltfreien Journalismus<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>von Milena Rampoldi, ProMosaik. Anbei mein Interview mit der Friedensaktivistin aus Wien Sabine Kroesen des deutschsprachigen Teams von Pressenza. In diesem Interview habe ich vor allem das Ziel verfolgt, auf die Bedeutung der alternativen Medien f\u00fcr den Frieden und die Menschenrechte zu fokussieren. Positive Themen m\u00fcssen mehr in die Medien, um Menschen davon zu \u00fcberzeugen, dass Fremd nicht gleich Schlecht bedeutet und dass Fl\u00fcchtlinge und Ausl\u00e4nder Menschen sind wie wir, weil wir alle nur zu einzigen Familie der Menschheit geh\u00f6ren. In dieser Perspektive werden Migration und Fl\u00fcchlingsbewegungen zur einer wichtigen Chance f\u00fcr das menschliche und diverse Wachstum unserer Gesellschaften. Akzeptanz und nicht milit\u00e4rische Macht sind die richtige Antwort auf Menschen, die Schutz bei uns suchen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Welche Hauptthemen gehen Sie in Ihren Artikeln an?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sabine Kroesen: Ich bewege mich vor allem in den Themen Frieden, Abr\u00fcstung, Fl\u00fcchtlinge, Berichte\/Interviews \u00fcber Menschen, die in diesem Thema aktiv sind oder \u00fcber ihr Erlebtes berichten wollen. In meiner Umgebung gibt es so viele Vorurteile und Diskriminierung gegen\u00fcber Fremden, auch in der eigenen Familie. Ich m\u00f6chte einen Beitrag leisten, dass die Menschen sich mit diesem \u201eFremden\u201c konfrontieren.\u00a0 Dass sie verstehen, dass diese Meinungen, Bilder, Realit\u00e4ten und Vorurteile in ihrem Kopf sind, produziert auf der einen Seite durch Manipulation, aber auch durch die eigene Unsicherheit, Angst vor der Zukunft noch best\u00e4rkt wird.<\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Wie wichtig ist der Journalismus f\u00fcr die Menschenrechte gerade heute in \u00d6sterreich?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sabine Kroesen: Mir f\u00e4llt immer wieder auf wie viele mit Absicht manipulierte Nachrichten im Umlauf sind. Wie ich schon sagte, das kann ich am besten in meiner Familie und Umgebung feststellen. Ich habe vor kurzem meine Schwester zum Peace Heroes Walk Vienna mitgenommen. Sie kommt aus einer Kleinstadt und die Menschen dort haben eher eine Mainstream-Meinung, die sie aus der Tageszeitung bekommen (Moslems sind Terroristen, Ausl\u00e4nder sind Schuld an\u2026\u2026 etc.). Als wir dort waren haben wir festgestellt, dass es vor allem Nicht\u00f6sterreicher waren, die zu diesem Peace Heroes Walk gekommen sind, w\u00e4hrend die \u00d6sterreicher \u00fcberwiegend shoppen waren.<\/p>\n<p>Es waren vor allem Menschen aus Pakistan und Afghanistan dort. Das zeigt eine andere Seite.\u00a0 Moslems setzen sich f\u00fcr den Frieden ein. Und ich denke es ist wichtig dar\u00fcber zu berichten, dass wir viel mehr sind, die den Frieden wollen als umgekehrt. Und dass es nicht davon abh\u00e4ngig ist aus welchem Land wir kommen oder ob wir eine Religion haben.<\/p>\n<p>Wie eine liebe Freundin bereits sagte: We are only one race. A HUMAN RACE.<\/p>\n<p>Journalismus bedeutet eine gro\u00dfe Verantwortung. Wir k\u00f6nnen einen gro\u00dfen Beitrag leisten, indem wir die Welt von vielen anderen Seiten zeigen. Zum Beispiel all die vielen Aktivisten, alleine hier in\u00a0 Wien, die sich f\u00fcr den Frieden einsetzen.<\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Was k\u00f6nnen wir als Aktivisten tun, um uns der Fremdenfeindlichkeit im Westen zu widersetzen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sabine Kroesen: Es gibt sehr viele Menschen, die sich f\u00fcr den Frieden, die atomare Abr\u00fcstung, die Gewaltfreiheit einsetzen. Ich sehe aber auch immer noch, dass sich diese Menschen nicht wirklich zusammentun. Jede Gruppe, Organisation oder Einzelperson arbeitet noch ziemlich isoliert, macht ihre eigenen Veranstaltungen. Es ist ganz wichtig, dass gerade diese Leute, die dieselbe Vorstellung einer gewaltfreien Welt teilen, sich zusammentun und vernetzen. Denn wir, die den Frieden wollen, sind viele. Auch hier funktioniert die Manipulation. Die Massenmedien vermitteln uns eine Realit\u00e4t, dass die Welt voller Gewalt, Diskriminierung und Kriege ist.<\/p>\n<p>Ich habe immer festgestellt, dass Fremdenfeindlichkeit oft da ist, wenn die Menschen isoliert sind und nicht erkennen, dass Vielfalt eine Bereicherung ist. Als ich vor kurzem in Berlin beim\u00a0 Friedenskongress war, dachte ich mir wie sch\u00f6n k\u00f6nnte doch die Welt sein. Es waren viele Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern da. In solchen Momenten freust du dich \u00fcber die Verbundenheit, den Austausch und denkst nicht dar\u00fcber nach was dich vom anderen trennt. Ich denke das ist etwas ganz wichtiges. Aber in der Gesellschaft lernst du von Anfang an deinen Blick auf das zu richten, was dich vom anderen trennt, was die Unterschiede sind. Schon in der Schule, der hat bessere Noten, der ist gr\u00f6\u00dfer oder sch\u00f6ner, dicker oder d\u00fcnner als du. Das Gemeinsame zu sehen und nicht was uns trennt w\u00e4re schon ein Anfang.<\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Wie k\u00f6nnen wir mit unserer Arbeit den Frieden f\u00f6rdern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sabine Kroesen: Nachdem ich jetzt \u00fcber 25 Jahre in den Themen Nichtdiskriminierung und Gewaltfreiheit aktiv bin, habe ich vor kurzem \u00fcberrascht festgestellt, wie viel innere Gewalt ich noch immer mit mir rumtrage und auch gegen mich selber aus\u00fcbe. Das w\u00e4ren zum Beispiel die Erwartungen, die ich an mich stelle, mich f\u00fcr Fehler abzuwerten, der eigene\u00a0 Blick, den ich von mir habe, die Moral, die Ressentiments aus der Vergangenheit, Situationen, die einem passiert sind, und noch so einiges. Das alles erzeugt in mir ein Gef\u00fchl von Gewalt. Und das hat die Konsequenz, dass ich meine Umgebung dann auch nicht besonders gut behandle, wenn ich nicht darauf achte. Aber das ist ein zu gro\u00dfes Thema. Was ich damit meine ist, dass man seine eigene innere Gewalt \u00fcberwinden muss. Den Frieden f\u00f6rdern bedeutet f\u00fcr mich auch die eigene Gewalt zu entdecken, zu transformieren, sich mit sich selber zu vers\u00f6hnen, mit anderen und seine eigenen pers\u00f6nlichen Erfahrungen anderen weiter zu geben. Friedensarbeit beginnt in einem selber.<\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach die Vernetzungen und Kooperationen unter den alternativen Medien f\u00fcr die Befriedung unserer Welt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sabine Kroesen: F\u00fcr mich hat alles andere auch keinen Sinn. Es ist gerade in der heutigen Zeit wichtig sich zu vernetzen und nicht isoliert zu arbeiten. Leider wird in den Medien kaum \u00fcber solche Vernetzungen und Kooperationen berichtet. Es scheint so, als ob alles verhindert wird, dass die Leute erfahren, dass es durchaus vernetzte Gruppen, Medien und Personen gibt. Damit w\u00e4ren wir wieder bei der Manipulation und der Vermittlung von bestimmten Realit\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Wie wichtig sind \u00dcbersetzungen von Inhalten \u00fcber Menschenrechte und Friedensarbeit zwecks Verbreitung humanistischer und pazifistischer Inhalte auch in anderen Kulturen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sabine Kroesen: Gerade deshalb finde ich die Arbeit von Pressenza so wichtig. Wir versuchen so viel wie m\u00f6glich in 7 Sprachen zu ver\u00f6ffentlichen. Es ist jeder willkommen mitzuarbeiten, der einen Journalismus f\u00fcr Frieden und Gewaltfreiheit f\u00f6rdern will.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist es ganz wichtig Informationen zu teilen, aus der ganzen Welt, von allen Kulturen. Wenn die Leute mehr Informationen h\u00e4tten was es alles an positiven Aktivit\u00e4ten und Projekten in der Welt gibt, h\u00e4tte das gro\u00dfe Konsequenzen f\u00fcr die Wahrnehmung der Menschen.<\/p>\n<p>Wenn ich eine g\u00e4ngigen Zeitung aufschlage lese ich \u00fcber: \u201ewie k\u00f6nnen wir die Fl\u00fcchtlinge wieder abschieben, Fl\u00fcchtlingsobergrenze, Hinrichtungen in Saudiarabien, IS, Gruselclowns, Raub\u00fcberf\u00e4lle, welcher Promi sich scheiden l\u00e4sst. CETA, Gentechnologie\u00a0 usw\u201c.<\/p>\n<p>Man stelle sich vor welche Realit\u00e4t das bei den Menschen erzeugt.\u00a0 Die Medien sind nicht daran interessiert die Welt zu informieren oder aufzukl\u00e4ren. Differenzierte Berichterstattung und die Verbreitung von Themen, die den Frieden und die Gewaltfreiheit f\u00f6rdern, sind deshalb in der Medienlandschaft umso wichtiger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine Kroesen aus Wien: f\u00fcr einen positiven, gewaltfreien Journalismus von Milena Rampoldi, ProMosaik. Anbei mein Interview mit der Friedensaktivistin aus Wien Sabine Kroesen des deutschsprachigen Teams von Pressenza. 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