{"id":357016,"date":"2016-08-25T22:40:21","date_gmt":"2016-08-25T21:40:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=357016"},"modified":"2016-08-25T22:40:21","modified_gmt":"2016-08-25T21:40:21","slug":"parsifal-2016-spiegelt-die-mystik-in-der-gegenwartsgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/08\/parsifal-2016-spiegelt-die-mystik-in-der-gegenwartsgeschichte\/","title":{"rendered":"Parsifal 2016 spiegelt die Mystik in der Gegenwartsgeschichte"},"content":{"rendered":"<p><em>Gabriela Jurosz-Landa<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Uwe Eric Laufenbergs 2016-Inszenierung des <em>Parsifal<\/em> in Bayreuth wurde heftiger Kritik unterworfen und doch ist sie eine der gelungensten der vergangenen Jahrzehnten.<\/strong><\/p>\n<p>Mythisch subtil in seiner Multidimensionalit\u00e4t, konkret den Vorgaben Richard Wagners folgend und gleichzeitig politisch und gesellschaftlich aktuell, wirkt Laufenbergs Regiewerk einerseits zeitlos und steht andererseits im Brennpunkt der Gegenwart. Ganz nach Wagners Quintessenz \u201eZum Raum wird hier die Zeit\u201c l\u00e4sst der Regisseur die Ereignisse, die aus den internen Zerw\u00fcrfnissen innerhalb jeder einzelnen Figur hervorgehen, pulsieren. Aus ihrem Mikrokosmos entwickeln sie sich, um bald ihre hier gewonnene menschliche Erfahrung in die makroskopische Bedeutungssph\u00e4re zu \u00fcberschreiben.<\/p>\n<p><strong>Mythos und Realit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die Opferstellung des Sakralk\u00f6nigs kann offenbar in der westlichen Moderne nicht mehr begriffen werden. Das, obwohl wir sie in scheinbar s\u00e4kularer Weise bei jeder politischen Wahl erneut durchleben. Ob das Volk direkt oder wie in den Vereinigten Staaten durch die Kaste von Senatoren, die ihren Pr\u00e4sidenten w\u00e4hlt, mythischer kann das immer wiederkehrende Ritual kaum mehr vollzogen werden \u2013 und brutaler in seiner Realit\u00e4t auch nicht.<\/p>\n<p>Wie Sakralk\u00f6nig Amfortas, so haben auch die heutigen h\u00f6chsten Repr\u00e4sentanten ihrer L\u00e4nder eine Rolle, die die s\u00e4kulare weit \u00fcberschreitet. In der Gesellschaft unausgesprochen verk\u00f6rpern sie das mythische Leittier oder aber den Buhmann zugleich. In ihnen spiegeln sich die Hoffnungen, \u00c4ngste und Entt\u00e4uschungen des Volkes. Wird er s\u00fcndig, so wird er geopfert. Diesen Akt vollziehen die streng geordneten Priesterschaften, die in s\u00e4kularen Gesellschaften repr\u00e4sentiert werden durch Parlamente und Repr\u00e4sentantenh\u00e4user sowie einer unsichtbaren Kaste von geistigen Kontrolleuren und Manipulatoren. Staat und Kirche in unseren modernen Systemen sind nicht ganz so geteilt wie es scheint. \u00c4hnlich ihren Vorl\u00e4ufern, den Gralsrittern europ\u00e4ischer Legenden, agierten und agieren vielfach noch heute die Bruderschaften der Alten Maya (wie auch der zeitgen\u00f6ssischen Maya), Priestergesellschaften afrikanischer und asiatischer Gesellschaften. Ihre Medial- und Kontrollfunktion ist nicht selten gegen die Natur gerichtet und h\u00fctet eher die eigenen Interessen. Sie repr\u00e4sentieren jegliche Instanz, die den Trichter bildet, der leitet, wann, wie und wieviel des Blutes ihr Oberhaupt zu spenden hat. Ihnen ist selbst der Herrscher unterworfen. F\u00e4llt er aus der Rolle, wird er \u201eangezapft\u201c, wie es Laufenberg w\u00f6rtlich bzw. bildlich darstellt.<\/p>\n<p><strong>Erl\u00f6sung ist Verwandlung durch Intention<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig, durch die Hingabe des Sakralk\u00f6nigs, kommt es bei dem Selbst-Opfer zur L\u00e4uterung des Physischen ins Geistige und damit zur Erl\u00f6sung des Opfers. Dies ist eine heute schwer verst\u00e4ndliche, weil verdr\u00e4ngte Verwandlung und doch eine von je her in vielen Kulturen essentielle. Blut, als dem Menschen von \u201eGott\u201c gegebenes Lebenselixir, spendet die Lebenskraft eines Jeden, mit individueller Frequenz. Es ist als solches Tr\u00e4ger von Intention. Solcher Gedanke und Ziel dessen, was der Mensch verfolgt bestimmt die Frequenz und Qualit\u00e4t seines Blutes, wie wir von indianischen V\u00f6lkern lernen k\u00f6nnen. Das Geben dieser Intention und ihre resultierende Verwandlung sind mythisch und allt\u00e4glich zugleich. Der Mensch vollzieht sie durch seine Aktivit\u00e4t in der Arbeit, der Hingabe an die Familie und Freunde oder andere soziale Dienste t\u00e4glich ohne Gedanken an Quelle und Ziel. Man nennt das \u201eBlut und Wasser schwitzen\u201c.<\/p>\n<p>Es galt einst, K\u00f6nigsblut \u00fcber Generationen rein zu halten. In seiner Reinheit sah man die Kraft der Wahrheit. Das Ritual diente dazu, es in den, in seiner Wirkungsst\u00e4rke puren Urstoff zu verwandeln. Es war eine Frage der Qualit\u00e4t und der Schwingungsfrequenz. In seiner pursten Gestalt kann Blut Absicht besonders effektiv transportieren und dazu diente das K\u00f6nigsgeschlecht sozusagen als Transport- und ausf\u00fchrende Instanz. Ist in seinem Blut etwa die Intention der Erl\u00f6sung oder der Fortbestand der Menschheit enthalten, wie es im Falle Christi sowie in vielen Kulturen wie auch im Wagnerwerk der Fall ist, hat die Blutessenz im Urzustand ihrer Reinheit die Kraft, dies zu bewirken. Hitler wollte dies mit seiner Arier-Philosophie rein biologisch nutzen. Mythisch \u2013 im Sinne der Wahrheitsergr\u00fcndung und ihrer Erhaltung &#8211; wird es in vielen Kulturen praktiziert. Durch die Kraft des beabsichtigten Selbstopfers wird die Urwirkung des Grals wiederhergestellt und es entsteht Leben.<\/p>\n<p>Das Opferritual des Ader-Lassens hat viele Gesichter und ist ein mythischer Akt, dem sich auch das scheinbar Mythos-lose heutige Hier-und-Jetzt nicht entziehen kann. Wie es Laufenbergs Wagner-Interpretation darstellt, ist auch die aktuelle Welt von mythischen \u2013 immer wiederkehrendem \u2013 Verhalten gespickt und wer die, bei Laufenberg aktualisierte orientalisch-okzidentale Geschichte kennt, wei\u00df, wovon die Rede ist.<\/p>\n<p><strong>Die Kreuzung von Raum und Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Der Gekreuzigte repr\u00e4sentiert f\u00fcr Jedermann die Kreuzung von Raum und Zeit. Die individuelle Lebens-Zeit ist der Gralsweg \u2013 deren Frequenz der St\u00e4rke der Intention entspricht. Die hier ihren Ablauf t\u00e4tigenden Absichten eines Jeden transkribieren sich in die Raum-Sph\u00e4re, in der sie unendlichen und unbeweglichen, ewigen Inhalt erlangen. Christi Intention, sich f\u00fcr die Menschheit zu opfern, kann als h\u00f6chste menschenm\u00f6gliche Absicht erachtet werden und ist deshalb der Gralsessenz gleich.<\/p>\n<p>Inquisition und Aufkl\u00e4rung haben ihr Ziel der Eliminierung dieser Sinngehalte aus dem Verst\u00e4ndnis ihrer B\u00fcrger erreicht. Die Gedankenmaschinerie sitzt so tief, dass ein Erinnern an Mythos verlacht wird. Man muss sich die Multidimensionalit\u00e4t von Inhalten jedoch auch in der modernen Gesellschaft bewusstmachen. Wenn auch es einem teils medial in ein Raster von Standards gezw\u00e4ngtem Zuschauerauge heute schwerfallen mag, diese verbildlichten Ebenen zu ergreifen, es ist genau dies, das der Regisseur dieser Inszenierung zu erwirken vermag.<\/p>\n<p><strong>Verbindungslosigkeit des Geschehens<\/strong><\/p>\n<p>Die Vielzahl an Ebenen l\u00e4sst Laufenberg subtil ineinander \u00fcbergehen oder aber durch br\u00fcskes Abbrechen einer Szene brutal aufeinanderprallen. Kritisiert wurde in den ersten Rezensionen in dem Zusammenhang eine \u201eUnverbundenheit\u201c des Geschehens in dieser Produktion. Amerikanische \u201esnipers\u201c fallen kontextlos in den heiligen Bau ein, fuchteln scheinbar sinnentwendet mit Gewehren hin und her. Die auf den ersten Blick uns entgegentretende Verbindungslosigkeit spiegelt jedoch exakt die der losen, durch fragliche Verkn\u00fcpfungswerte unverbundenen globalisierten Welten der Aktualit\u00e4t, in der dem scheinbar so freien Individuum die Eigenkontrolle einmal mehr aus den H\u00e4nden geglitten ist. Individuelle Unabh\u00e4ngigkeit ersetzt in unserer Gesellschaft Interkonnektivit\u00e4t zwischen Personen und Kulturen. Gleichzeitig erinnert die Laufenberg\u00b4sche Verbindungslosigkeit an eine Geschichte voller Gegens\u00e4tze, wie etwa der pl\u00f6tzlichen, gewaltigen und gewaltt\u00e4tigen Verwandlung der Hagia Sofia von einer christlichen Kirche in eine Moschee und mit ihr die geistige Umpolung eines halben Kontinents.<\/p>\n<p>Richard Wagner selbst stand bekanntlich religionskritisches und revolution\u00e4res Gedankengut nicht fern. Den Aspekt des \u201eKomponisten als Revolution\u00e4r\u201c greift Laufenberg auf und stellt den Kontext zur gegenw\u00e4rtigen politischen Lage dar, der ihm mit den Attentaten in Bayern beinahe gespenstisch zum Zeitpunkt der Premiere best\u00e4tigt wurde. Dieser <em>Parsifal<\/em> w\u00e4re des Meisters Gem\u00fct n\u00e4her als jegliche Interpretation, die \u201eGewalt als Durchsetzungsmittel von Ideen\u201c au\u00dfer Acht l\u00e4sst. Den Speer beziehungsweise das Maschinengewehr als Waffe oder aber zum Schutz einzusetzen, spiegelt die individuelle Entscheidung und philosophische Grundeinstellung eines jeden Menschen oder jeder Regierung. Die Waffe ist ein Instrument der Tat und diese das Instrument von Absicht. Und hierum geht es bei Wagner nicht wenig. Die bewaffneten Amerikanischen Soldaten stehen f\u00fcr \u201eFal Parsi\u201c, den \u201et\u00f6richten Reinen\u201c. Sie agieren naiv und scheinbar t\u00f6richt, aktuell noch unwissend, ob als Bringer von Frieden oder Tod.<\/p>\n<p><strong>Kunstgeschichtliche Bilder transportieren Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Im Vergleich zu den anderen Bayreuther Wagnerproduktionen setzt Laufenberg bildtechnische Diversit\u00e4t sensibel ein. Schon die erste Szene bringt einen von vielen gestalteten Akzenten. Wahrlich \u201eim\u201c Licht der Gem\u00e4lde des klassizistischen Malers Jacques-Louis David (1748) wird der erste Akt eingel\u00e4utet. Ein Individuum, ein Fl\u00fcchtling, sieht fragend in den durch das Fenster des Fl\u00fcchtlingslagers dringenden Lichtstrahl. Der Dialog zwischen irdischer Sph\u00e4re von Ort-Zeit und der Unendlichkeit kann beginnen.<\/p>\n<p>Laufenberg arbeitet mit einer Reihe von kunstgeschichtlichen Bildern. Der stehende totenbleiche Christus, umgeben von eingeweihten Personen, ist in der mittelalterlichen Kunstgeschichte ein Begriff. Um 1350 wird in der Malerei die essentielle Ikone \u2013 der Gral &#8211; abgel\u00f6st von einer szenischen Darstellung der jeweiligen Gottgestalt (Christus oder Maria) umgeben von \u201eAttributen\u201c in Form von Heiligen, sp\u00e4ter auch Anh\u00e4ngern, einhundert Jahre sp\u00e4ter sind es die weltlichen Bildsponsoren und zuletzt sogar einfache Gl\u00e4ubige. Die Ikone, der Gral, wird nun verfl\u00fcssigt. In seinen Christus-Szenen bevorzugt Laufenberg die Analogie zu dieser \u00dcbergangsphase um 1350. Christus steht da, nicht etwa wie die ewig lebende Ikone, sondern in einem \u00dcbergangszustand zwischen Leben und Tod \u2013 als Mensch und Gott zugleich. Analog geh\u00f6rt Amfortas als Gralsrepr\u00e4sentant der g\u00f6ttlichen Sph\u00e4re an, erf\u00fcllt jedoch seine Aufgabe zun\u00e4chst nicht und f\u00e4llt in die Sph\u00e4re des einfachen Menschen herab. Auch hier reflektiert Laufenberg die Freiheit jedes Einzelnen zu entscheiden, welcher der beiden Sph\u00e4ren er angeh\u00f6ren will. Eine solche \u00dcbergangsphase tr\u00e4gt ein ambivalentes Moment der M\u00f6glichkeit zur Entscheidung in sich, das Laufenberg in der Gegenwartsgeschichte (Politik) wiedererkennen mag. Die Geschichte kann den Gral ehren und in seiner Form an die folgenden Generationen rituell weitergeben und so verewigen oder sie kann ihn aus dem Raum in die Zeit verfl\u00fcssigen und so verflachen. Verfl\u00fcssigen ist Vervielf\u00e4ltigen \u2013 ein Element, das der Zuschauer in Klingsors Galerie von allerlei Kreuzen wiederfindet.<\/p>\n<p>Durch Aufl\u00f6sung gealterter Protagonistengesichter, die sich auf einem digitalen Christusleintuch abzeichnen und bald in den Weltraum entschwinden, erg\u00e4nzt G\u00e9rard Naziris die Inszenierung medial.\u00a0 Laufenberg und Naziri lassen konkrete weltlich rituelle Lebenssituationen digital in den Raum entschwinden, vorbei an Planeten und Sonne in die Unendlichkeit und verbildlichen so Richard Wagners Vorgabe \u201eZum Raum wird die Zeit\u201c. Dass dies einer der Kritiker als \u201eZum Ort wird die Zeit\u201c wiedergab, entbl\u00f6ste sein Missverst\u00e4ndnis einer Grundthese des Wagnerwerkes.<\/p>\n<p><strong>Figuren<\/strong><\/p>\n<p>Christus, Priester, Hexe, Magier, der unschuldige Tor, ein Gurnemanz, der geradewegs aus Berlin in die Szene gekommen sein k\u00f6nnte, Soldaten, Fl\u00fcchtlinge einschlie\u00dflich des Jungen in der blauen Hose, der 2015 tot an die K\u00fcste gesp\u00fclt wurde und so zum Inbegriff der Mitleidswelle in Europa und der Welt wurde. Seine Figuren gestaltet Laufenberg plastisch und konkret, zeigt ihre Gegenw\u00e4rtigkeit und ihren Symbolismus zugleich und l\u00e4sst, wie kein Anderer, den S\u00e4ngern Raum, ihre Rolle selbst zu f\u00fcllen. Nur die Erscheinung Gottes bel\u00e4sst der Regisseur als solche, das sich entfaltende Geschehen von oben beobachtend. Es bliebe dabei viel zur Darstellung der Frauengestalten bei Laufenberg zu sagen. Die Kunst der verf\u00fchrenden Verwandlung der Frau im Islam mag bei dem K\u00f6lner-Wiesbadener Regisseur auf h\u00f6herer Ebene das jehe Machtspiel zwischen Islam und Christentum andeuten. Auf mittlerer Ebene, als Weib, sind sie mal verschleiert, mal bar, eine spielerische Kunst, die die Frau der westlichen Moderne l\u00e4ngst verloren hat. Analog hat es die aufgekl\u00e4rte Gesellschaft verlernt, zwischen den Realit\u00e4ten zu wechseln. Es ist einfacher geworden, Dinge festzunageln, als sich ihrem subtilen Spiel aktiv zu orientieren.<\/p>\n<p><strong>Der Ausweg <\/strong><\/p>\n<p>Der Paradiesgarten am Ende ist ein k\u00fcnstlich geschaffener, au\u00dferweltlicher, f\u00fcr manches Auge auch ein kitschiger, jedoch, ganz nach der Vorstellung Richard Wagners, ein Ort der Erl\u00f6sung durch die Kunst. Hier gibt es keine pr\u00fcden Kontrollinstanzen, die Natur verdr\u00e4ngen. Hier ist freies Schaffen m\u00f6glich. Der Gralsweg ist der Lebensweg, individuell erscheint er in unendlich vielen Formen. F\u00fcr Richard Wagner liegt er in der Kunst. Sein Leben ist Kunst, dort liegt seine Freiheit und seine L\u00e4uterung der allt\u00e4glichen Gegebenheiten seines Lebens. \u201eWer ist der Gral?\u201c \u201edas sagt sich nicht.\u201c Es ist in seiner Individualit\u00e4t und Mystik nicht in konkrete Worte zu fassen. Und so ist es auch mit der Gestalt hoch oben \u00fcber allem Geschehen. Der rationalisierte Mensch sucht wie der Heilige Thomas alles zu ergr\u00fcnden. Anstatt des Fingers in der Wunde hat er heute eine Kamera beinahe schon in privaten Bereichen oder eben Worte, die das Mysteri\u00f6se in die Ecke treiben, um es unbedingt zu verbalisieren.<\/p>\n<p>Am Rande sei \u00fcberlegend in den Raum gestellt, dass beziehungsweise ob ein Regisseur Wagners Werk besser ergreifen und darstellen mag als ein K\u00fcnstler. Die Raum und Ort-Zeit-Dimension zu verbildlichen ist beider Aufgabe. Das Erz\u00e4hlerische und das Ikonische aus Bild, Text und Musik zu verbinden und wieder aufzul\u00f6sen, mag einem zeitgen\u00f6ssischen Konzept-K\u00fcnstler jedoch weniger gelingen als einem versierten Theatermann. Oder auch nicht \u2013 wie in allem kommt es auf die individuelle Disposition an.<\/p>\n<p>Wer Laufenbergs Version des <em>Parsifal<\/em> kritisiert, sollte den Fehler bei sich selbst suchen. Denn wer diese Inszenierung als \u201eleer und flach\u201c erachtet, sieht selbst nicht tief genug.<\/p>\n<p>Laufenbergs <em>Parsifal<\/em> geh\u00f6rt auf ausl\u00e4ndische B\u00fchnen. Es ist kein Werk f\u00fcr die vom deutschen Regietheater verpestete Kritikerlandschaft. Es ben\u00f6tigt \u2013 hier oder andernorts &#8211; einen international bewanderten Zuschauer, einen weniger globalisierten als Renaissance-haften, der mehr als eine Dimension erfassen kann und Stofflichkeit f\u00fchlt, auch wenn sie nicht augenscheinlich ist. Und so bleibt mit Wagners <em>Parsifal<\/em> manchmal zu fragen, ob selbst ein unschuldiger Tor nicht n\u00e4her an der Wahrheit w\u00e4re als alle Gelehrten zusammen.<\/p>\n<p><strong>Musikalisch<\/strong><\/p>\n<p>Unter den S\u00e4ngern brillierte Elena Pankr\u00e1tov\u00e1 als Kundry. Klaus Floria Vogt stellte, vor seiner Erkrankung, einen perfekten Verirrten dar. Wer sich jedoch an Peter Hofmann erinnert, wird stimmlich seines Gleichen suchen. F\u00fcr die schauspielerische Darstellung der S\u00e4nger kann man allgemein konstatieren, dass sie die s\u00e4ngerische Kunst etwas \u00fcberschattete.\u00a0 Hartmut Haehnchen, der f\u00fcr den pl\u00f6tzlich abgereisten Andrise Nelson einsprang, ist in Bayreuth kein Neuling. Bereits 1970 hospitierte er bei Pierre Boulez und kennt den <em>Parsifal<\/em> sehr gut. Die Bef\u00fcrchtungen um seine Rationalit\u00e4t in der Auslegung der Wagneroper haben sich nicht best\u00e4tigt. Trotz seiner kritischen Distanzierung zu Laufenbergs \u201ereligi\u00f6ser Interpretation\u201c, stimmte das Werk des Dirigenten und des Regisseurs interessanterweise wunderbar. Das Publikum hielt lange den Atem an, bevor sein Applaus losst\u00fcrmte.<\/p>\n<p><em>Gabriela Jurosz-Landa ist Kunstkritikerin und Ethnologin, eingeschworene Maya-Priesterin. Sie lebt in New York, Guatemala, Prag und Bayreuth. <\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gabriela-jurosz-landa.jimdo.com\">http:\/\/gabriela-jurosz-landa.jimdo.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ForumWorldCultures.blogspot.com\">www.ForumWorldCultures.blogspot.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriela Jurosz-Landa Uwe Eric Laufenbergs 2016-Inszenierung des Parsifal in Bayreuth wurde heftiger Kritik unterworfen und doch ist sie eine der gelungensten der vergangenen Jahrzehnten. 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