{"id":354087,"date":"2016-08-17T16:21:37","date_gmt":"2016-08-17T15:21:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=354087"},"modified":"2016-08-17T16:23:39","modified_gmt":"2016-08-17T15:23:39","slug":"feministischer-journalismus-mit-grosser-wirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/08\/feministischer-journalismus-mit-grosser-wirkung\/","title":{"rendered":"Feministischer Journalismus mit grosser Wirkung"},"content":{"rendered":"<p><strong><em><a href=\"https:\/\/twitter.com\/Slutocrat\">Tara Lighten Msiska<\/a>\u00a0ist eine Juristin und Freelancejournalistin. Als sie ihr Studium an der Universit\u00e4t Edinburgh abschloss, wurde sie sich dessen bewusst, dass die Welt viel mehr Herausforderungen bietet als ein Gerichtssaal und sie auf diese Weise auch ihre Schreibsucht befriedigen konnte. Sie schreibt unter anderen f\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/www.cliterati.co.uk\/author\/slutocracy\/\">Cliterati<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.careeraddict.com\/en\/bloggers\/367695\/tara.msiska\">Career Addict<\/a>.\u00a0Ihren Blog auf MintPress finden Sie <a href=\"http:\/\/slutocracy.wordpress.com\/\">hier<\/a>. Andere Beitr\u00e4ge von Tara erschienen bei Guerilla Policy, the Feminist und Women&#8217;s Studies Association, Fearless Press, The F Word und The Quail Pipe.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Was bedeutet f\u00fcr dich feministischer Journalismus und was unterscheidet den feministischen Journalismus vom \u201coffiziellen\u201d Journalismus? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Tara Lighten Msiska: Ich habe nie meine Schriften als feministischen Journalismus gesehen, da ich keinen festen Plan habe, wenn ich schreibe. Ich habe einfach Interesse daran, Tatsachen zu schildern. Auf dieser Grundlage w\u00fcrde ich sagen, dass der feministische Journalismus eine Art von Journalismus ist, in dem von der Wahrheit rund um Angelegenheiten berichtet wird, die unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stark die Frauen betreffen (z.B. h\u00e4usliche Gewalt) und die oft alternative Theorien anbieten, um sich den dominanten Ansichten zu widersetzen, welche den Sexismus f\u00f6rdern oder Frauen entwerten. Um ein Beispiel zu nennen: die Medienerkl\u00e4rungen \u00fcber Frauen, die sich nicht auf die typischen Themen wie Sex und Terrorismus beziehen, weisen die Tendenz auf, auf das Weibliche ein kindliches oder pathologisiertes Narrativ zu projizieren, das sich nur auf die Frauen und nicht auf die m\u00e4nnlichen Protagonisten bezieht (der h\u00e4ufige Partnerwechsel bedeutet bei M\u00e4nnern, dass diese Sex lieben; bei Frauen bedeutet er hingegen, dass sie verst\u00f6rt, in Gefahr sind oder den Sex nutzen, um sich begehrt zu f\u00fchlen; m\u00e4nnliche Terroristen sind politisch motiviert, w\u00e4hrend weibliche Terroristinnen ausgenutzt oder psychisch krank sind). Junge, alleinerziehende M\u00fctter und Prostituierte werden auch tendenziell negativ oder im besten Falle eindimensional dargestellt. Ohne ihn sch\u00f6nzureden oder zu \u00fcbertreiben, k\u00f6nnte der feministische Journalismus diese todm\u00fcden Stereotypen der gl\u00fccklichen Luxushure und der missbrauchten drogens\u00fcchtigen Jugendlichen \u00fcberwinden. Ich hoffe, dass sich der feministische Journalismus auch fragen wird, warum die Medien Kapital daraus schlagen und dann tats\u00e4chlich auch die Missbilligung gegen\u00fcber den Prostituierten und den M\u00fcttern eines bestimmten Alters oder in einem bestimmten Beziehungsstatus f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong><em>Tara, erz\u00e4hl uns von deiner Arbeit \u00fcber Sparpolitik und warum es so wichtig ist, \u00fcber Arbeitslose und Menschen mit Behinderung zu schreiben. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es ist wesentlich, weil die Erfahrungen und die Unterdr\u00fcckung von Mitgliedern unserer Gesellschaft, die arbeitslos sind oder unter einer Behinderung leiden, sonst au\u00dfer Acht gelassen w\u00fcrden. Vor allem w\u00fcrden sie von unseren Regierungen ignoriert. Der Journalismus hat das Potential, einen riesengro\u00dfen Unterschied zu machen \u2013 obwohl ich nicht den Eindruck habe, dass die Medien ein solches Potential auch wirklich nutzen. Die Medien k\u00f6nnen die \u00d6ffentlichkeit und die Zivilgesellschaft wachr\u00fctteln, um Druck auf die Regierungen auszu\u00fcben. In Gro\u00dfbritannien sieht es im Moment aber eher danach aus, als verliefe diese Dynamik in die Gegenrichtung. Denn die meisten Mainstreammedien schlie\u00dfen sich dem konservativen Gedankengut an und bauen darauf auf. Von den Selbstmorden und Todesf\u00e4llen infolge der gef\u00e4hrlichen Reformen des Wohlfahrtsstaates wurde nicht weitgehend berichtet. Noch wurden die 590 zus\u00e4tzlichen Selbstmorde angesprochen, die von unabh\u00e4ngigen Forschern an den Universit\u00e4ten entdeckt wurden. Die Demos gegen die Sparprogramme wurden auch runtergespielt oder in den Berichten voreingenommen dargestellt. Ich hoffe, dass ein ausgeglichener Journalismus dazu beitragen kann, die Wahrheit ein wenig zu beleuchten, obwohl dies ein steiler Weg sein wird.<\/p>\n<p>Es ist auch wichtig, sich sch\u00e4dlichen Narrativen von Sozialschmarotzern in bestimmten Boulevardzeitungen und der stets wachsenden schaulustigen \u201cArmutspornographie\u201d in unseren Fernsehprogrammen zu widersetzen. Das BBC Panorama Programm von 1994 mit dem Titel &#8218;Babies on Benefits&#8216;, das alleinerziehende M\u00fctter der Arbeiterklasse stigmatisierte, war zu jener Zeit kontrovers. Aber die aktuelle Situation ist noch viel schlimmer. Denn nun werden alle Leistungsempf\u00e4nger als Freiwild gesehen. Und was noch schlimmer ist: die D\u00e4monisierung von Leistungsempf\u00e4ngern unterliegt im Unterschied zu den Vorurteilen gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit, ihres Geschlechtes und ihrer Religion nicht der Z\u00e4sur. Und schon die Kinder konsumieren solches Material.<\/p>\n<p><strong><em>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich muss der Journalismus ein Journalismus f\u00fcr Menschenrechte sein, da er sonst leer w\u00e4re. Was denkst du dar\u00fcber? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dem kann ich nur zustimmen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-354097\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tara-Lighten-Msiska.jpg\" alt=\"Tara-Lighten-Msiska\" width=\"354\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tara-Lighten-Msiska.jpg 354w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tara-Lighten-Msiska-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Tara-Lighten-Msiska-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><\/p>\n<p><strong><em>Welche ist deine pers\u00f6nliche Meinung zum Brexit? Was wird sich \u00e4ndern? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich bin der Meinung, dass der Brexit der Wirtschaft, Sicherheit und dem globalen Einfluss Gro\u00dfbritanniens schaden wird. (Damit will ich aber nicht sagen, dass der Einfluss Gro\u00dfbritannien unbedingt zu guten Ergebnissen f\u00fchrt. Das gilt auch f\u00fcr alle anderen, wenn sie diplomatischen Einfluss aus\u00fcben. Aber ich finde es einfach strategisch dumm, auf den eigenen Einfluss verzichten zu wollen).<\/p>\n<p>Der ESF (Europ\u00e4ischer Sozialfonds) bezahlt f\u00fcr \u00f6ffentliche Dienstleistungen und auch f\u00fcr Dienstleistungen, die zu Gunsten schwacher, l\u00e4ndlicher und benachteiligter Gemeinschaften erbracht werden. Da die Regierung seiner Politik treu bleibt, die darin besteht, den Wohlfahrtsstaat und das Gesundheitssystem kaputt zu machen, wird dieses Loch nicht gef\u00fcllt. Es sieht so aus, als w\u00fcrde die finanzielle, erzieherische und gesundheitliche Schere zwischen den privilegierten und weniger privilegierten B\u00fcrgern immer gr\u00f6\u00dfer. Im Prinzip wurde das Programm der Konservativen nur noch beschleunigt.<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritannien erh\u00e4lt Geheimdienstinformationen von den Geheimdienstagenturen der EU, inklusive INTCEN, SitCen, des Stabs des EU-Direktoriums des milit\u00e4rischen Nachrichtendienstes, von Europol und der Terrorismusbek\u00e4mpfungseinheit. Sobald dieser Austausch von Geheimdienstdaten mal abhandenkommt, ist es wahrscheinlich, dass wir anf\u00e4lliger f\u00fcr den IS werden.<\/p>\n<p>Wir werden auch im Bereich der Menschenrechte nicht von Seiten des Europ\u00e4ischen Gerichtshofes unterst\u00fctzt, der in der Vergangenheit verhindert hat, dass Familien zerrissen werden und erm\u00f6glicht hat, dass Menschen gegen Diskriminierung und die ungerechte Verweigerung von Sozial- oder Wohnsitzleistungen verteidigt werden. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte erkannte uns vor kurzem das Recht an, \u201cvergessen zu werden\u201d. Dieser Schutz gilt nur f\u00fcr B\u00fcrger mit EU-Wohnsitz. Dies bedeutet, dass Google keine \u201cirrelevante Hits\u201d von Ihnen mehr anzeigen darf, die f\u00fcr Ihren Ruf peinlich sind oder diesem schaden k\u00f6nnen. Obwohl der Racheporno (Nacktphotos, die ohne die Erlaubnis der Person online ver\u00f6ffentlicht werden, normalerweise seitens eines ex-Partners) nun als Vergehen gilt, sind andere sch\u00e4dliche Google-Hits schwer oder unm\u00f6glich zu entfernen, obwohl sie, im Gegensatzung zu den Rachepornos, beleidigend sind oder Ihrem beruflichen Ansehen schaden.<\/p>\n<p>Das Ergebnis des Ganzen w\u00e4re somit, dass wir weniger Schutz unserer Menschenrechte haben, mehr f\u00fcr \u00f6ffentliche Dienste ausgeben, weniger Wohlfahrtsdienste und auch noch weniger globalen diplomatischen Einfluss genie\u00dfen. Gro\u00dfbritannien wird dann noch mehr auf die USA und m\u00f6glicherweise auf die NATO zur\u00fcckkommen m\u00fcssen, um die EU-Leere zu f\u00fcllen. Wir werden auch viel Zeit und Geld brauchen, um vielen verschiedenen L\u00e4ndern zu hoffieren, damit diese Handelsabkommen mit uns treffen. Wir k\u00f6nnten dazu gezwungen werden, uns noch mehr an den Anforderungen der USA zu orientieren als wir es schon tun. Und wir w\u00e4ren ein leichteres Ziel f\u00fcr Terroristen.<\/p>\n<p><strong><em>Warum hast du entschieden, deinen gro\u00dfartigen Artikel \u00fcber die Vergewaltigung in Katar zu schreiben? Welche sind die Hauptzielsetzungen, die du verfolgen wolltest, als du ihn geschrieben hast? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Meiner Meinung nach sind zahlreiche westliche Medienberichte \u00fcber Ereignisse au\u00dferhalb der westlichen Welt (was ja vielleicht auch wenig \u00fcberrascht) aus westlicher Perspektive verfasst. W\u00e4hrend dies vielleicht in gewisser Hinsicht f\u00fcr das Publikum angemessen sein k\u00f6nnte, trifft es aber oft nicht die wichtigsten Themen. Bezugnehmend auf den Umgang der Golfstaaten mit der Vergewaltigung findet ein westliches Publikum nat\u00fcrlich eine Fokussierung auf die Erfahrungen der Touristinnen interessanter und hilfreicher. Dies verdunkelt aber die Realit\u00e4t, dass die vergewaltigten Frauen vor Ort schlechter behandelt werden als die Touristinnen. Denn die Mehrheit der Opfer des Rechtssystems in Katar sind mit Sicherheit die einheimischen Frauen. Denn diese ist die allt\u00e4gliche Realit\u00e4t der Bev\u00f6lkerungen in den Golfstaaten. Aber sie kommt nur in die westlichen Nachrichten, wenn ein Ausl\u00e4nder betroffen ist. Und sogar dann werden die K\u00e4mpfe der Menschen im Golf ignoriert. Der Fokus verschiebt sich auf die potentiellen Risiken f\u00fcr (westliche) Touristen, obwohl sie am wenigsten davon betroffen sind, sei es aufgrund der Wahrscheinlichkeit als auch des Schutzes der ausl\u00e4ndischen Staatsb\u00fcrgerschaft. Damit m\u00f6chte ich auf keinen Fall die sexuellen Angriffe gegen Touristinnen herunterspielen, sondern betonen, dass es sich um keine angemessene oder balancierte Berichterstattung handelt, wenn man die Angelegenheit der inhaftierten Vergewaltigungsopfer im Nahen Osten erst thematisiert, wenn eine Touristin betroffen ist.<\/p>\n<p>Das Ziel, das ich mit diesem Artikel verfolgt habe, bestand darin aufzuzeigen, dass diese Erfahrung f\u00fcr die Frauen in den Golfstaaten zum Alltag geh\u00f6rt und dass ihre Probleme unerkannt bleiben und \u00fcber sie nicht berichtet wird. Sie haben keine Botschaft, die sich f\u00fcr sie einsetzt. Gegen sie ergehen h\u00e4rtere Peitschenhieben- oder Gef\u00e4ngnisurteile. Denn sie kommen nicht einfach durch Begnadigung oder Ausweisung frei. Ich m\u00f6chte nicht, dass die einheimischen Frauen einfach vergessen werden, weil man auf die Angst fokussiert \u201cWird das auch mir passieren, wenn ich in den Nahen Osten reise?\u201d Die westliche Angst und Faszination hinsichtlich des Rechtssystems in Katar und dessen Kultur tragen keineswegs dazu bei, das Bewusstsein f\u00fcr die Erfahrung jener zu erwecken, die dort leben.<\/p>\n<p><strong><em>Wie glaubst du kann die Vernetzung alternativer Medien dazu beitragen, eine bessere und tolerantere Gesellschaft aufzubauen? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe keine Ahnung, aber wenn jemand rausfinden k\u00f6nnte, wie man das realisieren k\u00f6nnte, so w\u00e4re das gro\u00dfartig. Die Statistiken zeigen, dass Menschen sich mehr und mehr der Einseitigkeit und der unzureichenden Berichterstattung der Mainstreammedien sei es auf lokaler als auch auf globaler Ebene bewusst sind. Daher wenden sie sich den alternativen Medien zu. So ist das genau der richtige Zeitpunkt f\u00fcr diese Vernetzung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tara Lighten Msiska\u00a0ist eine Juristin und Freelancejournalistin. 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Insegnante di lingue e traduttrice, da anni si occupa di storia e religione islamica, di questioni politiche ed umanitarie, di femminismo e diritti umani e di storia medio-orientale ed africana. Tra le varie pubblicazioni, soprattutto in lingua tedesca, figurano i testi italiani sui Corsari del Mediterraneo e sul filosofo Ren\u00e9 Gu\u00e9non. E' promotrice dell'Associazione per il dialogo interculturale e interreligioso Promosaik www.promosaik.com\",\"url\":\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/author\/milena-rampoldi\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Feministischer Journalismus mit grosser Wirkung","description":"Tara Lighten Msiska\u00a0ist eine Juristin und Freelancejournalistin. 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