{"id":326424,"date":"2016-06-06T12:37:12","date_gmt":"2016-06-06T11:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=326424"},"modified":"2016-06-06T12:50:44","modified_gmt":"2016-06-06T11:50:44","slug":"in-berlin-zu-leben-vermittelt-eine-idee-was-es-tatsaechlich-bedeutet-europaeer-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/06\/in-berlin-zu-leben-vermittelt-eine-idee-was-es-tatsaechlich-bedeutet-europaeer-zu-sein\/","title":{"rendered":"Michelangelo Severgnini: \u201eIn Berlin zu leben, vermittelt eine Idee was es tats\u00e4chlich bedeutet Europ\u00e4er zu sein\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Als wir gemeinsam die Bar in Kreuzberg betreten, in der wir uns verabredet haben, gr\u00fc\u00dft Michelangelo Severgnini (Crema, Italien, 1974) die Bedienung freundschaftlich und bestellt auf T\u00fcrkisch ein Bier. Ich bestelle auch ein Bier, allerdings auf Deutsch, zu mehr reicht es nicht. \u201eIn diesem Raum trifft sich die Gruppe von Podemos Berlin\u201c, erkl\u00e4rt er mir in flie\u00dfendem \u00dcbergang von T\u00fcrkisch in ein fast perfektes Spanisch. Hier, wo wir das Interview machen, hat das Projekt \u00fcber das wir sprechen werden, seinen Anfang gefunden. Es geht um den Dokumentarfilm \u201e<a href=\"http:\/\/www.lineadefugafilm.com\/en\/film\/linea-de-fuga-el-circulo-de-podemos-en-berlin\/\" target=\"_blank\">Linea de Fuga \u2013 Der Kreis von Podemos in Berlin<\/a>\u201c der sich gerade in der Schlussphase einer <a href=\"http:\/\/www.verkami.com\/projects\/14883-linea-de-fuga\" target=\"_blank\">Crowdfunding Kampagne<\/a> befindet, damit ein Teil der Produktionskosten finanziert werden kann.<\/p>\n<p><strong><em>Du hast in der T\u00fcrkei und in verschiedenen Teilen der Welt gelebt und gearbeitet und bist du vor einem Jahr nach Berlin gezogen. Warum hast Du aus all den Geschichten, die Du \u00fcber diese Stadt erz\u00e4hlen k\u00f6nntest, ausgerechnet die einer Gruppe Spanier ausgesucht, die in einer politischen Partei wie Podemos mitwirken?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es viele Gr\u00fcnde. Vor zwei Jahren lernte ich einen Spanier kennen, der in der Gruppe von Podemos Berlin dabei ist. Er kam zu der Vorf\u00fchrung eines Dokumentarfilms \u00fcber die Proteste im Gezi Park, den ich in der T\u00fcrkei gedreht hatte und seitdem sind wir im Kontakt geblieben. Als ich nach Berlin kam, haben wir uns getroffen und ich habe mich f\u00fcr diese Gruppe von Podemos interessiert. Eigentlich war ich mit einem anderen Projekt besch\u00e4ftigt, aber mir ist klar geworden, das war im Sommer letzten Jahres, entweder erz\u00e4hle ich diese Geschichte jetzt oder es wird nicht mehr m\u00f6glich sein, da die Wahlen im Dezember stattfinden werden. Von dem Moment an ging alles sehr schnell, bereits im September fing ich mit den Aufnahmen an und im Wesentlichen habe ich erste einmal alleine daran gearbeitet. Ich hatte mich so entschieden, falls das Projekt nicht Zustandekommen w\u00fcrde, falls es sich als nicht interessant genug w\u00e4re. Zu Beginn war ich mir nicht sicher, aber ich glaubte daran, dass etwas daraus werden k\u00f6nnte. Sp\u00e4ter kamen weitere Personen dazu und jetzt arbeite ich mit einer Produzentin und vielleicht st\u00f6\u00dft noch jemand dazu. Wir machen auch das Crowdfunding und alles was dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-326232\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-05-720x540.jpg\" alt=\"LINEA DE FUGA-05\" width=\"720\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-05-720x540.jpg 720w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-05-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-05.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<p>Ein weiterer Grund war, dass ich zwar Spanisch spreche, es aber in meinem Leben nie wirklich benutzt habe und so dachte ich mir, es k\u00f6nnte interessant sein in Berlin eine Arbeit auf Spanisch zu machen<em> [lacht<\/em>]. Au\u00dferdem habe ich immer Dokumentarfilme \u00fcber soziale und politische Themen gemacht. Die sozialen Bewegungen, die direkte Demokratie interessieren mich und da Podemos das in seinem Parteiprogramm hat, war ich sehr neugierig wie die Mitglieder das umsetzen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es weitere Gr\u00fcnde. Da sie in Berlin ist, bedeutet diese Gruppe etwas Besonderes f\u00fcr die Partei. Als ich in Istanbul lebte zum Beispiel, war ich f\u00fcr die T\u00fcrken immer ein Europ\u00e4er. Als ich nach Berlin kam, habe ich sofort gemerkt hier bin ich ein S\u00fcdeurop\u00e4er und das teile ich mit den Spaniern. Die Gr\u00fcnde aus denen sie und ich unser Land verlassen haben, sind \u00e4hnlich. Wir leben gemeinsam in Deutschland, in Berlin. Es ist auch ein Symbol f\u00fcr das, was in Europa passiert. Mich fasziniert es wie einfach es hier ist, junge Menschen aus anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern kennen zu lernen. Es ist wie ein Laboratorium, die Menschen erz\u00e4hlen und teilen ihre eigene Geschichte. Daraus entstehen Ideen und \u00dcberlegungen, die du nicht umsetzen oder nicht verstehen w\u00fcrdest, wenn du in deinem eigenen Land lebst. All das schien mir sehr Interessant zu sein.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen von europ\u00e4ischen B\u00fcrgern, die in einem anderen Land Europas leben und aktiv in der Partei ihres Landes sind, war f\u00fcr mich neu und ich hatte es mir auch nicht so vorgestellt. Zumindest wenn wir \u00fcber Podemos und \u00fcber diese Gruppe von Podemos sprechen, dann ist das von gro\u00dfer Bedeutung, denn wir sind in Berlin, weil das Deutschland ist. Es ist nichts Neues, dass Europ\u00e4er aus dem S\u00fcden in den Norden emigrieren, das ist in der Vergangenheit schon oft vorgekommen. Aber f\u00fcr eine Partei in deinem Heimatland zu arbeiten, jetzt in einem vereinigten Europa, ist etwas Neues. Deine Partei, auch wenn es eine spanische Partei ist, kann auch hier in Deutschland aktiv sein. Wenn du eine Aktion zusammen mit deutschen Parteien oder sozialen Bewegungen machst \u2013 oder griechischen, polnischen oder italienischen \u2013 die Sachen, die sich hier \u00e4ndern haben einen direkten Einfluss auf Spanien, weil die europ\u00e4ische Politik andere L\u00e4nder betrifft. Dieses Ph\u00e4nomen wird in dem Dokumentarfilm deutlich und vorher h\u00e4tte ich es mir nicht mal vorstellen k\u00f6nnen, als ich noch in Istanbul und weit weg von dieser Dynamik gelebt habe.<\/p>\n<p><strong><em>In letzter Zeit gibt es kaum einen Grund stolz zu sein, ein Europ\u00e4er zu sein. Die europ\u00e4ische Fl\u00fcchtlingspolitik ist wohl das blutigste Beispiel. Glaubst du ein anderes Europa ist m\u00f6glich?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist ein anderes Europa m\u00f6glich und notwendig. Aber es ist sehr schwierig. Podemos ist in vieler Hinsicht interessant, aber wenn eine Partei wie Podemos, die von den B\u00fcrgern ins Leben gerufen wurde, die Institutionen ver\u00e4ndern will, hat sie es schwer. Ich glaube das Problem von Europa sind gerade seine Institutionen, sein System. Zum Beispiel das Wahlsystem. Ich halte nicht viel von der westlichen Demokratie, die mit der Zeit die Parteien ver\u00e4ndert, wie es mir scheint. Wir haben viele Beispiele von Parteien, die sich aufgemacht haben die Verh\u00e4ltnisse zu ver\u00e4ndern, tats\u00e4chlich haben sich aber sp\u00e4ter diese Parteien ver\u00e4ndert. Das ist ein allgemeines Problem. Ich bin aber \u00fcberzeugt, dass eine Ver\u00e4nderung m\u00f6glich ist und zwar ein historischer Wandel. Jeden Tag wird es offensichtlicher, dass es so nicht weiter gehen kann. Allein in dieser Woche sind 800 Fl\u00fcchtlinge vor der italienischen K\u00fcste ertrunken. Europa hat einen Handel mit T\u00fcrkei abgeschlossen, damit die Fl\u00fcchtlinge vor der europ\u00e4ischen Grenze aufgehalten werden. Aber sie machen sich erneut auf den Weg in Richtung Italien. Das ist ein gravierendes Problem. Ich bin mit Syrien und dem Mittleren Osten vertraut und Europa tr\u00e4gt gro\u00dfe Verantwortung. Heute wird das Recht der Fl\u00fcchtlinge auf Asyl diskutiert, ich glaube aber in erster Linie sollte man \u00fcber das Recht einer R\u00fcckkehr sprechen. Wenn wir \u00fcber das Recht zur R\u00fcckkehr f\u00fcr Italiener und Spanier sprechen, m\u00fcssen wir das auch bei den Syrern tun. Nat\u00fcrlich ist eine R\u00fcckkehr im Moment nicht m\u00f6glich. Aber warum nicht? Fl\u00fcchtlinge aufnehmen, l\u00f6st das Problem nicht an der Wurzel. Was passiert in Syrien? Und welche Rolle spielt Europa dabei? Das ist die erste von vielen Fragen. Wie viele Waffen wurden an Saudi-Arabien verkauft. Diese Waffen tauchen in den H\u00e4nden von islamistischen Gruppen wieder auf, die damit die syrische Bev\u00f6lkerung bek\u00e4mpfen und t\u00f6ten. Dann das Thema der Diktaturen, aber das l\u00f6st man nicht indem man Waffen an Arme verteilt, die sich dann untereinander umbringen.<\/p>\n<p>Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir uns dessen bewusst werden m\u00fcssen und eine europ\u00e4ische Identit\u00e4t entstehen muss. Wir alle sind ein Teil dessen was passiert. Aber da ich Italiener bin, du Spanierin und er dort Deutscher, f\u00fchlt sich niemand verantwortlich. Es gibt bereits Strukturen in Europa, die supranational arbeiten, deshalb m\u00fcssen wir beginnen eine supranationale Antwort zu geben.<\/p>\n<p><strong><em>Um auf den Dokumentarfilm \u201eL\u00ednea de Fuga\u201c zur\u00fcckzukommen, der Film handelt von jungen Migranten, die einerseits in Deutschland ein neues Leben aufbauen wollen, aber anderseits stark mit dem verbunden sind, was in ihrem Herkunftsland passiert. Dabei spielt die Technologie eine gro\u00dfe Rolle. Glaubst du dass sich die heutige Migration von jener fr\u00fcherer Generationen unterscheidet?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sind ein Grund daf\u00fcr die Medien und das Internet. Ein anderer, dass wir in der EU sind. Podemos hat eine Kampagne zusammen mit anderen spanischen Gruppen gemacht, die im Ausland leben, mit dem Slogan \u201eStimme f\u00fcr die R\u00fcckkehr\u201c. Genau das ist der Punkt. Warum Spanien ver\u00e4ndern? Die Mehrheit der Spanier, die in Berlin leben, haben das Land verlassen, weil es dem Land schlecht geht. Sie wissen besser als alle anderen, das sich etwas \u00e4ndern muss. Darum sind sie am meisten an einer Ver\u00e4nderung in Spanien interessiert und verf\u00fcgen \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte Motivation.<\/p>\n<p>Einige Mitglieder von Podemos Berlin haben bereits Familien hier gegr\u00fcndet und werden wahrscheinlich bleiben wollen. Viele wollen jedoch zur\u00fcck nach Spanien und solange die Situation sich nicht \u00e4ndert, wird das nicht m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-326239\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-12-720x540.jpg\" alt=\"LINEA DE FUGA-12\" width=\"720\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-12-720x540.jpg 720w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-12-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/LINEA-DE-FUGA-12.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<p><strong><em>Das gemeinsame Element in deinen Dokumentarfilmen, sind die Personen die sich in verschiedenen Teilen der Welt gegen den Status Quo auflehnen. Warum \u00fcbt die kollektive Aktion eine so starke Faszination auf dich aus?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Manchmal suche ich mir Themen aus, weil sie einen Widerspruch in mir erzeugen. Aktionen durchf\u00fchren, Projekte mit vielen Menschen organisieren, all das bringt auch viele Probleme mit sich. Eine Massenbewegung zu organisieren ist nicht einfach. Ich m\u00f6chte auch beobachten und lernen. Ich m\u00f6chte eines Tages meine Meinung \u00e4ndern k\u00f6nnen, denn ich glaube um historische Ver\u00e4nderungen schaffen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich alle Menschen bewegen und mobilisieren. Das scheint mir das wichtigste Thema in Europa zu sein, wie organisieren wir den Willen der Menschen. Parlamente sind obsolet geworden und k\u00f6nnen auf die Bed\u00fcrfnisse der B\u00fcrger keine Antwort mehr geben. Wir sprechen zwar von einer europ\u00e4ischen Demokratie, in Wirklichkeit handelt sich um eine \u201eDiktatur auf Zeit\u201c. Im Laufe von vier oder f\u00fcnf Jahren k\u00f6nnen sie machen, was sie wollen. Ich sage dir das als Italiener. 2003 haben wir in Rom die gr\u00f6\u00dfte Demonstration gegen den Irak-Krieg gemacht und schlussendlich waren wir mit dabei, zusammen mit den USA.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir denn tun? Ich glaube zu erreichen, dass sich viele Menschen um ein Projekt herum organisieren, ist eine Utopie, da jede Person ihre eigene Geschichte und Perspektive mitbringt. Es ist wie eine Illusion\u2026<\/p>\n<p><strong><em>Ein bisschen wie Don Quijote, wie du den Protagonisten im Film \u201eDer Mann mit dem Megafon\u201c bezeichnet hast. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Genau, ich selber habe ich diese Zweifel, gleichzeitig faszinieren mich die Menschen, die daf\u00fcr die Motivation aufbringen und denke, diesmal werde ich etwas lernen. Als ich zum ersten Mal in diesem Raum war, befand ich mich in einer Versammlung mit Frauen und M\u00e4nner, die sehr interessant waren, die etwas zu sagen hatten und motiviert waren. Das ist f\u00fcr jemanden der Dokumentarfilme dreht das wichtigste. Was hier entsteht wird Geschichte machen. Geschichte sollte man nicht kommentieren, man sollte sie erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong><em>Wenn wir deine Dokumentarfilme anschauen, sehen wir ein Mosaik das von Neapel bis Bagdad, von Algerien bis in die T\u00fcrkei reicht. Man sp\u00fcrt ein Interesse daran das Wesentliche einer Zeit abzubilden, ausgehend von den Geschichten der einfachen Menschen. Ist das deine Absicht?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ja absolut. Ich glaube nicht an die gro\u00dfen Ideen als Motor der Ver\u00e4nderung. Viel mehr glaube ich an die Arbeit der kleinen Leute, die kleine Sachen ver\u00e4ndern und damit zur allgemeinen Ver\u00e4nderung beitragen. Zum Beispiel der Film, den ich in Istanbul \u00fcber Gezi gemacht habe, dreht sich um ein Ereignis, das viele Leute in einem kurzen Zeitraum einbezieht, im Laufe einer Woche. Ich war dabei und es gab vieles zu erz\u00e4hlen, aber mein Impuls war die Geschichte einer Samba-Gruppe zu erz\u00e4hlen. Die kleinen Geschichten geben dir die M\u00f6glichkeit in das Ph\u00e4nomen einzutauchen. Wenn du ein Foto machst, hast du zwei Dimensionen, H\u00f6he und Breite. Wenn du eintauchst, kommt die Tiefe hinzu. Die kleinen Geschichten erm\u00f6glichen dir drin zu sein.<\/p>\n<p><strong><em>Der Film wird jetzt gedreht und gleichzeitig l\u00e4uft eine Crowdfunding Kampagne um die Postproduktion und die Musik zu finanzieren.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein solches Projekt zu realisieren ist nicht einfach. Was dieser Film erz\u00e4hlen m\u00f6chte, ist etwas, was in den K\u00f6pfen der Menschen noch nicht existiert. Wir hatten die M\u00f6glichkeit das Projekt mit Spaniern in Spanien zu machen. Man sagte uns: \u201ePodemos ist in Spanien und wenn ihr Podemos verstehen wollt, m\u00fcsst ihr den Film hier drehen. Dazu braucht es die Geschichte \u00fcber die Gruppe in Berlin nicht. Was k\u00f6nnen sie mehr erz\u00e4hlen, als wir von Podemos in Spanien?\u201c. Wenn du es Leuten erz\u00e4hlst, die keine Spanier sind, denken sie: \u201eDiese jungen Leute verlieren Zeit mit dieser Sache, um sich n\u00fctzlich zu f\u00fchlen.\u201c<\/p>\n<p>Dem ist aber nicht so. Im Film wird das sehr deutlich. Besonders in den Monaten vor den vergangenen Wahlen hat die Gruppe in Berlin eine sehr wichtige Arbeit geleistet. Aus dieser Gruppe kommen zwei Gesetzesvorschl\u00e4ge, die in das Wahlprogramm von Podemos aufgenommen wurden. Das ist ein klares Beispiel wie wichtig die Arbeit dieser Gruppe f\u00fcr Spanien ist. Du bist ja gut mit der Problematik von der \u201evoto rogado\u201c [<em><a href=\"http:\/\/blog.reiner-wandler.de\/2015\/12\/18\/schwierige-wahl\/\" target=\"_blank\">B\u00fcrokratische H\u00fcrden, um im Ausland das Wahlrecht aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. A.d.\u00dc]<\/a><\/em> in Spanien vertraut. Es bedeutet, dass alle die Spanien verlassen haben und das gr\u00f6\u00dfte Interesse an einer Ver\u00e4nderung haben, nicht w\u00e4hlen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"L\u00ednea de fuga \u2013 El c\u00edrculo de Podemos en Berl\u00edn trailer\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5CFcm4zrvf0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><strong><em>Die Wahlbeteiligung der im Ausland lebenden Spanier hat sich stark verringert, seit das \u201evoto rogado\u201c eingef\u00fchrt wurde. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sie sind es, die das System \u00e4ndern m\u00f6chten und das System versucht sich zu sch\u00fctzen. Der Beitrag, der von dieser Gruppe kommt, h\u00e4tte in Spanien nicht entstehen k\u00f6nnen. Sie wissen sehr gut, was es hei\u00dft in Berlin und weit entfernt von seinem eigenen Land zu leben. Darum ist es nicht \u00fcberfl\u00fcssig ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen. Wie bereits gesagt, in Berlin zu leben, gibt dir t\u00e4glich die M\u00f6glichkeit mit Europ\u00e4ern aus anderen L\u00e4ndern in Kontakt zu sein. Dadurch entsteht eine Perspektive, die in Spanien oder Italien nicht existiert, weil dort kein solcher Austausch stattfindet, der dir die Dimension vermittelt, was es hei\u00dft Europ\u00e4er zu sein. In Griechenland hat man sich \u00fcber das Referendum klar f\u00fcr eine Sache entschieden und Tsipras macht trotzdem etwas anderes, weil es die europ\u00e4ischen Gesetze nicht erlauben. Der Kampf im eigenen Land ist zwar wichtig, aber wenn man nicht auf europ\u00e4ischer Ebene k\u00e4mpft, wird man am Ende die Ziele nicht erreichen. Ich wei\u00df nicht, ob man sich dessen in Spanien bewusst ist, aber den Mitglieder von Podemos Berlin ist das v\u00f6llig klar.<\/p>\n<p><strong><em>Du drehst nicht nur Dokumentarfilme, sondern du bist auch Musiker und Schriftsteller. Hast du noch andere Projekte am Laufen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2005 habe ich einen Film in Syrien gemacht, der heute noch gezeigt wird und viele Menschen sagen, ich sollte eine Fortsetzung machen, 11 Jahre danach. Ich drehe viel hier in Berlin. Diese Empfindung der Klaustrophobie des Berliner Winters ist sehr wichtig f\u00fcr den Dokumentarfilm. Aber f\u00fcr dieses Projekt muss ich viel reisen und ich muss sehr sorgsam sein. Daf\u00fcr brauche ich mehr Zeit, aber das wird wohl mein n\u00e4chstes Projekt werden.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Spanischen von Reto Thumiger<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-326246\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/poster.jpg\" alt=\"poster\" width=\"353\" height=\"497\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/poster.jpg 621w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/poster-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 353px) 100vw, 353px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wir gemeinsam die Bar in Kreuzberg betreten, in der wir uns verabredet haben, gr\u00fc\u00dft Michelangelo Severgnini (Crema, Italien, 1974) die Bedienung freundschaftlich und bestellt auf T\u00fcrkisch ein Bier. 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