{"id":325107,"date":"2016-06-02T19:44:23","date_gmt":"2016-06-02T18:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=325107"},"modified":"2016-06-02T19:47:37","modified_gmt":"2016-06-02T18:47:37","slug":"rio-2016-brasilien-wiederholt-fehler-der-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/06\/rio-2016-brasilien-wiederholt-fehler-der-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Rio 2016: Brasilien wiederholt Fehler der Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Brasilien wiederholt bei der Planung des Sicherheitskonzeptes f\u00fcr die Olympischen Spiele die gleichen Fehler, die schon vor und w\u00e4hrend der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 begangen wurden. Diese hatten 2014 f\u00fcr grosses Leid bei der Bev\u00f6lkerung gesorgt. Zudem schr\u00e4nken neue Gesetze die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ein.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In zwei Monaten beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Deshalb ver\u00f6ffentlicht Amnesty International jetzt den Kurzbericht <em>\u00abViolence has no place in these games! Risk of human rights violations at the Rio 2016 Olympic Games\u00bb <\/em>(\u00abF\u00fcr Gewalt ist kein Platz bei den Spielen. Risiken von Menschenrechtsverletzungen aufgrund der Olympischen Spiele 2016 in Rio\u00bb). Er dokumentiert, dass die\u00a0 brasilianischen Beh\u00f6rden und die internationalen Sportverb\u00e4nde bei Rio 2016 auf dasselbe schlecht durchdachte Sicherheitskonzept setzen wie bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2014. Seitdem hat die Zahl der Menschenrechtsverletzungen und der T\u00f6tungen durch Sicherheitskr\u00e4fte massiv zugenommen. Das Versprechen der Regierung, eine `sichere Stadt f\u00fcr alle` zu schaffen als Verm\u00e4chtnis der Olympischen Spiele, ist gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p><strong>Brasilien hat kaum aus Fehlern gelernt<\/strong><\/p>\n<p>\u00abAls Rio 2009 den Zuschlag f\u00fcr die Olympischen Spiele erhielt, versprachen die Beh\u00f6rden, die Sicherheit f\u00fcr alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu verbessern. Seither sind in Rio 2500 Menschen an den Folgen von Polizeigewalt gestorben, kaum ein Fall wurde rechtlich geahndet\u00bb, sagt Atila Roque, Gesch\u00e4ftsleiter von Amnesty International Brasilien.<\/p>\n<p>\u00abBrasilien scheint in den letzten Jahren sehr wenig aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben, was die Gew\u00e4hrleistung der \u00f6ffentlichen Sicherheit anbelangt. Das Vorgehen der Polizei scheint immer dasselbe: \u00aberst schiessen, dann fragen\u00bb. Dies hat Rio zu einer der t\u00f6dlichsten St\u00e4dte der Welt gemacht.\u00bb<\/p>\n<p>Im Vorfeld und w\u00e4hrend der WM 2014 hat die Polizei gewaltsam Kundgebungen und Demonstrationen aufgel\u00f6st. Dabei wurden Dutzende Menschen verletzt und Hunderte willk\u00fcrlich verhaftet. 2014, als die Polizei und das Milit\u00e4r f\u00fcr die \u00abSicherheit\u00bb der Austragungsorte zust\u00e4ndig waren, starben alleine in Rio mindestens 580 Menschen infolge Polizeigewalt. Das entspricht einem Anstieg um 40 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr. 2015 nahm die t\u00f6dliche Polizeigewalt mit 645 Opfern nochmals um 11 Prozent zu.<\/p>\n<p>In diesem Jahr t\u00f6tete die Polizei in Rio de Janeiro bislang bereits mehr als hundert Menschen. Die grosse Mehrheit der Opfer sind junge schwarze M\u00e4nner, die in den Favelas oder in anderen marginalisierten Gemeinschaften leben.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6sstes Sicherheitsaufgebot geplant<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Olympischen Spiele sehen die Beh\u00f6rden das gr\u00f6sste Sicherheitsaufgebot vor, das Brasilien je gesehen hat: 65\u2018000 PolizistInnen und 20\u2018000 SoldatInnen sollen die Olympischen Spiele sichern. Das Konzept sieht auch den Einsatz des Milit\u00e4rs in einigen Favelas vor. Dieses Vorgehen hat in der Vergangenheit zu einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen gef\u00fchrt, die bis heute weder angemessen untersucht noch bestraft wurden.<\/p>\n<p>Die Planung erinnert an das Vorgehen im Vorfeld der WM 2014. Damals riegelten zwei Monate vor dem Anpfiff Tausende Soldaten den \u00abComplexo da Mar\u00e9\u00bb ab, der 16 Favelas umfasst. Der \u00abComplexo da Mar\u00e9\u00bb liegt in der N\u00e4he des internationalen Flughafens, circa 14\u2018000 Menschen wohnen dort. Die\u00a0 Soldaten sind f\u00fcr solche , die der \u00f6ffentlichen Sicherheit dienen sollen, weder trainiert noch ausger\u00fcstet. 2014 war geplant, dass sie nach Abpfiff der Fussball-WM aus den Favelas abziehen sollten. Doch sie blieben \u00fcber ein Jahr pr\u00e4sent und nahmen noch bis im Juni 2015 Polizei-Aufgaben wahr.<\/p>\n<p><strong>Neue Gesetze gef\u00e4hrden Menschenrechte <\/strong><\/p>\n<p>Amnesty International kritisiert, dass die brasilianische Regierung aus der WM 2014 keine Lehren gezogen hat. Im Gegenteil: Im M\u00e4rz 2016 unterzeichnete Pr\u00e4sidentin Dilma Rousseff ein neues Anti-Terror-Gesetz, das so vage formuliert ist, dass es auch als Vorwand zur Kriminalisierung von friedlich Protestierenden und AktivistInnen dienen kann.<\/p>\n<p>Am 10. Mai 2016 verabschiedete die Regierung ausserdem das \u00aballgemeine Gesetz der Olympischen Spiele\u00bb. Dieses Gesetz schr\u00e4nkt das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit an Orten ein, an denen Wettk\u00e4mpfe stattfinden. Das Gesetz ist v\u00f6lkerrechtswidrig und setzt dem Einsatz von exzessiver und willk\u00fcrlicher Polizeigewalt bei der \u00dcberwachung von Kundgebungen keine Grenzen.<\/p>\n<p>Zwei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele bleibt noch Zeit zum Handlen. Die Regierung muss Massnahmen ergreifen, um das Risiko von Menschenrechtsverletzungen zu mindern. Sie muss Mechanismen etablieren, die erm\u00f6glichen, dass Verantwortliche von Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen werden. Zwei Monate vor dem Eintreffen der Sportlerinnen und Sportler stehen zwei Fragen im Raum: Werden die Beh\u00f6rden die Menschenrechte respektieren und sch\u00fctzen? Und werden sie ihr Versprechen \u00abeiner sicheren Stadt f\u00fcr alle\u00bb einl\u00f6sen k\u00f6nnen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brasilien wiederholt bei der Planung des Sicherheitskonzeptes f\u00fcr die Olympischen Spiele die gleichen Fehler, die schon vor und w\u00e4hrend der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 begangen wurden. Diese hatten 2014 f\u00fcr grosses Leid bei der Bev\u00f6lkerung gesorgt. 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