{"id":302694,"date":"2016-04-15T15:34:37","date_gmt":"2016-04-15T14:34:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=302694"},"modified":"2016-04-15T15:47:39","modified_gmt":"2016-04-15T14:47:39","slug":"amelia-massetti-von-artemisia-fuer-eine-wahre-inklusion-von-menschen-mit-behinderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/04\/amelia-massetti-von-artemisia-fuer-eine-wahre-inklusion-von-menschen-mit-behinderung\/","title":{"rendered":"Amelia Massetti von Artemisia: F\u00fcr eine wahre Inklusion von Menschen mit Behinderung"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Ein lebensnahes Interview mit Amelia Massetti von <\/strong><strong><a href=\"http:\/\/www.artemisiaprojekt.de\/\">Artemisia<\/a>, einem Netzwerk f\u00fcr italienisch-deutsche Familien mit Kindern oder Familienmitgliedern mit Behinderung in Deutschland. Amelia weist uns den Weg hin zur wahren Inklusion, jenseits der Fehltritte der deutschen Inklusionspolitik. Amelia lebt zusammen mit ihrer Tochter Lia in Berlin. Es besteht noch gro\u00dfer Handlungsbedarf, um eine wahre Interaktion zwischen Menschen mit Behinderung und der deutschen Gesellschaft zu erzielen. Die Inklusion nach dem italienischen Modell k\u00f6nnte in diesem Bereich n\u00fctzlich sein, diese die Hoffnung und Zielsetzung von Artemisia. <\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><em>Wie hast du deinen Weg zu Artemisia gefunden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Meinen Weg zu Artemisia habe ich \u00fcber <a href=\"https:\/\/retedonneberlino.wordpress.com\/\">Rete Donne<\/a> gefunden. Als ich erfuhr, dass es in Berlin die Plattform f\u00fcr italienischen Frauen im Ausland Rete Donne gibt, habe ich mich gleich mit der Gruppe in Verbindung gesetzt. Und schon beim ersten Treffen habe ich mich bereit erkl\u00e4rt, ihr meine Kompetenz im Bereich der Behindertenerziehung anzubieten. Ich habe auch Eltern oder Familien mit Kindern mit Behinderung in Deutschland meine Kompetenz angeboten.<\/p>\n<p>Daraufhin wurde eine Reihe von Treffen zum Thema abgehalten. Ich wurde dann auch damit beauftragt, ein Projekt auszuarbeiten. Das Ganze ist aber schneller gewachsen als ich mir zu Beginn vorgestellt hatte. Ich entwickelte zahlreiche Ideen. Das Projekt erweiterte sich und wird sich noch in verschiedene Richtungen weiterentwickeln. Ich definiere es als ein Projekt in stetigem Wandel. Es w\u00e4chst je nach den verf\u00fcgbaren Energien und Synergien, die auch von Drau\u00dfen, d.h. von den Menschen kommen, die uns unterst\u00fctzen und ihre F\u00e4higkeiten im Bereich der Behindertenarbeit anbieten. Artemisia kam eher zu mir, als ich zu Artemisia. Denn Artemisia hat mich angespornt, diese Ideen weiterzuentwickeln und eine Plattform zu gr\u00fcnden, die ausgehend von Berlin als Bezugspunkt f\u00fcr italienische Familien mit Kindern mit Behinderung in Deutschland dienen soll. Dieses Thema betrifft n\u00e4mlich ganz Deutschland. Wir brauchen eine Anlaufstelle, wo wir \u00fcber diese Themen sprechen k\u00f6nnen. Auch wenn man die deutsche Sprache beherrscht, gibt es komplexere Themen, die man nur in der eigenen Muttersprache ausdr\u00fccken kann. Und so entsteht eine zweifache Diskriminierung f\u00fcr ein italienisches Elternteil oder allgemein f\u00fcr einen Ausl\u00e4nder mit einem Kind mit Behinderung in Deutschland. Und dies f\u00fchrt zu Isolation und Frustration. Daher habe ich es f\u00fcr erforderlich angesehen, dieses Projekt ins Leben zu rufen.<\/p>\n<p><strong><em>Welche sind die Hauptzielsetzungen von Artemisia?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Artemisia verfolgt das Ziel, eine Anlaufstelle zu schaffen, in der sich italienisch-deutsche Familien mit Kindern mit Behinderung treffen, ihre Erfahrungen austauschen und Informationen \u00fcber die Verwaltungsprozedur erhalten k\u00f6nnen- Sie k\u00f6nnen gemeinsam dieses komplexe Thema angehen, das sich in einer fremden Kultur wie der deutschen noch schwieriger gestaltet, wenn man die Sprache nicht ausreichend beherrscht. Es ist ein Ort erforderlich, an dem man die eigene Identit\u00e4t behaupten kann. Dies gilt nicht nur f\u00fcr die Eltern der Kinder mit Behinderung, sondern auch f\u00fcr die Menschen mit Behinderung selbst. Sie befinden sich hier und sind ausgeschlossen, auch in den zweisprachigen Schulen, wo mehr Kompetenz in den beiden Sprachen verlangt wird. Es wird ihnen die M\u00f6glichkeit genommen, sich mit der italienischen Kultur zu konfrontieren (dies geschieht nur im Kreise der Familie), weil sie sich in Deutschland befinden. Einen Ort zu haben, an dem ich meine Kultur leben, mich mit anderen Italienern und auch mit anderen Kindern mit Behinderung aus derselben Kultur austauschen kann, ist meines Erachtens wesentlich und somit auch die Zielsetzung\u2026 und wenn sich diese Struktur dann in ganz Deutschland entwickelt, kann sie auch zu einer politischen Plattform werden, um auf europ\u00e4ischer Ebene \u00fcber das Thema der Inklusion zu sprechen. Wir Italiener haben eine andere Kultur der Inklusion und eine p\u00e4dagogisch Methode. Und dies versp\u00fcren wir hautnah. Es geht somit darum, eine Reihe von Vorteilen aufzuzeigen, wenn es um die Inklusion von Menschen mit Behinderung geht. Wir tauschen die positiven Errungenschaften und die positiven Aspekte Deutschlands aus und bieten auch unsere positiven Errungenschaften an, um die Lebensqualit\u00e4t der Familien und Menschen mit Behinderung zu verbessern. Es handelt sich somit um einen transnationalen Austausch.<\/p>\n<div id=\"attachment_302702\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-302702\" class=\"wp-image-302702 size-large\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG-20150923-WA0001-7-720x514.jpg\" alt=\"IMG-20150923-WA0001 (7)\" width=\"720\" height=\"514\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG-20150923-WA0001-7-720x514.jpg 720w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG-20150923-WA0001-7-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG-20150923-WA0001-7-768x549.jpg 768w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG-20150923-WA0001-7.jpg 1288w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><p id=\"caption-attachment-302702\" class=\"wp-caption-text\">Amelia Massetti mit ihrer Tochter Lia (Bild: Sarah Seagull)<\/p><\/div>\n<p><strong><em>Welche sind die Haupthindernisse f\u00fcr eine wahre Inklusion in Deutschland? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Seit 2006 wendet Deutschland gem\u00e4\u00df der Konvention \u00fcber die Menschen mit Behinderung die M\u00f6glichkeit der Inklusion an den Schulen an. Da die Anwendung der Inklusion aber von den einzelnen Bundesl\u00e4ndern abh\u00e4ngt, entscheiden Schulen, Familien und Rektoren, die oft kein Interesse an einer Anwendung dieses Inklusionsprinzips haben. Sie begr\u00fcnden dies oft mit dem Mangel an Finanzmitteln oder Anfragen von Seiten der Familien mit Kindern mit Behinderung. So setzen sich die Eltern weiterhin mit den Sonderschulen in Verbindung, da diese ja nicht vollkommen abgeschafft wurden. In Italien hingegen gibt es keine Sonderschulen mehr. In Italien wird seit 40 Jahren eine Methode angewendet, die die Inklusion als Pflicht vorsieht. Die Schulen sind verpflichtet, Kinder mit Behinderung aufzunehmen. Darin besteht der gro\u00dfe Unterschied zu Deutschland. Italien arbeitet seit 40 Jahren mit der Inklusion. In Italien haben wir eine v\u00f6llig andere Methode. Die Deutschen befinden sich noch in einer experimentellen Phase. Dar\u00fcber haben wir auch in der Gruppe von Artemisia gesprochen. Die Deutschen sagen: gut, wir haben Sch\u00fcler mit Behinderung in der Klasse. Sie machen aber Nachhilfeunterricht mit einer anderen Methode in einem anderen Bereich mit Erziehern, die sich um das Kind oder die Gruppe mit Behinderung k\u00fcmmern. Das ist aber eher ein Parkplatz und bedeutet eher Ausschluss als eine wahre Inklusionsmodalit\u00e4t. Denn Inklusion bedeutet, dass das Kind mit Behinderung in Begleitung einer Fachkraft mit der Klasse zusammenarbeitet. Es gibt keine Nachhilfelehrer f\u00fcr Sch\u00fcler mit Behinderung wie beispielsweise in Italien. Diese Modalit\u00e4t muss in Deutschland reformiert werden.<\/p>\n<p>Die deutsche Entscheidung zu Gunsten der Inklusion ist auf jeden Fall wesentlich, da im gesamten Land ein Dominoeffekt entsteht. Aber es sei darauf hingewiesen, dass Italien die Inklusion viel fr\u00fcher einf\u00fchrte. In Deutschland h\u00f6rt man oft nicht auf die Vorschl\u00e4ge und Eingliederungsm\u00f6glichkeiten der italienischen Lehrer, die eine andere Empf\u00e4nglichkeit in diesem Sinne haben. Aber genau diese Methode sollte man anwenden. Daher m\u00fcssen wir als Gruppe Artemisia eine st\u00e4rkere, politische Valenz erzielen. Wir m\u00fcssen die Bedeutung unserer p\u00e4dagogischen Methoden und die Schwierigkeiten in Deutschland auf diesem Gebiet aufzeigen. Sogar die Lehrer tun sich schwer, anderen Lehrern den Begriff der Inklusion zu erkl\u00e4ren. In Deutschland m\u00fcssen wir noch viel gemeinsam arbeiten, besonders in den zweisprachigen Schulen, da sich das Problem der Zweisprachigkeit f\u00fcr die Menschen mit Behinderung viel schwieriger gestaltet. Genau an dieser Stelle wird es noch komplexer zu erkl\u00e4ren, dass die Menschen mit Behinderung den Besuch einer zweisprachigen Schule ben\u00f6tigen. Denn ansonsten verlieren sie ihre urspr\u00fcngliche Identit\u00e4t. Man darf somit nicht ausschlie\u00dfen, dass Menschen mit Behinderung auch zwei oder drei Sprachen erlernen k\u00f6nnen. Ich kann best\u00e4tigen, dass meine Tochter mehrere Sprachen versteht. Aktiv kann sie aber nur Deutsch. H\u00e4tte sie aber eine zweisprachige Schule besucht, h\u00e4tte sie die M\u00f6glichkeit gehabt, sich auch auf Italienisch auszudr\u00fccken. Aber dies war bis vor wenigen Jahren undenkbar. Auch f\u00fcr die Menschen mit Behinderung ist das Erlernen mehrerer Sprachen nicht ausgeschlossen. Vor kurzem durchgef\u00fchrte Studien zum Thema best\u00e4tigen, dass diese Theorie sich auch auf Menschen mit Downsyndrom anwenden l\u00e4sst. Das ist der Punkt. Und man muss ber\u00fccksichtigen, dass die Inklusion in Deutschland ein komplexes Problem darstellt. Es ist auch komplex, weil viele verschiedene Religionen und Kulturen zusammenleben. Der Respekt von anderen Kulturen und die Inklusion sind miteinander verbundene Themenbereiche. Nicht nur ich muss die Kultur des Anderen akzeptieren. Wir m\u00fcssen uns in der Mitte treffen, ohne dass der Andere seine kulturelle Identit\u00e4t verliert. Wir wollen uns nicht von den Menschen, die in einem anderen Land leben, assimilieren lassen. Das ist die wichtige Botschaft, die wir \u00fcber das Netzwerk Artemisia verbreiten m\u00f6chten.<\/p>\n<p>\u2026 Deutschland muss noch sehr viel daran arbeiten und verstehen, was Inklusion bedeutet. Ich erinnere mich an die Grundschulzeit meiner Tochter in einem Pilotinklusionsprojekt hier in Berlin\u2026 ich hatte gro\u00dfe Schwierigkeiten, den Lehrern klar zu machen, was Inklusion f\u00fcr mich bedeutete\u2026 Dasselbe Problem hatte ich auch mit den Eltern. Ich erinnere mich an die Treffen\u2026 Meine Tochter wurde nicht zu den Geburtstagen eingeladen. Und ich lud immer alle ein, organisierte gro\u00dfe Feste und dachte mir, die Inklusion so zu schaffen. Und dann h\u00f6rte ich Eltern, die mir sagten, sie h\u00e4tten Angst, Lia einzuladen, weil sie nicht wussten, wie sie mit ihr umgehen sollten. Anstatt so zu handeln, braucht man doch nur die Mutter zu fragen. Aber es gab keinen Anreiz. Die Lehrer sprachen nicht mit den Eltern. Sie forderten sie auch nicht dazu auf, die Kinder mit Behinderung aufzunehmen und einzuladen. In Italien hingegen l\u00e4dt man auch Kinder mit Behinderung ein. Die Inklusion ist eine Arbeit, die Lehrer und Eltern gemeinsam bew\u00e4ltigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong><em>Welche sind die positiven Entwicklungen der letzten Jahre in Deutschland? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Viele Schulen versuchen Kinder mit Behinderung einzugliedern. Menschen mit Behinderung k\u00f6nnen sich auch immer leichter in der Stadt fortbewegen. In der \u00dcberwindung der architektonischen Barrieren f\u00fcr Menschen mit motorischen Problemen ist Deutschland an erster Stelle in Europa. Es gibt auch immer mehr Ampeln mit Audiosystemen f\u00fcr Blinde. Die Braille-Schrift wird in Museen und anderen kulturellen Veranstaltungen immer mehr angewendet. Man bem\u00fcht sich in Deutschland sehr um die Inklusion der Menschen mit Behinderung. Aber es fehlt eine sozial-inklusive Beziehung. An dieser Stelle muss man noch viel tun. Die Sonderschulen, die Sonderdiskotheken und die vom normalen Leben abgegrenzten Orte m\u00fcssen geschlossen werden. Hier muss man anpacken. Das Problem besteht aber auch darin, dass viele Familien einen gesch\u00fctzten Ort dem Gef\u00fchl der Inklusion in der Gesellschaft vorziehen. Ich glaube, es wird noch Jahre dauern, um \u00fcber positive Ver\u00e4nderungen sprechen zu k\u00f6nnen, beispielsweise hinsichtlich der Sexualit\u00e4t und des Zusammenlebens. Zurzeit gibt es st\u00e4dtische Wohnprojekte, die sich nicht am Stadtrand befinden. Denn in der Vergangenheit befanden sich die Wohngemeinschaften sehr oft am Stadtrand, wo sie teilweise bis heute untergebracht sind. Dieser Aspekt ist wesentlich und entscheidend f\u00fcr die positive Entwicklung der Inklusion. Nat\u00fcrlich bietet Deutschland aufgrund seines stabileren Wohlfahrtsstaates, den Familien und Menschen mit Behinderung mehr finanzielle Unterst\u00fctzung. Diese k\u00f6nnen hier eine bessere Lebensqualit\u00e4t erzielen und ein sichereres Leben f\u00fchren als in Italien. Aber auf der sozialen Ebene gibt es noch sehr viel Handlungsbedarf.<\/p>\n<p><strong><em>Wie wichtig ist es, gemeinsam auf einer sozio-politischen Ebene zu handeln, um die Situation zu verbessern? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es ist wichtig, gemeinsam zu handeln und zu arbeiten. Denn nur wenn sich die Menschen, die Politik und die Institutionen gemeinsam mit den Menschen mit Behinderung und ihren Familien einsetzen, um ihre Probleme zu verstehen und gemeinsame Wege zu finden, erm\u00f6glicht man den direkt involvierten Menschen die Beziehung zu den Beh\u00f6rden. Nur so k\u00f6nnen wir Ver\u00e4nderungen hervorbringen. Dies bedeutet wirtschaftliche Planung, Chancen f\u00fcr Menschen mit Behinderung zwecks Zugangs zum Schulleben und zur Arbeitswelt. Die Menschen mit Behinderung sollen nicht in einer Arbeit in der Behindertenwerkstatt isoliert werden, wo sie nur mit anderen Menschen mit Behinderung arbeiten. Die einschl\u00e4gigen Gesetze m\u00fcssen ge\u00e4ndert werden, um mehr Chancen zu schaffen. Die Menschen mit Behinderung m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit haben, von Anfang an und nicht danach am Schulleben teilzuhaben. Wenn ich von klein auf Kontakt zu Menschen mit Behinderung habe, habe ich keine Angst vor ihnen, wenn ich erwachsen werde und lerne, mit ihnen umzugehen. Das ist der Punkt. Und dies muss politisch umgesetzt werden, nicht nur in Deutschland, sondern \u00fcberall. Man muss Gesetzes\u00e4nderungen einleiten und wirtschaftliche Investitionen starten. Es handelt sich um eine dauernde Arbeit. Die St\u00fctzlehrer m\u00fcssen die passende Qualifikation erhalten, um die schulische Eingliederung der Kinder mit Behinderung zu erm\u00f6glichen. Man muss mit den anderen Lehrern und mit den Eltern zusammenarbeiten, die \u00fcber viel Erfahrung und Kompetenz verf\u00fcgen. Ich wiederhole: es ist wesentlich, das Thema der Diversit\u00e4t anzugehen. Denn wenn die Diversit\u00e4t mit Angst verbunden bleibt, ist das ein gro\u00dfes Problem. Denn die Diversit\u00e4t betrifft alles: eine andere Kultur, eine andere Hautfarbe, die Homosexualit\u00e4t, das Fremde, das Unbekannte. Wenn wir diese Angst vor dem Anderen abbauen und gro\u00dffl\u00e4chig und konstant daran arbeiten, eignen wir uns den Begriff der Diversit\u00e4t an. Die Diversit\u00e4t treibt meine Entwicklung voran. So finde ich eine Art und Weise, um mit dem Anderen, der in mir ist, in Kontakt zu treten. Es ist nicht gesagt, dass Menschen, die begabter sind, auch gl\u00fccklicher sind. Es ist wesentlich, gemeinsam zu handeln, indem man die verschiedenen Kompetenzen des Lebens erweitert.<\/p>\n<p><strong><em>Was k\u00f6nnen wir von den Menschen mit Behinderung lernen? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Von den Menschen mit Behinderung k\u00f6nnen wir sehr viel lernen. Wir k\u00f6nnen lernen, Freude f\u00fcr das Notwendigste zu empfinden. Ich kann euch das Beispiel meiner Tochter mit Down-Syndrom nennen, die sich mit dem Wenigsten zufrieden gibt. Und dann sehe ich Andere, die nie zufrieden sind. Und dann sehe ich meine Tochter, die mit so wenig gl\u00fccklich ist. Wenn sie ein kleines Ziel erreicht, ist sie gl\u00fccklich. Wenn sie etwas alleine und selbst\u00e4ndig schafft, macht sie das gl\u00fccklich. Jeder kleine Schritt war f\u00fcr sie eine gro\u00dfe Errungenschaft. Sie war gl\u00fccklich. Und mir hat das viel Kraft gegeben. Und ich habe viel dazugelernt. Wir sind nie zufrieden. Wir wollen immer mehr. Wir wollen alles besitzen und sind nicht gro\u00dfz\u00fcgig. Als Lia klein war, hat sie immer alles mit den Anderen geteilt. Ich musste mich darum bem\u00fchen, ihr zu erkl\u00e4ren, dass man nicht alles verschenken kann. Auch f\u00fcr mich war dies schwierig, da ich auch eine gro\u00dfz\u00fcgige Person bin. Ich habe darin eine gewisse Form der Religiosit\u00e4t und der Nicht-Aneignung versp\u00fcrt. Man sollte darin eine gro\u00dfe geistliche F\u00e4higkeit sehen, die andere Menschen nicht haben. Menschen mit Behinderung sind dazu f\u00e4hig, Emotionen zu versp\u00fcren. Die Intuition ist in ihnen sehr stark. Wir m\u00fcssen diese intuitive F\u00e4higkeit aufnehmen. Sie unterst\u00fctzt uns dabei, unsere intuitive Kompetenz, die in uns steckt und die wir bei Seite gelegt haben, nicht zu verlieren. Dies sollten wir von den Menschen mit Behinderung erlernen. Wir m\u00fcssen auch die Freude versp\u00fcren, die wir auf unserem Weg verloren haben. Vielleicht macht uns das viele Wissen ungl\u00fccklich. Das ist etwas, was mich immer schon fasziniert hat, vor allem im Falle meiner Tochter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein lebensnahes Interview mit Amelia Massetti von Artemisia, einem Netzwerk f\u00fcr italienisch-deutsche Familien mit Kindern oder Familienmitgliedern mit Behinderung in Deutschland. Amelia weist uns den Weg hin zur wahren Inklusion, jenseits der Fehltritte der deutschen Inklusionspolitik. 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