{"id":275734,"date":"2016-02-06T12:57:18","date_gmt":"2016-02-06T12:57:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=275734"},"modified":"2016-02-06T12:58:26","modified_gmt":"2016-02-06T12:58:26","slug":"sedigheh-vasmaghi-nicht-der-islam-unterdrueckt-die-frau-sondern-die-rechtstradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/02\/sedigheh-vasmaghi-nicht-der-islam-unterdrueckt-die-frau-sondern-die-rechtstradition\/","title":{"rendered":"Sedigheh Vasmaghi: Nicht der Islam unterdr\u00fcckt die Frau, sondern die Rechtstradition"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Sedigheh Vasmaghi ist eine Rechtswissenschaftlerin, Poetin und Autorin aus dem Iran. Sie ist als Mitglied der iranischen Reformbewegung bekannt und musste aufgrund von Drohungen und Verfolgung das Land verlassen.<\/strong><\/p>\n<p>Sedigheh Vasmaghi promovierte an der Universit\u00e4t Teheran und ist eine der wenigen Frauen, die im Iran islamisches Recht unterrichtet haben. Sie ist auch eine bekannte Dichterin. 1989 ver\u00f6ffentlichte sie ihre erste Sammlung von Gedichten mit dem Titel Beten f\u00fcr den Regen. Seitdem hat sie f\u00fcnf Gedichtb\u00e4nde und verschiedene akademische Arbeiten ver\u00f6ffentlicht. Sie hat auch klassische arabische Poesie ins Persische \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Die Schriften und politischen Anschauungen von Sedigheh Vasmaghi brachten ihn vermehrt Zensur, Einsch\u00fcchterung und Drohungen ein. Nach den Pr\u00e4sidentschaftswahlen von 2009 im Iran nahm sie an der Protestbewegung teil, indem sie Briefe, Gedichte und Artikel ver\u00f6ffentlichte. Schlie\u00dflich musste sie das Land verlassen. 2012 kam Dr. Vasmaghi nach Uppsala.<\/p>\n<p>Wir haben Frau Vasmaghi \u00fcber den Unterschied zwischen dem wahren Islam, der die Frauenrechte unterst\u00fctzt, und der Auslegung vieler befragt, die den Islam nutzen, um Frauen zu unterdr\u00fccken. Die muslimischen Gesellschaften rechtfertigen die Unterdr\u00fcckung der Frau im Namen des Islam und liegen falsch. Dies zu erkl\u00e4ren ist eine der wichtigsten Herausforderungen des islamischen Feminismus in unserem Zeitalter. Wir brauchen dringende Reformen im Namen des Islam, der sich der Diskriminierung der Frau stark widersetzte. Ich m\u00f6chte mich herzlichst bei Sedigheh f\u00fcr ihre Zeit bedanken.<\/p>\n<p><strong><em>Milena Rampoldi: Wie schwierig war es f\u00fcr Sie als Frau, islamisches Recht zu unterrichten? Welche sind die wichtigsten Vorurteile gegen\u00fcber Frauen in den muslimischen Gesellschaften? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sedigheh Vasmaghi: Ich war die erste Frau, die im Iran im Fach islamisches Recht promovierte. Nach meiner Promotion unterrichtete ich an der theologischen Fakult\u00e4t in Teheran als einzige Frau in der Abteilung f\u00fcr islamisches Recht. Ich war qualifiziert, um Spezialisierungskurse zu halten, aber es war nicht einfach, diese zu bekommen. Denn es herrschte eine falsche Tradition an der theologischen Fakult\u00e4t vor, die davon ausging, dass wir Frauen nur zugelassen w\u00e4ren, um allgemeine Kurse f\u00fcr M\u00e4dchen zu halten. Wir durften auch nicht Jungs unterrichten. Aber die m\u00e4nnlichen Lehrer durften beide, M\u00e4dchen und Jungs, unterrichten, und dies sei es in den allgemeinen als auch in den Spezialisierungskursen. Auf der Grundlage dieser falschen und ungerechten \u201eTradition\u201c wurde einer weiblichen Lehrkraft verwehrt, Spezialisierungskurse zu halten und auf hohem Niveau zu unterrichten. Das ist wohl die schlimmste Diskriminierung gegen Frauen im akademischen Bereich. Ich konnte und wollte dies nicht tolerieren. Somit musste ich mich dem widersetzen. Meine m\u00e4nnlichen Kollegen stimmten dem zu, aber sie wollten sich am Kampf gegen eine ungerechte Tradition nicht beteiligen, da das Problem sie ja nicht direkt betraf. Auch die wenigen weiblichen Lehrkr\u00e4fte in anderen Abteilungen lehnten es ab, mich in meinem Kampf zu unterst\u00fctzen. Vielleicht dachten sie ja, dass dieser Versuch zu keinem Ergebnis f\u00fchren w\u00fcrde, oder sie wollten keinen m\u00f6glichen Preis daf\u00fcr bezahlen. Das machte nichts. Zu Beginn war ich eine Einzelk\u00e4mpferin, aber \u00fcberzeugte Studenten unterst\u00fctzten mich. Diese Unterst\u00fctzung war sehr hilfreich, im Besonderen die Unterst\u00fctzung von Seiten der m\u00e4nnlichen Studenten. Ich erhielt die M\u00f6glichkeit, Spezialisierungskurse f\u00fcr M\u00e4dchen und Jungs zu halten. Aber ohne die Unterst\u00fctzung meiner Studenten h\u00e4tte ich nichts erreichen k\u00f6nnen. Obwohl ich unterrichten konnte, wie ich wollte, konnte ich diese ungerechte und diskriminierende Tradition nicht \u00fcberwinden, denn dies erfordert eine riesige Bem\u00fchung von vielen Seiten, d.h. nicht nur auf Initiative der Frauen, sondern auch der M\u00e4nner. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich in den Vorlesungsraum kam und \u00fcberraschend den Leiter der Fakult\u00e4t, einen Geistlichen, an meiner Stelle unterrichten sah. Er setzte alles daran, um mich nicht jenen hochspezialisierten Kurs unterrichten zu lassen, aber dank des Kampfes mit der Unterst\u00fctzung der Studenten und einiger Medien unterlag er am Ende.<\/p>\n<p>Leider werden viele Vorurteile und Diskriminierungen gegen\u00fcber Frauen in der muslimischen Gesellschaft mit dem Islam gerechtfertigt, indem alles auf unsere Religion zur\u00fcckgef\u00fchrt wird. Dies war f\u00fcr die M\u00e4nner der einfachste Weg, um ihren Willen durchzusetzen, indem sie die Religion manipulierten. Wenn Anschauungen auf den Islam projiziert werden, auch wenn sie falsch sind, ist es schwierig, sich dem zu widersetzen. Auf der anderen Seite ist es einfach gewesen, die muslimischen Frauen zu \u00fcberzeugen, diese falschen Anschauungen hinzunehmen. Es gibt zahlreiche Diskriminierungen und Vorurteile, die in den muslimischen Gesellschaften legalisiert werden. Eine der schlimmsten unter ihnen ist die Verh\u00e4ngung der Todesstrafe gegen Frauen im Namen des Islam, der sogenannte Ehrenmord. In einigen muslimischen Gemeinden gilt die T\u00f6tung einer verd\u00e4chtigten Frau nicht nur als legal, sondern in kultureller Hinsicht sogar als bewundernswert. Aber es handelt sich um ein schweres Verbrechen gegen Frauen. Der Koran, der die Hauptquelle des Islam ist, weist den Ehrenmord ganz klar zur\u00fcck. Auch die islamische Tradition weist ihn zur\u00fcck, aber dieses ignorante Vorurteil wurde von der islamischen Rechtsprechung auf eine unkorrekte Art und Weise begr\u00fcndet, sodass ein solcher Mord nicht mehr als verboten gilt. Leider widersetzt sich auch das iranische Strafrecht dieser Art von Mord nicht, w\u00e4hrend der Islam klar unter Beweis stellt, dass die Halal- und Haramhandlungen (d.h. das in islamischer Hinsicht Erlaubte und Verbotene) f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen gleich sind. Das Geschlecht wird in den urspr\u00fcnglichen, islamischen Gesetzen nicht ber\u00fccksichtigt. Gem\u00e4\u00df der rationalen Vorschrift gibt es keinen Unterschied zwischen einem von einer Frau und einem von einem Mann begangenen Verbrechen. Diese Vorschrift wird vom Islam akzeptiert, wird aber nicht korrekt umgesetzt. Daher gibt es in den muslimischen Gesellschaften eine breitere Palette von Frauen- als von M\u00e4nnerverbrechen.<\/p>\n<p><strong><em>Was bedeutet der islamische Feminismus f\u00fcr Sie? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Feminismus ist eine Bewegung, die auf die \u00dcberwindung von Diskriminierungen gegen Frauen und auf den Kampf um die gleichen, grundlegenden Rechte fokussiert. Wenn Sie mich fragen, ob der Islam diese Zielsetzungen des Feminismus verfolgt, dann antworte ich Ihnen, dass ich keinen Widerspruch zwischen den Lehren des Islam und den angef\u00fchrten Zielsetzungen des Feminismus sehe. Vor 14 Jahrhunderten leitete der Islam wichtige Schritte ein, um die Frauenrechte zu verbessern, und dies in einer Zeit, in der es keine Bewegung f\u00fcr die Gleichberechtigung der Frauenrechte gab. Die islamischen Reformen zu Gunsten der Frauen wurden von den M\u00e4nnern nicht unterst\u00fctzt, und die Frauen verf\u00fcgten nicht \u00fcber die gen\u00fcgenden intellektuellen und praktischen Kompetenzen, um diese Reformen voranzutreiben. Die islamischen Reformen wurden im Verh\u00e4ltnis zu den Kapazit\u00e4ten jener Gesellschaft umgesetzt. Es gibt keine Beweise, dass sich der Islam der Gleichberechtigung von M\u00e4nnern und Frauen widersetzt. Die Diskriminierungen basieren nicht auf dem Islam, sondern kommen von den Menschen. Es obliegt den Menschen, die Diskriminierungen zu \u00fcberwinden. Die Rechtsprechung ist keine islamische Pflicht. Die traditionelle islamische Rechtsprechung unterst\u00fctzt diese Gleichberechtigung nicht, daher m\u00f6chte ich an dieser Stelle den Unterschied zwischen Islam und Rechtsprechung betonen. Was die Rechtsprechung fordert, ist keine islamische Forderung. Denn die traditionelle islamische Rechtsprechung hat keine \u00fcberzeugenden Gr\u00fcnde, um sich den Diskriminierungen der Frauen zu widersetzen.<\/p>\n<p><strong><em>Welche sind die wichtigsten Themen, die Sie in Ihrem Buch \u201cWomen, Jurisprudence, Islam\u201d behandeln?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In diesem Buch wollte ich auf drei Hauptaspekte der Debatte fokussieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Differenzierung zwischen dem wahren Islam und den Vorschriften der Rechtsprechung durch die muslimischen Rechtsgelehrten, die dann in der Geschichte auf den Islam zur\u00fcckgef\u00fchrt wurden. Ich bin der Ansicht, dass die Mehrheit dieser Vorschriften nicht auf dem Islam basiert, sondern aus der Tradition stammt.<\/li>\n<li>Die Er\u00f6rterung der diskriminierenden Gesetze gegen die Frauen, die auf die islamische Scharia zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Ich habe mich den Begr\u00fcndungen widersetzt, die muslimische Rechtsgelehrte angef\u00fchrt haben, indem sie versuchten zu beweisen, dass diese Gesetze islamische Gesetze sind und daher umgesetzt werden m\u00fcssen. Sie haben die Diskriminierungen gegen die Frauen theoretisch verankert, indem sie sich auf streitige Begr\u00fcndungen beriefen, die ich in meinem Buch bespreche. Es gelang ihnen, diese Vorschriften den muslimischen Gesellschaften und der muslimischen Kultur aufzudr\u00e4ngen. Dies erfolgte aber nicht, weil diese Begr\u00fcndungen \u00fcberzeugend sind, sondern weil sich keiner und im Besonderen keine Frau diesen widersetzte und sie in Frage stellte.<\/li>\n<li>Ich gelange zur Schlussfolgerung, dass alle Gesetze, einschlie\u00dflich der Gesetze in den Bereichen Familie, Gesellschaft, Zivil- und Strafsachen keine von der Scharia abgeleiteten Gesetze sind. Die Rechtsprechung ist dem Volk \u00fcberlassen, und jede Gesellschaft orientiert sich nach ihren Anforderungen, Bedingungen und Forderungen im Bereich der Verabschiedung der Gesetze und folgt nicht dem Islam, sondern f\u00fchrt ihre traditionellen L\u00f6sungen auf den Islam zur\u00fcck, auch wenn diese nicht vom Islam stammen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass die muslimische Welt eine dringende Scharia-Reform braucht. Dies bedeutet, dass der Bereich der Scharia auf moralische Lehren und Gottesdiensthandlungen beschr\u00e4nkt und die Zivil- und Strafsachen von der Scharia ausgeschlossen werden m\u00fcssen, vor allem im Iran.<\/p>\n<p>In der <a href=\"http:\/\/www.harrassowitz-verlag.de\/dzo\/artikel\/201\/001\/1914_201.pdf?t=1397633841\">Einf\u00fchrung zu meinem Buch<\/a> hei\u00dft es hierzu:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-275737\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/quotation-sedigheh-vasmaghi.png\" alt=\"quotation sedigheh vasmaghi\" width=\"604\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/quotation-sedigheh-vasmaghi.png 604w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/quotation-sedigheh-vasmaghi-300x149.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/p>\n<p><strong><em>Was bedeutet die Dichtung f\u00fcr Sie? Welche Bedeutung hat sie in Ihrem Leben?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Seit ich die Poesie kennengelernt habe, lebe ich mit der Poesie zusammen. F\u00fcr mich ist die Poesie wie die Luft zum Atmen und stellt auch die st\u00e4rkste und k\u00fcrzeste Sprache dar, um zu protestieren. Die Poesie ist meine Freundin. Sie schenkt mir in meinen schwierigen Lebensmomenten Frieden. Die Poesie war immer schon wichtig f\u00fcr mich, um mich auszudr\u00fccken. Ich wurde wegen meiner Poesie verfolgt und bedroht. Dies zeigt, wie wichtig die Poesie in meinem Leben ist.<\/p>\n<p><strong><em>Welche Reformen sind heute im Iran notwendig, um die muslimischen Frauen zu ihren Rechten zu verschaffen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es gibt kurzfristige und langfristige Reformen, die im Iran n\u00f6tig sind, um die Frauenrechte zu f\u00f6rdern. Mit kurzfristigen Reformen meine ich Gesetzesreformen, wie in den Bereichen des sozialen und Familienrechtes. Um Ihnen einige Beispiele zu nennen: Das Kopftuch ist f\u00fcr die iranischen Frauen verpflichtend. Das Kopftuch als Pflicht ist eine falsche, ungerechte und unethische Vorschrift, die schlechte Auswirkungen auf das Leben der Frauen hat. Der staatliche Eingriff in eine private Angelegenheit wie die Kleidung f\u00fchrt zu zahlreichen Einschr\u00e4nkungen und Schwierigkeiten f\u00fcr die Frauen und hat die soziale und psychologische Sicherheit der Frauen beeintr\u00e4chtigt; denn diese Vorschrift erlaubt der daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Polizei, unethische und unbegr\u00fcndete Ma\u00dfnahmen und Aktionen gegen jene Frauen, die sich nicht genau an diese Vorschrift halten, einzuleiten. Aufgrund dieser Vorschrift haben die Frauen im sportlichen Bereich kaum Chancen. Ein anderes Beispiel eines diskriminierenden Gesetzes ist das, nach dem eine Frau die Erlaubnis ihres Ehemannes braucht, um einen Reisepass zu bekommen. Zahlreiche M\u00e4nner k\u00f6nnten dieses falsche Gesetz ausnutzen, um Frauen unter Druck zu setzen. Gem\u00e4\u00df dem iranischen Familiengesetz, das auf der (sogenannten) Scharia basiert, hat eine Mutter selbst nach dem Tod ihres Ehemanns keinen Rechtsstatus gegen\u00fcber ihren Kindern. Ihre Rechte auf die Kinder werden nicht anerkannt, und die Vormundschaft wird auf den Gro\u00dfvater v\u00e4terlicherseits \u00fcbertragen. Ich bin der Meinung, dass solche Vorschriften nicht vereinbar sind mit der heutigen Situation der Frauen. Die Frauen haben keine politische Macht. Eine Frau darf nicht Staatspr\u00e4sidentin werden oder wichtige politische \u00c4mter innehaben. Aber die Verbesserung der Frauenrechte erfordert die Reformierung solcher Gesetze.<\/p>\n<p>In einem langfristigen Reformprozess, ist auch die Reformierung der Verfassung notwendig. Eine andere, dringende Notwendigkeit bezieht sich auf kulturelle Reformen. Ich denke, dass alle falschen Traditionen und Perspektiven in den muslimischen Gesellschaften reformiert werden m\u00fcssen. Und dies ist im Iran der Fall.<\/p>\n<p>Um sei es kurz- als auch langfristige Reformen umzusetzen, brauchen die Frauen gesellschaftliche und politische Macht. Sie m\u00fcssen sich bewusst f\u00fcr die Erlangung ihrer Rechte einsetzen.<\/p>\n<p><strong><em>Warum ist eine islamische Opposition gegen den Staatsislam so wichtig f\u00fcr den Iran und die muslimische Welt? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein islamischer Staat nutzt den Islam als Mittel f\u00fcr jegliche Handlung. Gesetzgebungen, Einschr\u00e4nkungen, politische Richtlinien, Unterdr\u00fcckungen und alles andere werden dem Islam zugeschrieben. Die Opposition gegen die Gesetzgebungen und politischen Richtlinien wird als Opposition gegen den Islam angesehen und daher bestraft. Die meisten Menschen wissen zu wenig \u00fcber den Islam. Und dies gibt dem islamischen Staat die M\u00f6glichkeit, den Aberglauben im Namen des Islam die Oberhand gewinnen zu lassen, um Menschenrechte und Freiheit zu unterdr\u00fccken. W\u00fcrde man die Menschen darauf ansprechen, damit sie sich dessen bewusst werden, dass diese Aberglauben keine islamischen Lehren sind, dann w\u00e4re es leichter, etwas zu \u00e4ndern. Denn solange die Menschen in der muslimischen Welt glauben, dass alles, was muslimische Geistliche und die muslimische Rechtsprechung behaupten, Teil der islamischen Scharia ist, wird sich der Prozess der Ver\u00e4nderung sehr schwierig gestalten. Wenn man mit Menschen \u00fcber ihre religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen spricht, um sie abzulehnen oder zu berichtigen, muss man ausreichende Begr\u00fcndungen vorbringen und passende Mittel und die korrekte Ausdrucksweise einsetzen, um auch \u00fcberzeugend zu sein. Um Ihnen ein Beispiel im Bereich der Frauenrechte zu geben: \u00dcber Jahrhunderte behauptet die islamische Rechtsprechung, dass diese diskriminierenden Gesetze auf die islamische Scharia zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. T\u00e4glich lernen Tausende von Sch\u00fclern in Tausenden islamischen Schulen, dass diese Gesetze Teil der heiligen Scharia sind. Daher ist es so schwierig, sich diesen Vorschriften und Lehren zu widersetzen. Aber wenn man in diesem Bereich etwas erreicht, so ist dies f\u00fcr die gesamte muslimische Welt von Bedeutung. Die muslimischen Gemeinden sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Die islamischen Schariagesetze sind in den verschiedenen muslimischen Rechtsschulen und Sekten sehr \u00e4hnlich. Im Bereich der Frauenrechte gibt es keine wesentlichen Unterschiede.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich anf\u00fchren, dass die Grundlage jeden islamischen Staates (gem\u00e4\u00df allen islamischen Gruppierungen) Ausdruck des islamischen Gesetzes ist. Die Mehrheit der Vorschriften der Scharia fokussieren auf Familien- und Strafrecht. Aber ein islamischer Staat mit Ber\u00fccksichtigung seiner Interessen kann auf die sogenannten islamischen Strafgesetzes wie Steinigung, Auspeitschung und Amputation verzichten, aber wie die Erfahrung zeigt, kann der islamische Staat nicht auf die Familiengesetze verzichten. Der Fokus auf das Familiengesetz innerhalb der Scharia bezweckt die Kontrolle der Frau und die Verankerung der diskriminierenden Rechte der M\u00e4nner \u00fcber die Frauen. Dies bedeutet, dass der Hauptfokus des islamischen Staates darauf gelenkt ist, die traditionelle Position der Frauen beizubehalten, indem sie sich Reformen zu Gunsten der Frauen widersetzt. In der Tat sieht ein islamischer Staat keinen Sinn in der Scharia, wenn Frauen und M\u00e4nner dieselben Rechte haben. Dies zeigt, wie schwierig und wichtig es ist, in den muslimischen Gesellschaften f\u00fcr die Frauenrechte zu k\u00e4mpfen, im Besonderen, indem man zeigt, dass der Islam sich niemals der Gleichberechtigung von Mann und Frau widersetzt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Sedigheh Vasmaghi ist eine Rechtswissenschaftlerin, Poetin und Autorin aus dem Iran. Sie ist als Mitglied der iranischen Reformbewegung bekannt und musste aufgrund von Drohungen und Verfolgung das Land verlassen. 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