{"id":271247,"date":"2016-01-25T17:10:13","date_gmt":"2016-01-25T17:10:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=271247"},"modified":"2016-01-25T17:11:29","modified_gmt":"2016-01-25T17:11:29","slug":"rat-fuer-die-beziehungen-zum-italienischen-islam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/01\/rat-fuer-die-beziehungen-zum-italienischen-islam\/","title":{"rendered":"Rat f\u00fcr die Beziehungen zum \u201eitalienischen\u201c Islam"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 19. Januar 2016 fand im italienischen Innenministerium, unter der Leitung des italienischen Innenministers Angelino Alfano, das erste Treffen des Rats f\u00fcr die Beziehungen zum \u201eitalienischen\u201c Islam statt. In Italien leben mehr als 1,6 Millionen Muslime. Die Zahl der italienischen Konvertiten steigt j\u00e4hrlich. Das Recht auf die freie Aus\u00fcbung der eigenen Religion ist in der italienischen Verfassung verankert, die auch die Gleichberechtigung zwischen den verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen betont.<\/strong><\/p>\n<p>Der Rat setzt sich aus Dozenten und Experten der islamischen Kultur und Religion zusammen. Diese wurde aufgrund ihrer besonderen Kompetenzen ernannt (mit Sicherheit durch das Ministerium selbst). Darunter finden sich die Soziologen Enzo Pace, Stefano Allievi und Annalisa Frisina, die Islamwissenschaftler Ida Zilio Grandi, Sherazade Husmand, Massimo Campanini und Francesco Zannini. Prof. Paolo Naso ist der KOORDINATOR des Rates.<\/p>\n<p>F\u00fcr die italienische Regierung ist der Islam aber nicht nur eine Religion, sondern vor allem eine Kultur oder religi\u00f6s gepr\u00e4gte Kultur. Somit gilt der Grundsatz, dass die Beziehungen zum Islam nicht abstrakte Beziehungen zum islamischen Dogma, zur islamischen Doktrin, Glaubenslehre und zum islamischen Rechts- und Wirtschaftssystem sind, sondern zu einer Gruppe von Kulturen, die sich in der gemeinsamen islamischen Religion identifizieren und wiederfinden. Daher spricht man in Italien auch vom \u201eitalienischen\u201c Islam als von einer dynamischen Realit\u00e4t, die es zu gestalten gilt, um die Demokratie zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Das Ziel, das der italienische Staat mit der Gr\u00fcndung des Rats f\u00fcr die Beziehungen zum Islam verfolgt, besteht in der F\u00f6rderung des Dialogs mit den kulturellen und religi\u00f6sen Identit\u00e4ten eines Islams im Plural, der die italienische Demokratie nur noch verst\u00e4rken kann, weil er den Frieden, die soziale Zusammengeh\u00f6rigkeit und die Einheit aller in Italien lebenden B\u00fcrger voranbringt und wesentlich unterst\u00fctzt. Die Religionsaus\u00fcbung ist ein B\u00fcrgerrecht und wer auf dem italienischen Einzugsgebiet lebt, genie\u00dft dieses B\u00fcrgerrecht als verfassungsrechtlich gesch\u00fctztes und gef\u00f6rdertes Recht.<\/p>\n<p>Nur durch den Dialog mit dem Anderen erreicht man den Frieden und das friedvolle und gerechte Zusammenleben unter verschiedenen Kulturen und Religionen: diese ist die Grund\u00fcberzeugung des Islamrates in einem Land wie Italien, das im Verh\u00e4ltnis zu Deutschland noch am Experimentieren ist und dessen islamische Institutionen und Gemeinschaften sich noch in der Entwicklungsphase befinden.<\/p>\n<p>Italien blickt aber im Verh\u00e4ltnis zu Nordeuropa auf ein Jahrhunderte langes Zusammenleben mit den Muslimen zur\u00fcck, vor allem wenn wir an die arabische Herrschaft in Sizilien denken. Somit sind die Muslime f\u00fcr die Italiener die direkten Nachbarn des s\u00fcdlichen Mittelmeers. Das Mittelmeer ist f\u00fcr die italienische Demokratie ein Ort der Begegnung, ein Ort auch des Konflikts ja, aber vor allem des Zusammenlebens und der Dialektik zwischen der s\u00fcdeurop\u00e4ischen, christlichen und der nordafrikanischen, islamisch gepr\u00e4gten Kultur.<\/p>\n<p>Das praktische Ziel, das der Rat verfolgt, wird von Minister Alfano wie folgt beschrieben: \u201eDer Rat hat die Aufgabe, Stellungnahmen zu verfassen und Vorschl\u00e4ge zu unterbreiten, die sich um Fragen rund um die Integration der Bev\u00f6lkerung drehen, die aus einer islamisch gepr\u00e4gten Kultur und Religion stammt und nun in Italien lebt.\u201c F\u00fcr den italienischen Ministerpr\u00e4sidenten sind die italienischen Muslime Menschen, die einen Beitrag \u201ezu einer friedlichen Entwicklung und zum Wohlstand unseres Landes beitragen k\u00f6nnen, indem sie sich an unsere Gesetze halten und unsere christliche und humanistische Tradition respektieren\u201c. Es geht somit nicht um ein Nebeneinander-, sondern um ein wahres Miteinanderleben von Christen und Muslimen im Land.<\/p>\n<p>Das Positive an der Ansprache von Alfano ist meiner Ansicht nach der Aspekt der Kultur und des Dialogs. Es geht nicht nur darum, Muslime zu assimilieren, sondern ihnen zuzuh\u00f6ren, ihre Stimmen als Migranten wahrzunehmen und mit ihnen gemeinsam Formen des Dialogs und Zusammenlebens zu experimentieren. Um die Gestaltung eines \u201eitalienischen\u201c Islam zu erm\u00f6glichen, der f\u00fcr Italien ein quantitativ v\u00f6llig neues Ph\u00e4nomen darstellt, vor allem wenn man an die demographischen Entwicklungen der Halbinsel denkt, muss man experimentieren.<\/p>\n<p>Diese \u201eExperimentierphase\u201c umfasst Alfano zufolge die Aspekte des Zuh\u00f6rens, der F\u00f6rderung der muslimischen Gemeinschaften im ganzen Land, der Kooperation und der Koordinierung derselben in Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften, die sich mit der Integration und Aufnahme von Migranten und Gastarbeitern befassen. Es sollen Initiativen ins Leben gerufen werden, die die gesellschaftliche Eingliederung von Muslimen in Italien verbessern. Das Endziel ist die soziale \u201eKoh\u00e4sion\u201c im italienischen Rechtsstaat im Sinne der Demokratie und des gegenseitigen Respekts zwischen Kulturen und Religionen. Der Weg ist noch steil und voller Hindernisse. Aber die zuk\u00fcnftigen Entwicklungen werden unter Beweis stellen, dass dieser \u201ekulturorientierte\u201c und \u201edynamische\u201c Ansatz der richtige Weg ist, um das wahre Zusammenleben in einem Land zu f\u00f6rdern, das wirtschaftliche Schwierigkeiten hat und trotzdem immer wieder seine Menschlichkeit unter Beweist stellt, wenn es darum geht, Fl\u00fcchtlinge aus dem Meer zu retten und sie aufzunehmen.<\/p>\n<p>Ganz wichtig, bez\u00fcglich der Schwierigkeiten, mit denen der \u201eitalienische\u201c Islam zu k\u00e4mpfen hat, m\u00f6chte ich ein Zitat von Paolo Naso anf\u00fchren. Paolo Naso ist Waldenser und Dozent f\u00fcr Politikwissenschaften an der Universit\u00e4t La Sapienza in Rom und koordiniert auch die Studienkommission der F\u00f6deration der Evangelischen Kirchen in Italien.<\/p>\n<p>\u201eEs braucht eine dringende L\u00f6sung des Themas des Verh\u00e4ltnisses zwischen dem italienischen Staat und der islamischen Gemeinschaft, das seit 10 Jahren ungel\u00f6st bleibt\u201c.<\/p>\n<p>Die Diskriminierung der Muslime in Italien ist noch gro\u00df, vor allem hinsichtlich der Aus\u00fcbung der eigenen Religion und des Moscheebaus. Naso f\u00fcgt hinzu, wie die Muslime in Italien \u201eunter den katastrophalen Folgen des islamistischen Terrorismus leiden und Opfer von Verleumdung und Diskriminierung sind, die ein demokratischer Staat nicht dulden darf\u2026\u201c In diesem Sinne verfolgt der neu gegr\u00fcndete Islamrat in Italien auch das Ziel, den Islam in Italien bekannter zu machen, um die Islamfeindlichkeit im Lande und die Unwissenheit vieler Italiener, wenn es um den Islam und die Muslime geht, zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. Januar 2016 fand im italienischen Innenministerium, unter der Leitung des italienischen Innenministers Angelino Alfano, das erste Treffen des Rats f\u00fcr die Beziehungen zum \u201eitalienischen\u201c Islam statt. In Italien leben mehr als 1,6 Millionen Muslime. 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