{"id":2694300,"date":"2026-04-22T08:41:56","date_gmt":"2026-04-22T07:41:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2694300"},"modified":"2026-04-22T06:42:49","modified_gmt":"2026-04-22T05:42:49","slug":"mosambik-die-ubs-muss-nicht-fuer-cs-taten-geradestehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/04\/mosambik-die-ubs-muss-nicht-fuer-cs-taten-geradestehen\/","title":{"rendered":"Mosambik: Die UBS muss nicht f\u00fcr CS-Taten geradestehen"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p class=\"author-meta\"><strong>Das Bundesstrafgericht urteilt, es gibt keine Rechtsnachfolge der UBS f\u00fcr strafrechtliche Delikte der CS. Das wirft Fragen auf.<\/strong><\/p>\n<p><em>von <a href=\"mailto:thokessel@gmail.com\">Thomas Kesselring<\/a> \u00a0f\u00fcr die Online-Zeitung <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/kapitalmarkt\/mosambik-die-ubs-muss-nicht-fuer-cs-taten-geradestehen\/\">INFOsperber\u00a0<\/a> \u00a0<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p>Jetzt sprechen die Medien wieder vom Kreditskandal der CS mit Mosambik. Die Bundesanwaltschaft entdeckte vor einiger Zeit eine Zahlung von 7,86 Millionen Dollar auf das CS-Konto einer kuriosen Firma mit Sitz in Z\u00fcrich, die mit dem Mosambik-Skandal in Zusammenhang stand. Diese Zahlung war vor der Geldw\u00e4scherei-Aufsicht (Money Laundering Report Office Switzerland, MROS) verschwiegen worden. In der Folge wurde eine ehemalige Mitarbeiterin der CS angeklagt und die Klage auch auf die UBS als Rechtsnachfolgerin der CS ausgedehnt. Parallel dazu verh\u00e4ngte das eidgen\u00f6ssische Finanzdepartement im M\u00e4rz 2025 \u00fcber Lara Warner, Mitglied im CS-Aufsichtsrat und Compliance-Chefin, in der gleichen Angelegenheit eine Busse von 100\u2019000 Franken, gegen die sich Frau Warner jetzt mit einem Rekurs wehrt.<\/p>\n<p><strong>Entscheid des Bundestrafgerichts<\/strong><\/p>\n<p>Am 10. April dieses Jahres hat nun die Z\u00fcrcher Strafkammer des Bundesstrafgerichts die Klage gegen die UBS <a href=\"https:\/\/www.cash.ch\/news\/verfahren-gegen-ubs-im-mosambik-schuldenskandal-eingestellt-926767\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">aufgehoben<\/a> mit der Begr\u00fcndung, dass mit dem Untergang der CS auch deren Rechtspers\u00f6nlichkeit geendet habe. Die UBS habe zudem keinen Einfluss auf die Firmenkultur der CS gehabt. Die inkriminierte Zahlung war im M\u00e4rz 2016 erfolgt.<\/p>\n<p>Was die Mosambik-Kredite der CS betrifft, so hat die UBS Ende 2023 bekanntlich einen Vergleich mit Mosambik geschlossen. Da die mosambikanischen Regierungsvertreter bei der Kreditaufnahme massiv getrickst hatten, gelang es der UBS, das Land im Zusammenhang mit einem der Kredite zu einer Zahlung von 522 Millionen Dollar zu verpflichten. Diese Summe aufzubringen, d\u00fcrfte f\u00fcr das Land allerdings sehr <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/die-ubs-will-sich-mit-geheimem-vergleich-aus-der-affaere-ziehen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">schwierig werden<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Mit dem Urteil der Z\u00fcrcher Strafkammer stellen sich drei Fragen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die erste Frage<\/strong> ist grunds\u00e4tzlicher Natur. Wer steht f\u00fcr die Wiedergutmachung von Sch\u00e4den, die eine Firma in illegaler Weise verursacht hat, in der Verantwortung, wenn diese Firma aus dem Handelsregister gestrichen wird? Die UBS musste zwar die offenen Verbindlichkeiten der CS \u00fcbernehmen, aber die Z\u00fcrcher Strafkammer argumentiert, die Rechtspers\u00f6nlichkeit der CS sei mit ihrem Zusammenbruch nicht an die UBS \u00fcbergegangen, also k\u00f6nnten Strafen gegen die CS nicht auf die UBS \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p>Wie ist dieses Urteil zu verstehen? Soll man einem Unternehmen, dessen Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit sich am Rande der Legalit\u00e4t bewegt, empfehlen, sich einfach aus dem Handelsregister streichen zu lassen, bevor der erste Strafbefehl eintrifft?<\/p>\n<p><strong>Die zweite Frage<\/strong><\/p>\n<p>Sie betrifft die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Wiedergutmachung von Sch\u00e4den, die die CS in krimineller Weise verursacht hat, die aber zum Zeitpunkt, als die UBS das Erbe der CS antrat, kein aktenkundiges Thema bei juristischen Streitereien war. Im M\u00e4rz 2023, als die CS unterging, hatte der Londoner High Court noch kein Urteil gesprochen. Mehrere Klagen und Gegenklagen zwischen Mosambik, der Schiffbaufirma Privinvest und den Banken (CS russische Bank VTB) waren noch h\u00e4ngig.<\/p>\n<p><strong>Der \u00abvergessene\u00bb Kredit<\/strong><\/p>\n<p>Der Vergleich der UBS mit Mosambik vom September 2023 betraf nur einen der beiden Kredite, f\u00fcr welche die CS die Verantwortung trug. Der andere, wesentlich gr\u00f6ssere Kredit (der sog. Ematum-Kredit) war vom Vergleich ausgenommen und belastet Mosambik noch immer in voller H\u00f6he. Das ist besonders schwer verst\u00e4ndlich, weil es genau dieser Kredit war, auf den sich die Bussen der englischen und US-amerikanischen Bankenaufsicht von einer halben Milliarde im Oktober 2021 bezogen. Die Credit Suisse hatte den Kredit durch den Verkauf von Euro-Bonds finanziert, die Bond-K\u00e4ufer dabei aber \u00fcber die Zwecke des Kredits hinters Licht gef\u00fchrt. Mosambik hatte bei seiner Klage gegen die CS offenbar den Fehler begangen, nur den etwas niedrigeren Proindicus-Kredit zu erw\u00e4hnen und nicht auch den wesentlich problematischeren Ematum-Kredit. Aus diesem Grund haben sich auch die Gerichte nie mit diesem Kredit befasst.<\/p>\n<p>\u00dcber dieses Darlehen teilt Tim Jones, der Leiter der englischen Organisation Debt Justice mit: \u00abDer Ematum-Kredit wurde trotz Teilr\u00fcckzahlungen zweimal umstrukturiert, einmal 2016, dann 2019. In beiden F\u00e4llen erh\u00f6hte dies den Betrag, den Mosambik an Schulden und Zinsen zahlen m\u00fcsste, verschob jedoch die Zahlungen nach hinten (selbst bei Anwendung eines Diskontsatzes von 5% machte es die Schulden f\u00fcr Mosambik dennoch teurer).\u00bb<\/p>\n<p><strong>Vom \u00abvergessenen\u00bb\u00a0zum erdr\u00fcckenden Kredit<\/strong><\/p>\n<p>Heute steht dieser Kredit mit 900 Millionen Dollar in den Schuldb\u00fcchern Mosambiks. In letzter Zeit zahlte das Land daf\u00fcr j\u00e4hrlich 5 Prozent Zinsen, also 45 Millionen Dollar. Ab diesem Jahr werden es 9 Prozent sein, also 81 Millionen. Der Kredit selbst soll zwischen 2028 und 2031 mittels acht halbj\u00e4hrlicher Teilzahlungen von je 225 Millionen amortisiert werden. Wie das funktionieren soll, ist und bleibt schleierhaft.<\/p>\n<p>Der Londoner High Court hat im Jahr 2024 zwar entschieden, dass s\u00e4mtliche Schulden von Mosambik an die Schiffbaufirma Privinvest (s. Kasten 1 und 2) \u00fcbergehen, die f\u00fcr die exorbitante H\u00f6he der Kredite und die Schmiergeldzahlungen verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Dazu schreibt Tim Jones: \u00abSelbst wenn Privinvest nicht Berufung einlegt oder diese verliert, ist es schwer zu sehen, wie Mosambik sie zur Zahlung bringen k\u00f6nnte. Theoretisch ist Privinvest also rechtlich verantwortlich f\u00fcr die gesamte Schuldentilgung, sobald sie f\u00e4llig wird. In der Realit\u00e4t gibt es aber keine M\u00f6glichkeit, sie zur Zahlung zu zwingen. Der IWF hat erkl\u00e4rt, dass Mosambiks Schulden nicht tragbar sind, was bedeutet, dass ein Kredit vom IWF eine weitere Schuldenrestrukturierung erfordern w\u00fcrde. Die Regierung hat angedeutet, dass sie eine erneute Restrukturierung plant, aber noch keine Einzelheiten genannt.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Den Preis zahlt die Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem bleibt also weiterhin ungel\u00f6st. \u2013 Die mosambikanische Bev\u00f6lkerung leidet noch immer unter den Folgen des Kredit-Skandals. Das Land z\u00e4hlt zu den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt, und allj\u00e4hrlich zerst\u00f6ren ein bis zwei Zyklone betr\u00e4chtliche Teile des Landes.<\/p>\n<p>Die Autoren des CS-Films (\u00abGame Over \u2013 Der Fall der Credit Suisse\u00bb), Simon Helbling und Arthur Rutishauser, behaupten, der Kredit-Skandal sei sogar die Ursache f\u00fcr den Krieg, den islamistische Gruppen im Norden des Landes f\u00fchren. Das ist zwar so nicht richtig. Richtig ist, dass das Kredit-Schlamassel den Umfang der Korruption in der Regierungspartei Frelimo aufgedeckt und die Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung bis zum Point of no return gesteigert hat. Nach den letzten Wahlen (Oktober 2024) schlug die allgemeine Frustration vor allem bei den vielen Jungen in Gewaltbereitschaft um, und der unterlegene Pr\u00e4sidentschaftskandidat Ven\u00e2ncio Mondlane feuerte die weit verbreitete Wut auch noch kr\u00e4ftig an. Insofern besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Kredit-Schlamassel und den verbreiteten Strassenschlachten vom Oktober 2024 bis zum M\u00e4rz 2025.<\/p>\n<p><strong>Die dritte Frage<\/strong><\/p>\n<p>Sie betrifft das Vorgehen der Schweizer Justizbeh\u00f6rden. H\u00e4tte die Bundesanwaltschaft die Zahlung, auf die sich das Urteil des Bundesstrafgerichts bezieht, fr\u00fch genug entdeckt, so w\u00e4re ihr der etwas hilflos anmutende Umweg \u00fcber eine Verklagung der UBS erspart geblieben. Die Credit Suisse hatte ihren Sitz bekanntlich in der Schweiz. Aber es waren Gerichte in London und New York, die im Fall CS-Mosambik die F\u00fchrung \u00fcbernahmen, und sie wurden wesentlich fr\u00fcher aktiv als die schweizerische Justiz. Diese brauchte dazu erst noch einen \u00e4usseren Anstoss \u2013 eine Strafanzeige gegen die Credit Suisse durch Public Eye im April 2019.<\/p>\n<p><strong>Schweizer Kuscheljustiz<\/strong><\/p>\n<p>In den USA und in England war im Oktober 2021 die Aufarbeitung des Falles immerhin bereits so weit fortschritten, dass die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sec.gov\/news\/press-release\/2021-213\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">US Security and Exchange Commission (SEC)<\/a>\u00a0und die englische\u00a0<a href=\"https:\/\/www.fca.org.uk\/publication\/final-notices\/credit-suisse-2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Financial Conduct Authority (FCA)<\/a>\u00a0 gegen die CS wegen ihrer leichtsinnigen Kreditvergabe saftige Strafen verh\u00e4ngten. Die USA verlangten 247,5 Millionen Dollar wegen der T\u00e4uschung von Gl\u00e4ubigern, und verf\u00fcgten ausserdem, dass die Bank dem afrikanischen Land 200 Millionen Dollar an Schulden erlassen muss \u2013 den Betrag an nachgewiesenen Schmiergeldern, die in das Kreditgesch\u00e4ft geflossen waren. England erhob eine Busse von 200,6 Millionen Dollar wegen grober Gesetzesverst\u00f6sse w\u00e4hrend der Kreditvergabe. Die einzige Beteiligung der Schweiz an dieser Strafaktion war ein leiser R\u00fcffel von Seiten der Finma an die Credit Suisse.<\/p>\n<p>Die Bundesanwaltschaft h\u00e4tte zu diesem Zeitpunkt immer noch Zeit gehabt, im Kontext dieses Skandals, mit dem die CS immerhin den gr\u00f6ssten objektiven Schaden w\u00e4hrend der Zeit ihres Bestehens angerichtet hatte, ein Zeichen zu setzen und mit einem Schuldspruch gegen die Verantwortlichen zu dokumentieren, dass derlei Gesch\u00e4fte in der Schweiz nicht toleriert werden. Immerhin hat das Kreditschlamassel den Ruf, der gr\u00f6sste Wirtschafsskandal der letzten Jahrzehnte in Schwarzafrika zu sein. Die CS hat damals noch existiert. Ihr Ableben erfolgte erst 17 Monate sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong>Die Ausrede der CS-Spitze<\/strong><\/p>\n<p>Die ganz <a href=\"https:\/\/insideparadeplatz.ch\/2022\/12\/06\/rohner-cerutti-weisse-weste-und-milliarden-klagen\/\">\u00abgrossen Fische\u00bb an der CS-Spitze<\/a>, insbesondere den einstigen Verwaltungsratspr\u00e4sidenten Urs Rohner und den Chefjuristen der Bank, Romeo Cerutti, hat unsere Justiz bis heute unangetastet gelassen. Noch an der an der Generalversammlung im April 2019 behaupteten sie, von den krummen Touren im eigenen Hause erst kurz zuvor durch die Ver\u00f6ffentlichung der Klage des US-Justizministeriums gegen drei CS-Banker erfahren zu haben \u2013 und dies, nachdem man in Mosambik schon vier Jahre vorher wusste, dass in der CS etwas schief gegangen sein musste. Diese Verlautbarung zeugt von einem unverantwortlichen Mass an Unwissenheit.<\/p>\n<p>Unterdessen ist genau ein Jahrzehnt vergangen, seitdem der CS-Mosambik-Skandal international publik wurde. Hier folgen noch der Blick zur\u00fcck \u00fcber die Chronologie des Kreditskandals und \u00fcber die Aufarbeitung des Skandals:<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Chronologie des Kreditskandals<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2010 werden vor Cabo Delgado (der n\u00f6rdlichsten Provinz Mosambiks) riesige Offshore-Gasvorkommen entdeckt. Das weckt vielerorts Begehrlichkeiten. So auch bei der libanesischen Schiffbaufirma Privinvest.<\/p>\n<p>Jean Boustani versucht als Verkaufschef des Unternehmens in Absprache mit dem Chef und Firmen-Gr\u00fcnder Safa an das mosambikanische Staatsoberhaupt Armando Guebuza heranzukommen. Der Pr\u00e4sidenten-Sohn Ndambi Guebuza wirkt als T\u00fcr\u00f6ffner und wird daf\u00fcr f\u00fcrstlich vergoldet. Der Deal mit Mosambik sei nach mehr als einem Jahr Vorlaufszeit endlich im Januar 2013 in Gang gekommen, wird Boustani sp\u00e4ter w\u00e4hrend seines Prozesses den Richtern berichten. Und zwar innerhalb einer Woche, nachdem es ihm gelungen sei, sich ans Fest zum 70.Geburtstag des Pr\u00e4sidenten einladen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Das K\u00fcstenschutzprojekt<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesem Anlass habe er diesen von der Idee eines K\u00fcstenschutzprojekts \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Die mosambikanische K\u00fcste ist immerhin 2500 km lang, und die Gebiete mit den reichen Offshore-Gasvorkommen m\u00fcssten ja besonders gesch\u00fctzt werden. Schon am folgenden Tag habe man erste konkrete Schritte abgesprochen. Zwischen Boustani und Guebuza-Vater entwickelte sich eine Gesch\u00e4ftsfreundschaft, ebenso eine zwischen Guebuza-Sohn Ndambi und dem Schiffbauer Iskandar Safa. Dieser gilt in Frankreich als erfolgreicher Gesch\u00e4ftsmann und besitzt an der C\u00f4te d\u2019Azur ein f\u00fcrstliches Anwesen. Der Guebuza-Spr\u00f6ssling soll dort fast ein Jahr lang pers\u00f6nlicher Gast des Schiffbau-Pioniers gewesen sein. Die Gesch\u00e4ftspartner schmieden gemeinsame Pl\u00e4ne, von denen allerdings kaum etwas zur Ausf\u00fchrung gelangt. (Nach dem Kladderadatsch verfeindet man sich und f\u00fchrt gegeneinander Klage und Gegenklage.)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Aufbauphase hat Boustani einen Freund namens\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.pasofinogold.com\/portfolio-team\/arnaud-lelouvier\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Arnaud Lelouvier<\/a>, der ihm in heiklen Situationen mit Rat und Tat zur Seite steht. Lelouvier ist ein umtriebiger und tendenziell zwielichtiger franz\u00f6sischer Gesch\u00e4ftsmann mit guten Verbindungen zur Schweiz, wo er viele Jahre lang als Chairman der auf Verschiffung von \u00d6l und Gas spezialisierten Firma <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/noch-zwei-schweizer-firmen-in-den-mosambik-skandal-verwickelt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AMT SA Advanced Maritime<\/a> mit Sitz in Nyon und Etoy (VD) fungiert. Ihm verdankt Boustani urspr\u00fcnglich die Idee, dass mit den Gasfunden in Mosambiks Norden der Bau einer Flotte zum K\u00fcstenschutz ein gutes und zugleich lukratives Gesch\u00e4ft w\u00e4re. F\u00fcr die Finanzierung vermittelt er seinem Freund Boustani den Kontakt zur Credit Suisse und sp\u00e4ter zur russischen Bank VTB.<\/p>\n<p><strong>Der CS-Kredit<\/strong><\/p>\n<p>Boustani schliesst mit einem Investmentbanker bei der CS London, Andrew Pearse, Bekanntschaft. Nach der Einwilligung durch das Staatsoberhaupt geht alles recht schnell. Bereits im Februar 2013 \u00fcberweist die Credit Suisse einen Kredit von 372 Millionen zu Lasten des Staates Mosambik an die libanesische Schiffbaufirma. Mosambik will das Gesch\u00e4ft mit einem <a href=\"https:\/\/qz.com\/africa\/1519653\/mozambique-finance-minister-arrested-credit-suisse-fbi-caught-up\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IWF-Kredit<\/a> finanzieren, allerdings ohne dies mit dem IWF abzusprechen. Trotzdem l\u00e4uft zun\u00e4chst alles wie geschmiert. Boustani schl\u00e4gt dem Banker Andrew Pearse schon in den ersten Tagen vor, den Kredit aufzustocken. Zur Belohnung solle er 2,5 Prozent des Betrags erhalten, um den er den Kredit in die H\u00f6he treibe. Eine weitere Entsch\u00e4digung winke, wenn es ihm gelinge, die Banken-Kommissionen f\u00fcr die Kredite zu senken. Pearse stockt also den ersten Kredit (\u00abProindicus\u00bb) auf 622 Millionen auf und entwickelt dann einen Plan zur Suche nach Investoren, die gerne bei einem zweiten Kredit mitverdienen w\u00fcrden. F\u00fcr den neuen Kredit sollen Eurobonds aufgelegt werden. Dabei geht es zun\u00e4chst um 500, dann um 850 Millionen Dollar.<\/p>\n<p><strong>Vom K\u00fcstenschutz zum Thunfischfang<\/strong><\/p>\n<p>Dieser neue Kredit wird \u00abEmatum\u00bb heissen \u2013 f\u00fcr Empresa Atum (= Thunfisch-Firma). Warum aber jetzt pl\u00f6tzlich Thunfische und nicht mehr K\u00fcstenschutz? Ganz einfach: Wie aus der Anklageschrift des amerikanischen Justizministeriums vom Dezember 2018 hervorgeht, rechnet Pearse damit, dass es schwierig werden k\u00f6nnte, mit einem milit\u00e4rischen Projekt in Afrika Gl\u00e4ubiger anzulocken. Deshalb muss ein anderer Zweck gefunden und der mosambikanische Pr\u00e4sident f\u00fcr diesen Zweck gewonnen werden: Eine Fangflotte f\u00fcr Thunfische halt eben. Es folgt dann noch ein dritter Kredit (von 535 Millionen Dollar) mit dem Zweck, Schiffswerften anzulegen. Die Credit Suisse will da aber nicht mehr mitmachen. In diesem Moment hilft Freund Arnaud Lelouvier den Schiffbauern aus der Patsche: Er vermittelt ihnen den Kontakt zur russischen Staatsbank VTB.<\/p>\n<p><strong>Die Z\u00fcrcher Zweigfirma<\/strong><\/p>\n<p>Pearse ist mit der Aufbl\u00e4hung der Kredite also insgesamt erfolgreich. Es gelingt ihm immerhin, die urspr\u00fcngliche Summe fast zu verf\u00fcnffachen. Damit \u00aberwirtschaftet\u00bb er f\u00fcr sich selbst 45 (oder je nach Quelle sogar 49 Millionen Dollar. F\u00fcr den \u00abEmatum\u00bb-Kredit wagen er und seine Mitarbeiterin es allerdings nicht, die Firmen-Computer der Credit Suisse zu ben\u00fctzen, und werkeln deshalb mit ihren privaten Laptops. Schliesslich will man nicht zu fr\u00fch Aufsehen erregen. Bei diesem Abenteuer verliebt sich Pearse in seine Mitarbeiterin. Da er verheiratet ist und seine Liebschaft lieber geheim halten m\u00f6chte, verlassen die beiden nach Abschluss der Vorbereitungen f\u00fcr den \u00abEmatum\u00bb-Kredit Ende August 2013 die Bank. In Absprache mit Iskandar Safa und Jean Boustani gr\u00fcnden sie eine kleine Zweigfirma von Privinvest, namens <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/die-aktivitaeten-von-iskandar-safas-firma-palomar-in-zuerich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Palomar Capital Advisors\u00a0<\/a>in einer Etage eines schmucken Z\u00fcrcher Altstadt-Hauses. Zweck dieser Firma ist die Abwicklung der Gesch\u00e4fte zwischen den Schiffbauern, den Banken und dem Staat Mosambik bzw. den drei federf\u00fchrenden halbstaatlichen Firmen.<\/p>\n<p><strong>Eine omin\u00f6se Zahlung<\/strong><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2016 muss der \u00abEmatum\u00bb-Kredit umgeschuldet werden. Nun sitzt Andrew Pearse als Vertreter von Privinvest den Abgesandten der Credit Suisse gegen\u00fcber. In diese Zeit f\u00e4llt die omin\u00f6se Zahlung von 7,86 Millionen Dollar auf ein CS-Konto der Firma Palomar Capital Advisors, die seit einem guten Jahr immer mal wieder von sich reden macht: Unsere Bundesanwaltschaft hat n\u00e4mlich eine ehemalige CS-Mitarbeiterin identifiziert, die unter dem Schutz von Aufsichtsratsmitglied Lara Warner darauf verzichtet hat, diese Zahlung der Geldw\u00e4scherei-Stelle zu melden. Diese Zahlung k\u00f6nnte mit Andrew Pearse\u2019 \u00abVerdiensten\u00bb bei der Umschuldung des \u00abEmatum\u00bb-Kredits zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Kurz und gut: Zwischen Februar 2013 und April 2014 erh\u00e4lt die Schiffbaufirma Privinvest \u00dcberweisungen in der H\u00f6he von insgesamt 2,07 Milliarden \u2013 1004 Millionen von der Credit Suisse und 1003 Millionen von der russischen Bank VTB \u2013, die Mosambik ins Schuldenbuch geschrieben werden.<\/p>\n<p><strong>Die Staatsgarantie<\/strong><\/p>\n<p>Die Beteiligten setzen alles daran, diese Kredite vor dem IWF geheim zu halten. Zu diesem Punkt muss Boustani beim mosambikanischen Finanzminister Manuel Chang \u00dcberzeugungsarbeit leisten, aber die sieben Millionen, die er ihm daf\u00fcr verspricht, erf\u00fcllen ihren Zweck. Der Minister unterschreibt eigenh\u00e4ndig f\u00fcr jeden der Kredite eine Staatsgarantie, von der er weiss, dass sie verfassungswidrig ist, weil das Parlament umgangen wurde. Der Name von Herrn Chang taucht in der US-Anklageschrift verschl\u00fcsselt auf, und Ende Dezember 2018 wird er auf der Durchreise in Johannesburg verhaftet und nach viereinhalb Jahren Vorbeugehaft in S\u00fcdafrika an die USA ausgeliefert. Dort wird ihm 2023\/24 der Prozess gemacht. Die Strafe wird am 8.August 24 verk\u00fcndet: 8,5 Jahre Haft und R\u00fcckzahlung der 7 Millionen Dollar, die er mit seinen Unterschriften erhalten hat.<\/p>\n<p><strong>Unbrauchbare Schiffe<\/strong><\/p>\n<p>Aus den Gerichtsprotokollen zum Boustani-Prozess l\u00e4sst sich erschliessen, dass letztlich die Folgen der Geheimniskr\u00e4merei der Beteiligten dem Projekt zum Verh\u00e4ngnis wurde. Anscheinend verf\u00fcgte Mosambik auch nicht \u00fcber gen\u00fcgend geschultes Personal f\u00fcr die Durchf\u00fchrung des doch recht komplexen Projekts. Die Schiffe wurden zwar geliefert, waren aber massiv \u00fcberteuert, und kein einziges davon erwies sich als hochseetauglich. Die internationalen Gas-F\u00f6rder-Firmen lehnten das Angebot, ihre Arbeiten vor den K\u00fcsten des n\u00f6rdlichen Mosambik von unzul\u00e4nglichen Booten einer \u00abSkandalflotte\u00bb besch\u00fctzen zu lassen, dankend ab.<\/p>\n<p><strong>Klagen und Gegenklagen in London<\/strong><\/p>\n<p>Die ganzen 2,07 Milliarden Dollar sind also buchst\u00e4blich in den Sand gesetzt. Die drei wichtigsten Parteien \u2013 Schiffbaufirma Privinvest, der Staat Mosambik und die beiden Banken Credit Suisse und VTB \u2013 decken einander zun\u00e4chst mit Klagen und Gegenklagen ein. Diese werden am Londoner High Court geb\u00fcndelt. London ist Prozess-Hauptstadt, weil der Skandal in den Londoner Filialen der Credit Suisse und der Russischen Bank VTB begonnen hat. Die Verhandlungen mit der CS-Nachfolgerin UBS werden f\u00fcr den Oktober 2023 anberaumt. Die UBS, die kurz zuvor das Erbe der CS angetreten hat, schliesst wenige Tage vorher einen <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Redacted-Settlement-Agreement-2-komprimiert.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vergleich<\/a> mit Mosambik.<\/p>\n<p><strong>Schiffbaufirma verurteilt<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Klagen werden anschliessend in London verhandelt und erstinstanzlich entschieden. Im August 2024 <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/mosambik-skandal-jetzt-privinvest-chef-iskandar-safa-angeklagt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">verurteilt<\/a> der High Court die Schiffbaufirma Privinvest dazu, die durch den Skandal entstandenen Schulden Mosambiks zu \u00fcbernehmen. Die Forderung der UBS an Mosambik m\u00fcsste damit eigentlich an Privinvest \u00fcbergehen. Die Firma will gegen dieses Urteil Berufung einlegen, was das Gericht im Dezember 2024 zwar <a href=\"https:\/\/de.marketscreener.com\/boerse-nachrichten\/nachrichten\/Schiffbauer-Privinvest-verweigert-Berufung-gegen-Mosambiks-Sieg-vor-britischem-Gericht-im-Skandal-um-48560075\/\">verweig<\/a><a href=\"https:\/\/de.marketscreener.com\/boerse-nachrichten\/nachrichten\/Schiffbauer-Privinvest-verweigert-Berufung-gegen-Mosambiks-Sieg-vor-britischem-Gericht-im-Skandal-um-48560075\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">e<\/a><a href=\"https:\/\/de.marketscreener.com\/boerse-nachrichten\/nachrichten\/Schiffbauer-Privinvest-verweigert-Berufung-gegen-Mosambiks-Sieg-vor-britischem-Gericht-im-Skandal-um-48560075\/\">rt<\/a>, aber die Schiffbauer k\u00e4mpfen weiter. Firmengr\u00fcnder und -Chef Iskandar Safa wird das alles nicht mehr umtreiben: Er ist zu Beginn dieses Schicksalsjahrs verstorben.<\/p>\n<p><strong>Gef\u00e4ngnisstrafen in Mosambik<\/strong><\/p>\n<p>In Mosambik beginnt Ende 2021 ein <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/mosambiks-praesidenten-sohn-zu-zwoelf-jahren-gefaengnis-verurteilt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Prozess<\/a> gegen 19 am Skandal beteiligte Personen, der \u00fcber ein Jahr dauert. Elf der Angeklagten werden zu Strafen bis zu 12 Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt, darunter der Sohn des ehemaligen Pr\u00e4sidenten, Ndambi Guebuza. Die ehemalige Sekret\u00e4rin des Pr\u00e4sidenten erh\u00e4lt 11 Jahre. Filipe Nyusi, ehemaliger Verteidigungsminister und Guebuzas Nachfolger als Pr\u00e4sident, ist zwar tief in den Skandal verwickelt und hat auch von Schmiergeldern profitiert. Aber als oberster Landesherr w\u00e4hrend der Prozess-Periode wird er nicht angeklagt und bliebt bis heute unbehelligt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Aufarbeitung des Kreditskandals<\/strong><\/p>\n<p>Erste Schlagzeilen zum omin\u00f6sen Kreditgesch\u00e4ft erscheinen in Mosambik im September 2013. Die Rede ist von einer unbekannten Firma f\u00fcr Thunfischfang. Offenbar ist sie erst kurz vorher gegr\u00fcndet worden. In Frankreichs Zeitungen kursiert eine Fotografie: Mosambiks Pr\u00e4sident Armando Guebuza steht dort mit einem Herrn namens Iskandar Safa, seines Zeichens Gr\u00fcnder und Chef einer libanesischen Schiffbau-Gesellschaft mit einem rudiment\u00e4ren Schiffsmodell in den H\u00e4nden, sowie mit dem franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Fran\u00e7ois Hollande auf einer Schiffswerft in Cherbourg. Man feiert den Beginn des Baus einer Thunfisch-Fangflotte f\u00fcr Mosambik.<\/p>\n<p>Frankreich jubelt \u00fcber den lukrativen Grossauftrag von angeblich 200 Millionen Euro. In Mosambik hingegen sickert durch, dass der Thunfischflotten-Kredit faktisch um ein Vielfaches h\u00f6her ist, und man fragt sich, wohin wohl die restlichen mindestens 500 Millionen Dollar verschwunden sein k\u00f6nnten. Von diesem R\u00e4tsel k\u00fcnden die Schlagzeilen dann noch volle zwei Jahre lang, und die Ger\u00fcchtek\u00fcche brodelt.<\/p>\n<p><strong>Die Credit Suisse am Pranger<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der franz\u00f6sischen Presseberichte kann der Riesen-Kredit, der mit Mosambiks Geldgebern h\u00e4tte abgesprochen werden m\u00fcssen, dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) nicht l\u00e4nger verheimlicht werden. Das afrikanische Land wird unter Beobachtung gestellt. Sp\u00e4testens seit April 2015 prangt auch der Name \u00abCredit Suisse\u00bb auf der Frontseite der beiden einschl\u00e4gigen Zeitungen. Man weiss jetzt also etwas, wovon man in der Schweiz noch keine Ahnung hat: Eine Schweizer Grossbank ist als Kreditgeberin in einen Riesenskandal verwickelt.<\/p>\n<p>Noch im August 2015 beteuert die mosambikanische Regierung dem IWF gegen\u00fcber scheinheilig, der Thunfisch-Kredit sei der einzige, den das Land ohne Absprache mit dem IWF aufgenommen habe. Es gebe keine weiteren.<\/p>\n<p><strong>Die Kredite fliegen auf<\/strong><\/p>\n<p>Vor genau zehn Jahren, n\u00e4mlich am 3. April 2016 \u2013 der Thunfisch-Kredit ist soeben ein erstes Mal umgeschuldet worden \u2013 enth\u00fcllt das Wallstreet Journal die Existenz eines zweiten Kredits von 622 Millionen Dollar (n\u00e4mlich des \u00abProindicus\u00bb-Kredits aus der ersten H\u00e4lfte des Jahres 2013), und doppelt am 19. April mit der Meldung eines dritten Kredits von weiteren 535 Millionen nach (MAM-Kredit, vom Fr\u00fchjahr 2014). Alle drei Kredite sind an die libanesische Schiffbaufirma namens Privinvest zu Lasten des Staates Mosambik ausbezahlt und Mosambik in Rechnung gestellt worden. Die libanesischen Schiffbauer kooperieren mit drei halbprivaten und halbseidenen mosambikanischen Firmen zusammen: mit einer f\u00fcr den Bau einer Thunfischflotte, einer f\u00fcr den Bau einer K\u00fcstenschutzflotte und einer f\u00fcr die Einrichtung von Schiffswerften. Alle drei Firmen unterstehen einer und derselben Person: Antonio Carlos do Ros\u00e1rio, einem vormaligen hohen Geheimdienst-Offizier.\u2026<\/p>\n<p><strong>Mosambik schlittert in eine Wirtschaftskrise<\/strong><\/p>\n<p><strong>Infosperber berichtete bereits 2016<\/strong><\/p>\n<p>Der Skandal gibt nun international zu reden. In der Schweiz wird er erst jetzt registriert, aber seine Tragweite wird noch nicht erfasst. IWF und Weltbank frieren per sofort weitere Finanzhilfen an Mosambik ein. Dasselbe tun die Geberl\u00e4nder, inklusive die Schweiz, f\u00fcr die Mosambik bis dahin als ein Musterknabe in Sachen Entwicklungszusammenarbeit gegolten hat. Das afrikanische Land versinkt in der Folge in einer Wirtschaftskrise und meldet wenige Monate sp\u00e4ter Zahlungsunf\u00e4higkeit an. Sch\u00e4tzungsweise zwei Millionen Menschen rutschen in die absolute Armut ab.<\/p>\n<p>In der Schweiz blieben die Medienberichte sp\u00e4rlich. Am 5. April 2016 erscheint eine Meldung in der Handelszeitung, am 9. Juni berichtet die WOZ und am 29.August die NZZ etwas ausf\u00fchrlicher \u00fcber das, was man weiss. Doch diese Artikel erregen nur wenig Aufmerksamkeit. Am 8. Dezember ver\u00f6ffentlicht der <a href=\"https:\/\/www.rat-kontrapunkt.ch\/\">Rat Kontrapunkt<\/a> in der WOZ einen <a href=\"https:\/\/www.rat-kontrapunkt.ch\/neu\/kreditskandal-in-mosambik-die-intransparente-rolle-der-credit-suisse\/\">offenen Brief<\/a> an die CS-Chefetage mit sechs Fragen zum Mosambik-Kredit, unterschrieben von 45 bekannten Pers\u00f6nlichkeiten. Die Bank reagiert nie darauf. Den offenen Brief erg\u00e4nzt der Rat mit mehreren Hintergrundberichten auf seiner Homepage. Am 26. Dezember publiziert Infosperber seinen <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/kein-communique-der-cs-kaum-medienberichte\/\">ersten Bericht<\/a> zu diesem Thema. Mehrere Dutzend werden sp\u00e4ter folgen\u2026<\/p>\n<p>Im Juni 2017 legt die Audit-Firma Kroll einen ausf\u00fchrlichen <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/KROLL_REPORT.Redacted.pdf\">\u00dcberpr\u00fcfungs-Bericht<\/a> \u00fcber den Kredit-Skandal vor, der allerdings wesentliche Fragen offenl\u00e4sst. Infosperber fasst den Bericht <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/eigenverantwortung-der-credit-suisse-in-mosambik\/\">zusammen<\/a> und wird anschliessend von verschiedenen Staranw\u00e4lten der Firma Privinvest <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/konzernbesitzer-iskandar-safa-wollte-infosperber-einschuechtern\/\">in die Mangel genommen<\/a>. Dasselbe wiederholt sich auch bei sp\u00e4teren Berichten. Die Credit Suisse ist sich nicht zu schade, einigen die Bank betreffenden Aussagen im Kroll-Bericht zu widersprechen, womit sie beweist, dass sie sich gegen\u00fcber den Verfassern des Audit-Berichts nicht besonders kooperativ gezeigt hat.<\/p>\n<p><strong>Das amerikanische Justizministerium klagt<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema f\u00e4llt anschliessend wieder in einen Dornr\u00f6schenschlaf. Das n\u00e4chste Erwachen erfolgt im Dezember 2018: Das US-Department of Justice (DoJ) in New York gibt eine <a href=\"https:\/\/university.open.ac.uk\/technology\/mozambique\/sites\/www.open.ac.uk.technology.mozambique\/files\/files\/Chang-Boustani-et-al-Secret-debt-Indictment-EDNY-Redacted-3Jan19.pdf\">Anklageschrift<\/a> gegen drei Investment-Banker der CS London, zwei Mitarbeiter der Firma Privinvest sowie zwei Funktion\u00e4re aus Mosambik und dessen ehemaligen Finanzminister bekannt. Das amerikanische Justizministerium ist aktiv geworden, weil die meisten Kredite in US-Dollar abgewickelt worden sind, sodass das amerikanische Finanzwesen involviert ist. Den drei Bankern wird von Fr\u00fchjahr bis Sp\u00e4tsommer 2019 der Prozess gemacht, und im Herbst 2019 kommt Privinvest-Chefverk\u00e4ufer Boustani an die Reihe.<\/p>\n<p><strong>Der Prozess bringt Licht ins Dunkel<\/strong><\/p>\n<p>Sein Prozess dauert sechs Wochen und endet \u00fcberraschend mit einem <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/mosambik-skandal-ueberraschender-freispruch-fuer-privinvest-mann\/\">Freispruch<\/a>: Die Geschworenen urteilen, die amerikanischen Gerichte seien f\u00fcr seinen Fall gar nicht zust\u00e4ndig. Davon abgesehen ist dieser Prozess aber \u00e4usserst aufschlussreich, weil eine grosse Zahl von Zeugen befragt werden \u2013 darunter auch zwei der drei angeklagten <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/finanzskandal-von-mosambik-vor-dem-geschworenenurteil-in-n-y\/\">CS-Investmentbanker<\/a> \u2013 und weil <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/prozess-enthuellt-korruption-bis-in-die-hoechsten-stellen\/\">Boustani selbst<\/a> recht selbstbewusst aus dem N\u00e4hk\u00f6rbchen plaudert. So ergibt sich zum ersten Mal ein Gesamtbild zu den Hintergr\u00fcnden und zur Entstehungsgeschichte des Kreditskandals.<\/p>\n<p><strong>Die Ausrede der CS-Chefs<\/strong><\/p>\n<p>Ein halbes Jahr vor dem Boustani-Prozess nehmen drei Mitglieder der mosambikanischen Organisation Budget Monitoring Forum (FMO)* an der Generalversammlung der CS teil. Dort beteuern Verwaltungsratspr\u00e4sident Rohner und Chefjurist Cerutti \u00fcbereinstimmend, von den Umst\u00e4nden der Entstehung der Kreditskandale im eigenen Haus erst durch die Anklageschrift des New Yorker Bezirksgerichts erfahren zu haben. Anderntags kommt es unter Vermittlung von ACTARES (einer Vereinigung, die sich f\u00fcr verantwortungsvolles Wirtschaften einsetzt) noch zu einem Gespr\u00e4ch zwischen der mosambikanischen Delegation und einigen Delegierten der CS, einschliesslich dem Chefjuristen Cerutti. Die Atmosph\u00e4re ist freundlich, die Bank kommt aber den Anliegen der Mosambikaner keinen Millimeter entgegen.<\/p>\n<p><strong>Die grossen Medien der Schweiz zeigen wenig Interesse<\/strong><\/p>\n<p>Den beiden Herren ist zweifellos zugute gekommen, dass die grossen Medien in der Schweiz dem CS-Mosambik-Skandal nie das Gewicht gegeben haben, das ihm zukommt. Als die <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/wirtschaft\/der-cs-skandal-in-der-uebersicht-nachbarschaftsstreit-beschattung-suizid-id15737745.html\">Beschattungsaff\u00e4re<\/a> der CS im September 2019 die Medien zwei Monate lang intensiv besch\u00e4ftigte, blieb w\u00e4hrend der ganzen Zeit der Mosambik-Skandal komplett ausgeblendet, obwohl zeitgleich der Boustani-Prozess in New York stattfand und fast t\u00e4glich <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Wirtschaft\/Finanzskandal-von-Mosambik-Vor-dem-Geschworenenurteil-in-NY\">denkw\u00fcrdige<\/a> Neuigkeiten <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Wirtschaft\/Prozess-enthullt-Korruption-bis-in-die-hochsten-Stellen\">offenbarte<\/a>. Immerhin ist Arthur Ruthishauser, damals Chef der Tamedia-Gruppe, Jahre sp\u00e4ter zur Einsicht gelangt, dass der durch das Kreditgesch\u00e4ft mit Mosambik angerichtete Schaden, objektiv gesehen, der gr\u00f6sste und gravierendste ist, den die Bank je in ihrer Geschichte verursacht hat. Leider kam diese Einsicht etwas sp\u00e4t.<\/p>\n<h3>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/h3>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/kein-communique-der-cs-kaum-medienberichte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kein Communiqu\u00e9 der CS \u2013 kaum Medienberichte<\/a>, Infosperber vom 26.12.2016<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/mosambik-skandal-was-die-anklageschrift-cs-managern-vorwirft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mosambik-Skandal: Was die Anklageschrift CS-Managern vorwirft<\/a>, Infosperber vom 15.1.2019<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/prozess-enthuellt-korruption-bis-in-die-hoechsten-stellen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Prozess enth\u00fcllt: Korruption bis in die h\u00f6chsten Stellen<\/a>, Infosperber 27.11.2019<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/fruehere-cs-bankerin-gesteht-das-annehmen-von-schmiergeldern-ein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fr\u00fchere CS-Bankerin gesteht das Annehmen von Schmiergeldern ein<\/a>, Infosperber 30.5.20<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/die-katastrophalen-folgen-des-kreditskandals-in-mosambik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die katastrophalen Folgen des Kreditskandals in Mosambik<\/a>, Infosperber 13.6.2021<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/die-ubs-will-sich-mit-geheimem-vergleich-aus-der-affaere-ziehen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die UBS will sich mit einem geheimen Vergleich aus der Aff\u00e4re ziehen<\/a>, Infosperber vom 24.4.2024<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesstrafgericht urteilt, es gibt keine Rechtsnachfolge der UBS f\u00fcr strafrechtliche Delikte der CS. 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