{"id":2693609,"date":"2026-04-17T16:08:23","date_gmt":"2026-04-17T15:08:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2693609"},"modified":"2026-04-17T16:08:23","modified_gmt":"2026-04-17T15:08:23","slug":"marineplaene-fuer-mittelost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/04\/marineplaene-fuer-mittelost\/","title":{"rendered":"Marinepl\u00e4ne f\u00fcr Mittelost"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deutschland bereitet Teilnahme der Bundeswehr an von Frankreich geplantem Marineeinsatz in der Stra\u00dfe von Hormuz vor. Paris will die USA ausschlie\u00dfen, Berlin nicht. Sch\u00e4den an US-Milit\u00e4rbasen in Mittelost stellen deren Zukunft in Frage.<\/strong><\/p>\n<p>(Eigener Bericht) \u2013 Die Bundesregierung bereitet eine Teilnahme der Bundeswehr an dem von Frankreich geplanten Marineeinsatz zur Sicherung der Stra\u00dfe von Hormuz vor. Bundeskanzler Friedrich Merz will dies, wie am Donnerstag berichtet wurde, am heutigen Freitag in Paris offiziell mitteilen. Dort findet ein Treffen zur Vorbereitung des Einsatzes statt. Dieser soll allerdings erst nach dem Ende des Irankriegs beginnen und strikt defensiv sein. Frankreich positioniert sich mit ihm als m\u00f6gliche erg\u00e4nzende oder alternative Schutzmacht f\u00fcr die arabischen Golfstaaten. Bei diesen nimmt gegenw\u00e4rtig der Unmut \u00fcber die Vereinigten Staaten zu, die schon seit Jahrzehnten als ihre Schutzmacht auftreten, heute aber keinen wirksamen Schutz mehr leisten und zudem die Region in den Irankrieg gest\u00fcrzt haben. US-Experten weisen darauf hin, dass die Sch\u00e4den, die Iran den US-St\u00fctzpunkten in Mittelost zugef\u00fcgt hat, so schwer sind, dass ihre weitere Nutzung f\u00fcr Washington nicht mehr unumstritten ist. W\u00e4hrend Paris den Marineeinsatz zur Sicherung der Stra\u00dfe von Hormuz ohne die USA durchf\u00fchren will, pl\u00e4diert Berlin f\u00fcr die Einbindung der US-Streitkr\u00e4fte \u2013 allerdings wom\u00f6glich nicht in Kommandofunktion.<\/p>\n<h2><strong>Drei Ziele<\/strong><\/h2>\n<p>Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron hatte bereits am 9. M\u00e4rz angek\u00fcndigt, einen multinationalen Marineeinsatz in der Stra\u00dfe von Hormuz organisieren zu wollen. Dazu hatte er in einem ersten Schritt elf Kriegsschiffe in den Nahen und Mittleren Osten entsandt, darunter der Flugzeugtr\u00e4ger Charles de Gaulle.[1] Der Einsatz soll erst nach einem Ende des Kriegs beginnen und ausschlie\u00dflich defensiven Charakter haben. Genannt werden drei Ziele. In einem ersten Schritt sollen Ma\u00dfnahmen eingeleitet werden, um die Handelsschiffe, die im Persischen Golf festsitzen, sicher durch die Stra\u00dfe von Hormuz zu geleiten.[2] Im zweiten Schritt ist die Beseitigung von Seeminen geplant, die Iran in der Stra\u00dfe von Hormuz platziert haben k\u00f6nnte; ob und, wenn ja, in welchem Ausma\u00df dies der Fall ist, ist nicht bekannt. Im dritten Schritt sollen dann Handelsschiffe regelm\u00e4\u00dfig von Fregatten und Zerst\u00f6rern eskortiert werden. Dies sei, so hei\u00dft es, vor allem dazu gedacht, das Vertrauen der Schiffsbesatzungen, der Reeder und der Versicherer wieder herzustellen und den regelm\u00e4\u00dfigen Verkehr zu erm\u00f6glichen. Paris erkl\u00e4rt ausdr\u00fccklich, man schlie\u00dfe die Beteiligung der Kriegsparteien, vor allem der USA, grunds\u00e4tzlich aus. Allerdings soll der Marineeinsatz in Absprache mit Iran stattfinden. Dies gilt als n\u00f6tig, um die sichere Passage von Schiffen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<h2><strong>Die Schutzmacht, die nicht sch\u00fctzt<\/strong><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend Paris den Einsatz in der Stra\u00dfe von Hormuz plant, werden im Mittleren Osten potenziell weitreichende geostrategische Umbr\u00fcche diskutiert. In den arabischen Golfstaaten hat der Umstand f\u00fcr Unmut gesorgt, dass die USA, ihre traditionelle Schutzmacht, nicht nur beim Schutz vor iranischen Drohnen und Raketen versagen, sondern die Arabische Halbinsel sogar mutwillig in einen Krieg gest\u00fcrzt haben \u2013 und dies trotz eindringlicher Warnungen. Entsprechend sind \u00dcberlegungen im Gang, sich in Zukunft nicht mehr einseitig auf die Vereinigten Staaten als einzige Schutzmacht zu verlassen. Gleichzeitig nutzen die arabischen Golfstaaten den aktuellen Waffenstillstand, um Verhandlungen mit Iran aufzunehmen. Die Au\u00dfenminister Irans und Saudi-Arabiens tauschten sich nach der vorl\u00e4ufigen Einstellung der Kampfhandlungen unmittelbar \u00fcber Optionen aus, die Spannungen am Persischen Golf in Zukunft zu reduzieren. Am Mittwoch telefonierte Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf mit dem Vizepr\u00e4sidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mansour bin Zayed al Nahyan; es ging ebenfalls um M\u00f6glichkeiten, die Konflikte in der Region nach Kriegsende zu d\u00e4mpfen.[3] Das deutet darauf hin, dass die arabischen Golfstaaten wieder an ihre schon 2019 eingeleiteten Bem\u00fchungen ankn\u00fcpfen wollen, eine Entspannung in ihrem Verh\u00e4ltnis zu Iran zu suchen (german-foreign-policy.com berichtete [4]).<\/p>\n<h2><strong>Kriegf\u00fchrung aus dem Hotelzimmer<\/strong><\/h2>\n<p>Unklar ist dabei die Zukunft der Vereinigten Staaten. Iranische Drohnen und Raketen haben auf zahlreichen US-Milit\u00e4rst\u00fctzpunkten am Persischen Golf schwere Sch\u00e4den verursacht. So wird berichtet, es seien Radaranlagen getroffen und zumindest zum Teil zerst\u00f6rt worden, die Hunderte Millionen, in einem Fall sogar eine Milliarde US-Dollar gekostet h\u00e4tten.[5] Die Sch\u00e4den sind offenbar so gravierend, dass die US-Streitkr\u00e4fte dazu \u00fcbergegangen sind, Soldaten, die nicht \u2013 wie etwa Kampfpiloten \u2013 zwingend unmittelbar auf ihren St\u00fctzpunkten anwesend sein m\u00fcssen, in zivilen B\u00fcrogeb\u00e4uden oder sogar in ausgew\u00e4hlten Hotels der Golfstaaten unterzubringen. Von dort aus f\u00fchrten sie ihren Krieg \u201eim Grunde genommen per Fernbedienung\u201c, hie\u00df es Ende M\u00e4rz in der New York Times.[6] Dies bricht V\u00f6lkerrecht.[7] Dabei sind, wie am 9. April Marc Lynch von der George Washington University auf der Jahrestagung des Arab Center Washington DC unter Bezug auf pers\u00f6nliche Berichte aus der Region \u00e4u\u00dferte, l\u00e4ngst nicht alle Sch\u00e4den an den Basen \u00f6ffentlich bekannt. \u201eDie physische Architektur der US-Vorherrschaft\u201c sei binnen eines Monats \u201eunbrauchbar gemacht\u201c worden, urteilte Lynch; es sei \u201esehr unwahrscheinlich\u201c, dass sie wieder auf ihren vorherigen Stand gebracht werde: Ihre Lage sei \u201ezu gef\u00e4hrlich\u201c.[8] Damit st\u00fcnde wom\u00f6glich die US-Milit\u00e4rpr\u00e4senz in Mittelost in ihrer heutigen Form in Frage.<\/p>\n<h2><strong>N\u00e4her an Europa<\/strong><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend die altgewohnte milit\u00e4rische Dominanz der Vereinigten Staaten auf der Arabischen Halbinsel nicht mehr als unumst\u00f6\u00dflich angesehen werden kann, positioniert sich Frankreich mit seiner Marinepr\u00e4senz in Nah- und Mittelost sowie mit seinem geplanten Marineeinsatz in der Stra\u00dfe von Hormuz als eine etwaige erg\u00e4nzende oder gar alternative Schutzmacht f\u00fcr die Arabischen Golfstaaten. Zugleich schlie\u00dft sich Gro\u00dfbritannien der franz\u00f6sischen Initiative an. Es bereitet sich seit Wochen auf Ma\u00dfnahmen zur Minenr\u00e4umung am Persischen Golf vor, hat allerdings bislang s\u00e4mtlichen US-Versuchen widerstanden, britische Truppen in die US-Blockade iranischer H\u00e4fen oder andere US-Operationen in Mittelost einzubinden. Stattdessen hat es Anfang August einen eigenen Versuch gestartet, eine Staatenkoalition zur Freisetzung der Stra\u00dfe von Hormuz zu schmieden, sich dabei aber ebenfalls auf die Zeit nach einem Ende des Krieges fokussiert.[9] Zu der multinationalen Zusammenkunft am heutigen Freitag hat Macron nun gemeinsam mit Premierminister Keir Starmer eingeladen. Mit Blick darauf, dass Starmer die Vereinnahmungsversuche der Trump-Administration abwehrt, gleichzeitig aber enger mit Frankreich kooperiert, konstatieren Beobachter, London r\u00fccke aktuell seine traditionelle Sonderbeziehung zu den USA in den Hintergrund und n\u00e4here sich strategisch der EU an.[10]<\/p>\n<h2><strong>Sieg und Niederlage<\/strong><\/h2>\n<p>Die Bundesregierung hatte die franz\u00f6sischen Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Marineeinsatz in der Stra\u00dfe von Hormuz zun\u00e4chst abgelehnt. So hie\u00df es Anfang April in Berlin, man verhandle \u2013 anders als Paris \u2013 nicht mit Teheran; man stehe bez\u00fcglich der Stra\u00dfe von Hormuz ganz allgemein \u201enicht in der vorderen Linie\u201c.[11] Der CDU-Au\u00dfenpolitiker Norbert R\u00f6ttgen behauptete, Macrons Initiative behalte \u201edie Anerkennung der Vorherrschaft Irans, und zwar umfassend milit\u00e4risch, rechtlich und in der Folge politisch\u201c; sie komme daher f\u00fcr die Bundesrepublik nicht in Frage, zumal \u201edie Kontrolle \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus \u2026 strategisch \u00fcber Sieg und Niederlage\u201c im Iran-Krieg entscheide.[12] Bundeskanzler Friedrich Merz habe seinen au\u00dfenpolitischen Berater G\u00fcnter Sautter, so hie\u00df es, nicht etwa nach Paris, sondern nach Washington geschickt. Wenig sp\u00e4ter leitete Berlin eine gewisse Kurskorrektur ein. Am 9. April erkl\u00e4rte Merz, man nehme \u201ejetzt auch die Gespr\u00e4che mit Teheran wieder auf\u201c; auch werde die Bundesrepublik im Fall eines Friedensschlusses dazu beitragen, \u201edie freie Schifffahrt in der Stra\u00dfe von Hormus zu sichern\u201c \u2013 dies jedenfalls dann, \u201ewenn es daf\u00fcr \u2026 ein Mandat und ein tragf\u00e4higes Konzept gibt\u201c.[13] Dar\u00fcber habe er sich, teilte Merz allerdings mit, vor allem \u201emit Pr\u00e4sident Trump\u201c ausgetauscht.<\/p>\n<h2><strong>Frankreichs F\u00fchrung vermeiden<\/strong><\/h2>\n<p>Am heutigen Freitag will Merz, wie am gestrigen Donnerstag mehrere Berichte best\u00e4tigten, pers\u00f6nlich an der Pariser Zusammenkunft teilnehmen, zu der dar\u00fcber hinaus vor Ort Italiens Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni sowie, online zugeschaltet, Repr\u00e4sentanten zahlreicher weiterer Staaten erwartet werden. Merz will demnach die Entsendung von Minensuchbooten und einem Seefernaufkl\u00e4rer anbieten sowie die Nutzung der Logistikbasis der Bundeswehr bei Djibouti in Aussicht stellen.[14] Im Unterschied zu Paris bef\u00fcrwortet Berlin aber eine Teilnahme der Vereinigten Staaten. Diese m\u00fcssten zwar, hie\u00df es, \u201ekeine Kommandofunktion aus\u00fcben\u201c, sollten jedoch \u201epr\u00e4sent und eingebunden sein\u201c.[15] Die Forderung folgt einem alten Muster der deutschen Au\u00dfenpolitik, die in aller Regel versucht, Initiativen unter franz\u00f6sischer F\u00fchrung systematisch auszubremsen, um einen franz\u00f6sischen Machtgewinn in der EU zu verhindern. Dabei zog die Bundesregierung immer wieder eine Kooperation mit den USA alternativen Ma\u00dfnahmen vor, die zwar st\u00e4rkere europ\u00e4ische Eigenst\u00e4ndigkeit gebracht, zugleich aber Frankreich signifikante Vorteile verschafft h\u00e4tten \u2013 tats\u00e4chlich oder auch nur vermeintlich auf Kosten der Bundesrepublik. Eines der j\u00fcngeren Beispiele: die Beschaffung diverser US-Kampfjets vom Typ F-35 anstelle einer beschleunigten Entwicklung des deutsch-franz\u00f6sischen Kampfjets FCAS.[16]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/10341\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Stra\u00dfe von Hormuz<\/a>.<\/p>\n<p>[2] Max Colchester, Noemie Bisserbe, Bertrand Benoit: Europe Drafts Postwar Plan to Free Up Hormuz Without U.S. wsj.com 14.04.2026.<\/p>\n<p>[3] UAE vice president discusses de-escalation with Iran\u2019s speaker Qalibaf. thearabweekly.com 16.04.2026.<\/p>\n<p>[4] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/9204\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Ende der US-Dominanz am Persischen Golf (III)<\/a>.<\/p>\n<p>[5] Bora Erden, Leanne Abraham: At Least 17 U.S. Sites Damaged in War With Iran, Analysis Shows. nytimes.com 11.03.2026.<\/p>\n<p>[6] Helene Cooper, Eric Schmitt: Iran\u2019s Attacks Force U.S. Troops to Work Remotely. nytimes.com 25.03.2026.<\/p>\n<p>[7] Thomas Gibbons-Neff: Placing U.S. Troops in Middle East Hotels May Violate Laws of War. nytimes.com 01.04.2026.<\/p>\n<p>[8] Yasmine El-Sabawi: US military bases in Gulf \u2018useless\u2019 after Iranian strikes, experts say. middleeasteye.net 09.04.2026.<\/p>\n<p>[9] UK-led coalition of 40 countries vows action on Hormuz Strait closure. aljazeera.com 02.04.2026.<\/p>\n<p>[10] Oliver Wright: How Keir Starmer is using the Iran war to turn from Trump to EU. thetimes.com 01.04.2026.<\/p>\n<p>[11], [12] Eckart Lohse, Michaela Wiegel, Sofia Dreisbach: Europa mal wieder uneins. Frankfurter Allgemeine Zeitung 04.04.2026.<\/p>\n<p>[13] \u201eEin erster Lichtblick\u201c. bundesregierung.de 09.04.2026.<\/p>\n<p>[14] Deutschland bereit zu milit\u00e4rischer Sicherung der Stra\u00dfe von Hormus. Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.04.2026.<\/p>\n<p>[15] Daniel Br\u00f6ssler: Bundeswehr bereitet Minenr\u00e4umung in der Stra\u00dfe von Hormus vor. sueddeutsche.de 16.04.2026.<\/p>\n<p>[16] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/10074\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Noch immer kein Take-off<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland bereitet Teilnahme der Bundeswehr an von Frankreich geplantem Marineeinsatz in der Stra\u00dfe von Hormuz vor. Paris will die USA ausschlie\u00dfen, Berlin nicht. Sch\u00e4den an US-Milit\u00e4rbasen in Mittelost stellen deren Zukunft in Frage. 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