{"id":2692954,"date":"2026-04-15T10:10:37","date_gmt":"2026-04-15T09:10:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2692954"},"modified":"2026-04-15T10:10:37","modified_gmt":"2026-04-15T09:10:37","slug":"westlicher-nihilismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/04\/westlicher-nihilismus\/","title":{"rendered":"Westlicher Nihilismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Als Soziologe analysiert Emmanuel Todd Bev\u00f6lkerungsstatistiken sowie die Bedeutung von Familienstrukturen und Religionen. Als Historiker analysiert er Geopolitik. In seinem j\u00fcngsten Buch wird klar, wie diese Forschungsgebiete zusammenh\u00e4ngen. Darin analysiert er den Ukrainekrieg \u2013 und die Rolle des Westens.<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Von G\u00fcnther Hartmann<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In seinen Ausf\u00fchrungen bleibt Emmanuel Todd n\u00fcchtern und distanziert, ergreift nicht Partei f\u00fcr eine Seite, sondern beschreibt anhand akribisch zusammengestellter Fakten, Zahlen und Landkarten, was war und was ist. Dabei springt er zwischen verschiedenen Ebenen und Perspektiven hin und her, was viele Leser irritieren d\u00fcrfte. Doch das geh\u00f6rt zu seiner Methodik. Er bezeichnet sich selbst als \u201eempirischen Hegelianer\u201c, denkt also dialektisch. Und auch wenn das vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss ist, so hebt er sich damit wohltuend von der heute \u00fcblich gewordenen Schwarz-Wei\u00df-Malerei ab. Dialektik erweist sich als probates Mittel, um komplexe Situationen zu verstehen und starre Sichtweisen aufzuweichen.<\/p>\n<p>Dadurch gelingt es Todd, die Realit\u00e4t ganzheitlich und trotzdem sehr differenziert zu analysieren. Hierbei konzentriert er sich nat\u00fcrlich vor allem auf die Antithese, also auf das, was in den von Politik und Medien verbreiteten \u201eNarrativen\u201c fehlt oder diesen widerspricht. Das belegt er fundiert, greift aber auch auf psychologische Erkl\u00e4rungen zur\u00fcck. Ein Schl\u00fcsselbegriff ist dabei: Nihilismus. Der beinhaltet f\u00fcr ihn zwei grunds\u00e4tzliche Dimensionen: \u201eDie sichtbarste ist die physische Dimension: der Trieb, Dinge und Menschen zu zerst\u00f6ren. Die zweite Dimension ist begrifflich, aber nicht minder wesentlich: den Begriff der Wahrheit selbst zu zerst\u00f6ren und jede vern\u00fcnftige Beschreibung der Welt zu verbieten.\u201c<\/p>\n<p>Dem gegen\u00fcber steht die Religion. Sie betrachtet Todd als eine das Selbstverst\u00e4ndnis von Menschen und Gesellschaften positiv pr\u00e4gende Kraft. L\u00e4sst ihr Einfluss nach, beginnt ein langsamer Niedergang: zun\u00e4chst zur \u201eZombie-Religion\u201c, dann zur \u201eNull-Religion\u201c. Unter \u201eZombie-Religion\u201c versteht er aus der urspr\u00fcnglichen Religion rausgel\u00f6ste Teile, vor allem Sitten- und Wertesysteme, die f\u00fcr einige Zeit weiterexistieren und weiterwirken. Doch sie verk\u00fcmmern zunehmend, verlieren an Kraft und Einfluss. Dann versinken Gesellschaften in eine \u201eNull-Religion\u201c, verlieren an Orientierung, erzeugen seltsame Reaktionen und obskure Ideologien. Am weitesten fortgeschritten sieht Todd diese Entwicklung in den USA.<\/p>\n<h3><strong>USA <\/strong><\/h3>\n<p>\u201eIm heutigen Amerika beobachte ich im Bereich des Denkens und der Ideen einen gef\u00e4hrlichen Zustand der Leere, in der eine \u00fcbriggebliebene Besessenheit von Geld und Macht waltet. Diese beiden k\u00f6nnen jedoch f\u00fcr sich genommen keine Ziele und Werte sein. Die Leere f\u00fchrt einen Hang zur Selbstzerst\u00f6rung herbei, zum Militarismus, zu einer anhaltenden Negativit\u00e4t\u201c, stellt Todd fest. Als messbare Indizien f\u00fcr den gesellschaftlichen Niedergang f\u00fchrt er unter anderem das statistisch nachgewiesene Sinken der k\u00f6rperlichen und geistigen Gesundheit, der Lebenserwartung, des Intelligenzquotienten und der Bildung sowie den Anstieg der Kindersterblichkeit, der Arzneimittel- und Drogenabh\u00e4ngigkeit, der Selbstmorde, Morde und Amokl\u00e4ufe an.<\/p>\n<p>Eine gut funktionierende Gesellschaft ben\u00f6tigt aus Todds Sicht eine starke Mittelschicht. Die erodiert in den USA seit vielen Jahrzehnten. Zur\u00fcck bleibt \u201eein Imperium ohne Zentrum und ohne Plan, ein im Wesentlichen milit\u00e4rischer Organismus, der von einer Gruppe ohne Kultur angef\u00fchrt wird und als fundamentale Werte nur Macht und Gewalt kennt\u201c. Seine Eliten haben ein \u201eschwieriges Verh\u00e4ltnis zur Realit\u00e4t\u201c, ihre Handlungen sind \u201eun\u00fcberlegt und widerspr\u00fcchlich\u201c. Die US-Au\u00dfenpolitik wird immer aggressiver \u2013 auch, um vom Zerfall des Gemeinwesens abzulenken und ihn zu kompensieren. Es wird klar: Trump ist hierbei mehr ein Symptom, weniger eine Ursache. Todd schrieb und ver\u00f6ffentlichte sein Buch vor dessen zweiter Amtszeit.<\/p>\n<h3><strong>England<\/strong><\/h3>\n<p>Dem Niedergang der USA am n\u00e4chsten kommt f\u00fcr Todd der Niedergang Englands. Als Hauptursache sieht er die neoliberale Ideologie und die mit ihr einhergehende Privatisierung staatlicher Aufgaben und Finanzialisierung der Wirtschaft. \u201eDie konzeptuelle Revolution des Neoliberalismus erscheint wie die schlichte Befreiung eines von jedweder Moral losgel\u00f6sten Erwerbsinstinkts\u201c, findet Todd. \u201eGier ist nur einer der Aspekte. Doch die Zerst\u00f6rungswut l\u00e4sst vermuten, dass ein Zerst\u00f6rungstrieb am Werke ist, der sich hinter der Wirtschaftstheorie verbirgt. Die ultimative Wahrheit hinter dem Neoliberalismus ist religi\u00f6se Leere.\u201c<\/p>\n<p>Um das Unbehagen und die Angst zu kompensieren, ist der S\u00fcndenbock-Mechanismus ein altbew\u00e4hrtes Konzept. Vor dem Brexit diente vornehmlich die EU dazu. Und nach dem Brexit? \u201eDie Russen haben sich gewisserma\u00dfen selbst zum S\u00fcndenbock gemacht, mit ihren Oligarchenkindern in den englischen Privatschulen, mit ihren Immobilieninvestitionen in London ohne R\u00fccksicht auf Verluste und mit dem Kauf des Fu\u00dfballclubs Chelsea durch Roman Abramowitsch\u201c, vermutet Todd. Denn nirgendwo ist die Russophobie so ausgepr\u00e4gt wie in England. Das sprach sich vor und nach Ausbruch des Ukrainekrieges am vehementesten gegen Friedensgespr\u00e4che und Kompromissl\u00f6sungen aus und dr\u00e4ngte auf eine Intensivierung des Krieges.<\/p>\n<p>Eine zunehmend antirussische Haltung war allerdings auch im restlichen Europa festzustellen. \u201eEuropa hat sich in diesen Krieg nicht aus Zufall, aus Dummheit oder aus Versehen gest\u00fcrzt. Irgendetwas hat es getrieben\u201c, vermutet Todd. \u201eDieses Etwas, das ist seine eigene Implosion. Die EU brauchte einen \u00e4u\u00dferen Feind, um neu zusammengeschwei\u00dft zu werden und wieder in Gang zu kommen.\u201c<\/p>\n<h3><strong>Ukraine<\/strong><\/h3>\n<p>\u201eWie konnte eine Gesellschaft, von der alle Welt sp\u00fcrte, dass sie im Zerfall begriffen war, einer russischen Milit\u00e4roffensive so gut standhalten?\u201c, fragt Todd am Anfang seines Kapitels \u00fcber die Ukraine. Von 1991 bis 2021 war dessen Bev\u00f6lkerung um \u00fcber 20\u00a0% gesunken \u2013 durch Auswanderung und eine niedrige Geburtenrate. Seine Wirtschaft war am Boden, die Korruption absurd hoch. Die Ukraine galt als gescheiterter Staat \u2013 und entwickelte im Krieg gegen Russland eine ungeahnte Kraft. Todd geht dem nach und analysiert die Geschichte der 1991 nach dem Zerfall der UdSSR unabh\u00e4ngig gewordenen Ukraine ausf\u00fchrlich.<\/p>\n<p>Die Zusammensetzung des jungen Staates war von Beginn an \u00e4u\u00dferst heterogen, kompliziert und schwierig. Es gab drei recht unterschiedliche Kulturen: die Westukraine, die Zentralukraine sowie die Ost- und S\u00fcdukraine. In der Ost- und S\u00fcdukraine war die Bev\u00f6lkerung \u00fcberwiegend russischst\u00e4mmig und -sprachig. Durch den wirtschaftlichen Niedergang gewann in der West- und in der Zentralukraine ein aggressiver Nationalismus die Oberhand, der sich mit Nazi-Symbolen schm\u00fcckte und durch eine radikale Ablehnung alles Russischen definierte. Die Feindseligkeiten nahmen immer mehr zu, weshalb fast die gesamte russischst\u00e4mmige Mittelschicht nach Russland auswanderte. Und die vormals starke j\u00fcdische Mittelschicht nach Israel.<\/p>\n<p>Die Ukraine begann aufzur\u00fcsten und strebte die NATO-Mitgliedschaft an. Russland, das urspr\u00fcnglich davon ausgegangen war, aufgrund des russischst\u00e4mmigen Bev\u00f6lkerungsanteils immer gute Beziehungen zu dem jungen Land zu haben, musste einen gro\u00dfen Irrtum erkennen und bereute, die Ukraine 1991 ohne Grenzkorrekturen in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen zu haben. 2014 annektierte es die Krim. Die Ukraine r\u00fcstete weiter massiv auf und dr\u00e4ngte auf die NATO-Mitgliedschaft. 2022 wurde sie von Russland angegriffen \u2013 und leistet bis heute einen so nicht erwartbaren Widerstand.<\/p>\n<p>Am Ende des langen Kapitels versucht Todd seine Eingangsfrage zu beantworten: \u201eMan kennt die Formulierung von Clausewitz: \u201aDer Krieg ist eine blo\u00dfe Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.\u2018 Hier ist der Krieg sein eigenes Ziel. Er verleiht einer Nation Sinn, in der es Politik nicht gibt: Die Unf\u00e4higkeit des ukrainischen Nationalstaats, sich zu entwickeln und seinen Platz zu finden, ist es, die diesen endlosen Krieg aufrechterh\u00e4lt. Im Kern der Politik der ukrainischen Regierung ahnt man eine Art Schwindel, eine Flucht Richtung Abgrund, einen zerst\u00f6rerischen Impuls gegen das, was ist, ohne in Betracht zu ziehen, was sein k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<h3><strong>NATO<\/strong><\/h3>\n<p>Im militanten ukrainischen Nationalismus sieht Todd die Hauptursache f\u00fcr die Eskalation. Die USA nimmt er hier in Schutz. Er glaubt nicht, dass sie die Ukraine aufger\u00fcstet haben, um den Brzezi\u0144ski-Plan aus den 1990er-Jahren \u2013 Russland destabilisieren, nach seinem Zusammenbruch in 3 bis 4 gut kontrollierbare Teile aufspalten, seine Bodensch\u00e4tze auszubeuten \u2013 endlich umzusetzen: \u201eDie USA waren keine Kriegstreiber. Sie hatten die Expansion aufgegeben und suchten keine Konfrontation mit Russland. Vielmehr war es der nihilistische Traum der ukrainischen Nationalisten, der sie k\u00f6derte.\u201c<\/p>\n<p>Doch auch wenn die USA sich lieber auf ihren \u201eKrieg gegen den Terror\u201c und die Konfrontation mit dem aufstrebenden China konzentrieren wollten, hatte sich das Verh\u00e4ltnis zu Russland seit Mitte der 2000er-Jahre sp\u00fcrbar verschlechtert. Den Ursachen geht Todd nach.<\/p>\n<p>Als entscheidend betrachtet er vor allem zwei Ereignisse. Das erste geschah 2003: \u201eDie Bildung einer gemeinsamen deutsch-franz\u00f6sisch-russischen Front gegen den Irakkrieg hat das amerikanische geopolitische Establishment alarmiert.\u201c Das zweite: \u201eIm Juli 2013 begeht Russland das absolute Sakrileg: Es gew\u00e4hrt Edward Snowden politisches Asyl.\u201c Durch den Whistleblower waren die Aktivit\u00e4ten der NSA bekannt geworden \u2013 auch die \u00dcberwachung der europ\u00e4ischen NATO-Partner. Es keimte der Verdacht auf, dass die NATO vornehmlich dazu dient, den Einfluss der USA in Europa zu sichern und seine Verb\u00fcndeten zu kontrollieren.<\/p>\n<h3><strong>Russland<\/strong><\/h3>\n<p>Neben der milit\u00e4rischen St\u00e4rke der Ukraine ist f\u00fcr Todd die wirtschaftliche und gesellschaftliche Resilienz Russlands \u00fcberraschend. Auch wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Russlands zu Beginn des Ukrainekriegs nur 3,3\u00a0% von dem des Westens betrug und der Westen Russland mit massiven Sanktionen destabilisieren und ruinieren wollte, brach es nicht zusammen. Ganz im Gegenteil. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sucht Todd in der russischen Gesellschaft. Sie ist kein neostalinistisches System. Zwar ist die Meinungs- und Pressefreiheit stark eingeschr\u00e4nkt, doch es gibt Reisefreiheit \u2013 aber kaum jemand verl\u00e4sst das Land. Es muss also auch positive Aspekte geben. Und Todd findet welche.<\/p>\n<p>Von 2000 bis 2020 gingen die alkoholbedingten Todesf\u00e4lle, Selbstmorde und Morde drastisch zur\u00fcck. Die Kindersterblichkeit \u2013 f\u00fcr Todd ein zentrales Kriterium f\u00fcr den Zustand des Gemeinwohls \u2013 sank in diesem Zeitraum von 19 auf 4,4 pro 1.000 Geburten und liegt damit unter den 5,4 der USA. Die Tradition des \u201epatrilinearen Familientyps\u201c h\u00e4lt die russische Gesellschaft stabil. Zudem st\u00e4rkte Putin die Mittelschicht, indem er die Verm\u00f6gen und Einkommen, die sich in der \u00c4ra Jelzin auf eine schmale Oberschicht konzentrierten, nach unten umverteilte. Die Oligarchen wurden politisch entmachtet \u2013 ganz im Gegensatz zur Entwicklung in den USA.<\/p>\n<p>Bev\u00f6lkerungsm\u00e4\u00dfig ist Russland mit seinen 145 Mio. Einwohnern den USA mit seinen 330 Mio. zwar klar unterlegen, bildet aber mehr Ingenieure aus. Das ist f\u00fcr Todd ein Indiz, dass Russland robuster ist und den Ukrainekrieg gewinnen wird. Denn in den USA sind nur noch die Finanz-, Energie- und IT-Branche stark, der sonstigen Industrie fehlt es an Ingenieuren und Fachkr\u00e4ften. Deshalb waren die USA nicht in der Lage, gen\u00fcgend Munition und Waffen an die Ukraine zu liefern. Zudem ist der Ukrainekrieg f\u00fcr die USA eher unwichtig, f\u00fcr Russland dagegen von zentraler strategischer Bedeutung, weshalb es ihn unbedingt gewinnen will. Sein politisches Ideal: nationale Souver\u00e4nit\u00e4t. Die ist ein seltenes Gut, das sich heute nur wenige Staaten auf der Welt leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Putin hatte seit den 2000er-Jahren in vielen Reden immer wieder betont, dass Russland es nicht akzeptieren wird, wenn die Ukraine der NATO beitritt und an dessen Grenze \u2013 nur 500 km von Moskau entfernt! \u2013 Raketen stationiert werden. Seine Warnungen wurden im Westen nicht wahr- oder ernstgenommen. Er hat aber bis heute auch immer wieder betont, dass Russland keinen Angriff auf die NATO plane \u2013 was ebenfalls nicht wahr- oder ernstgenommen wird. F\u00fcr Angriffspl\u00e4ne sieht Todd kein Indiz. Zum einen, weil Russland daf\u00fcr viel zu schwach ist. Zum anderen, weil es ein massives demografisches Problem hat: seine niedrige Geburtenrate.<\/p>\n<p>Bei schrumpfender Bev\u00f6lkerung und einem riesigen Staatsgebiet, reich an Bodensch\u00e4tzen, w\u00e4re die NATO anzugreifen sinnlos und dumm. Russland wei\u00df das. Es profitiert lieber davon, dass sein Ansehen im \u201eRest der Welt\u201c enorm gestiegen ist. Weil es gewagt hat, den USA entgegenzutreten, und sich behauptete. \u201eRussland wurde keineswegs an den Rand gedr\u00e4ngt, sondern ist wieder zu einem zentralen Akteur in der Welt geworden\u201c, stellt Todd fest und fragt: \u201eWarum akzeptiert der Westen seine Niederlage nicht? Warum scheint er bereit zu sein, auch den letzten Ukrainer zu opfern und das Risiko eines thermonuklearen Schlagabtauschs einzugehen?\u201c<\/p>\n<p>Hier kommt wieder der Nihilismus ins Spiel. \u201eDie M\u00f6glichkeit eines Friedens wird von unseren Politikern verneint, als ob er eine Bedrohung w\u00e4re\u201c, kritisiert Todd. \u201eDieselben Eliten, die gestern nicht in der Lage waren, vorherzusehen, dass Russland Krieg f\u00fchren w\u00fcrde, sind heute nicht f\u00e4hig, sich vorzustellen, dass Russland danach Frieden will, nicht aus Gutm\u00fctigkeit, sondern weil es in seinem Interesse liegt.\u201c Und so schlie\u00dft Todd sein Buch mit der lapidaren Feststellung: \u201eRussland wird in der Ukraine nicht nachgeben. Europa ist in keiner Weise bedroht. Frieden sollte m\u00f6glich sein.\u201c<\/p>\n<h3><strong>Ausblick<\/strong><\/h3>\n<p>Mit dieser Aussage verl\u00e4sst Todd seine ansonsten sehr sachliche Analyse und l\u00e4sst sich \u2013 weniger als Wissenschaftler, mehr als besorgter europ\u00e4ischer B\u00fcrger \u2013 zu einer Hoffnung hinrei\u00dfen, f\u00fcr die es aktuell keinerlei Anhaltspunkte gibt. Ganz im Gegenteil, wie die letzte Sicherheitskonferenz in M\u00fcnchen deutlich zeigte, wie die dortige Rede von US-Au\u00dfenminister Rubio deutlich zeigte, wie \u00c4u\u00dferungen deutscher Spitzenpolitiker immer wieder zeigen. Nachdem diese in den letzten Jahren Angriffspl\u00e4ne Russlands wie eine gesicherte Tatsache darstellten und eine massive Aufr\u00fcstung forderten, kommen sie da ohne gro\u00dfen Gesichtsverlust nicht mehr heraus. Der w\u00fcrde das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten. Also wird weitergemacht.<\/p>\n<h3>Buchinfo<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2692959\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Der-Westen-im-Niedergang-Buch.jpg\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"173\" \/><\/p>\n<p>Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>Der Westen im Niedergang<br \/>\n<\/strong>\u00d6konomie, Kultur und Religion im freien Fall<br \/>\nWestend, Oktober 2024<br \/>\n352 Seiten, 28.00 Euro<br \/>\n978-3-86489-469-5<br \/>\n<a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Der-Westen-im-Niedergang\/2162\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zum Buch<\/a><\/p>\n<h3>Onlinetipps<\/h3>\n<p>Interview mit Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>\u201eDer Beginn eines Weltkriegs\u201c<br \/>\n<\/strong>Weltwoche, 04.03.2026<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/pjrwd\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/pjrwd<\/a><\/p>\n<p>Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>Die Entwurzelung des Westens: Was uns bedroht<br \/>\n<\/strong>Vorwort zur slowenischen Ausgabe<br \/>\nOverton, 09.10.2025<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/ixsww\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/ixsww<\/a><\/p>\n<p>Ulrike Gu\u00e9rot interviewt Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>Der Westen im Niedergang<br \/>\n<\/strong>YouTube, 10.12.2024<br \/>\n<a href=\"http:\/\/y2u.be\/CT-iGfrUFtQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/y2u.be\/CT-iGfrUFtQ<\/a><\/p>\n<p>Interview mit Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>\u201eDer Nihilismus f\u00fchrt zum Niedergang des Westens\u201c<\/strong><br \/>\nHintergrund, 28.11.2024<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/4tgqr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/4tgqr<\/a><\/p>\n<p>Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>Russische Stabilit\u00e4t<br \/>\n<\/strong>Buchauszug<br \/>\nOverton, 15.11.2024<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/hk7ym\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/hk7ym<\/a><\/p>\n<p>Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>Der Westen im Niedergang<br \/>\n<\/strong>Buchauszug<br \/>\nNachDenkSeiten, 17.10.2024<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123244\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.nachdenkseiten.de\/?p=123244<\/a><\/p>\n<p>Emmanuel Todd<br \/>\n<strong>Der Westen im Niedergang<br \/>\n<\/strong>Buchauszug<br \/>\nOverton, 16.10.2024<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/0yv3m\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/0yv3m<\/a><\/p>\n<p>\u00dcber Ulrike Gu\u00e9rots<br \/>\n<strong>Halford J. Mackinders Heartland-Theorie<br \/>\n<\/strong>\u00d6kologiePolitik, 17.09.2025<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/o012f\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/o012f<\/a><\/p>\n<p>\u00dcber die Greenpeace-Studie<br \/>\n<strong>Wann ist genug genug?<br \/>\n<\/strong>\u00d6kologiePolitik, 20.01.2025<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/s91vr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/s91vr<\/a><\/p>\n<p>\u00dcber Zbigniew Brzezinskis<br \/>\n<strong>Die einzige Weltmacht<br \/>\n<\/strong>\u00d6kologiePolitik, 16.09.2024<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.t1p.de\/dfybv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.t1p.de\/dfybv<\/a><\/p>\n<p><strong><em>Die Buchrezension von G\u00fcnther Hartmann erschien erstmals auf <a href=\"https:\/\/www.oekologiepolitik.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">oekologiepolitik.de<\/a>. Wir bedanken uns f\u00fcr die freundliche Genehmigung zur Publikation.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Soziologe analysiert Emmanuel Todd Bev\u00f6lkerungsstatistiken sowie die Bedeutung von Familienstrukturen und Religionen. Als Historiker analysiert er Geopolitik. In seinem j\u00fcngsten Buch wird klar, wie diese Forschungsgebiete zusammenh\u00e4ngen. Darin analysiert er den Ukrainekrieg \u2013 und die Rolle des Westens. 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