{"id":2688165,"date":"2026-03-28T09:51:49","date_gmt":"2026-03-28T09:51:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2688165"},"modified":"2026-03-28T09:51:49","modified_gmt":"2026-03-28T09:51:49","slug":"rassistische-migrationspolitik-blockiert-hilfe-fuer-gewaltopfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/03\/rassistische-migrationspolitik-blockiert-hilfe-fuer-gewaltopfer\/","title":{"rendered":"Rassistische Migrationspolitik blockiert Hilfe f\u00fcr Gewaltopfer"},"content":{"rendered":"<p>(Madrid, <a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/migracion\/odisea-mujeres-migradas-violencia-genero-conseguir-residencia-legal-espana\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">El Salto<\/a>).- Gewalt ist das Hauptmotiv, das zehntausende Personen aus aller Welt dazu bringt, den <a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/sidecar\/escenificaciones-flujos-migratorios\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Exodus nach Europa<\/a> zu unternehmen. Der Fluchtgrund <a href=\"https:\/\/redlatinas.es\/informe-sobrerrepresentadas-desprotegidas-en-resistencia-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gewalt im Geschlechterverh\u00e4ltnis<\/a> trifft Jahr f\u00fcr Jahr vor allem Frauen und M\u00e4dchen. Wie viele sich \u00fcber tausende Kilometer hinweg ins Unbekannte aufmachen, um vor Angriffen zu fliehen und neu zu beginnen, ohne Ressourcen oder Zugang zu gemeinschaftlichen Netzwerken, ist nicht bekannt. Das Statistikportal der spanischen Regierung \u00fcber geschlechtsspezifische Gewalt liefert keine Daten \u00fcber die Anzahl der Antr\u00e4ge auf Aufenthaltsgenehmigungen, die von Frauen* unter dieser Fallgruppe gestellt wurden. Offizielle Statistiken dar\u00fcber, wie viele Menschen international Schutz aus geschlechtsspezifischen Fluchtgr\u00fcnden beantragten, gibt es auch nicht.<\/p>\n<h2><strong>Red Latinas forscht zum Fluchtgrund Sexistische Gewalt<\/strong><\/h2>\n<p>Wer dennoch nachgez\u00e4hlt und eine umfangreiche Untersuchung zum Thema durchgef\u00fchrt hat, sind die Mitglieder der <em>Red de Mujeres Latinoamericanas y del Caribe (<a href=\"https:\/\/redlatinas.es\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Red Latinas<\/a>). <\/em>In ihrem <a href=\"https:\/\/redlatinas.es\/informe-sobrerrepresentadas-desprotegidas-en-resistencia-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht<\/a> <em>Sobrerepresentadas, desprotegidas y en resistencia<\/em> (\u00fcberrepr\u00e4sentiert, schutzlos und widerst\u00e4ndig) zeigen sie, dass Frauen aufgrund sexistischer Gewalt den Schutz der Aufnahmel\u00e4nder genie\u00dfen sollten, die Anzahl der deshalb erteilten Aufenthaltsgenehmigungen jedoch gering ist: In den letzten 20 Jahren waren es 43.327. Nicht viel, erkl\u00e4rt <em>Red Latinas,<\/em> besonders, wenn man bedenkt, dass weibliche Migranten\u00a0vor, w\u00e4hrend und nach dem Migrationsprozess von sexistischer Gewalt betroffen sind. Tats\u00e4chlich enth\u00fcllt ein<a href=\"https:\/\/www.inclusion.gob.es\/web\/oberaxe\/w\/el-63-de-las-mujeres-migrantes-ha-sufrido-violencia-retos-y-soluciones-desde-el-informe-migradas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Bericht<\/a> auf der Website der Spanischen Beobachtungsstelle f\u00fcr Rassismus und <a href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/xenophobie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Xenophobie<\/a> <em>Observatorio Espa\u00f1ol del Racismo y la Xenofobia <\/em>(OBERAXE) genau dies: 63 Prozent der migrierten Frauen* haben eine Form von Gewalt erfahren, am h\u00e4ufigsten im Herkunftsland, doch oft nach der Ankunft in Spanien habe sich die Gewalt verstetigt. Die Internationale Organisation f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/migration\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Migration<\/a> IOM sch\u00e4tzt au\u00dferdem, dass 48 Prozent der Migrant*innen auf der Welt Frauen* sind, von denen ein gro\u00dfer Teil aus Zusammenh\u00e4ngen von Gewalt, Armut oder Verfolgung flieht.<\/p>\n<h2><strong>Kein Zugang zu elementaren Rechten und Ressourcen<\/strong><\/h2>\n<p>Frauen, die aufgrund ihrer Gewalterfahrung bereits schweres Gep\u00e4ck mit sich tragen, sind oft ohne Schutz durch ein System, das ihnen den Zugang zu elementaren Rechten und Ressourcen verweigert. So steigert sich ihre Vulnerabilit\u00e4t um ein Vielfaches, und die F\u00e4higkeiten zur Resilienz und \u00dcberwindung der Gewalterfahrung schwinden. Teilweise entspringe diese institutionelle Vernachl\u00e4ssigung einem Mangel an politischem Willen und vielen Jahrzehnten<a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/fronteras\/migraciones-refugio-racismo-dicen-programas-partidos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> rassistischer Migrationspolitik<\/a>, so die Expertinnen. Diejenigen, die es schaffen, ihren Geburtsort zur\u00fcckzulassen, l\u00f6sen sich damit auch von ihrem gesamten Unterst\u00fctzungsnetz und \u00fcberlassen ihre Kinder der Verantwortung anderer Frauen der Familie wie M\u00fctter oder Tanten. In vielen F\u00e4llen sehen sie sich mit enormen sprachlichen Barrieren im Zielland konfrontiert. Die gro\u00dfe Mehrheit hat bereits alle M\u00f6glichkeiten der Unterst\u00fctzung f\u00fcr Betroffene <a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/ayuntamiento-de-madrid\/14-mujeres-madrilenas-ha-sufrido-violencia-sexual-lo-largo-vida-al-menos-una-ocasion\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sexistischer Gewalt<\/a> in ihren L\u00e4ndern ausgesch\u00f6pft. Binnenmigrationen, oft aufgrund andauernder sexueller Gewalt in den lateinamerikanischen <a href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/guerilla\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Guerilla<\/a>-Kriegen, sind keine Seltenheit: \u201eViele haben sich beschwert, um Hilfe gebeten, sind in ihrem eigenen Land umgezogen, aber sie haben sich nicht sicher gef\u00fchlt, oder der Schutz war nicht effektiv, so dass ihr letzter Ausweg, der Gewalt zu entgehen, die Migration ist. Es ist f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht so, dass eine Frau eines Tages aus dem Haus geht und sich pl\u00f6tzlich entscheidet zu fliehen\u201c, erkl\u00e4rt der Verein <a href=\"https:\/\/asociacionportimujer.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Asociaci\u00f3n Por T\u00ed Mujer <\/em><\/a>(F\u00fcr dich, Frau). Die Gruppe setzt sich seit 2009 mit einem intersektionalen Ansatz f\u00fcr die Rechte migrantischer Frauen* in Spanien ein, die geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt waren. In dem Moment, in dem Frauen* sich auf den Weg machen, verschulden sie sich, oft sehr hoch. Dies zeigt, wie dringend n\u00f6tig es ist, sichere und legale Wege des Grenz\u00fcbertritts zu schaffen. \u201eSie verkaufen oft all ihr Eigentum, ihr Haus, ihr Auto, ihr Gesch\u00e4ft, alles, um hierher zu kommen und wieder bei null anzufangen\u201c, erz\u00e4hlen die Aktivistinnen. Viele Frauen entkommen der physischen Gewalt in der Ehe, doch die Bandbreite ist gro\u00df: Weibliche Genitalbeschneidung (FGM\/FGC) bedroht nach Angaben des UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerks <a href=\"https:\/\/www.acnur.org\/es-es\/noticias\/comunicados-de-prensa\/el-65-de-las-mujeres-y-ninas-reconocidas-como-refugiadas-en-espana\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UNHCR<\/a> aktuell mehr als 230 Millionen Frauen und M\u00e4dchen weltweit; weitere Gr\u00fcnde sind \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume anhaltende psychologische Gewalt, \u00f6konomische Gewalt und Kontrolle der Eink\u00fcnfte, Zwangssterilisation, selektive Abtreibung, Zwangsheirat und sexuelle \u00dcbergriffe in Paarbeziehungen sowie andere Formen der Gewalt in Verbindung mit dem Geschlechterverh\u00e4ltnis. Das UNHCR betont in einem Bericht, dass in den letzten Jahren die Zahl der Asylantr\u00e4ge von Frauen merklich angestiegen ist. Zwischen Januar und Oktober des Jahres 2025 haben 50.334 Frauen und M\u00e4dchen <a href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/asyl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Asyl<\/a> in Spanien beantragt, was 41 Prozent aller registrierten Asylantragssteller*innen in diesem Zeitraum ausmacht. 65 Prozent der Frauen und M\u00e4dchen, die im selben Jahr als Gefl\u00fcchtete in Spanien anerkannt wurden, flohen vor geschlechtsspezifischer Gewalt. Zwischen Januar und Oktober hat Spanien den Status als Gefl\u00fcchtete aus Gr\u00fcnden des Geschlechts bei 1.588 Frauen und M\u00e4dchen anerkannt.<\/p>\n<h2><strong>Das Aufenthaltsgesetz: ein Hindernis f\u00fcr den Schutz der Betroffenen<\/strong><\/h2>\n<p>Die Statistiken der humanit\u00e4ren Organisationen zeigen klar die deutliche geschlechtsspezifische Schieflage der j\u00e4hrlichen Migrationszahlen. Warum jedoch behindern die spanischen Beh\u00f6rden letzten Endes die Erlangung eines legalen Aufenthalts f\u00fcr die \u00fcberlebenden Frauen, wenn sie in Spanien ankommen? Die Expertinnen betonen, dass das System trotz bestehender gesetzlicher Garantien zu viele L\u00fccken aufweist, die die tats\u00e4chliche Aus\u00fcbung dieser Rechte in vielen F\u00e4llen verhindern. Dies ist besorgniserregend, denn die Bed\u00fcrfnisse, die Betroffene bei ihrer Ankunft haben, sind dringlich: Unterkunft, medizinische Versorgung, wirtschaftliche und rechtliche Ressourcen, Begleitung und Beratung, Anerkennung von Bildungsabschl\u00fcssen, aber auch Zugang zu psychologischer Versorgung sowie Bildungsangebote, sowohl in Sprachen als auch bei Fragen zu Recht und Beh\u00f6rden. Nach dem spanischen sogenannten \u201e<a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/ley-de-extranjeria\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausl\u00e4ndergesetz<\/a>\u201c k\u00f6nnen Betroffene geschlechtsspezifischer oder sexueller Gewalt eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Spanien beantragen. Diana Ximena Tutistar-Rosero, Mitglied des Unterst\u00fctzungsnetzwerks f\u00fcr von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Immigrantinnen <a href=\"https:\/\/www.redaminvi.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Red Aminvi<\/em><\/a> und der <em>Red Latinas,<\/em> betont jedoch gegen\u00fcber <em>El Salto<\/em>, dass zum jetzigen Zeitpunkt in Spanien Frauen* in dieser Situation nur dann Zugang zu einem legalen Aufenthaltsstatus haben, wenn sie eine Schutzanordnung vorweisen k\u00f6nnen, einen Bericht der Staatsanwaltschaft \u00fcber die Existenz von Indizien oder eine strafrechtliche Verurteilung, die die Tatsachen beweist. Diese Voraussetzung sei \u00fcberaus schwierig zu erf\u00fcllen, und dadurch fielen tausende von Frauen* aus dem Schutzsystemen. Wenn ein Gerichtsverfahren nicht mit einem rechtskr\u00e4ftigen Urteil endete, hat die betroffene Person kein Recht auf Zugang zu den Schutzsystemen oder auf einen legalen Aufenthaltsstatus. Tats\u00e4chlich werden viele F\u00e4lle aus Mangel an schl\u00fcssigen Beweisen eingestellt. Wer im Herkunftsland Gewalt erfahren hat, kann auch keinen rechtlichen Schutz unter dem spanischen Gesetz gegen Gewalt im Geschlechterverh\u00e4ltnis erhalten, denn die <em>Ley Org\u00e1nica 1\/2004<\/em> vom 28. Dezember bezieht sich nur auf Taten, die innerhalb des spanischen Staatsgebiets ver\u00fcbt wurden. \u201eEine Frau, die vor geschlechtsspezifischer Gewalt nach Spanien flieht, hat also weder Zugang zu einer Zufluchtswohnung noch zu einer 24 Stunden ge\u00f6ffneten Anlaufstelle. Das h\u00e4tte sie nur, wenn die Gewalt in Spanien stattgefunden h\u00e4tte\u201c, schildert Tutistar-Rosero. Wenn die Gewalt weitergeht, beispielsweise in Form von Drohungen durch Telefonnachrichten, dann k\u00f6nne sie Anzeige erstatten, auch wenn sie sich ohne regul\u00e4ren Aufenthaltsstatus in Spanien bef\u00e4nde. Das Ergebnis dieser erneuten Schutzlosigkeit ist die Reviktimisierung und Retraumatisierung von \u00dcberlebenden. \u201eDas bedeutet, keinen Zugang zu Wohnraum zu haben, keine Gesundheitsversorgung und keine Arbeit, kein Bankkonto er\u00f6ffnen zu k\u00f6nnen, sich gezwungen zu sehen, die prek\u00e4rsten Jobs anzunehmen, weil du nicht auf der Stra\u00dfe leben kannst, etc. Es ist wie ein Standfahrrad, du trittst in die Pedale, aber kommst nie voran, bleibst immer auf der gleichen Stelle. Diese Situation laugt dich aus, und diese Angst, ohne regul\u00e4ren Aufenthaltsstatus zu sein, wirkt sich direkt auf dein Selbstwertgef\u00fchl aus, auf deine Art, das Leben anzugehen,\u201c beschreibt sie im Gespr\u00e4ch mit Edith Esp\u00ednola, antirassistische Aktivistin und Mitglied von <em>Servicio Dom\u00e9stico Activo (<a href=\"https:\/\/sedoac.es\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sedoac<\/a>)<\/em> (\u201eAktive Haushaltsarbeiter*innen\u201c), der Bewegung <a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/migracion\/regularizacion-extraordinaria-migrantes-calle-le-marco-camino-instituciones\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Regularizaci\u00f3n Ya<\/em><\/a> (Legalisierung Jetzt) und anderer Organisationen. Ihrer Einsch\u00e4tzung nach tr\u00e4gt das aktuelle Aufenthaltsgesetz dazu bei, die Unsicherheit der Frauen zu vergr\u00f6\u00dfern und zu verl\u00e4ngern, so dass nach ihrer Ankunft in Spanien eine weitere Art von Gewalt hinzukommt: die institutionelle, Frucht eines strukturell rassistischen Systems. Die neue <a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/migracion\/real-decreto-definitivo-no-existe-migrante-situacion-irregular-ideal-gobierno-imagina\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regierungsverordnung<\/a> zur einmaligen Legalisierung von Migrant*innen, deren Umsetzung ab April 2026 vorgesehen ist, bietet Hoffnung f\u00fcr die Organisationen, die mit diesen Personen arbeiten, doch einige Aktivist*innen bezeichnen es als gutgemeintes \u201eFlickwerk\u201c, das die strukturellen Wurzeln des Problems nicht angeht. Die Zeug*innenberichte der Opfer werden \u00fcberproportional oft in Frage gestellt, wenn es sich dabei um Migrant*innen handelt, sei es bei der Polizei, bei sozialen Diensten oder Gerichten. \u201eMigrantischen Frauen wird oft nicht geglaubt, sondern unter R\u00fcckgriff auf rassistische Stereotypen unterstellt, dass sie Anzeige erstatten k\u00f6nnten, um Papiere zu bekommen\u201c, l\u00e4sst Esp\u00ednola einflie\u00dfen. Aufgrund dieser Stigmata werden viele Anzeigen gar nicht aufgenommen. Die Sprachbarriere wird oft untersch\u00e4tzt, obwohl sie ein h\u00e4ufiges Hindernis ist. Viele k\u00fcrzlich migrierte Frauen wenden sich nicht an die Beh\u00f6rden, weil dort sowohl Dolmetscher*innen fehlen als auch eine gewisse Sensibilit\u00e4t darin, mit Betroffenen umzugehen, die aus Zusammenh\u00e4ngen extremer Gewalt kommen.<\/p>\n<h2><strong>Sexistische Gewalt aus Angst vor Abschiebung nicht angezeigt<\/strong><\/h2>\n<p>Gerade weil sie Formen von Gewalt durchlebt haben, die Abh\u00e4ngigkeiten gegen\u00fcber den gewaltaus\u00fcbenden Personen reproduzieren \u2013 \u00f6konomische, aber auch emotionale \u2013 empfinden viele Frauen* zu viel Angst vor einer Abschiebung und Schuldgef\u00fchle, um Anzeige zu erstatten, weil sie sich verantwortlich f\u00fchlen f\u00fcr das Leid, das auf ihre Misshandler zukommen kann, vor allem wenn es sich um die V\u00e4ter ihrer Kinder handelt. Schuldgef\u00fchle r\u00fchren auch daher, dass sie oft nicht mit ihren Kleinen migrieren konnten. Manche warten aufgrund offengelegter sexistischer Gewalt jahrelang auf eine Familienzusammenf\u00fchrung mit ihren Kindern und durchleben eine Ebene von Trauer im Migrationsprozess <em>(<a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/entrevista-la-poderio\/duelo-migratorio-te-enfrentas-muchos-duelos-diferentes-al-mismo-tiempo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">duelo migratorio<\/a>)<\/em>, die unsichtbar gemacht wird. \u201eZu f\u00fchlen, dass die einzige Beziehung, die ich mit meinen Kindern habe, \u00fcber einen Bildschirm zusatndekommt, zu wissen, dass sie alles brauchen, was ich finanziell erreichen kann, um lernen zu k\u00f6nnen und wirtschaftlich stabil zu sein, aber physisch nicht bei ihnen sein zu k\u00f6nnen, das erzeugt Druck auf die seelische Gesundheit und das Selbstwertgef\u00fchl\u201c, erz\u00e4hlen Betroffene bei <em>Por T\u00ed Mujer<\/em> zum Thema Mutterschaft in Kontexten von Migration und Gewalt. Bei <em>Sedoac<\/em> wird der Fall einer Frau erz\u00e4hlt, \u201edie wegen sexistischer Gewalt fl\u00fcchten musste. Ihre Kinder wurden von der Familie v\u00e4terlicherseits entf\u00fchrt, und sie kann sie seit einigen Jahren nicht sehen. Das ist eine gro\u00dfe Last f\u00fcr eine Frau, die bereits aus einer Situation brutaler Gewalt kommt.\u201c Diejenigen, die es schaffen, mit ihren Kindern zu fliehen, leiden fast immer unter der Furcht, das Sorgerecht zu verlieren, wenn sie keinen regul\u00e4ren Aufenthaltsstatus bekommen und keine Mittel haben, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, gerade wegen dieses b\u00fcrokratischen und juristischen Labyrinths und der zahllosen H\u00fcrden im System. \u201eWenn du diesen Prozess in Angriff nimmst und es dann nach einem Jahr immer noch kein Urteil gibt, du keinen Schuldspruch vorweisen kannst und deswegen schutz- und obdachlos auf der Stra\u00dfe landest und dein Kind in einer Wohneinrichtung, dann w\u00e4chst nat\u00fcrlich das Misstrauen gegen\u00fcber den Institutionen\u201c, betont Tutistar-Rosero besorgt. F\u00fcr die <em>Red de Mujeres Latinoamericanas y del Caribe<\/em> haben die unsicheren Rahmenbedingungen Folgen auf der individuellen, kollektiven und symbolischen Ebene. Ohne legale Wege zum Aufenthalt steigt das Risiko, erneut sexistische Gewalt zu erleiden. \u201eFrauen sind nicht nur mit Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts konfrontiert, sondern auch mit Xenophobie und fehlendem Zugang zu Leistungen der grundlegenden Daseinsvorsorge wie Gesundheit, Bildung und Justiz,\u201c darauf weist die <a href=\"https:\/\/mundosur.org\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/INFORME-MLF-2024.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201elateinamerikanische Landkarte der Feminizide<\/a>\u201c hin. Auch der von der NGO <em>Movimiento por la Paz<\/em> (Bewegung f\u00fcr den Frieden) ausgearbeitete <a href=\"https:\/\/www.mpdl.org\/sites\/default\/files\/241104-informe-migradas.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht<\/a> stellt fest<em>: <\/em>\u201eSchutzlosigkeit, das Fehlen von Unterst\u00fctzungsnetzwerken und Diskriminierung aufgrund von Geschlechterstereotypen k\u00f6nnen geschlechtsspezifische Gewalt versch\u00e4rfen. Mit diesen Faktoren muss man ganzheitlich umgehen und verschiedene Dimensionen der Gewalt und die Rahmenbedingungen einbeziehen\u201c, betonen sie.<\/p>\n<h2><strong>Ein R\u00fcckschritt f\u00fcr die Rechte Asyl beantragender Frauen<\/strong><\/h2>\n<p>Auf dem Papier und nach den Vorgaben des internationalen Rechts genie\u00dfen Menschen, die vor einem Konflikt oder einer f\u00fcr sie lebensgef\u00e4hrlichen Gewaltsituation in ihrem Herkunftsland fliehen, Schutz und Asyl. So legt die spanische Regierung in \u00dcbereinstimmung mit dem europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingsstatut fest: \u201eDer Gefl\u00fcchtetenstatus wird anerkannt, wenn Frauen sich aus begr\u00fcndeter Furcht vor Verfolgung aus geschlechtsspezifischen Motiven, wegen Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder sexuellen Orientierung au\u00dferhalb ihres Herkunftslandes befinden und aus ebendieser Furcht nicht auf die Schutzm\u00f6glichkeiten dieses Landes zur\u00fcckgreifen m\u00f6chten. Zu den Motiven z\u00e4hlen unter anderem: k\u00f6rperliche oder psychische Gewalt durch Partner oder Ex-Partner\u201c, bestimmt die Regierungsdelegation gegen geschlechtsspezifische Gewalt<em>. <\/em>Das Fehlen grenz\u00fcberschreitender Zusammenarbeit und das Fortschreiten immer mehr auf Sicherheit ausgerichteter Migrationspolitiken erschweren jedoch Garantien, die das Recht auf Asyl effektiv machen k\u00f6nnen. Das \u00dcbereinkommen des Europarats zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung von Gewalt gegen Frauen und h\u00e4uslicher Gewalt, allgemein bekannt als Istanbul-Konvention, erkennt an, dass geschlechtsspezifische Gewalt eine Verletzung der Menschenrechte von Frauen und M\u00e4dchen ist. Es wurde von Spanien ratifiziert und trat am 1. Mai 2014 in Kraft. Trotzdem ist die Gesamtzahl der Asylantr\u00e4ge (144.396) in Spanien um 14 Prozent gesunken, \u201einsbesondere aufgrund der Externalisierung der Grenzen und der Anwendung der neuen Ausf\u00fchrungsvorschriften des Aufenthaltsrechts, vor allem gegen\u00fcber Personen aus Kolumbien (-64 Prozent), Peru (-66 Prozent) oder Senegal (-57 Prozent)\u201c, referiert der Bericht der NGO <em>Comisi\u00f3n Espa\u00f1ola de Ayuda al Refugiado<\/em> <a href=\"https:\/\/masquecifras.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CEAR<\/a>\u00a0\u00fcber Asyldaten des Jahres 2025. \u201eOft werden Asylantr\u00e4ge wegen geschlechtsspezifischer Gewalt hier in Spanien abgelehnt, w\u00e4hrend im Herkunftsland die geschlechtsspezifische Gewalt anerkannt und verfolgt wird, der Schutz kommt jedoch nie bei den Betroffenen an. Uns sind sehr wenige F\u00e4lle von Asyl wegen sexistischer Gewalt bekannt. Asyl wird vor allem gew\u00e4hrt, wenn die Aggressoren sehr m\u00e4chtig sind. Wenn es Beamte sind oder Leute mit irgendeine Machtposition in der Regierung, dann wird schon manchmal verstanden, dass da ein Risiko besteht. Bei der gro\u00dfen Zahl der allt\u00e4glichen F\u00e4lle sehen wir nicht, dass diese Mechanismen effektiv funktionieren\u201c, unterstreicht <em>Por T\u00ed Mujer.<\/em><\/p>\n<p>Diese Argumentationslinie vertieft Virginia \u00c1lvarez, verantwortlich f\u00fcr den Bereich Forschung zu Menschenrechten, Justiz und Innenpolitik bei <a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/valencia\/amnistia-internacional-documenta-violacion-sistematica-derechos-humanos-durante-dana\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amnesty International Spanien<\/a>. \u201eHier in Spanien sto\u00dfen wir auf viele Hindernisse, bis wir Gerechtigkeit bekommen. In Kontexten, in denen die Schutzmechanismen viel weniger entwickelt sind, wo es viel mehr <a href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/korruption\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Korruption<\/a> in der Justiz gibt und wo es eine viel verwurzeltere patriarchale Kultur gibt, versch\u00e4rft sich die Situation\u201c, referiert die Expertin. Doch auch zahlreiche politische Interessen spielten eine Rolle, wenn es darum gehe, L\u00e4nder, in denen eklatante Menschenrechtsverletzungen dokumentiert sind, als \u201esichere Drittstaaten\u201c einzustufen. \u201eEuropa ist seit vielen Jahren besessen davon, die Kontrolle seiner Au\u00dfengrenzen zu externalisieren. Unter anderem sind Marokko, Algerien, Libyen als sichere Staaten eingestuft worden, so dass Europa L\u00e4nder als sichere Zonen betrachtet, in denen mit allergr\u00f6\u00dfter Klarheit Menschenrechtsverletzungen belegt sind\u201c.<\/p>\n<p>Das im Mai 2024 verabschiedete <a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/migracion\/quien-teme-migracion-curso-politico-mirada-fronteras\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4ische Migrations- und Asylpaket<\/a> bedeutet einen weiteren R\u00fcckschritt f\u00fcr die Rechte der Betroffenen, anstatt ihnen beim Grenz\u00fcbertritt Schutzmechanismen bereitzustellen. Zum sicherheitsorientierten und entmenschlichenden Charakter des Migrationspakets erkl\u00e4rt Tutistar-Rosero abschlie\u00dfend: \u201eEs besteht eine permanente Verfolgung der Migration allgemein und der Frauen. Das Europ\u00e4ische Paket schafft keine legitimen Grenzkontrollen, sondern schr\u00e4nkt die Aus\u00fcbung freier und wirklich sicherer Migration ein, die die Sicherheit der Menschen, die aus anderen L\u00e4ndern geflohen sind, gew\u00e4hrleisten w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00dcbersetzung: Constanze Schw\u00e4rzer<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Madrid, El Salto).- Gewalt ist das Hauptmotiv, das zehntausende Personen aus aller Welt dazu bringt, den Exodus nach Europa zu unternehmen. Der Fluchtgrund Gewalt im Geschlechterverh\u00e4ltnis trifft Jahr f\u00fcr Jahr vor allem Frauen und M\u00e4dchen. 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