{"id":2680395,"date":"2026-03-01T09:03:19","date_gmt":"2026-03-01T09:03:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2680395"},"modified":"2026-03-01T09:10:28","modified_gmt":"2026-03-01T09:10:28","slug":"einen-nuklearen-schutzschirm-gibt-es-nicht-sicherheitspolitische-manipulation-durch-verschleiernden-sprachgebrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/03\/einen-nuklearen-schutzschirm-gibt-es-nicht-sicherheitspolitische-manipulation-durch-verschleiernden-sprachgebrauch\/","title":{"rendered":"Einen nuklearen Schutzschirm gibt es nicht &#8211; Sicherheitspolitische Manipulation durch verschleiernden Sprachgebrauch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bei der Verwendung von Schl\u00fcsselbegriffen der Sicherheitspolitik in der \u00d6ffentlichkeit sollen Tatsachen suggeriert werden, welche dazu dienen, die Menschen zu beruhigen. Allerdings best\u00fcnden viele Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Beunruhigung, die auch Friedenskr\u00e4fte freisetzen k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n<p>Von Klaus Moegling<\/p>\n<p><strong>Die Illusion eines atomaren Schutzschirms<\/strong><\/p>\n<p>Der Politologe und Historiker Herfried M\u00fcnkler <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/militaerische-abschreckung-herfried-muenkler-raet-europa-zur-atomaren-aufruestung-a-49e8f606-1ca4-4b48-82dd-099d611f33d6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">forderte<\/a> bereits 2023 eine europ\u00e4ische Atombombe. Derzeit wird zunehmend heftiger diskutiert, ob Deutschland angesichts der russischen Aggression in der Ukraine unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs schl\u00fcpfen sollte. Die Fraktionsf\u00fchrerin der Sozialdemokraten im Europaparlament, Katarina Barley, <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/ausland\/eu\/id_100342772\/katarina-barley-spd-haelt-eu-atombombe-fuer-moeglich.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">thematisiert<\/a> 2024 ebenfalls die Anschaffung von Atombomben im Zuge einer europ\u00e4ischen Bewaffnung. Auch die deutschen und franz\u00f6sischen Regierungschefs, Merz und Macron <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/merz-muenchner-sicherheitskonferenz-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bahnen<\/a>, \u2013 so Merz in seiner Rede auf der M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz Anfang 2026 \u2013 Gespr\u00e4che \u00fcber eine europ\u00e4ische nukleare Bewaffnung bzw. die Ausdehnung des franz\u00f6sischen nuklearen Schutzschirms an. Immer wieder wird von einem atomaren Schutzschirm <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/europa\/nukleare-abschreckung-wie-realistisch-ist-ein-europaeischer-atom-schirm\/100200793.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gesprochen<\/a>. Bereits in dieser Wortwahl wird die Problematik deutlich. Ein solcher Schutzschirm, den man nur aufspannen m\u00fcsste, um damit gesch\u00fctzt zu sein, existiert n\u00e4mlich nicht. Dieser Begriff suggeriert, dass Deutschland oder gar Europa vor angreifenden Raketen mit Nuklearsprengk\u00f6pfen gesch\u00fctzt sein w\u00fcrde, wenn der nukleare Schutzschirm installiert sein w\u00fcrde. Doch vor Dutzenden gleichzeitig angreifenden Hyperschallraketen mit nuklearen Mehrfachsprengk\u00f6pfen gibt es keinen Schutz. Die wenigen Minuten Reaktionszeit reichen f\u00fcr eine erfolgreiche Gegenwehr <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/01\/abruestung-jetzt-warum-es-keine-vertretbare-alternative-hierzu-gibt-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nicht aus<\/a>.<\/p>\n<p>Wer den nuklearen Schutzschirm in diesem Sinne verspricht, versucht die Menschen \u00fcber die tats\u00e4chliche Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung zu t\u00e4uschen, um seine tats\u00e4chlichen milit\u00e4rstrategischen Ziele durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer sich etwas besser auskennt, wei\u00df, dass mit dem Begriff des nuklearen Schutzschirms eher die nukleare Abschreckung eines potenziellen Angreifers gemeint ist. Diese Abschreckung w\u00fcrde sich aus der nuklearen Zweitschlagf\u00e4higkeit ergeben, wenn ein nuklearer Erstschlag im Gange ist bzw. bereits erfolgt ist. Die Frage ist nat\u00fcrlich hierbei, ob noch ein nuklearer Zweitschlag m\u00f6glich ist, wenn der Erstschlag mit Atomwaffen nicht abgewehrt werden konnte. Auch hier ist also die Rede von einem nuklearen Schutzschirm problematisch.<\/p>\n<p><strong>Herabsenkung der nuklearen Schwelle durch \u201ataktische\u2018 Nuklearwaffen<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Unterscheidung zwischen strategischen und taktischen Atomwaffen birgt ein semantisches Problem in sich. Hier wird in einer technologischen Sprache suggeriert, als ob es eine klar abgrenzbare Unterscheidung g\u00e4be. Taktische Atomwaffen sind Waffen, die aufgrund ihrer geringeren Sprengkraft, geringeren Reichweite sowie ihrer Stationierung f\u00fcr einen begrenzten Einsatz vorgesehen sind. Doch sind die Grenzen flie\u00dfend und auch werden taktische Waffen von Russland als strategisch <a href=\"https:\/\/www.atomwaffena-z.info\/glossar\/begriff\/taktische-atomwaffen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">angesehen<\/a>. Verwendet man diese Unterscheidung dennoch, so w\u00fcrde dann der Einsatz begrenzterer (taktischer) Nuklearwaffen grunds\u00e4tzlich anders betrachtet werden k\u00f6nnen als der Einsatz hinsichtlich der Sprengkraft gr\u00f6\u00dferer und weitreichenderer Nuklearwaffen. Gesteigert wird zus\u00e4tzlich die begriffliche Problematik durch die sogenannten \u201aMini-Nukes\u2018. Somit wird mit der Abstufung und Differenzierung der Nuklearwaffen so getan, als ob ein Nuklearkrieg regional bzw. lokal eingrenzbar gef\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Hiermit wird lediglich die nukleare Schwelle <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/02\/muenchener-sicherheitskonferenz-2026-ist-eine-rueckkehr-zu-friedenspolitischer-vernunft-moeglich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abgesenkt<\/a> und damit das Risiko einer nuklearen Eskalation heruntergespielt. Im \u00dcbrigen <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/das-neue-atomare-wettruesten-2-6-mini-nukes-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">liegen<\/a> sogenannte \u201aMini-Nukes\u2018 zwischen zehn und 20 Tonnen TNT-\u00c4quivalent und also in der ungef\u00e4hren Gr\u00f6\u00dfenordnung der Hiroshima- und Nagasaki-Bomben. Dies stellt also ebenfalls eine sprachliche Verdrehung und Verniedlichung einer schrecklichen Waffe dar.<\/p>\n<p><strong>Putins milit\u00e4rische Spezialoperation als plumpe semantische T\u00e4uschung<\/strong><\/p>\n<p>Der russische \u00dcberfall auf die Ukraine im Februar 2022 war ein eindeutiger Kriegsakt, allerdings ohne Kriegserkl\u00e4rung. Der inzwischen nun \u00fcber vier Jahre andauernde Krieg Russlands gegen die Ukraine wurde mit dem Begriff der \u201amilit\u00e4rischen Spezialoperation\u2018 getarnt. Bis heute verweigert der Kreml seinem Krieg die begriffliche Wahrheit. Hierdurch versucht er vor seiner Bev\u00f6lkerung und auch vor der Welt die Illegalit\u00e4t und das Barbarische seiner Aggression zu verharmlosen. \u201aMilit\u00e4rische Spezialoperation\u2018 h\u00f6rt sich eher nach einem sauberen, technischen Eingriff an. Wer in Russland von einem Krieg in der Ukraine spricht, muss mit Bestrafung rechnen. Manipulativer und repressiver kann man mit Sprache nicht umgehen, wenn man bedenkt, dass diesem Krieg bereits Hunderttausende Menschen zum Opfer gefallen sind, Millionen Menschen geflohen sind, die lebensnotwendige Infrastruktur in der Ukraine und die \u00d6kologie zerst\u00f6rt wurden.<\/p>\n<p>Genauso problematisch ist der von Putin immer wieder <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/europa\/russland\/522375\/russkij-mir\/#footnote-target-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verwendete<\/a> Begriff der \u201arussischen Welt\u2018 (\u201aRusskij Mir\u2018). Eine russische Welt als solche gibt es selbst in Russland nicht, da es sich hier um einen mit Zwang und milit\u00e4rischer Gewalt hergestellten Vielv\u00f6lkerstaat mit sehr unterschiedlichen kulturellen Eigenarten dieser V\u00f6lker handelt. So dient die Rede von der \u201aRusskij Mir\u2018 dazu, milit\u00e4rische Aggressionen gegen andere Staaten mit dem Argument zu rechtfertigen, dass die russische Welt und die Menschen mit russischer Sprache dort bedroht seien. Auch ist dieser v\u00f6lkisch zu verstehende Begriff das zentrale ideologische Konstrukt um Staaten, wie Belarus und der Ukraine die staatliche Eigenst\u00e4ndigkeit zu beschneiden.<\/p>\n<p><strong>T\u00e4uschung durch den Begriff der \u201anuklearen Teilhabe\u2018<\/strong><\/p>\n<p>Da es Deutschland durch den 2+4-Vertrag sowie den Atomwaffensperrvertrag nicht erlaubt ist, Nuklearwaffen zu besitzen, hat man sich innerhalb der NATO auf das Prinzip der \u201anuklearen Teilhabe\u2018 verst\u00e4ndigt. Doch auch dieser Begriff dient der Verschleierung harter sicherheitspolitischer Tatbest\u00e4nde. Nach <a href=\"https:\/\/www.das-parlament.de\/inland\/verteidigung\/staatsgeheimnis-buechel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berichten<\/a> lagern in B\u00fcchel (Rheinland-Pfalz) bis zu 20 US-amerikanische Atombomben des Typs B61-3\/4 kombiniert mit Tornados der deutschen Luftwaffe, die in der Lage sind, Atomsprengk\u00f6pfe an ein feindliches Ziel zu bringen. Doch die dort \u2013 und auch in anderen europ\u00e4ischen NATO-Staaten lagernden nuklearen Kapazit\u00e4ten der Amerikaner erm\u00f6glichen eben keine Teilhabe der deutschen Bundesregierung. Teilhabe unterstellt Mitsprachem\u00f6glichkeiten. Doch die US-Regierung macht immer wieder deutlich, dass der m\u00f6gliche Einsatz dieser Nuklearwaffen ausschlie\u00dflich der jeweiligen US-Regierung <a href=\"https:\/\/www.atomwaffena-z.info\/heute\/atomwaffenstaaten\/usa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unterliegt<\/a>. Es wird also der Atomwaffensperrvertrag der Vereinten Nationen \u00fcber die nukleare Teilhabe von NATO-Staaten unterlaufen bzw. hintergangen und gleichzeitig wird mit diesem Begriff die Tatsache der Fremdsteuerung dieser Waffen verschleiert.<\/p>\n<p><strong>Missbrauch des Begriffs der \u201aModernisierung\u2018 von Nuklearwaffen<\/strong><\/p>\n<p>Genauso wird verharmlost, welches Gefahrenpotenzial die \u201aModernisierung\u2018 der Atomwaffen beinhaltet. Auch der sicherheitspolitisch verwendete Begriff der \u201aModernisierung\u2018 unterstellt eine positive Entwicklung von Nuklearwaffen \u2013 das Moderne stellt ja eine positive Neuerung im Sprachgebrauch dar \u2013 und verdeckt die zunehmende Gef\u00e4hrlichkeit dieser Waffensysteme. Ein besonders problematischer Teilaspekt dieser Modernisierung ist der Einbau von K\u00fcnstlicher Intelligenz und die Ausweitung von deren Funktionsweise im Rahmen der Nuklearstrategien. Doch KI funktioniert nach dem Prinzip von Wahrscheinlichkeitsrechnung und ist ausgesprochen fehleranf\u00e4llig. Die Informationen von Hunderten Sensoren, die eine KI in k\u00fcrzester Zeit zu einer Aussage f\u00fchrt, z.B. \u00fcber angreifende Atomraketenschw\u00e4rme, kann von den Verantwortlichen in den wenigen Minuten der zur Verf\u00fcgung bestehenden Zeit grunds\u00e4tzlich nicht sicher \u00fcberpr\u00fcft werden. Ein Atomkrieg aus Versehen kann aber durch diese Entwicklung wahrscheinlicher <a href=\"https:\/\/www.peacemagazine.org\/archive\/index.php?id=3024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">werden<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Kriegst\u00fcchtigkeit versus Verteidigungsf\u00e4higkeit \u2013 wichtige Bedeutung begrifflicher Verwendung<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der deutsche Verteidigungsminister Pistorius davon spricht, Deutschland m\u00fcsse \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZCmpbDbYO8A\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">werden<\/a>, dann widerspricht dies dem Verteidigungsauftrag des Grundgesetzes und dem Verbot eines Angriffskriegs (GG Art. 26 (1) und 115a). Der Begriff des Krieges beinhaltet sowohl Verteidigung als auch Angriff. Daher m\u00fcsste eine Bundesregierung, wenn sie sich an das Grundgesetz h\u00e4lt, nur davon sprechen und entsprechende Ma\u00dfnahmen unternehmen, verteidigungsf\u00e4hig zu werden.<\/p>\n<p>Die Kriegst\u00fcchtigkeit basiert auf dem Postulat der milit\u00e4rischen St\u00e4rke durch Abschreckung. Da sich kein Staat freiwillig einer milit\u00e4rischen \u00dcberlegenheit eines gegnerischen Staates bzw. Milit\u00e4rb\u00fcndnisses gegen\u00fcbersehen will, wird dieser Staat immer mehr Anteile seines Staatshaushaltes f\u00fcr weitere Aufr\u00fcstungsma\u00dfnahmen verwenden, um wiederum den Gegner in seiner milit\u00e4rischen St\u00e4rke zu \u00fcbertreffen. Dies f\u00fchrt zu einer R\u00fcstungsspirale und \u2013 so <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/haben-wir-1914-historische-parallelen-und-unterschiede-zum-ersten-weltkrieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zeigt<\/a> z.B. der Erste Weltkrieg \u2013 letztendlich zum Krieg.<\/p>\n<p>Verteidigungsf\u00e4higkeit bedeutet die Priorit\u00e4t milit\u00e4rischer Abwehrf\u00e4higkeiten, z.B. hinsichtlich der Abwehr von Drohnenangriffen, in Verbindung mit einer verbesserten \u201aResilienz\u2018 kritischer Infrastruktur. Auch eine derartige Resilienz ist f\u00fcr keinen Staat derzeit herstellbar. Heutige Industriestaaten im digitalen Zeitalter sind kaum gegen hybride Angriffe, insbesondere dem Hacken von Strom- und W\u00e4rmenetzen, zu <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/bundeswehr-was-ein-verteidigungskrieg-fuer-deutschland-konkret-bedeuten-wuerde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sch\u00fctzen<\/a>. Wer suggeriert, dass dies vollst\u00e4ndig m\u00f6glich sei, erzeugt ein falsches Sicherheitsgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Wenn aber sich Menschen mit dem sicherheitspolitischen Kurs ihrer Regierungen zufriedengeben, der durch ein System die Tatsachen verbergender Begriffsverwendung abgesichert ist, dann wird ihnen ein falsches Bewusstsein hegemonial induziert. Ihnen wird die zivilgesellschaftliche Kraft genommen, gegen einen riskanten Kurs ihrer Regierung Widerstand zu leisten. Dies charakterisiert auch das Dilemma der gegenw\u00e4rtigen Friedensbewegung. Obwohl sie die Gefahren einer milit\u00e4rischen Eskalation und eines Nuklearkriegs in ihren Aufrufen deutlich zur Sprache bringt, findet sie nicht den Anklang, der eigentlich in der gegenw\u00e4rtigen Krisensituation zu erwarten w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Stationierung von US-Raketen in 2026 als \u201aSicherheitspolitik\u2018 der Abschreckung<\/strong><\/p>\n<p>Die f\u00fcr November 2026 vorgesehene Stationierung dreier verschiedener Raketensysteme, u.a. von Hyperschallwaffen, folgt dem Verdikt einer St\u00e4rke durch Abschreckung. Diese Waffensysteme werden unter US-Befehl in Deutschland stationiert. Dies wurde ohne eine Debatte im Bundestag am Rande des NATO-Gipfels in New York im Sommer 2024 zwischen Biden und Scholz <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/126\/2012636.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verabredet<\/a>. Die Stationierung wird ohne ein begleitendes Verhandlungsangebot an Russland vorgenommen. Es handelt sich hierbei um sogenannte \u201aEnthauptungswaffen\u2018, also Waffen, die nicht prim\u00e4r der Verteidigung dienen, so wie es im Grundgesetz festgelegt ist.<\/p>\n<p>Auch in diesem Fall der US-Raketenstationierung von \u201aSicherheitspolitik\u2018 zu sprechen ist problematisch. Es k\u00f6nnte durchaus sein, dass diese Stationierung die Unsicherheit und das Eskalationsrisiko f\u00fcr Deutschland erh\u00f6hen k\u00f6nnte. Diese Waffensysteme, die durchaus eine Bedrohung f\u00fcr Russland darstellen, k\u00f6nnten zum Ziel f\u00fcr russische Raketenangriffe werden, die wiederum eine entsprechende Vergeltungsspirale, m\u00f6glicherweise auch in nuklearer Hinsicht, ausl\u00f6sen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Aber Verteidigungsf\u00e4higkeit setzt auf die Priorit\u00e4t von Verhandlungen, Diplomatie und systematisch koordinierten Kontroll- und Abr\u00fcstungsvertr\u00e4gen. Hierbei ist der Aufbau einer milit\u00e4rischen Verteidigung und der Versuch der Sicherung kritischer Infrastruktur durchaus notwendig und legitim. Die vorgesehene US-Raketen-Stationierung unterl\u00e4uft jedoch diese verteidigungspolitische Zielsetzung. Was wird Russland in diesem Fall unternehmen? Es darf nicht verschwiegen werden, dass Russland bereits Hyperschallraketen des Typs \u201aZirkon\u2018 und \u201aKinschal\u2018, z.B. in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/russland-verlegt-hyperschallraketen-nach-kaliningrad-li.258005\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kaliningrad<\/a>, stationiert hat und bereits zumindest <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/russland-oreschnik-ukraine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zweimal<\/a> die bisher kaum zu verteidigende Hyperschallwaffe \u201aOreschnik\u2018 im Ukraine-Krieg eingesetzt hat. Wenn nun der NATO-Westen nicht bereit ist, die Abr\u00fcstungs- und Kontrollvertr\u00e4ge neu zu verhandeln, wird Russland sicherlich versuchen, bei einer erfolgten Stationierung der US-Raketen zum Ende des Jahres 2026 danach selbst wiederum das eigene Arsenal auszuweiten und gef\u00e4hrlicher auszubauen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Offenlegung der Gefahren, die im sicherheitspolitischen Sprachgebrauch im Zusammenhang mit Nuklearwaffen impliziert sind, bedeutet keinen Def\u00e4tismus und auch keine Resignation vor einem bis an die Z\u00e4hne konventionell und nuklear bewaffneten Gegner.<\/p>\n<p>Wenn sich Menschen jedoch durch eine beschwichtigende Begrifflichkeit und ihre sicherheitspolitische Verwendung im \u00f6ffentlichen Diskurs t\u00e4uschen lassen, ist eine gef\u00e4hrliche Ruhigstellung dieser Menschen gegeben. Ihnen wird mit den sicherheitspolitischen Versprechen, die dahinterstehen, ein Sicherheitsgef\u00fchl vermittelt, das nicht dem eigentlichen Risiko entspricht, wenn Staaten auf milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung, insbesondere Weiterentwicklung von Nuklearwaffensystemen, und auf milit\u00e4rische Eskalation setzen. Mit der Offenlegung realer Gefahren wird keine sicherheitspolitische \u00c4ngstlichkeit und Handlungsunf\u00e4higkeit als Ziel angestrebt, sondern ein Bewusstsein tats\u00e4chlicher Gefahren als die Grundlage f\u00fcr die priorit\u00e4re Notwendigkeit einer verbesserten Verteidigungsf\u00e4higkeit und hierbei insbesondere von Verhandlungen und Diplomatie.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich daher feststellen: Das sicherheitspolitische Ziel m\u00fcsste die Verteidigungsf\u00e4higkeit sein. Hierzu geh\u00f6rt auch ein bereits mehrfach angesprochener Abr\u00fcstungsvorschlag, in einem durch die Vereinten Nationen kontrollierten Rahmen, dass die beiden milit\u00e4rischen Gro\u00dfm\u00e4chte, USA und Russland, eine schrittweise Abr\u00fcstung aller Waffensysteme, einschlie\u00dflich der Nuklearwaffen, auf das Niveau der VR China vornehmen. In einem n\u00e4chsten Schritt m\u00fcsste es im Rahmen einer auf Transparenz setzenden Kontrolle durch internationale Institutionen, wie der UN und der OSZE, die Abr\u00fcstung dieser drei Staaten auf das Niveau der kleineren Staaten erfolgen, bis z.B. hinsichtlich der Nuklearwaffen, der Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen vollst\u00e4ndig umgesetzt ist. Dies w\u00e4re eine effektive und vern\u00fcnftige Sicherheitspolitik, die ihren Namen verdient. Auch wenn es derzeit gro\u00dfe geopolitische Hindernisse gibt, die einer derart kontrollierten und transparenten internationalen Abr\u00fcstung im Wege stehen, darf diese Frieden bringende Abr\u00fcstungsstrategie nicht aus dem Auge verloren werden. Auch k\u00f6nnten die Billionen-Betr\u00e4ge, die im Zuge einer Abr\u00fcstung und einer wegfallenden weiteren Aufr\u00fcstung von allen beteiligten Staaten eingespart werden, zumindest mittelfristig ein gewichtiges Argument f\u00fcr eine derartige international koordinierte und ausbalancierte Abr\u00fcstungsstrategie sein.<\/p>\n<p>Die historische Erfahrung einer Politik der Abschreckung durch milit\u00e4rische St\u00e4rke zeigt hingegen, dass eine milit\u00e4rische Aufr\u00fcstungsspirale die Wahrscheinlichkeit einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung erh\u00f6ht. Eine Sicherheitspolitik, die sich an Verteidigungsf\u00e4higkeit und nicht an Kriegst\u00fcchtigkeit orientiert, m\u00fcsste auch eine andere Sprache verwenden. Verschleiernde Begriffe, die in einen Bedeutungskontext eingelagert und semantisch so angelegt sind, dass sie milit\u00e4rische Risiken eher verdecken anstatt offenlegen, sind Teil einer medial vermittelten milit\u00e4rischen Strategie, die nicht zum Frieden f\u00fchren wird.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Zum Autor:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.klaus-moegling.de\/ueber-mich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klaus Moegling<\/a>, habilitierter Politikwissenschaftler, er lehrte an verschiedenen Universit\u00e4ten und Institutionen der Lehrerbildung, zuletzt an der Universit\u00e4t Kassel als apl. Professor im Fb Gesellschaftswissenschaften, er ist u.a. Autor des im <a href=\"https:\/\/www.klaus-moegling.de\/aktuelle-auflage-neuordnung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">open Access<\/a> ver\u00f6ffentlichten Buches \u201eNeuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (noch) m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Verwendung von Schl\u00fcsselbegriffen der Sicherheitspolitik in der \u00d6ffentlichkeit sollen Tatsachen suggeriert werden, welche dazu dienen, die Menschen zu beruhigen. Allerdings best\u00fcnden viele Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Beunruhigung, die auch Friedenskr\u00e4fte freisetzen k\u00f6nnte. 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