{"id":267991,"date":"2016-01-17T13:20:20","date_gmt":"2016-01-17T13:20:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=267991"},"modified":"2017-09-01T13:18:08","modified_gmt":"2017-09-01T12:18:08","slug":"ein-plan-b-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2016\/01\/ein-plan-b-fuer-europa\/","title":{"rendered":"Ein Plan B f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p>\u201cDie Gesellschaft hat begonnen, an einem radikalen Wandel der Politik der EU zu arbeiten. Auf dem Tisch liegen bereits viele Vorschl\u00e4ge, die die Sparpolitik \u00fcberwinden k\u00f6nnten,\u201c besagt der Plan.<\/p>\n<p>Hunderte Aktivist_innen, Politiker_innen und Intellektuelle haben den Aufruf \u201ePlan B f\u00fcr Europa. Ein Aufruf, einen Europ\u00e4ischen Arbeitsbereich zu bilden, um die Sparpolitik zu beenden und eine echte Demokratie aufzubauen\u201c unterschrieben und haben eine Europ\u00e4ische Konferenz organisiert, zu welcher B\u00fcrger_innen und Organisationen eingeladen sind und welche in Madrid vom 19. Bis 21. Februar stattfinden wird.<\/p>\n<p>Unter den Unterzeichnenden befinden sich unter anderem die B\u00fcrgermeister_innen Ada Colau und Jos\u00e9 Maria Gonz\u00e1lez, der fr\u00fchere griechische Finanzminister Yannis Varoufakis zusammen mit der fr\u00fcheren griechischen Parlamentssprecherin Zoe Konstantopoulou, der ehemalige deutsche Finanzminister Oskar Lafontaine und einige andere Mitglieder der deutschen Linkspartei, der Linguist Noam Chomsky, die spanischen Europaabgeordneten Lola Sanchez, Miguel Urban, Marina Albiol und Javier Couso, der bekannte Regisseur, Ken Loach, Eric Toussaint vom Komitee zur Aufhebung der Schulden von Drittweltl\u00e4ndern, Yayo Herrero von der \u00d6kologischen Aktion und der \u00d6konomieprofessor Juan Torres und Costas Lapavitsas.<\/p>\n<p>\u201cMomentan wird die EU von einer <em>de facto<\/em> Technokratie regiert, die den Interessen einer kleinen, aber machtvollen Minderheit aus Wirtschafts- und Finanzm\u00e4chten dient,\u201c sagt der Aufruf, der auf der Webseite <a href=\"http:\/\/planbeuropa.es\/manifesto\/?lang=en\">planbeuropa.es<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>\u201cDaher wollen wir einen Zusammenschluss aller Leute, Bewegungen und Organisationen schaffen, die das aktuelle Modell der EU ablehnen und sich in einer gemeinsamen Agenda \u00fcber Ziele, Projekte und Aktionen abstimmen, die das Ziel verfolgt, das EU weite System der Austerit\u00e4t zu stoppen und die Europ\u00e4ischen Institutionen radikal zu demokratisieren, damit sie f\u00fcr die B\u00fcrger_innen arbeiten,\u201c schlie\u00dft der Aufruf ab.<\/p>\n<p>Die sozialen Netzwerke haben sofort angefangen, den Plan B mit dem Hashtag <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/WeNeedAPlanB?src=hash\">#WeNeedAPlanB<\/a> und dem Twitter Account <a href=\"https:\/\/twitter.com\/PlanB_Europa\">@Planb_Europa<\/a> zu verbreiten, w\u00e4hrend andere Gruppierungen und Individuen sich dem Plan B angeschlossen haben und ihn weitertragen.<\/p>\n<p>Hier ist der Text des Aufrufes auf deutsch:<\/p>\n<p><em>Im Juli 2015 wurden wir Zeugen eines Staatsstreiches gegen die griechische Regierung durch die Europ\u00e4ische Union und ihre Institutionen, der die griechische Bev\u00f6lkerung zu einer Fortsetzung ihrer Leiden durch eine Austerit\u00e4tspolitik verdammte, welche sie in zwei Wahlen abgelehnt hatten. Diese Entwicklung hat die Debatte \u00fcber die Macht in der EU und ihre Institutionen, ihre Inkompatibilit\u00e4t mit der Demokratie und ihre Rolle als Garant der grundlegenden Menschenrechte, wie sie die Europ\u00e4ischen B\u00fcrger_innen fordern, intensiviert. <\/em><\/p>\n<p><em>Wir wissen, dass es Alternativen zu der Sparpolitik gibt. Manifeste wie die von &#8222;F\u00fcr einen Plan B f\u00fcr Europa&#8220;, &#8222;Austerexit&#8220; oder DiEM25 (Demokratie in Europa Bewegung 2025) weisen die Erpressung durch das dritte Memorandum zur\u00fcck, das den Griechen aufgezwungen wurde, die Katastrophe, die es verursachen wird, und die antidemokratische Natur der EU. Kein Geringerer als der Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Kommission, Jean-Claude Juncker, sagte, &#8222;Es kann keine demokratische Entscheidung gegen Europ\u00e4ische Vertr\u00e4ge geben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind ebenfalls Zeugen der hilfeverweigernden und manchmal fremdenfeindlichen Antwort der EU Mitglieder und ihrer Institutionen auf die Ankunft der Fl\u00fcchtlinge aus dem Mittleren Osten und Afrika und auf das menschliche Drama, welches dies bedeutet. Die Doppelmoral dieser Debatte innerhalb der EU in Bezug auf die humanit\u00e4re Katastrophe wird noch betont dadurch, dass die EU durch den Verkauf von Waffen oder durch das Forcieren ihrer Handelspolitik die Schl\u00fcsselrolle in den Konflikten einnimmt, welche im Zuge dessen erst zu der aktuellen humanit\u00e4ren Krise gef\u00fchrt haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Die L\u00f6sung, die die EU aus der Krise vorschlug, begann vor acht Jahren und basierte auf Sparpolitik, Privatisierung von allgemeinen G\u00fctern und der Zerst\u00f6rung der sozialen und Arbeiterrechte, statt die Wurzeln der Krise anzugehen: Deregulierung des Finanzsystemes und der \u00dcbernahme der EU Institutionen durch Konzerninteressen durch das Engagement m\u00e4chtiger Lobbies und Dreht\u00fcrpolitik. Die EU setzt sich f\u00fcr falsche L\u00f6sungen ein, indem sie Handels- und Investitionsvertr\u00e4ge verhandelt, so wie TTIP, CETA oder TISA, fast v\u00f6llig ohne Transparenz oder demokratische Aufsicht, die das eliminieren sollen, was als Barrieren des Handels gesehen wird: Die Rechte und Regelungen zum Schutze der B\u00fcrger_innen, Arbeiter_innen oder der Umwelt. Es ist der finale Schlag gegen unsere Demokratie und unsere Rechtsordnung, vor allem in Bezug auf die Verfahren, die als sogenannter Investorenschutz in Kraft treten sollen.<\/em><\/p>\n<p><em>Momentan wird die EU regiert von einer de facto Technokratie, die den Interessen einer kleinen aber m\u00e4chtigen Minderheit aus Wirtschafts- und Finanzm\u00e4chten dient. Dies hat zu einem Wiederaufflammen der extremen Rechten sowie der fremdenfeindlichen und nationalistischen Teile vieler Europ\u00e4ischer L\u00e4nder gef\u00fchrt. Wir haben die Verpflichtung, auf diese Bedrohung zu reagieren und die Faschisten daran zu hindern, aus dem Schmerz und dem Ungl\u00fcck der B\u00fcrger_innen, welche trotz all dem ihre Solidarit\u00e4t mit den Hunderttausenden Fl\u00fcchtlingen, die in dieser humanit\u00e4ren Trag\u00f6die leiden, gezeigt haben, Kapital zu schlagen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Gesellschaft hat begonnen, an einem radikalen Wandel der Politik der EU zu arbeiten. Soziale Bewegungen wie Blockupy, die aktuelle Kampagne gegen TTIP (Transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen zwischen der EU und den USA), der alternative Gipfel, der Europ\u00e4ische Generalstreik 2012, der Euromarsch und die riesige Arbeit, die durch die zahllosen B\u00fcrgergruppen und NGOs geleistet wurde, ist ein unsch\u00e4tzbar wertvolles menschliches und intellektuelles und ideologisches Kapital zur Verteidigung der Menschenrechte, dem Respekt gegen\u00fcber der Erde und der W\u00fcrde der Menschen, die h\u00f6her zu stellen sind als politische und wirtschaftliche Interessen. Trotzdem glauben wir, dass eine bessere Koordination und Kooperation vonn\u00f6ten ist, um auf Europ\u00e4ischer Ebene zu mobilisieren. Es gibt viele Vorschl\u00e4ge auf dem Tisch, die die Austerit\u00e4t ersetzen k\u00f6nnten: ein gerechtes Steuersystem und das Schliessen der Steueroasen, komplement\u00e4re W\u00e4hrungssysteme, die Re-Kommunalisierung der \u00f6ffentlichen Dienste, die gleiche Verteilung von Arbeit und die dazugeh\u00f6rigen gerechten Bedingungen, die Verpflichtung zu einem Produktionsmodell, das auf erneuerbaren Energien beruht, und eine Reform oder Abschaffung der EU Steuervertr\u00e4ge &#8211; formal bekannt als Abkommen zur Stabilit\u00e4t, Koordination und Steuerung in der Wirtschafts- und W\u00e4hrungsunion. Das Beispiel von Griechenland hat uns gezeigt, dass, um den momentanen Umst\u00e4nden entgegenzutreten, wir alle Kr\u00e4fte b\u00fcndeln m\u00fcssen, alle Mitgliedsstaaten und in allen Bereichen: politisch, intellektuell und die Zivilgesellschaft. Unsere Vision ist alle miteinbeziehend und international.<\/em><\/p>\n<p><em>Daher wollen wir einen Zusammenschluss aller Menschen, Bewegungen und Organisationen schaffen, die das aktuelle Modell der EU ablehnen und sich in einer gemeinsamen Agenda \u00fcber Ziele, Projekte und Aktionen abstimmen wollen, die das Ziel verfolgt, das EU weite System der Austerit\u00e4t zu stoppen und die Europ\u00e4ischen Institutionen radikal zu demokratisieren, damit sie f\u00fcr die B\u00fcrger_innen arbeiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dieser Idee schlagen wir eine Europ\u00e4ische Konferenz vom 19. bis 21. Februar in Madrid vor und laden Euch dazu ein, an den Debatten, Workshops und Diskussionen dort teilzunehmen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cDie Gesellschaft hat begonnen, an einem radikalen Wandel der Politik der EU zu arbeiten. Auf dem Tisch liegen bereits viele Vorschl\u00e4ge, die die Sparpolitik \u00fcberwinden k\u00f6nnten,\u201c besagt der Plan. 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