{"id":2672464,"date":"2026-02-01T12:18:20","date_gmt":"2026-02-01T12:18:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2672464"},"modified":"2026-02-01T12:18:20","modified_gmt":"2026-02-01T12:18:20","slug":"die-kosten-der-arbeit-was-von-der-lohnarbeit-alles-abhaengt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/02\/die-kosten-der-arbeit-was-von-der-lohnarbeit-alles-abhaengt\/","title":{"rendered":"Die Kosten der Arbeit &#8211; Was von der Lohnarbeit alles abh\u00e4ngt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Glaubt man den deutschen Wirtschaftsvertretern, dann sind die Arbeitskosten in Deutschland zu hoch, weshalb die Wirtschaft nicht in Schwung kommt[1].<\/strong><\/p>\n<p>Das Weihnachtsgesch\u00e4ft verlief 2025 f\u00fcr den Einzelhandel unbefriedigend, weil es eine zu gro\u00dfe Kaufzur\u00fcckhaltung gab[2], sprich die B\u00fcrger von ihrem Lohn oder Gehalt nicht gen\u00fcgend ausgaben. Da die Kosten im Gesundheitswesen steigen, m\u00fcssen die Beitr\u00e4ge f\u00fcr die gesetzlichen Krankenversicherungen, wie die Kassenchefs zum Jahresende melden, erh\u00f6ht werden; das hei\u00dft, auf L\u00f6hne und Geh\u00e4lter wird auch hier st\u00e4rker zugegriffen. Die Sicherung der Renten erfordert ebenfalls h\u00f6here Beitr\u00e4ge, wie man zeitgleich h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Vom Lohneinkommen der B\u00fcrger h\u00e4ngt offenbar mehr ab, als dass der Einzelne damit blo\u00df das eigene Auskommen auf die Reihe kriegt.<\/p>\n<p><strong>Die Kosten der Arbeit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der Pr\u00e4sident des Arbeitgeberverbandes die H\u00f6he der Arbeitskosten beklagt oder der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der fordert, dass mehr und l\u00e4nger gearbeitet wird (Bild am Sonntag, 4.1.26), dann reden beide auf ihre Art von einem Sachverhalt, der im Klartext \u201eAusbeutung\u201c hei\u00dft. Senkung der Kosten f\u00fcr Arbeit bedeutet ja nicht, dass dann auch weniger geleistet werden soll, sondern dass bei niedrigerem Lohn die gleiche oder gr\u00f6\u00dfere Leistung erbracht werden muss und sich so der \u00dcberschuss \u00fcber die Lohnkosten erh\u00f6ht, der Gewinn des Unternehmens also steigt. Wenn S\u00f6der mehr oder l\u00e4ngere Arbeit fordert, dann soll diese auch nicht h\u00f6her entlohnt werden, vielmehr die gleiche Bezahlung mehr an Leistung und damit an Rendite f\u00fcrs Unternehmen erbringen.<\/p>\n<p>Von Ausbeutung und Lohnarbeit will heute aber keiner mehr reden, dr\u00fcckt sich darin doch ein eindeutiges Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis aus. Aus Arbeitern sind stattdessen Arbeitnehmer oder Mitarbeiter geworden, Entgeltempf\u00e4nger oder Arbeitsplatzbesitzer \u2013 und wie die sch\u00f6nen Umschreibungen alle lauten. In der Sache hat sich allerdings seit Bestehen des Kapitalismus nichts ge\u00e4ndert. Die Mehrzahl der Menschen verf\u00fcgt \u00fcber nichts weiter als ihre Arbeitskraft und muss daher jemanden finden, der diese Arbeitskraft zum eigenen Nutzen bezahlen will. Arbeiten gehen zu m\u00fcssen gilt als Normalit\u00e4t, ein Sachzwang der als solcher gar nicht mehr wahrgenommen wird. Ein Arbeitsplatz gilt als selbstverst\u00e4ndliches Mittel, um zu einem eigenen Einkommen zu gelangen.<\/p>\n<p>Dabei ist dieser omin\u00f6se Platz gar nicht das Mittel des \u201eArbeitnehmers\u201c, sondern des \u201eArbeitgebers\u201c, der gro\u00dfz\u00fcgiger Weise etwas gibt, damit andere es sich nehmen k\u00f6nnen \u2013 so die kindische Vorstellung. In Wirklichkeit werden Arbeitspl\u00e4tze nur dann zur Verf\u00fcgung gestellt, wenn es sich f\u00fcr diejenigen lohnt, die die Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber die objektiven Produktionsbedingungen besitzen. Sei es, dass der Staat durch die Bezahlung von Arbeitskr\u00e4ften n\u00fctzliche Dienstleistungen f\u00fcr sich erbringen l\u00e4sst, oder im anderen Fall, dass sich durch die Entlohnung von Arbeitskr\u00e4ften der Reichtum der besitzenden Klasse vermehren l\u00e4sst. Beides mal stellt die Lohnzahlung einen Kostenfaktor dar, der beim Staat den Haushalt belastet, im Unternehmen durch seine H\u00f6he den Gewinn schm\u00e4lert.<\/p>\n<p>Dass das Geld f\u00fcr den Lebensunterhalt der Besch\u00e4ftigten beim Staat wie bei den Unternehmen als Belastung erscheint, macht schlagend deutlich, dass die hochgelobte Marktwirtschaft samt ihrer politischen Betreuung nicht zum Wohlergehen der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten eingerichtet ist. Die Kosten f\u00fcr deren Lebensunterhalt verringern beim Staat seine M\u00f6glichkeiten, die Wirtschaft zu f\u00f6rdern, von der alles im Lande abh\u00e4ngig gemacht ist, eben auch die Verf\u00fcgung \u00fcber Staatsreichtum. Der wird ben\u00f6tigt, um den Staat mit Machtmitteln f\u00fcr die Konkurrenz mit anderen Staaten auszustatten. Auch die Produktion von G\u00fctern dient hierzulande nicht dazu, die Menschen mit Lebensmitteln, Kleidung, Wohnungen usw. zu versorgen. Vielmehr ist alles Mittel des Gesch\u00e4fts, was nichts anderes bedeutet, als dass es der Vermehrung von Reichtum bei denjenigen dient, die \u00fcber Reichtum verf\u00fcgen. Die also, wie es so sch\u00f6n hei\u00dft, ihr Geld arbeiten lassen.<\/p>\n<p>Wenn die Konsumzur\u00fcckhaltung beklagt wird, dann ist eigentlich die Armut der Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger Thema, die sich wegen der gestiegenen Preise weniger von ihrem Einkommen leisten k\u00f6nnen. Damit wird aber auch eine weitere Funktion der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter angesprochen: Die G\u00fcter, die Unternehmen herstellen, um einen Gewinn zu erzielen, m\u00fcssen wieder zu Geld gemacht, also verkauft werden. Als K\u00e4ufer kommen im gro\u00dfen Umfang diejenigen in Frage, die zu den Lohn- und Gehaltsempf\u00e4ngern geh\u00f6ren. Das macht einen Widerspruch am Lohn deutlich: Als Kost kann er gar nicht niedrig genug sein, zur Realisierung der Gewinne als Kaufkraft gar nicht hoch genug. Ein Umstand, an den Gewerkschafter gerne erinnern, wenn es um Lohnverhandlungen geht.<\/p>\n<p>Das hilft aber nicht, es bleibt ein schwaches Argument: Der Lohn geht bei der Zahlung in die Rechnung des eigenen Unternehmens ein, beim Verkauf strebt das Unternehmen den Zugriff auf das Geld aller B\u00fcrger an. Es ist ja nicht die eigene Belegschaft, die das Produkt der Firma kaufen soll. Mit der Lohnzahlung bekommen die Besch\u00e4ftigten keineswegs das \u00c4quivalent ihrer Leistung erstattet \u2013 w\u00e4re das so, g\u00e4be es keinen Gewinn mehr f\u00fcrs Unternehmen. Mit der Bezahlung erh\u00e4lt das Unternehmen vielmehr die Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber die Arbeitskraft, damit diese in der bezahlten Zeit ein Mehr an Leistung vollbringt, als sie Kosten verursacht hat. Von daher sind die eigenen Besch\u00e4ftigten gar nicht in der Lage, das von ihnen hergestellte Produkt zu kaufen.<\/p>\n<p>So stellt die notwendigerweise beschr\u00e4nkte Zahlungsf\u00e4higkeit der lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten \u2013 eine Verr\u00fccktheit, die zum System geh\u00f6rt \u2013 eine entscheidende Schranke f\u00fcr die Realisierung des produzierten Reichtums dar. Unternehmen machen sich davon unabh\u00e4ngig, indem sie mit Unterst\u00fctzung des eigenen Staates auf die M\u00e4rkte anderer L\u00e4nder und die dortige Kaufkraft zugreifen. Eine tolle \u201eL\u00f6sung\u201c, die schon einiges davon verr\u00e4t, warum es im modernen Staatenverkehr so ungem\u00fctlich zugeht.<\/p>\n<p><strong>Sozialstaat zu teuer<\/strong><\/p>\n<p>Die Klage \u00fcber die zu hohen Sozialkosten oder die Unbezahlbarkeit des Sozialstaats thematisiert im Prinzip die Unsicherheit der Lohnarbeiterexistenz mit ihren ber\u00fchmten Wechself\u00e4llen: Arbeitslosigkeit, Krankheit und Einkommenslosigkeit im Alter. Die Abh\u00e4ngigkeit des Lohneinkommens vom Gang des Gesch\u00e4fts macht das Leben von Lohnarbeit zu einer per se unsicheren Angelegenheit. Arbeitskr\u00e4fte gibt es ja immer im \u00dcberfluss, notfalls oder vorausschauend werden Migranten angeworben. Der Zwang, arbeiten zu m\u00fcssen, schlie\u00dft gerade nicht ein, dass jedem die Gelegenheit dazu geboten wird. Zeiten von Arbeitslosigkeit geh\u00f6ren zum Arbeitsleben selbstverst\u00e4ndlich dazu und das bedeutet Einkommenslosigkeit.<\/p>\n<p>Die absolute Verarmung der Arbeitskr\u00e4fte w\u00fcrde allerdings das Funktionieren der Gesellschaft gef\u00e4hrden, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Arme versuchen sich irgendwie \u00fcber Wasser zu halten und das auch unter Missachtung von Gesetzen. Verelendete Massen bilden zudem eine Seuchenquelle, Mangelern\u00e4hrung und \u00c4hnliches beeintr\u00e4chtigen den Volksk\u00f6rper. Zudem sind nicht alle bereit, diese Gef\u00e4hrdung ihres Lebens hinzunehmen, und bilden so schnell eine Unruhequelle.<\/p>\n<p>Dies alles hat den Sozialstaat hervorgebracht, um damit auch \u2013 wie seinerzeit unter Bismarck deutlich gemacht \u2013 Aufstandsbestrebungen zu begegnen. Die Leistung des Sozialstaates besteht im Einsatz seiner Gewalt, mit der er die Lohnabh\u00e4ngigen dazu zwingt, f\u00fcr die Notlagen des Lohnarbeiterdaseins Vorsorge zu treffen, und zwar in Form von Zwangsversicherungen gegen Arbeitslosigkeit, Krankheit und Arbeitsunf\u00e4higkeit im Alter. Eine seltsame F\u00fcrsorglichkeit ist das, denn um eigenst\u00e4ndig eine solche Vorsorge zu treffen, m\u00fcsste der Lohn enorm steigen. Dann k\u00f6nnte zwar der Einzelne R\u00fccklagen f\u00fcr die Wechself\u00e4lle des Lohnarbeiterlebens schaffen, das w\u00fcrde aber das Wachstum der Wirtschaft behindern. Deshalb nimmt der Staat die Gesamtheit der Lohnarbeiter f\u00fcr die \u201eSozialversicherungen\u201c in die Pflicht.<\/p>\n<p>Da die Beitr\u00e4ge daf\u00fcr aus den L\u00f6hnen bezahlt werden \u2013 f\u00fcr die Unternehmer stellen sie einen Aufschlag auf die mit den Gewerkschaften vereinbarten L\u00f6hne dar, f\u00fcr die Arbeiter einen Abzug vom gezahlten Lohn \u2013, ist die Finanzierung der Versicherungen immer eine prek\u00e4re Sache. Das Resultat sieht entsprechend aus: Mit der Arbeitslosenversicherung wird keinesfalls der Lebensunterhalt gesichert, sondern f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum bis zu zwei Jahren erhalten die vom Kapital \u00fcberfl\u00fcssig Gemachten in etwa zwei Drittel ihres fr\u00fcheren Einkommens, damit sie sich auch weiterhin als Reservearmee f\u00fcr das Kapital tauglich halten. Wer l\u00e4nger als die vom Staat festgelegte Frist arbeitslos ist, gilt als Sozialfall, dem nicht einmal das Existenzminimum aus Steuermitteln zugebilligt wir, wie die Schlangen bei den Tafeln beweisen. Was nicht hei\u00dft, dass sie aus dem Zwang entlassen sind, sich weiterhin dem Kapital zur Verf\u00fcgung zu stellen, auch wenn der angebotene Lohn f\u00fcr den Lebensunterhalt nicht reicht \u2013 wie die aktuelle Diskussion um das B\u00fcrgergeld und seine Abschaffung deutlich gemacht hat.<\/p>\n<p>Die Gesundheitsversorgung der Bev\u00f6lkerung finanziert sich ebenfalls \u00fcberwiegend aus den L\u00f6hnen. So sind nicht nur die Lohnabh\u00e4ngigen durch ihre Beitr\u00e4ge zur gesetzlichen Krankenversicherung abgesichert, damit sie im Krankheitsfall medizinische Hilfe in Anspruch nehmen k\u00f6nnen, sondern auch ihre Ehepartner, sofern sie nicht selbst berufst\u00e4tig sind, sowie ihre Kinder. Das Gesundheitswesen steht der gesamten Bev\u00f6lkerung zur Verf\u00fcgung, auch denjenigen, die nicht arbeiten k\u00f6nnen. Damit stellt sich f\u00fcr die politische Aufsicht die Frage, wie die verschiedenen Bev\u00f6lkerungsgruppen an der Finanzierung zu beteiligen sind.<\/p>\n<p>Die oberen zehn Prozent der Einkommensbezieher k\u00f6nnen sich privat gegen die Kosten im Krankheitsfall versichern. Bei Arbeitslosen, Menschen, die wegen Krankheit oder Behinderung nicht arbeiten k\u00f6nnen und daher \u00fcber kein Einkommen verf\u00fcgen, stellt sich die Beteiligung an der Finanzierung des Gesundheitswesens \u00fcber die Krankenkassen anders dar. Es werden auch Mittel aus der Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung an die Krankenkassen als Beitr\u00e4ge \u00fcberwiesen und der Staat zahlt zudem \u00fcber die Grundsicherung Beitr\u00e4ge an die Krankenkassen zur Gesunderhaltung seiner Gesellschaft.<\/p>\n<p>Damit sind die Kassen und die ganze Finanzierung des Gesundheitswesens abh\u00e4ngig vom Gang der Gesch\u00e4fte und der darauf bezogenen Politik. Ist der Besch\u00e4ftigungsstand hoch, weil das Gesch\u00e4ft floriert, flie\u00dfen viele Beitr\u00e4ge den Krankenkassen zu und k\u00f6nnen entsprechend den gesetzlichen Verpflichtungen \u00c4rzte und Krankenh\u00e4user bezahlen. Stockt das Gesch\u00e4ft, gibt es weniger Beitr\u00e4ge und somit gleich die Frage, in welchem Umfang aus der Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie dem Staatshaushalt den Krankenkassen Mittel zukommen k\u00f6nnen. Da das Arbeitslosengeld geringer ist als das fr\u00fchere Einkommen, sind auch die Beitr\u00e4ge zur Krankenversicherung niedriger.<\/p>\n<p>Das Gleiche gilt f\u00fcr die Rentenversicherung. Die schlechte Konjunktur macht aber die Arbeitslosen und Rentner nicht ges\u00fcnder und verringert nicht den Bedarf nach medizinischen Leistungen. Auch zahlt der Staat f\u00fcr die verschiedenen Sozialf\u00e4lle niedrigere Beitr\u00e4ge, weswegen die Kassen dar\u00fcber klagen, dass sie unentgeltlich Leistungen f\u00fcr die B\u00fcrgergeld-, jetzt Grundsicherungsgeld-Bezieher erbringen m\u00fcssen. Die so entstehenden finanziellen L\u00f6cher werden dann \u00fcber die Zusatzbeitr\u00e4ge der Lohnempf\u00e4nger ausgeglichen, die keinen Aufschlag auf die Lohnkosten, aber einen weiteren Abzug vom Lebensunterhalt darstellen.<\/p>\n<p>Die Rentenversicherung wird ebenfalls \u00fcber die L\u00f6hne finanziert. Die aktuell Besch\u00e4ftigten kommen f\u00fcr den Lebensunterhalt der Rentner auf. Und damit hat man ein ganz anderes Verh\u00e4ltnis vor sich, als die Leitmedien mit gr\u00f6\u00dfter Beharrlichkeit der \u00d6ffentlichkeit weis machen wollen: Es h\u00e4ngt eben nicht vom quantitativen Verh\u00e4ltnis der Alten zu den Jungen ab, wie das Bild vom demographischen Wandel immer wieder vorstellig machen will. Bestimmt ist das Verh\u00e4ltnis durch die Zahl derer, die das Kapital entsprechend seinem Gesch\u00e4ftsgang besch\u00e4ftigen will, und die Anzahl derjenigen, die sich in Rente befinden.<\/p>\n<p>Beide Seiten werden ma\u00dfgeblich durch die Kapitalseite bestimmt \u2013 einerseits durch den Umfang der Besch\u00e4ftigten und die H\u00f6he ihrer L\u00f6hne, andererseits durch die Zahl derjenigen, die im Rahmen von Sozialpl\u00e4nen unter Mitwirkung der Gewerkschaften fr\u00fchzeitig in den Ruhestand geschickt werden. Zudem benutzt der Staat auch die Rentenversicherung f\u00fcr seine Zwecke, ohne dieser Kasse entsprechende Mittel zur Verf\u00fcgung zu stellen. Weil dennoch die L\u00f6cher in den Kassen immer gr\u00f6\u00dfer werden, schl\u00e4gt sich dies in steigenden Zusch\u00fcssen aus dem Staatshaushalt nieder.<\/p>\n<p>Alles in Allem zeigen die Sozialversicherungen, dass die Unsicherheit des Lohnarbeiterdaseins auch durch sie nicht behoben wird. Sie mildern die Folgen ab, weisen aber die gleichen Unsicherheiten auf. L\u00e4uft das Gesch\u00e4ft zu Zeiten des Booms, sind die Kassen einigerma\u00dfen gef\u00fcllt, schw\u00e4cht es sich ab, wird der Ruf nach Reformen laut \u2013 und dann gelten die Sozialleistungen als nicht mehr bezahlbar, wie Merz, S\u00f6der und Co. derzeit verlauten lassen. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich zugleich, dass bei vielen Leistungsk\u00fcrzungen dennoch verst\u00e4rkt auf die L\u00f6hne zugegriffen wird.<\/p>\n<p><strong>Steuern rauf und runter<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn eines jeden Jahres wird den B\u00fcrgern vorgerechnet, was sich f\u00fcr sie im neuen Jahr alles ver\u00e4ndert. Die Regierung hat f\u00fcr Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger auf der einen Seite die Steuern in geringen Dosen reduziert und schl\u00e4gt mit der gestiegenen CO2-Steuer bei Heizung, Benzin und Energie auf der anderen Seite zu, so dass von den angeblichen Wohltaten nichts bleibt. Wer auf seine Lohn- oder Gehaltsabrechnung schaut, muss stets feststellen, dass schon fast die H\u00e4lfte seines Einkommens vom Staat beschlagnahmt ist, bevor er \u00fcberhaupt seine Miete und sonstigen festen Kosten bezahlt hat; so schrumpft das, was zu seiner freien Verf\u00fcgung steht auf einen geringen Anteil.<\/p>\n<p>Neben den Sozialabgaben wird der Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger auch als Steuerzahler zur Kasse gebeten und damit zum Ausstatter der staatlichen Haushalte gemacht, aus denen die verschiedenen Staatsabteilungen wie Bund, L\u00e4nder und Gemeinden ihre hoheitlichen Aufgaben finanzieren \u2013 vom Kindergarten \u00fcber Wirtschaftsf\u00f6rderung bis zur Armee. Der Staat ist allerdings keine finanzielle Umverteilungsstelle, die den B\u00fcrgern Geld abnimmt, um es ihnen dann wieder in Form von Dienstleistungen wie Schule und Stra\u00dfen zukommen zu lassen. Ein nicht unerheblicher Teil \u2013 der, wie die gegenw\u00e4rtige Aufr\u00fcstung zeigt, nicht verhandelbar ist \u2013 dient der Ausstattung des Staates mit Gewaltmitteln und der Einflussnahme auf andere Staaten.<\/p>\n<p>Auch wenn der Anteil der Lohn- und Einkommenssteuer lediglich ca. 35 Prozent des staatlichen Gesamtsteueraufkommens ausmacht<a href=\"https:\/\/www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch\/politik\/deutschland\/was-von-der-lohnarbeit-alles-abhaengt-die-kosten-der-arbeit-009502.html#footnote-3\">[<\/a>3<a href=\"https:\/\/www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch\/politik\/deutschland\/was-von-der-lohnarbeit-alles-abhaengt-die-kosten-der-arbeit-009502.html#footnote-3\">]<\/a>, ist das nicht die ganze Wahrheit. Die Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger werden ja auch als Verbraucher zur Kasse gebeten, etwa in Form der Mehrwertsteuer. W\u00e4hrend Unternehmen diese als Vorsteuer steuermindernd geltend machen k\u00f6nnen, bleibt sie beim Endverbraucher h\u00e4ngen, also bei denjenigen, die von Lohnarbeit leben m\u00fcssen. Hinzu kommen dann noch Energiesteuer, Versicherungssteuer, Tabaksteuer, Kraftfahrzeugsteuer usw., so dass Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger im Endeffekt zu den bevorzugten Ausstattern staatlicher Haushalte geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Unternehmen immer wieder \u00fcber ihre enorme Steuerbelastung klagen und daf\u00fcr Geh\u00f6r bei der Politik finden, nimmt die \u00fcberwiegende Zahl der B\u00fcrger, die als Lohn- und Gehaltsempf\u00e4nger, Verbraucher und Beitragszahler umfangreich zur Kasse gebeten werden, dieses Schr\u00f6pfen im Prinzip als notwendig hin. Allenfalls werden gewisse Ungerechtigkeiten oder die Verschwendung der Mittel durch die Politik beklagt, als ob von solchen Verst\u00f6\u00dfen die H\u00f6he der Belastungen abh\u00e4ngen w\u00fcrde und nicht von den staatlichen Vorhaben wie z.B. jetzt im Fall der BRD, die f\u00fchrende europ\u00e4ische Milit\u00e4rmacht werden will.<\/p>\n<p><strong>Die doppelte Abh\u00e4ngigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Lohnarbeiter sind sowohl von der Besch\u00e4ftigung durch einen \u201eArbeitgeber\u201c und damit von den Konjunkturen des Gesch\u00e4fts abh\u00e4ngig als auch von den verschiedenen Leistungen des Sozialstaates. Umgekehrt ist aber auch der ganze Reichtum im Lande \u2013 sowohl der Wirtschaft wie auch des Staates \u2013 davon abh\u00e4ngig, dass Lohnabh\u00e4ngige brav Tag f\u00fcr Tag ihre Leistung vollbringen. Diese Form der Abh\u00e4ngigkeit ist heutzutage kein Thema mehr, w\u00e4hrend sie fr\u00fcher einmal in die Losung der Arbeiterbewegung m\u00fcndete: \u201eAlle R\u00e4der stehen still, wenn unser starker Arm es will\u201c.<\/p>\n<p>Stark sind Arbeiter alleine nicht, sondern da macht sich die ganze Macht der Konkurrenz gegen sie geltend. Schlie\u00dflich gibt es mehr Menschen, die auf die Bezahlung ihrer Arbeit angewiesen sind, als vom Kapital effektiv nachgefragt werden. Das k\u00f6nnen Unternehmer wie Staat f\u00fcr sich bei der Lohngestaltung nutzen, sowohl im Hinblick auf die H\u00f6he als auch auf die Leistung, die daf\u00fcr zu erbringen ist. Stark sind Arbeiter und Angestellte nur, wenn sie sich zusammenschlie\u00dfen und die Konkurrenz untereinander aufheben. Doch nicht jeder Zusammenschluss f\u00fchrt auch zum Erfolg. So treten etwa die Mitgliedsverb\u00e4nde des Deutschen Gewerkschaftsbundes f\u00fcr \u201eGute Arbeit\u201c ein. Da stellt sich gleich die Frage, wie diese aussehen soll. Nach <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/gute-arbeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den Ausf\u00fchrungen der Gewerkschaftsvertreter<\/a> sind die Voraussetzungen daf\u00fcr ein tariflich geregelter Lohn, gewerkschaftliche Mitbestimmung durch Betriebsr\u00e4te und sichere Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Eine seltsame Kombination ist das. Denn erstens sagt ein tariflich geregelter Lohn noch nichts \u00fcber die H\u00f6he der Bezahlung aus \u2013 in den letzten Jahren ist ja diese Bedingung darauf hinausgelaufen, dass mit den Tarifabschl\u00fcssen die Reall\u00f6hne gesunken sind. Betriebsr\u00e4te sorgen sich zweitens um den Erfolg ihres Betriebs in Konkurrenz mit anderen, also um erfolgreiche Gewinnerwirtschaftung, die die Kosten nicht aus dem Ruder laufen l\u00e4sst; und der Erfolg soll dann die Arbeitspl\u00e4tze sicher machen. Aber drittens gibt es sichere Arbeitspl\u00e4tze im Kapitalismus \u00fcberhaupt nicht; sicher sind sie nur solange und in dem Umfang, wie sie sich f\u00fcrs Kapital lohnen und Gewinne abwerfen. Um das zu gew\u00e4hrleisten, gibt es st\u00e4ndig Rationalisierungen und Entlassungen.<\/p>\n<p>Mit ihren Forderungen tritt die Gewerkschaft f\u00fcr lohnende Arbeitspl\u00e4tze ein, handelt per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung Bezahlungen aus, die dem Unternehmen Gewinne sichern, und erh\u00e4lt Arbeitspl\u00e4tze in dem Umfang, wie ihn das Unternehmen f\u00fcr seine Gesch\u00e4ftsstrategie einplant; der Rest der Belegschaft wird mit Abfindungen und Sozialpl\u00e4nen entlassen. Solche Gewerkschaften sind also alles andere als die Organisation eines \u201estarken Arms\u201c. Die DGB-Mitgliedsverb\u00e4nde haben sich einseitig in diesem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis eingerichtet und wollen die Abh\u00e4ngigkeit des Kapitals vom Mitmachen der Besch\u00e4ftigten gar nicht geltend machen.<\/p>\n<p>Das Hauptargument dieser Sorte Arbeitervertreter besteht im Verweis darauf, dass die Unternehmen auch Zugriff auf die Arbeitskr\u00e4fte im Ausland haben und Arbeitspl\u00e4tze im Inland abbauen k\u00f6nnen. Deshalb treten sie f\u00fcr den Erfolg des Kapitalstandorts Deutschland ein. Dabei hat die deutsche Politik einiges daf\u00fcr getan, damit deutsches Kapital in aller Welt sich sowohl der Menschen wie der M\u00e4rkte bedienen kann. Der Verweis auf die Internationalit\u00e4t des Kapitals ist damit eigentlich ein Hinweis darauf, dass auch Arbeiter sich nicht national, sondern international organisieren m\u00fcssen, wollen sie der Macht des Kapitals erfolgreich etwas entgegensetzen. Mit einem DGB, der schon das Bekenntnis zur Nation im Namen f\u00fchrt, ist das nicht zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Suitbert Cechura<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p>[1] \u201eDeutschland kann mehr\u201c \u2013 Wie jetzt Reformen und Wachstum gelingen, arbeitgeber.de\/, 25.11.2025.<\/p>\n<p>[2] \u201eDer deutsche Einzelhandel blickt auf ein entt\u00e4uschendes Weihnachtsgesch\u00e4ft. Viele Kundinnen und Kunden hielten ihr Geld aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit zusammen\u201c, mdr.de, 23.12.2025.<\/p>\n<p>[3] Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung: \u201eSteuereinnahmen nach Steuerarten\u201c, bpb.de, 13.4.2023.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glaubt man den deutschen Wirtschaftsvertretern, dann sind die Arbeitskosten in Deutschland zu hoch, weshalb die Wirtschaft nicht in Schwung kommt[1]. 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