{"id":2672248,"date":"2026-01-31T13:27:24","date_gmt":"2026-01-31T13:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2672248"},"modified":"2026-01-31T13:27:24","modified_gmt":"2026-01-31T13:27:24","slug":"wie-kann-die-welt-die-destruktive-entwicklung-wieder-stoppen-plaedoyer-fuer-eine-neuordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/01\/wie-kann-die-welt-die-destruktive-entwicklung-wieder-stoppen-plaedoyer-fuer-eine-neuordnung\/","title":{"rendered":"Wie kann die Welt die destruktive Entwicklung wieder stoppen? &#8211; Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Neuordnung."},"content":{"rendered":"<p><strong>Das beginnende Jahr 2026 f\u00e4llt in eine Zeit zunehmender globaler Destruktion. Die weltgesellschaftlichen Institutionen, wie die Vereinten Nationen oder die Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), werden systematisch zerst\u00f6rt. Staaten wie die USA und Russland ziehen sich aus diesen Institutionen zur\u00fcck bzw. versuchen sie durch blockierendes Verhalten zu behindern. Der US-Pr\u00e4sident Trump eskaliert dies sogar derzeit, indem er eine mit der UNO konkurrierende Organisation gr\u00fcndet, einen sogenannten &#8218;Friedensrat&#8216;. Dies ist ein direkter Angriff auf die ohnehin schon geschw\u00e4chten Vereinten Nationen und auf das V\u00f6lkerrecht.<\/strong><\/p>\n<p>Von<strong> Klaus Moegling<\/strong><\/p>\n<p><strong>Reiche und undemokratische &#8218;Eliten&#8216; eignen sich den Staat an<\/strong><\/p>\n<p>Trump, Putin, Erdogan u.a., so unterschiedlich sie im Einzelnen auch sein m\u00f6gen, sind politische F\u00fchrer, die in ihren Staaten die Reste von Demokratie abbauen bzw. zerst\u00f6ren, den repressiven Druck auf ihre Bev\u00f6lkerung erh\u00f6hen und nach au\u00dfen aggressiv agieren. Ihnen ist das V\u00f6lkerrecht eher l\u00e4stig, sie beachten es nicht und entwickeln einen rechten und autorit\u00e4ren Nationalismus, im Rahmen dessen die herrschenden Kreise sich ma\u00dflos bereichern und sich \u00fcber alles hinwegsetzen, was Anstand und Gerechtigkeit verlangen. Belege hierf\u00fcr sind u.a. der Angriff Russlands auf die Ukraine, der Angriff der USA auf Venezuela sowie die in Teilen milit\u00e4rische Besetzung der nordostsyrischen, durch die Kurden bislang noch selbst verwalteten Provinz Rojava.<br \/>\nEinher geht die \u00f6ffentlich deklarierte Verschiebung des Terrorismusbegriffs. Menschen, die mit friedlichen Mitteln gegen die Ausw\u00fcchse des Systems und die Politik der korrumpierten und sich bereichernden Klasse demonstrieren, werden nicht als Oppositionelle mit einem legitimen Anspruch gesehen, sondern zunehmend als Terroristen und kriminell eingestuft. Dies ist beispielsweise in den USA, in Russland oder in der T\u00fcrkei der Fall. Hierdurch sollen die Menschen eingesch\u00fcchtert und auch, wenn man ihnen habhaft wird, weggesperrt werden, ohne dass es zu einem fairen Verfahren kommt.<br \/>\nDie Selbstbereicherung von ohnehin bereits reichen Menschen, Multimillion\u00e4ren und Milliard\u00e4ren, geht einher mit dem Auseinanderdriften der sozialen Schere in den betroffenen Staaten. Den unteren Gesellschaftsschichten wird das weggenommen, was sich die Superreichen aneignen. Die USA ist hier ein Beispiel unter vielen: F\u00fcr die reiche Schicht der Gesellschaft wurden die Steuern drastisch gesenkt, gleichzeitig versucht die Regierung Millionen Menschen die Unterst\u00fctzung bei der Gesundheitsversorgung zu entziehen.<br \/>\nDas am schnellsten wachsende <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/presse\/pressemitteilungen\/2026-01-19-so-schnell-nie-so-gross-nie-milliardaersvermoegen-erreichen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verm\u00f6gen<\/a> ist weltweit das Verm\u00f6gen der Multimillion\u00e4re und Milliard\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Die Welt besteht nicht nur aus dem Westen<\/strong><\/p>\n<p>Sicherlich k\u00f6nnen hier nur einige ausgew\u00e4hlte Aspekte angesprochen werden.<br \/>\nDer globale S\u00fcden versucht sich zu organisieren und dr\u00e4ngt auf Mitspracherechte und die Beendigung der ungerechten \u00f6konomischen Tauschbeziehungen. Doch riesige westliche Konzerne suchen weiterhin Kontakt zu regionalen Despoten und korrupten afrikanischen F\u00fchrern, um an die Bodensch\u00e4tze Afrikas heranzukommen. S\u00fcdamerika ist des Weiteren von den \u00f6koimperialistischen Zugriffen der USA betroffen. F\u00fcr die v\u00f6lkerrechtswidrige US-amerikanische Aggression beispielsweise in Venezuela wird von der US-Regierung sogar offen zugegeben, dass sie sich die dortigen gro\u00dfen \u00d6lvorkommen sichern und ausbeuten wolle.<br \/>\nChinas Rolle in der Welt d\u00fcrfte bislang noch nicht eindeutig analysierbar sein. Die VR China versucht den \u00f6konomischen Zugriff auf die globale \u00d6konomie und hat hier insbesondere das eigene Interesse im Blick. Innergesellschaftlich wird der \u00dcberwachungsstaat systematisch ausgebaut und werden die Freiheiten der B\u00fcrger immer mehr beschnitten. Noch hat China seit Jahrzehnten keinen gro\u00dfen Krieg mehr gef\u00fchrt. Globale Handelsinteressen hatten Vorrang. Letztendlich wird sich die Beurteilung Chinas mit der Entwicklung der Taiwan-Frage und des chinesischen Verhaltens in S\u00fcdostasien, insbesondere auch hinsichtlich territorialer Fragen im s\u00fcdchinesischen Meer, in Auseinandersetzung mit den anderen s\u00fcdostasiatischen Anrainerstaaten entscheiden.<br \/>\nDie in Teilen rechtsextreme Regierung Israels hat auf den schrecklichen \u00dcberfall der Hamas v\u00f6llig unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig reagiert. Es wurden ca. 60.000 Pal\u00e4stinenser, \u00fcber die H\u00e4lfte Frauen und Kinder, get\u00f6tet und der Gaza-Streifen fast vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt. Es wird Generationen brauchen, um den Hass, der aus diesen Morden und T\u00f6tungen resultiert, zu \u00fcberwinden.<br \/>\nIm Sudan tobt ein &#8211; durch ausl\u00e4ndische M\u00e4chte unterst\u00fctzter &#8211; B\u00fcrgerkrieg mit Massenvergewaltigungen und -t\u00f6tungen. \u00dcber 10 Millionen Menschen sind im Sudan auf der Flucht.<br \/>\nIm Iran werden die Menschen von ihrer eigenen Regierung massenhaft erschossen oder schwer verletzt, wenn sie f\u00fcr mehr Freiheit und \u00f6konomische Sicherheit demonstrieren. 20.000 Menschen sind in den letzten Wochen zudem inhaftiert worden und niemand wei\u00df, was aus ihnen werden wird. Das Mullah-Regime zeigt, dass es f\u00fcr seinen Machterhalt bereit ist, seine Bev\u00f6lkerung zu ermorden.<br \/>\nAuf dem afrikanischen Kontinent gibt es \u00fcber den von externen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen Krieg in der Demokratischen Republik Kongo weitere zahlreiche gewaltt\u00e4tig ausgetragene Konflikte, insbesondere durch dschihadistische Gruppen, die eine regionale Dominanz in der Sahel-Zone versuchen durchzusetzen.<br \/>\nZwischen Indien und Pakistan sowie zwischen Vietnam und Thailand gibt es z.T. aufflammende milit\u00e4rische Auseinandersetzungen und latente Spannungen.<br \/>\nDas gesellschaftliche Experiment Rojava der Kurden in Nordostsyrien wird nicht nur durch die T\u00fcrkei, sondern vor allem von einer Allianz aus syrischen und jihadistischen Truppen angegriffen. Es droht die brutale Zerst\u00f6rung eines wichtigen Versuchs, in der Umgebung autorit\u00e4rer und islamistischer Staaten eine direktdemokratische Gesellschaft mit einer Gleichberechtigung von Mann und Frau zu installieren.<br \/>\nDie Liste lie\u00dfe sich ausufernd fortsetzen. Die Welt ist noch mehr in Unordnung geraten, als sie es ohnehin vorher schon war.<br \/>\nGleichzeitig fehlen der Welt die Ressourcen, um der herannahenden Klimakatastrophe pr\u00e4ventiv zu begegnen oder sie sogar einzud\u00e4mmen. Die hierf\u00fcr notwendigen Finanzmittel werden f\u00fcr die Waffenproduktion, f\u00fcr Kriegsf\u00fchrung oder f\u00fcr den Wiederaufbau zerbombter Regionen verwendet. Dar\u00fcber hinaus zerst\u00f6ren Kriege die Umwelt und das Milit\u00e4r tr\u00e4gt im Normalbetrieb und insbesondere im Kriegsfall auch <a href=\"https:\/\/www.friedenskooperative.de\/friedensforum\/artikel\/umweltweltschaeden-im-krieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erheblich<\/a> zu den globalen CO2-Emissionen bei.<\/p>\n<p><strong>Massive Aufr\u00fcstungsprogramme versprechen eine tr\u00fcgerische Sicherheit<\/strong><\/p>\n<p>Die von den rechtsnationalistischen Regierungen angezettelten \u00f6koimperialistischen und geostrategischen Kriege kommen auch der Mitte Europas immer n\u00e4her. Die Sorge, in einen Krieg hineingezogen zu werden, breitet sich z.B. auch in Deutschland aus. Gleichzeitig r\u00fcsten fast alle europ\u00e4ischen Staaten milit\u00e4risch auf, verschulden sich massiv und vergeuden die Ressourcen der kommenden Generationen durch die destruktive Produktion immer gef\u00e4hrlicherer Waffen.<br \/>\nDies f\u00fchrt zu erheblichen Renditen f\u00fcr die Eigent\u00fcmer und Anteilseigner der R\u00fcstungsindustrie. Der politisch-milit\u00e4risch-industrielle Komplex funktioniert und wird zunehmend durch mediale Beeinflussung, Kriegsangst und entstehende Arbeitspl\u00e4tze gesellschaftlich akzeptiert.<br \/>\nDie neuen Waffensysteme unterhalb der nuklearen Schwelle werden immer gef\u00e4hrlicher. Insbesondere Hyperschallraketen stellen eine gro\u00dfe Gef\u00e4hrdung dar, da sie in der Lage sind, \u201aEnthauptungsschl\u00e4ge\u2018 durchzuf\u00fchren, die nur schwierig aufgrund von deren hoher Geschwindigkeit und Lenkbarkeit abgefangen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAuch die immer weiter entwickelten Drohnen mit zunehmend gef\u00e4hrlicheren Sprengk\u00f6pfen ver\u00e4ndern die Kriegssituation nicht nur an den Fronten, sondern auch f\u00fcr die Zivilgesellschaften im Inland. Niemand ist mehr sicher vor den lauernden Drohnen. Drohnenk\u00e4mpfer, die im Hinterland versteckt die Drohnen bedienen, k\u00f6nnen mit einem relativ geringen Risiko t\u00f6ten und zerst\u00f6ren.<br \/>\nDie Atomwaffensysteme werden derzeit in allen Atomstaaten mit riesigen Investitionen modernisiert und immer gef\u00e4hrlicher weiterentwickelt. Diese Staaten versprechen sich vom Abschreckungseffekt Sicherheit und auch die Durchsetzung ihrer geostrategischer Interessen mittels konventioneller Waffensysteme, gest\u00fctzt auf die nukleare Bewaffnung.<br \/>\nEs werden inzwischen auch Rufe nach einem nuklearen Schutzschirm f\u00fcr Europa laut. Doch das Sicherheitsversprechen eines atomaren Schutzschirms ist eine Illusion. <em>Kein Land der Welt ist in der Lage, angreifende hybride Waffensysteme, die auch Hyperschallraketen mit nuklearen Sprengk\u00f6pfen beinhalten k\u00f6nnen, abzuwehren. <\/em><br \/>\nAuch ohne den Einsatz von Nuklearwaffen ist eine moderne Gesellschaft ausgesprochen verletzlich. Drohnen- und Hackerangriffe auf die kritische Infrastruktur k\u00f6nnen in ihrer Gesamtheit nicht abgewehrt werden. Sie k\u00f6nnen zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen Organisation des Lebens und zu einem verheerenden gesellschaftlichen <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Verteidigungsfall-Was-eine-militaerische-Eskalation-fuer-Deutschland-bedeuten-wuerde-10688867.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chaos<\/a> f\u00fchren.<br \/>\nLetztendlich k\u00f6nnen die Gesellschaften vor diesen Gefahren nur durch eine Reorganisation und Neuordnung ihrer multilateralen Beziehungen in eine kooperative Richtung hin bewahrt werden. Auch wenn das Pendel derzeit in die andere Richtung schwingt: Nur die schrittweise und <a href=\"https:\/\/gruenealternative.de\/abruestung-jetzt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">international abgestimmte Abr\u00fcstung<\/a> k\u00f6nnte eine wirkungsvolle Friedensdividende erm\u00f6glichen, mit denen der Welthunger und die Klimakatastrophe bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnten. Dies wird vor allem \u00fcber eine entscheidende Reform der Vereinten Nationen gelingen k\u00f6nnen. Insbesondere ist hier das Recht zur Blockade in den h\u00f6chsten Gremien der UN, insbesondere im UN-Sicherheitsrat, durch aggressive Staaten, wie Russland und die USA, abzuschaffen. Insgesamt sind eine St\u00e4rkung <em>und<\/em> eine Demokratisierung der Vereinten Nationen notwendig.<br \/>\nJedoch wird ein Trump-dominierter sogenannter &#8218;Friedensrat&#8216; zu einer Schw\u00e4chung multilateraler Verst\u00e4ndigung und zum Versuch f\u00fchren, US-Interessen einseitig und z.T. auch v\u00f6lkerrechtswidrig durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>KI kann sich positiv, aber auch gef\u00e4hrlich auswirken\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Weiterentwicklung der K\u00fcnstlichen Intelligenz im Zusammenhang mit neueren Waffensystemen f\u00fchrt dazu, dass den Menschen die <a href=\"https:\/\/www.peacemagazine.org\/archive\/index.php?id=3024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kontrolle<\/a> \u00fcber ihre Waffensysteme zunehmend entgleitet. Informationen der KI lassen sich kaum \u00fcberpr\u00fcfen, wenn innerhalb weniger Minuten entschieden werden muss, ob ein nuklearer Angriff vorliegt und ein Gegenangriff erfolgen soll. Hier sind die Entscheider letztlich der KI ausgeliefert, die auf der Grundlage von Informationen von hunderten Sensoren eine Nachricht \u00fcbermittelt. Fehlinformationen k\u00f6nnen somit nicht aufgekl\u00e4rt werden. Ein Nuklearkrieg aus Versehen droht.<br \/>\nHierbei muss auch noch vor der Gefahr einer sich im Internet entwickelnden Superintelligenz, einer sich verselbstst\u00e4ndigen KI, sehr deutlich gewarnt werden. Eine m\u00f6gliche Superintelligenz kann kognitive Leistungen erzielen, die \u00fcber das menschliche Leistungsverm\u00f6gen und die menschliche Intelligenz weit hinausgehen. Eine derartige KI k\u00f6nnte auf die kritische Infrastruktur st\u00f6rend oder sogar zerst\u00f6rend einwirken und im schlimmsten Fall einen unkontrollierbaren Zugriff auf nukleare Waffensysteme nehmen.<br \/>\nKI kann in vielerlei Hinsicht positiv eingesetzt werden, z.B. bei \u00dcbersetzungen oder beim Haut-Screening. Allerdings darf es keine ungehemmte KI-Entwicklung in der Hand gro\u00dfer Tech-Konzerne geben, sondern die Entwicklung muss durch internationale Regeln kontrolliert und im Falle des Versto\u00dfes strengstens sanktioniert werden.<\/p>\n<p><strong>Die Welt ist zunehmend auf der Flucht\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Millionen Menschen, insbesondere des globalen S\u00fcdens, sind derzeit auf der Flucht vor den Folgen der Klimakrise und vor ihre Existenz zerst\u00f6renden Kriegen. Gleichzeitig versuchen sich die Staaten des globalen Nordens gegen diese Fluchtbewegungen abzuschirmen. Dies geschieht auch bei der Abwehr <a href=\"https:\/\/www.peacemagazine.org\/archive\/index.php?id=3024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">rechtsextremer<\/a> politischer Bewegungen und Parteien, welche die Flucht dieser Menschen abwertend f\u00fcr ihre politische Propaganda ausnutzen. Dennoch sind auch diese Staaten, in denen noch ernsthaft demokratische Ziele verfolgt werden, von der \u00dcbernahme der Regierungen durch rechtsextreme Kr\u00e4fte bedroht. Die Entwicklung in den USA ist hier ein negatives Beispiel, von Russland erst gar nicht zu sprechen.<\/p>\n<p><strong>Trumps &#8218;Friedensrat&#8216; als unseri\u00f6se Konkurrenz zur UNO<\/strong><\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump benutzte das Wirtschaftsforum in Davos im Januar 2026, um einen sogenannten &#8218;Friedensrat&#8216; zu inszenieren. Er holte einige illustre Staatenf\u00fchrer auf das Podium, die neben ihm auf der B\u00fchne sa\u00dfen, w\u00e4hrend er seine Konzeption vortrug. Anschlie\u00dfend wurden sie jeweils zu zweit an einen Tisch auf der B\u00fchne gebeten, um ein Dokument zu unterzeichnen, Shake-Hands mit Trump zu machen und ein paar Sekunden die Welt\u00f6ffentlichkeit zu genie\u00dfen.<br \/>\nDieser sogenannte &#8218;Friedensrat&#8216; hat Trump zum lebenslangen Vorsitzenden gemacht, umrahmt von Mitgliedern seiner Familie und von ihm nahestehenden Mitarbeiter. Selbst wenn er also nicht mehr US-Pr\u00e4sident ist, soll er den Vorsitz in diesem internationalen Gremium behalten. Im Board selbst sitzen dann staatliche Repr\u00e4sentanten anderer L\u00e4nder, die von ihm pers\u00f6nlich eingeladen werden. Er hat bisher Einladungen an 60 Staaten ausgesprochen. Wer l\u00e4ngerfristig Board-Mitglied sein will, muss eine Milliarde US-Dollar an den von Trump geleiteten &#8218;Friedensrat&#8216; zahlen.<br \/>\nHier wird also versucht eine Konkurrenzsituation zu den Vereinten Nationen aufzubauen &#8211; unter der Verf\u00fcgungsgewalt des gegenw\u00e4rtigen US-Pr\u00e4sidenten, dem das V\u00f6lkerrecht bisher kein Anliegen, im Gegenteil ein zu \u00fcberwindendes Hindernis, war.<br \/>\nJeffrey D. Sachs und Sybil Fares (2026) <a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/opinion\/trump-board-of-peace,%2022.1.2026\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fordern<\/a> daher:<br \/>\n&#8222;The so-called \u201cBoard of Peace\u201d being created by President Donald Trump is profoundly degrading to the pursuit of peace and to any nation that would lend it legitimacy. This is a trojan horse to dismantle the United Nations. It should be refused outright by every nation invited to join.&#8220;\u00a0(&#8222;Das sogenannte &#8222;Board of Peace&#8220;, das von Pr\u00e4sident Donald Trump geschaffen wird, ist zutiefst erniedrigend f\u00fcr das Streben nach Frieden und f\u00fcr jede Nation, die ihm Legitimit\u00e4t verleiht. Das ist ein trojanisches Pferd, um die Vereinten Nationen zu zerschlagen. Es sollte von jeder eingeladenen Nation entschieden abgelehnt werden.&#8220;)<\/p>\n<p><strong>Und dennoch: Perspektiven positiver Entwicklungen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>So sieht es derzeit aus. Es w\u00e4re falsch, wegzuschauen oder die Situation zu besch\u00f6nigen.<br \/>\nIn dieser Zusammenschau ist es aber dennoch notwendig, gesellschaftliche Gegenentwicklungen und gelungene Beispiele gesellschaftlicher Organisation zu zeigen.<br \/>\nDas Pendel kann durchaus zur\u00fcckschwingen, wenn die Zivilbev\u00f6lkerung und auch Teile der herrschenden Schichten merken, dass Krieg keine L\u00f6sung globaler Probleme darstellt, sondern nur Existenzen, Menschenleben, finanzielle Ressourcen und zerst\u00f6rte (Mit)Welt kosten.<br \/>\nAuch die von Millionen US-Amerikanern getragenen &#8222;No-Kings&#8220;-Proteste sowie der USA-weite Widerstand gegen die illegalen Verhaftungen und Entf\u00fchrungen der Trump-Miliz ICE sind Ausdruck dieser Gegenbewegungen.<br \/>\nAllein bereits die riesige Friedensdividende, die bei einem Zur\u00fcckfahren der Aufr\u00fcstung und der milit\u00e4risch ausgetragenen Konflikte entsteht, spricht f\u00fcr eine Umkehr in den internationalen Beziehungen zugunsten einer intensivierten multilateralen Verst\u00e4ndigung.<br \/>\nNicht untersch\u00e4tzen sollte man den Einfluss der mit dem politisch-milit\u00e4risch-industriellen Komplex konkurrierenden Teilen der \u00d6konomie, die auf Frieden und den ungest\u00f6rten globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen angewiesen sind. Sie werden versuchen ihren Einfluss geltend zu machen.<br \/>\nAuch werden die aufzubringenden Billionen-Betr\u00e4ge f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ma\u00dfnahmen zur Pr\u00e4vention und zur Eind\u00e4mmung der herannahenden Klimakatastrophe weiten Teilen der Gesellschaften zu denken geben. Wie bereits angesprochen: Wenn die gesellschaftlichen Ressourcen in Kriege investiert werden, sich Staaten hierf\u00fcr verschulden, werden ihnen die Finanzmittel und die gesellschaftliche Energie fehlen, um den von uns Menschen gemachten klimatischen Ver\u00e4nderungen auch nur in Ans\u00e4tzen begegnen zu k\u00f6nnen. Doch die hierdurch ausgel\u00f6sten \u00f6kologischen Probleme werden immer umfassender und werden nat\u00fcrlich immense Kosten erzeugen.<br \/>\nAuch wenn die gr\u00f6\u00dften Fossildealer der Welt ihr Interesse mit milit\u00e4rischen Mitteln durchzusetzen versuchen, ist mittelfristig ihre Zeit abgelaufen. Die auf regenerativer Energieerzeugung beruhende <a href=\"https:\/\/www.irena.org\/News\/pressreleases\/2025\/Oct\/World-Breaks-Renewable-Records-but-Must-Move-Faster-to-Hit-2030-Tripling-Goal-DE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Technikentwicklung<\/a> ist global nicht mehr aufzuhalten.<br \/>\nAuch werden sich Menschen in einer Gesellschaft nicht Jahrzehnte lang Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung gefallen lassen. Sie werden sich wieder organisieren und beginnen, sich gemeinsam auch gegen den staatlichen Druck autorit\u00e4rer Gesellschaften f\u00fcr Ver\u00e4nderungen zu engagieren.<br \/>\nStaaten, die f\u00fcr sich einen demokratischen Anspruch besitzen und weiterhin die Notwendigkeit demokratisierter und gest\u00e4rkter Vereinter Nationen sehen, haben die M\u00f6glichkeit, sich neue B\u00fcndnisse und Kooperationspartner zu suchen. Eine Neuordnung auf der Ebene der internationalen Beziehungen, die durch die wachsende Unzuverl\u00e4ssigkeit der USA mit einem irrlichternden Pr\u00e4sidenten immer notwendiger wird, wird sicherlich bedeuten, dass Staaten des westlichen Lagers verst\u00e4rkt auf einzelne BRICS-Staaten zugehen werden. So hat Kanada soeben ein strategisches Abkommen mit China verabredet, Deutschland wird die Zusammenarbeit mit Indien st\u00e4rken und die EU wird &#8211; auch wenn es hier gerade durch den Einspruch des EU-Parlaments zu Verz\u00f6gerungen kommt &#8211; im Rahmen eines eventuell nachgebesserten Mercosur-Abkommens auf die s\u00fcdamerikanischen Staaten zugehen.<br \/>\nDer kanadische Premierminister Mark Carney <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Nuetzliche-Fiktion-Kanadas-Premier-haelt-der-alten-Ordnung-den-Spiegel-vor-11148607.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">formulierte<\/a> diese positive Perspektive mit seinen Worten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos &#8222;Wir wissen, dass die alte Ordnung nicht zur\u00fcckkommt. Wir sollten ihr nicht nachtrauern. Nostalgie ist keine Strategie. Aber wir glauben, dass wir aus dem Bruch etwas Besseres, St\u00e4rkeres, Gerechteres aufbauen k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nNeben diesen \u00f6konomischen, gesellschaftspolitischen und friedens\u00f6kologischen Perspektiven finden sich weitere durchaus <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Ein-Gegenentwurf-zur-Weltlage-gutes-Zusammenleben-11133818.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">positive Entwicklungen<\/a>, bei denen bereits jetzt Neues ausprobiert, gemeinschaftliche Lebens- und Arbeitsformen entstehen sowie zivilgesellschaftliche Protestbewegungen sich weiterentwickeln.<br \/>\nDies sind einige gewichtige Argumente, warum sich die gegenw\u00e4rtige Destruktion auch wieder in eine konstruktivere Richtung neu ordnend entwickeln und <a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/opinion\/2026-war-authoritarianism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das Pendel zur\u00fcckschwingen kann<\/a>.<br \/>\nEs geht in diesen unruhigen und auch psychisch belastenden Zeiten auch darum, mehr das Positive und bereits Gelungene zu sehen und sich genau analysierend die Geburt des systemisch Neuen im Alten bewusst zu machen. Das Neue hierbei kann nur eine solidarische, kooperative und \u00f6kologisch ausgerichtete <a href=\"https:\/\/www.klaus-moegling.de\/aktuelle-auflage-neuordnung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weltgesellschaft<\/a> sein.<br \/>\nAuch wenn sich derzeit Vieles in die falsche Richtung bewegt, es gibt also auch durchaus Anl\u00e4sse f\u00fcr Hoffnungen und Perspektiven auf positive Entwicklungen. Aber alle, die dies ebenfalls sehen und sich dies w\u00fcnschen, sind darauf angewiesen, ihre Anstrengungen miteinander zu intensivieren und auszuweiten. Eine gesellschaftliche Neuordnung auf den verschiedenen Ebenen gesellschaftlicher Organisation entsteht nur, wenn entsprechende Visionen durchdacht und dann umsetzbar entwickelt, miteinander durchgesetzt und auch gelebt werden.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Klaus Moegling<\/strong>, Prof. Dr. habil., Politikwissenschaftler und Soziologe, er lehrte an verschiedenen Universit\u00e4ten und Institutionen der Lehrerbildung, zuletzt an der Universit\u00e4t Kassel als apl. Professor im Fb Gesellschaftswissenschaften, er engagierte sich in der Friedens- und Umweltbewegung sowie in Bildungsinitiativen (<a href=\"https:\/\/www.klaus-moegling.de\/ueber-mich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Webseite<\/a>). Er ist Autor des im <a href=\"https:\/\/www.klaus-moegling.de\/aktuelle-auflage-neuordnung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">open Access<\/a> ver\u00f6ffentlichten Buches &#8222;Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltig entwickelte Welt ist (noch) m\u00f6glich&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine k\u00fcrzere Fassung ist in der US-amerikanischen Alternativzeitschrift \u201aCommon Dreams\u2018 erschienen:<\/p>\n<p><strong>Common Dreams<\/strong>,<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/opinion\/2026-war-authoritarianism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.commondreams.org\/opinion\/2026-war-authoritarianism<\/a>, 12.1.2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das beginnende Jahr 2026 f\u00e4llt in eine Zeit zunehmender globaler Destruktion. Die weltgesellschaftlichen Institutionen, wie die Vereinten Nationen oder die Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), werden systematisch zerst\u00f6rt. 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