{"id":2670317,"date":"2026-01-24T10:36:01","date_gmt":"2026-01-24T10:36:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=2670317"},"modified":"2026-01-24T10:36:01","modified_gmt":"2026-01-24T10:36:01","slug":"die-souveraenitaet-der-eu-erhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/01\/die-souveraenitaet-der-eu-erhalten\/","title":{"rendered":"\u201eDie Souver\u00e4nit\u00e4t der EU erhalten\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die j\u00fcngsten US-Drohungen, die bis zur Einverleibung Gr\u00f6nlands in die USA Z\u00f6lle auf acht Staaten Europas vorsehen, l\u00f6sen heftige Debatten aus. Experten warnen, unterlasse man eine harte Reaktion, werde die n\u00e4chste US-Erpressung folgen.<\/strong><\/p>\n<p>(Eigener Bericht) \u2013 Die j\u00fcngsten Zolldrohungen von US-Pr\u00e4sident Donald Trump f\u00fchren in Deutschland und der EU zu harten Auseinandersetzungen \u00fcber eine angemessene Reaktion. W\u00e4hrend starke Fraktionen der deutschen Wirtschaft auf entschlossene Gegenma\u00dfnahmen dringen \u2013 etwa auf den Einsatz der \u201eHandels-Bazooka\u201c der EU \u2013, pl\u00e4diert der Vorsitzende der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, f\u00fcr eine \u201ebesonnene Antwort\u201c. Ein einflussreicher deutscher Kommentator legt sogar nahe, man solle einen Verzicht auf Gr\u00f6nland nicht ausschlie\u00dfen. Das Europaparlament wiederum hat bereits eine erste Gegenma\u00dfnahme beschlossen und will den Zolldeal mit den USA auf unbestimmte Zeit nicht ratifizieren. Damit werden die Z\u00f6lle auf US-Exporte in die EU nicht, wie geplant, auf Null gesenkt. W\u00e4hrend Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron die \u201eHandels-Bazooka\u201c einsetzen will, spricht sich Italiens Trump-nahe Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni dagegen aus. Experten warnen, mit einem Verzicht auf eine scharfe Reaktion lade man Trump zum n\u00e4chsten Erpressungsschritt ein. In den USA wird schon \u2013 vorgeblich scherzhaft \u2013 spekuliert, man k\u00f6nne den souver\u00e4nen Staat Island zum 52. US-Bundesstaat machen.<\/p>\n<p><strong>\u201eDa hilft nur noch Druck\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Erheblicher Druck auf Berlin und Br\u00fcssel, entschiedene Gegenma\u00dfnahmen gegen die neu angedrohten US-Z\u00f6lle einzuleiten, kommt aus starken Fraktionen der deutschen Industrie. So erkl\u00e4rte etwa der Pr\u00e4sident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Bertram Kawlath: \u201eEuropa darf sich nicht erpressen lassen\u201c. Die EU-Kommission m\u00fcsse nun pr\u00fcfen, ob sie das sogenannte Anti Coercion Instrument (ACI, \u201eHandels-Bazooka\u201c) einsetzen k\u00f6nne.[1] Gebe die EU nach, dann werde Trump bald \u201edie n\u00e4chste aberwitzige Forderung\u201c stellen. Der deutsche Maschinenbau ist besonders stark von den bisherigen US-Z\u00f6llen betroffen, da viele seiner Exporte den Stahlsonderz\u00f6llen in H\u00f6he von 50 Prozent unterliegen. Doch auch \u00d6konomen und Wirtschaftskommentatoren warnen. Letztlich gehe es im dem gegenw\u00e4rtigen Konflikt darum, \u201eunsere Souver\u00e4nit\u00e4t als politisch eigenst\u00e4ndige europ\u00e4ische Staaten zu erhalten\u201c, urteilt die Vorsitzende des Sachverst\u00e4ndigenrats Wirtschaft, Monika Schnitzer. Deshalb m\u00fcsse man entschlossen reagieren.[2] Gegen die Trump\u2019sche Drohpolitik \u201ehilft nur noch Druck\u201c, hei\u00dft es etwa in einem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.[3] Die Folgen k\u00f6nne man problemlos bew\u00e4ltigen; Experten gingen bei Zusatzz\u00f6llen von zehn Prozent von einem R\u00fcckgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,08 Prozent aus.<\/p>\n<p><strong>\u201eWichtiger als die Arktis\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung legen andere Fraktionen der deutschen Industrie an den Tag, die von EU-Vergeltungsz\u00f6llen auf Einfuhren aus den USA getroffen w\u00fcrden. Dies gilt etwa f\u00fcr die deutsche Kfz-Branche, die manche ihrer Modelle in den USA produziert und sie von dort in die EU liefert. Bundeskanzler Friedrich Merz hat mehrmals berichtet, dies sei bei dem BMW der Fall, den er privat fahre. Die Pr\u00e4sidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard M\u00fcller, sagte am Wochenende, \u201eSchnellsch\u00fcsse\u201c f\u00fchrten \u201ezu einer Eskalation und einer m\u00f6glichen Spirale, die nur Verlierer produziert\u201c.[4] \u00c4hnlich hat sich der Vorsitzende der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn (CDU), ge\u00e4u\u00dfert. Spahn gilt in mancherlei Hinsicht als MAGA-affin; er stand etwa dem ehemaligen (2018 bis 2020) US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, nahe. Spahn dringt auf eine \u201ebesonnene Antwort\u201c [5]: \u201eWir brauchen einander\u201c; \u201edas sollten wir uns in den Gespr\u00e4chen immer wieder deutlich machen.\u201c Der Au\u00dfenpolitikchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Nikolas Busse, deutet sogar eine gewisse Offenheit an, die Zerschlagung D\u00e4nemarks und den damit verbundenen Verzicht auf Gr\u00f6nland nicht anzuprangern: \u201eDie Arktis ist wichtig, aber noch wichtiger f\u00fcr Europas Sicherheit ist die Ostflanke.\u201c[6]<\/p>\n<p><strong>\u201eKonkurrenten, nicht Verb\u00fcndete\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberwiegen in Deutschland die Stimmen, die entschlossene Schritte gegen die Drohungen der Trump-Administration fordern, so zeigt sich auf EU-Ebene ein gemischtes Bild. Mehrere f\u00fchrende Politiker fordern harsche Ma\u00dfnahmen. Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron etwa erkl\u00e4rte bereits am Samstagabend, die Zolldrohungen seien \u201einakzeptabel\u201c: \u201eDie Europ\u00e4er werden auf eine einheitliche und koordinierte Art darauf antworten.\u201c[7] Schlie\u00dflich gehe es letztlich um \u201edie europ\u00e4ische Souver\u00e4nit\u00e4t\u201c. Macron hat inzwischen einen Einsatz der \u201eHandels-Bazooka\u201c zur Abwehr der US-Attacken gefordert. Diametral entgegengesetzte Positionen sind aus Italien zu h\u00f6ren. Dort hat ein einflussreicher Senator der Regierungspartei Lega die US-Zolldrohungen gelobt: Letztlich seien Deutschland und Frankreich, die von den Trump\u2018schen Z\u00f6llen getroffen w\u00fcrden, f\u00fcr Italien \u201eKonkurrenten, nicht Verb\u00fcndete\u201c.[8] Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni, die wie die Lega Trump nahesteht, dringt darauf, \u201eden Dialog wieder aufzunehmen und eine Eskalation zu vermeiden\u201c. \u00c4hnlich positioniert sich Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen. So wird ihr Sprecher mit der Aussage zitiert, \u201ePriorit\u00e4t\u201c habe es, \u201eden Dialog zu suchen und nicht zu eskalieren, und die Verh\u00e4ngung von Z\u00f6llen zu vermeiden\u201c.[9] Zwar werde man \u201edie wirtschaftlichen Interessen der EU \u2026 sch\u00fctzen\u201c. Wie das geschehen solle, das erl\u00e4uterte der Sprecher nicht.<\/p>\n<p><strong>Kein zollfreier Zugang<\/strong><\/p>\n<p>Einen ersten konkreten Schritt hat inzwischen der Vorsitzende der Europ\u00e4ischen Volkspartei (EVP) und der EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), angek\u00fcndigt. Wie Weber mitteilt, habe er bereits \u201egemeinsam mit den anderen Fraktionschefs\u201c entschieden, dass das Parlament die f\u00fcr diese Woche anberaumte Ratifizierung des Zolldeals mit den USA auf unbestimmte Zeit verschieben werde. Damit werde die Trump-Administration auch den darin vorgesehenen \u201ezollfreien Zugang\u201c von US-Industrieprodukten \u201ein den europ\u00e4ischen Binnenmarkt nicht bekommen\u201c.[10] K\u00f6nne man nicht \u201eregelbasiert\u201c kooperieren, ergebe eine \u201eRatifikation keinen Sinn\u201c. Die EU-Botschafter hingegen, die am Sonntagabend in Br\u00fcssel zusammenkamen, um erste Gegenma\u00dfnahmen einzuleiten, einigten sich nicht auf energische Schritte inklusive eines Einsatzes der \u201eHandels-Bazooka\u201c. Sie pl\u00e4dierten stattdessen daf\u00fcr, ein bereits im vergangenen Jahr geschn\u00fcrtes Paket an Vergeltungsz\u00f6llen im Wert von 93 Milliarden Euro, das letztlich nie eingesetzt worden war, erneut zu aktivieren.[11] Man k\u00f6nne es beschlie\u00dfen, falls die Trump-Administration am 1. Februar tats\u00e4chlich Z\u00f6lle in Kraft setze, hie\u00df es. N\u00e4heres werde auf einem EU-Sondergipfel am Donnerstag in Br\u00fcssel entschieden, hei\u00dft es.<\/p>\n<p><strong>Island: \u201e52. US-Bundesstaat\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Weigerung, den Einsatz der \u201eHandels-Bazooka\u201c in Betracht zu ziehen, st\u00f6\u00dft bei Experten auf scharfe Kritik. Gelinge es der EU nicht, \u201esofort eine starke Reaktion zu zeigen\u201c, warnt etwa Tobias Gehrke, ein Experte des European Council on Foreign Relations (ECFR), dann demonstriere sie \u201eWashington einmal mehr, dass die Kosten f\u00fcr die \u00dcbernahme Gr\u00f6nlands begrenzt sind\u201c.[12] Ein fr\u00fcherer hochrangiger EU-Handelsbeamter, Ignacio Garc\u00eda Bercero, wird mit der Einsch\u00e4tzung zitiert, wenn die \u201eHandels-Bazooka\u201c \u201ein einer Situation wie dieser nicht eingesetzt\u201c werde, dann \u201ewird sie niemals eingesetzt werden\u201c. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass sich m\u00f6gliche weitere US-Aggressionen gegen Europa l\u00e4ngst abzeichnen \u2013 jedenfalls f\u00fcr den Fall, dass Washington die Annexion Gr\u00f6nlands gelingt. In der vergangenen Woche \u00e4u\u00dferte der designierte US-Botschafter in Island, der Republikaner Billy Long, die Insel werde k\u00fcnftig der 52. US-Bundesstaat sein, und er werde dort das Amt des Gouverneurs \u00fcbernehmen.[13] Nachdem dies Proteste in Island ausgel\u00f6st hatte, erkl\u00e4rte Long, er habe nur gescherzt und entschuldige sich daf\u00fcr. Allerdings wurde Trumps Ank\u00fcndigung, er wolle Gr\u00f6nland den Vereinigten Staaten eingliedern, zu Beginn auch als ein \u2013 freilich geschmackloser \u2013 Witz eingestuft.<\/p>\n<p><strong>\u201e(Nicht) klein machen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Bundeskanzler Merz schwankt. In der vergangenen Woche hatte er erkl\u00e4rt, die Vereinigten Staaten schauten \u201enicht auf uns, wenn wir uns klein machen, wenn wir uns wegducken\u201c. Die Bundesrepublik m\u00fcsse deshalb eine Position der St\u00e4rke erreichen.[14] Am Montag teilte er nach einer Sitzung des CDU-Bundesvorstands mit, er werde am morgigen Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Trump treffen: \u201eWir sind uns einig, dass wir m\u00f6glichst jede Eskalation in diesem Streit vermeiden wollen\u201c.[15] Auf die US-Zolldrohungen werde man besonnen reagieren. Wie sich das zu seiner Aussage aus der vergangenen Woche verh\u00e4lt, man d\u00fcrfe sich \u201enicht klein machen\u201c, wenn man im Konflikt mit Trump etwas erreichen wolle, erl\u00e4uterte Merz nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] Michelle Wienecke: \u201eEuropa darf sich nicht erpressen lassen!\u201c vdma.eu 18.01.2026.<\/p>\n<p>[2] Hendrik Kafsack, Julia L\u00f6hr, Winand von Petersdorff, Patrick Welter: Ein Erpressungsversuch mit Folgen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.01.2026.<\/p>\n<p>[3] Julia L\u00f6hr: Da hilft nur noch Druck. Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.01.2026.<\/p>\n<p>[4] Wirtschaft fordert klare Antwort Europas auf Trumps Z\u00f6lle. handelsblatt.com 18.01.2026.<\/p>\n<p>[5] Spahn fordert \u201ebesonnene Antwort\u201c auf Trump. spiegel.de 19.01.2026.<\/p>\n<p>[6] Nikolas Busse: Europa scheitert kl\u00e4glich. Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.01.2026.<\/p>\n<p>[7] Groenland : \u00ab\u00a0Les menaces tarifaires sont inacceptables\u00a0\u00bb, r\u00e9agit Macron apr\u00e8s les annonces de Trump. tf1info.fr 17.01.2026.<\/p>\n<p>[8] Italienische Spitzenpolitiker hei\u00dfen Trumps Z\u00f6lle gut. Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.01.2026.<\/p>\n<p>[9] EU verzichtet im Gr\u00f6nland-Streit zun\u00e4chst auf Gegenma\u00dfnahmen. n-tv.de 19.01.2026.<\/p>\n<p>[10] Stefanie Reulmann: Weber k\u00fcndigt harte Gegenma\u00dfnahmen der EU an. zdfheute.de 18.01.2026.<\/p>\n<p>[11], [12] Thomas Moller-Nielsen: Warum die EU ihre \u201eHandelsbazooka\u201c gegen die USA einsetzen sollte \u2013 es aber nicht tun wird. euractiv.de 19.01.2026.<\/p>\n<p>[13] Calen Razor, Mia McCarthy, Benjamin Guggenheim: More floor meltdowns threaten funding bills. politico.com 14.01.2026.<\/p>\n<p>[14] Merz: USA wenden sich \u201evon einer regelbasierten Ordnung\u201c ab. zdfheute.de 16.01.2026.<\/p>\n<p>[15] Merz will noch diese Woche mit Trump \u00fcber Z\u00f6lle sprechen. spiegel.de 19.01.2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngsten US-Drohungen, die bis zur Einverleibung Gr\u00f6nlands in die USA Z\u00f6lle auf acht Staaten Europas vorsehen, l\u00f6sen heftige Debatten aus. 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