{"id":230376,"date":"2015-10-05T17:12:47","date_gmt":"2015-10-05T16:12:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/de\/?p=230376"},"modified":"2015-10-05T17:18:50","modified_gmt":"2015-10-05T16:18:50","slug":"nato-kriege-das-wahre-ziel-ist-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2015\/10\/nato-kriege-das-wahre-ziel-ist-europa\/","title":{"rendered":"NATO Kriege: das wahre Ziel ist Europa"},"content":{"rendered":"<h3>Gleiche Fakten, anders erz\u00e4hlt<\/h3>\n<p>Die B\u00fcrgerkriege rund um Europas Grenzen passieren nicht zuf\u00e4llig, sie wurden absichtlich seit dem Fall der Berliner Mauer angezettelt.<\/p>\n<p>Die einseitige Demontage der bipolaren Welt, wie sie seit 1945 vorherrschte, durch die Sowjetunion, hatte massive strategische Auswirkungen f\u00fcr die USA und Europa&#8230;und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den Rest der Welt.<\/p>\n<p>Die Rechtfertigung der USA, Verteidiger der \u201efreien Welt\u201c zu sein und ihre Politik, den Kommunismus im Zaum halten zu wollen, hatten nun pl\u00f6tzlich keine Grundlage mehr.<\/p>\n<p>Nach der Perestroika trat Russland in eine Phase der Umwandlung, liberalisierte seine Wirtschaft, begann mit der Entwicklung einer neuen Zivilgesellschaft mit neuen politischen Strukturen, befreite seine Kolonien in Asien und Zentraleuropa. Das Land setzte strukturelle Ver\u00e4nderungen in Gang indem es seine M\u00e4rkte \u00f6ffnete und seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigte durch die einseitige Beendigung des kalten Krieges.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie ein Wagen in voller Fahrt, der ein Rad verliert, mussten nun die USA angesichts dieser unerwarteten Ver\u00e4nderungen ihre Position neu \u00fcberdenken. \u201eHmmm, das sieht nicht gut aus\u201c, dachte man in den \u201eDenkfabriken\u201c in Washington, w\u00e4hrend man sich als Gewinner des kalten Krieges proklamierte, aber waren sie wirklich Gewinner oder eher Verlierer? Tats\u00e4chlich waren die f\u00fcnfzig vorangegangenen Jahre gute Jahre f\u00fcr die dominante Macht gewesen.<\/p>\n<p>Die Finanzinstitutionen des Bretton-Woods-Systems erlaubten dem US Dollar, die Welt zu regieren. Keine einzige Finanztransaktion fand statt, ohne dabei nicht in US Dollar umgewandelt zu werden. Niemand au\u00dfer der Federal Reserve wusste genau, wie viele Milliarden von Dollar im internationalen W\u00e4hrungssystem zirkulierten. Die Kosten internationaler Kriege der einzigen wirklichen Macht wurden in Wahrheit vom Rest der Welt finanziert, denn alles, was die Vereinigten Staaten tun mussten, war Geld zu drucken. Mit der Kontrolle des Geldes und den internationalen Finanzinstitutionen, den st\u00e4rksten aller Waffen, den gr\u00f6\u00dften Banken und m\u00e4chtigsten Unternehmen&#8230; wer braucht da noch Kolonien in diesen Zeiten der globalen Banken und Geldautomaten?<\/p>\n<p>Den alten imperialen M\u00e4chten wurde geraten, ihre Kolonien in Asien und Afrika aufzugeben und der neue \u201eSheriff State\u201c repr\u00e4sentierte die Macht des Guten und den Kampf gegen das B\u00f6se in einer Welt, die sich zu globalisieren begann.<\/p>\n<p>Europa leckte seine Wunden und begann seinen Wiederaufbau langsam und stetig, gezwungen, Kapitalg\u00fcter, Finanzen, Waffen und Technologie von dieser gro\u00dfen Macht beziehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Diese \u201eUnterst\u00fctzung\u201c verlangte nat\u00fcrlich politischen Gehorsam und das Zahlen von Abgaben, mit anderen Worten, ein ordentliches Verh\u00e4ltnis zwischen \u201eHerr\u201c und \u201eDiener\u201c.<\/p>\n<p>Das funktioniert \u00fcber Jahrzehnte wirklich bestens. Wenn man die geschichtliche Beschleunigung bedenkt, entsprechen die letzten f\u00fcnfzig Jahre des 20. Jahrhunderts einigen Jahrhunderten in fr\u00fcheren Zeiten.<\/p>\n<p>In nur 50 Jahren wuchs das amerikanische Bruttoinlandsprodukt um 600% und konsolidierte so die Position der USA als die m\u00e4chtigste in der Welt, w\u00e4hrend ihre Unternehmen die Weltwirtschaft beherrschten.<\/p>\n<p>Aber das alte Europa, Wiege der Zivilisation, der nordamerikanischen mit inbegriffen, mit einer fast siebentausend Jahren alten Geschichte, wurde sich schlie\u00dflich dar\u00fcber bewusst, dass es sich nach dem blutigsten aller Kriege vereinigen musste. Das war die Botschaft der Gr\u00fcnderv\u00e4ter der Union und des Vertrages von Rom 1957, aus dem ein Jahr sp\u00e4ter die EWG hervorging.<\/p>\n<p>Das gemeinsame Projekt wuchs \u00fcber die folgenden Jahrzehnte hinweg. Und der Bedarf f\u00fcr eine W\u00e4hrungs- und politische Union sowie territoriale Vergr\u00f6\u00dferungen im Bezug auf alle europ\u00e4ischen Nationen, auch eines Tages Russlands, wurde in den K\u00f6pfen der aktiveren Unterst\u00fctzern dieses Projekts immer klarer.<\/p>\n<p>Mit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands bekam das Erstarken Europas neuen Aufwind.<\/p>\n<p>Heute ist das Bruttoinlandsprodukt Europas etwa 20&#8217;% gr\u00f6\u00dfer als das der USA. Wenn noch die Ukraine, Russland und die ehemaligen Staaten der UdSSR hinzuk\u00e4men, w\u00e4re es sogar um \u00fcber 40% gr\u00f6\u00dfer. Hmmm&#8230; das ist bedenklich!<\/p>\n<p>Dieses gr\u00f6\u00dfere Europa mit einer internationalen W\u00e4hrung, einer politischen und administrativen Struktur, hochentwickelter Technologie, effizienter und billigerer Energie und einer der besten Industrien der Welt, wird nun wieder zu einem Hauptspieler in der neuen internationalen Weltordnung, mit einer Bev\u00f6lkerung von \u00fcber einer halben Milliarde kulturell gebildeter Einwohner&#8230; 800 Millionen, wenn man die ehemalige UdSSR miteinbez\u00f6ge und somit ebenb\u00fcrtig mit China und den USA selbst.<\/p>\n<p>Denn tats\u00e4chlich sind die Menschen diejenigen, die den Wohlstand erschaffen. Alles andere ist nebens\u00e4chlich. Dies ist das bestgeh\u00fctete Geheimnis der Welt. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die M\u00e4rkte, die Manager, die Investoren und dann wiederum die B\u00f6rsen Wohlstand schaffen. Es mag ja bis zu einem gewissen Punkt Wahrheit darin stecken aber wer erschuf zum Beispiel den Wohlstand Chinas, der zweitgr\u00f6\u00dften Wirtschaft heutzutage?<\/p>\n<p>Nicht Darlehen, nicht Manager, nicht M\u00e4rkte und auch nicht Investoren. China war bankrott nach der Vereinigung in 1949. Die Menschen bauten mit ihren eigenen H\u00e4nden die gro\u00dfen D\u00e4mme, die ben\u00f6tigt wurden, um Energie zu erzeugen und das Land zu bestellen. Ja, es waren die Menschen, das chinesische Volk, die mit ihren nackten H\u00e4nden das schufen, was China heute ist. Eine alte Zivilisation mit einer langen Geschichte, ja absolut, aber es waren die Menschen selber.<\/p>\n<p>Es ist unumst\u00f6\u00dflich, das Menschen Wohlstand erschaffen&#8230; und kleine Minderheiten versuchen dann, ihn zu stehlen, ihn in ihren H\u00e4nden zu konzentrieren und zu missbrauchen, um zu beherrschen, um die Mehrheit zu kontrollieren und gleichzeitig zu behaupten, er w\u00e4re der eigene Verdienst.<\/p>\n<p>Und die gleichen Beispiele finden sich auch in den meisten Regionen und Kulturen. Aber wir schweifen vom Thema ab&#8230;<\/p>\n<p>Ist es etwa Zufall, dass nach Ende des kalten Krieges ein G\u00fcrtel von B\u00fcrgerkriegen systematisch von verschiedenen US Regierungen im Mittleren Osten und Nordafrika geschaffen wurde? Kriege zwischen Fraktionen des Islams, die f\u00fcr Jahrhunderte friedlich zusammengelebt hatten? Kriege, deren Absicht es scheint, Anarchie zu schaffen und sie solange wie m\u00f6glich voranzutreiben? Kriege, die mehr auf die Zivilbev\u00f6lkerung und die Einheit einer Nation ausgerichtet zu sein scheinen als auf spezifische milit\u00e4rische Ziele? Diese Kriege wurden durch milit\u00e4rische Interventionen der USA und ihrer Bevollm\u00e4chtigter angezettelt. Man muss kein Genie sein um zu verstehen, dass die Zerst\u00f6rung von H\u00e4usern und Infrastruktur sowie blindes T\u00f6ten von Zivilisten massive Auswanderung hervorbringt und dass die Zerst\u00f6rung von Religion und Kultur extreme Reaktionen, besonders unter den Jungen, zur Folge hat.<\/p>\n<p>Wohin werden die Menschen auswandern, um zu \u00fcberleben und ein besseres und sichereres Leben zu suchen? Auf wen werden die Unzufriedenen ihre Wut und ihren Wunsch nach Rache projizieren? Offensichtlich nicht auf die USA, sondern auf Europa. Europa ist kulturell, historisch und durch seine geographische N\u00e4he eng mit dem Kriegsg\u00fcrtel verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>All das soll dazu dienen, Europa zu destabilisieren und Unsicherheit und Unstimmigkeiten zwischen den europ\u00e4ischen Staaten zu schaffen. Einen Zustand der Panik zu erzeugen, der die europ\u00e4ische Integration und Entwicklung hemmt und der den Vorwand schafft, die NATO zu st\u00e4rken und massive Mittel f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke auszugeben. Auf mindestens 2% des europ\u00e4ischen BIP bel\u00e4uft sich die gew\u00fcnschte Verpflichtung. Wir sprechen von wahrscheinlich 500 Milliarden Euro&#8230;und fragen erst gar nicht, von wem die Waffen gekauft werden sollen! Pr\u00e4sident Obama lie\u00df ein Foto von sich mit den neuesten US Kampfjets und Bomben zirkulieren, als er zum G7 Treffen 2014 nach Europa kam, w\u00e4hrend der Ukraine-Konflikt in vollem Gange war, und mahnte die Europ\u00e4er dazu, mindestens 2% ihres BIP f\u00fcr Verteidigung auszugeben.<\/p>\n<p>Und was ist mit der Ukraine? Und die Beziehungen zwischen Europa und Russland?<\/p>\n<p>War es etwas zur Verteidigung der \u201eDemokratie\u201c, dass ein Staatsstreich mit Neonazis aus anti-russischen Minderheiten in Kiew organisiert wurde, um einen Konflikt mit Russland heraufzubeschw\u00f6ren? Die Rhetorik, die vom Maidan-Platz t\u00f6nte, war ethnisch so derma\u00dfen anti-russisch eingestellt, dass eine Verteidigungsaktion des St\u00fctzpunkts der russischen Flotte im Schwarzen Meer auf der Krim erzwungen wurde, wo die absolute ethnische Mehrheit russisch ist, ebenso in Donbass, wo es \u00e4hnliche russische Mehrheiten gibt.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war ein Krieg am \u00f6stlichen Tor Europas mit darauffolgenden Sanktionen und Embargo, die die Energieimporte nach Europa empfindlich st\u00f6rten. Sanktionen, die Europa, Russland und die Ukraine teuer zu stehen kommen.<\/p>\n<p>Europas Wirtschaft ist in Schwierigkeiten, die Sicherheitslage ist in letzter Zeit \u00e4u\u00dferst angespannt und die massiven Migrationen erzeugen einen derma\u00dfen gro\u00dfen Druck auf Europa, dass ihre Konsequenzen \u00fcber Jahre hinweg zu sp\u00fcren sein k\u00f6nnten, mit enormen Kosten sowohl f\u00fcr die Menschen als auch f\u00fcr die Wirtschaft.<\/p>\n<p>Diese noch nie dagewesene Reihe von Ereignissen kann wohl kaum auf Washingtons Ungeschicklichkeit zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Wie kann der gr\u00f6\u00dften Macht in der Welt, die seit 70 Jahren unbehelligt herrscht, solch irrige Politik f\u00fcr eine so lange Zeit zugeschrieben werden? Es ist im Gegenteil ganz offensichtlich eine absichtliche Strategie, um Europa unterzuordnen und zu bremsen, ausgef\u00fchrt in einer \u00e4u\u00dferst systematischen und skrupellosen Weise und auf Kosten von Millionen von Zivilb\u00fcrgern in der muslimischen Welt.<\/p>\n<p>Diese Strategie ist von solch aggressiver und b\u00f6sartiger Natur mit derma\u00dfen zerst\u00f6rerischen Auswirkungen auf die Menschen und die Wirtschaft, dass sogar die leichtgl\u00e4ubigsten und unentschlossensten unter den Politikern Europas nunmehr eine koh\u00e4rente Position dagegen beziehen sollten.<\/p>\n<ul>\n<li>Die NATO muss alle milit\u00e4rischen Interventionen einstellen. Gespr\u00e4che zwischen Europa, dem Mittleren Osten und den nordafrikanischen Konfliktgebieten unter Beteiligung von Saudi Arabien, Iran, \u00c4gypten und Russland m\u00fcssen initiiert werden.<\/li>\n<li>Das Minsker Abkommen muss unter echter Beteiligung von Deutschland, Frankreich, der ukrainischen Fraktionen und Russland vollst\u00e4ndig umgesetzt werden und das Handelsembargo (mit Ausnahme auf Waffen) und die Sanktionen aufgehoben werden.<\/li>\n<li>Es muss dringend eine gemeinsame Sicherheits- und Einwanderungspolitik vereinbart werden, da sich das Problem weiterhin versch\u00e4rft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Europas F\u00fchrung sollte daher gut nachdenken und sich daran erinnern, dass sie nicht sich selbst, sondern eine halbe Milliarde B\u00fcrger in der Region repr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Englischen von Evelyn Rottengatter<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleiche Fakten, anders erz\u00e4hlt Die B\u00fcrgerkriege rund um Europas Grenzen passieren nicht zuf\u00e4llig, sie wurden absichtlich seit dem Fall der Berliner Mauer angezettelt. 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With a background in law from the University of Chile he joined the starting Humanist Movement founded by Silo, Argentine author and spiritual guide, in 1969. Over the subsequent years he helped developing this current in Peru, Venezuela, Sri Lanka, Australia and the United Kingdom. From 1989, as General Secretary of the Humanist International, he travelled to Zambia establishing high level links with the Kaunda Government as it transitioned to multi-party elections. He worked in close collaboration with the Moscow Humanist Club and the Russian Academy of Science in the times of Perestroika. He was involved in the organisation of the first Humanist Forum in Moscow in 1993. 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