{"id":188845,"date":"2015-05-29T15:38:16","date_gmt":"2015-05-29T14:38:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/?p=188845"},"modified":"2015-05-29T15:38:16","modified_gmt":"2015-05-29T14:38:16","slug":"zionismus-ein-produkt-des-europaischen-antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2015\/05\/zionismus-ein-produkt-des-europaischen-antisemitismus\/","title":{"rendered":"Zionismus ein Produkt des europ\u00e4ischen Antisemitismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Milena Rampoldi von <a href=\"http:\/\/www.promosaik.com\/\">ProMosaik<\/a> interviewt Fritz Edlinger, den Generalsekret\u00e4r der <a href=\"http:\/\/www.saar.at\/\">Gesellschaft f\u00fcr \u00d6sterreichisch-Arabische Beziehungen<\/a> in Wien. Wir haben ihm Fragen \u00fcber seine Organisation, deren Ziele und Grunds\u00e4tze, die Pal\u00e4stinafrage und den Zionismus, sowie allgemeinere Fragen zum Dialog und zum Frieden gestellt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dr. phil. Milena Rampoldi: Welche Hauptziele verfolgt Ihre Organisation und welche Grundprinzipien vertritt sie? <\/strong><\/p>\n<p>Fritz Edlinger: Die \u201eGesellschaft f\u00fcr \u00d6sterreichisch-Arabische Beziehungen\u201c (G\u00d6AB) wurde im Jahr 1982 gegr\u00fcndet und sollte gewisserma\u00dfen eine zivilgesellschaftliche Erg\u00e4nzung zur damaligen Nahost-Politik \u00d6sterreichs darstellen. Bekanntlich f\u00fchrte der \u00f6sterreichische Bundeskanzler der 70er und 80er Jahre, Dr. Bruno Kreisky, eine f\u00fcr damalige europ\u00e4ische Verh\u00e4ltnisse besonders Araber-freundliche Politik. Diese \u00f6ffnete f\u00fchrenden arabischen Pers\u00f6nlichkeiten, an der Spitze Yasser Arafat, den Weg nach Europa, was letztlich zu mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die spezifischen gesellschaftlichen Probleme im Nahen Osten unter den meisten europ\u00e4ischen Regierungen und auch in der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft gef\u00fchrt hat. Das von mir genannte Beispiel ist nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt, da auch f\u00fcr unsere Gesellschaft von Anbeginn an die Unterst\u00fctzung des Pal\u00e4stinensischen Volkes bei seinem Kampf um Selbstbestimmung und Gr\u00fcndung eines unabh\u00e4ngigen Staates im Vordergrund stand. Die Grundprinzipien, die unserer Arbeit zugrunde liegen sind daher Achtung des V\u00f6lkerrechts und der Menschenrechte, Kampf gegen Rassismus jeder Art, insbesondere gegen Antisemitismus und Islamophobie, Beseitigung nach wie vor bestehender imperialistischer und sp\u00e4tkolonialistischer Interventionen im Nahen Osten. In Bezug auf das Pal\u00e4stinensische Volk und dessen seit Jahrzehnten erfolglosen Kampf um Selbstbestimmung haben wir seit der Gr\u00fcndung unserer Gesellschaft \u00fcber die politischen Anliegen des Pal\u00e4stinensischen Volkes hinaus auch immer wiederum konkrete Hilfs- und Entwicklungsprojekte durchgef\u00fchrt bzw. derartige unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><em><strong>Warum sind Events wie \u201eDer Tag des Bodens\u201c oder \u201eGaza \u2013 ein Abend im Zeichen der Solidarit\u00e4t\u201c so wichtig? Wie vermitteln Sie in \u00d6sterreich die Pal\u00e4stinafrage? Berichten Sie unseren Leserinnen und Leser von Ihren Publikationen \u00fcber Pal\u00e4stina. <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Veranstaltungen wie jene zum \u201eTag des Bodens\u201c sind aus einigen Gr\u00fcnden wichtig: Zum Ersten ist es f\u00fcr viele Pal\u00e4stinenserInnen nach Jahrzehnten der Vertreibung aus ihrer Heimat wichtig, zusammen zu kommen und zu demonstrieren, dass sie weiterhin die Ziele ihres Kampfes, die Errichtung eines eigenen Pal\u00e4stinensischen Staates, nicht aus den Augen verlieren. Zum Zweiten bieten derartige \u00f6ffentliche Solidarit\u00e4tsveranstaltungen auch eine geeignete M\u00f6glichkeit f\u00fcr \u00d6sterreicherInnen, ihre Solidarit\u00e4t mit dem Pal\u00e4stinensischen Volk zum Ausdruck zu bringen. Derartige Veranstaltungen bieten nat\u00fcrlich auch eine g\u00fcnstige Gelegenheit,<\/p>\n<p>Geschichte und Kultur des pal\u00e4stinensischen Volkes einer breiteren \u00d6ffentlichkeit bekannt zu machen. Leider sind die Vorstellungen vieler \u00d6sterreicherInnen \u00fcber Pal\u00e4stina angesichts der mangelhaften und teilweise auch einseitigen Berichterstattung l\u00fcckenhaft bis v\u00f6llig falsch. Deswegen ist es unserer Meinung nach auch sehr wichtig, neben konkreten Einzelveranstaltungen auch eine st\u00e4ndige Informations- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Wir publizieren daher laufend schriftliche Informationen, gestalten eine Webseite (www.saar.at) und sind auch auf Facebook pr\u00e4sent. Auch wenn die Erfolge von direkten Schreiben an PolitikerInnen sowie auch von Leserbriefen an Medien nicht immer gro\u00df sind, so halte ich es dennoch f\u00fcr notwendig, dies zu tun. Angesichts der \u00dcbermacht der Israel-Lobby und ihrer vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten zur Beeinflussung der Medien ist dies die einzige M\u00f6glichkeit, das Pal\u00e4stina-Thema immer wiederum in das \u00f6ffentliche Bewusstsein zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>Bei dieser Gelegenheit m\u00f6chte ich auch erw\u00e4hnen, dass ich \u00fcber meine T\u00e4tigkeit in der G\u00d6AB hinaus als Autor und Publizist seit vielen Jahren einschl\u00e4gig ver\u00f6ffentliche. Hier ist zum Einen meine Herausgeberschaft bei der seit 1979 erscheinenden Zeitschrift INTERNATIONAL (www.international.or.at) sowie auch auf die Herausgabe verschiedener \u00fcberwiegend beim Wiener Promedia-Verlag herausgebrachte B\u00fccher zu verweisen. So war beispielsweise meine erste Buchver\u00f6ffentlichung dem Thema Pal\u00e4stina gewidmet (Fritz Edlinger \u2013 Befreiungskampf in Pal\u00e4stina).<\/p>\n<p><em><strong>Was bedeuten f\u00fcr Sie Zionismus und Antizionismus und wie gestalten sie sich heute?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Der Zionismus ist zweifellos ein Produkt des europ\u00e4ischen Antisemitismus und ist in einer gewissen Weise die j\u00fcdische Reaktion auf die immer st\u00e4rker werdenden europ\u00e4ischen Nationalismen im 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine historische Bedeutung und letztendlich auch seine politische Macht hat er allerdings erst durch den Holocaust gewonnen. Ohne die Verbrechen der Nazis und die systematische Ermordung von 6 Millionen Juden w\u00e4re es meiner \u00dcberzeugung nach den Zionisten kaum gelungen, die Internationale Staatengemeinschaft in Form der Vereinten Nationen zur Errichtung eines J\u00fcdischen Staates, wenngleich zun\u00e4chst auch nur in geteilter Form mit den Pal\u00e4stinensern, zu bewegen. Wenn man sich die Aufzeichnungen f\u00fchrender zionistischer Funktion\u00e4re vor Augen f\u00fchrt, so war f\u00fcr die Zionisten aber die Annahme der UN-Teilungsresolution 1947 lediglich ein taktischer erster Schritt. Wie man anhand der aktuellen Politik der israelischen Rechten unschwer erkennen kann, haben sie ihr Endziel der Errichtung eines j\u00fcdischen Staates im gesamten Gebiet der ehemaligen britischen Kolonie Pal\u00e4stina (Eretz Israel) nie aus den Augen verloren. Dies bedeutet nat\u00fcrlich die Vertreibung des Pal\u00e4stinensischen Volkes aus seiner angestammten Heimat. Dieser Prozess ist unmittelbar nach der Gr\u00fcndung des Staates Israel am 14.5. begonnen (Al Nakba) und ist bis heute nicht beendet worden.<\/p>\n<p>Insofern ist es weiter nicht \u00fcberraschend, dass sich mit der Zeit in Europa bzw. in der gesamten Welt eine antizionistische Bewegung gebildet hat, welche einfach die r\u00fccksichtslose Durchsetzung der wahren und endg\u00fcltigen Ziele der Zionisten nicht unwidersprochen hinnehmen wollte. Die Zionisten und deren Freunde in der ganzen Welt versuchen &#8211; wie wir wissen \u2013 den Antizionismus immer wiederum in die Ecke des Antisemitismus zu r\u00fccken, zuletzt sogar mit der Erfindung eines sogenannten neuen<\/p>\n<p>Antisemitismus. Diese Argumentation erweist sich vor allem in Deutschland und \u00d6sterreich als ziemlich erfolgreich, was angesichts der geschichtlichen Ereignisse und der daher vor allem vom politischen und medialen Mainstream in unseren L\u00e4ndern herrschenden \u201epolitical correctness\u201c auch weiter nicht \u00fcberraschend ist. Dennoch sehe auch ich mich als Antizionist absolut nicht als Antisemit und\/oder Rassist. Die in der Geschichte in Europa am J\u00fcdischen Volk ver\u00fcbten Verbrechen halten mich absolut nicht davon ab, das Unrecht und die Verbrechen des Staates Israel gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern und auch anderen arabischen Nachbarn zu kritisieren und zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em><strong>Wie k\u00f6nnen wir uns global f\u00fcr einen langfristigen, gerechten Frieden im Nahen Osten einsetzen? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Indem wir uns einfach von der weltweit recht m\u00e4chtigen Israel-Lobby nicht einsch\u00fcchtern lassen und \u00fcberall vehement f\u00fcr die v\u00f6lkerrechtlichen Anspr\u00fcche des Pal\u00e4stinensischen Volkes und f\u00fcr die Achtung von zahllosen internationalen Resolutionen eintreten. Die Erfahrung zeigt uns leider, dass diese Politik alleine sicherlich nicht zum Ziel f\u00fchren wird. Ich halte daher Kampagnen wie die BDS-Aktion f\u00fcr \u00e4u\u00dferst wichtig. Israel wird \u2013 so wie das auch das s\u00fcdafrikanische Beispiel zeigt \u2013 erst dann zu ernsthaften Verhandlungen mit dem Pal\u00e4stinensischen Volk bereit sein, wenn die Kosten f\u00fcr ihre Besatzungs- und Vertreibungspolitik ein kritisches, d.h. auch f\u00fcr Israel nicht mehr leicht zu tragendes, Ausma\u00df angenommen haben.<\/p>\n<p><em><strong>Wie wichtig ist ihre Organisation als Br\u00fccke zwischen Kulturen und Religionen und welche Strategien eigenen sich am besten, um interkulturell und interreligi\u00f6s mit den arabischen Raum zu arbeiten? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Angesichts des gro\u00dfen Einflusses der Israel-Lobby und der \u00fcbergro\u00dfen Vorsicht des politischen und medialen Mainstreams in Europa ist es wahrlich nicht einfach, den konsequent und aggressiv verfolgten Zielen Israels entgegen zu treten. Meine Erfahrung zeigt also, dass man mit \u201esoft power\u201c mitunter weit mehr erreicht als mit beinharten und aggressiven politischen Kampagnen. Auch unsere Gesellschaft f\u00fchrt daher immer wiederum Kulturveranstaltungen durch, bei welchen man einfach die lange und eindrucksvolle Geschichte und die \u00e4u\u00dferst faszinierende und vielf\u00e4ltige Kultur des Nahen Ostens pr\u00e4sentiert wird. Damit gelingt es regelm\u00e4\u00dfig auch skeptische Menschen zu beeindrucken. Dies ist vor allem auch deswegen von Bedeutung, da in der Schulbildung in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern kaum und wenn dann sehr oft auch nicht korrekt \u00fcber die au\u00dfereurop\u00e4ische Geschichte und die dort entwickelten Kulturen unterrichtet wird. Wir haben dies bereits zu einem Zeitpunkt getan, da die nach dem 11.September losgetretene Welle der Islamophobie bei weitem noch nicht so weit verbreitet war. Die G\u00d6AB versucht also wie viele andere Organisationen sich dieser \u00fcberm\u00e4chtigen Welle der Islamfeindlichkeit sowie des gegen Araber wie auch andere au\u00dfereurop\u00e4ische V\u00f6lker gerichteten Rassismus entgegen zu stellen. Hier ist sicherlich noch viel zu tun, wobei uns die innerarabischen bzw. innerislamischen Entwicklungen der letzten Jahre leider nicht sehr zur Hilfe kommen.<\/p>\n<p><em><strong>Was haben Sie schon erreicht und was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Zukunft? <\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wie bereits betont, so haben wir leider noch viel zu wenig erreicht, was doch auch damit zusammenh\u00e4ngt, dass wir es mit m\u00e4chtigen Gegnern zu tun haben. Und hier meine ich nicht nur die Israel-Lobby sondern auch jene sehr m\u00e4chtigen Lobbys in den westlichen Staaten aber auch im Nahen Osten selbst, welche de facto an einer Ver\u00e4nderung des status quo nicht interessiert sind. Dies bedeutet also konkret, dass sich im Laufe der letzten Jahre unsere Arbeit noch extrem erschwert hat, da wir es nicht nur mit den herk\u00f6mmlichen Gegnern wie Israel und die weltweite Israel-Lobby sondern sehr wohl auch mit Reaktion\u00e4ren und menschenrechtsverachtenden Kr\u00e4ften im Nahen Osten selbst zu tun haben. F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnsche ich mir, dass uns allen nicht der Mut verl\u00e4sst und wir trotz momentan ung\u00fcnstiger Vorzeichen den so wichtigen politischen Kampf f\u00fcr Menschenrechte und Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker fortsetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Milena Rampoldi von ProMosaik interviewt Fritz Edlinger, den Generalsekret\u00e4r der Gesellschaft f\u00fcr \u00d6sterreichisch-Arabische Beziehungen in Wien. 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Insegnante di lingue e traduttrice, da anni si occupa di storia e religione islamica, di questioni politiche ed umanitarie, di femminismo e diritti umani e di storia medio-orientale ed africana. Tra le varie pubblicazioni, soprattutto in lingua tedesca, figurano i testi italiani sui Corsari del Mediterraneo e sul filosofo Ren\u00e9 Gu\u00e9non. E' promotrice dell'Associazione per il dialogo interculturale e interreligioso Promosaik www.promosaik.com\",\"url\":\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/author\/milena-rampoldi\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Zionismus ein Produkt des europ\u00e4ischen Antisemitismus","description":"Dr. Milena Rampoldi von ProMosaik interviewt Fritz Edlinger, den Generalsekret\u00e4r der Gesellschaft f\u00fcr \u00d6sterreichisch-Arabische Beziehungen in Wien. 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Insegnante di lingue e traduttrice, da anni si occupa di storia e religione islamica, di questioni politiche ed umanitarie, di femminismo e diritti umani e di storia medio-orientale ed africana. Tra le varie pubblicazioni, soprattutto in lingua tedesca, figurano i testi italiani sui Corsari del Mediterraneo e sul filosofo Ren\u00e9 Gu\u00e9non. 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