{"id":1830461,"date":"2024-03-11T06:22:25","date_gmt":"2024-03-11T06:22:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1830461"},"modified":"2024-03-11T06:22:25","modified_gmt":"2024-03-11T06:22:25","slug":"von-oekonomischen-und-oekologischen-sachzwaengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2024\/03\/von-oekonomischen-und-oekologischen-sachzwaengen\/","title":{"rendered":"Von \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Sachzw\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Wirtschaft oder das Klima \u2013 wo sind in der kapitalistischen Klimakrise die entscheidenden Sachzw\u00e4nge zu verorten?<\/strong><\/p>\n<p>Es brennt lichterloh an der deutschen Wirtschaftsfront.1 Immer mehr Unternehmen und Konzerne k\u00fcndigen Entlassungen oder Betriebsverlagerungen an, w\u00e4hrend \u00d6konomen und Verb\u00e4nde vor einer \u201eDeindustrialisierung\u201c der Bundesrepublik warnen. Konzerne wie Miele, Continental, Bosch, Volkswagen, BASF oder Bayer sorgten mit ihren entsprechenden Ank\u00fcndigungen bereits f\u00fcr Schlagzeilen, doch handelt es dabei nur um die Spitze des Eisbergs. Einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zufolge sind rund 67 Prozent aller befragten Unternehmen dabei, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, wobei vor allem Schl\u00fcsselbranchen wie Chemie, Maschinenbau und PKW-Produktion betroffen sind.<\/p>\n<p>Das exportorientierte deutsche Wirtschaftsmodell, das auf die Erzielung m\u00f6glichst hoher Export\u00fcbersch\u00fcsse abzielte, zerf\u00e4llt gerade spektakul\u00e4r in der neuen Krisenphase,2 in die das sp\u00e4tkapitalistische Weltsystem eintritt \u2013 und die durch Deglobalisierung, Protektionismus und eine zunehmende Labilit\u00e4t der globalen Produktions- und Lieferketten gepr\u00e4gt ist. Neben anderen Eurostaaten sind derzeit vor allem die USA als Zielland f\u00fcr Betriebsverlagerungen beliebt, wo die Biden-Administration faktisch die protektionistische Politik Trumps fortf\u00fchrt.3<\/p>\n<p>Nicht nur die L\u00f6hne und die Abgaben, auch die Energiekosten seien inzwischen in Deutschland zu hoch, klagte Markus Miele, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter des Miele-Konzerns anl\u00e4sslich der Ank\u00fcndigung von Massenentlassungen in G\u00fctersloh. Mit dieser Klage liegt Herr Miele voll im Trend: Eine deutliche Reduzierung der Energiepreise wird in Umfragen \u2013 neben der Entb\u00fcrokratisierung \u2013 von rund 69 Prozent der Unternehmen als eine sinnvolle Massnahme zur \u201eSt\u00e4rkung der Standortattraktivit\u00e4t\u201c der Bundesrepublik angegeben.<\/p>\n<p>Damit fordert die Wirtschaft faktisch ein Ende der ohnehin halbherzigen Bem\u00fchungen der Ampel-Koalition, die Produktion und Distribution in der Bundesrepublik zu dekarbonisieren und einen gr\u00fcnen, \u00f6kologisch nachhaltigen Kapitalismus aufzubauen. Das geschieht mitunter auch explizit.4 Schon im vergangenen November forderte Arbeitgeberpr\u00e4sident Rainer Dulger die Koalition auf, sich von ihren Klimaschutzzielen zu verabschieden, da die \u201egr\u00fcnen Projekte der Ampel\u201c den Wirtschaftsstandort schw\u00e4chen w\u00fcrden. \u201eWenn die Ampel all das, was sie sich klimapolitisch vorgenommen hat, umsetzt, kann Deutschland international nicht mehr mithalten\u201c, warnte Dulger, der mehr Marktwirtschaft forderte.<\/p>\n<p>Die CDU sekundiert gerne den \u00fcber die \u00f6kologische Regelungswut und hohe Energiepreise klagenden Managern mit entsprechenden Forderungen. Astrid Hamker, Pr\u00e4sidentin des Wirtschaftsrates der CDU, fordert eine Wachstumsagenda f\u00fcr Deutschland, das wegen der \u201ed\u00fcmmsten Energiepolitik der Welt\u201c wieder zum \u201ekranken Mann\u201c Europas zu werden drohe. \u201e\u00d6konomische Gesetze zu ignorieren, heisst den Wunsch vor die Wirklichkeit zu stellen\u201c, warnte Hamker in einem Gastbeitrag f\u00fcr die Wirtschaftswoche.5 Die CDU-Politikerin verweist damit schlicht auf marktvermittelte Sachzw\u00e4nge, die sich aus der kapitalistischen Wirtschaftsweise zwangsl\u00e4ufig ergeben.<\/p>\n<p>Und so ist es nun mal. Der kapitalistische Profitzwang \u2013 die Notwendigkeit, das investierte Kapital m\u00f6glichst hoch zu verwerten \u2013 setzt sich vermittels die Konkurrenz auf dem Markt durch. Wenn deutsche Unternehmen aufgrund der Klimapolitik der Ampel mit h\u00f6heren Kosten konfrontiert sind, dann befinden sie sich auf dem Weltmarkt im Nachteil gegen\u00fcber all jenen Konkurrenten, die nicht durch \u00f6kologische Reformkosten belastet werden. Ganz konkret kommt hierbei eine unbequeme Wahrheit ans Tageslicht, die bislang vor allem in der gr\u00fcnennahen \u00f6kologischen Bewegung weitgehend ignoriert wurde. Der Green New Deal, die Idee des Aufbaus eines neuen \u00f6kologischen Leitsektors der Wirtschaft, bleibt eine Illusion.6 Dieses Reformvorhaben, bei dem eine \u00d6koindustrie den Kapitalismus modernisieren und zugleich die Klimakrise abwenden sollte, bildete das \u00f6kologische Fundament des politischen Aufstiegs der Partei Die Gr\u00fcnen.7<\/p>\n<p>Kapitalismus und Klimaschutz sind aufgrund des fetischistischen Verwertungszwangs8 des Kapitals unvereinbar.9 Die \u201e\u00f6konomischen Gesetze\u201c der kapitalistischen Wirtschaftsweise, von denen die CDU-Politikerin Hamker sprach, n\u00f6tigen die kapitalistischen Gesellschaften zu immer mehr \u201eWirtschaftswachstum\u201c, auch wenn hierdurch die Klimakrise immer weiter versch\u00e4rft wird. Inzwischen wird die Idee eines Green New Deal, der \u00d6kologie und Wirtschaftswachstum vers\u00f6hnen sollte, auch in b\u00fcrgerlichen Medien infrage gestellt. Die Wochenzeitung Die Zeit10 und Spiegel-Online11 thematisierten in Hintergrundberichten und Interviews entsprechende Studien, laut denen die angestrebte binnenkapitalistische Dekarbonisierung eher eine \u00f6konomische Belastung als einen Konjunkturmotor darstelle.<\/p>\n<p>Demnach w\u00fcrde der Klimaschutz hohe Investitionen erfordern, ohne dass hierdurch neue Produktionskapazit\u00e4ten entst\u00fcnden (Das Verh\u00e4ltnis zwischen den notwendigen Investitionen und der tats\u00e4chlichen Verwertung von Lohnarbeit in der \u00d6kobranche ist aufgrund des global erreichten Produktivit\u00e4tsniveaus ung\u00fcnstig).12 Die l\u00e4ngerfristigen Konjunkturprognosen sehen deswegen f\u00fcr die Bundesrepublik weiterhin ein mickriges j\u00e4hrliches Wachstumstempo von gerade mal 0,9 (Deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute) bis 1,1 Prozent (IWF) im Zeitraum bis 2028 vor. Mehr noch: die \u00f6kologische Transformation kommt einem konjunkturellen Bremsklotz gleich, da allein schon das Klimapaket der EU (Fit f\u00fcr 55) die Bundesrepublik rund ein Prozent ihres Wirtschaftswachstums kosten d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Der Autor einer breit angelegten Studie, die sich mit der Wechselwirkung von Klimaschutz und Konjunktur besch\u00e4ftigte, kam gegen\u00fcber Spiegel-Online zu einem ern\u00fcchternden Fazit: \u201eGr\u00fcnes Wachstum ist ein Wunschtraum, von dem wir uns schleunigst verabschieden sollten.\u201c Kein einziges der 36 in der Studie untersuchten L\u00e4nder vermochte es, \u201eseinen CO\u2082-Ausstoss auch nur ann\u00e4hernd schnell genug zu reduzieren und gleichzeitig sein Bruttoinlandsprodukt zu steigern\u201c.<\/p>\n<p>Kapital und Klimaschutz sind aufgrund des Verwertungszwangs des Kapitals unvereinbar. Deswegen ger\u00e4t Klimapolitik in die Defensive, deswegen haben rechte Klimaleugner und Klimabremser gerade Oberwasser. Binnenkapitalistische Klimapolitik funktioniert nicht, sie stellt einen ganz konkreten Konkurrenznachteil dar, der die Wirtschaftskrise des ehemaligen Exportweltmeisters noch versch\u00e4rft. Die fossile Rechte \u2013 von der AfD \u00fcber die FDP bis zur CDU \u2013 hat bei ihren Angriffen auf die Reformpolitik der Gr\u00fcnen schlicht die \u201eGesetze der Wirtschaft\u201c im R\u00fccken. Der BDA und die CDU haben \u2013 ausgehend von den kapitalistischen Sachzw\u00e4ngen \u2013 schlicht recht.<\/p>\n<p>Doch es lassen sich bei der kapitalistischen Klimakrise13 noch ganz andere Sachzw\u00e4nge verorten, die es zumeist nicht mehr in die Schlagzeilen deutscher Angstberichte schaffen. Diese Sachzw\u00e4nge finden sich in den globalen Wind- und Meeresstr\u00f6mungen, in der Wassertemperatur, in der Salzwasserkonzentration des Nordatlantiks und schlicht in der Atmosph\u00e4re. Das vergangene Jahr scheint schon einen wichtigen Schwellenwert \u00fcberschritten zu haben, da die globale Temperatur im Schnitt 1,5 Grad Celsius \u00fcber dem vorindustriellen Referenzwert lag, wobei lokal wie global permanent neue historische Negativrekorde gemessen werden. Dies war auch im Januar 2024 der Fall, der um 1,66 Grad Celsius \u00fcber den Vergleichswerten des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts lag.14<\/p>\n<p>Die Eisschmelze in der Arktis und Antarktis beschleunigt sich immer weiter, sodass ein Anstieg des Meeresspiegels um dutzende Meter wahrscheinlich scheint.15 Die Wassertemperaturen erreichten 2023 absurde Rekordwerte: im Mittelmeer waren es 28,7 Grad,16 im Nordatlantik 25 Grad,17 vor Florida wurden gar 36,1 Grad gemessen.18 Steigende Temperaturen sowie Treibhausgase lassen vermehrt Todeszonen in den Weltmeeren entstehen, in denen Leben nicht mehr m\u00f6glich ist.19 Schon in wenigen Dekaden werden Teile des Planeten aufgrund der rapide ansteigenden Temperaturen schlicht unbewohnbar sein.20<\/p>\n<p>Zugleich stiegen auch 2023 die globalen Emissionen von Treibhausgasen um 1,1 Prozent auf einen neuen historischen H\u00f6chstwert von 36,8 Milliarden Tonnen CO2.21 Die Wirtschaft muss ja wachsen, und dieses Wachstum, das nur volkswirtschaftlicher Ausdruck des Verwertungszwangs des Kapitals ist, produziert Treibhausgase. Die kapitalistische Klimakrise steuert auf das Worst-Case-Szenario zu. Die Gesetze des Marktes, die nicht ignoriert werden d\u00fcrfen, befinden sich auf Crashkurs mit den Gesetzen der Physik, die im gegenw\u00e4rtigen Krisendiskurs der Bundesrepublik unterbelichtet bleiben. Es scheint tats\u00e4chlich so, als ob in der ver\u00f6ffentlichten Meinung den Sachzw\u00e4ngen der Wirtschaft ein gr\u00f6sseres Gewicht beigemessen wird, als den \u00f6kologischen Sachzw\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Der Krisendiskurs in der Bundesrepublik wird von einer impliziten Grundannahme getragen, die vor allem von der Neuen Rechten verfestigt wird: Die Klimakrise wird zuerst den globalen S\u00fcden voll treffen, w\u00e4hrend die n\u00f6rdlichen Zentren des Weltsystems noch eine Gnadenfrist herausschinden k\u00f6nnten. Die ausl\u00e4nderfeindlichen Kampagnen zur totalen Abschottung der Grenzen, die in der Bundesrepublik 2023 erfolgreich die rechte Hegemonie zementierten,22 sind schon von der Antizipation k\u00fcnftiger klimabedingter Fluchtbewegungen motiviert. Der S\u00fcden soll in der Klimakrise verrecken, w\u00e4hrend der Norden sich abschottet \u2013 so das Kalk\u00fcl dieser Kampagnen zur Grenzabschottung.<\/p>\n<p>Nur, die Klimakrise h\u00e4lt sich nicht an die ideologischen Grundannahmen in den n\u00f6rdlichen Zentren des Weltsystems. Der erste grosse klimatische Katastrophenschub k\u00f6nnte gerade das nordwestliche Europa voll treffen, in dem Rechtspopulisten und Extremisten mit Nationalismus, Ausl\u00e4nderhass und Abschottungswahn so grosse Erfolge feiern. Eine j\u00fcngst publizierte Studie hat die Gefahr eines Zusammenbruchs des atlantischen Str\u00f6mungssystems best\u00e4tigt, zu dem auch der Golfstrom geh\u00f6rt, der karibisches Warmwasser bis in den Nordatlantik transportiert \u2013 und Westeuropa sein stabiles, mildes Klima verschafft.23 Ein Kipppunkt, der ein katastrophales pl\u00f6tzliches Aussetzen der Atlantischen Umw\u00e4lzzirkulation ausl\u00f6sen w\u00fcrde, ist Anhang komplexer Klimamodelle eindeutig best\u00e4tigt worden.24 Das Schmelzwasser der Arktis l\u00e4sst den Golfstrom bereits zunehmend schw\u00e4cher werden \u2013 um 15 Prozent seit 1950. Doch ist es den Forschenden nicht m\u00f6glich, den konkreten Zeitpunkt zu prognostizieren.<\/p>\n<p>Es h\u00e4ngt ein klimatisches Damoklesschwert \u00fcber Europa, dessen Rosshaar jederzeit reissen kann. Und keiner kann vorhersagen, wann dieser Kipppunkt \u00fcberschritten werden wird. In einem Jahr? In einer Dekade? In einem Jahrhundert? Es gebe \u201ekeine realistischen Anpassungsmassnahmen\u201c, sollte dieser Kipppunkt \u00fcberschritten werden. Binnen weniger Jahre w\u00fcrde sich das Klima gerade in Nordwesteuropa grundlegend \u00e4ndern: Europa w\u00fcrde austrocknen und viel k\u00e4lter werden, w\u00e4hrend der globale S\u00fcden sich viel schneller erw\u00e4rmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Temperatursturz w\u00fcrde mit einer rasanten Geschwindigkeit von rund drei Grad Celsius pro Jahrzehnt vonstattengehen und eine Ausbreitung arktischen Eises im Winter bis zum \u00c4rmelkanal zur Folge haben (Bislang f\u00fchrte der Klimawandel zu einer durchschnittlichen Erw\u00e4rmung von 0,2 Grad pro Dekade).25 Ein zivilisatorischer Zusammenbruch w\u00e4re wahrscheinlich, da gerade das stabile globale Klimasystem eine Grundvoraussetzung f\u00fcr den Zivilisationsprozess der letzten Jahrtausende bildete.<\/p>\n<p>Somit scheint es eigentlich absurd, angesichts dieser konkreten Bedrohung noch in den Kategorien \u00f6konomischer Sachzw\u00e4nge zu denken, von Konjunkturprognosen, Wachstumsimpulsen, Schuldenbremsen oder Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu faseln. Und dennoch gelten der \u00f6ffentlichen Meinung die \u201eGesetze der Wirtschaft\u201c als ebenso unver\u00e4nderlich wie Naturgesetze. Zum einen ist es der verdinglichte b\u00fcrgerliche Diskurs mit seiner Fokussierung auf abgegrenzte \u201eSachthemen\u201c, der es erm\u00f6glicht, bei Wirtschaftsdebatten die Steigerung des kapitalistischen \u201eWachstums\u201c zu propagieren, das zugleich den Klimakollaps bef\u00f6rdert. Der Wirtschaftsdiskurs muss nur fein s\u00e4uberlich vom Klimadiskurs getrennt werden. Die kapitalistische Klimakrise h\u00e4lt sich aber nicht an diese Gepflogenheiten.<\/p>\n<p>Doch entscheidend f\u00fcr den \u201enaturhaften\u201c Schein kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse ist der Fetischismus des Kapitals, seine gesamtgesellschaftliche, globale Eigenbewegung in all seinen Aggregatzust\u00e4nden (Geld, Ware, Arbeit), die unbewusst durch die Marktsubjekte hervorgebracht wird. Im Kapitalismus sind die Menschen einer \u00fcber den Markt sich konstituierenden Kapitaldynamik hilflos ausgesetzt, die sie selber als Marktsubjekte allt\u00e4glich buchst\u00e4blich erarbeiten. Dies zeigt sich auch an den obigen \u00f6ffentlichen Interventionen des BDA-F\u00fchrungspersonals, die deutlich machen, wieso sich Profitmaximierung gegen Klimaschutz durchsetzen muss. Marktvermittelt setzt sich derjenige Konkurrent auf dem Weltmarkt durch, der sich um \u00d6kologie einen feuchten Dreck schert. Dass die Kapitalisten keine Kontrolle \u00fcber den Kapitalismus haben, machen nicht nur die \u00f6konomischen Krisensch\u00fcbe deutlich, wenn Finanzmarktbeben mal wieder ganze Regionen verheeren, sondern gerade auch die Klimakrise, die ja auch der Wirtschaft die Gesch\u00e4ftsgrundlagen entziehen wird.<\/p>\n<p>Die kapitalistischen Gesetze der Wirtschaft, die Eigendynamik des Kapitals als \u201eautomatisches Subjekt\u201c \u2013 dies alles ist Menschenwerk, es kann folglich ver\u00e4ndert, \u00fcberwunden, in Geschichte \u00fcberf\u00fchrt werden. Doch erfolgt dessen Durchsetzung und Aufrechterhaltung subjektlos \u201ehinter dem R\u00fccken\u201c (Marx) der Produzenten, als marktvermittelter \u201estummer Zwang\u201c der Verh\u00e4ltnisse,26 die selbst dann Profitmaximierung erzwingen, wenn das Klima am Kollabieren ist. Die Gesellschaft, die gesamte Erde mit all ihren Ressourcen, sie bilden f\u00fcr das Kapitalverh\u00e4ltnis nur das Material des endlosen Verwertungsprozesses, bei dem durch Warenproduktion aus Geld mehr Geld gemacht werden muss. Und diese hohle Tautologie, von Marx auf den Begriff des \u201eAutomatischen Subjekts\u201c gebracht, ist blind f\u00fcr alle \u00f6kologischen und sozialen Folgen ihrer Verwertungsbewegung. Die kapitalistische Klimakrise ist keine Verteilungskrise, wie das opportunistische Unwort \u201eKlimagerechtigkeit\u201c nahelegt,27 sie ist eine Systemkrise.<\/p>\n<p>Aus dem Gef\u00fchl der Fremdbestimmung, der Heteronomie, die das Kapital in seinem fetischistischen Verwertungszwang erzeugt, resultiert auch der falsche Schein der \u201eNaturhaftigkeit\u201c des Kapitals und der korrespondierenden \u201eGesetze der Wirtschaft\u201c, auf die sich dessen Apologeten gerne berufen. Die \u00dcberwindung des amoklaufenden Kapitalverh\u00e4ltnisses w\u00e4re somit nur als Aufhebung dieser gesamtgesellschaftlichen Verwertungsbewegung denkbar \u2013 um sie durch die bewusste Verst\u00e4ndigung der Gesellschaft \u00fcber Form und Inhalt der Reproduktion zu ersetzen. Die Zeit des Kapitals ist ohnehin abgelaufen, endloses \u201eWachstum\u201c ist selbstzerst\u00f6rerisch. Es ist nur noch die Frage, ob der zivilisatorische Kollaps, auf den das Kapital zusteuert, im Rahmen einer emanzipatorischen Transformation noch abgewendet werden kann.<\/p>\n<article><\/article>\n<p class=\"author\" style=\"text-align: right;\">Tomasz Konicz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fussnoten<\/strong>:<\/p>\n<p>1 <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/politik_person_der_woche\/Der-naechste-Job-Schock-In-der-Industrie-brennt-es-lichterloh-article24715680.html\">https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/politik_person_der_woche\/Der-naechste-Job-Schock-In-der-Industrie-brennt-es-lichterloh-article24715680.html<\/a><\/p>\n<p>2 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2024\/01\/25\/leerlauf-der-exportdampfwalze\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2024\/01\/25\/leerlauf-der-exportdampfwalze\/<\/a><\/p>\n<p>3 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2023\/08\/26\/bidens-improvisierter-masterplan\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2023\/08\/26\/bidens-improvisierter-masterplan\/<\/a><\/p>\n<p>4 <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/arbeitgeberpraesident-rainer-dulger-stellt-klimaziele-infrage-a-0d4324d2-1630-4f4e-babf-2e4e150e1591\">https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/arbeitgeberpraesident-rainer-dulger-stellt-klimaziele-infrage-a-0d4324d2-1630-4f4e-babf-2e4e150e1591<\/a><\/p>\n<p>5 <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/deutschland\/rezession-deutschland-killt-seinen-wohlstand-wo-bleibt-die-wachstumsagenda-\/29660578.html?utm_content=organisch&amp;utm_term=ne&amp;utm_medium=sm&amp;utm_campaign=standard&amp;utm_source=Facebook#Echobox=1708329045\">https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/deutschland\/rezession-deutschland-killt-seinen-wohlstand-wo-bleibt-die-wachstumsagenda-\/29660578.html?utm_content=organisch&amp;utm_term=ne&amp;utm_medium=sm&amp;utm_campaign=standard&amp;utm_source=Facebook#Echobox=1708329045<\/a><\/p>\n<p>6 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2019\/07\/05\/kann-ein-green-new-deal-den-klimawandel-aufhalten\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2019\/07\/05\/kann-ein-green-new-deal-den-klimawandel-aufhalten\/<\/a><\/p>\n<p>7 <a href=\"https:\/\/www.streifzuege.org\/2011\/die-oekologischen-grenzen-des-kapitals\/\">https:\/\/www.streifzuege.org\/2011\/die-oekologischen-grenzen-des-kapitals\/<\/a><\/p>\n<p>8 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2022\/10\/02\/die-subjektlose-herrschaft-des-kapitals-2\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2022\/10\/02\/die-subjektlose-herrschaft-des-kapitals-2\/<\/a><\/p>\n<p>9 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2022\/01\/14\/die-klimakrise-und-die-aeusseren-grenzen-des-kapitals\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2022\/01\/14\/die-klimakrise-und-die-aeusseren-grenzen-des-kapitals\/<\/a><\/p>\n<p>10 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2023\/20\/klimaschutz-wirtschaftswachstum-energiewende-unternehmen\">https:\/\/www.zeit.de\/2023\/20\/klimaschutz-wirtschaftswachstum-energiewende-unternehmen<\/a><\/p>\n<p>11 <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/klimaschutz-und-wirtschaftswachstum-gruenes-wachstum-ist-ein-wunschtraum-a-b2df7af4-71f4-4107-8184-0e2d6155badd\">https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/klimaschutz-und-wirtschaftswachstum-gruenes-wachstum-ist-ein-wunschtraum-a-b2df7af4-71f4-4107-8184-0e2d6155badd<\/a><\/p>\n<p>12 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2012\/12\/09\/noch-funf-jahre-2\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2012\/12\/09\/noch-funf-jahre-2\/<\/a><\/p>\n<p>13 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2018\/06\/06\/kapital-als-klimakiller\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2018\/06\/06\/kapital-als-klimakiller\/<\/a><\/p>\n<p>14 <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/erderwaermung-lag-erstmals-zwoelf-monate-lang-ueber-1-5-grad-zahlen-von-copernicus-a-61df2697-487b-482a-a21a-3a60d6b2732a\">https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/erderwaermung-lag-erstmals-zwoelf-monate-lang-ueber-1-5-grad-zahlen-von-copernicus-a-61df2697-487b-482a-a21a-3a60d6b2732a<\/a><\/p>\n<p>15 <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/wissen\/antarktis-szenario-koennte-sich-wiederholen-studie-zeigt-erschreckenden-eisverlust-in-der-92826010.html\">https:\/\/www.fr.de\/wissen\/antarktis-szenario-koennte-sich-wiederholen-studie-zeigt-erschreckenden-eisverlust-in-der-92826010.html<\/a><\/p>\n<p>16 <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2023\/07\/26\/rekord-wassertemperatur-im-mittelmeer-liegt-bei-erschreckenden-287-grad\">https:\/\/de.euronews.com\/2023\/07\/26\/rekord-wassertemperatur-im-mittelmeer-liegt-bei-erschreckenden-287-grad<\/a><\/p>\n<p>17 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wissen\/nordatlantik-temperaturen-100.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wissen\/nordatlantik-temperaturen-100.html<\/a><\/p>\n<p>18 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/klima-florida-meer-temperatur-100.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/klima-florida-meer-temperatur-100.html<\/a><\/p>\n<p>19 <a href=\"https:\/\/www.geo.de\/natur\/klimawandel\u2013muell\u2013todeszonen\u2013sind-die-meere-noch-zu-retten\u201331916322.html\">https:\/\/www.geo.de\/natur\/klimawandel\u2013muell\u2013todeszonen\u2013sind-die-meere-noch-zu-retten\u201331916322.html<\/a><\/p>\n<p>20 <a href=\"https:\/\/www.konicz.info\/2022\/06\/21\/hitzetod-in-der-klimakrise\/\">https:\/\/www.konicz.info\/2022\/06\/21\/hitzetod-in-der-klimakrise\/<\/a><\/p>\n<p>21 <a href=\"https:\/\/www.pik-potsdam.de\/de\/aktuelles\/nachrichten\/co2-emissionen-im-jahr-2023-auf-rekordniveau\">https:\/\/www.pik-potsdam.de\/de\/aktuelles\/nachrichten\/co2-emissionen-im-jahr-2023-auf-rekordniveau<\/a><\/p>\n<p>22 <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/debatte\/667\/die-extreme-mitte-9310.html\">https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/debatte\/667\/die-extreme-mitte-9310.html<\/a><\/p>\n<p>23 <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/klimaforschung\/studie-findet-kipppunkt-der-atlantik-stroemunghttps:\/\/www.klimareporter.de\/klimaforschung\/studie-findet-kipppunkt-der-atlantik-stroemung\">https:\/\/www.klimareporter.de\/klimaforschung\/studie-findet-kipppunkt-der-atlantik-stroemunghttps:\/\/www.klimareporter.de\/klimaforschung\/studie-findet-kipppunkt-der-atlantik-stroemung<\/a><\/p>\n<p>24 <a 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