{"id":181788,"date":"2015-04-30T19:35:32","date_gmt":"2015-04-30T18:35:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/?p=181788"},"modified":"2015-05-01T06:56:24","modified_gmt":"2015-05-01T05:56:24","slug":"tanzprojekt-fuer-kinder-in-uganda-um-die-vielfalt-zu-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2015\/04\/tanzprojekt-fuer-kinder-in-uganda-um-die-vielfalt-zu-feiern\/","title":{"rendered":"Tanzprojekt f\u00fcr Kinder in Uganda, um die Vielfalt zu feiern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Arthur Conrad Kisitu<\/strong><\/p>\n<p>Arthur Kisitu ist ein K\u00fcnstler in Uganda, der f\u00fcr einige Zeit in einem Slum in Kampala gelebt hat, Katanga \u2013 Niemandsland. Als Fotograf baute er schnell Beziehungen zu seinen Nachbarn auf, vor allem zu den Kindern, und fing an, ihre Geschichten zu dokumentieren.<\/p>\n<p>2013 kam er nach Berlin f\u00fcr ein Kunstaustauschprojekt zwischen deutschen und ugandischen Kindern, genannt <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pages\/Peace-Matters\/176129945891177\">Peace Matters<\/a>. Zur\u00fcckgekehrt nach Uganda, setzte er seine Arbeit mit den Kindern in Katanga fort, bezog nun aber auch Kinder ein, die auf dem Land lebten, oder in verdr\u00e4ngten Gemeinschaften. Nun hat er mit anderen ein <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/145603845491566\/\">Tanz-Austausch Programm<\/a> zwischen Kindern des Katanga Slums und Kindern der Minorit\u00e4t des Stammes der Batwa Pygm\u00e4en, welche aus ihrem angestammten Gebiet vertrieben worden waren, entwickelt. Pressenza hat ihn \u00fcber die Situation der Kinder und die Idee des Projektes interviewt.<\/p>\n<p><strong>Bitte erz\u00e4hle uns, mit welchen speziellen Schwierigkeiten die Kinder in Katanga und diejenigen des Batwa Stammes zu k\u00e4mpfen haben.<\/strong><\/p>\n<p>Die Batwa Pygm\u00e4en sind eine indigene Gruppe von J\u00e4gern und Sammlern, Waldbewohnern. Seitdem sie in den 90er Jahren aus ihrem Gebiet vertrieben wurden leben sie in Camps und ihnen wird der Zugang zu ihrer Heimat von den Beh\u00f6rden untersagt.<\/p>\n<p>Ihre Geschichte ist eine traurige. Sie stammen aus Bakiga in Kabale. Die Gemeinschaft war gewaltsam aus den W\u00e4ldern von Kisoro und dem Berg Mufumbira vertrieben worden, wo sie als J\u00e4ger und Sammler \u00fcberleben konnten. Sie machen weniger als 1% der Bev\u00f6lkerung um den See Bunyonyi aus, wohin sie von der Regierung umgesiedelt worden waren.<\/p>\n<p>Die Wahrnehmung von ihnen als Menschen zweiter Klasse bestimmt weiterhin ihr Leben. Die Geburten der Batwa werden nicht registriert und sie sind daher ohne legalen Status. Daher haben sie keinen Zugang zu \u00f6ffentlichen Einrichtungen wie der Gesundheitsversorgung. Lange Zeit war es ihnen nicht erlaubt, die H\u00e4user anderer Leute zu betreten. Man sah sie als r\u00fcckst\u00e4ndig, wertlos. In ihren Siedlungen wurden sie zu Touristenattraktionen reduziert. Bis vor kurzem gab es keine Mischehen mit ihnen. Die Batwa, die einst als J\u00e4ger und Sammler abh\u00e4ngig von ihrem Wald waren sind nun meist Gelegenheitsarbeiter.<\/p>\n<p>Sie wollen, dass ihre Rechte anerkannt werden und fordern den gleichen Zugang zu Land, Bildung, und Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p>Die 25 000 Bewohner des Katanga Slums leben ebenfalls in extremer Armut. Die Rate der Schulg\u00e4nger ist niedrig und es gibt nur wenige M\u00f6glichkeiten, aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen.<\/p>\n<p><strong>Warum tanzen? Man k\u00f6nnte denken, es g\u00e4be wichtigere Dinge zu tun f\u00fcr die Kinder, wie zur Schule zu gehen, eine Gesundheitsversorgung zu bekommen\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem ich mehr als vier Jahre im Slum verbracht hatte, fing ich an, die Gedanken vieler verschiedener Bewohner zu sammeln. H\u00e4ufig beschwerten sich die Slumbewohner \u00fcber die ungerechte Pr\u00e4sentation ihrer Geschichte in den Mainstream Medien. Aus diesem Grund fing ich an, die Leute zu interviewen und zu fotografieren.<\/p>\n<p>Ich habe dabei auch gelernt, dass Menschen, selbst die in den d\u00fcstersten Lebensumst\u00e4nden, nicht einfache \u201eNahrungsaufnahmemaschinen\u201c sind, die nur auf das n\u00e4chste Essen warten. Nat\u00fcrlich braucht man Schulen, ein Obdach, Essen zum \u00dcberleben, aber das tr\u00e4gt nicht zu der emotionalen, mentalen und spirituellen Nahrung bei, welche ein ganzes menschliches Wesen ausmacht.<\/p>\n<p>Einer der Aspekte, die normalerweise vernachl\u00e4ssigt werden, wenn man die Lebenssituation von Menschen in extremer Armut untersucht, ist Erholung [Mu\u00dfe, Freizeit, engl.leisure, Anm. d.\u00dcbersetzerin]. In meinem Land sind die Spielpl\u00e4tze, die ich als Kind kennengelernt habe, alle an kommerzielle Investoren weggegeben worden. Kinder tendieren dazu, so wie sie eben sind als Kinder, auf diesen Hunger nach Freizeit auf kreative Art zu antworten, besser als die Erwachsenen, die sich manchmal in selbstzerst\u00f6rerischer Weise einer suchtmachenden Erholung hingeben.<\/p>\n<p>In ihrer Unschuld k\u00f6nnen Kinder uns eine Menge beibringen. Katanga war einer der ersten Slums, welcher seinen Kinderspielplatz verlor, der an dieser Stelle von Kampala geplant war. W\u00e4hrend die meisten Erwachsenen sich Trinkgelagen oder anderen mi\u00dfbr\u00e4uchlichen Arten der Freizeitgestaltung hingeben, haben sich die Kinder eine eher kreative Weise angeeignet, um ihr Bed\u00fcrfnis nach spielen, tanzen und recyclen zu stillen; trotz ihrer sonstigen Herausforderungen.<\/p>\n<p><strong>Was wird passieren, wenn diese beiden an den Rand gedr\u00e4ngten Gemeinschaften sich treffen?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Dokumentation der Katanga Geschichte bin ich manchmal den Kindern vom Slum in Kampala zur\u00fcck in ihre D\u00f6rfer gefolgt, wenn sie f\u00fcr Weihnachten oder kulturelle Feste dorthin gingen. Bei einer Gelegenheit habe ich dabei beobachtet wie Kinder sich darum stritten, welchen Song sie spielen wollten, um dazu zu tanzen. Die aus der Stadt wollten gerne zu moderner Popmusik tanzen, w\u00e4hrend die Dorfkinder traditionelle Volksmusik und \u2013tanz bevorzugten.<\/p>\n<p>Meine Hoffnung ist es, dass wenn die Kinder sich treffen, wir sie dazu ermuntern k\u00f6nnen, sich gegenseitig die verschiedenen Tanzstile beizubringen. Nachdem sie gegenseitig den Tanz gelernt haben, wird unser Team aus professionellen Choreographen die Bewegungen miteinander verbinden zu einer harmonischen Tanzabfolge, welche die Diversit\u00e4t der Kulturen feiert; dort, wo das Traditionelle das St\u00e4dtische trifft.<\/p>\n<p>Wenn Zeit und Ressourcen es erlauben, hoffen wir, dass dieses Programm in Zukunft zu anderen L\u00e4ndern und Kontinenten reisen wird als ein Zeugnis daf\u00fcr, dass Tanzen eine universelle Sprache ist, die Grenzen \u00fcberschreitet.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es zu Deinem Engagement mit den Kindern in Katanga und denen des Batwa Stammes?<\/strong><\/p>\n<p>Katanga, fr\u00fcher ein gr\u00fcner G\u00fcrtel, war einer der wenigen Pl\u00e4tze, die in den ersten Pl\u00e4nen der Stadt Kampala, mit einem Spielplatz ausgestattet werden sollte. Aber als die momentane Regierung an die Macht kam schenkte sie das Land, das f\u00fcr die Kinder bestimmt war, den Kriegsveteranen, die im \u201eBefreiungskrieg\u201c gek\u00e4mpft hatten.<\/p>\n<p>Mit wenig Platz zum Spielen fingen die Kinder, die die Mehrheit der Slumbewohner ausmachen, an, alternative R\u00e4ume zu entwickeln. In ihrer Unschuld wurde Tanzen eines der Spiele, die sie gerne spielten, um die Zeit zu verbringen und ein bi\u00dfchen Vergn\u00fcgen bei all den Mi\u00dflichkeiten zu haben.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund des ersten Katanga-Berlin Kinder-Kunst-Austausches, welchen wir 2013 realisiert haben, nachdem wir von den Erfolgen und Schwierigkeiten gelernt haben, f\u00fchlte ich mich \u00fcberzeugt, dass der kulturelle Dialog, den wir interkontinental erfahren hatten, auch notwendig war, um die Kultur- und Generationenkluft zu \u00fcberbr\u00fccken, welche durch interne Konflikte und gewaltsame Vertreibung zwischen den verschiedenen lokalen Gemeinschaften in Uganda entstanden war.<\/p>\n<p>2014 wurde Tanzen in unser Programm aufgenommen. Ich fing ein kulturelles Austauschprogramm mit Kindern im Katanga Slum und ihren Verwandten in Kabale um den See Bunyonyi herum, an. Der Schwerpunkt liegt nun erstmal darin, auch die Kinder der Batwa Community einzubeziehen, welche von den lokalen Anwohnern in Kabale diskriminiert werden.<\/p>\n<p>Der Ekizino Tanz ist eines der wenigen Dinge, das von beiden, den Bakiga (welche die Mehrheit der Bunyonyi Bev\u00f6lkerung ausmachen) und den Batwa geteilt wird. Es sind die einzigen Momente, in denen die beiden Gemeinschaften sich harmonisch miteinander vereinigen, wenn sie diesen traditionellen Tanz zusammen tanzen.<\/p>\n<p>Die Entfernung zwischen Kabale und Kampala betr\u00e4gt ungef\u00e4hr 8 Stunden Busfahrt. Dann noch eine zweist\u00fcndige Fahrt im Boot auf dem Bunyonyi See, um die Batwa Gemeinschaft zu erreichen, mit der ich arbeite. Streitigkeiten \u00fcber den Besitz von Land, die wegen der Wiederansiedlung existieren, st\u00f6ren weiterhin die Beziehungen der Batwa und der umliegenden D\u00f6rfer.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Streitigkeiten nur einen Aspekt der Herausforderungen darstellen, die existieren, hoffen wir, Musik und Tanz zu nutzen, um die Beziehungen zu reparieren, und den Stolz und den Einbezug der Batwa zu st\u00e4rken. Ich sah ihre gemeinsame Leidenschaft f\u00fcr den Tanz als eine M\u00f6glichkeit, um sie zusammen zu bringen. Es k\u00f6nnte auch zuk\u00fcnftige Zusammenarbeiten anregen, lokal und global.<\/p>\n<p><em>Wenn Du noch mehr \u00fcber das Projekt erfahren m\u00f6chtest, oder es unterst\u00fctzen, dann kontaktiere Arthur Kisitu bitte direkt \u00fcber Email: <em>theportraithome@gmail.com<\/em><\/em><\/p>\n<div class=\"post-gallery\">\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/1395430_10203321225005497_3115310831879904347_n-720x407.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/10424262_10203321227285554_708581256878505732_n-720x406.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/10464414_10203321225125500_5568504640670606100_n-720x410.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/10455643_10203321232085674_7970500251413183359_n-720x407.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/10482245_10203321231885669_3290523834869788785_n-720x407.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t<figure class=\"post-gallery-item\">\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/10410144_10203321228565586_347478406850026499_n-720x407.jpg\" loading=\"lazy\">\n\t\t\t\t<figcaption>\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/figcaption>\n\t\t\t<\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Arthur Conrad Kisitu Arthur Kisitu ist ein K\u00fcnstler in Uganda, der f\u00fcr einige Zeit in einem Slum in Kampala gelebt hat, Katanga \u2013 Niemandsland. 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