{"id":1760219,"date":"2023-08-18T13:13:27","date_gmt":"2023-08-18T12:13:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1760219"},"modified":"2023-08-18T13:13:27","modified_gmt":"2023-08-18T12:13:27","slug":"barbie-dauerwerbesendung-fuer-pinken-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2023\/08\/barbie-dauerwerbesendung-fuer-pinken-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Barbie &#8211; Dauerwerbesendung f\u00fcr pinken Kapitalismus?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachdem der neue Barbiefilm in den Kinos anlief und dabei einen unglaublich erfolgreichen Raketenstart hinlegte, gab es direkt die ersten Kritiken von Konservativen, die sich beschwerten, der Film w\u00fcrde sich gegen M\u00e4nner richten, sei zu woke und w\u00fcrde unchristliche Werte vermitteln.<\/strong><\/p>\n<p>Die positiven Kritiken hingegen versprachen stattdessen ein feministisches Spektakel voller Kritik am Patriarchat, radikalisierend oder gar revolution\u00e4r. Nach diesen zwiegespaltenen Rezensionen wollte sich unsere Autorin Leonie Schmidt selbst \u00fcberzeugen. Hier k\u00f6nnt ihr die vollst\u00e4ndige Kritik lesen.<\/p>\n<h3>Worum geht es?<\/h3>\n<p>In einem Land namens Barbieland lebt die stereotypische Barbie (Margot Robbie) zusammen mit verschiedenen anderen Versionen von Plastikpuppen und ihren Begleitern, den Kens (und Allan (Michael Cera)). Obwohl ihr Leben unter den vielen anderen Barbies und Kens perfekt erscheint, hegt sie eines Tages Selbstzweifel und wird von Angstgef\u00fchlen geplagt, da sie auf einmal Makel bekommt, die sie vorher nicht hatte. Dies f\u00fchrt dazu, dass sie Barbieland verlassen muss, um wieder perfekt zu werden und zusammen mit ihrem Begleiter Ken (Ryan Gosling) in die reale Welt reisen muss. W\u00e4hrend dieser Reise verwandeln sie sich auf magische Weise in echte Menschen und landen in Los Angeles.<\/p>\n<p>Das sexistische Verhalten der Menschen und die Unterschiede zur Welt in Barbieland irritieren Barbie. Gleichzeitig begibt sie sich auf die Suche nach ihrer langj\u00e4hrigen Besitzerin, von der sie glaubt, sie in der frechen Teenagerin Sasha (Ariana Greenblatt) gefunden zu haben. W\u00e4hrenddessen entdeckt Ken w\u00e4hrend eines Spaziergangs durch die Stadt, dass die reale Welt im Gegensatz zu Barbieland von einem Patriarchat dominiert wird. Durch diese Reise ver\u00e4ndert sich so einiges in Barbieland: Ken will dieses Paradies ebenfalls in ein Patriarchat mit Pferden und Mango-Bier verwandeln. Nun geht es darum, Barbieland vor dem Aufstand der Kens zu retten. Die Incel- und Macho-Revolution kann am Schluss durch den Zusammenhalt der Barbies abgewendet werden und die stereotypische Barbie erkennt, dass sie keine Barbie mehr sein m\u00f6chte und darf nun in der echten Welt leben.<\/p>\n<h3>Zu hohe Erwartungen<\/h3>\n<p>Eine feministische Revolution in Hollywood, mit Barbie, dem Symbol der weiblichen Geschlechtsrolle? Zugegebenermassen, das schien mir eigentlich die ganze Zeit f\u00fcr viel zu hoch gegriffen. Aber nachdem ich gesehen hatte, wie alle Menschen, denen ich online so folge, die irgendwie progressiv und teilweise auch antikapitalistisch bis revolution\u00e4r sind, den Film in den Himmel lobten, waren meine Erwartungen sehr hoch. Auch von Greta Gerwig als Filmemacherin h\u00f6rte man bisher nur Gutes, ich hatte zwar bislang nur Lady Bird (Greta Gerwig, 2017 USA) gesehen, aber fand die antisexistischen Untert\u00f6ne und das Portrait der Mutter-Tochter-Beziehung darin sehr gelungen.<\/p>\n<p>Die Besetzung des Barbiefilms ist ausserdem hochkar\u00e4tig und die Pressetour vor dem Filmstart, gab einem das Gef\u00fchl, dass Margot Robbie und Ryan Gosling sich genau mit ihren Rollen und deren tieferen Bedeutungen auseinandergesetzt haben. Auch hatte ich geh\u00f6rt, dass Gerwig und Robbie sich mit einigen Szenen gegen Mattel und Warner Bros durchsetzen, weil sie diese f\u00fcr absolut relevant f\u00fcr die Aussage des Films hielten (zum Beispiel die Szenen mit der alten Frau an der Bushaltestelle, mit der Barbie kurz nach ihrer Ankunft in der echten Welt spricht). Nachdem ich den Film gesehen hatte, dachte ich mir allerdings nur: das war alles?!<\/p>\n<h3>Positive Elemente<\/h3>\n<p>Bevor wir zu den Kritikpunkten kommen, soll es aber erst einmal um die positiven Elemente des Filmes gehen. Rein von der \u00c4sthetik her sind Barbieland und die Barbies und Kens hervorragend umgesetzt. Mit viel Liebe zum Detail wurden Set und Outfits dem ikonischen Spielzeug angepasst und die Bewegungen der Schauspieler:innen haben immer etwas subtil puppenhaftes, ohne vollst\u00e4ndig unnat\u00fcrlich zu wirken.<\/p>\n<p>Der ganze Film ist gespickt mit Humor, um seine Inhalte zu \u00fcbermitteln und die Gags haben Realit\u00e4tsbezug, wirken zwar manchmal etwas \u00fcberspitzt, aber seien wir ehrlich: viele von uns mussten sich schon mal im Detail anh\u00f6ren, was einen staubtrockenen Film so hochinteressant macht, wie die Barbie, welcher Der Pate (Francis Ford Coppola, 1972 USA) gemansplaint wird. Diese geteilte Erfahrung macht das Ganze erst so komisch. Im Allgemeinen ist es tats\u00e4chlich sehr erfrischend, wenn M\u00e4nner einmal so eindimensional, plump und unselbstst\u00e4ndig dargestellt werden, wie es in unz\u00e4hlige Filme mit Frauen immer noch getan wird. Die Reaktion von vielen (konservativen) M\u00e4nnern zeigt, dass sie es scheinbar nicht so toll finden, wie ihnen hier der Spiegel vorgehalten wird.<\/p>\n<p>Auch der Plot hat zumindest eine noble Idee und Grundaussage: Perfektion ist absolut unmenschlich und in der Realit\u00e4t nicht erstrebenswert, was auch f\u00fcr Frauen gilt, die vermeintlich dem Stereotyp entsprechen, und jede Frau jeden Alters ist auf ihre eigene Art und Weise wundersch\u00f6n. Auch die individuelle Erfahrung von Frauen im Patriarchat wird an mehreren Stellen gut gezeigt. Als Barbie und Ken beispielsweise in Los Angeles ankommen und Roller skaten und Barbie sich auf einmal, das erste Mal in ihrem Leben, unwohl f\u00fchlt, weil sie von M\u00e4nnern angegafft wird und Ken, der daneben steht, davon gar nichts mitbekommt und sich pudelwohl f\u00fchlt. Diese Szene f\u00fchrt letztendlich dazu, dass ein Mann Barbie auf den Po schl\u00e4gt, woraufhin sie sich umdreht und ihm einen Faustschlag verpasst. Barbie l\u00e4sst sich also schon einmal nichts gefallen.<\/p>\n<p>Ebenso findet sich eine subtile Polizeikritik, als die Polizisten Barbie nach der Verhaftung mit anz\u00fcglichen Kommentaren \u00fcberh\u00e4ufen, was eigentlich erst der Grund war, weswegen sie zurecht ausgerastet ist und verhaftet wurde. Die Polizei kann also im Kampf gegen das Patriarchat auch nicht helfen. Die Wutrede von Gloria (America Ferrera) zum Thema kognitive Dissonanz f\u00fcr Frauen im Patriarchat, die gleichzeitig alles sein sollen, aber immer zu wenig sind, bringt die allt\u00e4glichen Anforderungen an Frauen auf den Punkt.<\/p>\n<p>Herausgearbeitet wird ausserdem, was bei M\u00e4nnern zumindest auf einer psychologischen Ebene zu Frauenhass f\u00fchren kann: zu wenig Anerkennung und ein fragiles Ego. Wie ersch\u00fctternd das ist, wenn ein eigentlich guter Freund sich auf einmal zu einem M\u00e4nnerrechtsaktivisten und Chauvinist entwickelt, muss Barbie am eigenen Leib erfahren.<\/p>\n<p>Der Film scheut auch nicht vor plakativer Systemkritik zur\u00fcck. Als Ken sich in der realen Welt \u00fcber das Patriarchat und seine Jobm\u00f6glichkeiten informiert, wird ihm gesagt, ganz so einfach, wie er sich das vorstellt, dass er einfach nur ein Job bekommt, weil er ein Mann ist, ist es dann doch wieder nicht. Allerdings wissen die M\u00e4nner es heutzutage einfach nur besser zu verschleiern, dass sie sehr wohl Vorteile haben. Wer schon einmal \u00fcber Gleichberechtigung diskutiert hat, kennt sie, die M\u00e4nner die sagen: \u201eNe, ne wir sind doch alle gleichberechtigt, das Patriarchat gibt es schon lange nicht mehr.\u201c Somit ist es mal ganz erfrischend zu h\u00f6ren, was der CEO zu Ken sagt.<\/p>\n<p>Ebenfalls eine Kritik am Choice Feminismus (alles ist feministisch, solange sich eine Frau bewusst daf\u00fcr entscheidet) findet sich mehrfach. Bereits zu Beginn wird die Grundidee der Barbie-Puppe \u201eDu kannst alles sein was du willst\u201c hinsichtlich der Karriere zwar gelobt, aber es wird von der Erz\u00e4hlerstimme dennoch darauf hingewiesen, dass das Patriarchat selbst mit diesen Karrierem\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen eben nicht einfach abgeschafft wurde. Auch zeigt der Film auf, dass es nicht im Interesse von Frauen ist, sich den M\u00e4nnern zu unterwerfen, auch wenn sie das selber in dem Moment vielleicht anders sehen.<\/p>\n<p>Positiv herauszustellen ist ausserdem, dass Barbies Lebensinhalt nicht M\u00e4nner sind, an Ken hat sie schon einmal gar kein Interesse und auch an niemand anderem. Wie sollte sie auch, ist sie doch eine Puppe so ganz ohne Genitalien. Daher kommen ihr die Anmachversuche in der echten Welt auch einfach sehr seltsam vor. Das zeigt aber vor allem, dass Filme die f\u00fcr eine weibliche Zuschauerinnenschaft gemacht wurden, eben nicht immer nur romantische (Sub)Plots haben m\u00fcssen, um zu funktionieren. Es wirft auch die Frage auf, ob Barbie \u00fcberhaupt hetero ist. Klar wird sie von Mattel eigentlich so dargestellt, aber wenn wir uns mal scharf dran erinnern, wie wir mit Barbies gespielt haben \u2026<\/p>\n<h3>Barbie \u2013 der Film zum Rebranding von Mattel<\/h3>\n<p>Der Sinn dieses Films wird uns eigentlich auf dem Silbertablett serviert: Barbie soll weiterhin ein relevantes Spielzeug sein, auch in einer Zeit, in welcher, zumindest oberfl\u00e4chlich, feministische Diskurse Einzug in die gesamte Gesellschaft erhalten haben. Das kann man sehen an der Teenagerin Sasha, die keinen Bock auf Barbie hat, nat\u00fcrlich einerseits, weil sie schon zu alt ist, aber andererseits auch, weil es komplett uncool ist, zuzugeben, dass man Barbies mag, wenn man sich gleichzeitig f\u00fcr Feminismus interessiert. Am Ende kann sie aber doch noch \u00fcberzeugt werden. Deswegen wird im Film auch die urspr\u00fcngliche Vision von Barbie-Erfinderin Ruth Handler so betont: Barbie sollte eine Alternative zu den Puppen darstellen, mit denen die Mutterrolle normalerweise einge\u00fcbt wurde und durch die anf\u00e4nglichen Editionen, wo es vor allem um Berufe ging, und dass Frauen eben alles sein k\u00f6nnen, was sie m\u00f6chten, mit der weiblichen Geschlechterrolle brechen.<\/p>\n<p>Allerdings verschweigt der Film, dass diese Vision nicht lange anhielt und mit dem Abschied von Ruth Handler von Mattel Lifestyle, Mode, Sport und Tiere in den Interessenfokus von Barbie gerieten. Ausserdem war ein kompletter Bruch mit der weiblichen Geschlechtsrolle sowieso f\u00fcr Barbie niemals vorgesehen: das f\u00e4ngt mit ihrem Aussehen an, welches immer als Sch\u00f6nheitsideal galt. Barbies fr\u00fchere Idealmasse h\u00e4tten bei einem echten Menschen dazu gef\u00fchrt, dass dieser nicht lebensf\u00e4hig ist. Diese wurden zwar mittlerweile \u00fcberarbeitet, um realistischer zu werden, dennoch haben unz\u00e4hlige viele kleine M\u00e4dchen mit Barbie gelernt, dass es total wichtig ist, immer gut gestylt zu sein und regelm\u00e4ssig die neuste Mode zu kaufen. Barbie bereitet sie also auf ein Leben im Patriarchat als Frau und im Kapitalismus als Konsumentin vor. Das mag nicht so offensichtlich auf die Mutterrolle abzielen, aber wenn man sich einmal anschaut, welche Berufe Barbie so aus\u00fcbt, wird auch hier schnell klar, dass Care-Arbeit gerne gesehen wird: eine der ersten Berufe, die Barbie hatte, war Krankenschwester.<\/p>\n<p>Im Film wird immer wieder klar, hier soll etwas verkauft werden: die Barbies und ihre Outfits, die gezeigt werden, existieren gr\u00f6sstenteils alle wirklich. Auch die Szene, in der Ken Barbies Outfits aus dem Dreamhouse wirft, betont das noch einmal \u00fcber deutlich, indem die Namen der Outfits explizit eingeblendet werden. Noch dazu gibt es sehr offensichtliche Product-Placements von Chanel, Birkenstock und Chevrolet.<\/p>\n<p>Mattel will also ein bisschen mit dem Klischee brechen, Barbie sei nur ein anti-feministisches P\u00fcppchen und stattdessen zeigen, dass Barbie immer auch daran gebunden ist, wer mit ihr spielt. So k\u00f6nnen sie sich einerseits aus der Verantwortung ziehen und andererseits den individualistischen Charakter ihrer Produkte betonen. Deswegen ist die feministische Grundhaltung des Films auch alles andere als subtil, was f\u00fcr Greta Gerwig eigentlich sehr ungew\u00f6hnlich ist.<\/p>\n<h3>Misslungene Kritik am Patriarchat<\/h3>\n<p>Das Wort Patriarchat kommt mehrmals im Film vor und mit ihm auch eine v\u00f6llig falsche Kritik daran. So wird an einer Stelle gesagt, dass die Menschen sich das Patriarchat bewusst ausgedacht h\u00e4tten. Als h\u00e4tten sich die M\u00e4nner eines Tages mal an einen Tisch gesetzt und bestimmt, dass es ab heute Patriarchat geben soll, genauso wie die Kens versuchen, das umzusetzen (nur dass sie sich Mango-Bier trinkend an einen Pool statt an einen Tisch setzen). Das ist jedoch nicht korrekt. Das Patriarchat hat sich \u00fcber Jahrtausende entwickelt, zu dem was es heute ist und war keine bewusste Entscheidung, sondern r\u00fchrt aus der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und der Entwicklung der Produktionsmittel her.<\/p>\n<p>In den Urgesellschaften lebten M\u00e4nner und Frauen gleichgestellt, die Arbeitsteilung erfolgte aufgrund von k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten, das heisst auch Frauen gingen jagen, ausser sie waren schwanger, Entscheidungen wurden kollektiv getroffen. Erst eine Produktionsweise, die es erlaubte, mehr zu produzieren als direkt verzerrt werden konnte, sorgte daf\u00fcr, dass es Vorr\u00e4te und somit auch Verwalter der Vorr\u00e4te gab, die von der Arbeit freigestellt werden konnten, was in den meisten F\u00e4llen M\u00e4nner waren. Diese bekamen auch Vorrechte bez\u00fcglich des Zugriffs auf die Vorr\u00e4te, welche sich in manchen F\u00e4llen weitervererben liessen. Dadurch wurden die Frauen immer mehr in die Reproduktionsarbeit (Ern\u00e4hrung, Haushalt, Erziehung, Pflege) gedr\u00e4ngt und um die Erblinie der Vorteile und des Eigentums zu sichern, entwickelte sich das ganze patrilinear und monogam (zumindest f\u00fcr Frauen).<\/p>\n<p>Die Frauenunterdr\u00fcckung entwickelte sich \u00fcber die Klassengesellschaften immer weiter, somit darf die Frauenunterdr\u00fcckung von den Klassengesellschaften auch nicht abgetrennt gesehen werden. Das passiert aber in diesem Film. Klar, wie soll es auch in einem Werbefilm f\u00fcr pinken Kapitalismus auf einmal antikapitalistisch werden? Mehr als Aufregung \u00fcber die Symptome des Patriarchats und Kritik an Unternehmensvorst\u00e4nden, weil sie keine Frauen haben, gibt es also hier nicht. Schon gar keinen Ansatz daf\u00fcr, wie das Patriarchat \u00fcberwunden werden kann. Wie auch, wenn es sich angeblich nur um eine abstrakte Idee handelt. Noch dazu wird das Patriarchat als f\u00fcr alle Frauen gleich dargestellt. Aber in Wirklichkeit gibt es gravierende Unterschiede.<\/p>\n<p>Gerade Frauen der herrschenden Klasse haben es sehr einfach, sich aus ihrer Rolle der Reproduktionsarbeit frei zu kaufen durch Kinderm\u00e4dchen und Leihm\u00fctter, in Unternehmen beuten sie als CEOs selber andere Frauen aus, zur Not k\u00f6nnen sie f\u00fcr eine Abtreibung mal eben in ein anderes Land jetten, w\u00e4hrend die Frauen der Arbeiter:innenklasse doppelt ausgebeutet werden, einmal in der Produktion und einmal in der Reproduktion und ihre reproduktiven Rechte massiv eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>Des Weiteren k\u00f6nnen auch andere Unterdr\u00fcckungsmechanismen wie Rassismus oder Ableismus die sexistische Unterdr\u00fcckung begleiten und auf diese einwirken, was nat\u00fcrlich mit der stereotypischen Barbie in der Hauptrolle unm\u00f6glich aufzuzeigen ist. Nat\u00fcrlich gibt es Repr\u00e4sentation von diesen Frauen im Film und das ist auch positiv herauszustellen, da Repr\u00e4sentation f\u00fcr gesellschaftlich Unterdr\u00fcckte einen positiven Einfluss hat, aber der Dreh- und Angelpunkt bleibt die weisse Blondhaarige. Die trans Frau Hari Nef spielt Dr. Barbie, aber Dr. Barbie bleibt genauso eine Nebenrolle wie viele WOC im Film, wenngleich diese ebenso beeindruckende Jobs haben (wie zum Beispiel Pr\u00e4sidentin-Barbie (Issa Rae)).<\/p>\n<p>Im Film wird uns ausserdem vermittelt, dass das Problem die M\u00e4nner an sich sind und nicht die Klassengesellschaft, was auch daran zu sehen ist, dass in Barbieland das Matriarchat f\u00fcr Frieden und florierenden Wohlstand sorgt, w\u00e4hrend das beim Versuch des Patriarchats nicht der Fall ist.<\/p>\n<h3>Die L\u00f6sung: Selbstakzeptanz?<\/h3>\n<p>W\u00fcrde man das Ende wohlwollend interpretieren, k\u00f6nnte man sagen: \u201eSuper, Barbie hat es geschafft sich aus ihrer Rolle zu befreien, indem sie anerkannt hat, dass sie ihr nicht mehr entsprechen kann und will und kann jetzt selber herausfinden, wer sie wirklich ist, in dem sie als Mensch in der realen Welt leben darf.\u201c Und auch Ken braucht einfach nur Selbstfindung und Selbstakzeptanz um kein Chauvi mehr zu sein.<\/p>\n<p>Aber die Geschlechterrollen k\u00f6nnen innerhalb des Patriarchats und des Kapitalismus gar nicht abgesch\u00fcttelt werden, denn sie pr\u00e4gen uns Tag ein, Tag aus, auch wenn sie ab und zu im neuen Gewand daherkommen. Das Sein beeinflusst das Bewusstsein, wie Karl Marx schon sagte. Somit ist die einzige M\u00f6glichkeit sich den Geschlechterrollen dauerhaft zu entziehen, die Klassengesellschaft zu zerschlagen, da die Produktionsverh\u00e4ltnisse die materielle Grundlage f\u00fcr diese sind. Sicherlich kann die Akzeptanz, dass man diesen Rollen niemals entsprechen wird, es einem zeitweise etwas angenehmer machen. Und M\u00e4nner k\u00f6nnen ihre toxische M\u00e4nnlichkeit reflektieren und sich bem\u00fchen, Frauen besser zu behandeln. Aber es ist doch eine zutiefst individualistische L\u00f6sung, die die Zuschauer:innen eher hilflos zur\u00fcckl\u00e4sst. Das widerspricht noch dazu der urspr\u00fcnglichen Kritik am Choice Feminismus, mit welcher der Film eigentlich \u00fcberzogen war.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Der Film macht zwar Spass, aber das Gef\u00fchl, dass es sich hierbei um einen Werbefilm f\u00fcr einen pinken Kapitalismus und eine Umdeutung von Barbie handelt, bleibt leider bestehen. Es muss zwar nicht jeder Film eine L\u00f6sung pr\u00e4sentieren, aber wenn er es schon tut, dann sollte diese nicht so unglaublich uneffektiv sein. Auch die letzte Szene wirft noch einmal Fragezeichen auf. Barbie, als Mensch in der realen Welt, hat einen Termin. Was wird es sein, vielleicht ein Vorstellungsgespr\u00e4ch oder ein Date? Nein, sie geht zum Gyn\u00e4kologen. Dass sie sich so sehr dar\u00fcber freut, ist vielleicht nachvollziehbar, in Anbetracht der Tatsache, dass sie vorher keine Genitalien hatte und die Reproduktion der Art sicherlich ein relevanter Teil des Menschseins ist. Aber f\u00fcr mich hat es sich so angef\u00fchlt, als ob Barbies Erfahrung als Frau jetzt wieder nur auf ihre Reproduktionsf\u00e4higkeit reduziert w\u00fcrde und sie somit auch wieder in eine Mutterrolle gepresst werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der Film hat vielversprechende Ans\u00e4tze, aber mit Mattel und Warner Bros im Boot ist es wohl unm\u00f6glich, einen antisexistischen und antikapitalistischen Film zu drehen, der Barbie zu einer Revolution\u00e4rin macht (auch wenn die komische Barbie (Kate McKinnon) in ihrem komischen Haus zumindest schon mal das richtige Outfit f\u00fcr diesen Plot gehabt h\u00e4tte).<\/p>\n<p><em>Leonie Schmidt<\/em><br \/>\n<em>arbeiterinnenmacht.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem der neue Barbiefilm in den Kinos anlief und dabei einen unglaublich erfolgreichen Raketenstart hinlegte, gab es direkt die ersten Kritiken von Konservativen, die sich beschwerten, der Film w\u00fcrde sich gegen M\u00e4nner richten, sei zu woke und w\u00fcrde unchristliche Werte&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1556,"featured_media":1760221,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[54510,9156,9152],"tags":[115395,48705,94013,115394,26462,29053,16495],"class_list":["post-1760219","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gender-und-feminismen","category-kultur-und-medien","category-nordamerika","tag-barbie-de","tag-filmrezension","tag-geschlechterrollen","tag-greta-gerwig","tag-kapitalismus","tag-patriarchat","tag-rezension"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.1.1 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Barbie - Dauerwerbesendung f\u00fcr pinken Kapitalismus?<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Nachdem der neue Barbiefilm in den Kinos anlief und dabei einen unglaublich erfolgreichen Raketenstart hinlegte, gab es direkt die ersten Kritiken von\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2023\/08\/barbie-dauerwerbesendung-fuer-pinken-kapitalismus\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Barbie - Dauerwerbesendung f\u00fcr pinken Kapitalismus?\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Nachdem der neue Barbiefilm in den Kinos anlief und dabei einen unglaublich erfolgreichen Raketenstart hinlegte, gab es direkt die ersten Kritiken von\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2023\/08\/barbie-dauerwerbesendung-fuer-pinken-kapitalismus\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Pressenza\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/PressenzaItalia\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2023-08-18T12:13:27+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Barbie_Movie_Reception_-_53054697436.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"1024\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"683\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Untergrund-Bl\u00e4ttle\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@PressenzaIPA\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@PressenzaIPA\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Untergrund-Bl\u00e4ttle\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"15\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2023\/08\/barbie-dauerwerbesendung-fuer-pinken-kapitalismus\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2023\/08\/barbie-dauerwerbesendung-fuer-pinken-kapitalismus\/\"},\"author\":{\"name\":\"Untergrund-Bl\u00e4ttle\",\"@id\":\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/#\/schema\/person\/2f658a32898ebfae2d314f2b5551df5e\"},\"headline\":\"Barbie &#8211; 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