{"id":1733536,"date":"2023-04-18T06:29:57","date_gmt":"2023-04-18T05:29:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1733536"},"modified":"2023-04-18T06:29:57","modified_gmt":"2023-04-18T05:29:57","slug":"krieg-beenden-statt-panzer-senden-wie-ein-schweizer-historiker-die-redefreiheit-auf-den-pruefstand-stellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2023\/04\/krieg-beenden-statt-panzer-senden-wie-ein-schweizer-historiker-die-redefreiheit-auf-den-pruefstand-stellt\/","title":{"rendered":"Krieg beenden statt Panzer senden. Wie ein Schweizer Historiker die Redefreiheit auf den Pr\u00fcfstand stellt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie wirken Politik und Medien zusammen? Wie geht Meinungsfreiheit? Und was geschieht, wenn wir nicht mehr frei sprechen d\u00fcrfen? Wenn wir Auftritte absagen und verhindern, weil die Inhalte nicht dem aktuellen Regierungskurs entsprechen, was steht dann auf dem Spiel? Ein Blick auf die aktuelle Vortragsreihe des Historikers Daniele Ganser zum Ukrainekrieg und ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die freie Rede.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Angela Mahr<\/em><\/p>\n<p>Demokratie und freie Rede geh\u00f6ren zusammen. Schon die Philosophen des antiken Griechenlands und ihre Zuh\u00f6rer wussten die Redefreiheit zu sch\u00e4tzen. Die Qualit\u00e4t der freien Rede und die Bedeutung eines freien Diskurses gehen weit \u00fcber die reine Wissensvermittlung oder die Frage nach unterdr\u00fccktem Wissen auf der anderen Seite hinaus. In unserer aufgekl\u00e4rten modernen Welt ist das alles nat\u00fcrlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Oder etwa nicht?<\/p>\n<p><strong>Ausverkaufte S\u00e4le, aber Druck vom B\u00fcrgermeister<\/strong><\/p>\n<p>Am 27. M\u00e4rz 2023 hielt der Schweizer Historiker Daniele Ganser in Dortmund einen Vortrag zum Thema: Warum ist der Ukraine-Krieg ausgebrochen? Die 2000 Pl\u00e4tze der Westfalenhalle waren bereits ausverkauft, als die lokalen Gr\u00fcnen-Politiker in Dortmund mit Unterst\u00fctzung der SPD, der CDU und einigen Medien Druck auf die Westfalenhalle GmbH im Vorfeld aus\u00fcbten. Oberb\u00fcrgermeister Thomas Westphal versuchte, den Vortrag zu verhindern. Die Westfalenhalle k\u00fcndigte am 3. Februar 2023 den g\u00fcltigen Mietvertrag. Der Veranstalter von Daniele Ganser ging mit juristischen Mitteln gegen die K\u00fcndigung des Mietvertrags vor und klagten auf vertragsgem\u00e4sse Durchf\u00fchrung des Vortrags. Das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen entschied am 8. M\u00e4rz, dass der Vortag stattfinden darf. B\u00fcrgermeister Westphal wollte das nicht akzeptieren und zog zur n\u00e4chsten Instanz: Er legte dort im Namen der Stadt Dortmund Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen ein. Das Oberverwaltungsgericht in M\u00fcnster wies den Versuch Westphals, den Vortrag zu verhindern, am 23. M\u00e4rz 2023 in letzter Instanz zur\u00fcck. Die Begr\u00fcndung des Gerichts lautete: \u00abDass eine Gefahr strafbarer \u00c4usserungen des Vortragenden besteht, ist dem Vorbringen der Stadt nicht zu entnehmen und auch sonst nicht ersichtlich\u00bb. Damit wurde der Cancel Culture im letzten Moment ein Riegel vorgeschoben. Die Gerichtskosten werden \u00fcber Steuern beglichen, nicht durch den B\u00fcrgermeister. (<em>Quellen: Webseite Daniele Ganser,\u00a0<a href=\"https:\/\/kontrafunk.radio\/\/de\/sendung-nachhoeren\/talkshow\/philosophieren\/philosophieren-11-kaempfen\">kontrafunk.radio\/\/de\/sendung-nachhoeren\/talkshow\/philosophieren\/philosophieren-11-kaempfen<\/a>\u00a0ab min. 35:00 und\u00a0<a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/ruhrgebiet\/aerger-auftritt-daniele-ganser-dortmund-100.html\">www1.wdr.de\/nachrichten\/ruhrgebiet\/aerger-auftritt-daniele-ganser-dortmund-100.html<\/a><\/em>\u00a0)<\/p>\n<p><strong>Das Problem gab es nicht zum ersten Mal.<\/strong>\u00a0Im Januar 2023 konnte Daniele Ganser seinen Vortrag nicht im Kongresshaus in Innsbruck halten und verlegte ihn in das 24 Kilometer entfernt gelegene Magic Castle in Seefeld. Immer wieder mussten neue Hallen gefunden werden, weil die \u00f6rtlichen B\u00fcrgermeister dem politischen Druck nicht standhielten und sich der Cancel Culture beugten.(<a href=\"https:\/\/kontrafunk.radio\/\/de\/sendung-nachhoeren\/talkshow\/philosophieren\/philosophieren-11-kaempfen\">kontrafunk.radio\/\/de\/sendung-nachhoeren\/talkshow\/philosophieren\/philosophieren-11-kaempfen<\/a>\u00a0ab min. 35:00)<\/p>\n<p><strong>Ganz offensichtlich ist unsere Redefreiheit derzeit unter Beschuss.<\/strong>\u00a0Nur vor diesem Hintergrund l\u00e4sst sich auch die Flut an inhaltslosen Hetzbeitr\u00e4gen gegen Daniele Ganser und seine aktuelle Vortragsreihe \u00fcberhaupt erkl\u00e4ren, denn ohne eine zeitgleiche, massive Diffamierungskampagne in den Medien h\u00e4tte die Politik nie den Versuch gewagt, derart in die Redefreiheit einzugreifen, wie es etwa in Bezug auf Daniele Gansers Vortrag in der Westfalenhalle der Fall war. Rein stilistische Methoden der subtilen Abwertung wirken zusammen mit haltlosen Behauptungen und glatten L\u00fcgen. Im Ergebnis handelt es sich um Rufmord. In Erinnerung an DDR-Zeiten ausgedr\u00fcckt, enth\u00e4lt das Vorgehen Strategien der Zersetzung.<\/p>\n<p><strong>Geb\u00fchrenfinanzierte Hexenjagd<\/strong><\/p>\n<p>Der Beitrag \u00abWie gef\u00e4hrlich ist der Schweizer Historiker Daniele Ganser?\u00bb des NDR vom 9. M\u00e4rz 2023 ist knapp f\u00fcnfeinhalb Minuten lang. 40 Sekunden lang \u201al\u00e4sst\u2018 der NDR Ganser selbst zu Wort kommen, davon 27 Sekunden aus seinem Vortrag und 13 Sekunden Archivmaterial aus einem anderen Kontext. 20 Sekunden lang sprechen Zuschauer \u00fcber seine Vortr\u00e4ge. Die verbleibenden vier Minuten und 23 Sekunden sprechen die Kommentatorin, eine Reporterin und drei verschiedene \u201aExperten\u2018 zusammenhanglos dar\u00fcber, warum Daniele Ganser gef\u00e4hrlich sei und ein schrecklicher Mensch. Man kann die diffamierende Methodik des Beitrags weiter analysieren, Benedikt Zeitner hat\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/w2-Qt3Z4jKw\">das treffend getan<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Der NDR-Beitrag wurde im Studio und an drei weiteren Drehorten aufgezeichnet.\u00a0<\/strong>Insgesamt wurden f\u00fcnf verschiedene Fernsehgesichter \u2013 Journalisten und Experten \u2013 besch\u00e4ftigt, und all das wurde von unseren Rundfunkgeb\u00fchren finanziert. Im Vortrag war der NDR offensichtlich nicht, denn hierf\u00fcr nutzt er das Archivmaterial von RTV aus YouTube.<\/p>\n<p><strong>Besonders frappierend f\u00fcr den ahnungslosen Zuschauer<\/strong>\u00a0ist die gelogene Aussage des bereits dritten Interviewpartners im NDR-Beitrag, der hinzugerufen wurde, um zu diffamieren.<\/p>\n<p><strong>\u00abIch glaube, es tut weh zu sehen,\u00a0<\/strong>dass w\u00e4hrend ein Angriffskrieg auf, ja, meine Heimat stattfindet, (&#8230;) in Hannover tausende Leute dann zu Gast kommen, sich anzuschauen, wie jemand dann erz\u00e4hlt, dass die ja alles nur Agenten aus dem Ausland seien und alles nur inszeniert sei, \u00e4h was nat\u00fcrlich alles Quatsch ist, und auch grunds\u00e4tzlich dass sehr viel Antisemitismus nat\u00fcrlich in seinen Vortr\u00e4gen auch vorkommt. Verschw\u00f6rungstheorien, &#8211; erz\u00e4hlungen sind immer strukturell antisemitisch, und im Zweifel auch ganz direkt antisemitisch,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/hallo-niedersachsen\/wie-gefaehrlich-ist-der-schweizer-historiker-daniele-ganser\/ndr\/Y3JpZDovL25kci5kZS8wMmIwYTdlYy0xMTEzLTQ3ZGUtOTgzZC01YjQ3ZDg3Mjg5ZjU\">und dass er soviel Publikum hier findet, genau.\u00bb<\/a><\/p>\n<p><strong>Keine dieser Aussagen trifft auf Daniele Ganser\u00a0<\/strong>und seine Arbeit zu. Die Darstellung des Kriegs entspricht nicht der in seinem Vortrag. Die Aussage \u00fcber \u00abVerschw\u00f6rungstheorien\u00bb nutzt einen nicht definierbaren Kampfbegriff, dessen Ursprung und Funktionsweise ich in meinem Artikel \u00ab<a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/der-medien-dschungel\">Der Mediendschungel\u00bb<\/a>\u00a0bereits erkl\u00e4rt habe. Die Verquickung mit Antisemitismus ist ohne Realit\u00e4tsbezug und dient einzig der Diffamierung.<\/p>\n<p><strong>Wer dann weitere Hetzartikel und Gegendarstellungen studiert,\u00a0<\/strong>findet irgendwann einen Verweis auf eine Aussage Gansers in der Internetdoku Pandamned, ein Kurzinterview mit dem Filmemacher auf einem Bahnhof. Wer m\u00f6chte, findet es im Film auf\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/Utv-TYMGKWk?t=5040\">YouTube, ab Minute 1:24:00.<\/a>\u00a0Der Historiker beschreibt darin verschiedene Szenarien von Hass und von Spaltung, ruft aber nicht dazu auf, sondern warnt davor. Vielleicht entstand das Statement mit einem gewissen Zeitdruck und w\u00e4re mit etwas mehr Ruhe dann auch strukturierter ausgefallen. Vielleicht muss es aber in unserer Welt auch einfach m\u00f6glich bleiben, einen Satz zu sagen, den man nicht vorher auswendig gelernt hat. Eine antisemitische Aussage jedenfalls kann man auch mit der b\u00f6swilligsten Absicht nicht nachvollziehbar hineindichten. Es bleibt bei einer leeren Behauptung.<\/p>\n<p><strong>Das Vorgehen gegen Daniele Ganser\u00a0<\/strong>kann auch als eine Form von institutioneller Diskriminierung bezeichnet werden. Es ist eine Methode, die seit drei Jahren leider geh\u00e4uft eingesetzt wird. \u00abNormopathen finden das normal\u00bb, beschreibt der Journalist Anselm Lenz die Stimmung, in der sich diese moderne Hexenjagd abspielt. Die Menschen haben selbst nicht erlebt, was sie damit anderen antun, und es\u00a0<a href=\"https:\/\/apolut.net\/alles-leben-ist-heilig-sagt-daniele-ganser-von-ruediger-lenz\/\">fehle ihnen an Empathie<\/a>. Ich hoffe sehr, dass wir uns k\u00fcnftig mehr an Empathie und an Menschlichkeit orientieren. Denn wenn wir auf die mediale Hetzjagd hereinfallen, traut sich irgendwann niemand mehr etwas zu sagen, und wir verlieren als Gesellschaft unser kreatives Potential.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p>Am 20. November 2022 besuchte ich den Vortrag \u00abWarum ist Krieg in der Ukraine?\u00bb von Daniele Ganser in Berlin Falkensee. Die wohl zentralste Aussage in seinem Vortrag ist, dass Waffenlieferungen in die Ukraine falsch sind, weil sie keinen Frieden bringen.<\/p>\n<p><strong>\u00abWir brauchen Deeskalation,\u00a0<\/strong>kein Wettr\u00fcsten\u00bb, sagt er selbst dazu (Daniele Ganser, Facebook, 22. Februar 23). Ganser verurteilt im Vortrag die v\u00f6lkerrechtswidrige Invasion Putins in die Ukraine 2022, benennt aber auch klar und ausf\u00fchrlich die jeweiligen Akteure w\u00e4hrend der komplexen Vorgeschichte und damit die Mitverantwortung der USA und der Nato. In dem Zusammenhang geht es auch um den Putsch in der Ukraine 2014 und das abgeh\u00f6rte Telefonat der damaligen US-Vizeaussenministerin Victoria Nuland, um die Einladung der Ukraine in die Nato 2008 und um die Nato-Osterweiterung entgegen des Versprechens von US-Aussenminister James Baker an Michail Gorbatschow im Jahr 1990.<\/p>\n<p><strong>Im gesamten Vortrag gab es nicht den leisesten Anstrich<\/strong>\u00a0von Hass, Hetze oder Diskriminierung. Wer sich mit der Arbeit, den B\u00fcchern und Vortr\u00e4gen von Daniele Ganser besch\u00e4ftigt hat, wird darin auch nichts derartiges finden. Im Gegenteil: Stets erinnert der Friedensforscher daran, dass wir eine \u00abMenschheitsfamilie\u00bb sind. In Vortr\u00e4gen sprach er auch davon, \u00abin sich selbst den Punkt zu finden, in welchem wir alle miteinander verbunden sind\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Die Position Gansers ist eine durchwegs friedliche,\u00a0<\/strong>und so ist auch die Stimmung vor, w\u00e4hrend und nach dem Vortrag. Er spricht mit echter Anteilnahme f\u00fcr das Thema, mit sp\u00fcrbarem Kontakt zum Publikum und bringt insgesamt eine optimistische und friedfertige Energie in die Thematik hinein. Lebendige Vortr\u00e4ge, generell Veranstaltungen dieser Art, bedeuten zugleich auch eine Gelegenheit, zusammenzukommen und sich auszutauschen. So besteht die M\u00f6glichkeit, bei einem Getr\u00e4nk noch miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Diffamierung! Wozu?<\/strong><\/p>\n<p>Immer gab und gibt es F\u00fcrsprecher f\u00fcr Krieg, f\u00fcr immer mehr Waffen und Eskalation. Leider. Immer gibt es auch Akteure oder Kr\u00e4fte, die strategisch oder finanziell grossen Nutzen aus der Eskalation eines Krieges ziehen. Der grossen Mehrheit sowie der Bev\u00f6lkerung im Kriegsgebiet n\u00fctzt das nie. Um in die Thematik weiter einzusteigen, besteht die M\u00f6glichkeit, sich mit den Prinzipien von Stellvertreterkriegen zu besch\u00e4ftigen, mit der planm\u00e4ssigen Schw\u00e4chung von Grossm\u00e4chten, verdeckter Kriegsf\u00fchrung und Regime Changes. Beispielhaft hierf\u00fcr etwa \u00e4usserte der Geostratege und Stratfor-Gr\u00fcnder George Friedman 2015 auf einer Konferenz der Chicago Council on Global Affairs:<\/p>\n<p><em>\u00abDie Urangst der USA ist, dass deutsches Kapital und deutsche Technologien sich mit russischen Rohstoffen und russischer Arbeitskraft verbinden. Eine einzigartige Kombination, vor der die USA seit Jahrhunderten eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QeLu_yyz3tc&amp;t=4183s\">H\u00f6llenangst<\/a>\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QeLu_yyz3tc&amp;t=4183s\">hab<em>en.<\/em><\/a><em>\u00bb<\/em><\/p>\n<p><strong>Einige Minuten zuvor erkl\u00e4rte er:<\/strong>\u00a0\u00ab<em>Der Weg, den die Briten gegangen sind, um sicherzustellen, dass keine europ\u00e4ische Macht die Flotte bauen konnte, ist, dass die Europ\u00e4er einander bek\u00e4mpften. Die Politik, die ich empfehlen w\u00fcrde, ist die, die Ronald Reagan angewendet hat, in Bezug auf den Iran und den Irak. Er finanzierte beide Seiten, sodass sie gegeneinander k\u00e4mpften und nicht gegen uns. Das war zynisch, bestimmt nicht moralisch, aber es funktionierte. Und das ist der Punkt: Die Vereinigten Staaten sind nicht in der Lage, ganz Eurasien zu okkupieren. In dem Moment, wo wir mit dem Stiefel den Boden ber\u00fchren, ist der demografische Unterschied, dass wir zahlenm\u00e4ssig v\u00f6llig unterlegen sind. Wir k\u00f6nnen eine Armee besiegen. Wir k\u00f6nnen den Irak nicht besetzen. Die Vorstellung, dass 130.000 M\u00e4nner ein Land mit 25 Millionen Einwohnern besetzen k\u00f6nnten, ist eine\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/QeLu_yyz3tc?t=3554\">Illusion<\/a>.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><strong>George Friedman nennt hier einige sehr alte\u00a0<\/strong>und auch bekannte geostrategische Mechanismen, die bis heute von Bedeutung sind. US-Verteidigungsminister\u00a0<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2022\/04\/25\/russia-weakened-lloyd-austin-ukraine-visit\/\">Lloyd Austin sagte am 25. April 2022<\/a>, die USA wollten Russland schw\u00e4chen, damit es keine weitere Invasion durchf\u00fchren k\u00f6nne. \u00abWir wollen, dass Russland so weit geschw\u00e4cht wird, dass es die Dinge, die es beim Einmarsch in die Ukraine getan hat, nicht mehr tun kann. (\u2026) Wir wollen, dass die internationale Gemeinschaft geeinter ist, insbesondere die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=M_pCZeOY94E&amp;t=78s\">NATO<\/a>.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Wer heutzutage klar gegen Waffenlieferungen ist<\/strong>\u00a0und die Position vertritt, dass der Krieg deeskaliert werden und verhandelt werden muss, gegen den wird medial gehetzt. Prominente Beispiele daf\u00fcr sind auch Sahra Wagenknecht, Ulrike Guerot, die ehemalige ARD-Auslandskorrespondentin Gabriele Krone-Schmalz und sogar der Ex-Brigadegeneral Erich Vad. Wichtig ist, hier zu erkennen, worum es bei den medialen Hetzjagden wirklich geht. Die Argumentationsweise der Prominenten sowie auf der anderen Seite die Beleidigungen und Diffamierungen durch konzernabh\u00e4ngige Medien variieren. Das mag f\u00fcr Menschen, die noch unerfahren sind im laufenden Informationskrieg, insgesamt irritierend sein.<\/p>\n<p><strong>Die Gemeinsamkeit ist eine andere:<\/strong>\u00a0Ihre Auftritte sind dazu geeignet, den Regierungskurs zu \u00fcberdenken, zu hinterfragen und kritisch zu diskutieren. Sie stellen jene Fragen, die ein bestimmtes Narrativ oder der Regierungskurs best\u00e4ndig ausklammert. Immer geht es um eine zentrale Frage, die gestellt, oder eine zentrale Position, die ergriffen wird, etwa: Keine Waffen in Kriegsgebiete! Auch heute nicht!<\/p>\n<p><strong>Deutschland auf Kriegskurs?<\/strong><\/p>\n<p>Gabriele Krone-Schmalz, unsere ehemalige ARD-Auslandskorrespondentin in Moskau, hielt im Oktober 2022 in aller Bescheidenheit einen\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/Gkozj8FWI1w\">sehr diplomatischen und besonnenen Vortrag<\/a>\u00a0zum Ukrainekrieg in der Volkshochschule Reutlingen. Seit Jahren legt sie auch\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/XJDFQCzUZuY\">in ihren Interviews<\/a>\u00a0ein m\u00f6glichst vollst\u00e4ndiges Bild der westlichen Beziehungen zu Russland dar, um friedliche L\u00f6sungen zu finden. Ihre Ver\u00f6ffentlichungen werden in einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/region\/stuttgart\/id_100072508\/-putin-versteherin-entsetzen-ueber-vortrag-von-krone-schmalz-in-reutlingen.html\">Artikel von t-online<\/a>\u00a0als \u00abinakzeptabel\u00bb, \u00abumstritten\u00bb, \u00abschr\u00e4g\u00bb, \u00abbedenklich\u00bb und vieles mehr abgewertet, was in einem diffamierenden Zitat eines Osteuropa-Experten gipfelt: \u00abDer Leiter der VHS Reutlingen sollte sich lieber Gedanken dar\u00fcber machen, welche Gefahren von Gabriele Krone-Schmalz&#8216; Narrativen f\u00fcr unsere Demokratie und besonders f\u00fcr die Ukraine ausgehen\u00bb. Ist es ein inh\u00e4renter Bestandteil von Demokratien, Waffen in Kriegsgebiete zu liefern?<\/p>\n<p><strong>Ulrike Guerot wagte es,\u00a0<\/strong>sich\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/jk-boUZmh0Y\">bei Markus Lanz f\u00fcr einen Waffenstillstand<\/a>\u00a0und Verhandlungen zu positionieren und wurde daf\u00fcr sowohl in der Sendung als auch in den Medien massiv angegriffen. Zudem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2023-02\/plagiatsvorwurf-ulrike-gu-rot-kuendigung-universitaet-bonn\">verlor<\/a>\u00a0sie ihre Stellung als Professorin an der Universit\u00e4t Bonn: \u00abDie @unibonn hat mir wegen Plagiat in einem nicht-wissenschaftl. Buch von 2016 zum 31.3. gek\u00fcndigt\u00bb, twitterte die Dozentin. Ihr werde vorgeworfen, \u00abdie \u00dcbernahme von Zitaten anderer Autoren nicht durchg\u00e4ngig korrekt ausgewiesen zu haben\u00bb, berichtet die Zeit. Eine K\u00fcndigung der Universit\u00e4t aufgrund von fehlenden Quellenangaben in einem nichtwissenschaftlichen Buch?<\/p>\n<p><strong>Ganser, Guerot und Krone-Schmalz<\/strong>\u00a0besch\u00e4ftigen nun die ARD, statt anders herum. Damit wir alle das Richtige denken und nicht das Falsche, entscheidet nun die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/ganser-guerot-krone-schmalz-101.html\">Tagesschau<\/a>\u00a0f\u00fcr uns, welche Experten die Deutungshoheit haben, und wessen Arbeit dagegen als \u00abfragw\u00fcrdig\u00bb, \u00ababwegig\u00bb oder \u00abganz falsch\u00bb zu beurteilen ist. Die Tagesschau aber hat dar\u00fcber aber keine Deutungshoheit! Wir brauchen einen Diskurs, das bedeutet eine inhaltliche, nicht eine auf Titel und Universit\u00e4tskarrieren begrenzte Debatte, sowie eine unabh\u00e4ngige Berichterstattung dazu. Statt dessen werden wir seit der gelungenen Berliner\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/xC-aRUy6qnI\">Friedenskundgebung<\/a>\u00a0am 25. Februar 23 auch noch mit absurden Behauptungen gegen\u00fcber\u00a0<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/linken-spitze-fehlt-bei-wagenknecht-aufruf-abgrenzung-nach-rechts-a-a20281c2-7c2b-480a-a586-8063c8b046c6\">Sahra Wagenknecht geflutet<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Der mediale Pranger macht indessen\u00a0<\/strong>auch vor den konservativsten Stimmen der Vernunft nicht Halt. \u00ab\u2018Merkels General\u2019 will nicht mehr\u00bb,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/nach-wagenknecht-demo-erich-vad-will-nicht-mehr-auftreten-ld.1730748\">behauptet die NZZ<\/a>\u00a0im M\u00e4rz 2023 und berichtet von einem Interview mit Erich Vad, ehemals milit\u00e4rpolitischer Berater von Kanzlerin Angela Merkel. Auffallend ist hier die best\u00e4ndige Interpretation von Vads \u00c4usserungen oder Auftreten durch den Journalisten. Der Artikel stellt Vad auf unfaire Art in ein negatives Licht: Seine Entscheidungen habe Vad getroffen, weil etwas ihm \u00abschmeichelt\u00bb, und seine klare Aussage, \u00abdass Waffenlieferungen falsch sind, wenn es kein politisches Konzept f\u00fcr einen Frieden gibt\u00bb, sei in Wahrheit Ausdruck einer \u00abEitelkeitsfalle\u00bb, aus der er \u00abnicht mehr heraus\u00bb k\u00e4me. Wieso masst der Journalist sich derartige Abwertungen an?<\/p>\n<p><strong>\u00abIch sehe keinen Sinn mehr, mir diesen Hass,\u00a0<\/strong>diese H\u00e4me anzutun\u00bb, wird Vad eingangs zitiert. \u00abDas ist mein letztes Interview. Es ist vorbei.\u00bb Woher dieser Hass und diese H\u00e4me kommen, kann die NZZ im Artikel nicht reflektieren, da sie selbst Teil des Problems ist.<\/p>\n<p><strong>Der Chef der Deutschen Marine,\u00a0<\/strong>Kay-Achim Sch\u00f6nbach,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/deutscher-marine-chef-muss-nach-aussage-ueber-putin-gehen-17746244.html\">musste<\/a>\u00a0bereits im Januar 2022 seinen Posten r\u00e4umen. Der Vizeadmiral fiel \u00abmit unabgesprochenen Aussagen zu Russland auf, die so gar nicht ins offizielle Bild passen\u00bb berichtet das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/russland-admiral-kay-achim-schoenbach-putin-aussagen-100.html\">ZDF<\/a>, und beklagt, dass diese \u00abDeutschland abermals als unzuverl\u00e4ssigen Nato-Partner erscheinen lassen\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Der Marine Inspekteur sprach im Januar 2022\u00a0<\/strong>bei der Veranstaltung eines indischen Think Tanks in Neu-Delhi, also noch vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine.<\/p>\n<p><strong>\u00abWas Putin wirklich will,<\/strong>\u00a0ist Respekt auf Augenh\u00f6he. Und &#8211; mein Gott &#8211; jemandem Respekt entgegenzubringen, kostet fast nichts, kostet nichts. Also w\u00fcrde man mich fragen: Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er fordert &#8211; und den er vermutlich auch verdient.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Gibt es eine funktionierende Geopolitik\u00a0<\/strong>ohne Respekt der Grossm\u00e4chte untereinander? Welche Position vertritt hier das ZDF? \u00abMeine sicherheitspolitischen \u00c4usserungen in einer Talkrunde eines Think Tanks in Indien gaben meine pers\u00f6nliche Meinung f\u00fcr diesen Moment vor Ort wieder\u00bb,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/russland-admiral-kay-achim-schoenbach-putin-aussagen-100.html\">erkl\u00e4rte<\/a>\u00a0Sch\u00f6nbach auf Twitter. \u00abSie entsprechen in keinster Weise der offiziellen Position des @BMVg_Bundeswehr. #deutschemarine.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Leider nicht.\u00a0<\/strong>Wohin eine jahrzehntelang anhaltende Respektlosigkeit dann f\u00fchren kann, das sehen wir jetzt. Aber das ist nur meine Meinung.<\/p>\n<p><strong>Von der Bedeutung der freien Rede<\/strong><\/p>\n<p>Wir brauchen einen Bewusstseinswandel. Frieden wird dann m\u00f6glich, wenn wir auch lernen, friedlich zu kommunizieren, das bedeutet, die gewaltvolle Kommunikation zu \u00fcberwinden. Es bedeutet auch, einen Konflikt oder Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Schwarzweissdenken deutet auch darauf hin, dass wir in dem Moment nicht mit uns selbst in Kontakt sind, sondern uns in einem traumabeeinflussten Zustand befinden, der uns empf\u00e4nglich macht f\u00fcr Manipulation und\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/w2-Qt3Z4jKw\">Kriegspropaganda<\/a>. Wir d\u00fcrfen diese Formen der Kommunikation nicht unbemerkt mitmachen und ben\u00f6tigen daf\u00fcr eine gr\u00f6ssere Sensibilit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Wir sind Menschen!\u00a0<\/strong>Wir sind mehr als k\u00fcnstliche Intelligenz, welche Informationen sammelt oder weitergibt. Einen Standpunkt zu entwickeln, bedeutet immer auch einen Weg zu gehen. Eine komplexe Fragestellung zu bearbeiten, bedeutet zugleich eine intensive Auseinandersetzung mit einer Thematik und eine innere Weiterentwicklung. Heutzutage ist es sehr wichtig geworden, sich neben der reinen Faktenlage auch mit der Frage zu besch\u00e4ftigen: Wer sagt was warum? Was bewegt einen Menschen, der spricht, wirklich? Welchen Weg ist er oder sie vielleicht gegangen? Welche Erfahrung spricht aus ihn oder ihr? Was f\u00fchlt jemand, der spricht? Ein gelungener Vortrag beinhaltet diese Lebendigkeit und motiviert die Zuh\u00f6rer, miteinander in Kontakt zu treten, das Geh\u00f6rte selbst weiterzudenken sowie eigene Standpunkte zu entwickeln. Demokratie ist ein lebendiger Prozess! Sie will gelebt und trainiert werden.<\/p>\n<p><strong>\u00abBildung des Geistes ohne Bildung des Herzens ist keine Bildung\u00bb,<\/strong>\u00a0wusste schon Aristoteles.<strong>\u00a0\u00ab<\/strong>Ich kann niemandem etwas beibringen. Ich kann sie nur zum Nachdenken bringen\u00bb, sagte einst Sokrates, und dazu passend auch: \u00abBildung ist das Entz\u00fcnden einer Flamme, nicht das F\u00fcllen eines Gef\u00e4sses.\u00bb (<strong>Sokrates von Athen, 470-399 v. Chr.<\/strong>\u00a0)<\/p>\n<p><strong>Wer von seiner Redefreiheit Gebrauch macht,<\/strong>\u00a0wird zugleich kreativ. Wer selbst Frieden und Optimismus ausstrahlt, der bringt auch genau diese Energien in die Welt, und kann andere damit inspirieren. Die freie Rede erm\u00f6glicht es einer Kultur, sich aktiv nach ihren Werten und ihrer Orientierung zu fragen, und sich in Frieden weiterzuentwickeln. Wenn uns an der Redefreiheit gelegen ist, dann sind wir alle es, die die R\u00e4ume daf\u00fcr finden und bewahren m\u00fcssen, ganz real um uns herum, aber zuallererst auch in uns. Nicht unsere Intellektuellen oder Politiker k\u00f6nnen uns oder diese Welt retten, sondern nur wir selbst, wir alle, wir zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wirken Politik und Medien zusammen? Wie geht Meinungsfreiheit? Und was geschieht, wenn wir nicht mehr frei sprechen d\u00fcrfen? Wenn wir Auftritte absagen und verhindern, weil die Inhalte nicht dem aktuellen Regierungskurs entsprechen, was steht dann auf dem Spiel? 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