{"id":1711038,"date":"2023-01-21T11:11:29","date_gmt":"2023-01-21T11:11:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1711038"},"modified":"2023-01-22T11:35:28","modified_gmt":"2023-01-22T11:35:28","slug":"ex-brigade-general-erich-vad-fragt-was-sind-die-kriegsziele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2023\/01\/ex-brigade-general-erich-vad-fragt-was-sind-die-kriegsziele\/","title":{"rendered":"Ex-Brigadegeneral Erich Vad fragt: Was sind die Kriegsziele?"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p class=\"author-meta\"><strong>Der milit\u00e4rpolitische Berater von Kanzlerin Angela Merkel (2006 bis 2013) war von Anfang an gegen Waffenlieferungen an die Ukraine.<\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"mailto:stiftung-ssui@infosperber.ch\">Red.<\/a><\/em>\u00a0<em>Online <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/welt\/ex-brigade-general-erich-vad-fragt-was-sind-die-kriegsziele\/\">INFOsperber<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p><em>upg. Stimmen wie diejenige von Erich Vad kommen fast nicht mehr zu Wort. Nur wenn man neben den vielen Stimmen in grossen Medien zus\u00e4tzlich solche Stimmen zur Kenntnis nimmt, kann man sich eine eigene Meinung bilden. Deshalb dokumentiert Infosperber hier ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.emma.de\/artikel\/erich-vad-was-sind-die-kriegsziele-340045\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Interview<\/a>, das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.emma.de\/abo\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abEmma\u00bb<\/a>-Redaktorin Annika Ross am 12. Januar mit Erich Vad f\u00fchrte.<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Vad, was sagen Sie zu der gerade von Kanzler Scholz verk\u00fcndeten Lieferung der 40 Marder an die Ukraine?<\/strong><br \/>\nDas ist eine milit\u00e4rische Eskalation, auch in der Wahrnehmung der Russen \u2013 auch wenn der \u00fcber 40 Jahre alte Sch\u00fctzenpanzer Marder keine Wunderwaffe ist. Wir begeben uns auf eine Rutschbahn. Das k\u00f6nnte eine Eigendynamik entwickeln, die wir nicht mehr steuern k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich war und ist es richtig, die Ukraine zu unterst\u00fctzen und nat\u00fcrlich ist Putins \u00dcberfall nicht v\u00f6lkerrechtskonform \u2013 aber nun m\u00fcssen doch endlich die Folgen bedacht werden!<\/p>\n<p><strong>Und was k\u00f6nnten die Folgen sein?<\/strong><br \/>\nWill man mit den Lieferungen der Panzer Verhandlungsbereitschaft erreichen? Will man damit den Donbass oder die Krim zur\u00fcckerobern? Oder will man Russland gar ganz besiegen? Es gibt keine realistische End-State-Definition. Und ohne ein politisch strategisches Gesamtkonzept sind Waffenlieferungen Militarismus pur.<\/p>\n<p><strong>Was heisst das?<\/strong><br \/>\nWir haben eine milit\u00e4risch operative Patt-Situation, die wir aber milit\u00e4risch nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen. Das ist \u00fcbrigens auch die Meinung des amerikanischen Generalstabschefs\u00a0<em><a href=\"https:\/\/www.defense.gov\/About\/Biographies\/Biography\/Article\/614392\/general-mark-a-milley\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mark Milley<\/a><\/em>. Er hat gesagt, dass ein milit\u00e4rischer Sieg der Ukraine nicht zu erwarten sei und dass Verhandlungen der einzig m\u00f6gliche Weg seien. Alles andere bedeutet den sinnlosen Verschleiss von Menschenleben.<\/p>\n<p><strong>General Milley l\u00f6ste mit seiner Aussage in Washington viel \u00c4rger aus und wurde auch \u00f6ffentlich stark kritisiert<\/strong><br \/>\nEr hat eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen. Eine Wahrheit, die in den deutschen Medien \u00fcbrigens so gut wie gar nicht publiziert wurde. Das Interview mit Milley von CNN tauchte nirgendwo gr\u00f6sser auf, dabei ist er der Generalstabschef unserer westlichen F\u00fchrungsmacht. Was in der Ukraine betrieben wird, ist ein Abnutzungskrieg. Und zwar einer mit mittlerweile ann\u00e4hernd 200\u2019000 gefallenen und verwundeten Soldaten auf beiden Seiten, mit 50\u2019000 zivilen Toten und mit Millionen von Fl\u00fcchtlingen.<br \/>\nMilley hat damit eine Parallele zum Ersten Weltkrieg gezogen, die treffender nicht sein k\u00f6nnte. Im Ersten Weltkrieg hat allein die sogenannte \u00abBlutm\u00fchle von Verdun\u00bb, die als Abnutzungsschlacht konzipiert war, zum Tod von fast einer Million junger Franzosen und Deutscher gef\u00fchrt. Sie sind damals f\u00fcr nichts gefallen. Das Verweigern der Kriegsparteien von Verhandlungen hat also zu Millionen zus\u00e4tzlicher Toter gef\u00fchrt. Diese Strategie hat damals milit\u00e4risch nicht funktioniert \u2013 und wird das auch heute nicht tun.<\/p>\n<p><strong>Auch Sie sind f\u00fcr die Forderung nach Verhandlungen angegriffen worden<\/strong><br \/>\nJa, ebenso der Generalinspekteur der Bundeswehr, General\u00a0<em><a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/ministerium\/der-generalinspekteur-der-bundeswehr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eberhard Zorn<\/a><\/em>, der wie ich davor gewarnt hat, die regionalbegrenzten Offensiven der Ukrainer in den Sommermonaten zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Milit\u00e4rische Fachleute \u2013 die wissen, was unter den Geheimdiensten l\u00e4uft, wie es vor Ort aussieht und was Krieg wirklich bedeutet \u2013 werden weitestgehend aus dem Diskurs ausgeschlossen. Sie passen nicht zur medialen Meinungsbildung. Wir erleben weitgehend eine Gleichschaltung der Medien, wie ich sie so in der Bundesrepublik noch nie erlebt habe. Das ist pure Meinungsmache. Und zwar nicht im staatlichen Auftrag, wie es aus totalit\u00e4ren Regimen bekannt ist, sondern aus reiner Selbsterm\u00e4chtigung.<\/p>\n<p><strong>Sie werden von den Medien auf breiter Front angegriffen, von<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><em><strong>BILD<\/strong><\/em><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><strong>bis<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><em><strong>FAZ<\/strong><\/em><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><strong>und<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><em><strong>Spiegel<\/strong><\/em><strong>, und damit auch die 500\u2019000 Menschen, die den von Alice Schwarzer initiierten<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Offenen Brief an den Kanzler<\/a><\/strong><strong>\u00a0<\/strong><strong>unterzeichneten\u00a0<\/strong><br \/>\nSo ist es. Zum Gl\u00fcck hat Alice Schwarzer ihr eigenes unabh\u00e4ngiges Medium, um diesen Diskurs \u00fcberhaupt er\u00f6ffnen zu k\u00f6nnen. In den Leitmedien h\u00e4tte das wohl nicht funktioniert. Dabei ist die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung schon l\u00e4nger und auch laut\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/deutschlandtrend\/deutschlandtrend-3255.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">aktueller Umfrage<\/a>\u00a0gegen weitere Waffenlieferungen. Das alles wird jedoch nicht berichtet. Es gibt weitestgehend keinen fairen offenen Diskurs mehr zum Ukraine-Krieg, und das finde ich sehr verst\u00f6rend. Das zeigt mir, wie recht\u00a0<em>Helmut Schmidt<\/em>\u00a0hatte. Er sagte in einem Gespr\u00e4ch mit Kanzlerin Merkel: Deutschland ist und bleibt eine gef\u00e4hrdete Nation.<\/p>\n<p><strong>Wie beurteilen Sie die Politik der Aussenministerin?<\/strong><br \/>\nMilit\u00e4rische Operationen m\u00fcssen immer an den Versuch gekoppelt werden, politische L\u00f6sungen herbeizuf\u00fchren. Die Eindimensionalit\u00e4t der aktuellen Aussenpolitik ist nur schwer zu ertragen. Sie ist sehr stark fokussiert auf Waffen. Die Hauptaufgabe der Aussenpolitik aber ist und bleibt Diplomatie, Interessenausgleich, Verst\u00e4ndigung und Konfliktbew\u00e4ltigung. Das fehlt mir hier. Ich bin ja froh, dass wir endlich mal eine Aussenministerin in Deutschland haben, aber es reicht nicht, nur Kriegsrhetorik zu betreiben und mit Helm und Splitterschutzweste in Kiew oder im Donbass herumzulaufen. Das ist zu wenig.<\/p>\n<p><strong>Dabei ist Baerbock doch Mitglied der Gr\u00fcnen, der ehemaligen Friedenspartei<\/strong><br \/>\nDie Mutation der Gr\u00fcnen von einer pazifistischen zu einer Kriegspartei verstehe ich nicht. Ich selbst kenne keinen Gr\u00fcnen, der \u00fcberhaupt auch nur den Milit\u00e4rdienst geleistet h\u00e4tte. Anton Hofreiter ist f\u00fcr mich das beste Beispiel dieser Doppelmoral. Antje Vollmer hingegen, die ich zu den \u00aburspr\u00fcnglichen\u00bb Gr\u00fcnen z\u00e4hlen w\u00fcrde, nennt die Dinge beim Namen. Und dass eine einzige Partei so viel politischen Einfluss hat, dass sie uns in einen Krieg man\u00f6vrieren kann, das ist schon sehr bedenklich.<\/p>\n<p><strong>Wenn Kanzler Scholz Sie von seiner Vorg\u00e4ngerin \u00fcbernommen h\u00e4tte und Sie noch der milit\u00e4rische Berater des Kanzlers w\u00e4ren, was h\u00e4tten Sie ihm im Februar 2022 geraten?<\/strong><br \/>\nIch h\u00e4tte ihm geraten, die Ukraine milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen, aber dosiert und besonnen, um Rutschbahneffekte\u00a0in eine Kriegspartei zu vermeiden. Und ich h\u00e4tte ihm geraten, auf unseren wichtigsten politischen Verb\u00fcndeten, die USA, einzuwirken. Denn der Schl\u00fcssel f\u00fcr eine L\u00f6sung des Krieges liegt in Washington und Moskau. Mir hat der Kurs des Kanzlers in den letzten Monaten gefallen. Aber Gr\u00fcne, FDP und die b\u00fcrgerliche Opposition machen \u2013 flankiert von weitestgehend einstimmiger medialer Begleitmusik \u2013 dermassen Druck, dass der Kanzler das kaum noch auffangen kann.<\/p>\n<p><strong>Und was, wenn auch der Kampfpanzer Leopard geliefert wird?<\/strong><br \/>\nDann stellt sich erneut die Frage, was mit den Lieferungen der Panzer \u00fcberhaupt passieren soll. Um die Krim oder den Donbass zu \u00fcbernehmen, reichen die Marder und Leoparden nicht aus. In der Ostukraine, im Raum Bachmut, sind die Russen eindeutig auf dem Vormarsch. Sie werden wahrscheinlich den Donbass in K\u00fcrze vollst\u00e4ndig erobert haben. Man muss sich nur allein die numerische \u00dcberlegenheit der Russen gegen\u00fcber der Ukraine vor Augen f\u00fchren. Russland kann bis zu zwei Millionen Reservisten mobil machen. Da kann der Westen 100 Marder und 100 Leoparden hinschicken, sie \u00e4ndern an der milit\u00e4rischen Gesamtlage nichts. Und die alles entscheidende Frage ist doch, wie man einen derartigen Konflikt mit einer kriegerischen Nuklearmacht \u2013 wohlbemerkt der st\u00e4rksten Nuklearmacht der Welt! \u2013 durchstehen will, ohne in einen Dritten Weltkrieg zu gehen. Und genau das geht hier in Deutschland in die K\u00f6pfe der Politiker und der Journalisten nicht hinein!<\/p>\n<p><strong>Das Argument ist, Putin wolle nicht verhandeln und dass man ihn in seine Schranken weisen m\u00fcsse, damit er in Europa nicht weiter w\u00fctet<\/strong><br \/>\nEs stimmt, dass man den Russen signalisieren muss: Bis hierher und nicht weiter! So ein Angriffskrieg darf nicht Schule machen. Deshalb ist es richtig, dass die Nato ihre milit\u00e4rische Pr\u00e4senz im Osten erh\u00f6ht und Deutschland hier mitmacht. Aber dass Putin nicht verhandeln will, ist unglaubw\u00fcrdig. Beide, die Russen und Ukrainer waren am Anfang des Krieges Ende M\u00e4rz, Anfang April 2022 zu einer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/medien\/ueber-die-netzwelt\/das-ignorierte-angebot-russlands-briefe-vom-17-dezember-2021\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Friedensvereinbarung<\/a> bereit. Daraus ist dann nichts geworden. Es wurde schliesslich auch w\u00e4hrend des Krieges das Getreideabkommen von den Russen und Ukrainern unter Einbeziehung der Vereinten Nationen fertig verhandelt.<\/p>\n<p><strong>Nun geht das Sterben weiter<\/strong><br \/>\nMan kann die Russen weiter abnutzen, was wiederum Hundertausende Tote bedeutet, aber auf beiden Seiten. Und es bedeutet die weitere Zerst\u00f6rung der Ukraine. Was bleibt denn von diesem Land noch \u00fcbrig? Es wird dem Erdboden gleichgemacht. Letztendlich ist das f\u00fcr die Ukraine auch keine Option mehr. Der Schl\u00fcssel f\u00fcr die L\u00f6sung des Konfliktes liegt nicht in Kiew, er liegt auch nicht in Berlin, Br\u00fcssel oder Paris, er liegt in Washington und Moskau. Es ist doch l\u00e4cherlich zu sagen, die Ukraine m\u00fcsse das entscheiden.<\/p>\n<p><strong>Mit dieser Deutung gilt man in Deutschland schnell als Verschw\u00f6rungstheoretiker\u2026<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><br \/>\nIch bin selber \u00fcberzeugter Transatlantiker. Ich sage Ihnen ehrlich, ich m\u00f6chte im Zweifelsfall lieber unter einer amerikanischen Hegemonie als unter einer russischen oder chinesischen leben. Dieser Krieg war anfangs nur eine innenpolitische Auseinandersetzung der Ukraine. Die ging bereits 2014 los, zwischen den russischsprachigen ethnischen Gruppen und den Ukrainern selber. Es ist also ein B\u00fcrgerkrieg gewesen. Jetzt, nach dem \u00dcberfall Russlands, ist es ein zwischenstaatlicher Krieg zwischen Ukraine und Russland geworden. Es ist auch ein Kampf um die Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine und ihrer territorialen Integrit\u00e4t. Das ist alles richtig.<\/p>\n<p>Aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Es ist eben auch ein Stellvertreter-Krieg zwischen den USA und Russland, und da geht es um ganz konkrete geopolitische Interessen in der Schwarzmeerregion.<\/p>\n<p><strong>Die da w\u00e4ren?<\/strong><br \/>\nDie Schwarzmeerregion ist f\u00fcr die Russen und ihre Schwarzmeerflotte so wichtig wie die Karibik oder die Region um Panama f\u00fcr die USA. So wichtig wie das s\u00fcdchinesische Meer und Taiwan f\u00fcr China. So wichtig wie die Schutzzone der T\u00fcrkei, die sie v\u00f6lkerrechtswidrig gegen\u00fcber den Kurden etabliert haben. Vor diesem Hintergrund und aus strategischen Gr\u00fcnden k\u00f6nnen die Russen da auch nicht raus. Mal abgesehen davon, dass sich bei einer Volksabstimmung auf der Krim die Bev\u00f6lkerung mit Sicherheit f\u00fcr Russland entscheiden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Wie soll das also weitergehen?<\/strong><br \/>\nWenn die Russen durch massive westliche Intervention dazu gezwungen w\u00fcrden, sich aus der Schwarzmeerregion zur\u00fcckzuziehen, dann w\u00fcrden sie, bevor sie von der Weltb\u00fchne abtreten, mit Sicherheit zu den Nuklearwaffen greifen. Ich finde den Glauben naiv, ein Atomschlag Russlands w\u00fcrde niemals passieren. Nach dem Motto, \u00abDie bluffen doch nur\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Aber was k\u00f6nnte die L\u00f6sung sein?<\/strong><br \/>\nMan sollte die Menschen in der Region, also im Donbass und auf der Krim, einfach fragen, zu wem sie geh\u00f6ren wollen. Man m\u00fcsste die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine wiederherstellen, mit bestimmten westlichen Garantien. Und die Russen brauchen so eine Sicherheitsgarantie eben auch. Also keine Nato-Mitgliedschaft f\u00fcr die Ukraine. Seit dem Gipfel von Bukarest von 2008 ist klar, dass das die rote Linie der Russen ist.<\/p>\n<p><strong>Und was kann Deutschland Ihrer Meinung nach tun?<\/strong><br \/>\nWir m\u00fcssen unsere milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung so dosieren, dass wir nicht in einen Dritten Weltkrieg gleiten. Keiner von denen, die 1914 mit grosser Begeisterung in den Krieg gezogen sind, war hinterher noch der Meinung, dass das richtig war. Wenn das Ziel eine unabh\u00e4ngige Ukraine ist, muss man sich perspektivisch auch die Frage stellen, wie eine europ\u00e4ische Ordnung unter Einbeziehung Russlands aussehen soll. Russland wird ja nicht einfach von der Landkarte verschwinden. Wir m\u00fcssen vermeiden, die Russen in die Arme der Chinesen zu treiben, und damit die multipolare Ordnung zu unseren Ungunsten zu verschieben.<\/p>\n<p>Wir brauchen Russland auch als F\u00fchrungsmacht eines Vielv\u00f6lkerstaates, um aufflammende K\u00e4mpfe und Kriege zu vermeiden. Und ehrlich gesagt sehe ich nicht, dass die Ukraine Mitglied der EU und erst recht nicht Mitglied der Nato wird. Wir haben in der Ukraine ebenso wie in Russland eine hohe Korruption und die Herrschaft von Oligarchen. Das, was wir in der T\u00fcrkei \u2013 mit Recht \u2013 in puncto Rechtsstaatlichkeit anprangern, das Problem haben wir in der Ukraine auch.<\/p>\n<p><strong>Was meinen Sie, Herr Vad, was erwartet uns im Jahr 2023?<\/strong><br \/>\nEs muss sich in Washington eine breitere Front f\u00fcr Frieden aufbauen. Und dieser sinnfreie Aktionismus in der deutschen Politik, der muss endlich ein Ende finden. Sonst wachen wir eines Morgens\u00a0auf und sind mittendrin im Dritten Weltkrieg.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der milit\u00e4rpolitische Berater von Kanzlerin Angela Merkel (2006 bis 2013) war von Anfang an gegen Waffenlieferungen an die Ukraine. Red.\u00a0Online INFOsperber upg. Stimmen wie diejenige von Erich Vad kommen fast nicht mehr zu Wort. 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