{"id":1697764,"date":"2022-12-05T08:46:15","date_gmt":"2022-12-05T08:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1697764"},"modified":"2022-12-05T08:46:15","modified_gmt":"2022-12-05T08:46:15","slug":"die-geburtsstunde-der-propaganda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2022\/12\/die-geburtsstunde-der-propaganda\/","title":{"rendered":"Die Geburtsstunde der Propaganda"},"content":{"rendered":"<p>Wir werden immer manipuliert. Glauben wir, dass dem nicht so ist, kann dies ein Zeichen daf\u00fcr sein, dass die Manipulation besonders gut funktioniert hat. Denkt man an \u201ePropaganda\u201c, so fallen den meisten dazu zuerst Josef Goebbels, die Staaten des ehemaligen Ostblocks, China oder Nordkorea ein.<\/p>\n<p><em>von <a title=\"Beitr\u00e4ge von Jonas T\u00f6gel\" href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/author\/jonas-toegel\/\" rel=\"author\">Jonas T\u00f6gel<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Wenn man auf die Geschichte der Beeinflussung der Massen aus politischen Motiven zur\u00fcckblickt, so waren und sind jedoch die USA f\u00fchrend.<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor geht in seinem historischen Abriss zur\u00fcck bis ins Jahr 1900. Man k\u00f6nnte glauben, dass die Geschehnisse von damals nichts mehr mit der heutigen Zeit zu tun h\u00e4tten. Das w\u00e4re jedoch ein Fehler, denn gerade bei der Betrachtung der Jahre von 1900 bis 1920 kann man nicht nur viele Parallelen zur heutigen Zeit erkennen, sondern auch viel \u00fcber die Funktion und Anwendung von Propagandatechniken lernen.<\/p>\n<p><strong>Ein lehrreicher Blick in die Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Viele Menschen glauben dabei, dass Propaganda der Vergangenheit angeh\u00f6rt und heute nur L\u00e4nder wie Russland, Nordkorea oder China Propaganda betreiben, nicht jedoch westliche Demokratien. Das ist jedoch nicht richtig. Auch wenn es \u201edie eine Geschichte\u201c von Propaganda nicht gibt und sich Manipulationstechniken in vielen L\u00e4ndern unter ganz unterschiedlichen Namen entwickelt haben, so sind doch die USA seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute f\u00fchrend in der Forschung und Anwendung von Propaganda (1).<\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnderv\u00e4ter der modernen Propaganda, Edward Bernays, gab daher auch ganz offen zu, dass gerade in Demokratien, in denen die Mehrheit der Menschen entscheidet, die Steuerung der Gedanken und Gef\u00fchle ein zentrales Werkzeug ist. \u201ePublic Relations umfasst das, was ich \u201athe engineering of consent\u2018 (deutsch: das Herstellen von Zustimmung) nenne. Es basiert auf Thomas Jeffersons Grundsatz, dass in einer demokratischen Gesellschaft alles von der Zustimmung der Bev\u00f6lkerung abh\u00e4ngt\u201c (2), so Bernays.<\/p>\n<p>Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist daher die Propaganda in westlichen L\u00e4ndern unter F\u00fchrung der USA immer weiter perfektioniert worden. Die Propagandaforschung bedient sich dazu wie aus einem Warenkorb unter anderem bei der psychologischen Forschung. Diese hat in den letzten 120 Jahren eine Vielzahl an M\u00f6glichkeiten herausgefunden, Menschen zu beeinflussen und zu steuern, ohne dass sie das merken.<\/p>\n<p>Der Blick in die Urspr\u00fcnge dieser wissenschaftlich fundierten, modernen Propaganda kann daher helfen, die\u00a0<a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2016\/08\/14\/propaganda-als-zentraler-bestandteil-der-demokratie\/\">Funktion von Propaganda<\/a>\u00a0besser zu verstehen und auch heutige Manipulationsmethoden zu durchschauen.<\/p>\n<p><span id=\"Die_moderne_Psychologie_als_Warenkorb\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Die moderne Psychologie als Warenkorb<\/strong><\/p>\n<p>Die Psychologie erlebte als Wissenschaft sp\u00e4testens ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts einen gro\u00dfen Aufschwung, der bis heute andauert. Damit war und ist die psychologische Forschung ein wichtiger Motor f\u00fcr die Entwicklung der modernen Propaganda. Sie stellt einen Warenkorb an psychologischen Werkzeugen zur Verf\u00fcgung, aus dem sich die Propagandaforschung bis heute bedient.<\/p>\n<p>Es gab damals sehr viele unterschiedliche psychologische Schulen, also Denkrichtungen und Sichtweisen auf die Psyche des Menschen. Drei besonders einflussreiche Forschungsans\u00e4tze werden nun herausgegriffen: die Psychoanalyse, der Behaviorismus und die Massenpsychologie.<\/p>\n<p>Gerade die Psychoanalyse und der Behaviorismus sind grundlegende Str\u00f6mungen der Psychologie, die auch in der aktuellen Forschung noch wichtig sind. Die Massenpsychologie gilt zwar als \u00fcberholt, die Idee der irrationalen Masse besteht jedoch bis heute in anderer Form fort. Diese drei wichtigen Str\u00f6mungen der fr\u00fchen psychologischen Forschung werden nun kurz erkl\u00e4rt, bevor anhand von zwei Beispielen aufgezeigt wird, wie die Erkenntnisse der Psychologie von PR-Spezialisten aufgegriffen und benutzt wurden, um die Gedanken und Gef\u00fchle der Menschen zu lenken.<\/p>\n<p><span id=\"Die_Massenpsychologie\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Die Massenpsychologie<\/strong><\/p>\n<p>Die Franz\u00f6sische Revolution sowie die darauffolgenden gro\u00dfen Unruhen, Aufst\u00e4nde und Revolutionen im 18. und 19. Jahrhunderten machten deutlich, wie m\u00e4chtig viele Menschen sein k\u00f6nnen, wenn sie gleichzeitig eine Ver\u00e4nderung w\u00fcnschen und daf\u00fcr aufstehen und k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Diese Macht der Massen f\u00fchrte dazu, dass sich die Wissenschaft immer st\u00e4rker darum bem\u00fchte zu verstehen, warum Menschen zum Beispiel einen K\u00f6nig st\u00fcrzen oder mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen fordern.<\/p>\n<p><strong>Die Massenpsychologie hatte ihren Ursprung in Italien und Frankreich. Sie entstand auch aus dem Wunsch heraus, die m\u00e4chtige Bev\u00f6lkerung in Zukunft besser beherrschen zu k\u00f6nnen. Damit wollte man \u201eIndividuen und etablierte Gesellschaftsschichten vor den unerw\u00fcnschten Wirkungen der Massen (\u2026) bewahren\u201c (3), das hei\u00dft, man wollte die M\u00e4chtigen der damaligen Zeit davor sch\u00fctzen, ihre Macht zu verlieren.<\/strong><\/p>\n<p>Einer der bekanntesten Forscher zur Massenpsychologie ist der franz\u00f6sische Arzt und Soziologe Gustave Le Bon. Er schrieb im Jahr 1895 das Buch \u201ePsychologie der Massen\u201c, das trotz seines Alters bis heute bekannt ist.<\/p>\n<p>Seine Grundidee ist einfach zu verstehen. Le Bon ist der Meinung, dass eine gro\u00dfe Gruppe von Menschen dumm und verantwortungslos ist, ein kopfloses Tier, das niederen Instinkten folgt und von einem starken Anf\u00fchrer leicht gelenkt werden kann, wenn er diese niederen Instinkte der Masse anspricht (4). Dieser kann das Unbewusste der Masse steuern und sie dazu bringen, fast gedankenlos zu handeln, meint Le Bon (5). Obschon die moderne psychologische Forschung diese Ideen als zu einseitig kritisiert, fanden Le Bons \u00dcberlegungen lange Zeit gro\u00dfen Zuspruch.<\/p>\n<p><span id=\"Die_Psychoanalyse\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Die Psychoanalyse<\/strong><\/p>\n<p>Auch der \u00f6sterreichische Arzt und Therapeut Sigmund Freud war von Le Bons Massenpsychologie beeindruckt. Er entwickelte im Laufe seines Lebens die sogenannte Psychoanalyse, die davon ausgeht, dass Menschen stark durch ihre Triebe und ihr Unbewusstes gelenkt werden. Genau wie Le Bon ist Freud also der Meinung, dass die Menschen an F\u00e4den h\u00e4ngen, die ihr \u201eTun, die Gef\u00fchle und die Ideen\u201c (6) lenken, ohne dass die Menschen selbst das merken. In seinem ersten grundlegenden Werk \u201eDie Traumdeutung\u201c aus dem Jahr 1899 erkl\u00e4rt Freud bereits die Bedeutung des Unbewussten, und nur Jahre sp\u00e4ter wurde er auch in die USA eingeladen, wo seine Ideen rasch bekannt wurden (7).<\/p>\n<p>Sein Neffe, Edward Bernays, nutzte Freuds Lehre \u00fcber das Unbewusste des Menschen sp\u00e4ter geschickt aus, um die Gef\u00fchle der Menschen zu lenken. \u201eIch h\u00f6rte von der Theorie der Trauminterpretation meines Onkels, ich h\u00f6rte davon, dass Psychologie eine wichtige Rolle spielt, um menschliches Verhalten einzusch\u00e4tzen, ich h\u00f6rte von Regression, Unterdr\u00fcckung, Vermeidung, (\u2026)\u201c (8), erkl\u00e4rte Bernays den Einfluss der Psychoanalyse auf Public Relations.<\/p>\n<p><span id=\"Der_Behaviorismus\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Der Behaviorismus<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Psychoanalyse den Menschen als Ganzes betrachtet und nach den angeborenen Gr\u00fcnden f\u00fcr seine Gedanken und Gef\u00fchle fragt, untersucht die experimentelle Psychologie einzelne kleine psychische Ph\u00e4nomene, die man im Labor gut beobachten und messen kann.<\/p>\n<p>Einer der ersten experimentellen Psychologen war der russische Arzt Iwan Pawlow. Er machte die f\u00fcr die damalige psychologische Forschung bahnbrechende Erkenntnis, dass man verschiedene Reize miteinander kombinieren und somit Verhalten konditionieren kann.<\/p>\n<p>Anders als die Psychoanalyse geht der Behaviorismus davon aus, dass Verhalten nicht angeboren ist, sondern antrainiert oder gelernt werden kann. Bei Pawlow funktionierte das so: Er gab Hunden Futter, was dazu f\u00fchrte, dass ihr Speichelfluss angeregt wurde. Gleichzeitig l\u00e4utete er immer mit einer Glocke. Nach einiger Zeit hatten die Hunde, mit denen er seine Versuche durchf\u00fchrte, die Glocke mit Futter verkn\u00fcpft, und ihr Speichel fing schon an zu flie\u00dfen, wenn Pawlow nur mit seiner Glocke l\u00e4utete und noch gar kein Futter vorhanden war. Im Zusammenhang mit seinen Experimenten gewann Pawlow im Jahr 1904 den Nobelpreis f\u00fcr Medizin.<\/p>\n<p>Der Grundgedanke, dass Dinge, die immer wieder wiederholt und miteinander verbunden werden, sich auch in den K\u00f6pfen der Menschen ganz unbewusst verbinden, ist eine wichtige und bis heute bedeutsame Erkenntnis der behavioristischen Psychologie.<\/p>\n<p><span id=\"Propaganda_im_Einsatz\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Propaganda im Einsatz<\/strong><\/p>\n<p>Es dauerte nicht lange, und die Erkenntnisse der Psychologie wurden von den ersten Spezialisten f\u00fcr moderne Propaganda aufgegriffen und angewandt. Ein erstes Einsatzgebiet f\u00fcr moderne Propaganda bestand in dem, was man heute \u201ePerception Management\u201c (9), also die Wahrnehmungslenkung, nennt. Die PR-Spezialisten standen damals vor der Aufgabe, den Ruf des amerikanischen Gro\u00dfindustriellen John D. Rockefeller junior zu verbessern.<\/p>\n<p>Sein Ruf war, genau wie der von anderen sehr reichen Amerikanern wie Vanderbuild oder Astor, nicht gut. Zu oft waren ihre Namen und Firmen in Verbindung mit Ausbeutung, Not und Leid der arbeitenden Bev\u00f6lkerung gebracht worden. Das Bild von gierigen und gleichg\u00fcltigen Unternehmern, die ihre Arbeiter unterdr\u00fccken, war so fest in die Psyche der Menschen eingebrannt, dass sie diesen reichen Oligarchen den Spitznamen \u201eRobber Barons\u201c (R\u00e4uberbarone) gaben (10).<\/p>\n<p><strong>\u201eDen Leuten an der Spitze dieser Unternehmen wurde vorgeworfen, sich zulasten der \u00fcbrigen Gesellschaft pers\u00f6nlich zu bereichern\u201c (11), erl\u00e4utert der Soziologe David Miller.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man auf den Bergarbeiterstreik von 1913\/1914 in Colorado (USA) blickt, dann kann man verstehen, warum die Menschen so dachten. Immer wieder gab es bei den Kohlearbeitern Aufst\u00e4nde wegen der harten, gef\u00e4hrlichen Arbeitsbedingungen und des geringen Lohnes. Nachdem ein Arbeiter get\u00f6tet worden war, traten im Jahr 1913 \u00fcber 11.000 Minenarbeiter von Rockefellers Colorado Fuel &amp; Iron Corporation in den Streik. Sie errichteten Zeltst\u00e4dte und weigerten sich lange Zeit hartn\u00e4ckig, weiterzuarbeiten, obwohl die von Rockefeller bezahlte Nationalgarde sie mit Waffengewalt dazu zwingen wollte.<\/p>\n<p>Das war \u201eeiner der erbittertsten und grausamsten K\u00e4mpfe zwischen den Arbeitern und dem Gro\u00dfkapital in der Geschichte des Landes\u201c (12), schreibt der amerikanische Historiker Howard Zinn.<\/p>\n<p>Die K\u00e4mpfe der Streikenden mit der Nationalgarde f\u00fchrten schlie\u00dflich dazu, dass die Soldaten am 20. April 1914 eine Zeltstadt der Streikenden mit Gewehrfeuer beschossen und die Zelte der Menschen anz\u00fcndeten. Am n\u00e4chsten Tag fand man die Leichen von elf toten Kindern und zwei Frauen. Das wurde als das \u201eLudlow Massacre\u201c (Massaker von Ludlow) bekannt und f\u00fchrte zu Unruhen und Aufst\u00e4nden im ganzen Land (13). Immer mehr Menschen kritisierten John D. Rockefeller junior f\u00fcr seine gleichg\u00fcltige Haltung gegen\u00fcber den Sorgen und N\u00f6ten seiner Arbeiter, und er musste sich vor einem Untersuchungsausschuss verantworten. \u201eNiemals hatte der Name der Familie (Rockefeller) ein geringeres Ansehen gehabt\u201c (14), schreibt der Historiker Gitelman.<\/p>\n<p><strong>Als sich der Oligarch vor dem Kongress f\u00fcr die Gewalt gegen\u00fcber seinen Arbeitern rechtfertigen musste, zeigte er kein Mitgef\u00fchl und verteidigte das harte Vorgehen. Rockefeller wurde von dem Kongressvorsitzenden gefragt, wie weit er gehen w\u00fcrde, um eine Gewerkschaft zu verhindern:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnd Sie werden das tun, selbst wenn es Ihr ganzes Eigentum kostet und alle Ihre Angestellten get\u00f6tet werden?\u201c, fragte der Vorsitzende.<\/p>\n<p>Rockefeller antwortete: \u201eEs ist ein gro\u00dfartiges Prinzip\u201c (15).<\/p>\n<p>An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass es nicht nur vor 100 Jahren gleichg\u00fcltige m\u00e4chtige Pers\u00f6nlichkeiten gab. Am Beispiel der amerikanischen Au\u00dfenministerin Madeleine Albright aus dem Jahr 1996 kann man zeigen, dass auch heute noch Regierende manchmal mit wenig Empathie handeln. Albright wurde in einem Fernsehinterview zu den Sanktionen der USA gegen den Irak befragt. \u201eWir haben geh\u00f6rt, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima starben. Und, also, ist das den Preis wert?\u201c, fragte die Moderatorin. Albright antwortete: \u201eIch glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis \u2013 wir glauben, es ist den Preis wert\u201c (16).<\/p>\n<p><strong>Genau wie bei Madeleine Albright riefen auch die Aussagen von John D. Rockefeller junior Emp\u00f6rung hervor (17). Da sein Ansehen nun sehr stark gesunken war, beschloss dieser zu reagieren, und er engagierte den PR-Spezialisten Ivy Lee sowie den Politiker und sp\u00e4teren kanadischen Premierminister Mackenzie King (18).<\/strong><\/p>\n<p>Ivy Lee erkannte, dass die Menschen emotional aufgew\u00fchlt waren und den Namen Rockefeller mit Ungerechtigkeit und Unterdr\u00fcckung der Arbeiter verbanden. Um die Gef\u00fchle der Menschen zu beruhigen, beschloss er, eine andere Seite des Menschen anzusprechen. Nicht die aufgew\u00fchlten Gef\u00fchle, sondern die Gedanken sollten beeinflusst werden, um die Menschen zu beruhigen. Lee schrieb mehrere Pressemitteilungen, die von den Zeitungen oft w\u00f6rtlich abgedruckt wurden \u2013 eine Strategie, die er selbst entwickelt hatte und die es bis heute gibt (19).<\/p>\n<p>In seinen Mitteilungen bezeichnete Lee die Ereignisse in Colorado als \u201eKampf f\u00fcr die Freiheit der Industrie\u201c, \u00fcber die er mit \u201eFakten\u201c informieren wollte (20).<\/p>\n<p>Die Idee, \u201eFaktenchecks\u201c zu wichtigen Ereignissen zu ver\u00f6ffentlichen, ist folglich nicht neu. Das Ziel der von Ivy Lee pr\u00e4sentierten Fakten war, die Menschen davon zu \u00fcberzeugen, dass Rockefeller gerecht gehandelt hatte, damit die Menschen nun ihn und nicht die streikenden Bergarbeiter unterst\u00fctzen. Diese Schlussfolgerung sollten die Menschen selbst treffen.<\/p>\n<p><strong>Der Trick von Ivy Lees \u201eFaktenchecks\u201c war, dass die Fakten zwar alle stimmten und Ivy Lee nichts Falsches sagte. Er lie\u00df jedoch viele Dinge weg und gab nur das weiter, was seinem Auftraggeber n\u00fctzte.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie meisten der Mitteilungen beinhalteten oberfl\u00e4chlich richtige Dinge, aber sie stellten die Fakten so dar, dass das Gesamtbild falsch war\u201c (21), erkl\u00e4rt der Biograf von Ivy Lee. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieser Grundsatz f\u00fcr die menschliche Psyche bis heute gilt. Menschen k\u00f6nnen durch Informationen beeinflusst werden, egal ob diese selbst wahr oder falsch sind oder ob das Gesamtbild, das sie zeigen, wahr oder falsch ist. Damit nur die Informationen nach au\u00dfen drangen, die Rockefeller gut dastehen lie\u00dfen, versuchte dieser, die Ver\u00f6ffentlichung eines Berichts zu unterdr\u00fccken, der seinen Interessen feindlich gegen\u00fcberstand (22).<\/p>\n<p>Neben dieser Beruhigung der Gef\u00fchle der Menschen galt es nun, die Erkenntnisse des Behaviorismus zu nutzen und die Verbindung in den K\u00f6pfen der Menschen zu l\u00f6sen, die Rockefeller als einen R\u00e4uberbaron sahen (23). Man sollte seinen Namen nun mit Spenden und Wohltaten verbinden und ihn als den \u201eMenschenfreund\u201c (24) ansehen, als der er heute bei\u00a0<em>Wikipedia<\/em>\u00a0steht.<\/p>\n<p>Obwohl es seiner Meinung nach das Ludlow Massacre gar nicht gegeben hatte, wie er in einem Memorandum schrieb (25), besuchte er von nun an immer wieder die Kohlearbeiter und versuchte, sie als Verb\u00fcndete zu gewinnen. \u201eWir sind alle in gewisser Weise Partner. Das Kapital braucht euch M\u00e4nner, und ihr M\u00e4nner braucht das Kapital\u201c (26), sagte er zu den Arbeitern.<\/p>\n<p>Da Rockefeller und King den Arbeitern aber auf keinen Fall eine echte Gewerkschaft geben wollten (27), wurde stattdessen ein \u201eArbeiterrepr\u00e4sentationsplan\u201c entworfen (28), der den Arbeitern zumindest das Gef\u00fchl gab, dass der Oligarch ihnen zuh\u00f6rte und ein Mitspracherecht gab, wie der Rechtshistoriker Raymond Hogler schreibt.<\/p>\n<p>Ein weiteres Mittel, um die Verbindung \u201eRockefeller-R\u00e4uberbaron\u201c zu l\u00f6sen und die Verbindung \u201eRockefeller-Wohlt\u00e4ter\u201c in den K\u00f6pfen der Menschen zu verankern, war die Rockefeller-Familienstiftung. Sie war 1913 unter anderem von Rockefeller Junior und seinem Vater gegr\u00fcndet worden. Der Vater, John D. Rockefeller, war damals der reichste Mann der Welt (29) und hatte die Stiftung gegr\u00fcndet, weil er in der Kritik stand, illegal Land erworben zu haben, um mit seinem \u00d6limperium \u201eStandard Oil\u201c illegal noch reicher zu werden.<\/p>\n<p><strong>Die familieneigene Stiftung wurde wie ein Wirtschaftsunternehmen gef\u00fchrt, um \u201edas Wohlergehen der Menschheit auf der ganzen Welt\u201c (30) zu f\u00f6rdern, wie die Stiftung sagt.<\/strong><\/p>\n<p>Der Berater von Rockefeller Junior, Mackenzie King, kam auf die Idee, dass sein Sch\u00fctzling genau wie sein Vater die Stiftung nutzen konnte, um sein Image zu verbessern. Er \u00fcberredete den Oligarchen, die Rockefeller-Stiftung mit dem \u201eRockefeller-Plan\u201c (31) neu aufzustellen und den Bergarbeitern \u00f6ffentlichkeitswirksam Geld zukommen zu lassen. Au\u00dferdem bekam die Stiftung nach dem Ludlow-Massaker eine neue Abteilung f\u00fcr Arbeitsbeziehungen, die von King geleitet wurde (32).<\/p>\n<p>Genau wie Ivy Lee versuchte King, Rockefeller \u201evor den Bergarbeitern und vor der Bev\u00f6lkerung\u201c (33) in einem m\u00f6glichst guten Licht dastehen zu lassen. Dazu war es wichtig, nicht nur Geld zu spenden, sondern gleichzeitig Journalisten zu finden, die wohlwollend dar\u00fcber berichteten (34). Das war die Geburtsstunde eines weiteren Grundsatzes der PR: \u201eTu Gutes und rede dar\u00fcber\u201c, der bis heute gilt (35).<\/p>\n<p>Die Strategie, den ehemaligen R\u00e4uberbaron nun als Wohlt\u00e4ter zu zeigen, gilt als eine Lehrstunde modernen Propaganda, wenngleich diskutiert wird, wie ehrlich Ivy Lees positive Darstellung von Rockefeller war: \u201e(\u2026) viele der Unternehmen, f\u00fcr die Ivy Lee arbeitete, waren schreckliche Arbeitgeber, und die Tatsache, dass er ihr Bild in der \u00d6ffentlichkeit dadurch verbesserte, dass er ihre Sicht der Dinge erz\u00e4hlte, machte sie nicht zu besseren Arbeitgebern\u201c (36), kritisiert Keith Butterick.<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr, dass auch die Rockefeller-Stiftung nicht immer nur wohlt\u00e4tig war, stammt aus der heutigen Zeit: Im Jahr 2019 wurde die Stiftung gemeinsam mit anderen Unternehmen vor einem amerikanischen Gericht angeklagt, weil sie in den 1940er-Jahren in den USA und Guatemala \u201ebei Experimenten Menschen absichtlich mit Syphilis infiziert (hatte), um die Wirkung von Penizillin zu testen\u201c (37).<\/p>\n<p><span id=\"Die_Arbeit_der_Creel-Commission\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Die Arbeit der Creel-Commission<\/strong><\/p>\n<p>Ein zweites Beispiel f\u00fcr den Einsatz der modernen Propaganda ist die Arbeit der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86105\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Creel-Commission<\/a>. Sie wurde auf Wunsch von Woodrow Wilson gegr\u00fcndet, der fast gleichzeitig mit dem Bergarbeiterstreik in der Colorado Fuel &amp; Iron Corporation im Jahr 1912 zu seiner ersten Amtszeit als amerikanischer Pr\u00e4sident gew\u00e4hlt wurde. Kurze Zeit sp\u00e4ter fand das Massaker von Ludlow statt, und nur wenige Monate danach brach der Erste Weltkrieg aus.<\/p>\n<p>Die Menschen in den USA wollten damals nicht in den Krieg ziehen, und da Woodrow Wilson versprach, sich aus dem Krieg herauszuhalten, wurde er im Jahr 1916 wiedergew\u00e4hlt. Wilson hatte sich lange f\u00fcr eine Neutralit\u00e4t Amerikas ausgesprochen. \u201eJeder, der Amerika wirklich liebt, wird im wahren Geist der Neutralit\u00e4t handeln und reden, welcher der Geist der Unparteilichkeit und Fairness und Freundlichkeit gegen\u00fcber allen Beteiligten ist\u201c, hatte er betont (38, 39). Er wurde im Jahr 1916 zu seiner zweiten Amtszeit wiedergew\u00e4hlt und versprach noch w\u00e4hrend des Wahlkampfes, auf keinen Fall in einen Krieg mit dem deutschen Kaiserreich einzutreten. \u201eEs gibt so etwas wie ein Volk, das zu stolz ist f\u00fcr den Krieg\u201c (40), bekr\u00e4ftigte Wilson. Er hielt sein Versprechen auf Frieden nicht ein, und nur wenige Monate nach seiner Wiederwahl erkl\u00e4rten die USA dem deutschen Kaiserreich den Krieg.<\/p>\n<p><strong>Auch heute kommt es vor, dass amerikanische Pr\u00e4sidenten betonen, wie wichtig ihnen der Frieden ist, und sie dennoch Kriege beginnen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Pr\u00e4sident\u00a0<a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2022\/04\/15\/krieg-dem-kriege-der-hauptfeind-steht-im-eigenen-land\/\">Barack Obama<\/a>, der versprochen hatte: \u201eIch werde diesen Krieg im Irak verantwortungsvoll beenden und den Kampf gegen al-Qaeda und die Taliban in Afghanistan beenden\u201c (41). Im Jahr 2011 griffen die USA Libyen an und im Jahr 2014 Syrien. Beide amerikanischen Pr\u00e4sidenten erhielten den Friedensnobelpreis, Woodrow Wilson im Jahr 1919 (42) und Barack Obama im Jahr 2009 (43).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Obama f\u00fcr seine Pr\u00e4sidentschaftskampagne 2008 den weltgr\u00f6\u00dften Preis f\u00fcr die beste Werbekampagne gewann (44), war der professionelle Einsatz von Propaganda f\u00fcr Woodrow Wilson Neuland. Er stand vor der schwierigen Aufgabe, genau das Gegenteil von dem zu tun, was er im Wahlkampf versprochen hatte, und gegen das deutsche Kaiserreich Krieg zu f\u00fchren. Es war nicht leicht, diesen pl\u00f6tzlichen Kurswechsel der amerikanischen Bev\u00f6lkerung zu verkaufen, doch Wilson und seine Berater verlie\u00dfen sich auf eine geschickte Propagandakampagne, um die Menschen in den USA umzustimmen und davon zu \u00fcberzeugen, dass ein Kriegseintritt der USA n\u00f6tig und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86105\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">klug sei<\/a>.<\/p>\n<p>Die Kampagne wurde von den damals f\u00fchrenden PR-Spezialisten entwickelt, die auf die neueste psychologische Forschung zur\u00fcckgriffen. Daf\u00fcr gr\u00fcndete Wilson im Jahr 1917 den sogenannten Committee of Public Information (Ausschuss f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit), der von dem ehemaligen Zeitungsjournalisten George Creel geleitet wurde und daher auch Creel-Commission genannt wird. Der Ausschuss sollte die Bev\u00f6lkerung der USA in nur wenigen Monaten davon \u00fcberzeugen, dass die USA in den Krieg eintreten mussten.<\/p>\n<p><strong>Denn Wilson hatte seine Meinung aus dem Wahlkampf ge\u00e4ndert und erkl\u00e4rte im Jahr 1917, der Krieg sei n\u00f6tig. Man m\u00fcsse diesen Krieg f\u00fchren, einen \u201eKrieg, um alle Kriege zu beenden\u201c, und um die \u201eWelt sicher f\u00fcr Demokratie\u201c zu machen (45), wie er bei einer Rede verk\u00fcndete.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Historiker Christopher Simpson war die Aufgabe der Creel-Commission nun, eine \u201epsychologische Kriegsf\u00fchrung\u201c zu betreiben (46). Der Kommission geh\u00f6rten unter anderem die Propagandaspezialisten Ivy Lee, der schon f\u00fcr John D. Rockefeller Junior gearbeitet hatte, und Edward Bernays an sowie Harold Lasswell, welcher die Arbeit der Creel-Commission mit der eines \u201eheimlichen Propagandaministers\u201c verglich (47).<\/p>\n<p>Die Arbeit der Creel-Commission st\u00fctzte sich auf die Ideen der Massenpsychologie. Daher war es zun\u00e4chst wichtig, die Menschen in den USA davon zu \u00fcberzeugen, dass nicht nur einige wenige Politiker, sondern dass die Mehrheit der Menschen selbst den Krieg wollte.<\/p>\n<p>Die Regierung bezahlte daf\u00fcr 75.000 Mitarbeiter, die in 5000 St\u00e4dten und Orten in ganz Amerika scheinbar spontane, kurze Reden von vier Minuten hielten, in denen sie den Krieg als wichtig und gerecht forderten. Insgesamt gaben sie 750.000 Reden in Theatern, Kinos, bei \u00f6ffentlichen Veranstaltungen und so weiter und versuchten so, eine kriegsm\u00fcde amerikanische Bev\u00f6lkerung zu \u00fcberzeugen (48).<\/p>\n<p>Eine weitere Strategie war, die Erkenntnisse aus dem Behaviorismus und der Psychoanalyse zu nutzen. Man versuchte, die tiefen Gef\u00fchle der Menschen anzusprechen und durch st\u00e4ndige Wiederholung in ihren K\u00f6pfen eine Verbindung zu schaffen, die deutsche Soldaten mit gef\u00e4hrlichen Bestien verkn\u00fcpfte. Man nennt diese Technik auch \u201eGr\u00e4uelpropaganda\u201c (49). Daf\u00fcr wurden Plakate gedruckt, und es erschienen Zeitungsberichte, die behaupteten, die Deutschen seien b\u00f6se Hunnen, die in Belgien kleine Babys t\u00f6teten (50) und viele andere Grausamkeiten begingen.<\/p>\n<p>Das stimmte zwar nicht, aber f\u00fcr die Gef\u00fchle der Menschen spielte das keine Rolle. Der Zweck der Massenpropaganda, n\u00e4mlich Hass und Mitleid hervorzurufen (51), war erfolgreich, und so begann sich ihre Meinung nach und nach zu drehen. \u201eAus friedliebenden Menschen wurden auf einmal antideutsche Fanatiker. (\u2026) Die Creel-Commission war sehr erfolgreich\u201c, erkl\u00e4rt\u00a0<a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2021\/01\/27\/klartext-rebellion-oder-untergang\/\">Noam Chomsky<\/a>\u00a0(52).<\/p>\n<p><strong>Als Wilson am 6. April 1917 den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg verk\u00fcndete, begr\u00fcndete er das folglich mit der Forderung, \u201eman m\u00fcsse die Freiheit verteidigen und die Demokratie sch\u00fctzen\u201c (53). Die Zeitungen in den USA bem\u00fchten sich, den Krieg zu unterst\u00fctzen und keine Kritik daran abzudrucken.<\/strong><\/p>\n<p>Auch das beeinflusste die Menschen und vermittelte ihnen den Eindruck, dass die Zustimmung zum Krieg gro\u00df sei, obwohl sich das nicht mit Sicherheit sagen l\u00e4sst. \u201eWir d\u00fcrfen jetzt keine Kritik haben\u201c, zitierte die\u00a0<em>New York Times<\/em>\u00a0im Jahr 1917 den ehemaligen Kriegsminister, der hinzuf\u00fcgte, man sollte Kritiker am besten wegen Hochverrats erschie\u00dfen (54).<\/p>\n<p>Dies konnte jedoch nicht alle Amerikaner \u00fcberzeugen, und immer wieder wehrten sich junge M\u00e4nner bei der Einberufung, die von Wilson angesprochene \u201eFreiheit\u201c in Europa zu \u201everteidigen\u201c. Die Propagandakampagne wurde daher noch von einem anderen Mittel begleitet, n\u00e4mlich der Angst und Spannung. Im Sommer 1917 wurde dazu die American Defense Society gegr\u00fcndet, und das Justizministerium finanzierte die American Protective League, die dazu aufrief, Kritiker des Kriegs zu melden, und denen selbst vorgeworfen wurde, mit Gewalt gegen sie vorzugehen. Auch die Creel-Commission forderte die Bev\u00f6lkerung auf, \u201eMenschen zu melden, die pessimistische Geschichten verbreiten. Melden Sie sie dem Justizministerium\u201c (55).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurde 1917 das sogenannte Spionagegesetz erlassen, das sich jedoch nicht gegen Spionage richtete. \u201eDas Spionagegesetz wurde benutzt, um Amerikaner einzusperren, die sich gegen den Krieg aussprachen\u201c (56), erkl\u00e4rt der Historiker Howard Zinn.<\/p>\n<p><strong>Einer dieser Kritiker war Eugene Debs. Er ist ein Beispiel daf\u00fcr, dass Propaganda nicht immer und nicht bei jedem Menschen wirkt und es m\u00f6glich ist, sich auch dann noch mutig gegen den Krieg zu stellen, wenn man daf\u00fcr bestraft werden kann. Er sprach im Jahr 1918 zu einer gr\u00f6\u00dferen Menschenmenge:<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eSie sagen uns, dass wir in einer gro\u00dfartigen, freien Republik leben; dass unsere Institutionen demokratisch sind; dass wir freie und selbstbestimmte Menschen sind. Das ist zu viel, sogar als Witz. (\u2026) Durch die Geschichte hindurch wurden Kriege immer zur Eroberung und Pl\u00fcnderung gef\u00fchrt. (\u2026) Und das ist Krieg kurz und knapp zusammengefasst. Die herrschende Klasse hat immer Kriege erkl\u00e4rt; und die unterworfene Klasse hat immer die Schlachten gef\u00fchrt\u201c<\/em>\u00a0(57).<\/p>\n<p><span id=\"Parallelen_zu_heute_und_die_Grenzen_von_Propaganda\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Parallelen zu heute und die Grenzen von Propaganda<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeit der Creel-Commission endete im Jahr 1919, doch die moderne Propaganda hatte gerade erst begonnen. Edward Bernays, Ivy Lee und viele andere PR-Spezialisten f\u00fchrten die Arbeit an Propaganda fort. \u201eAls ich erkannte, was in der Welt los war, und gesehen hatte, welch m\u00e4chtige Waffen Ideen sein konnten, beschloss ich, mal zu sehen, ob wir nicht das, was ich im Krieg gelernt hatte, in Friedenszeiten anwenden konnten\u201c (58), erz\u00e4hlte Bernays sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Er war lange als Propagandafachmann aktiv und half ab 1951 mit, die \u00f6ffentliche Meinung so zu lenken, dass die USA Guatemala bombardieren und den demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Jacobo Arbenz st\u00fcrzen konnten (59). Sein Kollege Ivy Lee wurde seinerzeit als Berater unter anderem von Nazideutschland engagiert (60).<\/p>\n<p><strong>Das sind zwei Beispiele daf\u00fcr, dass die Arbeit von Propagandaspezialisten, die Manipulation der Menschen und die Verbindung von psychologischer Kriegsf\u00fchrung und Kriegen auch nach den beiden Weltkriegen nicht aufgeh\u00f6rt hat.<\/strong><\/p>\n<p>Bis heute versuchen Regierungen und PR-Agenturen, die Gedanken und Gef\u00fchle der Menschen zu beeinflussen, wof\u00fcr sie immer neue Strategien entwickeln. So waren die amerikanischen Werbeagenturen Hill and Knowlton sowie Ruder Finn w\u00e4hrend der Kriege der USA gegen den Irak 1990 (61) und Jugoslawien ab 1991 (62) aktiv.<\/p>\n<p>Ein aktuelles Beispiel f\u00fcr Propaganda ist die kognitive Kriegsf\u00fchrung der NATO, die als eines der modernsten Manipulationsprogramme gilt. Man kann aus dem Blick in die Anf\u00e4nge dieser modernen Propaganda viel lernen. Und wie das Beispiel von Eugene Debs zeigt, ist es immer m\u00f6glich, sich gegen Hass und Manipulation und f\u00fcr den Frieden zu entscheiden.<\/p>\n<div class=\"wp-block-spacer\" aria-hidden=\"true\"><\/div>\n<p><strong>Redaktioneller Hinweis:<\/strong>\u00a0Der Beitrag \u201e<a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/die-geburtsstunde-der-propaganda\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Geburtsstunde der Propaganda<\/a>\u201c von Jonas T\u00f6gel erschien erstmals am 10.8.2022 auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rubikon \u2013 Magazin f\u00fcr die kritische Masse<\/a>\u00a0und wurde von Neue Debatte \u00fcbernommen. Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/4.0\/deed.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Namensnennung \u2013 Nicht kommerziell \u2013 Keine Bearbeitungen 4.0 International<\/a>) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen d\u00fcrfen Sie es verbreiten und vervielf\u00e4ltigen.<\/p>\n<p id=\"quellen-und-anmerkungen\"><span id=\"Quellen_und_Anmerkungen\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Quellen und Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>(1) Vergleiche Keith Butterick: Introducing Public Relations \u2013 Theory and Practice (2011), SAGE Publications, Thousand Oaks, Seiten 8, 11.<\/p>\n<p>(2) Jimmy Leipold: Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache, Frankreich 2017, arte.<\/p>\n<p>(3) Helmut E. L\u00fcck, Susanne Guski-Leinwand: Geschichte der Psychologie (2014), W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Seite 46.<\/p>\n<p>(4) Vergleiche Helmut E. L\u00fcck, Susanne Guski-Leinwand: Geschichte der Psychologie (2014), W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Seite 47.<\/p>\n<p>(5) Vergleiche Georg Eckardt: Kernprobleme in der Geschichte der Psychologie (2010), VS Verlag, Wiesbaden, Seite 273.<\/p>\n<p>(6) Erich Fromm: Die Grundpositionen der Psychoanalyse, 1982, Seite 21.<\/p>\n<p>(7) Vergleiche Helmut E. L\u00fcck, Susanne Guski-Leinwand: Geschichte der Psychologie (2014), W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Seite 104.<\/p>\n<p>(8) Jimmy Leipold: Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache, Frankreich 2017, arte.<\/p>\n<p>(9) Vergleiche zum Beispiel Kimberly D. Elsbach: Organizational Perception Management, Research in Organizational Behavior, Volume 25, 2003, Seiten 297 bis 332.<\/p>\n<p>(10) Keith Butterick: Introducing Public Relations \u2013 Theory and Practice (2011), SAGE Publications, Thousand Oaks, Seite 10.<\/p>\n<p>(11) Jimmy Leipold: Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache, Frankreich 2017, arte.<\/p>\n<p>(12) Howard Zinn: A People\u2019s History of the United States (1980), Harper Colophon Books, London u.a., Seite 346.<\/p>\n<p>(13) Vergleiche Howard Zinn: A People\u2019s History of the United States (1980), Harper Colophon Books, London u.a., Seiten 347 und 348.<\/p>\n<p>(14) Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seite 30.<\/p>\n<p>(15) Am angegebenen Ort, Seite 15 (16) CBS-TV-Show 60 Minutes, 12. Mai 1996.<\/p>\n<p>(17) Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seiten 92 folgende.<\/p>\n<p>(18) Vergleiche Michael Kunczik: Public Relations \u2013 Konzepte und Theorien (2010), B\u00f6hlau Verlag, K\u00f6ln, Seiten 249 fortfolgende.<\/p>\n<p>(19) Keith Butterick: Introducing Public Relations \u2013 Theory and Practice (2011), SAGE Publications, Thousand Oaks, Seite 11.<\/p>\n<p>(20) Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seite 35.<\/p>\n<p>(21) Ray Hiebert: Courtier to the Crows \u2013 The Story of Ivy Lee and the Development of Public Relations (1966), Iowa State University Press, Ames, 1966, Seite 101.<\/p>\n<p>(22) Vergleiche Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seite 35.<\/p>\n<p>(23) Vergleiche Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seiten 91 fortfolgende.<\/p>\n<p>(24)\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/John_D._Rockefeller_Jr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/John_D._Rockefeller_Jr.<\/a><\/p>\n<p>(25) Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seite 23.<\/p>\n<p>(26)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.pbs.org\/wgbh\/americanexperience\/features\/rockefellers-ludlow\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.pbs.org\/wgbh\/americanexperience\/features\/rockefellers-ludlow<\/a><\/p>\n<p>(27) Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seite 151.<\/p>\n<p>(28) Raymond Hogler: From Ludlow to Chattanooga and beyond (2016), Journal of Management History, Vol.22 (2), Seiten 130 bis 145, Seite 131.<\/p>\n<p>(29)\u00a0<a href=\"https:\/\/resource.rockarch.org\/story\/rockefeller-foundation-history-origins-to-2013\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/resource.rockarch.org\/story\/rockefeller-foundation-history-origins-to-2013<\/a><\/p>\n<p>(30)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rockefellerfoundation.org\/about-us\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.rockefellerfoundation.org\/about-us<\/a><\/p>\n<p>(31) Labour, (2011), Vol.68 (68), Seiten 210 bis 212.<\/p>\n<p>(32)\u00a0<a href=\"https:\/\/de.frwiki.wiki\/wiki\/Fondation_Rockefeller\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.frwiki.wiki\/wiki\/Fondation_Rockefeller<\/a><\/p>\n<p>(33) Howard M. Gitelman: Legacy of the Ludlow Massacre \u2013 A Chapter in American Industrial Relations (1988), University Pennsylvania Press, Philadelphia, Seite 102.<\/p>\n<p>(34) Vergleiche Kirk Hallahan: Ivy Lee and the Rockefellers\u2018 Response to the 1913-1914 Colorado Coal Strike (2002), Journal of Public Relations Research 14(4):265 bis 315.<\/p>\n<p>(35) Michael Kunczik: Public Relations \u2013 Konzepte und Theorien, K\u00f6ln: B\u00f6hlau Verlag 2010, Seite 251.<\/p>\n<p>(36) Keith Butterick: Introducing Public Relations \u2013 Theory and Practice (2011), SAGE Publications, Thousand Oaks, Seiten 30 folgende.<\/p>\n<p>(37)\u00a0<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2020\/03\/220101\/guatemala-usa-syphilis-experiment\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/amerika21.de\/2020\/03\/220101\/guatemala-usa-syphilis-experiment<\/a><\/p>\n<p>(38)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.huffpost.com\/entry\/he-kept-us-out-of-war_b_3931495\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.huffpost.com\/entry\/he-kept-us-out-of-war_b_3931495<\/a><\/p>\n<p>(39) Woodrow Wilson (1914): Neutrality Message, zitiert nach Cartoonist\u2019s Magazine, New York No. 4, Vol. 6, Oktober 1914, Seite 503.<\/p>\n<p>(40) Howard Zinn: A People\u2019s History of the United States (1980), Harper Colophon Books, London u.a., Seite 352.<\/p>\n<p>(41)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.huffpost.com\/entry\/a-look-at-how-obama-is-keeping-up-with-his-2008-promises_n_55e09a0de4b0b7a96338ca2f\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.huffpost.com\/entry\/a-look-at-how-obama-is-keeping-up-with-his-2008-promises_n_55e09a0de4b0b7a96338ca2f<\/a><\/p>\n<p>(42)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nobelprize.org\/prizes\/peace\/1919\/wilson\/facts\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.nobelprize.org\/prizes\/peace\/1919\/wilson\/facts<\/a><\/p>\n<p>(43)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nobelprize.org\/prizes\/peace\/2009\/summary\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.nobelprize.org\/prizes\/peace\/2009\/summary<\/a><\/p>\n<p>(44)\u00a0<a href=\"https:\/\/abcnews.go.com\/Business\/Politics\/story?id=7947528&amp;page=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/abcnews.go.com\/Business\/Politics\/story?id=7947528&amp;page=1<\/a><\/p>\n<p>(45) Howard Zinn: A People\u2019s History of the United States (1980), Harper Colophon Books, London u.a., Seite 355.<\/p>\n<p>(46) Christopher Simpson: Science of Coercion \u2013 Communication Research &amp; Psychological Warfare 1945-1960 (1994), Oxford University Press, New York, Seite 15.<\/p>\n<p>(47) Ibidem<\/p>\n<p>(48) Vergleiche Howard Zinn: A People\u2019s History of the United States (1980), Harper Colophon Books, London u.a., Seite 355.<\/p>\n<p>(49) Detlef R. Peters: Das US-Committee on Public Information \u2013 Ein Beitrag zur Organisation und Methodik der geistigen Kriegsf\u00fchrung in den USA im Ersten Weltkrieg, K\u00f6hler Minden, Berlin 1964, Seiten 95 fortfolgende.<\/p>\n<p>(50) Jimmy Leipold: Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache, Frankreich 2017, arte.<\/p>\n<p>(51) Detlef R. Peters: Das US-Committee on Public Information \u2013 Ein Beitrag zur Organisation und Methodik der geistigen Kriegsf\u00fchrung in den USA im Ersten Weltkrieg, K\u00f6hler Minden, Berlin 1964, Seiten 95 fortfolgende.<\/p>\n<p>(52) Jimmy Leipold: Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache, Frankreich 2017, arte.<\/p>\n<p>(53)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/245922\/vor-100-jahren-usa-treten-in-den-ersten-weltkrieg-ein\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/245922\/vor-100-jahren-usa-treten-in-den-ersten-weltkrieg-ein<\/a><\/p>\n<p>(54) Vergleiche Howard Zinn: A People\u2019s History of the United States (1980), Harper Colophon Books, London u.a., Seite 359.<\/p>\n<p>(55) Ibidem., Seite 360.<\/p>\n<p>(56) Ibidem, Seite 356.<\/p>\n<p>(57) Howard Zinn: A People\u2019s History of the United States (1980), Harper Colophon Books, London u.a., Seite 358.<\/p>\n<p>(58) Jimmy Leipold: Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache, Frankreich 2017, arte.<\/p>\n<p>(59) William Blum, Killing Hope \u2013 Zerst\u00f6rung der Hoffnung, Globale Operationen der CIA seit dem 2. Weltkrieg (2008), Zambon, Frankfurt am Main, Seiten 139 fortfolgende.<\/p>\n<p>(60) Encyclop\u00e6dia Britannica Online (2020), Lee, Ivy Ledbetter.<\/p>\n<p>(61) Vergleiche zum Beispiel Susanne A. Roschwalb: The Hill &amp; Knowlton cases: A brief on the controversy (1994), Public Relations Review, Volume 20, Issue 3, Seiten 267\/276.<\/p>\n<p>(62) Vergleiche zum Beispiel Danielle S. Sremac: War of Words: Washington Tackles the Yugoslav Conflict (1999), Greenwood Publishing Group. Westport.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir werden immer manipuliert. Glauben wir, dass dem nicht so ist, kann dies ein Zeichen daf\u00fcr sein, dass die Manipulation besonders gut funktioniert hat. 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