{"id":1637509,"date":"2022-08-05T17:02:32","date_gmt":"2022-08-05T16:02:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1637509"},"modified":"2022-09-21T10:56:47","modified_gmt":"2022-09-21T09:56:47","slug":"das-stickstoffproblem-in-der-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2022\/08\/das-stickstoffproblem-in-der-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Das Stickstoffproblem in der Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_pb_module et_pb_text et_pb_text_0 et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n<div class=\"et_pb_text_inner\">\n<p><strong>Wir brauchen eine Verringerung des Einsatzes von chemischen D\u00fcngemitteln, wobei die chemische Industrie f\u00fcr die durch sie verursachte Umweltverschmutzung zahlen muss, anstatt die Landwirte zu kriminalisieren, die durch die industrielle Landwirtschaft in die chemische Tretm\u00fchle geraten sind.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Dr. Vandana Shiva<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"et_pb_module et_pb_text et_pb_text_1 et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n<div class=\"et_pb_text_inner\">\n<p>Das Stickstoffproblem in der Landwirtschaft ist ein Problem, das durch synthetische Stickstoffd\u00fcnger aus fossilen Brennstoffen verursacht wird. Stickstoffd\u00fcnger tragen sowohl bei ihrer Herstellung als auch bei ihrem Einsatz zur Verschmutzung der Atmosph\u00e4re und zum Klimawandel bei.<\/p>\n<p>Die Herstellung von Kunstd\u00fcnger ist sehr energieintensiv. F\u00fcr ein Kilogramm Stickstoffd\u00fcnger wird das Energie\u00e4quivalent von zwei Litern Diesel ben\u00f6tigt. Die bei der Herstellung von D\u00fcngemitteln verbrauchte Energie entsprach im Jahr 2000 191 Milliarden Litern Diesel und wird den Prognosen zufolge bis 2030 auf 277 Milliarden steigen. Dies tr\u00e4gt ma\u00dfgeblich zum Klimawandel bei, was jedoch weitgehend ignoriert wird. F\u00fcr ein Kilogramm Phosphatd\u00fcnger wird ein halber Liter Diesel ben\u00f6tigt. [1]<\/p>\n<p>Stickstoffd\u00fcnger emittieren au\u00dferdem das Treibhausgas N2O (Lachgas), das das Klimasystem 300-mal st\u00e4rker destabilisiert als CO2.<\/p>\n<div id=\"attachment_1637524\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1637524\" class=\"wp-image-1637524 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-1_Nine-planetary-boundaries-Steffen-et-al-2015.png\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"607\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-1_Nine-planetary-boundaries-Steffen-et-al-2015.png 850w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-1_Nine-planetary-boundaries-Steffen-et-al-2015-300x214.png 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-1_Nine-planetary-boundaries-Steffen-et-al-2015-820x586.png 820w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><p id=\"caption-attachment-1637524\" class=\"wp-caption-text\">Neun planetarische Grenzen (Steffen et al. 2015)<\/p><\/div>\n<p>Das lineare, auf fossilen Brennstoffen basierende System der extraktiven Landwirtschaft f\u00fchrt zum Bruch \u00f6kologischer Prozesse und planetarischer Grenzen. Die drei planetarischen Grenzen, die bis in eine Gefahrenzone hinein \u00fcberschritten wurden, sind die biologische Vielfalt, \u2013 insbesondere die genetische Vielfalt \u2013 sowie die Phosphat- und Stickstoffverschmutzung durch chemische D\u00fcngemittel. Die schwerwiegendsten Verletzungen der planetarischen Grenzen sind auf die mit fossilen Brennstoffen betriebene, chemieintensive industrielle und globalisierte Landwirtschaft zur\u00fcckzuf\u00fchren: die St\u00f6rung der Integrit\u00e4t von biologischer und genetischer Vielfalt, die zu deren Verlust und zum Aussterben von Arten f\u00fchrt, sowie die biochemischen Stickstoff- und Phosphorkreisl\u00e4ufe, die durch gro\u00dffl\u00e4chige Monokulturen und den gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz chemischer Pestizide entstehen. Die Erosion der genetischen Vielfalt und die \u00dcberschreitung der Stickstoffgrenze haben bereits ein katastrophales Ausma\u00df erreicht. Alle drei \u00dcberschreitungen sind auf das chemieintensive, fossile Brennstoffe verbrauchende Industriemodell der Landwirtschaft zur\u00fcckzuf\u00fchren. 93 % der Kulturpflanzen sind verschwunden.<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche und gerechte Antwort auf das Stickstoffproblem besteht in der Umstellung von der mit fossilen Brennstoffen betriebenen chemischen Landwirtschaft auf eine biodiverse, \u00f6kologische und regenerative Landwirtschaft. Chemiefreie Lebensmittel sind gut f\u00fcr die Gesundheit des Planeten und der Menschen. [2]<\/p>\n<p>Die unwissenschaftliche, ungerechte und undemokratische Antwort auf das von der chemischen Industrie geschaffene Stickstoffproblem besteht darin, die Landwirte zu reduzieren, anstatt die Abh\u00e4ngigkeit von chemischen D\u00fcngemitteln zu verringern, wie es in den Niederlanden geschieht. [3]<\/p>\n<p>Um den Einsatz von chemischen D\u00fcngemitteln zu verringern, m\u00fcssen Regierungen die D\u00fcngemittelindustrie f\u00fcr die Stickstoffverschmutzung regresspflichtig machen und Subventionen von der industriellen auf die \u00f6kologische Landwirtschaft umleiten. Landwirte f\u00fcr die Verbrechen der chemischen Industrie zu bestrafen, ist unfair und ungerecht. Wir brauchen mehr Landwirte, nicht weniger, um die Erde durch eine Wirtschaft der F\u00fcrsorge und Zugeh\u00f6rigkeit zu regenerieren und echte Lebensmittel zu produzieren, die die Gesundheit des Planeten und unsere Gesundheit regenerieren.<\/p>\n<p>Es gibt eine dystopische Vision von einer Zukunft der \u00bbLandwirtschaft ohne Bauern\u00ab, daf\u00fcr mit einer digitalen Landwirtschaft, mit gr\u00f6\u00dferen Betrieben, mehr D\u00fcngereinsatz und einem st\u00e4rkeren Verlust an biologischer Vielfalt.<\/p>\n<p>Milliard\u00e4re wie Bill Gates schaffen eine \u00bbLandwirtschaft ohne Bauern\u00ab und f\u00f6rdern gleichzeitig den verst\u00e4rkten Einsatz synthetischer D\u00fcngemittel, was das Stickstoffproblem noch versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Gates f\u00f6rdert Stickstoffd\u00fcnger und chemieintensives GVO-Soja als Rohstoff f\u00fcr im Labor hergestellte k\u00fcnstliche Lebensmittel, die als \u00bbpflanzen-basiert\u00ab bezeichnet werden. [4]<\/p>\n<div id=\"attachment_1637534\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1637534\" class=\"wp-image-1637534 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-2_Gates-and-fertilizer.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"407\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-2_Gates-and-fertilizer.png 600w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-2_Gates-and-fertilizer-300x204.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-1637534\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Gates Notes<\/p><\/div>\n<p>Das Rezept des Milliard\u00e4rs besteht darin, noch gr\u00f6\u00dfere chemieintensive Monokulturen mit synthetischen Stickstoffd\u00fcngern k\u00fcnstlich zu d\u00fcngen, die Lachgas, ein Treibhausgas, freisetzen.<\/p>\n<p>In v\u00f6lliger Leugnung der Klimawissenschaft und der Boden\u00f6kologie setzt Gates den \u00bbchemischen Hokuspokus\u00ab fort, wenn er sagt, dass wir mehr D\u00fcnger verwenden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u00bbUm Nutzpflanzen anzubauen, braucht man tonnenweise Stickstoff \u2013 viel mehr, als man in der Natur je finden w\u00fcrde. Durch die Zugabe von Stickstoff wird Mais bis zu drei Meter hoch und produziert enorme Mengen an Saatgut.\u00ab [5]<\/p>\n<p>Diese Aussage ist wissenschaftlich und \u00f6kologisch falsch.<\/p>\n<p>Der Boden ist ein lebendiges System. Es gibt mehrere Wege, den Boden und den Bodenstickstoff zu regenerieren und den Stickstoffkreislauf zu heilen.<\/p>\n<p>Ein lebendiger Boden geriet ein ganzes Jahrhundert lang in Vergessenheit, mit sehr hohen Kosten f\u00fcr Natur und Gesellschaft. Boden wurde als \u00bbleerer Beh\u00e4lter\u00ab definiert, in den man synthetische D\u00fcngemittel sch\u00fctten konnte, die f\u00e4lschlicherweise als Quelle der Bodenfruchtbarkeit angesehen wurden. \u00bb<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haber-Bosch-Verfahren#Brot_aus_Luft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brot aus Luft<\/a>\u00ab war der Slogan nach der Entdeckung des Haber-Bosch-Verfahrens zur Fixierung von Luftstickstoff durch Verbrennung fossiler Brennstoffe. Es entstand die Illusion, dass wir keinen Boden br\u00e4uchten.<\/p>\n<p>Es gab die \u00fcbertriebene Behauptung, dass Kunstd\u00fcnger die Nahrungsmittelproduktion steigern und alle \u00f6kologischen Grenzen, die der Landwirtschaft durch den Boden gesetzt sind, beseitigen w\u00fcrde. Heute mehren sich die Beweise daf\u00fcr, dass Kunstd\u00fcnger die Bodenfruchtbarkeit und die Nahrungsmittelproduktion verringert und zu W\u00fcstenbildung, Wasserknappheit und Klimawandel beigetragen haben. Sie haben tote Zonen in den Ozeanen geschaffen.<\/p>\n<p>Das\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haber-Bosch-Verfahren#Technische_Realisierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verfahren zur Herstellung von Sprengstoff<\/a>\u00a0durch Verbrennung fossiler Brennstoffe bei hoher Temperatur zur Fixierung von atmosph\u00e4rischem Stickstoff wurde sp\u00e4ter zur Herstellung von chemischen D\u00fcngemitteln verwendet.<\/p>\n<p>Justus von Liebig, der Vater der organischen Chemie, war der erste Wissenschaftler, der die Rolle des Stickstoffs in den Pflanzen erkl\u00e4rte, der aber schnell von der Gier nach Kommerz vereinnahmt wurde. Es entstand eine neue Industrie f\u00fcr die externe Zufuhr von Stickstoff, die als \u00bbWachstumsstimulanzien\u00ab bezeichnet wurde. Emp\u00f6rt \u00fcber die Verf\u00e4lschung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse, schrieb er 1861 ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.google.de\/books\/edition\/Ueber_die_Entwickelung_des_landwirthscha\/_LljmhmmTsgC?hl=de&amp;gbpv=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buch<\/a>\u00a0mit dem Titel \u00bb<em>Ueber die Entwickelung des landwirthschaftlichen Gewerbes und den Einfluss der Wissenschaft auf dieselbe\u00ab<\/em>.<\/p>\n<p>Liebigs Buch war die Stimme eines wahren Wissenschaftlers, der seine Wahrheit vor den Verzerrungen einer Pseudowissenschaft sch\u00fctzte, die von kommerziellen Interessen geschaffen wurde. Er schreibt: \u00bbIch dachte, es w\u00fcrde ausreichen, die Wahrheit zu verk\u00fcnden und zu verbreiten, wie es in der Wissenschaft \u00fcblich ist. Schlie\u00dflich begriff ich, dass dies nicht richtig war und dass die Alt\u00e4re der\u00a0<strong>L\u00fcge zerst\u00f6rt werden m\u00fcssen, wenn wir der Wahrheit eine faire Chance geben wollen<\/strong>.\u00ab Die Wahrheit, die Liebig verteidigte, war, dass der Boden lebendig ist und sein Leben von der Wiederverwertung abh\u00e4ngt, oder was Sir Albert Howard in seinem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.buecher.de\/shop\/bodenkunde\/mein-landwirtschaftliches-testament\/howard-albert-sir\/products_products\/detail\/prod_id\/12269492\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buch<\/a>\u00a0\u00bbMein landwirtschaftliches Testament\u00ab fast ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter \u00bbDas Gesetz der R\u00fcckf\u00fchrung\u00ab nannte. Die L\u00fcge, die er zerst\u00f6ren wollte, nannte er den \u00bbchemischen Hokuspokus\u00ab, der besagt, dass man dem Boden st\u00e4ndig N\u00e4hrstoffe entziehen kann und nichts zur\u00fcckgeben braucht, um \u00bbhohe Ertr\u00e4ge\u00ab zu erzielen. [6]<\/p>\n<p>Der Verkauf von mehr D\u00fcngemitteln ist gut f\u00fcr die Profite der chemischen Industrie, aber er ist nicht gut f\u00fcr den Boden oder das Klima. Er verst\u00f6\u00dft gegen das nat\u00fcrliche Gesetz der R\u00fcckf\u00fchrung. Und es verwehrt den Landwirten die \u00f6kologischen Alternativen, den Stickstoff im Boden zu regenerieren und zu erneuern.<\/p>\n<p>Die Landwirte haben das Stickstoffproblem nicht geschaffen. Das Problem ist von der chemischen Industrie verursacht worden. Nach dem Verursacherprinzip muss die chemische Industrie f\u00fcr die Verschmutzung aufkommen. Die Landwirte sind die Verbraucher von D\u00fcngemitteln, nicht die Hersteller. Sie sind Opfer eines chemieintensiven industriellen Landwirtschaftssystems ebenso wie die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren und die Verbraucher, deren Gesundheit durch von industrieller Ern\u00e4hrung verursachten chronische Krankheiten degeneriert. Der Planet und die Menschen brauchen mehr Landwirte, nicht weniger.<\/p>\n<p>Die Landwirte zu opfern, um das Stickstoffproblem zu l\u00f6sen, ist unehrlich, weil es die Landwirte f\u00fcr ein Problem verantwortlich macht, das von der chemischen Industrie geschaffen wurde. Es ist unehrlich und inkonsequent zu sagen, dass die Landwirtschaftsbetriebe reduziert werden m\u00fcssen, w\u00e4hrend der Einsatz von chemischen D\u00fcngemitteln weiter gef\u00f6rdert wird, wie es Gates, die chemische Industrie und die Regierungen tun.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die chemische Industrie den Mythos verbreitet, dass chemische D\u00fcngemittel f\u00fcr die Nahrungsmittelproduktion notwendig seien und den Hunger bek\u00e4mpften, haben sie durch die F\u00f6rderung von Monokulturen die biologische Vielfalt zerst\u00f6rt und durch die Zerst\u00f6rung der biologischen Vielfalt des lebenden Bodens zur Versteppung der B\u00f6den beigetragen. Durch die Zerst\u00f6rung der organischen Substanz im Boden wird die F\u00e4higkeit des Bodens, Feuchtigkeit zu speichern, beeintr\u00e4chtigt, sodass eine intensive Bew\u00e4sserung erforderlich wird, wodurch der Stickstoff- und Phosphorkreislauf weiter gest\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Unsere Forschung und Praxis bei Navdanya in den letzten zwei Jahrzehnten zeigt, dass die regenerative \u00f6kologische Landwirtschaft den Stickstoff im Boden aufbaut, w\u00e4hrend synthetische D\u00fcngemittel ihn aufbrauchen. [7]<\/p>\n<div id=\"attachment_1637554\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1637554\" class=\"wp-image-1637554 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-3_Organic_chemical.png\" alt=\"\" width=\"482\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-3_Organic_chemical.png 482w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-3_Organic_chemical-300x300.png 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild-3_Organic_chemical-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><p id=\"caption-attachment-1637554\" class=\"wp-caption-text\">Tabelle \u00bbAuswirkungen der kontinuierlichen Bewirtschaftung auf den Boden bei biologischer (rechts) und chemischer (links) Bewirtschaftung\u00ab<\/p><\/div>\n<div class=\"et_pb_module et_pb_text et_pb_text_7 et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n<div class=\"et_pb_text_inner\">\n<p>Die Verringerung des D\u00fcngemitteleinsatzes f\u00fchrt nicht zu Ertragseinbu\u00dfen. [8]<\/p>\n<p>Je mehr Stickstoffd\u00fcnger verwendet wird, desto mehr muss davon eingesetzt werden, denn Stickstoffd\u00fcnger t\u00f6tet die lebenden Organismen im Boden.<\/p>\n<p>Die D\u00fcngewirkung hat drastisch abgenommen. Sharma und Sharma (2009) berichteten \u00fcber den R\u00fcckgang der D\u00fcngewirkung in den letzten 30 Jahren von 13,4 kg Getreide pro kg N\u00e4hrstoff im Jahr 1970 auf 3,7 kg Getreide pro kg N\u00e4hrstoff im Jahr 2005 in bew\u00e4sserten Gebieten. Nach Biswas und Sharma (2008) waren 1970 nur 54 kg NPK\/ha erforderlich, um etwa zwei t\/ha zu erzeugen, w\u00e4hrend 2005 etwa 218 kg NPK\/ha eingesetzt wurden, um denselben Ertrag zu erzielen\u00a0<em>(N = Stickstoff, P = Phosphor, K = Kalium; Anm. d. \u00dc.)<\/em>.<\/p>\n<p>Chemische D\u00fcngemittel f\u00fchren zu einem R\u00fcckgang der Produktivit\u00e4t, weil sie die Gesundheit des Bodens zerst\u00f6ren. Innerhalb von dreieinhalb Jahrzehnten ist die Produktivit\u00e4t von 48 kg Nahrungsmittelgetreide\/kg NPK-D\u00fcnger in den Jahren 1970-71 auf zehn kg Nahrungsmittelgetreide\/kg NPK-D\u00fcnger in den Jahren 2007-08 zur\u00fcckgegangen. [9]<\/p>\n<p>Da synthetische D\u00fcngemittel auf fossilen Brennstoffen basieren, tragen sie zur Unterbrechung des Kohlenstoffkreislaufs bei. Aber sie st\u00f6ren auch den Stickstoffkreislauf. Und sie st\u00f6ren den Wasserkreislauf, da die chemische Landwirtschaft zehnmal mehr Wasser als der \u00f6kologische Landbau ben\u00f6tigt, um die gleiche Menge an Lebensmitteln zu erzeugen, und sie verschmutzen zudem das Wasser in Fl\u00fcssen und Meeren.<\/p>\n<p>H\u00fclsenfr\u00fcchte binden Stickstoff gewaltfrei im Boden, anstatt die Abh\u00e4ngigkeit von synthetischen D\u00fcngemitteln zu erh\u00f6hen, die durch das Erhitzen fossiler Brennstoffe auf 550 Grad Celsius gewaltsam hergestellt werden. Kichererbsen k\u00f6nnen bis zu 140 kg Stickstoff pro Hektar binden und Taubenerbsen bis zu 200 kg Stickstoff pro Hektar, beide gewaltfrei und nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Durch die R\u00fcckf\u00fchrung organischer Stoffe in den Boden wird der nat\u00fcrliche Stickstoffgehalt des Bodens erh\u00f6ht. Eine k\u00fcrzlich von uns durchgef\u00fchrte Studie zeigt, dass \u00f6kologischer Landbau den Stickstoffgehalt des Bodens je nach Kultur zwischen 44 und 144 % erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Da Kriegsexpertise kein Wissen \u00fcber die Funktionsweise von Pflanzen, B\u00f6den und \u00f6kologischen Prozessen liefert, wurde das Potenzial der biologischen Vielfalt und der \u00f6kologischen Landwirtschaft vom militarisierten Modell der industriellen Landwirtschaft v\u00f6llig ignoriert. [10]<\/p>\n<p>Um das Stickstoffproblem zu l\u00f6sen, m\u00fcssen wir die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft wiederherstellen.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft begann nicht erst mit der gr\u00fcnen Revolution und synthetischen Stickstoffd\u00fcngern. Ob es sich um die auf Vielfalt basierenden Systeme Indiens handelt \u2013 Navdanya, Baranaja \u2013 oder die drei Schwestern\u00a0<em>(K\u00fcrbis, Mais und Bohnen; Anm. d. \u00dc.)<\/em>, die von den indigenen V\u00f6lkern Nordamerikas angepflanzt wurden oder um das uralte Milpa-System Mexikos: Bohnen und H\u00fclsenfr\u00fcchte waren f\u00fcr die agrar\u00f6kologischen Systeme der Ureinwohner lebenswichtig.<\/p>\n<p>Sir Albert Howard, der als Vater der modernen Landwirtschaft bekannt ist, schreibt in \u00bbMein landwirtschaftliches Testament\u00ab, in dem er die Landwirtschaft im Westen mit der in Indien vergleicht:<\/p>\n<p><em>\u00bbMischkulturen sind die Regel. In dieser Hinsicht haben die Landwirte des Orients die Methode der Natur \u00fcbernommen, wie sie im Urwald zu sehen ist. Der Mischanbau ist vielleicht am weitesten verbreitet, wenn das Getreide der Hauptbestandteil ist. Kulturen wie Hirse, Weizen, Gerste und Mais werden mit einer geeigneten H\u00fclsenfrucht gemischt, manchmal einer Art, die viel sp\u00e4ter reift als das Getreide. Die Taubenerbse (cajanusindicus), die vielleicht wichtigste H\u00fclsenfrucht des Ganges-Alluviums, wird entweder mit Hirse oder mit Mais angebaut\u2026 H\u00fclsenfr\u00fcchte sind weit verbreitet. Obwohl die westliche Wissenschaft erst 1888, nach einer 30 Jahre dauernden Kontroverse, die wichtige Rolle der H\u00fclsenfr\u00fcchte f\u00fcr die Anreicherung des Bodens als erwiesen anerkannte, hatten die Bauern des Ostens aus jahrhundertelanger Erfahrung dieselbe Lektion bereits gelernt.\u00ab<\/em>\u00a0[11]<\/p>\n<p>Pflanzliches Eiwei\u00df aus H\u00fclsenfr\u00fcchten ist auch das Herzst\u00fcck einer ausgewogenen, nahrhaften Ern\u00e4hrung f\u00fcr Menschen. Die wohlwollende Bohne ist ein zentraler Bestandteil der mediterranen Ern\u00e4hrung. Die indische Esskultur basiert auf \u00bbdal roti\u00ab und \u00bbdal chawal\u00ab. Urad, moong, masoor, chana, rajma, tur, lobia, gahat waren unsere Grundnahrungsmittel. Indien war der gr\u00f6\u00dfte Produzent von H\u00fclsenfr\u00fcchten in der Welt. Und unsere Proteine sind reich an N\u00e4hrstoffen und schmecken k\u00f6stlich.<\/p>\n<p>Doch H\u00fclsenfr\u00fcchte wurden durch die Monokulturen der Gr\u00fcnen Revolution und jetzt durch die Ausbreitung der Monokulturen von Bt-Baumwolle verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Das Stickstoffproblem, das durch synthetische Stickstoffd\u00fcnger verursacht wird, ist real. Bauern zu entwurzeln ist eine falsche, gewaltsame und ungerechte L\u00f6sung. Regierungen, die die D\u00fcngemittelindustrie subventioniert und gef\u00f6rdert haben, m\u00fcssen nun \u00f6ffentliche Steuergelder in eine regenerative, chemiefreie Agrar\u00f6kologie umleiten. Neue Agrar\u00f6kologie-Schulen m\u00fcssen f\u00fcr Landwirte ge\u00f6ffnet werden, damit sie \u00fcber einen Zeitraum von drei bis f\u00fcnf Jahren den \u00dcbergang zur \u00f6kologischen Landwirtschaft vollziehen k\u00f6nnen. Wir brauchen demokratische Debatten \u00fcber die Verwendung \u00f6ffentlicher Gelder, die dem Gemeinwohl und nicht der privaten Gier dienen. Da sich die Art und Weise, wie wir unsere Lebensmittel anbauen, auf unsere Gesundheit und die Gesundheit des Planeten auswirkt, m\u00fcssen sich Erzeuger und Verbraucher von Lebensmitteln zusammentun, um die Gesundheit des Bodens und der Menschen zu regenerieren.<\/p>\n<p>Lebendiger Boden ist die Antwort auf das Stickstoffproblem. Um lebendigen Boden zu regenerieren, brauchen wir Regeneratoren. Landwirte sind die H\u00fcter und Bewahrer des Bodens. Wir m\u00fcssen in der Landwirtschaft eine neue Kultur der Bodenpflege schaffen. Die Bauern loszuwerden ist ein Ausrottungs- und Vernichtungsprojekt, das in freien, demokratischen und gerechten Gesellschaften keinen Platz hat.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"et_pb_module et_pb_text et_pb_text_8 et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n<div class=\"et_pb_text_inner\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellenangaben:<\/strong><\/p>\n<p>[1] Shiva V., Soil Not Oil, 2008<\/p>\n<p>[2] Shiva V., \u00bbAgroecology and Regenerative Agriculture: Sustainable Solutions for Hunger, Poverty, and Climate Change\u00ab, Synergetic Press, 2022<br \/>\n<a href=\"https:\/\/synergeticpress.com\/catalog\/agroecology-and-regenerative-agriculture-sustainable-solutions-for-hunger-poverty-and-climate-change\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/synergeticpress.com\/catalog\/agroecology-and-regenerative-agriculture-sustainable-solutions-for-hunger-poverty-and-climate-change\/<\/a><\/p>\n<p>[3] Gus Camille, \u00bbPolice Fire on Dutch Farmers Protesting Environmental Rules\u00ab, POLITICO, 6 July 2022<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/police-fire-dutch-farmer-protest-nitrogen-emission-cut\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.politico.eu\/article\/police-fire-dutch-farmer-protest-nitrogen-emission-cut\/<\/a><\/p>\n<p>[4] Gates Bill, \u00bbWhy I Love Fertilizer\u00ab Gatesnotes.Com<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.gatesnotes.com\/Development\/Why-I-love-fertilizer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.gatesnotes.com\/Development\/Why-I-love-fertilizer<\/a><\/p>\n<p>[5] Gates Bill, How to avoid a Climate Disaster, Allen Lane, 2021 \u2013 pg 123<\/p>\n<p>[6]\u00a0<strong>\u00bbWahre Landwirtschaft ist durchgeistigt und beseelt.\u00ab<\/strong>\u00a0Dieser Satz stammt von Justus von Liebig, dem \u00bbErfinder\u00ab des Stickstoff-(Kunst-)D\u00fcngers, der sich schon zu Lebzeiten vehement gegen die kurzsichtige, einseitige Anwendung seiner wissenschaftlichen Entdeckungen wandte und diese \u00bbAlt\u00e4re der L\u00fcge \u2026 zertr\u00fcmmern\u00ab wollte. Das gesamte Verm\u00e4chtnis dieses missbrauchten Wissenschaftlers ist nach wie vor ein zeitgeschichtliches Dokument ersten Ranges und hier vollst\u00e4ndig nachzulesen:\u00a0<a href=\"https:\/\/shop.neueerde.de\/download\/Es_ist_ja_die_Spitze_meines_Lebens.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zum Buch<\/a><\/p>\n<p>[7] Navdanya, \u00bbSeeds of Hope, Seeds of Resilience\u00ab, 2017<br \/>\n<a href=\"https:\/\/navdanyainternational.org\/publications\/seeds-of-hope-seeds-of-resilience\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/navdanyainternational.org\/publications\/seeds-of-hope-seeds-of-resilience\/<\/a><\/p>\n<p>[8] Harvey Fiona and Fiona Harvey Environment correspondent, \u00bbUsing Far Less Chemical Fertiliser Still Produces High Crop Yields, Study Finds\u00ab, The Guardian, 27 June 2022<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2022\/jun\/27\/using-far-less-chemical-fertiliser-still-produces-high-crop-yields-study\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2022\/jun\/27\/using-far-less-chemical-fertiliser-still-produces-high-crop-yields-study<\/a><\/p>\n<p>[9] Aulakh, M. S. and Benbi, D. K. 2008. Enhancing fertiliser use efficiency. In Proceedings of FAI Annual Seminar 2008, 4-6 December, 2008. The Fertilizer Association of India, New Delhi, India. pp. SII-4 (1-23).<br \/>\nSubba Rao, A. and Reddy, K. S. 2009. Implications of soil fertility to meet future demand: Indian scenario. In Proceedings of the IPI-OUAT-IPNI International Symposium on Potassium Role and Benefits in Improving Nutrient Management for Food Production, Quality and Reduced Environmental Damages, Vol. 1 (Eds. MS Brar and SS Mukhopadhyay), 5-7 November 2009. IPI, Horgen, Switzerland and IPNI, Norcross, USA. pp. 109-135.<\/p>\n<p>[10] Navdanya, \u00bbPulse of Life\u00ab, 2016<br \/>\n<a href=\"https:\/\/navdanyainternational.org\/publications\/pulse-of-life-the-rich-biodiversity-of-edible-legumes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/navdanyainternational.org\/publications\/pulse-of-life-the-rich-biodiversity-of-edible-legumes\/<\/a><\/p>\n<p>[11] Sir Albert Howard, An Agricultural Testament, pg 13<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong><em>\u00dcbersetzung aus dem Englischen von <a href=\"https:\/\/vandana-shiva.de\/blog\/stickstoffproblem-landwirtschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.vandana-shiva.de<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir brauchen eine Verringerung des Einsatzes von chemischen D\u00fcngemitteln, wobei die chemische Industrie f\u00fcr die durch sie verursachte Umweltverschmutzung zahlen muss, anstatt die Landwirte zu kriminalisieren, die durch die industrielle Landwirtschaft in die chemische Tretm\u00fchle geraten sind. 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