{"id":1622321,"date":"2022-07-10T15:51:14","date_gmt":"2022-07-10T14:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1622321"},"modified":"2022-07-10T15:51:14","modified_gmt":"2022-07-10T14:51:14","slug":"eugen-drewermann-wie-koennen-wir-den-frieden-zurueckgewinnen-und-wie-koennen-wir-ihn-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2022\/07\/eugen-drewermann-wie-koennen-wir-den-frieden-zurueckgewinnen-und-wie-koennen-wir-ihn-bewahren\/","title":{"rendered":"Eugen Drewermann: Wie k\u00f6nnen wir den Frieden zur\u00fcckgewinnen und wie k\u00f6nnen wir ihn bewahren?"},"content":{"rendered":"<p class=\"Unterzeile\" style=\"text-align: left;\"><strong>Der Theologe, Psychoanalytiker und Autor Eugen Drewermann ist ein radikaler Verfechter von Menschlichkeit, Liebe und Frieden und eine von breiten Kreisen annerkante moralische Instanz in Deutschland. In seiner bewegenden und gewohnt eloquenten Rede auf dem Kongress \u2018<a href=\"https:\/\/frieden-links.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ohne NATO leben \u2013 Ideen zum Frieden<\/a>\u2019 behandelt er alle Aspekte und verbindet alle Punkte zu einem Ganzen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus diesem Grund ver\u00f6ffentlichen wir hier seine Rede zum Thema &#8222;<strong>Wie k\u00f6nnen wir den Frieden zur\u00fcckgewinnen und wie k\u00f6nnen wir ihn bewahren?<\/strong>&#8220; mit englischen Untertitel und ebenfalls das <a href=\"https:\/\/frieden-links.de\/2022\/06\/drewermann-rede\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transkript<\/a>.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Wichtigste Rede gegen Krieg heute | Most important Speech against War today. By Eugen Drewermann\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7bxvAqiMl1I?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<hr \/>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\"><b>Wie k\u00f6nnen wir den Frieden zur\u00fcckgewinnen und wie k\u00f6nnen wir ihn bewahren?<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich bin sehr dankbar f\u00fcr die Einladung zum heutigen Mittag, besonders aber f\u00fcr Ihr Interesse an einer Frage, die die wichtigste in unseren Tagen ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i><b>Wie k\u00f6nnen wir den Frieden zur\u00fcckgewinnen und wie k\u00f6nnen wir ihn bewahren?<\/b><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Rund um die Uhr werden wir beschallt, beeindruckt und in eine Kampagne der Zeitenwende hineingezogen, in der man uns beibringt, dass alles, was seit 1945 in Richtung Frieden versucht worden ist, ein einziger Fehler gewesen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Egon Bahr<\/i> und <i>Willy Brandt<\/i> und die Ost-West-Vers\u00f6hnung, falsch!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Frieden schaffen mit weniger Waffen,<i> Helmut Kohl<\/i>, falsch!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201e<i><b>Wir sind zu wenig robust gegen Russland vorgegangen\u201c<\/b><\/i> ist die Lektion, die wir jetzt \u00fcbernehmen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und ich halte diesen Vortrag, um generell zu diesem Wendeprogramm <i>\u201eNein!\u201c<\/i> zu sagen, weil es nichts weiter ist als ein Salto mortale in die Vergangenheit. Seitdem ich denken kann, h\u00f6re ich, dass der Russe kommt, und dass wir Bomben brauchen, Atombomben brauchen, dass wir die NATO brauchen, dass wir milit\u00e4risch h\u00f6chst ger\u00fcstet sein m\u00fcssen. So aber schafft man nicht den Frieden.<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Krieg_ist_kontraer_zur_Kultur_der_Menschlichkeit\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Krieg ist kontr\u00e4r zur Kultur der Menschlichkeit<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Am 3. April wurde im ZDF im Sp\u00e4tprogramm das Bild einer Ukrainerin gezeigt, die in Butscha ihren Sohn verloren hatte, eine Frau, aufgel\u00f6st in Tr\u00e4nen und Verbitterung. Der Junge war 27 Jahre alt, als er etwa 500m weit zu seiner Arbeitsst\u00e4tte gehen wollte und dabei erschossen wurde. Jetzt liegt er in dem Raum dieser Frau. Sie hat \u00fcber ihn einen Teppich gebreitet. Und verzweifelt schreit sie: <i>\u201eDie sollen alle dahin, wo mein Junge hinkommt, unter die Erde!\u201c<\/i> Man kann die Not, die Traurigkeit, die Wut, die Hilflosigkeit dieser Frau mehr als gut begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber was macht eine Politik daraus, die die Verzweiflung und das Leiden der Menschen dazu benutzt, einen sinnlosen Krieg immer weiter zu verl\u00e4ngern mit immer mehr Waffen, die geliefert werden? Und wie kommt eine christlich sich nennende Partei dazu, die Regierung vor sich her zu treiben, endlich doch schwere Waffen in die Ukraine zu liefern, einen Abnutzungskrieg gegen Russland zu f\u00fchren, \u201eRussland zu ruinieren\u201c, mit den Worten von Frau<i> Baerbock<\/i>?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das alles dient nicht dem Mitleid mit den Leidenden. Einzig das Leiden wird sich universalisieren, geht dieser Krieg weiter. Dann wird es unz\u00e4hlige solcher Bilder geben. Sie nehmen nicht ab! Gerade im Namen dieser trauernden Ukrainerin m\u00fcssen wir erwarten, dass nicht l\u00e4nger aufger\u00fcstet wird, sondern dass Friedensverhandlungen eingeleitet werden. Das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Ukraine dient nicht der Aufr\u00fcstung<i><b> <\/b><\/i><i>Selenski<\/i>s f\u00fcr einen langen Dauerkrieg unter der Patenschaft der NATO-Mitglieder. Es muss m\u00f6glich sein, sich miteinander zu verst\u00e4ndigen und Frieden zu schlie\u00dfen. Es sind ja nicht allein die Opfer des Krieges, die passiv, als Angeh\u00f6rige von Toten, zu bedauern sind. Es sind auch die Soldaten selber.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir, die Deutschen haben am 21. Juni des Jahres \u201841 mit 3 Millionen Soldaten der Gro\u00dfdeutschen Wehrmacht die Sowjetunion angegriffen und uns mit 27 Millionen Toten daraus verabschiedet. Ungef\u00e4hr 30 Millionen waren das Planziel der Nazis, den ganzen Korridor auszud\u00fcnnen f\u00fcr germanische Bev\u00f6lkerungsstrategien. Scheinbar ist das alles wie vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber davon, was das mit 20-, 25j\u00e4hrigen macht, erz\u00e4hlte mir dieser Tage noch der Sohn eines Soldaten von damals: <i>\u201eVierzig Jahre lang hat mein Vater von seinem Leben kein Wort gesagt, aber dann, auf dem Sterbebett, vertraute er mir ein Geheimnis an, wie es war. Er war mit einem der letzten Flugzeuge aus Stalingrad evakuiert worden, zwei Beine amputiert. Seine Darstellung: \u201aIn jeden Ort, in den wir vorr\u00fcckten, gab es keine Menschen mehr. Da, mit einem Mal \u00f6ffnet sich eine T\u00fcr und heraus kommt ein alter Mann mit einem kleinen Kind an der Hand. Mein Kamerad zieht das Gewehr, und ich schreie ihn an: \u201aNein!\u2018 Aber er schie\u00dft.\u2018 Mein Vater hat an dem Tag nie mehr aufgeh\u00f6rt zu weinen. Vierzig Jahre sp\u00e4ter das Trauma, einem Mord beigewohnt zu haben.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir Menschen sind nicht darauf eingerichtet, Soldaten zu werden. S\u00e4hen wir, was man uns befiehlt zu tun, wir w\u00fcrden es nicht tun.<i><b> <\/b><\/i><i>Harold Nash<\/i><i><b> <\/b><\/i>war als Bomber-Pilot der Royal Air Force am Angriff unter <strong><i>Marshal Harris<\/i><\/strong> im Juli 1943 an der \u201eOperation Gomorrha\u201c<b> <\/b>gegen die Hansestadt Hamburg beteiligt. In einer einzigen Nacht in Hammerbrook starben mehr als 40 000 Menschen, denen mit den Stabbrandbomben der Sauerstoff aus den Bunkern gezogen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Harold Nash<\/strong> beschreibt seinen Eindruck so: \u201e<i>Es lag unter uns wie ein schwarzes Band aus Samt, bestickt mit Perlen. Aber wir wussten, dass das, was wir dort unten anrichten, schlimmer ist als Dantes Inferno. Aber wir sahen ja nur Br\u00e4nde, wir sahen ja keine Menschen. Sonst h\u00e4tten wir das nicht tun k\u00f6nnen.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit einem Wort: Was wir Krieg nennen, was wir Milit\u00e4r nennen, ist das Untergraben von allem, was Kultur bedeutet.<i><b> <\/b><\/i><i>Erich-Maria Remarque<\/i> konnte 12 Jahre nach dem sogenannten Ersten Weltkrieg in seinem Buch<i><b> \u201eIm Westen nichts Neues\u201c<\/b><\/i> genau das beschreiben:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn das \u2013 damit meinte er Artilleriefeuer, Bajonettangriffe, Handgranaten, Giftgas, Panzerketten, Typhus -, wenn das m\u00f6glich war, war alles umsonst, was wir von Platon bis Schopenhauer jemals als Kultur bezeichnet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Milit\u00e4r ist die Gegenwelt zur zivilen Welt. Alles das, was Ihnen verboten wird zu tun: L\u00fcgen, T\u00f6ten, Brandschatzen, Rauben, Morden, wird im Krieg als befohlene Strategie ge\u00fcbt und ganz normalen 18j\u00e4hrigen Jungen und jetzt sogar M\u00e4dchen aufgezwungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und die Bundeswehr hier in Berlin wirbt mit der Aufschrift auf den Omnibussen: <i>\u201eMach, was wirklich z\u00e4hlt!\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das war 1970 im Vietnam-Krieg unter <strong><i>General Westmoreland<\/i><i> <\/i><\/strong>das <i>\u2018body-counting\u2019<\/i> jeden Tag. Welche Einheit hat wieviele Tote nummerierbar zur Strecke gebracht? Daf\u00fcr gab es Pr\u00e4mien. Effizient morden, weil es z\u00e4hlt. Wie inhuman muss man sein, um diese Propaganda zu akzeptieren? Sie schaukelt durch die Berliner Stra\u00dfen und sie verdient jede Art des Widerspruchs.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i>Remarque<\/i><\/strong> konnte auch sagen, wie man dahin kommt, Soldat zu werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>6 Wochen Kasernenhof haben gen\u00fcgt, dass wir vor einem ehemaligen Postboten, nur weil er die richtigen Epauletten tr\u00e4gt, durch den Schlamm robben und jeden t\u00f6ten, den er befiehlt zu t\u00f6ten. Wir sind Bestien geworden, M\u00f6rder geworden. K\u00e4me dein eigener Vater von dr\u00fcben, du w\u00fcrdest ihn mit deiner Handgranate zerfetzen. Das hat man aus uns gemacht.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie es geschieht, k\u00f6nnen Sie bis heute in jedem Lehrbuch jedes Kasernenhofs von jedem Staat der Erde beobachten: <b>Die Entseelung des K\u00f6rpers zu einer blo\u00dfen Marionette<\/b>. <i>\u201eDie Augen geradeaus! Links schwenkt! Marsch!\u201c<\/i> Das alles ist so sinnlos, dass der Zweck um so deutlicher wird: Die Angetretenen sollen nicht denken. Sie sollen aufh\u00f6ren, ein pers\u00f6nliches Gewissen zu haben. Sie sollen aufh\u00f6ren, als Subjekte Verantwortung zu tragen f\u00fcr ihre eigenen Gef\u00fchle und Entscheidungen. Nichts mehr hat zu gelten, was ihnen die Mutter gesagt hat, der Vater gesagt hat, der Lehrer, der Pfarrer, die B\u00fccher. Jetzt gilt, was der Drill-Sergeant, der Br\u00fcllaffe im Hintergrund kommandiert, und nur das. Gut und B\u00f6se sind keine sinnvollen Kategorien mehr. Sie sind nicht f\u00fcr die Befehle selber, sondern nur noch f\u00fcr deren Ausf\u00fchrung verantwortlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dass das unmenschliche Prinzipien sind, haben sogar die Amerikaner in den Kriegsverbrecher-Prozessen 1947 begriffen. Die Nazi-Granden wurden angeklagt, und alle antworteten sie:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Wir haben getan, was alle Soldaten tun. Befehl ist Befehl.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Damals konnte der amerikanische Ankl\u00e4ger sinngem\u00e4\u00df sagen: Das ist doch euer eigentliches Verbrechen. Ihr habt die Uniform angezogen und aufgeh\u00f6rt, Menschen zu sein. Ihr habt euch den Stahlhelm \u00fcber den Kopf geschoben und aufgeh\u00f6rt zu denken. Ihr habt euch den Koppel \u00fcber den Bauch geschn\u00fcrt und da stand drauf: <i>\u201eGott mit uns\u201c.<\/i> Und ihr habt nicht begriffen, wie ihr Gott l\u00e4stert, wenn ihr glaubt, was die Nazis und der F\u00fchrer an Stelle Gottes euch ins Gewissen dr\u00fccken. Die Preisgabe der Personalit\u00e4t ist das eigentliche Verbrechen, die Voraussetzung f\u00fcr alles Weitere.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dann aber br\u00e4uchten wir Menschen, die standhalten und sich nicht umformen lassen unter Befehl. Dies ist der wahre Mut, der dazu geh\u00f6rt, Frieden auf dieser Welt zu haben: \u201eNein\u201c zu sagen in pers\u00f6nlicher Verantwortung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i>Hermann Hesse<\/i><\/strong><strong>,<\/strong> als die Bundesrepublik West aufr\u00fcstete 1955, konnte einem seiner Leserbriefschreiber auf die Frage, was denn mit seinem Roman <i><b>\u201eDemian\u201c<\/b><\/i> gemeint sei, mit dem folgenden Beispiel antworten:<i> \u201eEs ist m\u00f6glich, dass sie dich einziehen und dir sagen: \u201aNimm das Gewehr! Ziele! Dr\u00fcck ab!\u2018 Und du tust es. Dann werden die Zeitungen sagen, dass du ein treuer, tapferer Soldat bist. Dann wird der Milit\u00e4rpfarrer dich wom\u00f6glich daf\u00fcr segnen, dass du den Befehlen gehorcht hast. Die b\u00fcrgerliche Welt wird dir zustimmen, dass du sie verteidigt hast. Es ist aber auch m\u00f6glich, dass in dir selber eine leise Stimme spricht: \u201aDu sollst nicht t\u00f6ten!\u2018 Also nimmst du das Gewehr und zerbrichst es \u00fcber deinen Knien. Dann hast du sie alle gegen dich, die Presse, die Pfarrer, die \u00f6ffentliche Meinung. Dann bist du ein Querdenker, ein Phantast, ein Pazifist. Aber du hast \u201eNein\u201c gesagt, um zu dir selber \u201eJa\u201c zu sagen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist die wirkliche Auseinandersetzung, vor der wir heute stehen, mehr denn je. Es ist nicht m\u00f6glich, Mensch zu bleiben und sich dahin trainieren zu lassen, Soldat zu werden. Beides geht nicht ineinander!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kein geringerer als <strong><i>Albert Einstein<\/i><\/strong> hat das in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon gesagt. Nur wenn wir das Milit\u00e4r beseitigen, werden wir ohne diese Parallelgesellschaft nicht immer wieder den R\u00fcckfall in die Steinzeit erleben, in ein Morden unterhalb dessen, was wir geschichtliche Vernunft nennen. Es ist Zivilisation nur unter der Bedingung zu haben, dass wir die Bereitschaft zum Krieg, pr\u00e4formiert in der Politik, trainiert auf den Kasernenh\u00f6fen, industrialisiert in der R\u00fcstung, ein f\u00fcr alle Mal mit <i>\u201eNein\u201c<\/i> verabschieden.<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Raus_aus_der_Spirale_der_Angst\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Raus aus der Spirale der Angst<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Nat\u00fcrlich werden wir zu h\u00f6ren bekommen, dass das ein phantastisches Programm ist, dem man nicht folgen darf. Denn dann sind wir wehrlos. Dann m\u00fcssen wir Angst haben. Und eben deshalb \u2013 aus Angst \u2013 haben wir das Milit\u00e4r. Die gesamte menschliche Geschichte im Verlaufe der letzten sechs- oder zehntausend Jahre k\u00f6nnen Sie auf diesen Parameter auftragen. Die organisierten Verb\u00e4nde bis hin zu Staatengebilden und B\u00fcndnissen haben Angst vor einem potentiellen Angreifer.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wie antworten unsere Staaten darauf?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht indem sie Angst \u00fcberwinden. Ganz im Gegenteil! Indem wir, die wir Angst haben, mehr Angst machen m\u00fcssen jedem potenziellen Angreifer. Mit anderen Worten: Wir haben zwar schon abscheuliche m\u00f6rderische Waffen, aber vielleicht hat ja der Russe oder der Chinese, irgendjemand, schlimmere Waffen. Das wissen wir nicht. Aber weil es sein k\u00f6nnte, m\u00fcssen wir ganz bestimmt die Waffen erfinden, die noch schlimmer sind, als die des Gegners jemals werden. Das Programm ist, Angst zu beruhigen durch Angstverbreitung. Und das Mittel dazu: Immer abscheulichere Mordinstrumente zu systematisieren und zu installieren, eine Spirale ohne Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das, was wir im Kalten Krieg erlebt haben, nannte sich dann sogar Frieden durch wechselseitige Abschreckung, <i>\u2018balance of power\u2018<\/i>.<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Und_was_kommt_bei_dieser_Logik_der_Angst_heraus\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Und was kommt bei dieser Logik der Angst heraus?<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Am 6. August 1945 von den Marianen aus startete der Bomber-Pulk mit der<i> <\/i><i><b>Enola Gay<\/b><\/i><b> <\/b>mit <i>Major Tibbets<\/i><b> <\/b>an Bord.<br \/>\nNach den Wettermeldungen wurde der Pulk gelenkt auf Hiroshima. Und um 8.15 Uhr mit einer einzigen Bombe starben mehr als 100.000 Menschen in wenigen Sekunden. Damals hielt die Welt den Atem an.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i>Karl Barth,<\/i><\/strong> ein Schweizer Theologe, sagte:<br \/>\n\u201e<i>Wir m\u00fcssen \u00fcber Krieg nie mehr reden. Es kann keinen Krieg mehr geben. Er ist das Unrecht schlechterdings. Hiroshima ist das Ende dessen, was je Krieg gehei\u00dfen hat.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was man nicht ahnte: 14 Tage sp\u00e4ter schickten die Amerikaner ihre Kamerateams in die Tr\u00fcmmerlandschaften von Hiroshima, um alles aufzunehmen. Nicht um das Grauen zu dokumentieren und es in Ewigkeit unm\u00f6glich zu machen, nein, um herauszufinden, in welchem Abstand die Druckwelle, die Strahlenwelle, die Hitzewelle Menschen verstrahlt und zerst\u00f6rt hatte, um beim n\u00e4chsten Mal es besser, effizienter machen zu k\u00f6nnen. Und so ging das weiter bis 1952. Eine Uran-Spaltbombe hat ihre physikalische Grenze beim Abstrahlen der Neutronen, eine kritische Masse. Mehr davon kann man nicht gemeinsam lagern. Also m\u00fcssen wir die Sonnenenergie, die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium vom Himmel auf die Erde holen, die Wasserstoffbombe, sie ist physikalisch ohne Grenzen. Wenn wir die haben, haben wir die schlimmste Waffe, wir sind dann Sowjetrussland \u00fcberlegen, also werden wir sie haben. In dieser Art ging das st\u00e4ndig weiter. Beim Erproben \u00fcbrigens der Wasserstoffbombe hatte man n\u00f6tig, 40.000 Wirbeltiere mitzunehmen, um genau das zu sehen: Wann platzen die Trommelfelle, wann verbrennt die Haut, in welcher Generation entstehen Missbildungen durch genetische Ver\u00e4nderungen infolge radioaktiver Strahlung. Damit man es machen k\u00f6nnte, nicht um es zu verhindern, testete man es aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So treibt die Angst voreinander zu immer wahnsinnigeren paranoiden Ideen des milit\u00e4rischen R\u00fcstens. Und es schafft nicht Sicherheit, es ist die Bedrohung der ganzen Menschheit durch den Menschen, durch niemanden sonst. Also m\u00fcssen wir aus dieser Spirale heraus und das Allereinfachste und Wichtigste dabei lernen: Der Friede kommt nicht durch die St\u00e4rke der Waffen, durch die \u00dcberlegenheit der R\u00fcstung. Die Bergpredigt hat vollkommen recht, in den Worten Jesu:<br \/>\n<i><b>In dieser Welt wage ich die Menschen gl\u00fccklich zu nennen, die den Mut haben, wehrlos zu bleiben. Nur die bereiten den Frieden.<\/b><\/i><i> <\/i>(Mt 5,5-9)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Abr\u00fcstung statt Aufr\u00fcstung!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nicht nur weniger Waffen, sondern \u00fcberhaupt keine Waffen mehr!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i>Immanuel Kant<\/i><i> <\/i><\/strong>vor \u00fcber 200 Jahren konnte sich das vorstellen. Wenn der eine Staat r\u00fcstet, macht er dem Nachbarstaat Angst und der wird auch r\u00fcsten. Und die Spirale der Gewalt wird immer weiter eskalieren. Am Ende sind die Ausgaben f\u00fcr die R\u00fcstung so teuer, dass man Krieg f\u00fchren muss, damit es sich rentiert. Schon <i>Montesqieu<\/i> konnte angesichts der R\u00fcstungspolitik der Preu\u00dfen sagen, wir haben inzwischen mehr Waffen als Nahrungsmittel. \u2013 Wir heute haben 60 Millionen Fl\u00fcchtlinge, Binnen-Fl\u00fcchtlinge allein in Afrika. Aber wir m\u00fcssen 100 Milliarden schon mal f\u00fcr R\u00fcstung versprechen in der n\u00e4chsten Zukunft, f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahre. Haben Sie je geh\u00f6rt, dass wir auch nur zwei Milliarden Dollar gehabt h\u00e4tten f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, dass wir eine Milliarde Dollar gehabt h\u00e4tten f\u00fcr die Leute, die als Fl\u00fcchtlinge auf Lesbos oder Samos sitzen seit f\u00fcnf Jahren, jeden Winter unbeachtet? Daf\u00fcr haben wir kein Geld. Aber f\u00fcr R\u00fcstung allemal.<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\"><span id=\"Wie_durchbrechen_wir_den_Todeskreislauf_der_Angst\" class=\"ez-toc-section\"><\/span>Wie durchbrechen wir den Todeskreislauf der Angst?<\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Einfach indem wir aufh\u00f6ren, Angst zu haben und uns machen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Problem dabei ist auch gelegen in der Friedensbewegung. Sie hat allemal gro\u00dfen Zulauf gewonnen mit dem Argument, dass wir selbst gef\u00e4hrdet sind. Die Dislozierung der Pershing 2 wurde in der Rede vor mir bereits angesprochen. Damals in Bonn war der Zulauf gewaltig. Auch 1991 beim ersten Golfkrieg waren Tausende auf den Marktpl\u00e4tzen, denn man f\u00fcrchtete sich. Die US-Navy hatte \u00fcber 400 Atombomben im Persischen Golf. Was wird mit der Energieversorgung? Katastrophenszenarien. Angst sollte ein Motiv zum Frieden sein. Aber was wir erleben, ist ein ganz anderes. Es ist als allererstes ein Motiv zu r\u00fcsten und zur Bereitschaft f\u00fcr den Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und dann hat man nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sich einen neuen Feind f\u00fcr die NATO ausgeschaut, den Islamismus. Damals war es kein Problem, dass Putin v\u00f6llig sinnlos den zweiten Tschetschenien-Krieg vom Zaun brach. Es war eine Aktion der Anti-Terror-Kampagne,<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">gemeinsam. Es war ein Verbrechen, nicht geringer als der \u00dcberfall auf die Ukraine. Aber es ging durch, weil wir es ja genauso machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wann kommen wir aus dem Kreislauf der Angst heraus?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da hat<strong><i> Mahatma Ghandi<\/i><\/strong> ohne Zweifel recht. Der Friede kommt nicht aus der Motivation der Angst, im Gegenteil, einzig aus der St\u00e4rke der eigenen Person. Durch die Treue zu sich selber, durch den Mut, ein eigenes Gewissen zu haben. Auf Indisch: Satyagraha (beharrliches Festhalten an der Wahrheit), <i>\u201edenke selber\u201c<\/i> h\u00e4tte <i>Kant<\/i> gesagt, <i>\u201ebleibe du selber\u201c<\/i> hat Gandhi gesagt. Der Widerstand gegen die Bereitschaft zum Krieg und zur R\u00fcstung f\u00fcr den Krieg liegt eigentlich nur darin, sich nicht l\u00e4nger einsch\u00fcchtern zu lassen. Und das w\u00e4re die Kampagne am heutigen Mittag: Wir m\u00fcssten den uns Regierenden erkl\u00e4ren: Wir lassen uns von euch nicht l\u00e4nger ins Bockshorn jagen durch immer neue Schreckensszenarien wie <i>\u201eDer Russe kommt!\u201c<\/i>, wie <i>\u201eDer Chinese kommt!\u201c<\/i> Dass <u>ihr<\/u> kommt, ist schlimm genug! Und jetzt machen wir euch da oben Angst, weil wir uns keine Angst mehr machen lassen. Wir wollen den Todeskreislauf der st\u00e4ndigen Eskalation, wer kann noch effizienter, besser und umf\u00e4nglicher morden, ein f\u00fcr alle mal beseitigen. Die uns Vertretenden haben die Pflicht, sich zueinander zu setzen und \u00fcber ihre Ziele, ihre Interessen vertr\u00e4glich zu verhandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn wir Angst \u00fcberwinden wollen, ist es so \u00e4hnlich, wie wenn Sie Ihrem eigenen Hund in die Augen schauen. Ihre Nachbarin hat gesagt, er ist Wadenbei\u00dfer, Sie aber m\u00f6gen ihn und Sie wissen, dass er lediglich Angst hat, deshalb kann er bissig werden. Sie m\u00fcssen ihn beruhigen, aber nicht mit der Peitsche kujonieren. Bei Vierbeinern wissen wir das. Bei Menschen scheinen wir gar nicht n\u00f6tig zu haben, ein Gleiches zu tun. Sehen wir mal in die Augen dessen, den wir f\u00fcr den Feind erkl\u00e4ren. Er hat genau vor uns die Angst, die wir ihm machen, weil wir vor ihm Angst haben. Und dieser Teufelskreis muss ein Ende haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gab eine gl\u00e4nzende Gelegenheit 1973, als<i><b> <\/b><\/i><i>Helmut Schmidt<\/i> mit<i><b> <\/b><\/i><i>Breschnew<\/i> sprach \u00fcber die Dislozierung der Pershing 2. Und <i>Breschnew<\/i> sagte, das macht uns Angst. Und <i>Schmidt<\/i> antwortete, eure Raketen machen uns Angst. Was f\u00fcr eine wunderbare Situation zu sagen: Wir h\u00f6ren damit auf. Keiner muss Angst haben vor dem anderen, damit ist Schluss. Stattdessen setzte Schmidt die Dislozierung der Pershing 2 durch und hielt es bis zum Ende f\u00fcr den Teil seiner Erfolgspolitik, nicht milit\u00e4risch, sondern wirtschaftlich: Man hatte Russland kaputt ger\u00fcstet. Das ist, was wir im Hintergrund sehen. H\u00e4tten wir es nur zu tun mit dem Reflex der Angst, w\u00e4ren wir in einer psychologisch verst\u00e4ndlichen, allgemein menschlichen Lage befindlich. Was wir aber miterleben, ist der Missbrauch der Angstreflexe durch eine gezielte Politik, die Angst benutzt, um die eigene Machtstrategien durchzusetzen. Und da sind wir bei dem Problem, das thematisch heute angesprochen werden soll: Raus aus der Nato!<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Die_NATO_verteidigt_die_Macht_der_USA_doch_nicht_den_Frieden\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Die NATO verteidigt die Macht der USA, doch nicht den Frieden<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Seitdem sie gegr\u00fcndet wurde, fast zeitgleich mit der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik West 1949, haben wir ein Milit\u00e4rb\u00fcndnis, dessen strategisches Ziel eigentlich schon 1945 definiert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Damals konnte <strong><i>Winston Churchill<\/i><\/strong> erkl\u00e4ren, dass man die falsche Sau geschlachtet h\u00e4tte: <i>Adolf Hitler<\/i>. Der Krieg m\u00fcsste eigentlich gleich weiter gef\u00fchrt werden, gegen<i><b> <\/b><\/i><i>Stalin,<\/i> gegen Moskau. Und die Deutschen sind dabei die besten Soldaten. 40 Kilometer vor Moskau waren die doch schon. Wenn wir die gewinnen und lassen sie marschieren, ist das geschw\u00e4chte Russland nach 27 Millionen Toten endg\u00fcltig am Ende. Das ist unsere Chance. Mit solch einem Programm ist die Bundesrepublik gegr\u00fcndet worden, als Aufmarschglacis gegen die Sowjetunion.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und der NATO-Beitritt \u201855 passte genau in dieses Schema. Was die wenigsten von Ihnen wissen, war der geheime Krieg, der illegal mitgef\u00fchrt wurde. Es ging dahin, dass man in jedem Fall eine Machtergreifung durch kommunistische Parteien in Italien, in Griechenland, wo immer auch sonst, verhindern musste durch inszenierte B\u00fcrgerkriege, \u00dcberwachung und gezielte T\u00f6tungen. Selbst der SPD-Vorsitzende Ollenhauer stand auf der Liste der Bedrohung US-amerikanischer Imperialziele. Wenn er denn an die Macht gekommen w\u00e4re, h\u00e4tte man um sein Leben f\u00fcrchten m\u00fcssen. Die Geheimarmee Gladio machte im Untergrund das, was offiziell die NATO sowieso tat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1952 schon waren wir unter <i>Adenauer<\/i> dabei, den Europ\u00e4ischen Verteidigungsgemeinschafts-Vertrag zu unterschreiben. Sieben Jahre nach dem Desaster des Zweiten Weltkriegs hatten Deutsche schon wieder dabei zu sein, weil Amerikaner es wollten. Damals wollten es nicht die Franzosen, nicht schon wieder \u00f6stlich vom Rhein Deutsche in Uniform. Drei Jahre sp\u00e4ter hatten wir das, was wir bis heute beibehalten haben. Wir m\u00fcssen gegen Russland gewappnet sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir haben uns 2001 gewundert, dass man die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigen kann. Ich war elf Jahre alt, als ich h\u00f6rte aus dem Munde von Konrad Adenauer, dass wir die Freiheit Deutschlands in Korea verteidigen. Keiner dieser Spr\u00fcche hat an Aktualit\u00e4t verloren oder gar an Unsinnigkeit. Es ist gesteigert worden, durch die Repetition des Verkehrten zur Gewohnheit erhoben worden. Und was Sie in Form der NATO haben, ist nicht nur eine unendliche Spirale der R\u00fcstung, sondern auch der Propaganda imperialistischer Machtdurchsetzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer bedroht denn da wen, ganz simpel?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die US-amerikanische Politik ist gest\u00fctzt auf \u00fcber 750 Milit\u00e4r-Stationen rund um den Globus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Russland, wenn Sie es ganz hoch rechnen, kommt auf \u00fcber 30. Der Milit\u00e4rhaushalt der Amerikaner betr\u00e4gt 750 Milliarden Dollar, der der Russen kaum ein Zehntel davon. Amerika alleine gibt mehr aus als die n\u00e4chsten neun milit\u00e4risch r\u00fcstenden Staaten in der Serie, China, Russland, Deutschland, Frankreich zusammen. Und das Programm ist so obsolet, als es nur sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1989 waren es genau betrachtet zum dritten Mal Russen, die diesmal in Gestalt von Gorbatschow den Vorschlag machten zu entmilitarisieren, dass endlich Frieden w\u00e4re. Vom Ural bis zum Atlantik keine Waffen mehr, stattdessen die Konversion von Wissen, Geld, Industrie, Engagement f\u00fcr Ziele, die menschlich die Not auf diesem Planeten lindern k\u00f6nnten. Das lag auf dem Tisch. Versprochen wurde Gorbatschow, die NATO werde keinen Zentimeter nach Osten sich ausdehnen. Es wird heute gelogen, das w\u00e4re gar nicht so gewesen, ist aber schriftlich zu haben. Genscher machte sich Gedanken, ob die neuen Bundesl\u00e4nder milit\u00e4risch genutzt werden d\u00fcrften und versprach, dass nein. Wir h\u00e4tten den Frieden haben k\u00f6nnen, wenn wir ihn nur h\u00e4tten wollen d\u00fcrfen. 1990 aber machten sich die <i>\u2018think tanks\u2019 <\/i>in USA bereits Gedanken dar\u00fcber, wie wir ein 21. amerikanisches Jahrhundert ausrufen. Die Sowjetunion ist kollabiert, und wir jetzt m\u00fcssen das Machtvakuum f\u00fcr uns erobern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist das Programm von allem, was kam. Ein Krieg nach dem anderen im Nahen Osten. Seit 2001 haben die USA 7 islamische Staaten zerbombt, nicht die Russen. Aber man wollte sich alles aneignen, was Russland nicht mehr aktiv verteidigen wird. Und da sitzen jetzt heute wir. Afghanistan ist gerade misslungen, aber Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, die S\u00fcdflanke. Das Baltikum sowieso. Und jetzt zus\u00e4tzlich noch zwei neue Staaten, \u00fcber 1000 km Grenzl\u00e4nge nach Schweden und Finnland: Raketen k\u00f6nnen wir genau dahin stellen. Stellen Sie sich vor, was w\u00e4re, wenn Russland versucht h\u00e4tte, ein zweites Mal eine Kuba-Krise heraufzubeschw\u00f6ren oder in Venezuela, Nicaragua, Bolivien Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte gegen die USA errichten w\u00fcrde, wir h\u00e4tten genau dieselbe Krise wie damals 1962 auf Kuba. Das Strategic Air Command war damals bereits in der Luft mit Atombomben zum Angriff. <i><b>America first! <\/b><\/i>Das l\u00e4sst sich nicht bedrohen, wir sind stark, wird Herr <i>Stoltenberg<\/i><i><b> <\/b><\/i>als Chef der NATO sagen. Und wir werden keinen Zentimeter zur\u00fcckgehen. Wir gehen lieber hunderte von Kilometern vorw\u00e4rts gegen Russland, aber das w\u00e4re keine Bedrohung; es w\u00e4re ja ein Missverst\u00e4ndnis zu glauben, dass w\u00e4re nur Machtausdehnung, es ist vielmehr die Antwort auf Putins Versuch, das Sowjetimperium wiederherzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gegen diese offiziellen Narrative m\u00fcssen wir uns wehren. Wir werden nicht von Russland bedroht. Es wird uns eine Gefahr halluziniert, die zu keinem anderen Zweck als der strategischen Geopolitik der USA und ihrer Machtausdehnung dient. Dass es anders geschildert wird, hindert nicht daran, dass es so ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gibt gerade von den Gr\u00fcnen heute ein Argument jenseits von Angst, aufgeblasenem Machtwillen und der Beanspruchung des Imperialismus, das lautet: Uns geh\u00f6rt die Welt und keinem andern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weswegen? Weil wir Amerikaner sind, weil wir \u2018<i>die Guten\u2019<\/i> sind, weil wir \u2018first\u2019 sind und weil wir, die Europ\u00e4er, mitzumachen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Den Krieg, den<i><b> <\/b><\/i><i>Putin<\/i> f\u00fchrt, kann man ein Verbrechen nennen. Das ist er. Aber man k\u00f6nnte auch sagen, was in Frankreich zum Sprichwort wurde: Er ist schlimmer als ein Verbrechen. Er ist ein Fehler! Weil jetzt Russland alles das bekommt, was es mit dem \u00dcberfall auf die Ukraine verhindern wollte: Raketen in ungez\u00e4hlter F\u00fclle, dicht bis an die Grenze. Die milit\u00e4rische Versorgung der Ukraine ist voll im Gange. Ob ein NATO-Staat daraus wird oder nicht, das Faktum ist l\u00e4ngst eingeleitet. Alles, was verhindert werden sollte, steht jetzt da, die gesamte EU, Mann f\u00fcr Mann, die Hacken beieinander geschlagen. Die Gefolgschaft zu den USA, \u2013 besser konnte es nicht kommen. <i>\u201cWe get him at the nuts!\u201c<\/i> w\u00fcrde man auf amerikanisch sagen. Das haben wir hingekriegt. \u00dcbrigens die versaute Sprache des Milit\u00e4rs ist das Typische. Alles, was mal f\u00fcr Liebe und Z\u00e4rtlichkeit gemeint war, muss pervertiert werden, damit man Soldat sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber eines wird uns gleichzeitig moralisch beigebracht, die zweite Ebene der L\u00fcge: die sogenannte Verantwortung. Aus Mitleid mit Menschen m\u00fcssen wir den Krieg verweigern. Die Angst, die zu ihm f\u00fchrt, m\u00fcssen wir \u00fcberwinden durch Gemeinsamkeit, in Respekt vor der Angst des anderen, den wir als Gegner \u00fcberhaupt erst z\u00fcchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So haben wir soeben gesagt. Eines aber wird uns jetzt darauf gesagt werden: Wir m\u00fcssen aus Verantwortung humanit\u00e4re Interventionen starten und milit\u00e4rische Eingreiftruppen in aller Welt in Bereitschaft halten. 20 Jahre in Afghanistan haben diese Gedanken nicht ge\u00e4ndert, ganz im Gegenteil. In Mali sind wir weiter dabei auf Seiten der Franzosen, wir k\u00f6nnen dranbleiben, es aufzuz\u00e4hlen. <i>\u2018Internationale Verantwortung\u2019.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Man kann es nicht laut genug sagen: Wir, eines der reichsten L\u00e4nder dieser Welt, haben f\u00fcr die Welt Verantwortung, allerdings, aber dann muss man sich anschauen, wie sie wahrgenommen wird. Menschen, die nicht mehr wissen, wohin, lassen wir ertrinken im Mittelmeer, lassen milit\u00e4risch organisiert Frontex heran, um sie durch push-backs zur\u00fcck in die KZ\u2019s in Libyen zu schicken, schn\u00fcren ihnen die Fluchtwege ab, weil sie ja nur l\u00e4stig sind, weil sie Geld kosten. Fl\u00fcchtlinge aus der Ukraine sind uns jetzt aus politischen Gr\u00fcnden hoch willkommen. Sie werden noch in 20 Jahren Russland verfluchen und Putin hassen. Das ist politisch korrekt. Leute, die einfach nur als Menschen um einen Ort bitten, wo sie leben k\u00f6nnten, sind uns ungenehm, m\u00fcssen ferngehalten werden. Da h\u00e4tten wir Verantwortung f\u00fcr \u00fcber 50 Millionen Menschen, die jedes Jahr verhungern. Gerade jetzt in Ostafrika droht eine neue D\u00fcrre.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie sieht da unsere Verantwortung aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So, dass in der Chicago-Nahrungsmittel-B\u00f6rse spekuliert wird auf den Hunger; das kann ja jeder lernen in BWL. Je weniger ein Produkt auf den Markt geworfen wird, desto teurer ist es, wenn es gebraucht wird. Eine D\u00fcrre in Ostafrika bedeutet weniger Nahrungsmittel in Ostafrika. Also werden die Preise steigen, und was ein richtiger <i>\u2018moneymaker\u2019 <\/i>ist, der muss jetzt zugreifen, sonst verliert er seine Chancen. Wie kann man aus dem Tod von Millionen Verhungernden Geld scheffeln? Das ist Kapitalismus, wie wir ihn haben. Verantwortung, wie man sie uns predigt. Ausblenden der wirklichen Not, die wir l\u00f6sen m\u00fcssten, und die Erfindung von virtuellen \u00c4ngsten, die v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig sind. 100 Milliarden f\u00fcr R\u00fcstung, mal eben versprochen, Aufr\u00fcstung der Bundeswehr, voll im Einsatz neuerdings, so sollen wir in die Zukunft gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In Wirklichkeit verhindern wir die Menschlichkeit der Zukunft, indem wir die Humanit\u00e4t wegsperren durch unsinnige Machttiraden.<br \/>\nDeshalb sagen wir aus Verantwortung: Nein zur Aufr\u00fcstung, Nein zum Milit\u00e4r und verweigern wir den Wehrdienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Applaus]<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Die_Perversion_der_Moral\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Die Perversion der Moral<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Und dann kommt es eigentlich noch \u00e4rger. Man sollte denken, dass Moral ein Instrument w\u00e4re, Unmenschlichkeit zu verhindern. Nicht so, wenn das Wort \u2018Krieg\u2019 ausgesprochen wird. Dann werden Sie miterleben, dass bereits im Vorfeld die Moral zur Waffe instrumentalisiert wird. Sie lesen die Zeitung. Mit wem f\u00fchren wir jetzt Krieg? Putin. Und das ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">ein M\u00f6rder, sagt Herr Biden,<br \/>\nein Krimineller, sollen wir alle sagen,<br \/>\nein D\u00e4mon, wird die Bild-Zeitung sagen,<br \/>\nein Teufel, das absolut B\u00f6se, das wir aus moralischen Gr\u00fcnden absolut, mit allen Mitteln, bek\u00e4mpfen und vernichten m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch das haben wir hier erlebt seit 1945. Es ist kein Krieg vom Westen gef\u00fchrt worden au\u00dfer gegen Hitler. Ho Chi Minh \u2013 Hitler, Saddam Hussein \u2013 Hitler, Gaddafi \u2013 Hitler, Milosevic \u2013 Hitler, immer bek\u00e4mpfen wir das absolut B\u00f6se aus moralischen Gr\u00fcnden im Vorfeld. Die Idee ist so falsch, dass Sie im Jahre 1520 aus der Feder von Erasmus von Rotterdam in wenigen S\u00e4tzen die Entlarvung dieser Selbsthypnose der Unmenschlichkeit beschrieben finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer, wenn es Krieg gibt, fragt<em><strong> Erasmus<\/strong><\/em> vor genau einem halben Jahrtausend, wird denn von den Kombattanten seine Sache f\u00fcr die falsche erkl\u00e4ren? Anders! Weil man am Verhandlungstisch sich \u00fcber gut und b\u00f6se, richtig und falsch nicht einigen kann, treibt man sich in den Wahnsinn, das Schlachtfeld zu erkl\u00e4ren als den Ort einer Gottes-Justiz, eines Orlog. Und dann wird der effizienteste M\u00f6rder, weil er gesiegt hat, sich das Recht nehmen, zu behaupten, dass er immer schon im Recht gewesen ist. Er hat in Wahrheit nur bewiesen, dass er unmenschlicher ist als derjenige, den er besiegt hat. Denn zum Sieg geh\u00f6rt der Einsatz der furchtbarsten Zerst\u00f6rungsmittel.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und das m\u00fcssen Sie jetzt wirklich lernen. Im Vorfeld jedes Kriegs werden Sie mit L\u00fcgen und Propaganda-Aussagen dahin gelenkt, den potenziellen Gegner zu hassen. Er war schon immer schlimm, immer war der Russe schuld. Er war es in Wirklichkeit nie im ganzen zwanzigsten Jahrhundert, aber er hatte es zu sein, weil wir Macht \u00fcber seinen Korridor haben wollen. Sagen wir es noch genauer.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i>Brzezinski<\/i><\/strong> konnte sich r\u00fchmen, als Vordenker der amerikanischen Au\u00dfenpolitik zu erkl\u00e4ren, was wir zu f\u00fcrchten h\u00e4tten: Nicht den Russen, aber dass sich Westeuropa und Russland verbinden w\u00fcrden zu einem Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok. Eurasien als geschlossener Wirtschaftsraum, das w\u00e4re das Ende der amerikanischen Weltmacht-Illusion. Das m\u00fcssen wir f\u00fcrchten. Deshalb darf Nordstream 2 nicht gebaut werden, deshalb m\u00fcssen wir Fl\u00fcssiggas aus \u2018fracking\u2019 teuer anlanden in speziellen H\u00e4fen, die noch gebaut werden, damit Amerika sich durchsetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber das alles wird garniert mit moralischen Gr\u00fcnden: Die da dr\u00fcben sind b\u00f6se. So muss das sein: Wenn Sie Menschen t\u00f6ten sollen, d\u00fcrfen Sie keine Menschen mehr t\u00f6ten, sondern haben Sie es zu tun mit Ungeziefer, Pesterregern, L\u00e4usen, Teufeln, was auch immer. Und das Furchtbare ist, dass Begriffe, die zur Moral geh\u00f6ren, und eben deshalb einen jeden Menschen, weil er ein Mensch ist, einbeziehen, fraktioniert werden zum Gegensatz zwischen den \u2018hier Guten\u2019 und den \u2018dr\u00fcben B\u00f6sen\u2019. Und selbstredend sind st\u00e4ndig wir die Guten und nat\u00fcrlich die jenseits der Grenzen das absolut B\u00f6se. Allein dieses Kalk\u00fcl ver\u00e4ndert alles, was wir Menschlichkeit nennen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i>Phil Zimbardo<\/i><\/strong>, ein amerikanische Psychologe, hat zwei B\u00fccher dar\u00fcber geschrieben: <i>\u201aDas Stanford Gef\u00e4ngnis Experiment\u2018<\/i> und <i>\u201aDer Luzifer-Effekt\u2019<\/i> zu Abu Ghraib. Er wollte lediglich beschreiben, was daraus wird, wenn sich eine Gruppe von Menschen als <i>\u2018die Guten\u2019<\/i> hinstellt und sich die Aufgabe zuspricht, die Gegengruppe als <i>\u2018die B\u00f6sen\u2019<\/i> bek\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eben bei der R\u00fcstung haben wir gesehen, dass wir immer gef\u00e4hrlicher, brutaler, schrecklicher r\u00fcsten m\u00fcssen. Dieselbe Aussage m\u00fcssen wir jetzt ins Moralische ziehen. Wir, die wir <i>\u2018die Guten\u2019 <\/i>sind, gewisserma\u00dfen der Erzengel Michael im Kampf gegen den Teufel, werden selber auf diese Art <i>\u2018das B\u00f6se\u2019<\/i>, das wir bek\u00e4mpfen wollen, in unsere eigene Seele und Psychologie aufnehmen. Wir m\u00fcssen b\u00f6ser sein als jeder denkbare B\u00f6se sein k\u00f6nnte. Wir wollen den B\u00f6sen in die H\u00f6lle schicken, aber wir machen die ganze Welt, dabei an allererster Stelle uns selber, zum Herrschaftsgebiet des Teufels. Diese Spaltung der Moral verdirbt selbst Menschen, die es gut meinen, dahin, die schlimmsten Dinge tun zu k\u00f6nnen oder sogar tun zu m\u00fcssen. Auch diese Spirale m\u00fcssen wir irgendwann einmal durchbrechen.<br \/>\nUnd wieder h\u00e4tte die Bergpredigt vollkommen recht:<br \/>\n<i>K\u00e4mpft nicht gegen das B\u00f6se<\/i>, steht da. (5. Kapitel Matth\u00e4us, Vers 39)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus genau diesen Gr\u00fcnden, wenn Sie das B\u00f6se bek\u00e4mpfen, hat <i>Isaac Newton<\/i> recht:<br \/>\nDruck erzeugt Gegendruck, Das B\u00f6se, das Sie bek\u00e4mpfen, schleicht sich ein in Sie selbst. In Ihre Seele, es verbessert nichts. Der \u2018crash\u2019 von zwei Druckst\u00e4rken produziert sich, quadriert sich, vergr\u00f6\u00dfert sich ins immer H\u00f6here. Kampf gegen das B\u00f6se ist daher gar nicht m\u00f6glich. Wie aber dann?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eben noch sagte ich, wir k\u00f6nnten ja mal schauen in die Augen Ihres bissigen Hundes, besser Ihres vermeintlich gef\u00e4hrlichen Gegners und Sie interessieren sich f\u00fcr dessen Angst. Dann sind Sie dicht dabei, zu tun, was in moralischer Absicht das einzig Richtige w\u00e4re: Sie suchen den anderen zu verstehen in den Gr\u00fcnden, weswegen er so handelt. Wenn Sie es aus dem Bergpredigt-Text nicht lesen wollen, k\u00f6nnen Sie es auch 500 Jahre fr\u00fcher vom <i>Buddha<\/i> h\u00f6ren: Nat\u00fcrlich gibt es Gut und B\u00f6se, aber beides hat seine Ursachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dann kommen wir nicht daran vorbei, dem Papst recht zu geben, wenn er sagt, der Krieg in der Ukraine hat ja Gr\u00fcnde. Solche, die bei uns liegen. Warum in unserer Gesellschaft werden denn Menschen b\u00f6se? Doch nicht, weil ihnen das einf\u00e4llt oder weil sie Spa\u00df dran h\u00e4tten. Sie k\u00f6nnen 2001 noch<i> Putin<\/i> im deutschen Bundestag sehen, wo er auf Deutsch eine Rede h\u00e4lt und ihm die damaligen Abgeordneten <i>\u2018standing ovations\u2019<\/i> geben. Das war 2001.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2005 sehen Sie<strong><i> Schr\u00f6der<\/i><\/strong>, dessen Namen man gar nicht mehr aussprechen darf als Putin-Freund, auf den Stufen der Universit\u00e4t in K\u00f6nigsberg, in Kaliningrad, stehen, gegen\u00fcber dem Kant-Denkmal von <i>Marion von D\u00f6nhof<\/i>. Etwa 400 Meter weiter von den Unterst\u00e4nden, die man als Museum geformt hat zur Erinnerung an die Zeit, als K\u00f6nigsberg als Festung noch gehalten werden sollte gegen den Ansturm der Roten Armee. Auf Russisch und Deutsch werden die Kommandos ausgetauscht, bestimmte Szenen eingespielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Vernunft <i>Immanuel Kants<\/i>, die Gedanken zum ewigen Frieden, konfrontiert mit dem ewigen Wahnsinn der Unterst\u00e4nde \u2013 wir m\u00fcssen k\u00e4mpfen! <i>Putin<\/i> und <i>Schr\u00f6der<\/i> gemeinsam zur Einladung f\u00fcr einen europ\u00e4ischen Frieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Er sollte nicht zustande kommen. Als ein Jahr sp\u00e4ter in M\u00fcnchen bei Herrn <i>Ischinger<\/i>s Konferenz zur Aufr\u00fcstung mehr oder minder<i> Putin <\/i>erkl\u00e4rte, es droht, wenn wir so weitermachen, ein kalter Krieg, konnten deutsche Gazetten schreiben:<i><b> Putin: Kalter Krieg! <\/b><\/i>Den wollte er vermeiden! Wir wollten ihn, unbedingt sogar, durch permanente Ausdehnung der NATO. Sie hatte \u201889 sechzehn Staaten, heute hat sie 30 Staaten, \u00fcbermorgen 32 Staaten, Moldawien und Georgien sind schon in der Zielscheibe. Das soll so weiter gehen. Keine Vers\u00f6hnung! Die Schw\u00e4che des anderen ausnutzen! Machtgewinn! Strategisch sich durchsetzen mit allen Mitteln!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Allein der Krieg im Nahen Osten hat \u00fcber zwei Millionen Tote gefordert. Haben Sie irgendetwas geh\u00f6rt, dass wir dabei ein Verbrechen begangen h\u00e4tten?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wenn <strong><i>Assange<\/i><\/strong><i><b> <\/b><\/i>die Bilder aufnimmt, die <strong><i>Chelsea Manning<\/i><\/strong> \u00fcber einen Hubschrauberangriff auf Zivilisten in Bagdad weitergegeben hat, wenn gezeigt wird, mit welchem Jargon man Menschen kaputt schie\u00dft, reuelos, skrupellos, und es kommt ins Internet, ist nicht das Verbrechen der GI\u2019s das Verbrechen, sondern dass es mitgeteilt wird im Internet. Daf\u00fcr geh\u00f6rt Assange 175 Jahre lang eingesperrt, muss verfolgt werden seit zehn Jahren, mit falschen Behauptungen getrieben werden. Darf er, wenn \u00fcberhaupt, in London nur bleiben, weil er so krank ist, dass er nicht \u00fcberstellt werden k\u00f6nnte in die USA, nicht weil wir, die Europ\u00e4er, mal sagten, es muss m\u00f6glich sein, die Verbrechen des Milit\u00e4rs offenbar zu machen, damit sie aufh\u00f6ren?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die L\u00fcge muss ein Ende haben!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Applaus]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was wir erleben, ist, dass die simpelste moralische Reaktion auf das verbrecherische Milit\u00e4r unterdr\u00fcckt werden muss durch Geheimhaltung, und das ist die Geschichte des Milit\u00e4rs \u00fcberhaupt. Nie d\u00fcrfen Sie wissen, was gemacht und geplant wird. Sie sind ja die B\u00fcrger, die sich gesch\u00fctzt f\u00fchlen m\u00fcssen durch den starken Staat, der nur das Gute will. Nochmal: <i>Immanuel Kant<\/i><i><b> <\/b><\/i>konnte sagen, die Moral des Politischen ist ganz einfach: Handele so in der \u00d6ffentlichkeit, dass du deine Absicht \u00f6ffentlich erkl\u00e4ren k\u00f6nntest. Alle L\u00fcgen, Geheimdiplomatie, Spionage, Waffen, die der Gegner gar nicht wissen darf, aber ihn abschrecken sollen, f\u00e4nden augenblicklich ihr Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und dann k\u00e4me zur Moral noch ein Weiteres: Wir d\u00fcrften nicht l\u00e4nger uns einreden lassen, dass die Trennung von Gut und B\u00f6se juristisch und ethisch unausweichlich w\u00e4re. Wenn jemand wirklich etwas tut, das nach moralischer Wertung als b\u00f6se bezeichnet werden muss, ist uns nicht die Pflicht gegeben, dagegen anzuk\u00e4mpfen, sondern nachzuschauen, aus welchen Zusammenh\u00e4ngen, mit welchen Absichten, unter welchen Bedingungen der andere so in die Ecke getrieben wurde, dass er meinte, so handeln zu sollen. Und diese Umst\u00e4nde, die wir selber mit zu verantworten haben, m\u00fcssen wir abtragen.<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Was_ist_mit_der_Ukraine\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Was<\/b><b> ist mit der Ukraine?<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Krieg w\u00e4re bis zum letzten Tag nicht n\u00f6tig gewesen, h\u00e4tte man, was Russland forderte: Milit\u00e4r-politische Neutralit\u00e4t der Ukraine und endlich Frieden im Donbas und die Zugeh\u00f6rigkeit der Krim zu Russland akzeptiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Stattdessen hatte es das United Kingdom n\u00f6tig, genau den Ansatz einer solch m\u00f6glichen Verhandlung zu unterminieren und<i> Selenski<\/i> dann den R\u00fccken zu st\u00e4rken mit immer neuen Versprechungen. Er muss durchhalten, er ist der Starke, er muss hetzen gegen die Russen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich will die Politik, die dahinter steht, kulturgeschichtlich nicht l\u00e4nger kommentieren, aber erinnern darf ich daran, dass Kiew einmal der Ursprungsort der russischen Orthodoxie war um 900, und die russische Kultur da ihre Wurzeln hat. Die Ukraine hat l\u00e4nger zu Russland geh\u00f6rt, als es die Vereinigten Staaten von Amerika \u00fcberhaupt gibt. Dass die Ukrainer nicht gerade gl\u00fccklich waren unter der Zarenherrschaft und noch weniger unter <i>Stalin<\/i>, ist allgemein bekannt. Auch die Russen haben gigantische Fehler begangen. Die Kornkammer, die Ukraine, mit Millionen Hungertoten unter <i>Stalin<\/i> in den drei\u00dfiger Jahren, das alles ist eine ganze Serie von Verbrechen, die wir nicht \u00fcbersehen d\u00fcrfen und die den Hass mancher Ukrainer auf Russland best\u00e4tigen und erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Vergessen d\u00fcrfen wir auch nicht, dass, als die Nazis einmarschierten, ganze Teile der Ukraine die Deutschen begr\u00fc\u00dften als Befreier von<i> Stalin<\/i>. Und von dieser Denkungsart gibt es heute noch in der Kiewer Regierung eine ganze Reihe<i> Bandera<\/i>-Anh\u00e4nger.<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Imperialismus_und_Kapitalismus\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Imperialismus und Kapitalismus<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Das alles m\u00fcssten wir verstehen, und wir m\u00fcssten es durch Friedfertigkeit, aber nicht durch Aufr\u00fcstung \u2013 den R\u00fccken st\u00e4rkend gegen den Feind \u2013 beantworten. Vers\u00f6hnung m\u00fcsste ein Ziel sein, aber dann m\u00fcssten wir aufh\u00f6ren, imperiale Machtpolitik zu treiben, dann m\u00fcssten wir wohl auch begreifen, dass der Imperialismus nicht nur eine politische Machtgeb\u00e4rde ist, sondern gewisserma\u00dfen eine kapitalistische Notwendigkeit. Ein Wirtschaftssystem wie das unsere kann Frieden nicht wollen. Es besteht auf dem Glaubenssatz, dass das Bessere der Feind des Guten ist, also dass wir immer schneller in Konkurrenz miteinander den anderen vor die Wand stellen m\u00fcssen. Schneller, gr\u00f6\u00dfer, weiter, reicher, umfangreicher, das ist Krieg im Wirtschaftsraum. Und es soll keine \u00dcberlebenden geben, nur die Sieger. \u2018The winner takes it all\u2018. Und der Zweite ist der schlimmste Verlierer; h\u00e4tte er nur ein bisschen schneller laufen k\u00f6nnen, h\u00e4tte er ja gesiegt. Schade, schade!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Welt der permanenten Konkurrenz d\u00fcrfen wir nicht l\u00e4nger akzeptieren, auch wenn sie uns beigebracht wird schon in der Schule, schon im Kindergarten, im Leistungsvergleich gef\u00f6rdert wird. Was dabei nicht gef\u00f6rdert wird, ist die simple Menschlichkeit, Mitgef\u00fchl zu entwickeln, Sensibilit\u00e4t, Empathie, die Verbindlichkeit von Gef\u00fchlen, die einander zugesagt werden, die G\u00fcltigkeit von Versprechen, die dem Frieden dienen. Eine Politik, die mit System alles das verleugnet, eine Dauer-Presse, die jeden Tag das Gegenteil uns in die Seele schreiben m\u00f6chte, k\u00f6nnen wir nur ablehnen, weil das, was menschlich ist darin, verf\u00e4lscht wird mit Bewusstsein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Machen Sie die simpelste Probe aufs Exempel. Nehmen Sie 1916 die Schlacht von Verdun. Hunderttausende von Toten! Und was steht in den Zeitungen? Wie tapfer unsere Soldaten unter dem Gefechtsfeuer des Feindes ihre Stellung bewahren, wie sie zur\u00fcckschie\u00dfen und dr\u00fcben furchtbare Verwundungen und Verletzungen anrichten, eine Siegeshymne aus der Orgie des Schreckens. Niemals \u2013 behaupte ich \u2013 hat irgendeine Zeitung die Wahrheit geschrieben \u00fcber das, was ein Schlachtfeld ist. <strong><i>Tucholsky<\/i><\/strong><i><b> <\/b><\/i>konnte das. Er nannte 1914 bis 1918 <i>\u2018die gro\u00dfe Boulangerie\u2019. S<\/i>chlimmer als das Schweineschlachten ist das Schlachten von Menschen, aber deshalb nennen wir es ja eine Schlacht, deshalb nennen wir es Schlachtfeld. Und keine Zeitung zeigt uns die Realit\u00e4t. Am Ende muss man die Schuldgef\u00fchle, den Rest an Menschlichkeit abwischen mit Troph\u00e4en, Konfetti-Paraden und neuen medialen Begleiterscheinungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1991 im ersten Irak-Krieg, als<b> <\/b><i>Bush<\/i><i><b>,<\/b><\/i> der \u00e4ltere, mit etwa 50 Staaten ein Dritte-Welt-Land \u00fcberfiel und \u2013 man darf sch\u00e4tzen \u2013 etwa 700.000 Tote hinterlie\u00df, brauchte man in USA, \u2018<i>in God\u2019s own country\u2019 <\/i>sechs Monate f\u00fcr die sechs Wochen Krieg, zwischen Los Angeles und New York City, f\u00fcr die Parade des Sieges. Endlich nach Vietnam hatte Amerika gesiegt und nach dem Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums der Welt gezeigt, wer der Herr der Welt ist. Das musste bejubelt werden, und so ging es dann weiter.<\/p>\n<h4 class=\"font-inherit\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span id=\"Die_grosse_Chance_der_Nicht-Gewalttaetigkeit\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><b>Die gro\u00dfe Chance der Nicht-Gewaltt\u00e4tigkeit<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Oder 2001, nine eleven. Ein einziger hat damals die Wahrheit gesagt, die ich hier \u00fcbrigens im Sender Freies Berlin am gleichen Tage noch im Gespr\u00e4ch mit meinem Freund<i><b> <\/b><\/i><strong><i>Michael Longard<\/i><\/strong> sagen konnte: Amerika muss sich h\u00fcten, darauf zu reagieren mit Gewalt. Wenn sie das begreifen, l\u00e4ge der Frieden nahe. Zwei Tage sp\u00e4ter in S\u00fcditalien h\u00f6rte ich in einem Dialog den <i>Dalai Lama<\/i> antworten auf die Frage einer ziemlich entsetzten amerikanischen Journalistin, was denn in Nine Eleven passiert sei.<br \/>\n\u2018<i><b>That\u2019s a great chance for non-violence\u2018<\/b><\/i>, meinte der <i>Dalai Lama<\/i>, eine gro\u00dfartige Chance f\u00fcr die Nicht-Gewaltt\u00e4tigkeit.<br \/>\n<i>Wie bitte, Sir? <\/i><i>Eine gro\u00dfe Chance!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Stellen Sie sich vor, 2001 h\u00e4tte Amerika sich gefragt: Warum hassen sie uns? Welche Gr\u00fcnde haben sie? Die Kolonialpolitik in Jahrhunderten, indem wir den gesamten Kulturg\u00fcrtel im Nahen Osten verw\u00fcstet haben, abh\u00e4ngig gemacht, Grenzen gezogen haben, ausgebeutet haben. Es gibt 100 Gr\u00fcnde, weswegen sie uns nicht gewogen sind. Dem m\u00fcssen wir mal nachgehen; nur eines d\u00fcrfen wir nicht: Hass mit organisierten Milit\u00e4rschl\u00e4gen beantworten, in denen wir die ganze Welt zu einem unsichtbaren, aber dann sehr konkretem Schlachtfeld machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und dann: Drohnenmorde! Wieder Geheimhaltung! Die deutsche Regierung darf nicht wissen, dass nur \u00fcber Ramstein inzwischen \u00fcber 10.000 Drohnenmorde, unterschrieben von <i><strong>Barack Obama<\/strong>,<\/i> Friedensnobelpreistr\u00e4ger, inszeniert wurden. Er hat ja auch gesagt in Deutschland bei seinem Besuch, es gingen vom deutschen Boden keine Raketen aus. Das ist das \u00fcbliche \u2018double-speak\u2019. Sie werden gelenkt, die Raketen, von deutschem Boden aus. Aber das darf man nicht wissen, Frau <i>Merkel<\/i><i><b> <\/b><\/i>nicht, <b>Herr <\/b><i><b>Steinmeier<\/b><\/i><b> <\/b>nicht. Dann m\u00fcssten wir ja Amerika uns verweigern und sagen, wir h\u00f6ren auf, eure Kolonie zu sein. Das sollten wir werden 1949, aber nun ist Feierabend damit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Applaus]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wir sind es endg\u00fcltig leid, eure Fu\u00dftruppe bei euren Machtspielen zu sein. Jetzt sollen die Europ\u00e4er Russland angreifen, damit ihr im Pazifik China in Containment-Politik einkreisen und angreifen k\u00f6nnt, AUKUS \u2013 Australien, Gro\u00dfbritannien (UK), USA plus Japan, Taiwan, m\u00f6glicherweise noch Indien, ein G\u00fcrtel komplett geschn\u00fcrt um China, den n\u00e4chsten Staat, den wir d\u00e4monisieren und terrorisieren m\u00fcssen. Wir k\u00f6nnten \u00fcber die Seidenstra\u00dfe lernen, was Wirtschaften bedeutet: Der eine gibt dem anderen, was er nicht hat, und bekommt deswegen, was er nicht hat. Frieden w\u00e4re Handel.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Applaus]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und das von Lisboa bis Wladiwostik, wir h\u00e4tten es haben k\u00f6nnen!<br \/>\nAber dann m\u00fcssten wir Nein sagen zur Imperialpolitik der USA, zur NATO!<br \/>\nRaus aus der NATO!<br \/>\nMit ihr ist kein Frieden m\u00f6glich, weil er nicht sein soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Applaus]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Frieden soll auch deshalb nicht sein, weil wir glauben, dass wir uns den Krieg leisten k\u00f6nnen durch R\u00fcstungs\u00fcberlegenheit, durch milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit, als die St\u00e4rkeren. Wir sind schon die<i> \u2018number one\u2019,<\/i> und jetzt m\u00fcssen wir zeigen, dass wir es sind und bleiben, ein amerikanisches 21. Jahrhundert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir m\u00fcssten antworten mit dem, was wir in Europa gelernt haben \u00fcber Menschlichkeit, \u00fcber G\u00fcte von unseren Philosophen, aus dem Neuen Testament, aus der Kultur-Tradition, die dazu geh\u00f6rt, zu wissen in Europa, dass ein Krieg nichts schafft als Unheil. 30 Jahre von 1618 bis 1648 haben wir erlebt, wie man ganz Europa verw\u00fcsten kann, nur in Machtspielen, unter dem Vorwand von Religion, von absoluter Richtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir haben das gelernt und ihr h\u00e4ttet es lernen k\u00f6nnen 1863 in euerm B\u00fcrgerkrieg. Wir k\u00f6nnten uns die Hand \u00fcber dem Atlantik reichen zum Frieden. Aber wenn ihr jetzt weiter machen wollt wie bisher, machen wir nicht l\u00e4nger mit und sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Raus aus der NATO!<br \/>\nVerantwortung f\u00fcr die Welt!<br \/>\nNein zur R\u00fcstung!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">und<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ja zu einer universellen Menschlichkeit! Gerne schlie\u00dfe ich mit einem Satz, der von <strong>Mahatma Gandhi<\/strong> stammt. Wir \u00fcberlegen st\u00e4ndig, was denn zu tun ist, um den Frieden zu retten, zu bewahren. Ganz einfach:<br \/>\n<i><b>Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Friede selber ist der Weg.<\/b><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wer nicht damit anf\u00e4ngt, kann dabei nicht ankommen.<br \/>\nDann haben Sie das ganze Programm des Neuen Testamentes: Abr\u00fcsten, einseitig, das ist, was Jesus, f\u00fcnf Tage, bevor man ihn ans Kreuz schlagen wird, der Menschheit vorlebt \u2013 beim Einzug in Jerusalem. Er zitiert ein Wort des Propheten Sacharja:<i><b> K\u00e4me wirklich jemand, der die Welt ver\u00e4ndern k\u00f6nnte im Namen Gottes, w\u00e4re seine erste Ma\u00dfnahme, die Bogen zu zerbrechen, die Kriegswagen zu verbrennen.<\/b><\/i> (Sach 9,9; Mk 11,2.)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das ist das Programm Jesu. Und dann hat Paulus v\u00f6llig recht, wenn er sagt, <i>1.Korinther-Brief,<\/i> wenn Sie es nachlesen wollen, Kapitel 2 Vers 8: Die Herrscher dieser Welt nennen das Wesen Gottes, seine G\u00fcte, schlicht und einfach Wahnsinn. Und deshalb haben sie Jesus umgebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir m\u00fcssen sagen, was die da oben Wahnsinn nennen mit Bezug auf Gottes G\u00fcte, zeigt nur die Paranoia, in der sie selber existieren. Und wir brechen aus dem Irrenhaus dieser Politik ein f\u00fcr allemal aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir beschlie\u00dfen, frei zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und dann sind wir bei dem, was <strong>Wolfgang Borchert<\/strong> sagen konnte 1947 in Basel auf seinem Krankenlager, als sein Verm\u00e4chtnis an die Menschheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i> \u201eMann an der Werkbank! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst statt Kochgeschirren und Wasserrohren Kanonenrohre und Handgranaten ziehen \u2013 Mann an der Werkbank, sag NEIN!<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i> Mann im Labor! Wenn sie wieder kommen und sagen, du sollst den neuen Tod erfinden gegen das alte Leben \u2013 Mann im Labor, sag NEIN!<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><i> Und Mutter in Deutschland, Mutter in der Ukraine! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst Kinder geb\u00e4ren: Jungen f\u00fcr die Front, M\u00e4dchen f\u00fcr die Spit\u00e4ler \u2013 Mutter in Deutschland, Mutter in der Ukraine, sagt NEIN!<\/i><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><i><strong> Und Pfarrer auf der Kanzel! Wenn sie wieder kommen und dir sagen, du sollst die Waffen segnen und den Krieg als Gottesurteil verk\u00fcnden \u2013 Pfarrer auf der Kanzel \u2013 sag NEIN!<\/strong>\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wird das stets so weiter gehen und immer noch viel schlimmer kommen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich danke Ihnen sehr f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Applaus]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Theologe, Psychoanalytiker und Autor Eugen Drewermann ist ein radikaler Verfechter von Menschlichkeit, Liebe und Frieden und eine von breiten Kreisen annerkante moralische Instanz in Deutschland. 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