{"id":1597628,"date":"2022-06-04T15:57:23","date_gmt":"2022-06-04T14:57:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1597628"},"modified":"2022-06-04T15:57:23","modified_gmt":"2022-06-04T14:57:23","slug":"interview-mit-mapuche-aktivistin-millan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2022\/06\/interview-mit-mapuche-aktivistin-millan\/","title":{"rendered":"Interview mit Mapuche-Aktivistin Mill\u00e1n"},"content":{"rendered":"<p>In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe <a href=\"https:\/\/www.kavilando.org\/\"><em>Kavilando<\/em><\/a> berichtet <em>Colombia Informa\u00a0<\/em>\u00fcber Schwerpunktthemen aus ganz Lateinamerika. Diesmal sprachen wir mit Moira Mill\u00e1n, Menschenrechtsaktivistin und <em>Weichafe Mapuche<\/em> (Mapuche-Kriegerin).<\/p>\n<p><strong>Wer ist Moira Mill\u00e1n?<\/strong><\/p>\n<p>Oh, das ist leicht zu beantworten. Ich bin <em>Weichafe<\/em>, Kriegerin, <em>Weich\u00e1n<\/em> bedeutet Kampf. Aber ich bin auch Verteidigerin. <em>Weich\u00e1n<\/em>appeliert an den Geist der Selbstverteidigung, der von unseren Vorfahren gen\u00e4hrt wird. Mit diesem Geist wurde ich geboren, und angesichts der vielen Ungerechtigkeiten und Angriffe auf mein Volk erwachte dieser Geist zum Leben und weckte in mir den Wunsch, f\u00fcr den Schutz des Lebens zu k\u00e4mpfen und meine Identit\u00e4t als <em>Weichafe<\/em> zu akzeptieren.<\/p>\n<p><strong>Wie hast du diesen Geist in dir entdeckt, und wie kam es, dass du diesen Platz im Volk der Mapuche eingenommen hast?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin in der Stadt Bah\u00eda Blanca als Tochter eines Eisenbahnarbeiters aufgewachsen. Ich habe f\u00fcnf Geschwister, einer davon war mein Zwillingsbruder. Wir lebten in gro\u00dfer Armut, mit Hunger und vielen Entbehrungen. Meine Mutter hat ihr Leben lang als Putzfrau gearbeitet. Aber sie war eine Frau mit einem au\u00dferordentlichen Ged\u00e4chtnis und einem ausgepr\u00e4gten Klassenbewusstsein. Immer wieder erz\u00e4hlte sie uns von den Grundbesitzern und Gro\u00dfgrundbesitzern, die ihr das Land weggenommen hatten, und von dem, was dann mit unserem Volk geschehen war. Aber mit 18 Jahren lernte ich mein Volk selber kennen. Durch die Spiritualit\u00e4t erkannte ich meine Identit\u00e4t, und da wurde mir klar, dass wir nicht nur einen politischen Kampf f\u00fchren, sondern auch einen Kampf um die Wiedererlangung unserer geistigen Identit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es bei diesem Streit um die indigenen L\u00e4nder und dem Kampf, den unsere Vorfahren schon gef\u00fchrt haben? <\/strong><\/p>\n<p>Puelmapu liegt im Wallmapu und geh\u00f6rt zum Gebiet der Mapuche. Gulumapu steht unter chilenischer Verwaltung und Puelmapu unter argentinischer. Ein Teil von Puelmapu, ein riesiges Gebiet, befindet sich in den H\u00e4nden transnationaler Unternehmen, viele nordamerikanische Firmen haben sich hier angesiedelt. Puelmapu verf\u00fcgt \u00fcber erhebliche \u00d6l- und Gasvorkommen und eine Menge Bodensch\u00e4tze. Wallmapu reicht vom Pazifik bis zum Atlantik. Die gro\u00dfen Konzerne, die die Welt beherrschen, f\u00fchlten sich davon nat\u00fcrlich angezogen, und deshalb sind sie nun in Puelmapu. Dagegen halten wir unser Recht auf Leben und vertreten die Interessen unseres Volks und unserer Gebiete. Wir fungieren als eine Art Stopper gegen das extraktivistische Vorpreschen dieser Gro\u00dfkonzerne, und entsprechend angespannt ist nun die Situation. Und was diese <em>Terricidas<\/em> (\u201eLandm\u00f6rder\u201c) zus\u00e4tzlich beunruhigt: dass sich Mapuche und die <em>Criollos<\/em> zur Verteidigung des Lebens zu einer strategischen Allianz zusammengefunden haben. Auch wenn der Staat es nicht wahrhaben will: Argentinien ist ein plurinationales Land, das sollte man nicht vergessen ist, und auch die Gebiete sind plurinational. Die Invasion in unsere Gebiete betraf 36 indigene V\u00f6lker. Und was wir derzeit erleben, ist ein Bewusstwerdungsprozess der kreolischen Bev\u00f6lkerung, die versucht, sich als Einheit zusammenzufinden, um gemeinsam f\u00fcr die Verteidigung ihrer Gebiete zu k\u00e4mpfen. Und dann ist da der Staat, der das alles noch nicht ganz verstanden hat und von der geeinten Kraft der V\u00f6lker \u00fcberfordert ist.<\/p>\n<p><strong>Stichwort Staat: Welche Rolle spielt denn der Staat im Kampf um die Verteidigung der Gebiete?<\/strong><\/p>\n<p>Die argentinische Republik ist ein Staat mit postkolonialen Strukturen. Das ist sehr wichtig klarzustellen, denn im Gegensatz zu anderen Staaten, die ihre indigenen Wurzeln anerkennen, ist Argentinien eurozentristisch. Argentinien hat sich schon immer als das Europa Lateinamerikas betrachtet. Die fortw\u00e4hrende Beschneidung der Rechte der indigenen V\u00f6lker \u00a0basiert auf dem kolonialen Grundgedanken der wei\u00dfen Vorherrschaft, und der koloniale Staat hat die europ\u00e4ischen Interessen an unseren Gebieten immer beg\u00fcnstigt. Hinter der Eroberung der W\u00fcste stand ein strategischer, von der britischen Krone finanzierter Plan zur Eliminierung unserer V\u00f6lker. Bis heute besitzt Gro\u00dfbritannien ausgedehnte L\u00e4ndereien in Patagonien. Das Volk der Mapuche hat es jedoch geschafft, sich seine Identit\u00e4t gr\u00f6\u00dftenteils zu bewahren, das verdanken wir allein unseren Vorfahren, die ihre Erinnerungen und ihren Schmerz an uns weitergegeben und uns damit geholfen haben, einen V\u00f6lkermord zu \u00fcberstehen, mit allem, was dazu geh\u00f6rt. Nat\u00fcrlich sind unsere kulturellen Wurzeln im Vergleich zu Gulumapu und den Mapuche in Chile viel weniger gefestigt. Mit der so genannten Befriedung von Araucan\u00eda hat Chile seine Integrations- und Assimilationspolitik an den W\u00fcnschen der St\u00e4rkeren ausgerichtet, w\u00e4hrend Argentinien seine <a href=\"https:\/\/lateinamerika-nachrichten.de\/artikel\/kollektive-ignoranz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">W\u00fcstenkampagne<\/a> durchgezogen und einen konsequenten V\u00f6lkermord betrieben hat. Dieser ging mit einem Epistemizid einher, im Zuge dessen unsere Kultur massiv bek\u00e4mpft und das Wissen unserer Vorfahren vernichtet wurden. Das passiert \u00fcbrigens auch heute noch. Aber es gibt einen Generationenwandel: eine bl\u00fchende Saat, die entschlossen ist, f\u00fcr ihre Identit\u00e4t zu k\u00e4mpfen. Und so gibt es diese zwei Weltanschauungen, die einander widersprechen: den kolonialen Staat, der sich den Konzernen, der Ausbeutung, dem Extraktivismus, dem Terrizid und dem Tod verschrieben hat, und ein Volk, eine Nation wie die Mapuche, die das Leben verteidigen, ihre Identit\u00e4t bewahren und vor allem eine neue Form von Zivilisation schaffen will.<\/p>\n<p><strong>Angesichts der kolonialen Logik, die in Lateinamerika noch immer fortbesteht, ist das nat\u00fcrlich ein ganz wichtiger Ansatz. Erz\u00e4hl uns doch mal was von diesen Unternehmen, die die indigenen Gebiete f\u00fcr sich beanspruchen. <\/strong><\/p>\n<p>Wir haben Panamerican Silver, da ist Bill Gates \u00fcbrigens einer der Hauptaktion\u00e4re, dann haben wir Chevron, und dann breiten sich Firmen aus Katar immer weiter im Gebiet der Mapuche aus. Eine <em>lamien <\/em>(Schwester) von uns, Soledad Cayunao, hat den Prinzen von Katar am Hals, nicht mehr und nicht weniger. Die Regierung Macri hatte ihm erlaubt, die Quellen des Leuf\u00fa-Flusses zu kaufen, das ist der wichtigste Fluss, der durch die Provinz Chubut flie\u00dft. Das h\u00e4tte gar nicht passieren d\u00fcrfen; diese Quellen liegen im Grenzgebiet, dennoch wurden sie unter der Regierung Macri verkauft, zum Schaden der Mapuche. Ted Turner [Medienunternehmer] ist hier einer von den Gro\u00dfgrundbesitzern, die sich Mapuche-Gebiete angeeignet haben. Silvester Stallone [Schauspieler und Rambo-Darsteller] hat sich auf Mapuche-Land festgesetzt. Eine <em>Lamien<\/em>, Juana Weche, nennen wir mittlerweile nur noch <em>Wonder Woman<\/em>, weil sie sich voll und ganz dem Kampf gegen \u201eRambo\u201c widmet. W\u00e4re Gabriel Garc\u00eda M\u00e1rquez jemals hier gewesen, h\u00e4tte Patagonien ihn sicherlich zu seinem fiktiven Macondo [aus <em>Hundert Jahre Einsamkeit<\/em>] inspiriert. Patagonien ist einfach das Macondo S\u00fcdamerikas.<\/p>\n<p><strong>Die Mapuche-Nation ist eine Einheit, aber warum ist sie geteilt?<\/strong><\/p>\n<p>Das Volk der Mapuche blickt auf eine etwa 14.000-j\u00e4hrige Geschichte in diesen Gebieten zur\u00fcck, die zusammen Wallmapu hei\u00dfen. Wir sind ein Volk mit einer Sprache, mit einer Kosmovision und einem Verm\u00e4chtnis unserer Vorfahren. Das Volk der Mapuche ist nicht geteilt, sondern sein Territorium wird von zwei Besatzungsm\u00e4chten beansprucht, dem chilenischen und dem argentinischen Staat, und diese Staaten haben die Anden zu einer Grenze gemacht, w\u00e4hrend wir das Gebirge immer als Br\u00fccke zwischen dem Pazifik und dem Atlantik gesehen haben. Heute arbeiten sie daran, die Grenzen zwischen Puelmapu und Gulumapu weiter zu festigen, unter anderem, um uns Mapuche die Durchreise zu erschweren.<\/p>\n<p><strong>Wir haben heute eine akademisch gebildete Generation Mapuche, aber was die Sicht auf die Welt und die Art, sie zu ver\u00e4ndern, angeht, gibt es Unterschiede. Wie steht es denn um euer Verh\u00e4ltnis zu dem, was man hier langl\u00e4ufig unter Bildung versteht? <\/strong><\/p>\n<p>Das Bildungssystem reproduziert das kolonisatorische Verh\u00e4ltnis des Staats zu unserer Denkweise, unseren Sitten und Gebr\u00e4uchen. Es ist darauf ausgerichtet, seine Hegemonie aufrechtzuerhalten. Die argentinische Nation wurde auf indigenem Territorium errichtet, von dort aus wurden die V\u00f6lker ihrem Herrschaftssystem unterworfen, und das heutige Bildungsmodell wurde letztlich entwickelt, um die Ausl\u00f6schung der Kulturen voranzubringen, die vor diesem Staatengebilde existiert haben. Bis heute werden die Geschichte und die Realit\u00e4t der indigenen V\u00f6lker von diesem Bildungssystem totgeschwiegen. Es basiert auf der aktuellen Geopolitik und l\u00e4sst die Kosmographie unserer Vorfahren au\u00dfer Acht. Somit tr\u00e4gt auch dieses Bildungssystem zum Epistemizid bei, indem es die Sprachen der Vorfahren vernichtet. Also sind wir permanent auf der Suche nach alternativen Bildungsans\u00e4tzen f\u00fcr unsere <em>Pichi Keche<\/em>, unsere Kinder, die sie in ihrer Identit\u00e4t best\u00e4rken. Die Initiative <em>Mujeres Ind\u00edgenas por el <a class=\"glossaryLink\" href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/buen-vivir\/\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\" w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt &amp;quot;Gutes Leben&amp;quot;, beschreibt ein harmonisches und nachhaltiges Miteinander der Menschen, mit allen auf der Erde lebenden Wesen. Es fu\u00dft auf indigenen Vorstellungen der Welt (Kosmovisionen) aus dem Anden- und dem Amazonas-Raum, bei der die Gattung Mensch nicht \u00fcber der Natur steht, sondern vielmehr Teil von ihr ist, so wie alle anderen, von Mutter Erde (Pachamama) geschaffenen Kreaturen. Dementsprechend verpflichtet das Buen Vivir die Menschen zu einem ma\u00dfvollen Handeln: Ihre zivilisatorischen Wachstumspl\u00e4ne d\u00fcrfen nicht auf Kosten nat\u00fcrlicher G\u00fcter und \u00d6kosysteme gehen (siehe: Imperiale Lebensweise). Entsprechend dieser Auffassung werden der Natur besondere Rechte einger\u00e4umt, die in L\u00e4ndern wie Ecuador und Bolivien inzwischen auch in der Verfassung verankert\u2013 doch konsequent umgesetzt werden diese Garantien nur selten. \" data-gt-translate-attributes=\"[{&quot;attribute&quot;:&quot;data-cmtooltip&quot;, &quot;format&quot;:&quot;html&quot;}]\">Buen Vivir<\/a><\/em> (Indigene Frauen f\u00fcr ein gutes Leben) arbeitet zum Beispiel an einem Projekt zur F\u00f6rderung der Vielfalt. Wir sagen: Eine Universit\u00e4t ist eine Welt f\u00fcr sich, aber eben nur eine. Die Pluriversit\u00e4t vereint viele Welten, die miteinander kommunizieren, auf Augenh\u00f6he, mit Respekt und Liebe und dem Willen, die Denkweise unserer Vorfahren am Leben zu halten. Durch sie k\u00f6nnen wir erreichen, dass das Wissen unserer Vorfahren erhalten bleibt und rehabilitiert wird, denn aktuell wird es in Argentinien kriminalisiert. Wenn eine traditionelle \u00c4rztin bei einer Geburt anwesend ist, kann sie wegen illegaler Aus\u00fcbung medizinischer T\u00e4tigkeiten bestraft werden. Aber gleichzeitig ist es innerhalb dieses Bildungssystems nicht m\u00f6glich, als indigene Hebamme eine Zulassung zu bekommen, obwohl immer mehr Frauen, nicht nur indigene, auch wei\u00dfe, sich f\u00fcr eine traditionelle Geburt entscheiden, denn unsere Art, ein Kind auf die Welt zu bringen, steckt voller Poesie, voller Sch\u00f6nheit und Liebe, und das findest du bei den in den Krankenh\u00e4usern angebotenen Gesundheitsdienstleistungen einfach nicht. Pluriversit\u00e4t ist unsere Antwort auf die Notwendigkeit, unser Wissen zu erhalten und zu legitimieren, denn die offiziellen Bildungseinrichtungen unseres Staats halten an ihrer Vormachtstellung fest und entscheiden, welches Wissen esoterisch und was der subalternen Kultur zuzurechnen ist. Deshalb liegen wir im Clinch mit dem Bildungssystem, denn es geht um die Gleichwertigkeit unseres Wissens und unserer Praktiken, die in diesen Zeiten so notwendig und unverzichtbar sind wie nie.<\/p>\n<p><strong>Ich w\u00fcrde gern noch auf die Rolle der Frauen in diesen K\u00e4mpfen um die Verteidigung von Land und Leben und den Fortbestand der kulturellen Identit\u00e4t eingehen. <\/strong><\/p>\n<p>Unsere Rolle in all\u2019 dem ist sehr wichtig, denn wir werden genauso get\u00f6tet, und das auf viele unterschiedliche Arten. Nimm zum Beispiel unsere Anti-<em>Chineo<\/em>-Kampagne: Da geht es um eine kolonialistische \u201eTradition\u201c, die die Spanier mitgebracht haben und die heute noch praktiziert wird. Zum Eintritt in die Pubert\u00e4t wurden M\u00e4dchen systematisch von den Spaniern vergewaltigt. Besonders die M\u00e4dchen im Norden des Landes sind von diesen Sexualverbrechen heute noch betroffen. F\u00fcr uns ist das eine Form des V\u00f6lkermords. Uns bleibt keine Wahl: Wir Frauen m\u00fcssen uns dagegen auflehnen, uns zusammentun und k\u00e4mpfen, denn leider ist die Kolonialisierung auch an unseren M\u00e4nnern nicht spurlos vor\u00fcbergegangen: Auch sie haben den ganzen patriarchalen Mist leider absolut verinnerlicht. Deshalb sagen wir: Unser Kampf ist antipatriarchal und antikolonial; es ist ein revolution\u00e4rer Kampf, der von den Kr\u00e4ften unserer Erde ausgeht, von unserem Land aus in die Welt. Wenn wir alles ver\u00e4ndern wollen, m\u00fcssen wir wohl auch alle Frauen der Welt erreichen. Der antipatriarchale Kampf kann nur gelingen, wenn sich alle Frauen im antikolonialen Kampf f\u00fcr das Leben engagieren, und zwar nicht nur Frauen aus den indigenen Gebieten, sondern alle m\u00f6glichen Frauen.<\/p>\n<p><strong>Erz\u00e4hlst du uns auch noch was von den K\u00e4mpfen um Freiheit, zum Beispiel im Fall von Facundo Jones Hualas?<\/strong><\/p>\n<p>Der Staat hat Schuld, aber auch die Gesellschaft, die nie zur Verantwortung gezogen wird. Ihr extremer Rassismus toleriert die Repression der Regierung gegen unsere <em>Lonkos <\/em>(F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten des Mapuche-Volks), <em>Machis<\/em> (Heilerinnen) und alle <em>Weichafes<\/em>, ihre Unterdr\u00fcckung und Verfolgung. Der Fall Facundo Jones Huala hat wahrscheinlich deshalb so viel \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit erlangt, weil es den rechten, hegemonialen Medien entgegenkam, den Kampf von vier Millionen Menschen auf die Person Huala zu reduzieren, der sicherlich einige repr\u00e4sentativen Eigenschaften ins sich vereint, aber so sparen sie sich die Arbeit, \u00fcber all\u2018 die Frauen, <em>Lonkos<\/em>, \u00a0<em>Machis<\/em> und <em>Weichafes<\/em> zu sprechen, die in unseren Kampf involviert sind. Sie konzentrieren sich also auf diesen einen, und das ist bestimmt kein Zufall, sondern Teil einer Kommunikations- und Politik-Maschinerie, hinter der die S\u00f6ldnermedien der transnationalen Konzerne stehen.<\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnte eine Soliaktion aussehen, die nicht nur die Mapuche unterst\u00fctzt, sondern die K\u00e4mpfe f\u00fcr das Leben und indigenes Land in ganz Lateinamerika?<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen begreifen, dass der Fortbestand aller indigenen V\u00f6lker, die lange vor den Staaten existierten, fest in den Lauf des Lebens eingewoben sind, genau wie die gesamte F\u00fclle des Lebens mit allen \u00d6kosystemen. Das hei\u00dft: Der Amazonas ist nicht denkbar ohne das Leben der V\u00f6lker, die in der Amazonasregion leben. Deshalb d\u00fcrfen wir nicht weiter so an alles rangehen, als w\u00e4ren wir nicht Teil davon, und denken, der Kampf um die Umwelt sei eine abgeschottete Angelegenheit, bei der es einzig um den Erhalt bestimmter \u00d6kosysteme geht. Der Kampf um das Leben in unseren Gebieten schlie\u00dft das Leben unserer V\u00f6lker genauso ein wie den Erhalt ihrer Spiritualit\u00e4t und das Leben der \u00d6kosysteme. Wir sind der Meinung, dass der Kampf gegen den Terrizid plurinational und weltweit gef\u00fchrt werden muss. Wir sind vor allem eins: Erdenbewohner*innen. Wenn das der wichtigste und urspr\u00fcnglichste Aspekt unserer Identit\u00e4t ist, dann verbindet er auch alle Menschen, folglich muss der Tod, das Verschwinden und die Ausl\u00f6schung aller Lebensformen f\u00fcr uns alle schmerzhaft sein. Und wir sind in der Lage, zu k\u00e4mpfen, denn unsere wichtigste Verb\u00fcndete ist Mapu, unsere Mutter Erde.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung: Lui L\u00fcdicke<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Kavilando berichtet Colombia Informa\u00a0\u00fcber Schwerpunktthemen aus ganz Lateinamerika. 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