{"id":156588,"date":"2015-01-13T17:55:50","date_gmt":"2015-01-13T17:55:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/?p=156588"},"modified":"2015-01-13T17:55:50","modified_gmt":"2015-01-13T17:55:50","slug":"flug-mh17-die-suche-nach-der-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2015\/01\/flug-mh17-die-suche-nach-der-wahrheit\/","title":{"rendered":"Flug MH17 &#8211; Die Suche nach der Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Pressenza m\u00f6chte hier die lange und intensive Recherche von Marcus Bensmann und David Crawford von <a href=\"https:\/\/www.correctiv.org\/\">CORRECT!V<\/a>, dem ersten gemeinn\u00fctzige Rechercheb\u00fcro im deutschsprachigen Raum publizieren. Es geht um die Suche nach der Wahrheit hinter dem Abschuss des Passagierfluges MH17 \u00fcber der Ostukraine. Bis heute ist ungekl\u00e4rt, wer das Flugzeug abgeschossen hat. \u00a0Die beiden Journalisten kommen zum Schluss, dass die Schuld f\u00fcr den Tod an 298 Menschen viele Menschen und Organisationen tragen. Von den Sch\u00fctzen der BUK-Raketeneinheit bis zu den Regierungen in Kiew, Moskau und Berlin.\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Der kompletten Bericht mit Bild- und Video-Material ist <a href=\"https:\/\/mh17.correctiv.org\/\">hier<\/a> zu finden.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Es ist eines der gr\u00f6\u00dften Kriegsverbrechen der neueren Zeit \u2013 und noch immer nicht aufgekl\u00e4rt. Am 17. Juli 2014, gegen 16:20 Uhr Ortszeit, wurde der Malaysia Airlines Flug MH17 \u00fcber der Ostukraine abgeschossen. Alle 298 Insassen starben, darunter viele Kinder. Wer feuerte die t\u00f6dliche Rakete ab? Monatelang hat das Berliner Rechercheb\u00fcro CORRECT!V Fakten zusammengetragen, in der Ostukraine ermittelt \u2013 und fand am Ende Zeugen des Abschusses. Die Recherchen ergeben eine dichte Beweiskette: Es war eine BUK-Rakete, die das Passagierflugzeug vom Himmel holte \u2013 in Stellung gebracht von Soldaten der 53. russischen Luftverteidigungsbrigade aus Kursk, die sich ohne Hoheitszeichen auf ukrainischem Gebiet befand, um russische Panzerverb\u00e4nde zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Keine halbe Stunde ist seit dem Absturz der Passagiermaschine vergangen, da feiert der Oberkommandierende der prorussischen Separatisten im Donbass, Igor Girkin, den Abschuss eines ukrainischen Milit\u00e4rjets. Girkin schreibt auf seiner Profilseite des russischen Facebook, Vkontakte: \u201eWir haben euch gewarnt, fliegt nicht durch unseren Himmel.\u201d<\/p>\n<p>Die Meldung ist ein Erfolg, in K\u00fcrze bekommt sie \u00fcber 2000 Gef\u00e4llt-mir-Klicks. Dann wird die Meldung gel\u00f6scht. Sp\u00e4ter sagt Girkin, einst russischer Geheimdienstoberst, der Eintrag sei eine F\u00e4lschung gewesen.<\/p>\n<p>Damit beginnt die weltweite Spekulation \u00fcber den Abschuss von Flug MH17, auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. An Bord starben 193 Niederl\u00e4nder, 43 Malaysier, 27 Australier, 12 Indonesier, 10 Briten, 4 Deutsche, 4 Belgier, 3 Philippiner, ein Kanadier und ein Neuseel\u00e4nder.<\/p>\n<p>Amerikanische Diplomaten behaupteten, das Flugzeug sei von einem Gebiet aus abgeschossen worden, das von prorussischen Separatisten kontrolliert wurde. Die Separatisten wiesen die Schuld von sich. Die Ukraine beschuldigte Russland, Russland gab die Schuld der Ukraine. Handfeste Beweise legte keiner vor.<\/p>\n<p>Wer hier recherchiert, begibt sich in ein Dickicht aus Desinformation und falschen F\u00e4hrten. Die absurdeste Spekulation: Die abgeschossene MH17 sei in Wirklichkeit das im M\u00e4rz 2014 in Asien verschollene Flugzeug von Malaysia Airlines gewesen und habe von vornherein Leichen an Bord gehabt.<\/p>\n<p>Reporter von CORRECT!V haben Fakten und Bilddokumente zusammengetragen und sich aufgemacht nach Russland und in die Ukraine, um Warlords der prorussischen Separatisten zu interviewen \u2013 unter ihnen Bergleute, kaum verhohlene R\u00e4uber und solche, die den Krieg philosophisch verbr\u00e4men. Um das Motiv hinter dem Abschuss zu finden. Um m\u00f6gliche Abschussorte in Augenschein zu nehmen. Um Augenzeugen zu finden.<\/p>\n<h4><strong>Monatelang k\u00fcmmert sich niemand vor Ort<\/strong><\/h4>\n<p>Lange war die Absturzstelle von Flug MH17 ein grausiges Leichenfeld. Die K\u00f6rper der Passagiere verwesten im hei\u00dfen ukrainischen Sommer, w\u00e4hrend in unmittelbarer N\u00e4he gek\u00e4mpft wurde \u2013 und w\u00e4hrend K\u00e4mpfer und Anwohner das Gep\u00e4ck der Toten pl\u00fcnderten. Schlie\u00dflich, nach nervenzehrendem diplomatischen Tauziehen, konnten die meisten Leichenteile geborgen und in die Niederlande \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Doch dann k\u00fcmmerte sich \u00fcber Monate kaum einer mehr um die Absturzstelle. Der Krieg tobte weiter in den D\u00f6rfern unweit des Tr\u00fcmmerfeldes.<\/p>\n<p>Im November 2014 ragt eine Tragfl\u00e4che der abgeschossenen Boeing 777 aus einem nebligen, verwilderten Feld. In einem Garten liegen die zerfetzten Schallplatten eines get\u00f6teten Passagiers neben einem St\u00fcck der verbogenen Au\u00dfenwand der Maschine. An einer Dorfstra\u00dfe ein St\u00fcck des Cockpits, daneben eine leere Schnapsflasche. Manchmal sieht man prorussische Separatisten, die vor den Resten der Todesmaschine posieren. Die K\u00e4mpfer langweilen sich. Wochenlang hat sich kein Ermittler gezeigt und auch Journalisten kamen immer seltener. Erst in den Tagen nach unserem Besuch Anfang November wurden wieder Wrackteile eingesammelt und in die Niederlande transportiert.<\/p>\n<p>Im September ver\u00f6ffentlichte die niederl\u00e4ndische Flugsicherheitsbeh\u00f6rde OVV <a href=\"http:\/\/www.onderzoeksraad.nl\/uploads\/phase-docs\/701\/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf\">einen ersten Untersuchungsbericht<\/a>. N\u00fcchtern werden darin Fakten aufgelistet, ohne Schlussfolgerungen, ohne Schuldzuweisungen. So lassen sich die letzten Minuten des Todesfluges rekonstruieren.<\/p>\n<p>Gegen 13:00 Uhr UTC, der koordinierten Weltzeit, das entspricht 15:00 Uhr in Deutschland und 16:00 Uhr in der Ostukraine, bittet der Pilot von Flug MH17 um Erlaubnis, wegen schlechten Wetters 20 nautische Meilen nach Norden auszuweichen. Es gibt vereinzelte Gewitter im Raum Donetzk. Die ukrainische Flugsicherung erteilt die Erlaubnis. Alles bleibt ruhig, alles geht seinen gewohnten Gang. Keine aufgeregten Stimmen, keine Panik, keine St\u00f6rung am Flugzeug. Das belegt die Blackbox.<\/p>\n<p>Abrupt endet deren Aufzeichnung um 13:20 Uhr UTC, 16:20 Uhr Ortszeit.<\/p>\n<p>In diesem Augenblick, so der Untersuchungsbericht, wird MH17 von einer gro\u00dfen Anzahl von \u201eObjekten mit hoher Energie\u201c getroffen. Objekte, die mit hoher Geschwindigkeit von oben und von vorn in das Flugzeug einschlagen, mit derartiger Gewalt, dass der Rumpf wohl schon in der Luft auseinander rei\u00dft.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr \u201eObjekte\u201c sind das?<\/p>\n<h4><strong>Der Schl\u00fcssel liegt im Warum?<\/strong><\/h4>\n<p>Es gibt wenige Menschen, die sich mit den Luftkampf-Waffensystemen des ehemaligen Ostblocks besser auskennen als Rupert Smid. Er ist ein ausgewiesener Luftkampfexperte. Wir trafen ihn im Verlauf unserer Recherche in vielen L\u00e4ndern, unter anderem in der Ukraine, in \u00d6sterreich und den Niederlanden. Eigentlich hei\u00dft Smid anders. Aber er darf seinen richtigen Namen nicht nennen. Sein Arbeitgeber m\u00f6chte nicht in den Fall verwickelt werden. Wir k\u00f6nnen nur versichern: Rupert Smid ist einer der besten Kenner der russischen Luftkriegsf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Smid sagt: \u201eEs kann keine Zweifel geben: Flug MH17 wurde von einer Rakete abgeschossen. Und diese Rakete wurde vom Boden aus abgefeuert und nicht von einem Kampfjet aus.\u201c Smids Angaben werden best\u00e4tigt von <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/profile\/view?id=2831909&amp;authType=NAME_SEARCH&amp;authToken=5Lhy&amp;locale=en_US&amp;srchid=1590981321420809504446&amp;srchindex=1&amp;srchtotal=3&amp;trk=vsrp_people_res_name&amp;trkInfo=VSRPsearchId%3A1590981321420809504446%2CVSRPtargetId%3A2831909%2CVSRPcmpt%3Aprimary\">Harry Horlings, einem ehemaligen niederl\u00e4ndischen Kampfjet-Piloten<\/a>, ausgebildet von der US Air Force: Eine Rakete mit einer solchen Explosionskraft k\u00f6nne nur vom Boden aus abgefeuert werden, sagt Horlings.<\/p>\n<p>Denn Kampfpiloten, sagen die Experten, w\u00fcrden ein feindliches Flugzeug vom Heck her attackieren und nicht von vorn. Weil der hintere Teil des Flugzeuges sein blinder Fleck sei. Zudem flog MH17 am 17. Juli in Richtung russischer Grenze und war beim Abschuss knapp 40 Kilometer davon entfernt. Die Piloten standen kurz vor der \u00dcbergabe an russische Fluglotsen. \u201eEin attackierendes Flugzeug h\u00e4tte daher bei dieser H\u00f6he und Fluggeschwindigkeit durch den russischen Flugraum fliegen m\u00fcssen\u201c, sagt Luftkampfexperte Horlings.<\/p>\n<p>Eine Boden-Luft-Rakete aber sei programmiert, kurz vor und \u00fcber dem attackierten Flugzeug zu explodieren, sagt Smid. Das Flugzeug m\u00fcsse dann in einen Hagel aus t\u00f6dlichen Schrapnells fliegen. Und genau das h\u00e4tten die niederl\u00e4ndischen Ermittler beschrieben. Sie schrieben von \u201eObjekten mit hoher Energie, die das Flugzeug von vorne und von oben durchsto\u00dfen haben\u201c.<\/p>\n<p>Und wenn es eine Boden-Luft-Rakete war, dann kann es nur eine BUK M1 gewesen sein, ein Flugzeugkiller sowjetischer Entwicklung. In der l\u00e4ndlichen Region der Ostukraine gibt es keine fest installierte Luftabwehr. Eine BUK M1 aber ist hochmobil \u2013 und in der Lage, auch Flugzeuge in gro\u00dfer H\u00f6he pr\u00e4zise abzuschie\u00dfen. M\u00fchelos kann sie bis auf 15 Kilometer H\u00f6he steigen, mit dreifacher Schallgeschwindigkeit n\u00e4hert sie sich ihrem Ziel. Ihr Gefechtskopf enth\u00e4lt 70 Kilogramm Sprengstoff. Kurz vor dem Aufprall explodiert er in Tausende scharfer Schrapnells \u2013 \u201eObjekte mit hoher Energie\u201c.<\/p>\n<p>Eine BUK-Einheit besteht aus vier Untereinheiten, oft viele Kilometer voneinander entfernt postiert: erstens einer Raketen-Abschussrampe, auf einem Panzer montiert; zweitens einem Radarwagen, aus dem Soldaten den Himmel nach Zielen absuchen; drittens einem Kommandofahrzeug, aus dem heraus die Offiziere den Feuerbefehl geben. Hinterher f\u00e4hrt, viertens, eine Versorgungseinheit, die zus\u00e4tzliche Raketen heranf\u00fchrt. Die Untereinheiten arbeiten immer getrennt voneinander \u2013 und Radar- und Kommandowagen bewegen sich nicht zusammen mit der BUK-Abschussrampe. In ebenem Gel\u00e4nde k\u00f6nnen sie bis zu 30 Kilometer voneinander entfernt postiert werden, sagt Luftkampfexperte Smid.<\/p>\n<p>Noch etwas ist wichtig: Das BUK M1-System entdeckt seine Ziele mit einem \u201eaktiven Radar\u201c: Radarstrahlen werden in den Himmel gefunkt, der Gegner wird anhand des zur\u00fcckkehrenden Echos geortet. Der Einsatz des aktiven Radars ist f\u00fcr die BUK-Mannschaften brandgef\u00e4hrlich. Denn umgekehrt wei\u00df der Pilot des feindlichen Kampfjets, dass er entdeckt wurde. Smid: \u201eSobald der Radar einer BUK ge\u00f6ffnet wird, leuchtet im Cockpit eine Lampe auf, die von den Piloten ,Oh Shit Lampe\u2018 genannt wird.\u201c<\/p>\n<p>Sofort hat der Pilot alle erforderlichen Informationen \u00fcber Art und Lage der Raketenstellung. Das wei\u00df der BUK-Sch\u00fctze, der den Radar ge\u00f6ffnet hat. Ein t\u00f6dliches Duell beginnt: Wer zuerst schie\u00dft, \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>\u201eJede Sekunde mit offenem Radar ist lebensgef\u00e4hrlich\u201c, best\u00e4tigt ein ehemaliger BUK-Sch\u00fctze der ukrainischen Armee in Kiew. Weshalb der Radar im Einsatz f\u00fcr maximal 40 Sekunden am St\u00fcck ge\u00f6ffnet wird.<\/p>\n<p>Zugleich ist der aktive Radar einer BUK nicht in der Lage, einen Flugzeugtyp eindeutig zu bestimmen. Milit\u00e4rjet? Passagiermaschine? Das k\u00f6nnen die Raketen-Sch\u00fctzen nicht ohne weiteres erkennen. Sie sehen nur, ob Freund oder Feind im Anflug ist. Freund sind nur die Flieger des eigenen Staates, der eigenen Luftwaffe. Feinde sind alle anderen. Zivile Flugzeuge wie MH17 sehen aus wie Feinde. \u201cWenn ein Flugzeug keinen oder den falschen Code liefert, handelt die Luftabwehr, als w\u00e4re es ein Feind\u201d, sagt Horlings.<\/p>\n<p>Die Ungenauigkeit sowjetischer Luftabwehrtechnik hatte schon in der Vergangenheit fatale Folgen. Bereits 2001 kam es zu einer Katastrophe mit einer anderen Boden-Luftrakete. Bei einem Man\u00f6ver der ukrainischen Streitkr\u00e4ften wurde vor der Krim versehentlich ein russisches Zivilflugzeug abgeschossen. An Bord der Tupolew starben alle 78 Insassen. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/flugzeugabsturz-tupolew-wurde-durch-rakete-abgeschossen-141458.html\">Der ukrainische Sicherheitsrat gab den Abschuss zu<\/a>. Die Ukraine zog Konsequenzen: Schwere Boden-Luft-Raketen auch die Buks wurden f\u00fcr einige Jahre eingemottet.*<\/p>\n<h4><strong>Kein russischer Panzer ohne BUK<\/strong><\/h4>\n<p>An dieser Stelle kommen die Panzer ins Spiel \u2013 und wird der unverantwortliche Leichtsinn der Fluggesellschaften sichtbar. Denn das BUK-Lenkwaffensystem hat eine klare taktische Aufgabe \u2013 es sch\u00fctzt Panzer und Bodentruppen. \u201eRussische Panzereinheiten bewegen sich nur, wenn sie von BUKs begleitet werden\u201c, sagt Rupert Smid, der Luftkampfspezialist. \u201eOhne den Schutz der Raketen sind die Kettenfahrzeuge leichte Beute f\u00fcr Kampfbomber.\u201c Eine milit\u00e4rische Zwangsl\u00e4ufigkeit, die allen Milit\u00e4rs in den NATO-Staaten bekannt sei.<\/p>\n<p>Wo Panzer sind, sind mobile Luftabwehrsysteme nicht weit, best\u00e4tigt auch ein Bundeswehrsprecher. Ein ausf\u00fchrliches Interview zu dem Thema wird vom Bundesverteidigungsministerium verweigert. Wer jetzt zugibt, von dieser Logik zu wissen \u2013 dass russische Panzer von BUKs begleitet werden, die zivile Flugzeuge gef\u00e4hrden \u2013 muss sich fragen lassen, warum er nicht rechtzeitig gewarnt hat. Als noch Zeit war. Das Bundesministerium f\u00fcr Verteidigung m\u00f6chte sich diese Frage ganz offenkundig nicht fragen lassen.<\/p>\n<p>Ein Sprecher des Hauses verweist auf <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/023\/1802372.pdf\">eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage<\/a> der Bundestagsfraktion von B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN aus dem August 2014: \u201cDie Bundesregierung konnte nicht davon ausgehen, dass der zivile Flugverkehr in der betreffenden Flugh\u00f6he Ziel von Angriffen sein w\u00fcrde.\u201d<\/p>\n<h4><strong>Waren Panzer in der Ostukraine?<\/strong><\/h4>\n<p>Ja \u2013 schon am 14. Juni, gut einen Monat vor dem Abschuss der Passagiermaschine MH17, <a href=\"http:\/\/usun.state.gov\/briefing\/statements\/229455.htm\">erkl\u00e4rt das US-Au\u00dfenministerium, dass russische Panzereinheiten die Grenze zur Ukraine \u00fcberquert h\u00e4tten<\/a> und in Snizhne gesichtet wurden. Und die NATO ver\u00f6ffentlicht <a href=\"http:\/\/aco.nato.int\/statement-on-russian-main-battle-tanks.aspx\">Fotos von Panzern ohne Hoheitsabzeichen in dieser ostukrainischen Stadt<\/a>. Russland und die Separatisten dementieren den Einsatz.<\/p>\n<p>In den Wochen darauf eskaliert der Krieg.<\/p>\n<p>Immer wieder attackieren nun ukrainische Kampfflugzeuge und Hubschrauber Panzer im Separatistengebiet. Mit Erfolg: Die prorussischen Separatisten werden zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Doch auch <a href=\"http:\/\/aviation-safety.net\/wikibase\/dblist.php?Country=UR&amp;page=1\">die ukrainischen Kampfflieger erleiden Verluste<\/a>. Am 12. Juli wird ein ukrainischer Kampfhubschrauber \u00fcber der ostukrainischen Stadt Snizhne abgeschossen. Zwei Tage sp\u00e4ter eine Milit\u00e4rmaschine vom Typ Antonow An-26. Wieder zwei Tage sp\u00e4ter zwei Kampfjets vom Typ Suchoi Su-25.<\/p>\n<p>Experten zufolge k\u00f6nnen nicht alle Flugzeuge dabei von Schulterwaffen getroffen worden sein. Der Abschuss der zwei Su-25 und der Antonow legen den Einsatz einer komplizierten Waffentechnik nahe. Es ist unklar, wie lange BUKs bereits im Einsatz waren.<\/p>\n<p>Die Ukraine jedenfalls f\u00fcrchtete damals um ihre Kampfflugzeuge: Wegen der Verluste nach der ersten Phase des \u201eAntiterroreinsatzes\u201c werden die Jagdflieger immer z\u00f6gerlicher eingesetzt, best\u00e4tigt ein Sprecher des ukrainischen Sicherheitsrates.<\/p>\n<h4><strong>Der menschliche Schutzschild<\/strong><\/h4>\n<p>Hoch \u00fcber dem Kampfgebiet in der Ostukraine, auf einer Reiseflugh\u00f6he von rund 10.000 Metern, ziehen derweil Passagierflugzeuge ihre gleichm\u00e4\u00dfige Bahn. Einige Fluglinien haben sich Monate vor dem Ungl\u00fcck entschieden, die Region zu meiden; viele der Linienfl\u00fcge jedoch f\u00fchren wie eh und je \u00fcber die Ostukraine. Allein in der Woche vor dem Ungl\u00fcck \u00fcberqueren Hunderte Maschinen das B\u00fcrgerkriegsgebiet, darunter auch Flugzeuge der Lufthansa.<\/p>\n<p>Die ukrainischen Luftsicherheitsbeh\u00f6rden sperren den Luftraum nach dem Abschuss der Antonow bis zu einer H\u00f6he von fast 10.000 Metern. Dar\u00fcber aber geht der zivile Luftverkehr weiter.<\/p>\n<p>Dabei ist diese H\u00f6he im modernen Panzerkrieg Kampfzone.<\/p>\n<p>Die ukrainische Luftwaffe st\u00fctzt sich neben der Su-25 auch auf MiG-29-Kampfflieger, die bis auf 18.000 Meter H\u00f6he steigen k\u00f6nnen. Zum Angriff auf feindliche Panzer und BUK-Einheiten st\u00fcrzen sie dann auf ihre deutlich niedrigere Kampfh\u00f6he. Eine BUK-Mannschaft setzt ihr Leben aufs Spiel, wenn sie den feindlichen Flieger nicht schon in der Ann\u00e4herungsphase in gro\u00dfer H\u00f6he attackiert.<\/p>\n<p>Die zivile Luftfahrt schenkt den ukrainischen Kampfpiloten wertvolle Sekunden im \u00dcberlebenskampf gegen die BUKs. Denn die ukrainischen Kampfbomber k\u00f6nnen sich nun \u2013 wenn sie es wollen \u2013 zwischen den Passagierflugzeugen verstecken. Wer vom Boden aus auf die Kampfflugzeuge zielt, muss damit rechnen, ein Passagierflugzeug abzuschie\u00dfen. Das ist ein wenig so, als w\u00fcrde sich bei einem Duell im Wilden Westen einer der K\u00e4mpfer hinter einer Schulklasse verstecken. Wobei ein Sprecher des ukrainischen Sicherheitsrates sagt, dass am 17. Juli keine ukrainischen Kampfflugzeuge in der Luft waren. Auf die Frage, ob sich ukrainische Kampfjets unter den Passagierflugzeugen versteckten, gibt er keine Antwort.<\/p>\n<p>Es h\u00e4tte an den EU-Staaten sein m\u00fcssen, die Fluggesellschaften zu warnen. Denn auf die ukrainischen Beh\u00f6rden ist in dieser Situation kein Verlass. Die Ukraine steht im Juli 2014 kurz vor dem Staatsverfall, es herrscht Krieg, ganze Landesteile sind besetzt von russischen Truppen.<\/p>\n<p>Doch es geschieht nichts. Deutschland und seine europ\u00e4ischen Nato-Partner scheuen sich, den Krieg als Krieg zu benennen. Die Regierungen kennen die russischen Panzer im Separatistengebiet. Die Konsequenzen aus diesem Wissen ziehen sie nicht. Die deutsche Regierung sieht keine Gefahr f\u00fcr die zivile Luftfahrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Fluggesellschaften w\u00fcrde ein Umfliegen mehr Luftkilometer und damit h\u00f6here Flugkosten bedeuten.<\/p>\n<p>In einer E-Mail best\u00e4tigt die Lufthansa, dass sie bis zum 17. Juli 2014 \u00fcber die Ostukraine flog. Und weiter hei\u00dft es, dass damals eigene Analysen zur Sicherheit angestellt wurden, aber nur die Regierungen alle \u201emilit\u00e4rischen und geheimdienstlichen Informationen\u201c f\u00fcr die Risikoeinsch\u00e4tzung h\u00e4tten. \u201eDie Verantwortung f\u00fcr die Freigabe und die Schlie\u00dfung von Luftstra\u00dfen liegt bei den Staaten\u201d, so ein Sprecher.<\/p>\n<p>\u00dcber all dem sind die Passagiere, ohne es zu wissen, zu einem menschlichen Schutzschild im Luftkrieg \u00fcber der Ostukraine geworden.<\/p>\n<h4><strong>Putin verspricht Aufkl\u00e4rung<\/strong><\/h4>\n<p>In der Nacht nach dem Absturz von Flug MH17 <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/world\/video\/2014\/jul\/18\/ukraine-malaysia-airlines-mh17-vladimir-putin-video\">spricht der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im russischen Fernsehen<\/a>. Er sagt, dass die Regierung in Kiew die Verantwortung f\u00fcr die Trag\u00f6die trage \u2013 und ordnet an, russische Beh\u00f6rden sollten umgehend \u201eobjektive Informationen\u201c \u00fcber die Katastrophe zusammentragen, um die Welt\u00f6ffentlichkeit \u00fcber den Absturz aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Vier Tage sp\u00e4ter pr\u00e4sentiert der Vizestabschef der russischen Streitkr\u00e4fte, Generalleutnant Andrej Kartapolow, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4bNPInuSqfs\">die \u201eobjektiven Informationen\u201c auf einer Pressekonferenz, die live im Fernsehen \u00fcbertragen wird<\/a>. Mit zwei Sternen auf den Schulterklappen und stramm gescheiteltem Haar sitzt der Offizier unter einem riesigen Bildschirm, auf dem Karten, Tabellen und Fotos eingespielt werden. Kartapolow entwirft gleich zwei Szenarien f\u00fcr den Abschuss der MH17. Er nennt einen T\u00e4ter, aber zwei Tatwaffen. Ein altes Prinzip von Propaganda: Die m\u00f6gliche Wahrheit wird mit so vielen plausiblen, aber auch absurden Versionen umh\u00fcllt, dass am Ende alles relativ erscheint.<\/p>\n<p>Szenario eins: Kartapolow sagt, dass MH17 vom vorgegebenen Kurs abgewichen sei und sich ein ukrainischer Kampfjet der Passagiermaschine bis auf f\u00fcnf oder sogar drei Kilometer gen\u00e4hert habe. Dieser Jet h\u00e4tte eine Rakete abschie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein unwahrscheinliches Szenario: Im Bericht der Niederl\u00e4nder, gut einen Monat nach der russischen Pressekonferenz, findet sich keinerlei Erw\u00e4hnung eines Kampfjets in unmittelbarer N\u00e4he von MH17. Und, wie gesagt, Luftkampf-Experten sind sich sicher, dass die Rakete vom Boden aus gestartet worden ist.<\/p>\n<p>Das zweite Szenario: Kartapolow pr\u00e4sentiert Satellitenbilder, die eine BUK-Stellung der ukrainischen Armee zeigen sollen, auf einem Feld unweit des Dorfes Zaroshchens\u2018ke.<\/p>\n<p>Zwei Punkte seien dort am 17. Juli zu sehen gewesen: zwei BUK-Abschussrampen, von denen aus die t\u00f6dliche Rakete aufstieg. Dem sind wir nachgegangen.<\/p>\n<h4><strong>Niemand hat hier etwas gesehen<\/strong><\/h4>\n<p>Wird eine BUK abgefeuert, macht sie L\u00e4rm und Dreck. Der Abschuss ist ohrenbet\u00e4ubend laut; ein BUK-Angriff ist begleitet von einem \u201eerheblichen L\u00e4rmeffekt, sowohl beim Start der Rakete, als auch w\u00e4hrend des Fluges\u201c. So <a href=\"https:\/\/mh17.correctiv.org\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Bericht_des_Verbands_der_Ingenieure_Russlands_zu_MH_017.pdf\">der Bericht des Verbands der Ingenieure Russlands zu MH17<\/a>, vorgestellt im russischen Staatsfernsehen. Oder, in den Worten von Luftwaffenexperte Rupert Smid: \u201eein Schlag, ein langanhaltender Ton, Durchbruch der Schallmauer und eine zweite Explosion im Himmel\u201d.<\/p>\n<p>Die Rakete wird aus einem feuerfesten Container gestartet, deshalb hinterl\u00e4sst sie kaum Brandflecken; die Spuren der Abschussrampe auf dem Boden gleichen denen eines Panzers.<\/p>\n<p>Haben die Bewohner von Zaroshchens\u2018ke etwas gesehen oder geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>Ostukraine, Ende Oktober. Die Fahrt beginnt in Donetzk, der Hochburg der prorussischen Separatisten. Kriegsangst hat das Leben in der Millionenstadt eingefroren. Shopping-Malls sind geschlossen oder gepl\u00fcndert. Banken verriegelt, Geldautomaten spucken kein Geld aus. Die Stra\u00dfen leeren sich kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Trotz des Waffenstillstands, der offiziell am 5. September begann, wummern Explosionsger\u00e4usche vom umk\u00e4mpften Flughafen in die Stadt.<\/p>\n<p>Gut 50 Kilometer sind es bis Zaroshchens\u2018ke, Richtung Osten \u00fcber die Landstra\u00dfe N21. Sie verbindet Donetzk mit Luhansk, auch das eine Hochburg der prorussischen Separatisten, und wird von deren K\u00e4mpfern kontrolliert, auch am 17. Juli. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt durch ebenes Gel\u00e4nde. Der Asphalt zeigt Folgen des Krieges: Spuren von Panzerketten und Explosionsl\u00f6cher. Anfangs ist die Asphaltdecke noch dicht, vor Luhansk aber wird die Stra\u00dfe zur Piste.<\/p>\n<p>Vor jedem Ort und vor jeder Abzweigung sind Checkpoints eingerichtet. Bewaffnete M\u00e4nner in zusammengew\u00fcrfelten Uniformen kontrollieren die Autos. Unter den K\u00e4mpfern sind auffallend viele Frauen in Tarnfleck, die Kalaschnikow geschultert. Die Landschaft ist flach, nur Kohle- und Abraumhalden zeichnen sich am Horizont ab. Der Donbass, wie die ostukrainische Kohleregion genannt wird, gleicht dem Ruhrgebiet. Doch die meisten F\u00f6rdert\u00fcrme stehen ungenutzt herum. Nur wenige Sch\u00e4chte sind noch in Betrieb. Zaroshchens\u2018ke ist ein unscheinbares Dorf. An zwei Stra\u00dfen liegen flache, windschiefe Geh\u00f6fte mit Gem\u00fcseg\u00e4rten und Stallungen. Dahinter der Weg, der auf dem Satellitenfoto des russischen Verteidigungsministeriums zu sehen ist. Der Lehmpfad weist Spuren auf, die von Kettenfahrzeugen stammen k\u00f6nnen. An zwei Stellen sind tiefe Einsch\u00fcrfungen zu sehen. Hier muss etwas Schweres gestanden haben.<\/p>\n<p>Allerdings sind im verwilderten Feld am Lehmweg keine Spuren zu finden, die auf einen Raketenabschuss hindeuten. Das Einzige, was auf dem Feld auff\u00e4llt: hinter einem Abdruck im Boden wurde eine tiefe Furche umgegraben, w\u00e4hrend das \u00fcbrige Feld sonst unbestellt, ja regelrecht verwildert ist.<\/p>\n<p>Die Dorfbewohner bleiben in dieser Geschichte ohne Namen. Die Menschen in der Ostukraine m\u00fcssen vor m\u00f6glichen Nachstellungen gesch\u00fctzt werden. Die Bev\u00f6lkerung im Separatistengebiet hat Angst \u2013 vor den prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee. Sie wollen nichts Falsches sagen.<\/p>\n<p>Oberhalb des Felds wohnt in einer Kate eine 70-j\u00e4hrige Rentnerin. Ihre wei\u00dfen Haare sind streng zur\u00fcckgebunden, das zerfurchte Gesicht von der Sonne gebr\u00e4unt. Die Frau lebt allein in ihrem Geh\u00f6ft. Nein, sagt sie, sie habe am 17. Juli nichts Ungew\u00f6hnliches bemerkt. Kein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Krach, kein Kondensstreifen, keine verd\u00e4chtigen Fahrzeuge. Schon gar nicht von der ukrainischen Armee. \u201eDie Ukrainer waren hier nicht, die trauen sich nicht hierher.\u201c<\/p>\n<p>Die Frau ist gl\u00fchende Anh\u00e4ngerin der prorussischen Separatisten \u2013 und h\u00e4ngt abstrusen Verschw\u00f6rungstheorien nach. Amerikanische \u00d6lkonzerne wollten \u00fcber Fracking die Menschen im Donbass ausrotten. Nachdem dies nicht geklappt h\u00e4tte, h\u00e4tten die USA zusammen mit ukrainischen Faschisten das Land mit Krieg \u00fcberzogen. Nur dank Putin sei ein Genozid an den russischst\u00e4mmigen Ukrainern verhindert worden.<\/p>\n<p>Andere im Ort k\u00fcmmern sich nicht um die gro\u00dfe Politik. \u201eIch habe K\u00fche, die m\u00fcssen jeden Tag gemolken werden\u201c, sagt eine B\u00e4uerin, sie steht in Kopftuch und Stoffjacke am Gatter ihres Hofes. Auch sie war am 17. Juli in Zaroshchens\u2018ke, auch sie hat nichts bemerkt. Ein Verwandter aus Moskau habe sie nach der Pressekonferenz aufgeregt angerufen. Aber nein: \u201eAlles Unsinn, hier war nichts.\u201c Bisher seien sie vom Krieg verschont geblieben, nur Ende Juli seien einmal Raketen \u00fcber die Siedlung geflogen. \u201eWir sind dann mit den Kindern in den Keller gefl\u00fcchtet.\u201c<\/p>\n<p>Auf der Stra\u00dfe versammeln sich weitere Dorfbewohner. Niemand hat etwas gesehen, niemand hat etwas geh\u00f6rt. In Zaroshchens\u2018ke wurde am 17. Juli 2014 keine BUK-Lenkwaffe abgefeuert. Schon gar nicht von der ukrainischen Armee, da sie die Felder um Zaroshchens\u2018ke nicht kontrollierte.<\/p>\n<p>Die Spur, vom russischen General gelegt, f\u00fchrt ins Leere.<\/p>\n<h4><strong>Der Weg der BUK quer durch die Ostukraine<\/strong><\/h4>\n<p>Es gibt eine zweite Spur. Das internationale Investigativ-Team Bellingcat <a href=\"https:\/\/www.bellingcat.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/bellingcat_-_bericht.pdf\">hat sie aufgedeckt<\/a>. Hinter Bellingcat steht der junge Journalist Eliot Higgins. Seine Methode: Akribisch wertet er die zahlreichen Spuren aus, die jedes Ereignis heute im Internet hinterl\u00e4sst. Fotos, Videos, Eintr\u00e4ge in den sozialen Netzwerken. Und wirklich: Wer in den Tiefen des Internets w\u00fchlt, f\u00f6rdert Erstaunliches zutage. Unter anderem hat Bellingcat so geheime Waffenlieferungen in Syrien aufgedeckt und einen Giftgasangriff rekonstruiert.<\/p>\n<p>Eine BUK-Abschussrampe ist ein imposantes Fahrzeug. Sie bleibt nicht lange unsichtbar.<\/p>\n<p>Am 17. Juli, dem Tag des Abschusses, ist eine BUK-Raketenrampe auf der Landstra\u00dfe N21 unterwegs. Am sp\u00e4ten Vormittag verl\u00e4sst sie Donetzk. Sie steht auf einem Tieflader mit wei\u00dfer F\u00fchrerkabine; ein Fotograf der franz\u00f6sischen Zeitschrift \u201eParis Match\u201c fotografiert sie aus einem fahrenden Auto heraus. Der Fotograf ist dicht dran: Man sieht die verschrammte Flanke der Abschussrampe, auch die Reste einer \u00fcbermalten Kennzeichnung sind zu erkennen.<\/p>\n<p>Auf der Leiste des Tiefladers steht eine Telefonnummer. Sie f\u00fchrt zu einem LKW-Verleih aus Donetzk. Deren Besitzer gibt sp\u00e4ter zu Protokoll, das Fahrzeug sei ihm schon im Juni gestohlen worden, von prorussischen Separatisten.<\/p>\n<p>Der Tieflader mit der BUK-Abschussrampe f\u00e4hrt weiter. Er wird in Zuhres gefilmt. Danach fotografiert ein Passant in der Stadt Torez die BUK von einer Tankstelle aus. Wenig sp\u00e4ter erreicht der Raketenwerfer die Bergbausiedlung Snizhne. Hier f\u00e4hrt die BUK vom Tieflader herunter; ein Foto zeigt, wie das Panzerfahrzeug mit den vier Raketen auf Ketten durch die Stadt f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>CORRECT!V-Reporter haben die Fotos aus dem Netz mit den tats\u00e4chlichen Orten abgeglichen. Alle Fotos sind authentisch. Es gibt keinen Zweifel: Am Nachmittag des 17. Juli 2014 geht eine BUK in der kleinen Bergarbeiterstadt Snizhne in Stellung, im Gebiet der prorussischen Separatisten.<\/p>\n<h4><strong>Wo kommt die Waffe her?<\/strong><\/h4>\n<p>Woher aber stammt die Lenkwaffe? Auch das hat Bellingcat ermittelt. Minuti\u00f6s haben die Rechercheure Bilder von russischen BUKs mit Aufnahmen jener Abschussrampe verglichen, die am 17. Juli in Richtung Snizhe fuhr. Besonders ein Detail f\u00fchrte die Ermittler auf die richtige Spur: Absch\u00fcrfungen an der Abdeckung \u00fcber der linken Panzerkette. Genau die gleichen Absch\u00fcrfungen hatte eine BUK-Rampe, die im Juni in Russland fotografiert wurde. Sie geh\u00f6rt zur 53. russischen Luftabwehrbrigade, stationiert in Kursk, und sie tr\u00e4gt die Kennziffer 3*2 \u2013 die mittlere Zahl war stets unleserlich. Zwei weitere Details passen: die \u00fcbermalten Reste eben dieser Kennziffer und ein heller Farbfleck. Legt man die Aufnahmen beider BUKs \u00fcbereinander, jener aus Russland, jener in Donetzk, ist die \u00dcbereinstimung offensichtlich.<\/p>\n<p>Es gibt weitere Besonderheiten: Ein besonders internetaffiner Feldwebel der 53. Brigade postet etliche Bilder von seiner Einheit auf seiner Seite im russischen Facebook-Klon Vkontakte. Sein Name: Ivan Krasnoproshin. Unter seinen Bildern ein Foto, das seine Entlassung aus der russischen Armee Mitte Juni dokumentiert. Abgebildet auf dem Foto ist das Dienstbuch seiner Einheit, es zeigt die Namen derjenigen, die zum Abendappell antreten. Nummer eins: Feldwebel Krasnoproshin, dahinter: 13 einfache Soldaten. Jeder Tag wird angekreuzt. Nach dem 13. Juni enden die Eintragungen. \u201eEntlassen wegen Beendigung der Dienstzeit nach Befehl Nr (unleserlich)\u201c, ist handschriftlich hinter dem Namen des Feldwebels Krasnoproshin und dreien seiner Soldaten vermerkt.<\/p>\n<p>Entlassungen in diesen Zeiten werfen Fragen auf. Das <a href=\"http:\/\/www.soldiers-mothers-rus.ru\/\">Komitee Russischer Soldatenm\u00fctter<\/a> hat mehrfach <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/ausland\/soldatenmuetter-in-der-ukraine-sind-tausende-russische-soldaten-aid-1.4494594\">davon berichtet<\/a>, dass Soldaten vor ihrer Entsendung in die Ukraine Entlassungspapiere unterschreiben mussten.<\/p>\n<p>Und wirklich: Mitte Juni, wenige Tage sp\u00e4ter, macht sich ein langer Konvoi der 53. Flugabwehrbrigade auf in Richtung Ukraine. Bellingcat <a href=\"https:\/\/www.bellingcat.com\/news\/uk-and-europe\/2014\/11\/09\/exploring-the-mh17-linked-buk-convoys-in-ukraine-and-russia-with-mapbox\/\">ver\u00f6ffentlicht allein von diesem Konvoi<\/a> mehr als ein Dutzend Fotos, mehrmals ist die BUK 3*2 dabei.<\/p>\n<p>Es besteht kein Zweifel: Es ist die Abschussrampe der 53. russischen Luftabwehrbrigade aus Kursk, die Stellung bezogen hat in Snizhne, im Osten der Ukraine, an jenem verh\u00e4ngnisvollen Nachmittag.<\/p>\n<h4><strong>Die Stadt am Tatort<\/strong><\/h4>\n<p>Snizhne, im November. Der Asphalt ist zerfurcht von Kettenfahrzeugen. Die tiefen Abdr\u00fccke sind \u00fcberall. Auf dem Platz vor dem Markt, auf der Hauptstra\u00dfe, in Nebengassen. Zig Panzer m\u00fcssen hier vorbeigefahren sein. Seit April ist die Stadt von prorussischen Separatisten kontrolliert worden. Es k\u00f6nnen keine ukrainischen Panzer gewesen sein.<\/p>\n<p>Der 15. Juli 2014 \u2013 es waren noch zwei Tage bis zum Abschuss von MH17 \u2013 brachte der Stadt Ungl\u00fcck. Im Morgengrauen schlugen Raketen ein und zerst\u00f6rten ein Wohnhaus. Mehr als zehn Menschen starben. Welches Ziel hatten die Sprengs\u00e4tze? Zielten sie auf Panzer?<\/p>\n<p>Ein armenisches Restaurant unweit des Marktes. Alles in rot, die Tapeten, die Tischdecken und die St\u00fchle; vor den Fenstern h\u00e4ngen Vorh\u00e4nge. Alexander Bondarenko betritt den Raum. Er ist einer der Chefs der prorussischen Separatisten im Ort. \u201eIch bin Bergmann\u201c, stellt er sich vor, mit zupackendem H\u00e4ndedruck und ruhiger Stimme. Bis Anfang Juni arbeitete er als Ingenieur in einem der Sch\u00e4chte. Er hat ein zerfurchtes Gesicht und strahlt die Besonnenheit eines Technikers aus. Uniform tr\u00e4gt er nur, wenn er muss.<\/p>\n<p>Bondarenko setzt sich an einen Tisch und faltet die H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Frage: \u201eEs gibt Fotos von einer BUK in Snizhne. Kennen Sie die Fotos?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Eine BUK war nie in Snizhne.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGanz sicher. Sonst w\u00e4re sie doch fotografiert worden, genau wie die Panzer.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWelche Panzer?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie aus der Region Luhansk gekommen sind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eZum wem geh\u00f6rten die Panzer?\u201c<\/p>\n<p>\u201eStand ja nicht drauf, wem sie geh\u00f6ren, sie waren gr\u00fcn. Im besten Fall waren es unsere.\u201c<\/p>\n<p>Er lacht.<\/p>\n<p>\u201eWer hat den Angriff am 15. Juli geflogen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas waren ukrainische Kampfflieger der Su-Klasse.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHaben Sie um die Stadt eine Luftabwehr aufgebaut?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist gar nicht anders m\u00f6glich. Von Russland droht uns beim besten Willen nichts. Wir haben im Norden und Nordwesten gewartet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAuch mit BUKs?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Mit Schulterraketen. Maximale Reichweite 5000 Meter H\u00f6he.\u201c<\/p>\n<p>Es herrscht Krieg, die Wahrheit ist eine Waffe. Aber Bondarenko gibt zu, dass russische Panzer im Ort waren. Nach der russischen Milit\u00e4rdoktrin k\u00f6nnen demnach auch BUKs nicht weit sein. Und Bondarenko sagt, die Separatisten h\u00e4tten ihre Luftverteidigung im Norden von Snizhne aufgebaut. Ein wichtiger Hinweis. Dazu passt auch das schlecht aufgel\u00f6ste Foto, das die US-Botschaft in Kiew auf ihrer Facebook-Seite ver\u00f6ffentlicht hat. Es zeigt ein Gebiet n\u00f6rdlich von Snizhne \u2013 und darauf ein Feld, von dem aus die t\u00f6dliche Rakete auf MH17 abgefeuert worden sein soll.<\/p>\n<h4><strong>Der Abschussort<\/strong><\/h4>\n<p>Das Feld ist nicht ohne weiteres einsehbar. Im Osten versperrt ein Fabrikgel\u00e4nde den Blick zur Verbindungsstra\u00dfe N21, ein Eisenbahndamm und ein W\u00e4ldchen sch\u00fctzen den Norden des Feldes vor Blicken. Jenseits des Bahndamms liegt eine Siedlung.<\/p>\n<p>Das Feld ist unbestellt. Darauf verstreut einige Bierflaschen. An manchen Stellen ist die Erde dunkel get\u00f6nt. Ru\u00df? Durch einen verwilderten Halmteppich fr\u00e4st sich eine breite Fahrspur, zu breit f\u00fcr einen Traktor. Sie muss von einem Kettenfahrzeug mit breitem Radstand stammen.<\/p>\n<p>Die Siedlung am Bahndamm besteht aus flachen Geh\u00f6ften, eingefriedet von Z\u00e4unen und Mauern. Hunde bellen. Menschen sind anfangs nicht zu sehen. Taucht doch mal jemand auf, dann geht er gleich weiter. Die Menschen haben Angst. \u201eDie bringen mich um, wenn ich etwas sage\u201c, sagt ein Mann.<\/p>\n<p>Eine Frau wohnt mit ihrer Tochter gleich am Bahndamm. Sie war am 17. Juli 2014 im Haus. \u201eIch habe einen lauten Schlag geh\u00f6rt\u201c, sagt sie, dann habe ihre Nachbarin angerufen und gesagt, dass ein Flugzeug abgeschossen wurde. \u201eWir haben den Rauch gesehen.\u201c Weitere Nachfragen wehrt sie ab.<\/p>\n<p>Erst nach langem Klopfen findet sich ein \u00e4lterer Mann mit struppigem wei\u00dfem Haar unter einer M\u00fctze, der sich offen zeigt. Der Mann sagt, dass er im Juli nicht im Dorf war, aber als er zur\u00fcckkam, war das Dach seines Hauses kaputt \u2013 wie bei vielen anderen im Dorf. Dann ruft er vom Garten aus die Nachbarn zusammen. Der 17. Juli ist f\u00fcr die Dorfbewohner einer dieser Tage, die sich in das Ged\u00e4chtnis eingebrannt haben. Wie der Mauerfall f\u00fcr die Deutschen. Jeder wei\u00df, was er an dem Tag gemacht hat. Zwei Frauen und zwei M\u00e4nner kommen heran. Es beginnt ein Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Eine Frau sagt: \u201eDa ist ein Flugzeug vorbeigeflogen, nun, wir wissen nicht, ob es ein Flugzeug war. Wir haben etwas geh\u00f6rt, buch-buch, da war so ein Ger\u00e4usch.\u201c Sie benutzt das russische Wort \u201eSchum\u201c. Ein Ton wie ein anhaltendes, lautes Rauschen. Sie kann sich gut dran erinnern.<\/p>\n<p>Die andere Frau hat von der Fabrik aus \u201estarken Rauch gesehen. Alle haben sich erschreckt.\u201c Woher der Rauch gekommen sei? Sie reagiert verunsichert. \u201eWoher sollten wir wissen, was das war? Wir haben geh\u00f6rt, wie etwas explodierte.\u201c<\/p>\n<p>Ein Mann sagt pl\u00f6tzlich: \u201eHier haben die Schienenschwellen und das Gras gebrannt.\u201c Er bekommt dann aber von einer der Frauen einen Sto\u00df in die Seite und schweigt. Ein Handy klingelt, die Menschen ziehen sich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter ein weiterer Besuch. Es ist noch fr\u00fch. Die Stra\u00dfen in der Siedlung sind leer. Wieder bellen Hunde, sie zerren hinter Metalltoren an Ketten. Nach langem Klopfen \u00f6ffnet ein Bewohner seine Haust\u00fcr. \u201eVielleicht sind Sie ein Spion?\u201c, ist die erste Frage nach einer hastigen Begr\u00fc\u00dfung. Am 17. Juli 2014 war er am Ort. Die Frage nach diesem Tag macht ihm Angst.<\/p>\n<p>\u201eIch erinnere mich. Aber wissen Sie, ich sage Ihnen dazu nicht alles. Das k\u00f6nnte schlecht f\u00fcr mich enden.\u201c Der Reporter stellt sich vor. Er zeigt seine Ausweise. Er sagt, er sei hier, um mehr zu erfahren. Die Menschen in Europa wollten wissen, was passiert ist, warum so viele aus ihrer Mitte hier in der Ukraine sterben mussten, abgeschossen in einem friedlichen Flugzeug.<\/p>\n<p>Der Mann stockt. Dann f\u00e4ngt er an zu erz\u00e4hlen: \u201eSie haben es mit einer Rakete abgeschossen. Die Rakete haben sie von dort abgeschossen. Wir haben sie gesehen, wie sie geflogen ist.\u201c<\/p>\n<p>Er weist auf den Bahndamm. Ein Freund von ihm habe die Raketen vorher schon gesehen. \u201eEr hat mich angerufen und gesagt: Dort steht so ein krasses Teil mit vier Raketen.\u201c Auch der Freund bleibt ohne Namen. \u201eEr hat auch Angst. Es sind gef\u00e4hrliche Zeiten.\u201c Aber eine andere Frage besch\u00e4ftigt den Zeugen auch noch. \u201eSie haben alles geplant. Ich wei\u00df nur nicht, warum Sie es hier hin gekarrt haben.\u201c<\/p>\n<p>Endlich kommt er ins Reden. \u201cIch war im Hof und habe eine Explosion geh\u00f6rt, einen Schlag. Da war so ein Chlop (russisch f\u00fcr Schlag). Die Ziegel auf dem Dach wackelten. Und dieser Schlag war dort dr\u00fcben, das war hier sehr gut zu h\u00f6ren. Es gab so einen langen Ton. Und dann gab es eine sehr starke Explosion: Bach Bach. Und gerade als ich auf die Stra\u00dfe gelaufen bin, st\u00fcrzte das Flugzeug ab, entlang der Stra\u00dfe einige Kilometer entfernt von hier. Verstehen Sie? Und man konnte sehen, wie es dort brannte.\u201d F\u00fcr den Chlop, den Schlag, hat der Zeuge eine Erkl\u00e4rung. \u201cDa ist sie von dort wahrscheinlich losgeflogen.\u201d<\/p>\n<p>Auf die Frage ob russische Soldaten oder Separatisten die Rakete abgeschossen h\u00e4tten, muss der Mann lachen. F\u00fcr ihn k\u00f6nnen es nur russische Soldaten gewesen sein. \u201cNun, welcher Bergmann wird mit einer Rakete schie\u00dfen? Das waren Spezialisten. Kann ich etwa Raketen abschie\u00dfen?\u201d<\/p>\n<p>Mit diesem Zeugen ist das Bild komplett: Es war eine Rakete des Typs BUK M1, die das Passagierflugzeug vom Himmel holte \u2013 in Stellung gebracht von Soldaten der 53. russischen Luftverteidigungsbrigade aus Kursk, die sich ohne Hoheitszeichen in der Stadt Snizhne befanden, um russische Panzerverb\u00e4nde zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Nur eine Frage gilt es noch zu kl\u00e4ren. Wer gab den Befehl zum Abschuss? Ein russischer Offizier? Ein prorussischer Separatist?<\/p>\n<h4><strong>Der rauchende Colt aus Luhansk<\/strong><\/h4>\n<p>Nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=L4HJmev5xg0\">geht ein Video um die Welt.<\/a> Der Raketenwerfer steht wieder auf dem Tieflader mit dem wei\u00dfen F\u00fchrerhaus. Er f\u00e4hrt unter einem Reklameschild des ukrainischen Autoh\u00e4ndlers \u201eBogdan\u201c her. Die BUK-Abschussrampe ist nicht abgedeckt. Es fehlt eine Rakete.<\/p>\n<p>Das Video ist deshalb bedeutsam, weil es alle Seiten \u2013 auch die Russen \u2013 als authentisch anerkennen.<\/p>\n<p>Generalleutnant Kartapolow zeigte ein Standbild daraus auf seiner Pressekonferenz im Juli \u2013 und behauptete, es sei in Krasnoarmiis\u2018k aufgenommen worden. Die Stadt wurde zu dieser Zeit von der ukrainischen Armee kontrolliert. Kartapolow best\u00e4tigt, dass der BUK-Abschussrampe eine Rakete fehlt. Damit begr\u00fcndet der Generalleutnant seine Schlussfolgerung: Das Video beweise die Schuld der Ukrainer.<\/p>\n<p>\u201eWir haben einige Fragen\u201c, sagte Generalleutnant Kartapolow <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4bNPInuSqfs\">w\u00e4hrend seiner Pressekonferenz.<\/a> \u201eWas ist das f\u00fcr eine Raketenrampe? Wo wird sie hingebracht? Wo befindet sie sich jetzt? Warum transportiert sie nicht eine vollst\u00e4ndige Raketenladung? Und wann wurde das letzte Mal mit ihr geschossen?\u201c<\/p>\n<p>Bellingcat untersuchte die russische Version des Video-Standbildes. Eine kleine Sprechblase war hinein montiert, die vergr\u00f6\u00dfert den Text der Werbetafel zeigen sollte, mit der Adresse eines Autoh\u00e4ndlers \u2013 eben in Krasnoarmiis\u2018k.<\/p>\n<p>Nur: Es war eine F\u00e4lschung.<\/p>\n<p>Denn in Wahrheit steht auf der Werbetafel keine Adresse, es steht dort \u201elandesweiter Autoh\u00e4ndler\u201c. Der russische Generalleutnant hatte eine Montage pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Und hatte dar\u00fcber, indirekt und ohne es zu wollen, die Echtheit der anderen Aufnahmen anerkannt, von einer BUK-Abschussrampe, die sich am 17. Juli auf einem Tieflader mit wei\u00dfem F\u00fchrerhaus durch das Separatistengebiet bewegt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wurde das Video mit der fehlenden Rakete in Luhansk aufgenommen, am Ende der Landstra\u00dfe N21 \u2013 zwischen Snizhne und der russischen Grenze. CORRECT!V-Reporter waren im November hier an der Stra\u00dfenkreuzung in Luhansk, und k\u00f6nnen best\u00e4tigen: Das Foto ist authentisch. Selbst das Plakat des Autoh\u00e4ndlers \u201eBogdan\u201c klebt, wenn auch eingerissen, noch an der Werbetafel.<\/p>\n<p>Die scharfen Fragen des Generalleutnant Kartapolow nach der Herkunft der Rakete m\u00fcssen nun die Separatisten und Russland beantworten.<\/p>\n<p>Halten wir fest: Nach dem Abschuss fuhr eine BUK, auf der eine Rakete fehlte, von Snizhne aus in Richtung russische Grenze.<\/p>\n<h4><strong>Treffen mit einem Warlord<\/strong><\/h4>\n<p>Nochmal: Wer sa\u00df in der Abschussrampe, als die Rakete aufstieg? Wer gab den Befehl zum Abschuss? Ein russischer Offizier? Ein ukrainischer Separatist?<\/p>\n<p>Treffen mit dem m\u00e4chtigen Separatistenkommandanten Alexander Chodakovskij. Kurz nach dem 17. Juli gab er gegen\u00fcber einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters zu, dass die Separatisten am Tag des Abschusses eine BUK besa\u00dfen. Kaum war die Behauptung ver\u00f6ffentlicht, kassierte er sie wieder \u2013 man habe ihn falsch zitiert. Was hat er wirklich gesagt?<\/p>\n<p>Es ist Nacht, und Chodakovskij steuert einen schweren Gel\u00e4ndewagen durch das stockdunkle Donetzk. Er befehligt das Bataillon Vostok, und der 42-J\u00e4hrige sieht sich stolz als wichtigste St\u00fctze der Separatistenarmee. Die Stra\u00dfen in Donetzk sind um diese Uhrzeit leer. Die Bewohner trauen sich nicht ins Freie. Der Kommandant gibt Gas. Ein schwer bewaffneter Leibw\u00e4chter sitzt auf dem Beifahrersitz.<\/p>\n<p>\u00dcber Funk f\u00e4delt der Kommandant w\u00e4hrend der Fahrt durch die Nacht einen Deal mit der ukrainischen Armee ein. Einer seiner Untergebenen will zur Beerdigung seines Vaters ins ukrainische Staatsgebiet und braucht sicheres Geleit. Chodakovskij war fr\u00fcher beim ukrainischen Geheimdienst. Er gilt als Spezialist f\u00fcr Terrorabwehr und hat noch viele Freunde auf der anderen Seite. Der Ukrainer liebt solche Deals und will, dass der Reporter sie mitbekommt.<\/p>\n<p>Er liest Kierkegaard und zitiert Schopenhauer. Eine Art Wallenstein der Ostukraine. \u201eWas wir ben\u00f6tigen, rauben wir\u201c, sagt er. Wie einen Tieflader mit wei\u00dfem F\u00fchrerhaus?<\/p>\n<p>Chodakovskij stellt klar: \u201eMit Sicherheit wei\u00df ich, dass die Volksmiliz die Boeing nicht abgeschossen hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum nicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201cWir haben und hatten keine Spezialisten, die mit einer komplexen und hochpr\u00e4zisen Waffentechnik arbeiten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHaben Sie BUKs?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie habe ich jetzt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie auch am 17. Juli?\u201c<\/p>\n<p>Wieder weicht Chodakovskij aus. \u201eIch habe gewusst, dass die BUK-Rakete zum Zeitpunkt der Trag\u00f6die dorthin unterwegs war. Aber als es zur Trag\u00f6die kam, wollte man sich keinen Beschuldigungen aussetzen. Deshalb wurde die Rakete meines Wissens nach zur\u00fcckgeschickt.\u201c<\/p>\n<p>So sehr man auch nachfragt, er meidet eine direkte Antwort. Wieder und wieder. Nur zwei Dinge gibt er zu: Dass die t\u00f6dliche Rakete von der Gegend um Snizhne aus abgefeuert wurde \u2013 aber nicht von ihnen. Und dass die Separatisten die komplizierte Waffe nicht bedienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer also hat geschossen?<\/p>\n<p>Chodakovskij nimmt sich Zeit. Er nimmt einen Schluck Tee und schl\u00e4gt weite weltpolitische B\u00f6gen, von den USA \u00fcber den Westen hin\u00fcber nach Russland. Er doziert mehr, als dass er auf Fragen antwortet. Am Ende wird der Kommandant philosophisch. \u201eWichtig ist nicht die eigentliche Tat, sondern die Beziehung des T\u00e4ters zu der Tat.\u201c Der T\u00e4ter k\u00f6nne ja stolz auf sein Verbrechen sein, oder es bereuen.<\/p>\n<p>Nagt in diesem Gedanken ein Schuldgef\u00fchl? Und was w\u00e4re die Beziehung der Separatisten zum Abschuss einer Zivilmaschine mit 298 Opfern? Komplizenschaft? Mitschuld?<\/p>\n<h4><strong>Nur Spezialisten beherrschen die Ger\u00e4te<\/strong><\/h4>\n<p>F\u00fcr den Luftkampfexperten Rupert Smid gibt es keinen Zweifel: \u201eRussische Raketen werden nur auf Befehl russischer Offiziere abgeschossen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Der 17. Juli beginnt f\u00fcr die Besatzung der BUK 3*2 schlecht. Am Morgen meldet der Ukrainische Sicherheitsrat die Zerst\u00f6rung dreier russischer Panzer \u2013 die von den Offizieren der 53. Luftabwehrbrigade doch h\u00e4tten gesch\u00fctzt werden sollen. Sie hatten versagt.<\/p>\n<p>Eine BUK ist ein veraltetes und zugleich hochkomplexes und todbringendes System, es zu beherrschen erfordert st\u00e4ndiges Training. Zu Sowjetzeiten lernten Soldaten unter anderem am Institut f\u00fcr Raketentechnik in Kiew die Bedienung der Lenkwaffen. F\u00fcnf Jahre dauerte die Ausbildung. Die Hochschule in der ukrainischen Hauptstadt wurde 1995 geschlossen. In Russland bilden die Raketeninstitute weiterhin aus, zum Beispiel in Smolensk. Viele der Absolventen des geschlossenen Raketeninstituts in Kiew haben den Dienst quittiert, aber sie erinnern sich an ihre Studienzeit.<\/p>\n<p>\u201eDas ist nicht wie Fahrradfahren\u201c, sagt ein Absolvent der Raketenhochschule. Eine BUK-Mannschaft m\u00fcsse ein eingespieltes Team sein, die Abl\u00e4ufe st\u00e4ndig trainieren. \u201eSelbst Veteranen verlernen das schnell\u201c, sagt der ehemalige Soldat. Heute ist er Gesch\u00e4ftsmann. Er m\u00f6chte seinen Namen nicht gedruckt wissen.<\/p>\n<p>Auch Viktor Kusovkin, ein Kamerad des medienaffinen Feldwebels Ivan Krasnoproshin, best\u00e4tigt diese Angaben. Kusovkin hat in der russischen 53. Luftabwehrbrigade in Kursk gedient. Nach einer viermonatigen Ausbildung durfte er das Schleppfahrzeug der BUK lenken, aber l\u00e4ngst nicht schie\u00dfen. Wir erreichen ihn per Telefon in Russland, Viktor Kusowkin hatte seine Nummer auf Vkontakte gepostet. Eine BUK abzufeuern? W\u00e4re f\u00fcr ihn nie in Frage gekommen. \u201eNat\u00fcrlich nicht. Wehrdienstleistende l\u00e4sst man nicht schie\u00dfen. Das geht nicht. Da muss man zuvor ein Milit\u00e4rinstitut absolvieren\u201d, sagt Kusowkin. \u201eDas ist eine ziemlich schwere Aufgabe. Nur Offiziere d\u00fcrfen sie \u00fcbernehmen.\u201c<\/p>\n<p>Wir haben viele Experten befragt, wer die BUK in Snizhne abgefeuert haben k\u00f6nnte. Den Kriegskommandanten Chodakovskij und Andrej Purgin, Vizepremier der selbsternannten Volksrepublik Donetzk. NATO-Luftkampfexperten. Zeugen vor Ort. Absolventen des Raketeninstitutes in Kiew und einem ehemaligen Soldaten der 53. Luftabwehrbrigade in Kursk. Alle sind sich einig: Die Separatisten hatten und haben nicht die F\u00e4higkeiten, eine BUK abzufeuern. Es gibt kaum einen Zweifel : Russische Offiziere m\u00fcssen den Befehl zum Abschuss von MH17 gegeben und durchgef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p><strong>Alle haben Schuld auf sich geladen<\/strong><\/p>\n<p>Halten wir fest: F\u00fcr den Abschuss sind allein die russischen Streitkr\u00e4fte unter Wladimir Putin verantwortlich. Sie haben die Ostukraine destabilisiert, sie haben die Truppen und die Technik in das Separatistengebiet gebracht, um MH17 abzuschie\u00dfen. Es spielt keinerlei Rolle, ob der Abschuss gezielt war oder aus Panik versehentlich erfolgte.<\/p>\n<p>Eine Mitverantwortung tr\u00e4gt die ukrainische Regierung, die f\u00fcr ihre Luftangriffe auf russische Panzer die Passagiere der zivilen Luftfahrt \u00fcber der Ostukraine als menschlichen Schutzschild missbraucht hat. Ihre Jagdbomber haben sich unter den Urlaubsjets versteckt und damit hunderte unschuldige Menschen in Lebensgefahr gebracht.<\/p>\n<p>Auch Deutschland und die Regierungen der EU tragen eine Mitverantwortung. Sie scheuten sich, den Krieg in der Ostukraine einen Krieg zu nennen und die daraus folgenden Konsequenzen zu tragen. Sie haben den Fluggesellschaften nicht verboten, die Gegend zu \u00fcberfliegen. Die EU h\u00e4tte mit dem Flugverbot bekennen m\u00fcssen, dass russische Panzer und Luftkampfeinheiten in der Ost-Ukraine agieren.<\/p>\n<p>Zuletzt sind auch die Fluggesellschaften verantwortlich, die ihre Passagiere beim \u00dcberfliegen der Ostukraine in Lebensgefahr brachten.<\/p>\n<p>Sie alle tragen eine Mitschuld.<\/p>\n<p>Die Hauptschuld aber tr\u00e4gt der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin. Doch bis heute vermeidet es die internationale Gemeinschaft das auszusprechen.<\/p>\n<h4><strong>Die \u00dcberm\u00fctigen Jagdflieger<\/strong><\/h4>\n<p>Versuchen wir das Unm\u00f6gliche \u2013 versuchen wir herauszufinden, welcher russische Offizier den Abschuss befohlen hat.<\/p>\n<p>Kursk, im Dezember 2014. Die 53. Luftabwehrbrigade liegt in einem Kiefernwald \u00f6stlich der Stadt. Schon ihr Name klingt wie Panzerketten auf Asphalt: Unweit der Stadt, am Kursker Bogen, lieferten sich Wehrmacht und Sowjetarmee im Sommer 1943 die gr\u00f6\u00dfte Panzerschlacht der Milit\u00e4rgeschichte \u2013 mit mehr als 10.000 Kampfwagen. Die Friedh\u00f6fe der gefallenen zehntausenden Soldaten ziehen sich bis zum Horizont.<\/p>\n<p>Die Erinnerungen an den \u201egro\u00dfen vaterl\u00e4ndischen Krieg\u201c pr\u00e4gen das Stadtbild. Auf Hochh\u00e4usern prangt die Parole \u201eKursk, die Stadt des Kriegsruhms\u201c, ausladende Ehrenm\u00e4ler gedenken dem Sieg und verhei\u00dfen den Toten \u201eewigen Ruhm\u201c. Eine breite Ausfallstra\u00dfe wurde nach dem Ende der Sowjetunion zur Siegesmeile umgebaut, mit Triumphbogen, Kirche, Panzern und Gesch\u00fctzen auf dem Mittelstreifen.<\/p>\n<p>Nieselregen, Temperaturen knapp \u00fcber Null: Der Winter ist mild und grau. Die Menschen sind verunsichert, der Absturz des Rubel-Wechselkurses macht ihnen Sorgen.<\/p>\n<p>Es ist schwer, sich in diesen Tagen Soldaten und Offizieren zu n\u00e4hern. Alles Milit\u00e4rische ist in Russland ohnehin geheim, und nun sendet das russische Fernsehen ohne Unterlass die Propaganda des Kremls: In Kiew habe sich ein faschistischer Putsch ereignet, Amerika erdr\u00fccke Russland, Ausl\u00e4nder seien Spione.<\/p>\n<p>Die Offiziere der 53. Luftabwehrbrigade \u2013 jene M\u00e4nner, die den Befehl zum Abschuss des Zivilflugzeugs gegeben haben k\u00f6nnen \u2013 wohnen mit ihren Familien in der Plattenbausiedlung \u201eMarschall Schukhow\u201c in einem Kiefernwald, direkt gegen\u00fcber der Kasernen. Die Siedlung wurde 1992 errichtet, von einem t\u00fcrkischen Bauunternehmer, gezahlt hat die Bundesrepublik. Die sowjetischen Soldaten, die nach der deutschen Einheit aus Berlin abgezogen wurden, sollten hier eine Bleibe finden. 4500 Menschen leben heute in Schukhow.<\/p>\n<p>F\u00fcnfst\u00f6ckige Plattenbauten, Schule, Kindergarten und ein \u201eHaus der Offiziere\u201c. Die Siedlung hat ihre besten Jahre schon hinter sich. Die Stra\u00dfen sind aufgerissen, es gibt kein Restaurant und kein Caf\u00e9. Nur kleine Lebensmittell\u00e4den, die vor allem Zigaretten und Hochprozentiges verkaufen.<\/p>\n<p>Am Abend f\u00fchren die Kinder der Siedlung ein Konzert auf im \u201eHaus der Offiziere\u201c. T\u00e4nze der Welt wollen sie zeigen. Lange bleibt der Saal halb leer, nur die Eltern der Kinder haben sich eingefunden. Doch dann, f\u00fcnf Minuten vor Beginn der Vorstellung, r\u00fccken rund 60 Rekruten aus der benachbarten Kaserne ein.<\/p>\n<p>Gleichschritt, Sammeln, Stillgestanden. Der Zug der Rekruten formiert sich vor dem Eingang neben der Schukhowb\u00fcste. Einmarsch zum Konzert.<\/p>\n<p>\u201eD\u00fcrfen wir mit den Soldaten reden?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, sagt der Kommandant barsch, \u201ekeine Fragen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eSind Fotos m\u00f6glich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut, von mir aus.\u201c<\/p>\n<p>Die Kinder tanzen und singen. Die Soldaten klatschen. Nach einer Stunde ist das Konzert zu Ende. Aufstehen, Stillgestanden, Abmarsch zur\u00fcck in die Kaserne. Einer der Soldaten schafft es noch, in einen der L\u00e4den zu springen und Zigaretten zu holen. Dann verschwinden alle im Kiefernwald.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter vermittelt uns ein Kontaktmann ein Treffen mit einem ehemaligen Beamten. Wir treffen Sergej \u2013 auch er hei\u00dft in Wirklichkeit anders \u2013 in einem leeren Restaurant. Fragen und Antworten werden gefl\u00fcstert. Wenn die Kellnerin an den Tisch kommt, verstummt das Gespr\u00e4ch, es darf aber auf Tonband aufgezeichnet werden.<\/p>\n<p>Lange erz\u00e4hlt der Beamte von seiner Arbeit, den ehemaligen Kollegen, von der Raketenbrigade. Dann pl\u00f6tzlich erinnert er sich an etwas Ungew\u00f6hnliches. \u201eWissen Sie, ich habe viele Freunde, die sind Kampfpiloten, und von denen wei\u00df ich, dass es bei den russischen Luftstreitkr\u00e4ften einen Brauch gibt: Ein milit\u00e4rischer Erfolg wird mit wilden Kunstfl\u00fcgen gefeiert.\u201c Dann d\u00fcrften sich die Piloten richtig austoben.<\/p>\n<p>Am 17. Juli habe er aus dem Fenster geschaut und Erstaunliches erblickt. \u201eEin russisches Su-Kampfflugzeug spielte regelrecht verr\u00fcckt am Himmel. Der Pilot hat die gewagtesten Kunstst\u00fccke gemacht. Das war eine Pracht.\u201c<\/p>\n<p>Lange hat Sergej die Flugshow angeschaut. \u201eDie haben etwas zu feiern, habe ich mir gedacht\u201c, erz\u00e4hlt er weiter. Kurz darauf habe er im Fernsehen die Nachricht vom MH17-Abschuss gesehen. \u201eDa habe ich mich erschrocken. Ob es ein Zufall war? Ich kann es nicht sagen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pressenza m\u00f6chte hier die lange und intensive Recherche von Marcus Bensmann und David Crawford von CORRECT!V, dem ersten gemeinn\u00fctzige Rechercheb\u00fcro im deutschsprachigen Raum publizieren. 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