{"id":1560829,"date":"2022-04-08T15:17:24","date_gmt":"2022-04-08T14:17:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1560829"},"modified":"2022-04-08T15:18:02","modified_gmt":"2022-04-08T14:18:02","slug":"wir-haben-nicht-viel-zeit-um-den-lauf-der-geschichte-zu-veraendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2022\/04\/wir-haben-nicht-viel-zeit-um-den-lauf-der-geschichte-zu-veraendern\/","title":{"rendered":"Wir haben nicht viel Zeit, um den Lauf der Geschichte zu ver\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anl\u00e4sslich der Asiatischen Friedenskonferenz, die am 3. April 2022 stattfand, hielt Pressenza-Redakteur Tony Robinson eine Ansprache zum Thema Atomwaffen und Atomenergie in Asien und die Notwendigkeit, diese zu beseitigen. Den Text dieser Rede ver\u00f6ffentlichen wir hier f\u00fcr unsere Leser.<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Vielen Dank an die Organisator:innen dieser Veranstaltung, die mich eingeladen haben, heute zu sprechen. Gr\u00fc\u00dfe an die anderen Podiumsteilnehmer:innen und an alle, die online zugeschaltet sind, um diese hoffentlich interessanten und zum Nachdenken anregenden Beitr\u00e4ge zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wie bereits in der Einf\u00fchrung erw\u00e4hnt, bin ich ein Aktivist f\u00fcr den Frieden auf dem Weg der aktiven Gewaltlosigkeit und habe weit \u00fcber 30 Jahre meines Lebens auf diesem Weg verbracht.<\/p>\n<p>Im Jahr 2006 begann sich dieser Aktivismus auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren, n\u00e4mlich die Gef\u00e4hrlichkeit von Atomwaffen und die Notwendigkeit, diese zu beseitigen.<\/p>\n<p>Ich bin in den 1980er Jahren auf dem Land in England aufgewachsen; es war der H\u00f6hepunkt des Kalten Krieges und wir waren entsetzt \u00fcber die Aussicht auf einen Atomkrieg in Europa. Wer 1984 den Film Threads gesehen hat, welcher die Auswirkungen nuklearer Detonationen auf die Stadt Sheffield zeigt, die eineinhalb Autostunden n\u00f6rdlich von meinem Wohnort liegt, war von den Bildern traumatisiert. Ein Film mit \u00e4hnlichem Thema, The Day After, der in den Bundesstaaten Kansas und Missouri in den USA spielt, \u00fcberzeugte Pr\u00e4sident Reagan, mit Pr\u00e4sident Gorbatschow \u00fcber nukleare Abr\u00fcstung zu sprechen, und in Island kam es 1986 fast zu einer Vereinbarung, alle Atomwaffen vollst\u00e4ndig abzubauen. Wenn das passiert w\u00e4re, w\u00e4re ich jetzt nicht auf diesem Podium. Leider ist es nicht passiert.<\/p>\n<h3><strong>Atomwaffen in Asien<\/strong><\/h3>\n<p>Es ist jetzt 77 Jahre her, seit die ersten Atombomben auf die asiatischen St\u00e4dten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Durch die Wucht der Explosionen und die Br\u00e4nde starben sch\u00e4tzungsweise 210\u2019000 Menschen (fast 50 % der damaligen offiziellen Einwohnerzahl dieser St\u00e4dte), und bis zu einer halben Million weitere Menschen starben in den folgenden Jahrzehnten an den Folgen der Strahlenkrankheit und verschiedener Formen von Krebserkrankungen. Dazu geh\u00f6ren auch die Kinder und Enkelkinder der ersten \u00dcberlebenden. Jetzt werden die \u00dcberlebenden dieser Gr\u00e4ueltaten von Jahr zu Jahr weniger. Die j\u00fcngsten Zeugen dieser Ereignisse sind \u00fcber 90 Jahre alt. Nur diese wenigen \u00dcberlebenden und einigen Anti-Atomkraft-Aktivist:innen sind sich heute den vollen Horrors von Atomwaffen bewusst.<\/p>\n<p>Dennoch gibt es neun L\u00e4nder auf der Welt, die Atomwaffen besitzen. Sechs davon befinden sich auf dem asiatischen Kontinent oder grenzen an diesen: Russland, China, Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea.<\/p>\n<p>Es gibt zwar keine sicheren Zahlen, weil die Regierungen sich weigern, ihr Potenzial, Millionen von Zivilisten zu ermorden, offenzulegen; aber die Experten des Stockholm International Peace Research Institute haben im Jahr 2021 herausgefunden, dass diese sechs L\u00e4nder insgesamt \u00fcber 7056 Atomwaffen verf\u00fcgen, die sich ungleichm\u00e4\u00dfig auf Russland (6255), China (350), Israel (90), Indien (156), Pakistan (165) und Nordkorea (40) verteilen.<\/p>\n<p>Jede einzelne dieser Bomben hat eine gr\u00f6\u00dfere Sprengkraft als die 1945 abgeworfenen. Zur Erinnerung: Jene zwei kleinen Bomben auf zwei relativ kleine St\u00e4dte t\u00f6teten die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung auf der Stelle.<\/p>\n<h3><strong>Die humanit\u00e4ren Folgen von Nuklearwaffen<\/strong><\/h3>\n<p>Wir brauchen jedoch keinen Atomkrieg, um intellektuell zu verstehen, was Atomwaffen in der heutigen Welt anrichten w\u00fcrden, denn befreundete Mitglieder der Internationalen \u00c4rzte f\u00fcr die Verh\u00fctung des Atomkriegs ver\u00f6ffentlichten 2012 eine alarmierende Studie und aktualisierten sie ein Jahr sp\u00e4ter im Jahr 2013. Der Bericht trug den Titel &#8222;Nukleare Hungersnot: Zwei Milliarden Menschen in Gefahr&#8220; und beschrieb die Auswirkungen eines hypothetischen Atomkonflikts zwischen zwei kleinen Atomm\u00e4chten: Indien und Pakistan.<\/p>\n<p>Ihr Szenario sieht vor, dass ein Konflikt zwischen diesen beiden L\u00e4ndern atomar ausgetragen wird, und dass beide Seiten 50 Raketen mit einer \u00e4hnlichen Sprengkraft wie damals in Japan einsetzen, die auf die Gro\u00dfst\u00e4dte der jeweils anderen Seite zielen. Zur Erinnerung: So kleine Raketen werden nicht mehr hergestellt!<\/p>\n<p>Es wird gesch\u00e4tzt, dass hundert Raketen auf hundert St\u00e4dte hundert Feuerst\u00fcrme ausl\u00f6sen. 20 Millionen Menschen w\u00fcrden in der ersten Woche an den Folgen der Explosionen, der Br\u00e4nde und der Strahlenkrankheit sterben. Das allein ist schon entsetzlich genug, aber das ist nur der Anfang.<\/p>\n<p>Die Feuerst\u00fcrme w\u00fcrden sch\u00e4tzungsweise 5,5 Millionen Tonnen schwarzen Ru\u00df in die Atmosph\u00e4re schleudern. Das blockiert die Sonne, k\u00fchlt den Planeten ab, trocknet ihn aus, da weniger Verdunstung einen R\u00fcckgang an Niederschl\u00e4gen zur Folge hat, und verk\u00fcrzt die Vegetationsperiode. Au\u00dferdem w\u00fcrde die Ozonschicht besch\u00e4digt, so dass gef\u00e4hrliche UV-Strahlung die Erdoberfl\u00e4che erreichen kann.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen auf die Vegetationsperiode w\u00fcrden die Nahrungsmittelproduktion auf der ganzen Welt stark beeintr\u00e4chtigen, nicht nur in S\u00fcdasien, sondern auch in Afrika, Lateinamerika, China, Russland, den USA und Europa. Die Weizen-, Reis- und Maisfelder der Welt w\u00fcrden innerhalb eines Jahres deutlich weniger Nahrungsmittel produzieren als zuvor.<\/p>\n<p>Die Mais- und Sojaproduktion in den USA sinkt dann um 10%. Die chinesische Reisproduktion sinkt um 20%. Die chinesische Weizenproduktion sinkt um 50 %, und die Liste endet damit nicht. Derzeit gibt es knapp 1 Milliarde Menschen auf der Welt, die unterern\u00e4hrt sind und weniger als 1750 Kalorien pro Tag zu sich nehmen. Diese Menschen haben die geringsten M\u00f6glichkeiten, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen und Zugang zu Nahrungsmitteln zu erhalten. Sie w\u00e4ren sofort vom Hungertod bedroht und w\u00fcrden verhungern. Aber mit solchen Einbr\u00fcchen in der Nahrungsmittelproduktion w\u00fcrden Hunderte von Millionen weiterer Menschen in die Unterern\u00e4hrung getrieben und sie m\u00fcssen ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Infolgedessen w\u00fcrde der begrenzte Krieg eine weltweite Hungersnot ausl\u00f6sen, bei der bis zu 2 Milliarden Menschen zu verhungern drohen. Das hat es in der Geschichte noch nie gegeben!<\/p>\n<p>Es w\u00e4re das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen. Alles, was uns wichtig ist, alles, was wir lieben und sch\u00e4tzen, ist dann weg. Welchen Wert wird Geld in einer solchen Situation haben? Kannst du es essen? Welchen Wert werden andere Menschen f\u00fcr dich haben, wenn du hungrig bist? Wer wird das Gesetz respektieren, wenn man nicht wei\u00df, ob man morgen etwas zu essen bekommt? Wer wird geduldig in der Schlange stehen, um auf dem Markt f\u00fcr Lebensmittel zu bezahlen?<\/p>\n<p>Nimm dir einen Moment Zeit und \u00fcberlege, was du tun w\u00fcrdest, wenn du h\u00f6ren w\u00fcrdest, dass irgendwo auf der Welt ein Atomkrieg ausgebrochen ist&#8230;<\/p>\n<p>Und wenn du in der N\u00e4he des Ortes wohnst, an dem eine dieser Bomben gez\u00fcndet wurde, bist du v\u00f6llig aufgeschmissen. Dein Handy wird nicht mehr funktionieren, denn der elektromagnetische Impuls, der durch die Explosion ausgel\u00f6st wurde, wird die Strom- und Telekommunikationsnetze lahmlegen. Du sitzt buchst\u00e4blich im Dunkeln und in der Stille, ohne zu wissen, was in der Au\u00dfenwelt passiert, und ohne zu wissen, ob irgendeine Art von humanit\u00e4rer Hilfe kommen wird.<\/p>\n<p>Und in der Tat wird es keine humanit\u00e4re Hilfe geben. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes berichtete 2013 in Oslo auf der Konferenz \u00fcber die humanit\u00e4ren Auswirkungen von Atomwaffen, dass in einem solchen Fall keine humanit\u00e4re Hilfe m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>In Hiroshima und Nagasaki wurden 90 % der medizinischen Einrichtungen durch die beiden Bomben zerst\u00f6rt. In Hiroshima wurden von 300 \u00c4rzten in der Stadt 270 get\u00f6tet, zusammen mit 1600 von 1700 Krankenschwestern. Welche L\u00e4nder werden humanit\u00e4re Hilfe schicken? In welchen Einrichtungen werden sie arbeiten? Wie werden sie ihre Mitarbeiter vor dem Fallout sch\u00fctzen k\u00f6nnen, der alles mit radioaktivem Staub bedecken wird? Wie werden sie an den Strom kommen, um ihre Maschinen zu betreiben? Wie werden sie Lebensmittel f\u00fcr ihren eigenen Lebensunterhalt mitbringen k\u00f6nnen im Wissen, dass diejenigen, die sie behandeln, keinen Zugang zu Lebensmitteln haben werden?<\/p>\n<p>Die ganze Sache ist unvorstellbar und muss f\u00fcr alle Zeiten verhindert werden.<\/p>\n<h3><strong>Atomkraftwerke<\/strong><\/h3>\n<p>Aber das ist noch nicht einmal ann\u00e4hernd das Ende des Grauens, das entfesselt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Einschlie\u00dflich ganz Russlands gibt es in Asien 174 betriebsbereite Atomkraftwerke: In China 53, Russland 37, Japan 33, S\u00fcdkorea 24, Indien 23 und Pakistan 5. Hinzu kommen kleinere Forschungsreaktoren in Bangladesch, Indonesien, Kasachstan, Nordkorea, Malaysia, Vietnam, Iran und Israel. Weitere befinden sich in der Entwicklung in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.<\/p>\n<p>Atomkraftwerke sind auf eine ununterbrochene Stromzufuhr angewiesen, um Wasser pumpen zu k\u00f6nnen, damit das Ganze k\u00fchl genug bleibt. Wie bereits erw\u00e4hnt, w\u00fcrde die St\u00f6rung der Stromnetze durch die elektromagnetischen Impulse der Bomben selbst dazu f\u00fchren, dass die Kraftwerke ohne Strom aus dem Netz sind. Sie alle haben Reservesysteme, die es den Betreibern erm\u00f6glichen, ihre Anlagen f\u00fcr eine kurze Zeit k\u00fchl zu halten, aber irgendwann werden die Kraftwerke, die vom Netz gehen, nicht mehr in der Lage sein, die Reaktoren ausreichend zu k\u00fchlen, und es wird zu Kernschmelzen und Explosionen kommen.<\/p>\n<p>Jedes der 174 in Betrieb befindlichen Kraftwerke ist ein weiteres Tschernobyl, ein weiteres Fukushima, das nur darauf wartet, zu passieren. In diesem Fall w\u00fcrde jedoch niemand kommen und sein Leben riskieren, um den geschmolzenen Kernbrennstoff zuzudecken, wie es die mutigen sowjetischen und japanischen Techniker:innen, Soldat:innen, Feuerwehrleute und Ingenieur:innen seinerzeit getan haben. Die Strahlung w\u00fcrde in die Atmosph\u00e4re entweichen. Ein typisches Kraftwerk, das 1000 MWe erzeugt, enth\u00e4lt 100 Tonnen Uran.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe, die in den Wochen und Monaten nach dem Bombenabwurf f\u00fcr Zehntausende von Todesf\u00e4llen durch Strahlenvergiftung verantwortlich war, enthielt nur 64 Kilogramm Uran.<\/p>\n<p>Schon ein einziges Atomkraftwerk, das au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t, kann den ganzen Planeten radioaktiv verseuchen. Zur Erinnerung f\u00fcr diejenigen, die es aufgrund der zeitlichen und geografischen Entfernung vielleicht nicht wissen: Es gibt Teile von Schottland, 1700 Meilen von Tschernobyl entfernt, die jahrelang nicht f\u00fcr die Lebensmittelproduktion genutzt werden konnten, weil der Gehalt an radioaktiven Isotopen im Boden erh\u00f6ht war.<\/p>\n<p>Das ist keine Fiktion oder Panikmache. Vor ein paar Wochen wurde in der Ukraine Alarm ausgel\u00f6st, als das Kraftwerk Zaporizhzhya mit 2 funktionierenden Atomreaktoren von \u00a0Stromversorgungsproblemen betroffen war. Man sch\u00e4tzte, dass es genug Reservesysteme gebe, um das Kraftwerk f\u00fcr 3 Wochen zu sichern. F\u00fcr diejenigen, die das Interesse verloren haben, sei erw\u00e4hnt, dass in der Ukraine immer noch ein Krieg gef\u00fchrt wird. Die Ukraine hat 15 funktionsf\u00e4hige Atomreaktoren. Wenn auch nur einer von ihnen versehentlich oder absichtlich besch\u00e4digt wird, ist das eine absolute Katastrophe.<\/p>\n<p>Als ich dies gestern schrieb und diesen Abschnitt noch einmal las, wurde ich nerv\u00f6s, dass ich dem Publikum mit diesen Informationen Angst machen k\u00f6nnte. Aber eigentlich sollten wir alle Angst haben. Die Nukleartechnologie ist gef\u00e4hrlich und veraltet. Sie w\u00e4re auch in einer Welt, in der alle L\u00e4nder in Frieden miteinander leben, gef\u00e4hrlich genug. In unsrer Welt ist die Atomtechnologie absolut irrwitzig.<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren gelang es einer Friedensbewegung, die aus Millionen von ver\u00e4ngstigten Menschen auf beiden Seiten der Berliner Mauer bestand, sich zu mobilisieren und die damaligen Superm\u00e4chte zusammenzubringen, um den Kalten Krieg zu beenden und die Zahl der Atomwaffen von \u00fcber 70.000 auf 13.000 zu reduzieren. Aber wie ich gerade erkl\u00e4rt habe, k\u00f6nnen 100 auf St\u00e4dte gerichtete Atomwaffen das Ende der Zivilisation bedeuten. Und nat\u00fcrlich wird ein Schlagabtausch mit Hunderten von Waffen in den H\u00e4nden der USA und Russlands allen Formen des Lebens auf dem Planeten ein schreckliches und schmerzhaftes Ende bereiten.<\/p>\n<p>Hat die Evolution uns wirklich aus einem Haufen Aminos\u00e4uren in unseren Urmeeren bis zu den menschlichen Bewusstseinsstufen entwickelt, um uns dann so enden zu lassen?<\/p>\n<h3><strong>Die TPNW<\/strong><\/h3>\n<p>Doch nun zu den besseren Nachrichten. Das Aussterben der menschlichen Rasse durch einen nuklearen Holocaust ist nicht unser vorbestimmtes Ziel. Es gibt Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Zeichen der Hoffnung sind im Moment sehr schwach, aber sie sind da.<\/p>\n<p>Auf internationaler und diplomatischer Ebene wachen immer mehr L\u00e4nder auf der ganzen Welt auf und erkennen die Gefahren. Wie ich bereits erw\u00e4hnt habe, begann 2013 eine Konferenz in Oslo, sich mit den aktuellsten Informationen \u00fcber die Auswirkungen von Atomwaffen zu besch\u00e4ftigen. Es folgten weitere Konferenzen in Mexiko und \u00d6sterreich, und 2017 einigten sich 122 Mitglieder der Vereinten Nationen auf den Text eines Vertrags zum Verbot von Atomwaffen. Der Einsatz von Atomwaffen und die Androhung ihres Einsatzes waren bereits nach den Genfer Konventionen und dem humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrecht, die seit Jahrzehnten in Kraft sind, illegal, aber der Vertrag \u00fcber das Verbot von Atomwaffen legte nun kategorisch und ausdr\u00fccklich fest, dass Atomwaffen verboten sind. Das war ein Wendepunkt in der Atomwaffendiplomatie. Nat\u00fcrlich weigerten sich die neun L\u00e4nder mit Atomwaffen, daran teilzunehmen, ebenso wie die meisten ihrer Verb\u00fcndeten in Milit\u00e4rallianzen. Dennoch wurde eine Botschaft gesendet, \u00fcber die sich die neun Atomwaffenstaaten lautstark und bitterlich beschwerten.<\/p>\n<p>Diese 122 L\u00e4nder haben die ersten Schritte unternommen, um Atomwaffen zu tabuisieren und zu stigmatisieren. Die \u00f6ffentliche Meinung hat sich in \u00e4hnlicher Weise ver\u00e4ndert: Eine Umfrage nach der anderen zeigt, dass Atomwaffen abgeschafft werden sollten, auch und gerade in den L\u00e4ndern, die behaupten, sie f\u00fcr ihre nationalen Sicherheitsdoktrinen zu ben\u00f6tigen. Finanzinstitute haben ihr Geld aus Unternehmen abgezogen, die Atomwaffenproduzenten den Betrieb erm\u00f6glichen. Langsam w\u00e4chst die Bereitschaft, Atomwaffen abzuschaffen, auch wenn abzuwarten bleibt, wie sich der russische Einmarsch in der Ukraine auf die \u00f6ffentliche Meinung auswirken wird.<\/p>\n<h3><strong>Die Friedensbewegung schreitet voran<\/strong><\/h3>\n<p>Aber die Arbeit der Friedensbewegung muss darin bestehen, Regierungen mit Atomwaffen dazu zu bewegen, diese aufzugeben und aus der Atomkraft auszusteigen. Dies kann nur geschehen, wenn wir das Bewusstsein f\u00fcr die Gefahren von Atomwaffen sch\u00e4rfen. Deshalb ist dieses World Humanist Forum in Asien so willkommen, denn nur wenn wir uns vernetzen und uns \u00fcber wichtige Themen wie diese informieren, k\u00f6nnen wir den dringend notwendigen Bewusstseinswandel herbeif\u00fchren, um einen nuklearen Winter zu vermeiden.<\/p>\n<p>Um es klar zu sagen: Die Paradigmen des globalen Systems, in dem wir leben, haben die Situation geschaffen, in der wir uns jetzt befinden, und erst wenn wir diese Paradigmen \u00e4ndern, haben wir die Chance, den Kurs der menschlichen Zivilisation zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aber was ist das zentrale Paradigma, auf dem unsere globale Gesellschaft beruht? Ich bin sicher, ihr wisst es alle: Der wichtigste Wert in dieser Gesellschaft ist das Geld. Der Unterschied, ob man es hat oder nicht, ist buchst\u00e4blich der Unterschied zwischen Leben und Sterben.<\/p>\n<p>Das ist der einzige Grund, warum es Atomwaffen gibt. Wir haben das Geld von einem einfachen Mittel zum Austausch von Waren und Dienstleistungen in etwas verwandelt, das um jeden Preis angeh\u00e4uft werden muss: um jeden Preis f\u00fcr unser eigenes Wohlergehen, aber vor allem f\u00fcr das Wohlergehen aller anderen Menschen und Lebensformen auf diesem Planeten.<\/p>\n<p>Einige Menschen brauchen Zugang zu den st\u00e4rksten Formen von Gewalt, um andern ihren Willen aufzuzwingen und so unanst\u00e4ndige Geldbetr\u00e4ge an sich zu raffen &#8211; Betr\u00e4ge, die sie in Tausenden von Leben nicht ausgeben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Diese Gewalt kommt in vielen Formen vor: wirtschaftlich, psychologisch, sexuell usw., aber die schlimmste Form ist die physische Gewalt. Und die schlimmste Form der physischen Gewalt sind heute die Atomwaffen.<\/p>\n<p>Wenn dieses Forum, das sich auf die asiatische Region konzentriert, einen n\u00fctzlichen Beitrag zur Friedensbewegung leisten will, muss es daran arbeiten, die Paradigmen zu \u00e4ndern, auf denen unsere Gesellschaften basieren.<\/p>\n<p>Dabei werden wir feststellen, dass all die unz\u00e4hligen Formen des sozialen Aktivismus, die es heute auf der Welt gibt, Ausdruck der gleichen Unzufriedenheit mit dem \u00fcbergeordneten Paradigma sind, auf dem unsere Gesellschaft basiert.<\/p>\n<p>Frauenemanzipation, Armut, Umweltzerst\u00f6rung, Klimawandel, Frieden, Kinderrechte, der Kampf f\u00fcr sexuelle Vielfalt und unterschiedliche Sexualit\u00e4ten &#8211; die Liste l\u00e4sst sich beliebig fortsetzen. Alle diese Themen fordern das Gleiche: das menschliche Leben als zentralen Wert zu sehen und das Geld wieder zu dem gutartigen Werkzeug zu machen, das es w\u00e4hrend des gr\u00f6\u00dften Teils der menschlichen Geschichte war.<\/p>\n<p>Wir haben nicht mehr viel Zeit, um den Lauf der Geschichte zu \u00e4ndern. Das Klima ver\u00e4ndert sich in rasantem Tempo, und die L\u00e4nder tun nicht einmal einen Bruchteil dessen, was sie tun k\u00f6nnten, um das aufzuhalten.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche diesem Forum viel Erfolg, freue mich auf die Beitr\u00e4ge der anderen Diskussionsteilnehmenden und stehe gerne f\u00fcr Fragen zur Verf\u00fcgung, wenn es die Zeit erlaubt.<\/p>\n<p>Ich danke euch.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><i>\u00dcbersetzung aus dem Englischen von Domenica Ott vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!<\/a><\/i><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich der Asiatischen Friedenskonferenz, die am 3. April 2022 stattfand, hielt Pressenza-Redakteur Tony Robinson eine Ansprache zum Thema Atomwaffen und Atomenergie in Asien und die Notwendigkeit, diese zu beseitigen. 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