{"id":1500334,"date":"2022-01-08T17:18:28","date_gmt":"2022-01-08T17:18:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1500334"},"modified":"2022-01-08T17:18:28","modified_gmt":"2022-01-08T17:18:28","slug":"es-gibt-viel-zu-tun-umweltschutz-unter-der-regierung-castillo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2022\/01\/es-gibt-viel-zu-tun-umweltschutz-unter-der-regierung-castillo\/","title":{"rendered":"Es gibt viel zu tun. Umweltschutz unter der Regierung Castillo"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor dem Jahreswechsel schauen viele Menschen noch mal auf das ausgehende Jahr zur\u00fcck und reflektieren ihre Erlebnisse. In Peru ware ein einschneidendes Ereignis des zur\u00fcckliegenden Jahres die Wahl von Pedro Castillo zum neuen Pr\u00e4sidenten. Das Portal Inforegi\u00f3n hat dies zum Anlass genommen, um mit drei Expert*innen \u00fcber die bisherigen Umweltschutzma\u00dfnahmen der neuen Regierung zu sprechen sowie Fortschritte, L\u00fccken und Herausforderungen f\u00fcr die kommenden Jahre aufzuzeigen. Entwaldung, illegaler <a class=\"glossaryLink\" style=\"box-sizing: inherit; background-color: transparent; color: #000000 !important; text-decoration: none !important; border-bottom-width: 1px !important; border-bottom-style: dotted !important; border-bottom-color: #000000 !important;\" href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/bergbau\/\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Bergbau&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Kennzeichnend f\u00fcr den Bergbau in Lateinamerika ist die in Folge neoliberaler Politiken implementierte schwache Regulierung dieses wirtschaftlichen Sektors. Dieser generiert kaum Einnahmen f\u00fcr die Regierungen der Region, w\u00e4hrend transnationale Konzerne hohe Gewinne verzeichnen und Industrienationen die knappen Rohstoffe weiter verwerten. Kolumbien ist bspw. der viertgr\u00f6\u00dfte Kohleexporteur der Welt und geh\u00f6rt zu den wichtigsten Lieferanten Deutschlands. Menschen, die nahe der Abbaugebiete leben, leiden an Atemwegserkrankungen und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit. In Peru ist es \u00e4hnlich mit dem Kupferabbau. Trotz des Bergbaus lebt die Bev\u00f6lkerung der Abbaugegenden in Armut, hat kaum Zugang zu \u00f6ffentlichen Dienstleistungen und k\u00e4mpft mit negativen Folgen f\u00fcr Gesundheit und Umwelt.&lt;\/div&gt;\" data-gt-translate-attributes=\"[{&quot;attribute&quot;:&quot;data-cmtooltip&quot;, &quot;format&quot;:&quot;html&quot;}]\">Bergbau<\/a>, M\u00fcllentsorgung und die Schaffung von Naturschutzgebieten waren die zentralen Themen, anhand derer Fabiola Mu\u00f1oz, ehemalige Umweltministerin, C\u00e9sar Ipenza, auf Umweltfragen spezialisierter Anwalt, und Sandro Ch\u00e1vez, ehemaliger Nationaldekan des Biologenkollegiums Peru, die neue Regierung kritisch bewerteten. Vornweg fasst Ex-Ministerin Mu\u00f1oz zusammen: \u201eDer \u00dcbergang zu einer neuen Regierung bedeutet immer auch Verz\u00f6gerungen. Eine neue Regierung muss sich erst einarbeiten.\u201c Allerdings findet sie, die neuen Amtstr\u00e4ger*innen h\u00e4tten daf\u00fcr zu lange gebraucht, und die Konsequenzen m\u00fcsse nun das ganze Land tragen. Ch\u00e1vez sieht das \u00e4hnlich: \u201eWir haben bis jetzt keine Neuerungen gesehen. Aus dem Umweltministerium kam in den f\u00fcnf Monaten seit der Neubesetzung kein nennenswerter Reformvorschlag. M\u00f6glicherweise sind sie noch mit der Erfassung des Ist-Zustandes besch\u00e4ftigt. Umgesetzt werden bislang nur die Pl\u00e4ne der Vorg\u00e4ngerregierung.\u201c<\/p>\n<p><strong>Illegaler Bergbau<\/strong><\/p>\n<p>Hinsichtlich der Bergbauaktivit\u00e4ten betont Mu\u00f1oz: \u201eLeider sind jegliche Bem\u00fchungen, die Pampa und das Naturschutzgebiet Tambopata zu bewahren, gescheitert. Die Minenarbeiter sind zur\u00fcckgekehrt. Unter keinen Umst\u00e4nden h\u00e4tte dies geschehen d\u00fcrfen, denn die Bewahrung der Gebiete ist keine Aufgabe einer gerade amtierenden Regierung, sondern des Staates. Hier hat es R\u00fcckschritte gegeben, die wir nicht erlauben d\u00fcrfen.\u201c Ch\u00e1vez erinnert daran, wie Pr\u00e4sident Castillo bei seiner Antrittsrede forderte, f\u00fcr die Umweltqualit\u00e4t gewisse Standards einzuhalten. \u201eTrotz allem ist der Bergbau zur\u00fcck in der Pampa. Das bedeutet, es gibt keinerlei Strategie, um diese illegalen Aktivit\u00e4ten aufzuhalten\u201c, sagt der Biologe mit Blick auf die Region Madre de Dios.<\/p>\n<p>Anwalt Ipenza weist darauf hin, dass der Bergbau sich w\u00e4hrend der Pandemie sogar noch intensiviert hat. Seiner Ansicht nach kann die Antwort nicht sein, \u201eden Prozess der Legalisierung von Minen voranzutreiben [wie in einem Gesetz von 2002 festgeschrieben. Anm. d. \u00dc.]. Die Minenarbeiter halten sich kaum an die darin festgelegten Regeln, und der Staat kontrolliert sie auch kaum. Das versuchen wir bereits seit 19 Jahren vergeblich.\u201c Das Gesetz sei durch die Lobbyarbeit von Beratern der Minenbetreiber auf den Weg gebracht worden, die mittlerweile auch im Staatsdienst arbeiten. \u201eDas ist nat\u00fcrlich in jeglicher Hinsicht fragw\u00fcrdig. Dieses Gesetz sollte wir genauer unter die Lupe nehmen, denn es tr\u00e4gt nichts zur nachhaltigen Entwicklung unseres Landes bei\u201c, kritisiert er und erg\u00e4nzt, Peru habe zwar die rechtlichen M\u00f6glichkeiten, die Einfuhr von Quecksilber zu unterbinden, die neue Regierung mache davon aber keinen Gebrauch. In den zur\u00fcckliegenden Monaten sei der Import von 70 Tonnen Quecksilber genehmigt worden. Ein Teil davon komme zwar in der Industrie zum Einsatz, allerdings sei eine gr\u00f6\u00dfere Menge f\u00fcr den Kleinbergbau bestimmt. Von dort gelange es aufgrund mangelnder staatlicher Kontrolle auch zu den illegalen Minen.<\/p>\n<p><strong><a class=\"glossaryLink\" style=\"box-sizing: inherit; background-color: transparent; color: #000000 !important; text-decoration: none !important; border-bottom-width: 1px !important; border-bottom-style: dotted !important; border-bottom-color: #000000 !important;\" href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/abholzung\/\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Abholzung&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;(spanisch: desmonte) Auch Rodung oder Raubbau an W\u00e4ldern genannt. In Lateinamerika schrumpfen vor allem die sogenannten &amp;quot;gr\u00fcnen Lungen&amp;quot; des Kontinents, das Amazonasgebiet und der Gran Chaco, durch Jahrzehnte lange, massive Abholzung. Die W\u00e4lder werden f\u00fcr Sojaanbau oder andere kurzfristig profitable Arten von technisiertem Ackerbau gerodet, meist durch Brandrodung. Die B\u00f6den bleiben nach dieser Art der Nutzung lange unfruchtbar und k\u00f6nnen ohne den Wald kein Wasser speichern. Die langfristigen Folgen sind D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen, die Hungerkatastrophen und Migrationen ausl\u00f6sen.&lt;\/div&gt;\" data-gt-translate-attributes=\"[{&quot;attribute&quot;:&quot;data-cmtooltip&quot;, &quot;format&quot;:&quot;html&quot;}]\">Abholzung<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Ipenza verweist zudem auf den Nachholbedarf der neuen Regierung beim Thema Waldschutz. Allein im Jahr 2020 seien mehr als 200.000 Hektar Wald vernichtet worden, der h\u00f6chste Wert der letzten 20 Jahre. Leider sei noch niemand zum Vorsitz des Nationalagentur f\u00fcr Forst und Wildleben (<em>Servicio Nacional Forestal y de Fauna Silvestre \u2013 SERFOR<\/em>) ernannt worden; die Beh\u00f6rde sei somit weiterhin ohne Leitung. Gegen eine richterliche Anordnung, den 2020 willk\u00fcrlich abgesetzten Leiter Alberto Gonzales-Z\u00fa\u00f1iga wieder einzusetzen, hat die neue Regierung sogar Berufung eingelegt. Ein Urteil steht immer noch aus. Ipenza vermutete daher, der h\u00f6heren Regierungsebene fehle der Wille, tats\u00e4chlich etwas gegen die Abholzung zu tun.<\/p>\n<p>Der traurige Abholzungsrekord von 2020 sollte nach Ansicht der ehemaligen Umweltministerin Mu\u00f1oz Anlass sein, dar\u00fcber nachzudenken, wie denn nachhaltige Entwicklung im Amazonasregenwald aussehen k\u00f6nnte. Ein Prozess, bei dem das Umweltministerium eine wichtige Rolle spiele, ebenso der Agrarsektor und die Regionalregierungen. Doch ihrer Einsch\u00e4tzung nach hat die Regierung ihre Priorit\u00e4ten anders gesetzt. \u201eSie ignoriert, dass dadurch enorm wichtiges Naturkapital verloren geht\u201c, so Mu\u00f1oz.<\/p>\n<p>Ch\u00e1vez erinnert abermals an die Antrittsrede des Pr\u00e4sidenten, in der dieser verk\u00fcndet hatte, das Umweltministerium m\u00fcsse f\u00e4hig sein, die Umweltzerst\u00f6rung, die Abholzung und die Folgen des Klimawandels zu bremsen. Anschlie\u00dfend seien jedoch keine nennenswerten Ma\u00dfnahmen erfolgt. Nach Auffassung von Ch\u00e1vez h\u00e4tte es nach der massiven Abholzung in 2020 einer Gegenma\u00dfnahme, etwa in Form einer Notstandserkl\u00e4rung vonseiten der Regierung geben m\u00fcssen. Vor diesem Hintergrund sei eine neue Strategie im Kampf gegen Abholzung und andere illegale Aktivit\u00e4ten, etwa das Pflanzen von Kokastr\u00e4uchern, zwingend notwendig.<\/p>\n<p><strong>Naturschutzgebiete<\/strong><\/p>\n<p>Doch es gibt auch gute Nachrichten. In den vergangenen Jahren seien f\u00fcr die Verwaltung von Naturreservaten gute Rahmenbedingungen geschaffen worden, erkl\u00e4rt Mu\u00f1oz. Als Leiter der Nationalagentur f\u00fcr Naturschutzgebiete (<em>Servicio Nacional de \u00c1<\/em><em>reas Naturales Protegidas por el Estado<\/em>, SERNANP) habe Pedro Gamboa in allen Reservaten ein sehr gutes Management etabliert. Seinen Weggang bedauert sie daher sehr: \u201eIch hoffe, dass die erreichte Qualit\u00e4t mit der neuen Leitung der SERNANP erhalten bleibt.\u201c Dem neuen Chef der Agentur wolle sie zun\u00e4chst einen Vertrauensbonus einr\u00e4umen und die Ergebnisse seiner Arbeit abwarten.<\/p>\n<p>Auch Ipenza betont die Politik der Kontinuit\u00e4t bei der Etablierung und Erhaltung solcher Gebiete. Den Staat Peru begl\u00fcckw\u00fcnscht er zur Gr\u00fcndung des Nationalreservats Illesca, schlie\u00dflich habe dieser Prozess mehr als zehn Jahre gedauert. Auch in Huancavelica ist mit dem Regionalpark <em>Bosque Nublado Amaru- Huachocolpa-Chihuana<\/em> ein neuer Schutzort entstanden, der erste in dieser Region. Allerdings kritisiert Ipenza auch, dass eine fr\u00fchere Fehlentscheidung bis heute nicht korrigiert wurde: Im Gebiet des Meeresr\u00fccken von Nazca sei immer noch industrielle Fischerei erlaubt. \u201eDamit wurde ein schwerwiegender Pr\u00e4zedenzfall geschaffen\u201c, kommentiert er. Au\u00dferdem gebe es auch keinen Fortschritt beim Schutz des Tropenmeeres an den n\u00f6rdlichen K\u00fcsten Perus.<\/p>\n<p>Zwar bewertet auch Ch\u00e1vez die Schaffung neuer Schutzgebiete positiv, jedoch sei noch viel zu tun. Die Ausweisung des Nationalreservats <em>Mar Tropical de Grau<\/em> ist immer noch nicht erfolgt, weil mehrere Unternehmen dies verhindert h\u00e4tten. Wichtig w\u00e4re es auch deshalb, weil es den prozentualen Anteil maritimer Schutzgebiete erh\u00f6hen w\u00fcrde. Bei der Gesetzgebung sieht er ebenso Handlungsbedarf. Die derzeitigen Regelungen f\u00fcr Naturschutzgebiete m\u00fcssten aktualisiert und verbessert werden. Auch die Forderung nach einer gesetzlichen Grundlage f\u00fcr eine Ranger-Ausbildung bleibt seit mehr als zehn Jahren unerf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>Entsorgung von festen Abf\u00e4llen<\/strong><\/p>\n<p>Zum Thema Abfallentsorgung sagt Mu\u00f1oz, die jetzige und die vorherige Regierung h\u00e4tten beim Thema M\u00fcllentsorgung viel vers\u00e4umt. W\u00e4hrend Mart\u00edn Vizcarras Amtszeit habe es zwar den Vorschlag f\u00fcr ein Gesetz zum Abfallmanagement gegeben, in Kraft getreten sei es allerdings nie. Das Gesetz h\u00e4tte B\u00fcrger*innen dazu verpflichtet, M\u00fcll zu trennen, die Gemeinden h\u00e4tten den Auftrag erhalten, den M\u00fcll tats\u00e4chlich abzuholen. Es h\u00e4tte au\u00dferdem Arbeitspl\u00e4tze in der Recyclingwirtschaft geschaffen. Nach Ansicht von Mu\u00f1oz eine vertane Chance, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Knappheit von Rohstoffen, die auch aus recyceltem Material gewonnen werden k\u00f6nnten. Stattdessen w\u00fcrden bereits Forderungen laut, den erst am 20. Dezember verbotenen Gebrauch von expandiertem Polystyrol (Schaumstoff) wieder zu erlauben. \u201eDas ist eines der wichtigsten Themen, die die Regierung angehen sollte\u201c, sagt Mu\u00f1oz.<\/p>\n<p>Das neue Gesetz beinhaltet ein generelles Verbot von Einwegplastik. Doch k\u00f6nne man beim Einkaufen beobachten, dass Lebensmittel nach wie vor in solchen Verpackungen verkauft werden, kritisiert Ipenza. Er fragt sich daher, welche Kontrollfunktion das Umweltministerium einnehmen sollte, damit das Verbot auch durchgesetzt wird. Es sei wichtig, dass das Ministerium hier eine verbindliche Politik verfolge und in Zusammenarbeit mit den regionalen Verwaltungen t\u00e4tig werde. Denn auf regionaler Ebene k\u00e4men die Gemeinden kaum ihrer Verantwortung nach. Erst k\u00fcrzlich wurde bekannt, dass der Distrikt Jos\u00e9 Leonardo Ortiz in der Provinz Lambayecano ein immenses M\u00fcllproblem hat. Immerhin lasse das Umweltministerium nicht nach in seiner Forderung, dem Problem auch mit der Errichtung von Verwertungsanlagen zu begegnen, schloss der Anwalt.<\/p>\n<p>Ch\u00e1vez merkt an, eine neue Kampagne zur Einhaltung des neuen Gesetzes sei allein deshalb notwendig, weil der Gebrauch von Einwegplastik w\u00e4hrend der Pandemie noch zugenommen habe. \u201eWir m\u00fcssen energischer daf\u00fcr sorgen, dass Plastik sich nicht weiter verbreitet\u201c, meint der Biologe.<\/p>\n<p><strong>Handel mit Wildtieren<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Thema, das nach Ch\u00e1vez\u2019 Ansicht von der Regierung dringend angegangen werde muss, ist die Etablierung eines gesetzlichen Rahmens zur \u00dcberwachung und Eind\u00e4mmung des illegalen Wildtierhandels. F\u00e4lle wie der des Andenfuchses \u201eRun Run\u201c, den eine Familie in Lima gekauft hatte im Glauben, es handele sich um einen Hund, zeigten, welche Ausma\u00dfe der Handel bereits angenommen hat, so Ch\u00e1vez. Die \u00dcbertragung des Corona-Virus vom Tier auf den Mensch habe au\u00dferdem deutlich gemacht, wie der Handel mit Wildtieren die Gesundheit des Menschen gef\u00e4hrde. Dabei spiele allerdings auch eine Rolle, dass sich Wildtiere immer mehr den urbanen Zentren ann\u00e4hern, weil ihr Lebensraum immer kleiner wird.<\/p>\n<p><strong>Schutz von Umweltaktivist*innen<\/strong><\/p>\n<p>Da in Peru viele engagierte Menschen und indigene Aktivist*innen bedroht und manche sogar ermordet werden, ohne dass es funktionierende Mechanismen zu deren Schutz gibt, geht Anwalt Ipenza davon aus, dass das Land f\u00fcr Umweltsch\u00fctzer*innen einer des gef\u00e4hrlichsten Orte der Welt ist. Peru habe immer noch nicht das Abkommen von Escaz\u00fa aus dem Jahr 2018 ratifiziert, in dem es auch um den Schutz von Aktivist*innen geht. Daf\u00fcr sei sowohl der Kongress als auch die Regierung zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p><strong>Sozial-\u00f6kologische Konflikte <\/strong><\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang kritisiert Ipenza auch die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden, die \u201ebei den gro\u00dfen Konflikten nicht interveniert haben. Obwohl es deren Aufgabe ist, haben sie nicht sichergestellt, dass wirtschaftliche Vorhaben sich im Rahmen unseres Allgemeinen Umweltgesetzes bewegen und das grunds\u00e4tzliche Recht aller Menschen auf eine intakte Umwelt gew\u00e4hrleistet bleibt.\u201c Eine Statistik der staatlichen Ombudsstelle (<em>Defensor\u00ed<\/em><em>a del pueblo<\/em>) vom November 2021 verdeutlicht diese Aussage: Von allen Regionen in Peru hat Loreto die meisten sozialen Konflikte (29) zu verzeichnen. Davon haben mehr als die H\u00e4lfte (19) sozial\u00f6kologischen Charakter.<\/p>\n<p><strong>Biol\u00e4den und Biohandel<\/strong><\/p>\n<p>Was den Handel mit Bioprodukten angeht, stellt Mu\u00f1oz fest, dass es Fortschritte gibt, jedoch mehr staatliche Unterst\u00fctzung n\u00f6tig ist: \u201eDie Produzent*innen betreiben einen enormen Aufwand, um unsere <a class=\"glossaryLink\" style=\"box-sizing: inherit; background-color: transparent; color: #000000 !important; text-decoration: none !important; border-bottom-width: 1px !important; border-bottom-style: dotted !important; border-bottom-color: #000000 !important;\" href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/biodiversitaet\/\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"&lt;div class=glossaryItemTitle&gt;Biodiversit\u00e4t&lt;\/div&gt;&lt;div class=glossaryItemBody&gt;Biodiversit\u00e4t beschreibt die biologische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten auf der Erde. Darunter versteht man nicht nur die genetische Vielfalt innerhalb einer Spezies, sondern auch die H\u00e4ufigkeit ihres Vorkommens. Der Grad der Artenvielfalt h\u00e4ngt also einerseits davon ab, wie viele Insekten einer Art (bspw. Bienen) vorhanden sind und andererseits davon, wie viele Bienen es im Verh\u00e4ltnis zu anderen Insekten gibt. Das Artensterben verschiebt die Funktion der komplexen \u00d6kosysteme auf Land oder im Meer, die sich durch die Biodiversit\u00e4t entwickelt haben. Die Folgen des Aussterbens von Arten w\u00fcrden unsere komplexen \u00d6kosysteme ins Ungleichgewicht bringen, auch wenn die genauen Folgen vielfach nicht vorherzusehen sind. Im Sinne einer intakten und lebenswerten Umwelt sollte die Biodiversit\u00e4t gesch\u00fctzt werden.&lt;\/div&gt;\" data-gt-translate-attributes=\"[{&quot;attribute&quot;:&quot;data-cmtooltip&quot;, &quot;format&quot;:&quot;html&quot;}]\">Biodiversit\u00e4t<\/a> zu bewahren, doch die Politik hat bis jetzt keine Voraussetzungen daf\u00fcr geschaffen, dass die Unternehmen weiter wachsen k\u00f6nnen. Das ist ein Fehler.\u201c Auch hier habe das Umweltministerium Handlungsm\u00f6glichkeiten, schlie\u00dflich gebe es dort mit der Generaldirektion f\u00fcr Umwelt\u00f6konomie und -finanzierung eine eigene Abteilung f\u00fcr derartige F\u00f6rderungen. Dass Luis Marino als Abteilungsleiter k\u00fcrzlich ausgeschieden ist, bedauert sie sehr, denn er habe die Wichtigkeit solcher Prozesse erkannt.<\/p>\n<p><strong>Kreislaufwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Etablierung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft h\u00e4lt Mu\u00f1oz es f\u00fcr falsch, wenn die Regierung sich mit Auflagen zur\u00fcckh\u00e4lt aus Angst vor hohen Kosten f\u00fcr die Unternehmen, die sich nach der Pandemie wieder rasch erholen sollen. \u201eIm Gegenteil, die Kreislaufwirtschaft ist eine besondere Gelegenheit\u201c, sagt sie. Die M\u00fcllverwertung und die bessere Verzahnung von Herstellungsschritten w\u00fcrden die gesamte Produktionskette aufwerten, alles effizienter machen und auch f\u00fcr die Unternehmen einen Gewinn bedeuten. \u201eDer Staat k\u00f6nnte doch bei Corona-Neustarthilfen f\u00fcr Bem\u00fchungen im Bereich Kreislaufwirtschaft zus\u00e4tzliche F\u00f6rderungen ausweisen. Hier gab es einfach zu viel Stillstand, und jetzt besteht die Gelegenheit, da wieder anzusetzen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Treibhausgas-Emmission<\/strong><\/p>\n<p>Auch bei der Reduzierung des Co2-Aussto\u00dfes muss sich nach Ansicht von Mu\u00f1oz noch einiges bewegen: \u201eDie Elektromobilit\u00e4t muss weiter ausgebaut werden. Da sehe ich gute M\u00f6glichkeiten, aber es wurde zuletzt zu wenig getan. Da m\u00fcssen wir wieder weitermachen.\u201c Als Umweltministerin habe sie dahingehend auch schon mit dem Ministerium f\u00fcr Energie und Bergbau zusammengearbeitet.<\/p>\n<p>Ch\u00e1vez erinnert in dem Zusammenhang abermals an die Antrittsrede des Pr\u00e4sidenten, in der dieser eine Reduzierung des Treibhausgasaussto\u00dfes um 40% bis 2030 angek\u00fcndigt hatte. Dabei m\u00fcsse ber\u00fccksichtigt werden, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Emissionen nicht aus der Industrie kommt, sondern auf Abholzung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. \u201eUnd da sind wir wieder zur\u00fcck beim selben Problem\u201c, konstatiert er.<\/p>\n<p><strong>Staatliche Strukturen<\/strong><\/p>\n<p>Was die politische Handlungsf\u00e4higkeit angeht, kommt Ch\u00e1vez zu dem Schluss, es m\u00fcsse ein neues staatliches Instituts f\u00fcr Biodiversit\u00e4t gegr\u00fcndet werden, das dem Umweltministerium untersteht. Momentan gebe es nur eine Generaldirektion, die vom Haushalt des Umweltministeriums abh\u00e4ngig sei. \u201eWir brauchen daf\u00fcr aber eine eigenst\u00e4ndige Einheit wie die SERNANP oder die Nationalagentur f\u00fcr Meteorologie und Hydrologie (<em>Servicio Nacional de Meteorolog\u00eda e Hidrolog\u00eda<\/em>, <em>SENAMHI,<\/em> Anm. d. \u00dc.). Diese neue Einheit muss dann alle Kenntnisse zur Biodiversit\u00e4t b\u00fcndeln. Momentan ist das noch auf zu viele kleinere Einheiten verteilt\u201c, fasst er zusammen.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber eine Zusammenlegung der SERFOR mit dem Waldschutz-Programm (<em>Programa Nacional de Conservaci\u00f3n de Bosques<\/em>) m\u00fcsse nachgedacht werden. Denn die SERFOR untersteht dem Ministerium f\u00fcr landwirtschaftliche Entwicklung und Bew\u00e4sserung, das Waldschutz-Programm hingegen geh\u00f6rt zum Umweltministerium. \u201eWir brauchen eine Instanz, die sich mit einem ganzheitlichen Blick dem Waldschutz widmet. Wir brauchen eine einheitliche Strategie und eine einheitliche Politik\u201c, so Ch\u00e1vez abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung: Patrick Sch\u00fctz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor dem Jahreswechsel schauen viele Menschen noch mal auf das ausgehende Jahr zur\u00fcck und reflektieren ihre Erlebnisse. 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