{"id":1496274,"date":"2021-12-29T17:27:41","date_gmt":"2021-12-29T17:27:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1496274"},"modified":"2021-12-29T17:27:41","modified_gmt":"2021-12-29T17:27:41","slug":"europas-gift-in-alle-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/12\/europas-gift-in-alle-welt\/","title":{"rendered":"Europas Gift in alle Welt"},"content":{"rendered":"<p><em>Drei von vier Nutzpflanzen auf der Welt sind zumindest teilweise von Best\u00e4ubern wie dieser Biene abh\u00e4ngig.<\/em><\/p>\n<p><strong>Neonicotinoide sind in der EU und in der Schweiz verboten. Die Pestizid-Produzenten hindert das nicht, sie ausw\u00e4rts zu verkaufen.<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2013 ist die Verwendung der Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiametoxam in der EU eingeschr\u00e4nkt. Seit 2018 ist ihre Anwendung in der EU und in der Schweiz im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blw.admin.ch\/blw\/de\/home\/nachhaltige-produktion\/pflanzenschutz\/pflanzenschutzmittel.html\">Freiland<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.praxis-agrar.de\/tier\/bienen\/eu-weites-freilandverbot-fuer-neonicotinoide\">verboten<\/a>, weil sie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ble.de\/SharedDocs\/Meldungen\/DE\/2018\/180308_Neonicotinoide.html\">Best\u00e4uberinsekten schaden<\/a>. Dennoch verkaufen sich die in Europa produzierten Gifte bestens. Die EU-Staaten und Grossbritannien exportierten 2020 in nur vier Monaten 3800 Tonnen davon in alle Welt, fand eine Recherche von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.publiceye.ch\/de\/mediencorner\/medienmitteilungen\/detail\/syngenta-exportiert-tausende-tonnen-bienenkiller-pestizide-aus-der-europaeischen-union\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.publiceye.ch\/de\/mediencorner\/medienmitteilungen\/detail\/syngenta-exportiert-tausende-tonnen-bienenkiller-pestizide-aus-der-europaeischen-union\">\u00abPublic Eye\u00bb<\/a>\u00a0und \u00ab<a href=\"https:\/\/unearthed.greenpeace.org\/2021\/11\/18\/revealed-europe-and-the-uks-vast-shipments-of-banned-bee-killing-neonics\/\">Unearthed<\/a>\u00bb, dem Investigativteam von Greenpeace Grossbritannien.<\/p>\n<h2><strong>Gr\u00f6sster Abnehmer: Brasilien<\/strong><\/h2>\n<p>Die verbotenen Neonicotinoide erfreuten sich vor allem in L\u00e4ndern mit mittlerem und geringerem Einkommen grosser Beliebtheit. Allein die H\u00e4lfte der Neonicotinoid-Exporte ging nach Brasilien. Es folgen Russland, Ukraine, Argentinien, Iran, S\u00fcdafrika, Singapur, Indonesien, Ghana und Mali. L\u00e4nder, in denen viel Landwirtschaft betrieben wird und die deshalb eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der globalen Biodiversit\u00e4t spielen.<\/p>\n<p>Diese\u00a0<a href=\"https:\/\/docs.google.com\/spreadsheets\/d\/e\/2PACX-1vTRcLa7vTBiOhT5SaUfZzUOZLPQlPhWPUi-Ta8vpHLNLyEpi9f1sfp0f00bOV6nfJoNrGBAfNSPZ8R2\/pubhtml\">Daten<\/a> stammen aus Unterlagen der EU-Beh\u00f6rden, die die beiden Organisationen \u00fcber \u00d6ffentlichkeitsgesetze erlangt haben. Seit September 2020 m\u00fcssen Unternehmen, die Neonicotinoide exportieren, ihre Exporte bei der EU bekanntmachen. Vom 1. September bis zum 31. Dezember 2020 wurden demnach in nur vier Monaten 3900 Tonnen Neonicotiniode f\u00fcr den Export angemeldet. Daf\u00fcr stellte die EU 299 Genehmigungen aus.<\/p>\n<h2><strong>Drei Viertel der Exporte stammen von Syngenta<\/strong><\/h2>\n<p>Eine Menge, die laut Carla Hoinkes von \u00abPublic Eye\u00bb\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/monitor\/neonikotinoide-insektensterben-101.html\">ausreicht<\/a>, um Frankreichs Agrarfl\u00e4chen komplett zu spritzen. Der bedeutendste Hersteller dieser in Europa verbotenen \u00abNeonics\u00bb war das Schweizer Unternehmen Syngenta mit 3426 Tonnen Insektiziden, die laut \u00abPublic Eye\u00bb 551 Tonnen Thiametoxam enthielten, gefolgt von Bayer mit 137,5 Tonnen Imidacloprid- und Clothianidinprodukten und der BASF mit 95,5 Tonnen eines Clothainidin-Mittels.<\/p>\n<p>Produziert wurde unter anderem in Belgien, Frankreich und Grossbritannien \u2013 L\u00e4ndern, die es als erwiesen ansehen, dass Neonicotinoide Best\u00e4uber t\u00f6ten und die deren Nutzung erst eingeschr\u00e4nkt und dann weitgehend verboten haben.<\/p>\n<h2><strong>\u00abNovichok f\u00fcr Bienen\u00bb<\/strong><\/h2>\n<p>Neonics k\u00f6nnen jahrelang im Boden oder in den Pflanzen bleiben und ins Wasser gelangen. Der Kollateralschaden, den Neonics anrichteten, sei kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen, sagt Dave Goulson, ein Experte f\u00fcr die \u00d6kologie und den Schutz von Insekten, gegen\u00fcber \u00abUnearthed\u00bb. Der Wissenschaftler h\u00e4lt Neonicotinoide f\u00fcr \u00abdas \u00c4quivalent von Novichok f\u00fcr Bienen\u00bb. In Ghana und Kenia beispielsweise w\u00fcrden die best\u00e4ubenden Insekten rarer, Bauern m\u00fcssten ihre Pflanzungen teilweise\u00a0<a href=\"https:\/\/www.voanews.com\/a\/africa_kenyan-experts-pesticides-killing-bees-forcing-farmers-hand-pollinate\/6205159.html\">von Hand best\u00e4uben<\/a>.<\/p>\n<p>Auf Seiten der Importl\u00e4nder gebe es selten ausgefeilte Systeme zu Risikobewertung, sagt Layla Liebetrau, Projektleiterin der kenianischen Initiative \u00abRoute to Food\u00bb. Umweltsch\u00e4den so zu exportieren, sei ein globales ethisches Problem.<\/p>\n<h2><strong>Einzig Frankreich will Export verbieten<\/strong><\/h2>\n<p>Die meisten EU-L\u00e4nder scheint das nicht zu st\u00f6ren. Einzig Frankreich hat bisher angek\u00fcndigt, im eigenen Land verbotene Pestizide nicht mehr exportieren zu wollen. Der nach Belgien zweitgr\u00f6sste Exporteur von verbotenen Neonics hat bereits ein nationales Ausfuhrverbot verabschiedet, das Anfang 2022 in Kraft tritt.<\/p>\n<p>Ein Exportverbot in der EU w\u00e4re auch nicht notwendigerweise das Ende der Neonics. Anwender k\u00f6nnten sie alternativ in anderen Herstellerl\u00e4ndern kaufen, beispielsweise bei der australischen Firma NuFarm oder der indischen UPL.<\/p>\n<h2><strong>Die alte Leier von der ordnungsgem\u00e4ssen Anwendung<\/strong><\/h2>\n<p>Die Hersteller hingegen bestehen weiterhin darauf, das Neonicotinoide \u00abbei sachgem\u00e4sser Anwendung\u00bb sicher seien. \u00abDie blosse Tatsache, dass ein Pflanzenschutzmittel in der EU nicht zugelassen oder verboten ist, sagt nichts \u00fcber seine Sicherheit aus\u00bb, zitiert der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2021\/nov\/18\/bee-harming-pesticides-exported-from-eu-after-ban-on-outdoor-use\">\u00abGuardian\u00bb<\/a>\u00a0einen Sprecher des Bayer-Konzerns. Die vielen Nofallzulassungen der entsprechenden Pestizide spr\u00e4chen eine deutliche Sprache, sagte ein Sprecher von Syngenta.<\/p>\n<p>In Form von Nahrungsmitteln wie Mais, Soja und Mangos komme die chemische Last wieder zu uns zur\u00fcck, warnt die deutsche \u00abTagesschau\u00bb. Auch solche, von denen man es eigentlich gar nicht erwarte. \u00ab<a href=\"https:\/\/daslamm.ch\/unsere-maiskoelbchen-kommen-aus-indien-wieso\/\">Das Lamm<\/a>\u00bb publizierte beispielsweise im vergangenen Winter eine Recherche dar\u00fcber, wo die als Raclette-Beilage so beliebten Mini-Maisk\u00f6lbchen angebaut werden.<\/p>\n<h2><strong>Neonicotinoide sch\u00e4digen wom\u00f6glich auch Menschen<\/strong><\/h2>\n<p>Es gibt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5289916\/\">Hinweise<\/a>\u00a0darauf, dass Neonics nicht nur Insekten sch\u00e4digen. Imidacloprid, oder besser: ein Metabolit des Insektengifts, wirkt auch auf menschliche Nervenzellen, stellte die j\u00fcngste Studie fest. Selbst kleine Mengen k\u00f6nnten sich auf die Gehirnentwicklung von Un- und Neugeborenen auswirken, sagt der Hauptautor\u00a0<a href=\"https:\/\/kops.uni-konstanz.de\/handle\/123456789\/55278\">Marcel Leist<\/a>, der an der Universit\u00e4t Konstanz forscht.<\/p>\n<p>Mittelfristig \u00fcberlegt die EU, Exporte von in der EU verbotenen Pestiziden nicht nur zu stoppen, sondern auch den Import von Lebensmitteln, die verbotene Pestizide enthalten, einzuschr\u00e4nken oder zu verbieten. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist laut \u00abUnearthed\u00bb aber vor 2023 nicht zu erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei von vier Nutzpflanzen auf der Welt sind zumindest teilweise von Best\u00e4ubern wie dieser Biene abh\u00e4ngig. Neonicotinoide sind in der EU und in der Schweiz verboten. 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