{"id":1474287,"date":"2021-11-20T10:34:32","date_gmt":"2021-11-20T10:34:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1474287"},"modified":"2021-11-20T12:50:14","modified_gmt":"2021-11-20T12:50:14","slug":"ableismus-betrifft-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/11\/ableismus-betrifft-alle\/","title":{"rendered":"Ableismus betrifft alle"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn ich Leuten erz\u00e4hle, dass ich an einem Artikel \u00fcber Ableismus schreibe, fragen fast alle erstaunt nach und k\u00f6nnen nichts mit dem Wort anfangen. Dann erkl\u00e4re ich, dass es darum geht, dass Menschen aufgrund einer \u201eBehinderung\u201c (ein schwieriger Begriff) benachteiligt werden, weil Ability \u2013 verstanden als das Vorhandensein umfassender k\u00f6rperlich-geistig-seelischer F\u00e4higkeiten \u2013 als gesellschaftliche Norm dominant ist und alle Lebenswelten pr\u00e4gt. F\u00fcr die meisten scheint das ziemlich weit weg vom eigenen Alltag zu sein, dabei betrifft es viele, potenziell alle.<\/strong><\/p>\n<p>Fast 10 Prozent der Bev\u00f6lkerung in Deutschland haben einen Schwerbehindertenausweis, aber sehr viel mehr sind in manchen F\u00e4higkeiten mehr oder weniger eingeschr\u00e4nkt, ohne einen solchen Ausweis zu haben, denn f\u00fcr diesen ist ein \u201eGrad der Behinderung\u201c von mindestens 50 Prozent erforderlich. Vor vielen Jahren sagte mir mal eine Arbeitskollegin, sie w\u00fcrde keinen Schwerbehindertenausweis beantragen und verzichte damit auch auf zus\u00e4tzliche Urlaubstage, verbilligte Fahrkarten etc. Denn es seien in Deutschland schon einmal Menschen aufgrund ihrer Behinderung ermordet worden, sie wolle nicht solcherart registriert werden. Sie hatte Diabetes, eine verbreitete, aber nicht sichtbare Behinderung.<\/p>\n<p>Manche leben schon fr\u00fchzeitig oder von Geburt an mit Einschr\u00e4nkungen, bei anderen treten diese erst sp\u00e4ter auf. Eine dauerhafte oder vor\u00fcbergehende Behinderung kann nach einem Unfall oder nach einer Erkrankung jede*n jederzeit treffen. Manche Anfallsleiden kommen und gehen. Sp\u00e4testens beim \u00c4lterwerden, wenn die k\u00f6rperlichen Kr\u00e4fte nachlassen und so manches, was bisher selbstverst\u00e4ndlich war, nicht mehr so gut funktioniert, ist jede*r davon betroffen, dass in der Gesellschaft viel zu wenig R\u00fccksicht auf die besonderen Bed\u00fcrfnisse und Notwendigkeiten von Menschen mit Einschr\u00e4nkungen genommen wird. So genannte Behinderungen sind also \u2013 zumindest zu einem Teil \u2013 auch gesellschaftlich gemacht und Ergebnisse eines ableistischen, Menschen mit Einschr\u00e4nkungen ausgrenzenden sozialen und administrativen Umfelds.<\/p>\n<h3><strong>Das geht auch mich an<\/strong><\/h3>\n<p>Die Kolumne von Monty \u201e<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/unsichtbare-beeintraechtigungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unsichtbare Beeintr\u00e4chtigungen \u2013 Schwerh\u00f6rigkeit<\/a>\u201c (GWR 455, Januar 2021) hat mich ber\u00fchrt. Ich schreibe zu diesem Thema nicht sachlich-distanziert, frage mich ebenfalls, \u201ewie oft ich denn anderen Menschen \u2013 mit oder ohne Beeintr\u00e4chtigung \u2013 Unverst\u00e4ndnis oder Ungeduld entgegen bringe\u201c. Umgekehrt sp\u00fcre ich am eigenen Leibe, was es bedeutet, wenn nach und nach meine eigenen F\u00e4higkeiten nachlassen. Ich kann nicht mehr so schwere Sachen tragen, werde unbeweglicher, brauche eine Brille, H\u00f6rger\u00e4te, Zahnersatz \u2026 Mein Alltag erinnert mich t\u00e4glich daran, dass ich in einer Gesellschaft lebe, die es mir erm\u00f6glicht, diese nachlassenden F\u00e4higkeiten zumindest teilweise auszugleichen (und mir vieles mehr gibt, was die meisten Menschen auf dieser Welt nicht haben) \u2013 allerdings nur, weil ich krankenversichert bin (was viele auch hierzulande nicht sind) und solange ich in der Lage bin, die erforderlichen Zuzahlungen zu leisten. So gilt beispielsweise das Sehen anscheinend nicht als Grundrecht, denn seit vielen Jahren m\u00fcssen Brillen (mit wenigen Ausnahmen) komplett selbst bezahlt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr manches brauche ich Unterst\u00fctzung. Fr\u00fcher habe ich anderen geholfen, beispielsweise beim Umzug ihre Waschmaschine zu tragen. Um manches bitte ich heute meinen Sohn. Keine*r kommt ganz allein durchs Leben \u2013 das Verh\u00e4ltnis von gegenseitiger Hilfe, Leistungsanspr\u00fcchen und Markt w\u00e4re ein eigenes Thema. Mit seinem Satz \u201eWir m\u00fcssen endlich raus aus dem Leistungsdenken\u201c hat Monty einen wichtigen und vielschichtigen Punkt angesprochen, denn Ableismus und individualisierende Leistungsgesellschaft sind eng verwoben.<\/p>\n<p>Manchmal bleibe ich an S\u00e4tzen oder W\u00f6rtern h\u00e4ngen, die Fragen aufwerfen. So ging beispielsweise k\u00fcrzlich ein Aufruf zur Beteiligung an einem Zine \u00fcber eine Mailingliste: \u201eWir, das sind zwei wei\u00dfe queere Menschen, die Lust haben, euch und was euch empowert und bewegt kennen zu lernen. Und ihr seid BIPoC, be_hindert, refugees, queer, FINTA, dick und was es noch so alles sch\u00f6nes gibt. Ihr seid nicht cis, hetero, able-bodied, wei\u00df und ein Mann auf einmal (:\u201c. Diese Umkehrung gesellschaftlicher Normen hat mich \u00e4hnlich irritiert, wie wenn ich in WG-Anzeigen lese, dass sich Leute als \u201eable-bodied\u201c bezeichnen. Sie zeigen damit vielleicht, dass sie \u201eihre Privilegien gecheckt haben\u201c, wie es so sch\u00f6n hei\u00dft. Die individuelle Selbstbefragung und Positionierung hat ja heute einen gro\u00dfen Stellenwert, aber f\u00fchrt sie auch zu kollektiver Selbsterm\u00e4chtigung? Im sch\u00f6nen Kurzfilm \u201eWo Darwin falsch lag und was das mit einem Prinz zu tun hat\u201c vom Kollektiv BonBon Stimmung (einfach auf youtube suchen) geht es um das Aufeinander-Angewiesen-Sein, um gegenseitige Hilfe, und darum, dass es besser w\u00e4re, von \u201etemporarily able-bodied\u201c (TAB) zu sprechen.<\/p>\n<h3><strong>Gesund und leistungsf\u00e4hig?<\/strong><\/h3>\n<p>\u201eIn einem gesunden K\u00f6rper wohnt ein gesunder Geist\u201c ist einer der S\u00e4tze, die mich durch meine Kindheit begleitet haben. Damit wurde begr\u00fcndet, dass es wichtig sei, gesund zu essen und mit einer gesunden Lebensf\u00fchrung \u2013 frische Luft, Bewegung, kein Alkohol und keine Drogen \u2013 den \u201eNaturgesetzen\u201c entsprechend zu leben. Damals klingelte \u00f6fter ein Mann im <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/04\/rollstuhlfahren-gefaehrdet-ihre-justiz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rollstuhl<\/a> an unserer Gartent\u00fcr, und meine Eltern sprachen freundlich mit ihm, ohne ihn hereinzubitten. Er verkaufte Seife, und eines Tages schnappte ich auf, dass er deswegen im Rollstuhl sitze, weil er in einem fr\u00fcheren Leben \u201eschlechtes Karma\u201c auf sich geladen h\u00e4tte, indem er irgendein Unrecht begangen hatte. In dieser \u00dcberzeugung schien er sich mit meinen Eltern ganz einig zu sein.<\/p>\n<p>In unserer \u00d6kodorf-Gruppe Ende der 80er\/Anfang der 90er (mehr dazu in der Serie \u201e<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/11\/zwischen-panik-und-utopien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tr\u00e4ume und Versuche zu Wendezeiten<\/a>\u201c, GWR 443-445) war auch eine \u00e4ltere Frau, die Asthma hatte. Bei einer Diskussion \u00fcber Selbstversorgung sagte ein junger Mann ganz unverfroren zu ihr, dass sie ja wohl nicht f\u00fcr so ein Projekt geeignet sei, weil sie ja gar nicht mehr richtig mit anpacken k\u00f6nnte. Ich werde das nie vergessen, habe aber komplett verdr\u00e4ngt, ob ich oder irgendwer anderes darauf reagiert hat. Ich f\u00fcrchte, wir haben alle betreten geschwiegen.<\/p>\n<p>Zum \u201eCome Together\u201c-Gemeinschaftstreffen im Sommer 1994 in Gro\u00df-Ch\u00fcden (Vorl\u00e4uferprojekt des \u00d6kodorfs Sieben Linden) kam ein Vertreter der INWO (Initiative f\u00fcr Nat\u00fcrliche Wirtschaftsordnung) aus der Schweiz und versuchte, uns f\u00fcr deren Komplement\u00e4rw\u00e4hrung \u201eTalente\u201c zu gewinnen. Mich schreckte schon der Name ab, denn Wirtschaft wird von Menschen gemacht und ist nicht \u201enat\u00fcrlich\u201c. Talente hie\u00df die W\u00e4hrung, weil jede*r das Talent h\u00e4tte, anderen etwas zu geben, was dann mit dieser W\u00e4hrung verrechnet werden k\u00f6nnte. Auf meine Frage, was denn mit denen w\u00e4re, die zum Beispiel wegen einer Behinderung nicht so leistungsf\u00e4hig seien, meinte er, wer im Rollstuhl sitze, k\u00f6nne ja immer noch Zeit anbieten und anderen zuh\u00f6ren, wenn sie Probleme h\u00e4tten. Mich hat das nicht \u00fcberzeugt, denn was ist, wenn eine*r sich das alles gar nicht anh\u00f6ren m\u00f6chte? In der Kommunebewegung, und auch in manchen \u00d6kodorf-Gruppen, waren wir da schon weiter mit Diskussionen um die Entkoppelung von Lohn und Leistung. Diese Talente kamen mir vor wie ein Ersatzgeld ohne Utopie, mit dem auch noch die letzten Lebensbereiche monet\u00e4r verrechenbar gemacht werden sollten.<\/p>\n<h3><strong>Zum Beispiel Sprache<\/strong><\/h3>\n<p>Es gibt viele Barrieren, die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise einschr\u00e4nken und benachteiligen. Zum Beispiel sind Geh\u00f6rlose in vielen Lebenssituationen darauf angewiesen, dass ihnen ein*e Geb\u00e4rdendolmetscher*in zur Seite steht. Analphabet*innen k\u00f6nnen m\u00fcndlich, aber nicht schriftlich kommunizieren. Eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hat in den letzten Jahren auch die Wortwahl erfahren, wobei ich nicht einsch\u00e4tzen kann, wie viele Leute au\u00dferhalb politischer Bewegungen und intellektueller Szenen wirklich Interesse an Diskussionen \u00fcber Sprachwahl \u2013 beispielsweise ob es Fl\u00fcchtlinge oder Gefl\u00fcchtete hei\u00dfen soll \u2013 oder \u00fcber das Gendern haben.<\/p>\n<p>Sprache ist \u00fcberhaupt nicht egal, sondern steht in Wechselbeziehung zu gesellschaftlich dominanten \u00dcberzeugungen, Gewohnheiten und Machtverh\u00e4ltnissen. Insofern sehe ich einen zivilisatorischen Fortschritt darin, dass Frauen schon seit einigen Jahrzehnten, und andere Geschlechter seit einigen Jahren, aus der sprachlichen Unsichtbarkeit herausgetreten sind. Allerdings k\u00f6nnen rigide Sprachregelungen auch neue Barrieren bauen, wenn sie Leute verunsichern und verhindern, dass sie sich \u00fcberhaupt noch trauen zu sprechen oder zu schreiben.<\/p>\n<p>Schon das Gendern mit Binnen-I, Sternchen oder Unterstrich muss gelernt werden. Immerhin sind die Schriftzeichen eindeutig, ihr Einsatz allerdings nicht immer. Mit dem Doppelpunkt kann ich mich nicht anfreunden. Er hat in ein und demselben Text zwei unterschiedliche Bedeutungen, stammt \u2013 soweit ich das herausfinden konnte \u2013 nicht aus der queeren Community, und manche bevorzugen ihn wegen seiner Unauff\u00e4lligkeit \u2013 ich schreibe lieber laut und sichtbar. Wirklich barrierefrei ist weder gegenderte Schrift \u2013 bei der es Probleme mit Sprachprogrammen, aber auch mit dem kognitiven Verst\u00e4ndnis geben kann \u2013 noch das generische Maskulinum \u2013 mit dem nur ein Geschlecht angesprochen wird. Es gibt viele kluge Versuche, Kompromisse zu finden, aber viel zu oft scheint es schwer zu sein, fr\u00f6hlich und kreativ damit zu experimentieren. Ob Gendern oder nicht, beides kann St\u00fcrme der Emp\u00f6rung hervorrufen, und wer beim \u00e4lteren bin\u00e4ren weiblich-m\u00e4nnlichen Sprachgebrauch bleibt, riskiert, als transphob beschimpft zu werden.<\/p>\n<p>In politischen Zusammenh\u00e4ngen, wo solche Streitereien ausgetragen werden, sind diejenigen benachteiligt, die nicht \u00fcber elaborierte sprachliche F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen. Insofern w\u00fcrde ich auch die in solchen Konflikten aufscheinende intellektuelle \u00dcberheblichkeit als ableistisch bezeichnen. Jedoch gibt es ebenfalls Ans\u00e4tze in politischen Gruppen, Texte in einfacher Sprache zu verfassen, die von allen verstanden werden k\u00f6nnen. Der Deutschlandfunk bietet mit seinem Portal nachrichtenleicht.de Informationen in einfacher Sprache an. Der Name verwirrt, denn Leichte Sprache (als Eigenname gro\u00df geschrieben) ist etwas anderes. Sie richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten, hat eigene Regeln, und es gibt \u00dcbersetzer*innen daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Mit Corona hat sich nicht nur die Emp\u00f6rungskultur versch\u00e4rft, sondern auch die Ausgrenzung. Zum Beispiel beschneiden Masken die Kommunikation um wesentliche Teile, denn im pers\u00f6nlichen Kontakt z\u00e4hlen nicht nur die Worte, sondern ebenso die Mimik. Durch ihr Fehlen k\u00f6nnen Menschen, die psychisch beeintr\u00e4chtigt sind, schwerwiegend verunsichert werden. Wer schlecht h\u00f6rt, ist auch f\u00fcr das rein inhaltliche Verstehen darauf angewiesen, die Mundbewegungen des Gegen\u00fcbers zu sehen.<\/p>\n<h3><strong>Technische Errungenschaften und Abgr\u00fcnde<\/strong><\/h3>\n<p>F\u00fcr diejenigen, die aufgrund angeborener oder erworbener Erkrankungen oder nach einem Unfall nicht sprechen k\u00f6nnen, gibt es ausgefeilte technische Hilfsmittel. Wem es nicht m\u00f6glich ist, eine Tastatur zu bedienen, kann vielleicht mit Hilfe eines einfachen Kippschalters, einer Kopfmaus oder einer Augensteuerung einen PC oder eine Sprachausgabe bedienen. Jedoch braucht das Gegen\u00fcber Geduld, denn eine solche Kommunikation ist langsamer, als es Sprechende gew\u00f6hnt sind.<\/p>\n<p>Auch Prothesen werden heute mit digitaler beziehungsweise bionischer Steuerung hergestellt, das hei\u00dft, sie werden so mit dem K\u00f6rper verbunden, dass sie Nervenimpulse aufnehmen und Signale an das Nervensystem und damit ins Gehirn r\u00fcckkoppeln k\u00f6nnen. Cochlea-Implantate k\u00f6nnen das H\u00f6ren erm\u00f6glichen, Implantate f\u00fcr die Sehf\u00e4higkeit sind in der Erprobung, teils kombiniert mit Gentechnik. Sportler*innen mit Beinprothesen k\u00f6nnen schon h\u00f6here Leistungen erzielen als Nichtbehinderte. So hilfreich diese Hilfsmittel sind, kann doch der Ausgleich von Behinderungen zum Einfallstor f\u00fcr transhumanistische Ideen von Cyborgs mit \u00fcbermenschlichen F\u00e4higkeiten werden. Das geht in eine vollkommen andere Richtung als der Abbau ableistischer gesellschaftlicher Barrieren.<\/p>\n<p>Das Bild vom allzeit leistungsf\u00e4higen, perfekten Menschen l\u00e4sst keinen Raum f\u00fcr das Individuelle, sondern \u00e4hnelt eher einer Industrienorm, im Idealfall mit Null-Fehler-Toleranz. Die genetische Pr\u00e4nataldiagnostik zur Erkennung von Erbkrankheiten ist auch ein Schritt in diese Richtung. Statt ein gesellschaftliches Umfeld zu schaffen, in dem verschiedenste Menschen mit ihren unterschiedlichen F\u00e4higkeiten und Einschr\u00e4nkungen gut leben k\u00f6nnen, bleibt es den Einzelnen \u00fcberlassen, sich um ihr individuelles Funktionieren zu k\u00fcmmern, ganz im Sinne der neoliberalen Eigenverantwortungs-Ideologie.<\/p>\n<p>Dieser Druck, funktionieren zu m\u00fcssen, lastet auf allen, ganz unabh\u00e4ngig von ihren Abilities. Allerdings gibt es verschiedene Arten von Betroffenheit und daraus sich ergebende unterschiedliche Notwendigkeiten. Die duale Zuschreibung \u2013 able: ja oder nein \u2013 verschleiert diese Vielfalt und folgt eher der technokratischen 0-1-0-1-Digitalwelt. Es w\u00e4re wahrscheinlich f\u00fcr alle befreiend, repressive Menschenbilder mit radikaler Subjektivit\u00e4t zu verjagen und auf Genuss und Lebensfreude statt Leistung zu setzen. Aber das ist leichter gesagt als getan.<\/p>\n<p><strong><em>Erstver\u00f6ffentlichung bei <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/10\/Ableismus-betrifft-alle\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Graswurzel Revolution<\/a> am 26.10.2021<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich Leuten erz\u00e4hle, dass ich an einem Artikel \u00fcber Ableismus schreibe, fragen fast alle erstaunt nach und k\u00f6nnen nichts mit dem Wort anfangen. 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