{"id":1470544,"date":"2021-11-15T07:55:31","date_gmt":"2021-11-15T07:55:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1470544"},"modified":"2021-11-15T07:55:31","modified_gmt":"2021-11-15T07:55:31","slug":"the-great-reset-der-grosse-neuanfang-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/11\/the-great-reset-der-grosse-neuanfang-des-kapitalismus\/","title":{"rendered":"The Great Reset: Der gro\u00dfe Neuanfang des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p>Die im Januar 2021 auf dem Weltwirtschaftsforum offizielle gestartete \u00bbInitiative des sogenannten \u201eGreat Reset\u201c st\u00fctzt sich auf die Vision und das enorme Fachwissen der in den Gemeinschaften des Forums engagierten F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten und hat eine Reihe von Dimensionen, um einen neuen Gesellschaftsvertrag zu schaffen, der die W\u00fcrde jedes Menschen achtet.\u00ab (1)<\/p>\n<p><strong>Klaus Schwab, der Gr\u00fcnder und gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums, charakterisiert die Initiative folgenderma\u00dfen:<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"has-background\">\u00bbCOVID-19 hat unseren \u00dcbergang in das Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution beschleunigt. Wir m\u00fcssen sicherstellen, dass die neuen Technologien in der digitalen, biologischen und physischen Welt weiterhin den Menschen in den Mittelpunkt stellen und der Gesellschaft als Ganzes dienen, indem sie allen einen fairen Zugang erm\u00f6glichen \u2026 Diese globale Pandemie hat auch wieder gezeigt, wie sehr wir miteinander vernetzt sind. Wir m\u00fcssen ein funktionierendes System intelligenter globaler Zusammenarbeit wiederherstellen, das strukturiert ist, um die Herausforderungen der n\u00e4chsten 50 Jahre zu bew\u00e4ltigen. Der \u201eGreat Reset\u201c wird von uns verlangen, alle Stakeholder der globalen Gesellschaft in eine Gemeinschaft mit gemeinsamen Interessen, Zielen und Handlungen zu integrieren \u2026 Wir brauchen ein Umdenken, den \u00dcbergang vom kurzfristigen zum langfristigen Denken, den \u00dcbergang vom Aktion\u00e4rskapitalismus zur Verantwortung der Stakeholder. \u00d6kologische, soziale und Good Governance m\u00fcssen ein angemessener Teil der Rechenschaftspflicht von Unternehmen und Regierungen darstellen.\u00ab (2)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Gegen die sch\u00f6ne Vorstellung dieser Initiative l\u00e4sst sich Folgendes einwenden:<\/p>\n<p><strong>1. Der Kapitalismus treibt den technischen Fortschritt voran, indem er zugleich die Quellen allen Reichtums untergr\u00e4bt: die Erde und den Arbeiter<\/strong>.<\/p>\n<p>Dass der Mensch keine Ware sein soll, unterschreibt noch jeder. Auch das Gesundheitswesen wollen viele nicht den\u00a0<a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2021\/09\/06\/einordnung-gute-arbeit-und-das-diktat-des-mehrwerts\/\">privatwirtschaftlichen Kalkulationen<\/a>\u00a0\u00fcberlassen. In diesem Zusammenhang ist durchaus bekannt, dass das Streben nach Profit im Gegensatz zur Versorgung steht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im praktischen Leben Konsens darin besteht, dass es unsinnig ist, ein Ziel anzustreben, indem man einen dem Ziel entgegengesetzten Zweck verfolgt, ist aber genau dieser Widerspruch die Leitlinie der marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung. Anstelle von Kooperation soll in der Marktwirtschaft die Konkurrenz wie mit einer unsichtbaren Hand bewirken, dass der Zweck der privaten Bereicherung allen im Sinne einer optimalen Versorgung zugutekommt.<\/p>\n<p>Die Unsinnigkeit dieser Vorstellung, \u00fcber das Streben nach Profit lie\u00dfe sich der Wohlstand f\u00fcr die Gemeinschaft verwirklichen, wird augenf\u00e4llig, wenn man einen Blick auf das soziale Elend wirft, dass die Geschichte der marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung begleitet. Unterern\u00e4hrung, kein Zugang zu sauberem Wasser, bittere Armut und elende Arbeitsbedingungen sind trotz der Wunder der Technik des 21. Jahrhunderts f\u00fcr Milliarden von Menschen zur Normalit\u00e4t der globalisierten Marktwirtschaft geworden.<\/p>\n<p><strong>Jahr f\u00fcr Jahr fliehen Millionen in Richtung der in der marktwirtschaftlichen Konkurrenz erfolgreichen L\u00e4nder, in denen Kinderarmut und Altersarmut auch keine Fremdworte sind. Parallel zur gesellschaftlichen Spaltung in arm und reich nimmt ebenso die Zerst\u00f6rung der Umwelt immer bedrohliche Ausma\u00dfe an.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2018\/05\/07\/karl-marx-lesen-sie-das-original\/\">Karl Marx<\/a>\u00a0hat \u00fcber die wissenschaftliche Analyse von Ware, Geld und Kapital die Grundlagen und Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisses offengelegt. Er hat gezeigt, dass die Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine fortw\u00e4hrende Steigerung des in einem Unternehmen angelegten Kapitals zur Notwendigkeit macht, und dass die Konkurrenz jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als \u00e4u\u00dfere Zwangsgesetze auf herrscht. Die Konkurrenz zwingt ihn, sein Kapital r\u00fccksichtslos gegen den Arbeiter und die Natur auszudehnen, um es zu erhalten.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber verweisen die Anh\u00e4nger der Marktwirtschaft gerne auf den technischen Fortschritt, der beginnend mit der industriellen Revolution innerhalb von 150 Jahren unermesslichen Reichtum erm\u00f6glicht hat. Entgegen weit verbreiteter Ansicht ist dieser jedoch keineswegs die besondere Leistung der kapitalistischen Konkurrenz.<\/p>\n<p>Der technische Fortschritt ist ein Resultat des menschlichen Verstandes und der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Wo der Gewinn der Ma\u00dfstab der Produktion ist, kommt technischer Fortschritt nur dort zustande, wo er sich in lohnende Gesch\u00e4fte umsetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Bezogen auf diesen Ma\u00dfstab sind die Arbeiter und die Natur lediglich Kostenfaktoren in der Investitionsrechnung, ebenso wie die Produkte nur in Hinblick auf die Zahlungsf\u00e4higkeit der Bev\u00f6lkerung entwickelt werden. R\u00fccksichtnahme auf die Arbeits- und Umweltbedingungen, auf die Gesundheit und Versorgung der Bev\u00f6lkerung ist in der am Ma\u00dfstab der Gewinnerzielung ausgerichteten Kalkulation ein Hindernis f\u00fcr den technischen Fortschritt. Das kapitalistische Produktionsverh\u00e4ltnis ist lediglich die Form, in der technischer Fortschritt in der Konkurrenz um die Marktanteile r\u00fccksichtslos gegen den Arbeiter und die Natur vorangetrieben wird.<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"has-background\">\u00bbDie kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergr\u00e4bt: die Erde und den Arbeiter.\u00ab (3)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>2. Der b\u00fcrgerliche Staat begrenzt und reguliert die Sch\u00e4digungen an Mensch und Umwelt, um das kapitalistische Produktionsverh\u00e4ltnis, das die Sch\u00e4digungen verursacht, zu erhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Dass es in der zweihundertj\u00e4hrigen Geschichte des Kapitalismus nicht dazu gekommen ist, die Quellen alles Reichtums zu zerst\u00f6ren, ist das Verdienst des b\u00fcrgerlichen Staates. Der\u00a0<a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2017\/10\/11\/realitaet-und-perspektive-teil-2-was-ist-der-moderne-staat\/\">b\u00fcrgerliche Staat<\/a>\u00a0ist nicht parteilich f\u00fcr den individuellen Erfolg einzelner Kapitalisten, sondern interessiert am Erfolg seiner Wirtschaftsordnung. Er ist die von den B\u00fcrgern getrennte selbstst\u00e4ndige Instanz, die mit keinem besonderen Interesse identisch ist und nur deswegen von allen anerkannte Gewalt, weil er das sogenannte Gemeinwohl als \u00fcbergeordnetes staatliches Interesse gegen die Privatsubjekte durchsetzt.<\/p>\n<p>Indem er im Unterschied zum absolutistischen Staat allen seinen Untertanen die Grundrechte von Freiheit und Gleichheit sowie das Recht auf Eigentum garantiert, verpflichtet er alle B\u00fcrger auf die Austragung der \u00f6konomischen Konkurrenz, deren grunds\u00e4tzliches Resultat von vornherein feststeht: die gleiche Behandlung der mit unterschiedlichen Mitteln ausgestatteten Marktteilnehmer f\u00fchrt notwendig dazu, dass die Ungleichheit fortbesteht und w\u00e4chst, zum Vorteil der Produktionsmittelbesitzer und zum bleibenden Nachteil der Mehrheit der mittellosen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Der Nutzen der durch das staatliche Gewaltmonopol gesch\u00fctzten Freiheit des Eigentums liegt in der Konkurrenz um das Eigentum an Produktionsmitteln damit ganz bei den Erfolgreichen. Die Scheidung von Lohnarbeit und Kapital vollzieht in diesem gewaltsamen Ausschlussverh\u00e4ltnis allein die freie Konkurrenz auf dem Markt.<\/p>\n<p><strong>Indem der b\u00fcrgerliche Staat seine Gewalt zum Schutz von Person und Eigentum einsetzt, stellt er zugleich sicher, dass die Konkurrenz zwischen den gegens\u00e4tzlichen Interessen in der Gesellschaft ohne Gewalt ausgetragen wird, das hei\u00dft, dass von keiner Seite \u00dcbergriffe auf die Person und das ihr geh\u00f6rige Eigentum stattfinden.<\/strong><\/p>\n<p>So bekommt der Verk\u00e4ufer ein Recht auf sein Geld und der K\u00e4ufer auf die ordnungsgem\u00e4\u00dfe Ware, der Arbeitgeber auf Arbeitsleistung und -produkt und der Arbeitnehmer auf seinen Lohn und den gesetzlichen Arbeitsschutz.<\/p>\n<p>Im Sinne der kapitalistischen Wirtschaftsordnung \u00fcbernimmt der b\u00fcrgerliche Staat damit die Aufgabe, den Eigent\u00fcmern der Produktionsmittel die allgemeinen Voraussetzungen ihrer Konkurrenz bereitzustellen (Gesetzgebung, Rechtsprechung inklusive der polizeilichen bzw. milit\u00e4rischen Durchsetzung sowie allgemeine Infrastrukturleistungen einschlie\u00dflich der Wissenschaft) und sorgt als Sozialstaat zugleich auch f\u00fcr die Erhaltung der Klasse, die \u00fcber keine eigenen Produktionsmittel verf\u00fcgt, damit sie als Mittel des Eigentums tauglich bleibt (Gesundheits- und Bildungswesen sowie Zwangsversicherungen gegen die vollst\u00e4ndige Mittellosigkeit durch Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter).<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber den kapitalistischen Interessen, die die Arbeitskr\u00e4fte und die Natur in ihrer Konkurrenz r\u00fccksichtslos ausbeuten, setzt der b\u00fcrgerliche Staat so \u00bbden Standpunkt durch, dass bei deren Benutzung sowohl auf Nachhaltigkeit der Ressource Arbeitskraft zu achten ist, wie die Interessen zu wahren sind, die den Fortbestand der gesamten Gesellschaft betreffen. Das \u201eRecht der Allgemeinheit\u201c beinhaltet also die \u201eVernunft\u201c, die zum Fortbestand dieser kapitalistischen Gesellschaft n\u00f6tig ist und die die kapitalistischen Unternehmer in ihrer Konkurrenz um Gewinn nicht aufbringen (k\u00f6nnen).\u00ab (4)<\/p>\n<p><strong>3. Aufgrund der infolge der kapitalistischen Wirtschaftskrisen zunehmenden Finanznot leistet sich der b\u00fcrgerliche Staat den Widerspruch, die f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Kapitalismus erforderlichen Staatsfunktionen in einem immer gr\u00f6\u00dferen Umfang zu privatisieren.<\/strong><\/p>\n<p>Die kapitalistische Wirtschaftskrise ist eine eigenartige Krise! Alle materiellen Reicht\u00fcmer und Produktionsmittel sind in ihr unver\u00e4ndert vorhanden und dennoch w\u00e4chst die Verarmung der Bev\u00f6lkerung bis hin zur Massenverelendung.<\/p>\n<p>Der Grund ist keine Naturkatastrophe. Der physische Reichtum der Gesellschaft wurde in der kapitalistischen Krise nicht vernichtet. Es wurde nicht zu wenig produziert, sondern im Verh\u00e4ltnis zur Zahlungsf\u00e4higkeit der Bev\u00f6lkerung zu viel. Die Wirtschaft leidet nicht an einem Mangel an Produktionspotenzial, sondern an \u00dcberkapazit\u00e4ten. \u00dcberkapazit\u00e4ten \u2013 zu viel Reichtum \u2013 ist das Ph\u00e4nomen kapitalistischer Wirtschaftskrisen, in der die Einkommensverh\u00e4ltnisse in Widerspruch zur Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte geraten.<\/p>\n<p>In der kapitalistischen Eigentumsordnung, in der nicht die Bed\u00fcrfnisse der Individuen und nicht die Existenz der Produktionsmittel entscheidend sind, sondern die individuelle Zahlungsf\u00e4higkeit und die Aussicht auf ein lohnendes Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Produktionsmittelbesitzer, bewirkt zus\u00e4tzliche Zahlungsf\u00e4higkeit die Anwendung der ohne diese Zahlungsf\u00e4higkeit brachliegenden privatisierten Produktionsmittel.<\/p>\n<p><strong>Mehr zur Verf\u00fcgung stehendes Geld und damit mehr Zahlungsf\u00e4higkeit bedeutet in der Marktwirtschaft mehr Wachstumspotenzial, weniger Geld reduziert das Wachstumspotenzial.<\/strong><\/p>\n<p>Das im Kreditvertrag zum Ausdruck kommende Zahlungsversprechen ist in der Marktwirtschaft das entscheidende Wundermittel, um die die gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte begrenzenden Einkommensverh\u00e4ltnisse zeitweilig zu \u00fcberwinden, d. h. um \u00fcber die Grenzen der real erwirtschafteten Einkommen hinaus das f\u00fcr den Kapitalismus notwendige Wachstum zu finanzieren.<\/p>\n<p>Privatisierte Produktionsmittel, die ohne Zahlungsf\u00e4higkeit brachliegen, werden \u00fcber eine aus dem Vertrauen in die Kreditw\u00fcrdigkeit gesch\u00f6pfte Zahlungsf\u00e4higkeit in Bewegung gesetzt. Mit einer im Prinzip endlosen Kette von Zahlungsversprechen lassen sich so Wirtschaftsaktivit\u00e4ten und Verm\u00f6genswerte erzeugen, f\u00fcr die es ohne die kreditierte Zahlungsf\u00e4higkeit keinen marktwirtschaftlichen Grund gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Dieser\u00a0<em>gesellschaftliche<\/em>\u00a0Irrsinn \u2013 die Produktion wird nicht \u00fcber die Bed\u00fcrfnisse und arbeitsteiligen F\u00e4higkeiten der Gesellschaftsmitglieder und die von ihnen entwickelten Produktivkr\u00e4fte bestimmt, sondern \u00fcber die f\u00fcr das lohnende Privatgesch\u00e4ft vorhandenen Zahlungsf\u00e4higkeit \u2013 bleibt nicht ohne Folgen. Nicht nur in der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, sondern ebenso in Hinblick auf die kapitalistische Wirtschaftskrise, in der pl\u00f6tzlich zu viel Reichtum im Verh\u00e4ltnis zur vorhandenen Zahlungsf\u00e4higkeit den Ruin der Gesellschaft bedeutet.<\/p>\n<p>Der Widerspruch, dass die \u00bbArbeitnehmer\u00ab erst Geld verdienen m\u00fcssen, bevor sie kaufen k\u00f6nnen, und die \u00bbArbeitgeber\u00ab nur dann Arbeitskr\u00e4fte kaufen, wenn f\u00fcr sie Aussicht auf erfolgreichen Verkauf besteht, l\u00e4sst sich zwar zeitweilig im Sinne des Aufschwungs mithilfe von Zahlungsversprechen aufl\u00f6sen. Letztlich steht und f\u00e4llt der \u00fcber die Kreditgeldsch\u00f6pfung befl\u00fcgelte Aufschwung jedoch mit dem Vertrauen in das zuk\u00fcnftige Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Die Spekulation auf zuk\u00fcnftig erfolgreiche Gesch\u00e4fte muss sich, wenn auch zeitversetzt, immer wieder als real erweisen, sonst wachsen in der Tat nur die Schulden, und der Reichtum, den sie versprechen und verbuchen, wird zunehmend illusion\u00e4r. Kommt es zu einem sich verallgemeinernden Vertrauensverlust in den zuk\u00fcnftigen Gesch\u00e4ftserfolg, will pl\u00f6tzlich jeder Geld statt Kredit sehen, und da im Kapitalismus die Gleichung gilt: ohne Geld keine Zahlungsf\u00e4higkeit, ohne Zahlungsf\u00e4higkeit kein Gesch\u00e4ft, ohne Gesch\u00e4ftsaussichten keine Produktion, werden selbst vorhandene Produktionskapazit\u00e4ten stillgelegt und die Verarmung der Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst neben \u00dcberkapazit\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong>Faule Kredite mit staatlichen Garantien st\u00fctzen und neue Kredite f\u00f6rdern, ist das widerspr\u00fcchliche und zugleich alternativlose wirtschaftspolitische Programm, mit dem im Rahmen der kapitalistischen Eigentumsordnung die Krise \u00fcberwunden werden kann, \u00bbindem zugleich allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert werden.\u00ab (5)<\/strong><\/p>\n<p>In Zuge der Krisen der letzten Jahrzehnte stieg so die weltweite Verschuldung im Verh\u00e4ltnis zur Wirtschaftsleistung stetig an und f\u00fchrte im Anschluss an die globale Finanzkrise von 2009 dazu, dass selbst L\u00e4nder wie Italien und Spanien an den Rand des Staatsbankrotts gerieten.<\/p>\n<p>Um den in diesem Zusammenhang drohenden Zusammenbruch des globalen Finanzsystems zu verhindern, testet die Geldpolitik in einigen Staaten bereits bis zu dem Punkt des bisher Undenkbaren die \u00e4u\u00dfersten Grenzen ihrer makro\u00f6konomischen Politik, indem sie \u00fcber ihre Zentralbanken mit\u00a0<a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2020\/07\/25\/weltwirtschaftskrise-und-geld-aus-dem-nichts\/\">selbst gesch\u00f6pften Geld<\/a>\u00a0im gro\u00dfen Stil als Anleihek\u00e4ufer auftritt, um mit den dar\u00fcber durchgesetzten Niedrigzinsen die f\u00fcr das kapitalistische Wirtschaftsleben existenzielle Liquidit\u00e4t aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Bereits seit Ende der Siebzigerjahre gelingt es infolge dieser Entwicklung selbst in den meisten erfolgreichen kapitalistischen Nationen nicht mehr, die regulierenden Staatsfunktionen aus den \u00dcbersch\u00fcssen ihrer Wirtschaft zu finanzieren.<\/p>\n<p>Parallel zum kontinuierlichen Schuldenaufbau ist die umfassende Privatisierung klassischer Staatsfunktionen daher zum erforderlichen Mittel der Haushaltssanierung geworden. Angefangen bei der Privatisierung grundlegender Infrastrukturleistungen \u00fcber das Bildungs- und Gesundheitswesen bis zur Wissenschaft, die inzwischen ihre Mittel zu gro\u00dfen Teilen \u00fcber private Auftraggeber akquirieren muss, w\u00e4chst so auch bezogen auf das \u201eGemeinwohl\u201c, das als \u00fcbergeordnetes staatliches Interesse gegen die Privatsubjekte durchgesetzt werden muss, der Einfluss privatwirtschaftlicher Interessen. (6)<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein aktuelles Beispiel f\u00fcr die Interessenkonflikte, die aus der Kombination von staatlicher Finanznot auf der einen Seite und der Finanzmacht multinationaler Konzerne auf der anderen Seite erwachsen.<\/p>\n<p>Die 1948 zun\u00e4chst auf der Grundlage der Pflichtbeitr\u00e4ge der Mitgliedstaaten gegr\u00fcndete WHO finanziert ihre Projekte inzwischen zu wesentlichen Teilen \u00fcber Spenden privater Stiftungen, die wiederum an den Konzernen der Pharmaindustrie beteiligt sind, die \u00fcber die zum gro\u00dfen Teil zweckgebundenen Spenden im Rahmen von \u00f6ffentlich-privaten Partnerschaften von diesen Projekten profitieren.<\/p>\n<p><strong>4. Das Corona-Virus trifft angefangen bei der Nahrungsmittelindustrie \u00fcber die Pharmaindustrie, das Gesundheitswesen und die Altenpflege bis hin zur Wissenschaft auf eine an marktwirtschaftlichen Kriterien ausgerichtete Gesellschaft.<\/strong><\/p>\n<p>Von der Massentierhaltung \u00fcber sch\u00e4dliche Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln bis zu ungesunden Arbeitsbedingungen und Umwelteinfl\u00fcssen f\u00f6rdert die am Gewinn orientierte Marktwirtschaft diverse Krankheiten, die wiederum die Grundlage f\u00fcr das Gesch\u00e4ft des privatisierten Gesundheitswesens bilden.<\/p>\n<p>Wer beispielsweise nach einem naturwissenschaftlichen Studium in der Produktentwicklung der Pharmaindustrie ins Berufsleben einsteigt, dem wird sp\u00e4testens hier sofort beigebracht, dass nicht die\u00a0<em>Funktionalit\u00e4t<\/em>\u00a0der verschiedenen Produkte, sondern ihr\u00a0<em>Wert<\/em>\u00a0der entscheidende Ma\u00dfstab f\u00fcr die Produktentwicklung ist. Er muss also lernen, dass Gebrauchsgegenst\u00e4nde als\u00a0<em>Waren<\/em>\u00a0einen Doppelcharakter bekommen. Sie sind n\u00fctzliche Gegenst\u00e4nde\u00a0<em>und<\/em>\u00a0Werte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend arbeitsteilig organisierte Arbeit zun\u00e4chst nichts anderes als verschiedene Quantit\u00e4ten und Qualit\u00e4ten von Gebrauchsgegenst\u00e4nden erzeugt, kommt \u00fcber das Eigentumsverh\u00e4ltnis parallel zum konkreten Gebrauchsgegenstand der Tauschwert in die Welt und damit der in der Marktwirtschaft an den Gebrauchsgegenstand herangetragene Ma\u00dfstab seiner Verkaufbarkeit.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die in keinem unmittelbar kooperativen gesellschaftlichen Zusammenhang stehenden Eigent\u00fcmer von Produktionsmitteln interessieren die produzierten Gebrauchsgegenst\u00e4nde nur als Tr\u00e4ger des Tauschwerts. In der Warenproduktion wird folglich die konkrete Beschaffenheit des Gebrauchsgegenstandes degradiert zum blo\u00dfen Mittel f\u00fcr den Verkauf.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Forscher und Entwickler in den produzierenden Betrieben sind die Folgen dieser gegen\u00fcber ihrem naturwissenschaftlichen Studium ge\u00e4nderten Zwecksetzung alles andere als unerheblich. Ihre Aufgabe besteht in einer warenproduzierenden Gesellschaft darin, verschiedene Sorten\u00a0<em>verkaufbarer<\/em>\u00a0Waren zu entwickeln: billige und teure, qualitative hochwertige und minderwertige, gesunde und ungesunde.<\/p>\n<p>W\u00e4re der Zweck die gesellschaftliche Bed\u00fcrfnisbefriedigung anstelle der privaten Bereicherung, w\u00fcrde niemand auf so einen Unsinn kommen. Als Mittel f\u00fcr den Verkauf wird dagegen zweckm\u00e4\u00dfig kalkuliert. Die Qualit\u00e4t der Waren l\u00e4sst sich auf vielf\u00e4ltige Weise verkaufsgerecht modifizieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr das privatisierte Gesundheitswesen ist es in der Marktwirtschaft zweckm\u00e4\u00dfig, sich auf die Symptombehandlung zu konzentrieren, statt einen Beitrag zur \u00dcberwindung der Krankheitsursachen zu liefern. Die Konkurrenz um den Gesch\u00e4ftserfolg gibt vor, wo sich Forschungs- und Entwicklungsaufwand lohnt und wo nicht.<\/p>\n<p><strong>Der Zweck der Produktion ist also alles andere als unerheblich f\u00fcr das Resultat und keineswegs lediglich ein geschickter Umweg zum gleichen Ziel.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wenn in einer warenproduzierenden Gesellschaft Anti-Aging-Salben anders als Medikamente gegen Tropenkrankheiten auf eine\u00a0<em>zahlungsf\u00e4hige<\/em>\u00a0Nachfrage sto\u00dfen, ist es marktwirtschaftlich unsinnig,\u00a0<em>wertlose<\/em>\u00a0Tabletten gegen irgendwelche Durchfallerkrankungen zu entwickeln.<\/li>\n<li>Wenn sich Lebensmittel mit diversen chemischen Geschmacks- und Farbstoffen erfolgreich vermarkten lassen, ist es marktwirtschaftlich unsinnig, vitaminhaltigere und damit ges\u00fcndere, aber gemessen am Ma\u00dfstab der Verkaufbarkeit eventuell\u00a0<em>wertlose<\/em>\u00a0Lebensmittel zu produzieren.<\/li>\n<li>Wenn in\u00a0<a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2021\/11\/11\/afrika-ein-kontinent-als-beute-marokko-ein-armenhaus-von-der-eu-produziert\/\">Afrika<\/a>\u00a0die Produktion von Schnittblumen f\u00fcr den Export lukrativ ist, ist es marktwirtschaftlich unsinnig,\u00a0<em>wertloses<\/em>\u00a0Getreide f\u00fcr die zahlungsunf\u00e4hige lokale Bev\u00f6lkerung anzupflanzen.<\/li>\n<li>Wenn sich die Lebensdauer der Produkte bezogen auf die von der Konkurrenz gebotene Garantiezeit begrenzen l\u00e4sst, ist es marktwirtschaftlich unsinnig,\u00a0<em>wertlosen<\/em>\u00a0Aufwand in eine bessere Produktqualit\u00e4t zu investieren.<\/li>\n<li>Wenn sich gentechnisch ver\u00e4ndertes Saatgut patentieren l\u00e4sst, ist es marktwirtschaftlich unsinnig, den Bauern selbst vermehrbares Saatgut zu \u00fcberlassen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was gemessen am Ma\u00dfstab der Versorgung der Menschen v\u00f6llig unsinnig ist, kann gemessen am Ma\u00dfstab der Wertproduktion durchaus vern\u00fcnftig sein. In einer warenproduzierenden Gesellschaft wird in diesem Sinne vorhandenes Wissen um die erforderlichen Produktionsverfahren patentrechtlich gegen seine Verbreitung und Anwendung durch andere gesch\u00fctzt. Selbst in einer Pandemie k\u00f6nnen daher Impfstoffe oder Medikamente nicht einfach allen Menschen zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<\/p>\n<p><strong>In einer Gesellschaftsform, in der nicht miteinander auf der Grundlage gemeinsamer Produktionsmittel, sondern gegeneinander als konkurrierende Privateigent\u00fcmer produziert wird, w\u00e4re die kostenlose Weitergabe von Ergebnissen der privaten Forschungsarbeiten in der Tat der sichere Ruin des einzelnen Produzenten.<\/strong><\/p>\n<p>Geistiges Eigentum \u2013 andere vom vorhandenen Wissen gewaltsam auszuschlie\u00dfen \u2013 gilt in einer am Ma\u00dfstab der Wertproduktion ausgerichteten warenproduzierenden Gesellschaft daher auch nicht als asozial, sondern schlicht als notwendig. Marktwirtschaft funktioniert nicht ohne Copyright.<\/p>\n<p>Die marktwirtschaftliche Konkurrenz funktioniert auch nicht ohne Werbung und umfangreiche Verkaufsorganisationen. Dass es in der schillernden Marketing- und Werbebranche nicht um die Bereitstellung n\u00fctzlicher Informationen geht, ist kein Geheimnis. Sonst w\u00fcrde nicht an mehr als jedem zweiten Briefkasten \u00bbBitte keine Werbung einwerfen\u00ab kleben und die Werbebl\u00f6cke im Fernsehen und Radio w\u00fcrde bekanntlich auch niemand vermissen.<\/p>\n<p>Der in den Milliardenbetr\u00e4gen zum Ausdruck kommende gesellschaftliche Aufwand, der in die Marketing- und Werbeaktivit\u00e4ten investiert wird, dient vielmehr der Beeinflussung der Kaufentscheidung sowie der Erzeugung von Bed\u00fcrfnissen, die es ohne den Werbeaufwand vielleicht gar nicht g\u00e4be.<\/p>\n<p>Von regelm\u00e4\u00dfigen Facelifts bei Automodellen, Modekampagnen der Bekleidungsindustrie, verf\u00fchrerischen Pr\u00e4sentationen cooler alkoholischer Getr\u00e4nke f\u00fcr Jugendliche und Livestyle-Werbung f\u00fcr Zigaretten lassen sich die konkurrierenden Hersteller mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung der Werbebranche einiges einfallen und \u00fcberziehen so die gesamte warenproduzierende Gesellschaft bis in den letzten Winkel mit Plakaten und Videospots, um das eigene Gesch\u00e4ft gegen\u00fcber den Konkurrenten zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>Das permanente Trommelfeuer der im Dienst der Produktionsmittelbesitzer arbeitenden Marketing- und Werbefachleute bildet die Grundlage, auf der dann Heerscharen von Verk\u00e4ufern und Verk\u00e4uferinnen ihre parteiliche Kundenberatung starten.<\/strong><\/p>\n<p>Angefangen bei den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen \u00fcber Produktmanagement und Marketing bis zu den Vertriebsorganisationen besch\u00e4ftigt sich so in der Marktwirtschaft ein Gro\u00dfteil der Menschen mehr mit Fragen des Verkaufs als mit Fragen der Versorgung der Gesellschaftsmitglieder.<\/p>\n<p>Dass beispielsweise in der Pharmaindustrie der Forschungsaufwand nur einen Bruchteil der im Vergleich hierzu in Werbung und Vertrieb get\u00e4tigten Investitionen ausmacht, ist daher auch keine Ausnahme, sondern die Regel in der Konkurrenz um die Marktanteile und bedarf zugleich der aufwendigen staatlichen \u00dcberwachung, um die zerst\u00f6rerischen Folgen dieser Gesch\u00e4ftspraktiken im f\u00fcr die Wirtschaftsordnung vertretbarem Rahmen zu halten.<\/p>\n<p>Pfizer, das zweitgr\u00f6\u00dfte Pharmaunternehmen der Welt, akzeptierte beispielsweise 2009 eine Strafe von 2,3 Milliarden US-Dollar wegen wiederholter betr\u00fcgerischer Werbepraktiken, da es nach Angaben der US-Justiz unter anderem \u00c4rzte gedr\u00e4ngt hatte, Schmerzmittel f\u00fcr Behandlungen zu verschreiben, f\u00fcr die sie nicht zugelassen waren.<\/p>\n<p><strong>5. \u00bbThe great reset of capitalism\u00ab ist das Ideal des globalisierten Kapitals im Rahmen der United Nations im Sinne des ideellen Gesamtkapitalisten die Sch\u00e4digungen an Mensch und Umwelt auf neuer Grundlage zu regulieren, um das kapitalistische Produktionsverh\u00e4ltnis, das diese Sch\u00e4digungen verursacht, zu erhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Im Kapitalismus ist die Bed\u00fcrfnisbefriedigung der Gesellschaftsmitglieder Mittel zum Zweck der Vermehrung des eingesetzten Kapitals der Produktionsmittelbesitzer. Bezogen auf den Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft ausgedr\u00fcckt bedeutet dies: Der Tauschwert der Produkte ist der Zweck, f\u00fcr den ihre N\u00fctzlichkeit das Mittel ist. \u00dcber diesen doppelten Charakter der Waren ger\u00e4t die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte im Kapitalismus in fortw\u00e4hrenden Konflikt mit ihrem Zweck, der Vermehrung des vorhandenen Kapitals. Steigt n\u00e4mlich die gesellschaftlich durchgesetzte Produktivit\u00e4t, so sinkt zugleich die auf die gesellschaftlich erforderliche Arbeitszeit bezogene Wertgr\u00f6\u00dfe der nun produktiver hergestellten Produkte.<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"has-background\">\u00bbDerselbe Wechsel der Produktivkraft, der die Fruchtbarkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten Gebrauchswerte vermehrt, vermindert die Wertgr\u00f6\u00dfe dieser vermehrten Gesamtmasse, wenn er die Summe der zu ihrer Produktion notwendigen Arbeitszeit abk\u00fcrzt.\u00ab (7)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer die gesellschaftliche Produktivit\u00e4t, desto kleiner die zur Herstellung einer Ware notwendige Arbeitszeit, desto geringer der Wert der Ware, auf den es in der kapitalistischen Produktion allein ankommt. Verringern sich aber infolge des in Konkurrenz gegeneinander vorangetriebenen Produktivit\u00e4tsfortschritts die gesellschaftlich notwendigen Herstellungskosten, reduzieren die Unternehmen zugleich ihren Umsatz und den auf diesen bezogenen Gewinn.<\/p>\n<p>Was in einer auf die Bed\u00fcrfnisse der Gesellschaftsmitglieder bezogenen Produktion den Reichtum der Gesellschaft steigern w\u00fcrde \u2013 ein Produkt kann mit der H\u00e4lfte der Arbeitszeit produziert werden \u2013, reduziert den gesellschaftlichen Reichtum bezogen auf den Ma\u00dfstab kapitalistischer Produktion. Dieser spezifisch kapitalistische Widerspruch \u2013 die Ma\u00dfnahmen zur Steigerung des Kapitalwachstums verringern dieses zugleich \u2013 l\u00e4sst sich nur \u00fcber einen st\u00e4ndig erweiterten Produktaussto\u00df kompensieren.<\/p>\n<p><strong>Kapitalistische Unternehmen m\u00fcssen daher wachsen und dieser Wachstumszwang f\u00fchrt dazu, dass die Unternehmen den Widerspruch kapitalistischer Produktion best\u00e4ndig vorantreiben.<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Zyklen von Boom und Krise ist das Kapital in der Konkurrenz um Kostenf\u00fchrerschaft und Marktanteile gezwungen, im Rahmen der Produktivit\u00e4tssteigerung mit der Entlassung von Arbeitskr\u00e4ften und der Intensivierung der Arbeit die Lohnst\u00fcckkosten zu senken, w\u00e4hrend gleichzeitig der Zweck der Geldvermehrung auf die Ausnutzung der Zahlungsf\u00e4higkeit der Gesellschaftsmitglieder angewiesen ist.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte, die auf der Grundlage gemeinschaftlicher Produktionsmittel ein Segen ist, gestaltet sich daher im Rahmen kapitalistischer Eigentumsverh\u00e4ltnisse zum Fluch: Weniger notwendige Arbeit bedeutet bezogen auf den Zweck der Kapitalvermehrung nicht gleicher Lebensstandard mit mehr Freizeit, sondern weniger Zahlungsf\u00e4higkeit f\u00fcr die, denen gek\u00fcndigt wurde und dar\u00fcber im Zuge der kapitalistischen Krise \u00dcberkapazit\u00e4ten neben der zunehmenden Verarmung der Bev\u00f6lkerung. Oder wie Karl Marx es in den Grundrissen seiner Kapitalismuskritik ausdr\u00fcckte:<\/p>\n<p class=\"has-background\">\u00bbDas Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch dadurch, dass es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren strebt, w\u00e4hrend es andererseits die Arbeitszeit als einziges Ma\u00df und Quelle des Reichtums setzt.\u00ab (8)<\/p>\n<p>Angesichts dieses sich entwickelnden Widerspruchs kapitalistischer Produktion tr\u00e4umen die Anh\u00e4nger der Marktwirtschaft vom \u201eGreat Reset\u201c.<\/p>\n<p>\u00bbDie Ank\u00fcndigung des \u201eGrossen Neustartes\u201c wurde von S.K.H. The Prince of Wales und Professor Schwab w\u00e4hrend eines virtuellen Treffens (des World Economic Forums) gemacht, gefolgt von Erkl\u00e4rungen des UN-Generalsekret\u00e4rs Ant\u00f3nio Guterres und der gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Direktorin des IWF Kristalina Georgieva. Ihre Aussagen wurden von Stimmen aus allen Stakeholdergruppen der Weltgesellschaft unterst\u00fctzt \u2026 \u201eDer Grosse Neustart\u201c ist eine Verpflichtung, gemeinsam und dringend die Grundlagen unseres Wirtschafts- und Sozialsystems f\u00fcr eine gerechtere, nachhaltigere und widerstandsf\u00e4higere Zukunft zu schaffen. \u2026 Er erfordert einen neuen Gesellschaftsvertrag, in dessen Mittelpunkt Menschenw\u00fcrde und soziale Gerechtigkeit stehen. \u2026 \u201eUm unsere Zukunft zu sichern und Wohlstand zu schaffen, m\u00fcssen wir unser Wirtschaftsmodell weiterentwickeln und die Menschen und den Planeten in den Mittelpunkt der globalen Wertsch\u00f6pfung stellen.\u201c sagte S.K.H. der Prinz von Wales. \u2026 \u201eEin \u201aGreat Reset\u2018 ist notwendig, um einen neuen Gesellschaftsvertrag aufzubauen, der die W\u00fcrde jedes Menschen ehrt\u201c, f\u00fcgte Schwab hinzu.\u00ab (9)<\/p>\n<p><strong>Die deutsche Bundeskanzlerin fand angesichts dieser kapitalistischen Herausforderung in ihrer Rede auf dem World Economic Forum beruhigende Worte:<\/strong><\/p>\n<p class=\"has-background\">\u00bbSie haben das Motto \u201eThe Great Reset\u201c gew\u00e4hlt; das ist das diesj\u00e4hrige Thema. Ich frage einmal: Brauchen wir wirklich einen \u201eGreat Reset\u201c oder ist es nicht eher so, dass wir einen Neuanfang weniger hinsichtlich der Zielsetzungen und mehr hinsichtlich der Entschlossenheit unseres Handelns brauchen? \u2026 mein Fazit \u2026 Es gibt ein Sprichwort des deutschen Schriftstellers Erich K\u00e4stner, das lautet: \u201eEs gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es. \u201e\u00ab (10)<\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n<p id=\"quellen-und-anmerkungen\"><span id=\"Quellen_und_Anmerkungen\" class=\"ez-toc-section\"><\/span><strong>Quellen und Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>(1) World Economic Forum:\u00a0<strong>The Great Reset.<\/strong>\u00a0Auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/great-reset\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.weforum.org\/great-reset<\/a>\u00a0(abgerufen am 12.11.2021).<\/p>\n<p>(2) World Economic Forum (News Release):\u00a0<strong>The Great Reset: Ein einzigartiger Zwillingsgipfel zu Beginn des Jahres 2021.<\/strong>\u00a0Auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_The_Great_Reset_AM21_German.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_The_Great_Reset_AM21_German.pdf<\/a>\u00a0(abgerufen am 12.11.2021).<\/p>\n<p>(3) Karl Marx:\u00a0<strong>Das Kapital<\/strong>; Bd. 1, S. 529f<\/p>\n<p>(4) Renate Dillman, Adrian Schiffer-Nasserie:\u00a0<strong>Der soziale Staat. \u00dcber n\u00fctzliche Armut und ihre Verwaltung<\/strong>\u00a0(VSA 2018, S. 177).<\/p>\n<p>(5) Karl Marx, Friedrich Engels:\u00a0<strong>Manifest der kommunistischen Partei<\/strong>\u00a0(MEW 4, S. 468).<\/p>\n<p>(6) Vgl. hierzu: Hermann Lueer,\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/neue-debatte.com\/2020\/07\/12\/zur-oekonomie-der-corona-pandemie\/\">Zur \u00d6konomie der Corona-Pandemie<\/a><\/strong>. Auf\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kapitalismuskritik.eu\/content\/texte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.kapitalismuskritik.eu\/content\/texte\/<\/a>\u00a0(abgerufen am 12.11.2021).<\/p>\n<p>(7) Karl Marx:\u00a0<strong>Das Kapital<\/strong>, Bd.1 (Dietz Verlag Berlin 1971, S. 61).<\/p>\n<p>(8) Karl Marx:\u00a0<strong>Grundrisse der Kritik der politischen \u00d6konomie<\/strong>\u00a0(MEW 42, S. 601).<\/p>\n<p>(9) World Economic Forum (News Release):\u00a0<strong>The Great Reset: Ein einzigartiger Zwillingsgipfel zu Beginn des Jahres 2021.<\/strong>\u00a0Auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_The_Great_Reset_AM21_German.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_The_Great_Reset_AM21_German.pdf<\/a>\u00a0(abgerufen am 12.11.2021).<\/p>\n<p>(10) Presse- und Informationsamt der Bundesregierung:\u00a0<strong>Rede von Bundeskanzlerin Merkel anl\u00e4sslich des Davos-Dialogs des World Economic Forum am 26. Januar 2021 (Videokonferenz)<\/strong>. Auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundeskanzlerin.de\/bkin-de\/aktuelles\/rede-von-bundeskanzlerin-merkel-anlaesslich-des-davos-dialogs-des-world-economic-forum-am-26-januar-2021-videokonferenz--1844594\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bundeskanzlerin.de\/bkin-de\/aktuelles\/rede-von-bundeskanzlerin-merkel-anlaesslich-des-davos-dialogs-des-world-economic-forum-am-26-januar-2021-videokonferenz\u20131844594<\/a>\u00a0(abgerufen am 12.11.2021).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die im Januar 2021 auf dem Weltwirtschaftsforum offizielle gestartete \u00bbInitiative des sogenannten \u201eGreat Reset\u201c st\u00fctzt sich auf die Vision und das enorme Fachwissen der in den Gemeinschaften des Forums engagierten F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten und hat eine Reihe von Dimensionen, um einen 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