{"id":1467100,"date":"2021-11-11T10:30:01","date_gmt":"2021-11-11T10:30:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1467100"},"modified":"2021-11-15T10:42:50","modified_gmt":"2021-11-15T10:42:50","slug":"vandana-shiva-erhaelt-den-carlowitz-nachhaltigkeitspreis-2021-in-chemnitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/11\/vandana-shiva-erhaelt-den-carlowitz-nachhaltigkeitspreis-2021-in-chemnitz\/","title":{"rendered":"Vandana Shiva erh\u00e4lt den Carlowitz-Nachhaltigkeitspreis 2021 in Chemnitz"},"content":{"rendered":"<p>Am 5. und 6. November fand die Verleihung der Hans-Carl-von-Carlowitz-Nachhaltigkeitspreise 2021 in Chemnitz unter der Schirmherrschaft des s\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Michael Kretschmer statt. Preistr\u00e4gerin war neben Dr. Gerd M\u00fcller, Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und Prof. Dr. Klaus Bosselmann, Mitautor der Erd-Charta und leidenschaftlicher Verfechter f\u00fcr die Rechte unseres Planeten, auch die international renommierte indische Wissenschaftlerin, Globalisierungskritikerin und Umweltaktivistin Dr. Vandana Shiva, die aus Indien live zugeschaltet war.<\/p>\n<p>Der Preis, dessen Verleihung im Rahmen der Nachhaltigkeitskonferenz 2021 zusammen mit einem \u201eMutter-Erde-Fest\u201c anl\u00e4sslich des 10j\u00e4hrigen Bestehens der <a href=\"https:\/\/carlowitz-gesellschaft.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Carlowitz-Gesellschaft<\/a> stattfand, geht auf Hans Carl von Carlowitz (1645 \u2013 1714), Oberberghauptmann am kurs\u00e4chsischen Hof in Dresden, zur\u00fcck, der als Begr\u00fcnder des Prinzips der Nachhaltigkeit gilt. Er formulierte 1713 in seinem Werk zur Forstwirtschaft &#8222;Sylvicultura oeconomica&#8220; erstmals, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planm\u00e4\u00dfige Aufforstung wieder nachwachsen kann und legte damit den Grundstein f\u00fcr den heutigen Begriff der Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p>Bei der diesj\u00e4hrigen Preisverleihung wurde Vandana Shiva als eine \u201e<strong>un\u00fcberh\u00f6rbare, authentische Stimme der Nachhaltigkeit, tief verbunden mit ihren Mitmenschen und mit den Nachhaltigkeitspionieren weltweit<\/strong>\u201c geehrt. Die Laudatio hielten Joseph Wilhelm, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Rapunzel Naturkost und Dr. Tewolde Berhan Gebre Egziabher, langj\u00e4hriger Generaldirektor der Umweltschutzbeh\u00f6rde von \u00c4thiopien.<\/p>\n<p>In ihrer Dankesrede bekr\u00e4ftigte Dr. Shiva ihre N\u00e4he zu Carlowitz und dem Schutz des Waldes, der ihr durch die Arbeit ihres Vaters, einem F\u00f6rster im Wald des Himalaya, bereits in die Wiege gelegt wurde. Das Verschwinden der W\u00e4lder ihrer Heimat durch Abholzung als Kind mitansehen zu m\u00fcssen, war damals ein einschneidendes Erlebnis f\u00fcr sie. Ihr Engagement als Aktivistin f\u00fcr \u00d6kologie geht zudem auch auf die Chipko-Bewegung zur\u00fcck, die in den 70er Jahren in ihrer Region zum Schutz der B\u00e4ume entstand und bei der Frauen durch das Umarmen der B\u00e4ume deren F\u00e4llung verhinderten.<\/p>\n<p>\u201eVor 50 Jahren schon wussten wir um die \u00f6kologische Funktion der B\u00e4ume. Das einzige, was man aus S\u00e4gem\u00fchlen bekommt, sind Bretter. W\u00e4lder hingegen sind die Quelle des Bodens, des Wassers und des Sauerstoffs\u201c, sagt sie und unterstreicht damit die essentielle Rolle, die W\u00e4lder f\u00fcr unser Leben auf der Erde spielen.<\/p>\n<p>Im Folgenden geben wir weitere Ausz\u00fcge der \u00dcbersetzung ihrer Rede wieder, in der sie immer wieder auf die Zusammenh\u00e4nge zwischen Raubbau an der Natur und Zerst\u00f6rung des \u00f6kologischen Gleichgewichts mit den aktuellen Krisen wie Klimazerr\u00fcttung, Krankheit und Seuchen sowie Hunger und Mangelern\u00e4hrung eingeht.<\/p>\n<p>Diese Zusammenh\u00e4nge zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken, indem wir Biodiversit\u00e4t bewahren und f\u00f6rdern und mit der Natur arbeiten, anstatt gegen sie, ist laut Dr. Shiva die gro\u00dfe Aufgabe, die uns jetzt bevorsteht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Ausz\u00fcge aus der Rede von Vandana Shiva am 5.11.2021 in Chemnitz<\/h3>\n<p><strong>\u00d6kologische Krisen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJede \u00f6kologische Krise, vor der wir stehen, kann zum Waldsterben und zur Waldabholzung zur\u00fcckverfolgt werden. \u00dcber 20 % unserer Treibhausgasemissionen kommen aus der \u00c4nderung der Bodennutzung. Es geht also um die Zerst\u00f6rung der Regenw\u00e4lder des Amazonas f\u00fcr den Sojaanbau. Dort gab es einen 40-fachen Anstieg des Einsatzes von Glyphosat w\u00e4hrend der letzten Jahre, seitdem genmanipuliertes Soja in Brasilien angebaut wird. Ich habe mit der brasilianischen Regierung vor Jahren zusammengearbeitet, um die genetisch modifizierten Pflanzen aus dem Land fernzuhalten, aber die Regierung hat sich daf\u00fcr entschieden. Der Regenwald im Kongo wird f\u00fcr Palm\u00f6l zerst\u00f6rt. In Indonesien dasselbe. Wir brauchen kein Palm\u00f6l im Regenwald. Wir brauchen auch keine genetisch modifizierten Sojabohnen im Amazonas. Das f\u00fchrt nicht nur zum Klimawandel, sondern das ist auch die Wurzel der Pandemien, vor denen wir stehen. Wenn wir uns die Ebola-Pandemie anschauen, die Influenza-Pandemie, MERS, SARS, West-Nil-Virus, das Zika-Virus, all diese Pandemien sind aus W\u00e4ldern gekommen. Neue Krankheiten entstehen, weil die globalisierte industrialisierte Lebensmittelproduktion in die \u00f6kologischen Lebensr\u00e4ume von anderen Spezies eingreift und Tiere und Pflanzen manipuliert, ohne Respekt f\u00fcr die Integrit\u00e4t und die Gesundheit des \u00d6kosystems.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gesundheit<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Gesundheit der Erde und unsere Gesundheit sind miteinander verbunden. W\u00e4hrend Regenw\u00e4lder zerst\u00f6rt werden und giftige und n\u00e4hrstoffarme Materialien produziert werden, synthetische Chemikalien auf dem Land ausgebracht werden, sind wir durch Krankheit miteinander verbunden. Uns t\u00f6ten nicht nur diese neuen Krankheiten, sondern auch die schlechten Lebensmittel. Die Forschung zeigt, das ultraverarbeitete Lebensmittel f\u00fcr 75 % der chronischen Krankheiten verantwortlich sind. Wenn man dann noch Infektionen hinzuf\u00fcgt, wie Corona zum Beispiel, dann steigt die Sterblichkeit um 9,5 % durch Komorbidit\u00e4ten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Industrielle Landwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie industrielle Landwirtschaft mit ihrem grenzenlosen Appetit treibt den Klimawandel. 50 % aller Treibhausgasemissionen kommen aus der globalisierten industrialisierten Lebensmittelproduktion. Das tut der Erde Gewalt an, es tut den Kleinbauern Gewalt an, die 80 % unserer Lebensmittel produzieren. Das sind Zahlen der FAO. Kleinbauern nutzen nur 20 &#8211; 25 % des Bodens. Hingegen sind 75 % des Bodens unter industrieller Produktion, die uns nur 20 % der Lebensmittel zur Verf\u00fcgung stellt, die wir essen, und es sind zudem schlechte Lebensmittel, die uns krank machen. Trotzdem sehen wir, dass die Kleinbauern zerst\u00f6rt werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>COP 26<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie meisten Menschen vergessen, dass der UN-Rahmenvertrag zum Klimawandel in Rio schon 1982 unterzeichnet wurde. Die Tatsache, dass wir seit dem 26 COPs gebraucht haben, und die Emissionen immer noch weiter steigen, zeigt, dass es nicht funktioniert. In Kopenhagen wurde der UN-Klimarahmenvertrag get\u00f6tet. Die Verschmutzer haben sich zusammengesetzt und haben gesagt, OK, lasst uns doch freiwillige Abkommen treffen, wozu brauchen wir denn rechtlich bindende Abkommen? Und das versuchen die Gentechnik-Konzerne auch heute noch durchzusetzen, um ihre genetisch ver\u00e4nderten Saaten ausbringen zu d\u00fcrfen. Das ist eine massive Ver\u00e4nderung, denn ein genetisch modifizierter Samen f\u00fchrt zu zehntausend Ver\u00e4nderungen im \u00d6kosystem. Alle, die auf dem Feld arbeiten, wissen, dass die neuen genetisch modifizierten Saaten reguliert werden sollten. Diese Deregulierung ist ein gro\u00dfer Teil das Problems.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ethische Verpflichtung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Frage der W\u00e4lder ist eine dringende Frage und trotzdem ist das einzige, was dazu gesagt wird, dass bis 2030 die Abholzung aufh\u00f6ren soll. Das sind noch 10 Jahre, bis dahin werden die Urw\u00e4lder verschwinden und es wird kein Wald mehr \u00fcbrig sein, den wir sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Es wird keine indigenen V\u00f6lker mehr geben, die uns lehren k\u00f6nnen. Es wird keine Artenvielfalt mehr geben, die uns gesund erh\u00e4lt. Deswegen m\u00fcssen wir heute handeln und ich hoffe, dass die Carlowitz-Gesellschaft dabei ein f\u00fchrende Rolle einnehmen kann in der Transformation hin zu mehr Verantwortung, zu mehr Engagement, denn das ist der Weg, auf dem wir weitergehen m\u00fcssen und auf dem wir die Erinnerung an Carlowitz lebendig halten. Die Herausforderung der Nachhaltigkeit heute beinhaltet auch eine ethische Verpflichtung, das Richtige zu tun. Wie ich immer sage, es reicht nicht aus, eine Entscheidung zu treffen, aber es ist eine spontane Entscheidung, das Richtige zu tun. Ich habe spontan entschieden, dass ich mein Leben der Nachhaltigkeit widmen m\u00f6chte, das habe ich bereits 1987 entschieden. Die richtigen Handlungen kommen aus dem Gewissen, sie kommen aus unserem eigenen Gef\u00fchl. Wir d\u00fcrfe nicht weiter das Falsche tun.\u201c<\/p>\n<p><strong>Net Zero<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Begriff Net Zero, der in Bill Gates Buch \u201eHow to avoid a climate disaster\u201c eingef\u00fchrt wurde, kann das Problem nicht l\u00f6sen. Net Zero wird die Emissionen nicht aufhalten, sondern es geht nur darum, die Emissionen anders zu verstecken und anders zu verbergen. Unsere W\u00e4lder und unsere B\u00f6den sollten voller Leben sein, denn sie k\u00f6nnen das CO2 aus der Atmosph\u00e4re durch Fotosynthese und durch Schaffung von N\u00e4hrstoffen nutzbar machen. Das sind lebende Systeme, die das Leben schaffen. Das ist genau das, was Carlowitz gemeint hat. Und diese Systeme werden nun reduziert zu blo\u00dfen Dingen, w\u00e4hrend die Verschmutzer weiter unsere Erde verschmutzen. Heute morgen habe ich gesehen, dass der ehemalige Direktor der Bank of England jetzt die Verhandlungen in Glasgow f\u00fchrt und er hat ein Wort benutzt, das mich sehr w\u00fctend macht: er hat gesagt, wir haben die Pl\u00e4ne f\u00fcr eine neue Architektur f\u00fcr mehr Klimaschutz und wir m\u00fcssen die T\u00e4tigkeiten, die die Verschmutzung verursachen, nicht \u00e4ndern, sondern wir m\u00fcssen neue Wege finden, die \u00f6kologischen Funktionen zu monetarisieren. Und diese Logik war die Logik, gegen die Carlowitz vorgegangen ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>Forschung in Indien<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir haben gelernt, dass wenn man mit der Natur zusammenarbeitet, man mehr produzieren kann. Es reicht nicht aus, Lebensmittel, die fast keinen N\u00e4hrwert haben, zu produzieren. Wir messen den N\u00e4hrwert pro Fl\u00e4che und wir schaffen lokale Wirtschaften, die die Menschen ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Unsere Forschung zeigt, dass wenn man anf\u00e4ngt, die Biodiversit\u00e4t zu intensivieren, wenn man sich um den Boden k\u00fcmmert, sich um das Saatgut k\u00fcmmert, wie Carlowitz es fordert, dann kann man sowohl mehr Lebensmittel als auch n\u00e4hrstoffreichere Lebensmittel produzieren. Unsere Forschung in Indien zeigt, dass wenn wir das \u00fcberall in Indien tun w\u00fcrden, wir gen\u00fcgend Lebensmittel h\u00e4tten f\u00fcr die doppelte Anzahl der indischen Bev\u00f6lkerung. Dann m\u00fcsste nicht mehr jeder vierte Inder hungrig und in seiner Entwicklung beeintr\u00e4chtigt sein. Mangelern\u00e4hrung ist ein Symptom eines Systems, das nicht f\u00fcr die Menschen funktioniert. Klimawandel und Ausrottung sind Symptome von Systemen, die f\u00fcr den Planeten nicht funktionieren. Die gleichen Handlungen, die den Klimawandel l\u00f6sen k\u00f6nnten, sind auch die Handlungen, die den Hunger aufl\u00f6sen k\u00f6nnten und Krankheiten verschwinden lassen k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Biologische und kulturelle Diversit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnsere Arbeit \u00fcberzeugt mich, dass der Weg in die Zukunft der Weg der Artenvielfalt ist. In den vielen Jahren habe ich von der Artenvielfalt alle Lektionen gelernt, die ich jetzt beherrsche. Die Natur funktioniert nicht mit einem System der Uniformit\u00e4t und der Monokultur. Die nat\u00fcrliche Welt strebt immer wieder danach, sich auszudr\u00fccken, und auch Kulturen tun das. Kulturelle Diversit\u00e4t entspringt der Biodiversit\u00e4t, diverse \u00d6kosysteme f\u00fchren zu diversen Lebensformen, zu Koevolution von Lebensformen und Lebensr\u00e4umen. Denn das schafft, regeneriert und bewahrt die biologische und kulturelle Vielfalt des Planeten, die uns alle reicher, sicherer und wohlhabender macht. Die Zerst\u00f6rung von Biodiversit\u00e4t und die Auferlegung von Uniformit\u00e4t und Monokultur des Denkens f\u00fchrt zu homogenen Systemen, die anf\u00e4llig sind f\u00fcr soziologische und \u00f6kologische Zusammenbr\u00fcche. F\u00fcr mich als \u00d6kologin funktioniert es nicht, eine Landwirtschaft auf der ganzen Welt zu betreiben, mit den gleichen Pflanzen, mit den gleichen D\u00fcngemitteln, das ist unverantwortlich. Denn, das ist nicht nur energieintensiv, und schafft Entropie, und deshalb auch Abfall, sondern sie ist zentralisiert und Zentralisierung funktioniert nicht in einer vernetzten Welt. Eine vernetzte Welt braucht Biodiversit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p><strong>Heilung durch Biodiversit\u00e4t und Selbstregulierung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eNachhaltigkeit und Biodiversit\u00e4t sind miteinander verbunden, denn die Biodiversit\u00e4t bietet die Vielfalt, die es uns erm\u00f6glicht, \u00f6kologische St\u00f6rungen im System auszugleichen. Wir sollen heilen, das ist unsere Aufgabe. Wir heilen den Boden, wir heilen das Klima, wir heilen die Artenvielfalt, wir heilen die menschliche Gesundheit und unsere kaputten Gesellschaften. Zus\u00e4tzlich zu \u00f6kologischer Stabilit\u00e4t stellt Biodiversit\u00e4t auch vielf\u00e4ltige Lebensentw\u00fcrfe sicher, die alle unsere Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Homogene Produktionszyklen brechen unsere Gesellschaften auseinander und machen die Produktion abh\u00e4ngig von externen Inputs und externen M\u00e4rkten. Abh\u00e4ngigkeit f\u00fchrt zu Vulnerabilit\u00e4t und das sehen wir \u00fcberall in der Dritten Welt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDiversit\u00e4t f\u00fchrt zu \u00f6kologischem Raum, Geben und Nehmen, zur Zusammenarbeit, zu Gegenseitigkeit. Die Zerst\u00f6rung der Biodiversit\u00e4t durch Monokulturen f\u00fchrt zu Krankheit und Zerst\u00f6rung. Dezentralisierte Systeme geben uns die Kontrolle zur\u00fcck. Meine Forschung zeigt mir, dass der Planet das Klima erschaffen hat. Das Klima enth\u00e4lt 4.000 parts per million CO2, was zum Entstehen von Pflanzen gef\u00fchrt hat, die Fotosynthese durchf\u00fchren und das CO2 mit Hilfe von Sonnenlicht aus der Atmosph\u00e4re entfernen, die uns Sauerstoff geben und uns Nahrungsmittel im Austausch geben. Die Temperaturen sind von 290 Grad heruntergegangen auf Temperaturen, bei denen Menschen leben k\u00f6nnen. Und diese Gesetze der Selbstregulierung von lebenden Systemen auf Mikroebene, auf Zellebene, bis hin zu ganzen \u00d6kosystemen und dem gesamten Planeten sind die Mechanismen, die wir st\u00e4rken m\u00fcssen. Diversit\u00e4t und Selbstregulierung gehen Hand in Hand.\u201c<\/p>\n<p><strong>Chancen f\u00fcr die Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMonokulturen, Wettbewerb und Gier haben die Menschheit an den Rand des Abgrunds gebracht. Heute stehen wir vor vielen Krisen, Gesundheitskrisen, Klimakrisen und Krisen brutaler sozialer Ungleichheit und tiefen kulturellen Kluften. Diversit\u00e4t kann die Heilung bieten, die die Natur und Gesellschaften brauchen. Angefangen mit der Bewahrung von Arten k\u00f6nnen wir lernen, wie wir auch kulturelle Diversit\u00e4t erhalten k\u00f6nnen. Wir sind Teil der Natur, wir sind Teil der Erde, wir sind nicht losgel\u00f6st von unserem Planeten. Aus der Natur k\u00f6nnen wir lernen, wie wir die Diversit\u00e4t wiedererlangen k\u00f6nnen. Durch kulturelle Diversit\u00e4t k\u00f6nnen wir die Saat des Friedens ausbringen. Wie Carlowitz gesagt hat, derselbe Prozess der Kultivierung von biologischer und kultureller Diversit\u00e4t ist auch der Weg hin zu Wohlstand und Reichtum und Gesundheit. Wir leben in einer Zeit der Panik im Bezug auf den Schaden, der angerichtet wurde, aber wir leben eben auch in einer Zeit der Chancen und Verpflichtung, weiter auf diesem Weg zu gehen. Die Erde l\u00e4dt uns dazu ein, zu regenerieren, sie erinnert uns, dass in der Gesellschaft schon viel Wissen vorhanden ist und dass wir harmonisch zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Wir leben in einer Zeit der Chancen, die wir nicht verpassen sollten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die gesamte Rede von Dr. Shiva kann im YouTube-Video \u201e<a href=\"https:\/\/youtu.be\/zh3fpaWipr8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">S\u00e4chsische Nachhaltigkeitskonferenz 2021 mit Verleihung der Carlowitz-Nachhaltigkeitspreise<\/a>\u201c angesehen werden (ab ca. 3:00:00).<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_1467120\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1467120\" class=\"wp-image-1467120 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Vandana-Shiva-Carlowitz-Gesellschaft-Chemnitz-2021-Buhne.png\" alt=\"\" width=\"938\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Vandana-Shiva-Carlowitz-Gesellschaft-Chemnitz-2021-Buhne.png 938w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Vandana-Shiva-Carlowitz-Gesellschaft-Chemnitz-2021-Buhne-300x180.png 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Vandana-Shiva-Carlowitz-Gesellschaft-Chemnitz-2021-Buhne-820x491.png 820w\" sizes=\"auto, (max-width: 938px) 100vw, 938px\" \/><p id=\"caption-attachment-1467120\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcbergabe des Nachhaltigkeitspreises 2021 (von links) durch Dr. Dieter F\u00fcsslein, Vorsitzender der Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft e.V. und Joseph Wilhelm, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Rapunzel Naturkost an Bernward Geier von COLABORA, Bio-Pionier und langj\u00e4hriger Wegbegleiter von Dr. Shiva, der den Preis stellvertretend f\u00fcr sie in Empfang nimmt. Moderation: Prof. Timo Leukefeld, Energieberater der Bundesregierung. Weitere Infos: www.carlowitz-gesellschaft.de (Bild: Screenshot YouTube-Video).<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Vandana Shiva<\/strong> ist Wissenschaftlerin, Autorin von mehr als 20 B\u00fcchern, Umweltaktivistin und Verfechterin von Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t und Erddemokratie. Ihre Pionierarbeit in den Bereichen traditionelle Landwirtschaft und Frauenrechte, insbesondere im Globalen S\u00fcden, hat einen grundlegenden kulturellen Wandel der Sichtweise der Welt auf diese Themen bewirkt.<\/em><\/p>\n<p><em>1993 erhielt sie den Right Livelihood Award, eine Auszeichnung, die als \u00bbAlternativer Nobelpreis\u00ab bekannt ist. F\u00fcr ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche weitere Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den \u00bbSave the World\u00ab-Preis 2009 und den Sydney Peace Prize 2010.<\/em><\/p>\n<p><em>Shiva arbeitet derzeit in Delhi und in Dehradun, Uttarakhand, bei Navdanya, einer von ihr gegr\u00fcndeten, gemeinschaftsbasierten, von Frauen gef\u00fchrten Bio-Farm, die zugleich eine Schule, ein Caf\u00e9 und ein Bauern-Kollektiv umfasst. In der Bio-Farm werden Agrar\u00f6kologie, Saatgutfreiheit und eine Vision der Erddemokratie gelebt, die Gerechtigkeit f\u00fcr die Erde und alle Lebewesen anstrebt.<\/em><\/p>\n<p><em>Ihre aktuellen B\u00fccher \u201e<strong><a href=\"https:\/\/shop.neueerde.de\/Neuerscheinungen\/Wer-ernaehrt-die-Welt-wirklich.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wer ern\u00e4hrt die Welt wirklich?<\/a><\/strong>\u201c und \u201e<strong><a href=\"https:\/\/shop.neueerde.de\/Neuerscheinungen\/Eine-Erde-fuer-alle-Einssein-versus-das-1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eine Erde f\u00fcr alle! &#8211; Einssein versus das 1%<\/a><\/strong>\u201c sind 2021 im Neue Erde Verlag, Saarbr\u00fccken erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5. und 6. November fand die Verleihung der Hans-Carl-von-Carlowitz-Nachhaltigkeitspreise 2021 in Chemnitz unter der Schirmherrschaft des s\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Michael Kretschmer statt. 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